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Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Nr 75.

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Freitag, 29. Marz 1929.

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Versuch eines gemeinsamen Ikcknngsprogramms.

Die D. A. Z. glaubt folgende Mitteilung ma­chen zu können: Nach der Vertagung des Reichs­tags haben zwischen den Finanzsachverständigen der Sozialdemokraten, der Demokraten und des Zentrums Etatsbesprechungen stattgefunden, die zu einer weitgehenden Annäherung dieser Fraktionen und zum Entwurf eines gemeinsamen Sparpro­gramms geführt haben. Es besteht sogar plötzlich der Plan, das Zentrum möglichst noch vor Verabschiedung des Etats in die Reichsregierung wieder auf;»nehmen. Die Deutsche Volks­partei soll nach Ansicht der an den Kompromiß­plänen beteiligten Kreise sich entweder entschließen, das soeben vereinbarte Deckungsprogramm mitzu­machen oder endgültig aus der Regierung auszu- fcheiden. Die Bayerische Volkspartei soll für eine etwaige Weimarer Koalition dadurch gewonnen werden, daß die geplante Erhöhung der Biersteuer in Fortfall kommt. Tas neue Deckungsprogramm sieht 180 Millionen Abstriche an der bisherigen Regierungsvorlage vor, darunter 40 Millionen am Derkehrsetat und 25 Millionen am Wehretat. Außerdem soll der Ansatz für die Tabaksteuer um 70 Millionen erhöht werden.

Die Verantwortung für die Richtigkeit dieser Mitteilung bleibt dem genannten Blatt überlassen.

Neue Reparationsvorschläge.

wtb. Paris. 28. März. ((Fig. Meldg.). Die Morgenpresse ist offenbar einheitlich informiert, denn sie will berichten können, daß Dr. Schacht nach seinem Urlaub aus Berlin positive Vorschläge, die als Grundlage für seine Diskussion über die Höhe der Reparationszahlungen angesehen werden könnten, nicht gemacht habe. Nach dem „Matin" sollen sich darüber gewisse Delegierten aufgeregt haben, daß gestern nachmittag Owen D. $oung als Vorsitzender der Reparationskonserenz l»e Delega. ttonen der auf der Konferenz vertretenen Staaten außer der deutschen Delegation zu sich gebeten habe. Nach dem „Matin" hat men in dieser Beratung die Lage geprüft und Owen D Poung sei von den Delegierten ein längeres Memorandum überreicht worden, in dem sie nochmals ihrer Forderungen und die Grenzen der möglichen Konzessionen aus- einandersetzten. Da die Delegierten heute in die Ferien gehen, wurde von Owen D. Young nach Kenntnisnahme der Noten der alliierten Delegatio­nen beschlossen, unter seiner eigenen Verantwor­tung ein zweites Memorandum aufzu­setzen, das er der deutschen Delegation in der heu­tigen Vormittagssitzung vorlegen werde Er werde Dr. Schacht daran erinnern, daß alle Welt darüber einig sei, daß diese Schuld gedeckt werden müsse und daß andererseits die Alliierten einmütig ihre For­derung über den Reparationsertrag aufrecht erhiel­ten.

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wtb. London, 28. März. ((Fig. Meldg.). Der Pariser Korrespondent der „Times" meldet: Die Stockung der Arbeit des Sachverständigenausschus- ses am Montag war nicht auf ein unbefrie­digend es deutsches Angebot, sondern auf einen unerwartet en Schrittaufalliier­ter Seite zurückzuführen. Als die allgemeine Erörterung begann, wurde eine Anregung gemacht, die ein neues Licht auf einige der alliierten Vor­schläge warf und weitere Erwägungen wünschens­wert machte. Dr. Schacht hat noch keinerlei offizielles Angebot gemacht. Der Korrespon­dent führt weiter aus: Man muß berücksichtigen, daß das Hauptproblem nicht bloß um Zahlen geht. Die Annehmbarkeit jeder Gesamtsumme schwenkt

Stalin -er „Eifeine".

Bon (Flair Holt.

Vorbemerkung der Schriftleitung: Der ehemalige Adjutant des russischen Diktators bringt im folgenden interessante Enthüllungen „5n Rußland gibt es keine Sowjet-Regierung, sondern nur eine Herrschaft autokratischer Sekre­täre, die zwar nominell von ihren Genossen in den kommunistischen Zweigabteilungen ernannt, in Wirklichkeit aber von der Zentrale eingesetzt wer­den. Alle diese Männer sind eifrige Anhänger und Agenten des Diktators, und sie kontrollieren heute ben ganzen Regierungsapparat und lenken die Sowjet Union."

So schreibt die frühere Adjutant Stalins, B. Dajanoff, der aus Rußland geflohen ist, in „Boz- rozfdonie", einer russischen Zeitschrift, die in Paris unter dem Titel die „Mechanik des Stalin-Regimes" erscheint.

Dajanoff selbst war, wie er sagt, ein „Sekretär von ungemeiner Begabung". Aus seiner Autobio­graphie geht hervor, daß fein Wunsch, Kommu­nist zu werden, dem Willen entsprang, seinen Freunden, die in der Revolution alles verloren hatten, zu helfen. Er bleibt bei seiner Behauptung, er habe, obwohl er im Laufe seiner Karriere zum Sekretär ernannt wurde und Stalin ihn in An­erkennung seiner Dienste zu seinem Adjutanten er­nannte, stets auf einen Umsturz von innen gehofft. Als er zu der Ueberzeugung kam, daß feine Hoff­nungen eitel waren und er sich von Spionen der GPU beobachtet sah, verließ er 1928 Rußland und begab sich nach Persien.

In einer Reihe von Artikeln, die Dajanoff als „Enthüllungen" bezeichnet, schildert er das Geheim­nis von Stalins Macht wie folgt:

„Die Methode des Diktators läßt sich in weni­gen Worten erklären: Sie beruht auf der Ernen­nung „eigener" Leute, d. h. loyaler Anhänger, die auf alle wichtigen Posten gebracht und über das

mit den Bedingungen, unter denen sie angeboten wird. Jede Vorkehrung z. B., die es ermöglichen würde, allmählich deutsche Zahlungen von der be­dingten in die unbebingte Kategorie hinüberzulei­ten, würde den Wert eines bestimmten Angebotes abändern. Es hat sich herausgestellt, daß einige vorgefchlagene Zahlungsbedingungen noch verbes­serungsbedürftig sind und mit ihnen sind die alliier- ten Delegationen gegenwärtig beschäftigt. Da keine Seite ein bestimmtes Angebot gemacht hat, ist auch die Annahme nicht berechtigt, daß die Aussichten für ein erfolgreiches Ergebnis g e r i n g e r find als in der vorigen Woche. Ader Privatbesprechungen, die sich unbegrenzte Zeit in die Länge ziehen, könnten möglicherweise das bisher Erreichte wieder zunichte machen. Daher nähert sich der Augenblick, wo der Vorsitzende des Ausschusses oder eines seiner führenden Mitglieder es wünscheswert finden wird, diesem Stadium ein Ende zu machen und in einer Vollsitzung des Ausschusses um ein endgülti­ges Angebot zu ersuchen. Dieser Augenblick wird aber schwerlich vor Ostern eintreten, vielleicht überhaupt nicht.

Die Nordmark-vauern.

Nach monatelangen Verhandlungen ist die Fleischwarenfabrik P. Rasch in Schles- wig, ein Unternehmen mit einem jährlichen Umsatz von Millionen Mark, in die Hände der unter dem Namen Bauernstand A.-G. wirtschastsich or- aanisierten Bauernschaft des Kreises Schleswig übergegangen.

Damit ist die Bcnernhand A.-G. in der Lage, die gesamte Verwertung von Lebend- D i e h, Butter, Milch und Eiern im Interesse der Bauernschaft des Kreises Schleswig zu regulieren. Der Vorsitzende der neuen Bauernhand A.-G Tönnsen teilte mit, daß die Beschaffung der not­wendigen Barmittel (man spricht von 800 000 Rm.) nur dadurch möglich geworden sei, daß dem Plane vom Reichsernährungsministerium wie auch vom preußischen Landwirtschaftsminifte- rium volles Verständnis entgegengebracht wurde.

• Denkschrift über die besetzten preußischen Ge­biete. Wie bekannt, steht die Reicksreairrung im Begriff, dem Reichstag eine Denkschrift über die besetzten Gebiete vorzulegen. Bezüglich des be­setzten preußischen Gebietes ist die Denk­schrift vom Oberpräsibenten der Rheinprovinz ver­faßt. Obervräsrdent Dr. h. c. Fucks nahm Ge­legenheit, die Denkschrift in einer Pressekon­ferenz in Koblenz, wozu zahlreiche Vertreter aus dem besetzten Gebiet und aus dem Reiche erschienen waren, der Oeffentlichkeit zu unterbrei­ten. Die Denkschrift enthält eine Darstellung der Verhältnisse, wie sie sich im besetzten Gebiete in­folge der Besetzung, der Entmilitarisierungsbestim­mungen. der Sankftonen und des Ruhrkampfes entwickelten. Sie zeichnet ein Bild der großen Notlage, worin sich das besetzte Gebiet in allen Zweigen des öffentlichen Lebens befindet. Der Oberpräsident bezeichnete als Ziel der Denkschrift, daß es nicht nur darauf ankomme, dem besetzten Gebiet die durch die Besetzung unmittelbar aufge­bürdeten Lasten zu erstatten, sondern daß das be­setzte Gebiet hoffe, daß seiner durch die politischen Ereignisse hervorgerufenen außerordentlichen Not­lage durch eine umfassende Betreuung Rechnung getragen werde. Der Besatzungsreferent des Ober­präsidiums, Oberregierungsrat Flach, gab einen Ueberblick über das der Regierung unterbreitete Detreuungsprogramm.

ganze Land verteilt, vor allem aber an die Spitze der Parteien gestellt werden. Das Hauptproblem, mit dem Stalin sich befaßt, ist das Äuffinden völ­lig verläßlicher Mitarbeiter. Diese Methode hat ihn zum Alleinherrscher gemacht.

Stalins eigene Leute stehen an der Spitze sämt­licher provinzialen Parteiorganisationen und wer­ben daher auch als Vertreter zum Allrussischen Kommunisten-Kongreß gesandt. Das bedeutet, daß die Majorität auf der Kongreßtagung stets gesichert ist und das Zentral-Komitee die alleinige Kon­trolle ausübt, mit anderen Worten: die Diktatur läuft keine Gefahr. Dieser einfache Mechanismus liegt dem ganzen System zu Grunde.

In der Praxis ist die Sach« natürlich etwas ver­wickelter. Als Beispiel kann man dafür die Me­thoden anführen, die bei der Wahl zum Zentral- Komitee in Anwendung kommen: Stalin, zusam­men mit den Führern der Delegationen, (die alle Sekretäre der provinzialen kommunistischen Partei- Komitees sind) stellt ein Kandidatenliste auf. Diese wird gedruckt und als Wahlzettel an die Kongreß- delegierten ausgegeben. Ihnen steht das Recht zu, leben beliebigen Namen auszustreichen und einen anderen an die Stelle zu fetzen. Doch macht kaum em einziger von diesem Vorrecht Gebrauch, aus hem einfachen Grunde, weil die Handschrift eines leben Delegierten bekannt ist und man genau weiß, baß ein Kongreßteilnehmer, der ernsthaft Äende- rungen auf der Wahlliste durchführen wollte, on ber nächsten Versammlung nicht mehr teilnehmen wurde Auf diese Weise werden alle, die nach Sta- Ims Ansicht nicht zuverlässig sind, abgeschaben.

Die Bekanntmachung, daß es heute in Rußland feine Sowjet-Regierung aäbe, ist nichts Neues oder gar Unbekanntes. Die Sowjet-Regierung hat 'chon lange in Rußland zu bestehen aufgehört. Es gibt nur die allgewaltige Kommunistische Partei und eine ungeheure Dolksmasse, die überhaupt keine Rechte mehr bat. Diese Massen werden durch zahl, reiche Organisasionen, wie Sowjets, Ueberwa- chungskommandos, Komitees, die sämllich der Kom­munistischen Partei unterstellt sind, kontrolliert.

Die Partei dagegen stellt eine zentralisierte Organi- fation dar und wird von ganz Wenigen gelenkt.

Joseph Stalin, der „eiserne Mann", ist. mehr durch sein Schweigen als durch seine Reden be­kannt. Er hat die Fünfzig erreicht, ist über 35 Jahre in der revolutionären Bewegung tätig ge­wesen und hat ehedem für seine Ideen büßen müs­sen. Unter dem Zaren wurde er fünfmal ver­haftet und im Jahre 1912 in einem sibirischen Ge­fangenenlager bei scharfer Bewachung unterge- bracht. Hier blieb et, bis im Jahre 1917 die Re­volution ihn befreite.

Seine Entwicklung zur Machtstellung unter den Bolschewisten vollzog sich im stillen. Seine Arbeit wurde im geheimen geleistet, und fein Name er­schien nur ganz gelegentlich in den Zeitungen. Tat­sächlich war er Lenins nächster Ratgeber und einer feiner getreuesten Freunde. Offiziell Generalsekre- für der Kommunistischen Partei, erhielt er die Auf­gabe, die 20 Millionen in Rußland lebenden Mo­hammedaner und Orientalen mit der Idee der Diktatur des Proletariats vertraut zu machen.

Als Lenin starb, war er, dessen brutale und harte Logik ihn zu einer ber mächtigsten Stützen der Regierung gemacht hatte, der einzige wirklich in Betracht kommende Nachfolger des großen Füh. rers. Zusammen mit Trotzki, Sinowjeff und Ka- meneff übernahm er die Regierung und führte die Politik einer teilweisen Restaurierung des Privat­handels, die von Lenin begonnen war, weiter fort. Dies bedeutete eite Schwenkung nach riecbts »nh schuf unter ben Führern Uneinigkeit und Miß­trauen.

Trotzki, ber unversöhnliche Apostel des reinen Kommunismus, sowie Sinowjeff unb Kamenesf auf der Linken bildeten die Opposition gegen Stalin mit Bukharin und Kalinin auf der Rechten. Ein hartnäckiger Kampf, bei dem allmählich die Linke unterlag, entspann sich und dauerte von 1924 bis zum Ende des Jahres 1927.

3m Januar 1928 wurde Trotzki zusammen mit Sinowjeff, dem Führer der dritten Internationale, Leo Kamenesf, Mitglied des politischen Büros, Chri­stian Rakowsky, dem früheren Gesandten in Paris, lind Karl Radek, einem alten Vorkämpfer des Bol­schewismus, verbannt. Stalin und seine Anhänger siegten über die reinen kommunistischen Grundsätze, die gegen den Kapitalismus ben Kampf bis aulfs Messer verlangten. Stalin ging sogar in der neuen »Wirtschaftspolitik, die unter Lenin begonnen war, noch weiter: er begann mit ausländischen Mächten Verhandlungen zur Beschaffung von Krediten und forderte ausländische Kapitalisten zur wirtschaftli­chen Mitarbeit in Rußland auf.

Etwas gänzlich Neues war Stalins Stellung­nahme den Dauern geoenüber. Man ließ sie reich werden, indem man die Steuerlasten verringerte und zugleich nicht mehr so scharfe Kontrolle über ihre Erzeugnisse ausübte, während Trotzki ben Standpunkt vertrat, daß jede Nachgiebigkeit ben Bauern gegenüber nur neue Kapitalisten schüfe, die sich der Regierung feindsich gegenüber verhalten.

• Für eine Reform der Arbeitslosenversicherung setzt sich die Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände ein Sie läßt erklären, daß sie in nächster Zeit der Reichsregierung ein konkretes Programm für diese Reform unterbreiten werde. Man müsse zwiscken ben eigentlichen Miß­bräuchen und Systemfehlern des Gesetzes unter- scheiden. Eine Revisionsmöglichkeit fei nur in der Beseitigung der Systemfehler gegeben. Eine Re­form des Gesetzes sei unbedingt notwendig. Der Vorschlag, der kürzlich vom Allgemeinen Deut­schen Gewerkschaftsbunb gemacht worden war, und zwar eine Erhöhung des Beitragssatzes eventuell um ein Prozent vorzunehmen, wird von den Arbeit­geberverbänden abgelehnt, weil diese Erhöhung für die Wirtschaft nicht tragbar sei. Die Mißbräuche innerhalb der Arbeitslosenversicherung werden auch von anderer Seite sehr lebhaft beklagt. Die ver­schiedenartigsten Vorfälle sind in der letzten Zeit eingehend geprüft worden und sie werden Veran- lassung geben zu einer gründlichen Nachkontrolle der gesetzlichen Bestimmungen, eventuell mit dem Ziel, Vorkehrungen zu treffen, um derartige Aus­wüchse für die Zukunft unmöglich zu machen.

Rühnenvolksbund und Zensur.

Der Vorstand deS Bühnenvolksbundes hat sich mit der in letzter Zeit viel erörterten Frage einer Wiedereinführung der Theaterzensur befaßt. Grundsätzlich lehnt er, auS geistigen und künstlerischen Gründen, eine Zensur im Sinne einer gesetzlich sanktionierten Bevormundung von Kunst und Schrifttum ab. Es besteht aber andererseits nach der Ueberzeugung des Bundesvorstandes keinerlei Veranlassung. Bestrebungen, welche auf eine Bekämpfung desMißbrauchsderBühne abzielen, ohne weiteres als unzulässigen Eingriff in den Bereich der Kunst und als Versuch zur Wiedererweckung der Theaterzensur zu verdächtigen. Es bedeutet keineswegs eine Beeinträchtigung freien geistigen und künstlerischen Schaffens, wenn der skrupellosen Erwerbsgier auch auf dem Gebiet des Theaters wenigstens die Grenze gezogen wird, die sich aus der Achtung vor den elementaren Lebens­grundlagen eines Volkes und eines Staates ganz von selbst ergibt. Jm Gegensatz zu dem Kampf­ausschuß gegen die Zensur ist daher der Vorstand des Bühnenvolksbundes der Auffassung, daß weder der Kunst noch dem Theater gedient ist, wenn jede sensationelle Ausnützung trüber Instinkte, sobald sie sich der Bühne bedient, für unantastbar erklärt wird. Darbietungen, deren Inhalt sich in der Zote, in der Ausbreitung von Schmutz oder in der Ver­höhnung religiöser Empfinden erschöpft, können nicht für schutzwürdig angesehen werden, und es ist erfreulich, daß sich die Erregung weitester Kreis« unseres Volkes, wie sie anläßlich gewisser Auf­führungen der letzten Zeit in Erscheinung trat,

ausschließlich gegen künstlerisch und geistig völlig minderwertige Machwerke gerichtet hat. Würden zur Abstellung wenigstens des schlimmsten Miß- brauchs der Bühne — etwa in Verbindung mit dem Reichsbühnengesetz — einheitlich für das ganz: Reichsgebiet entsprechende gesetzliche Grundlagen geschaffen, so würde der Vorstand des Bühnen- volksbundes darin an sich weder e'ncn Eingriff in den Bereich ber Kunst noch ein Wiederaufleben von Zensurmethoden erblicken: denn die Beachtung des berechtigten Erundgedankens ber die Zensur ausschließenden Reichsverfassungsbestimmung lömste durchaus auch nach einer solchen Gesetzgebung ge- währleistet fein.

Für wichtiger aber als alle Abwehrmaßnahmen gegenüber Verfallserscheinungen hält der Vorstand des Dühnenvolksbundes die Verstärkung der po­sitiven Bemühungen um das Theater und sein Publikum; denn letzten Endes hängt es allein von ihnen ab, ob der Sinn für eckte Kunst und damit der innere Widerstand gegen Flachheit und Ungeist weitere Kreise ergreift.

Lnoland und Wafrika.

Im englischen Unterhaus erklärte der Staats­sekretär für die Kolonien, Amery, es fei beabsich­tigt, den ständigen Unterstaatssekretär für die Ko­lonien Sir Samuel Wilson so reich als mngOch rach Ostafrika zu entfenben. Es werbe seine Aufgabe sein, dort den emvfohlenen Plan eines engeren Zusammenschlusies von Kenna Tan- g a n y i k a und U a a n b a unb etwa wünschens­wert erscheinende Abänd-'rungen der Emvfehlung des ostafrikanischen Komitees sowohl mit ben in­teressierten Regierungen, wie auch mit den die verschiedenen in^re'sierten privaten Kreise vertretenden Körn°rschaften zu besprechen und zwar mit dem Ziele festzustetten, wie weit es möglich sein werbe, die Grundlage einer allge­meinen Einigung zu finden. Ebenso werde es Wilsons Aufgabe fein, sestzustellen, auf welchen Grundlinien der Plan für einen engeren Zusam­menschluß verwaltungstechnisch durchführbar und auch in anderer Beziehung annehmbar gestaltet werben könne. Er werbe über das Ergebnis feiner Besprechungen Bericht zu erstatten haben. Es liege auf der Hand, datz sein Bericht erst nack den Dah­len zum neuen Parlament vorlwaen könne. Alle Vorschläge über zu erpressende Maßnahmen wür­den, soweit sie noch ins Tätigkeitsgebiet ber der­zeitigen Regierung fallen, dem Parlament unter­breitet werden.

Durch Anfragen verschiedener Abgeordn-ter im Anschluß an diese Ankündigung wurde feftaefteflf, daß Willon keine Vollnacht haben werde, in fta-nb- einer Beziehung die englische Regierung festzu- legen. ____________________

Frankreich und die Grden.

Die französische Kammer hat die ersten der neun Gesetzentwürfe zur W iederzu las 1 ung von religiösen Orbensgesellschaften mit 325 gegen 255 Stimmen angenommen, nachdem die Regierung in ber Vormittagssitzung dreimal und in der NachmittagssiFung viermal gegen bü> Ab- änderungsanträge der Sozialisten und Radikalen die Vertrauensfrage gestellt hatte. Die Ab­änderungsanträge bezogen sich vor allem auf die Kontrollrechte ber Regierung über die zugelassenen Ordensgesellschaften über den Dermögensiibergang u. a. m.

Die Kammer hat ohne Debatte die Sondervan- sion für die Witwe d»s Marschalls Fock v. 100 000 Francs, die auf die Enkelkinder bis zu deren Groß, jährlgkeit vererblich ist. angenommen.

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Pomcard und die Frontkämpfer.

Aus Parts wirb gemeldet: Während der Sam. mersitzung sind Delegierte des ehemaligen Front­kämpferbundes wiederum bei Poincars vorstellig geworben, um sich zu beschweren, daß ihnen nicht die Möallchkeit gegeben war, am Sarge des Mar­schalls Foch auf dem Invalidenplatz vorbeizuziehen. Es kam nach Havas zu erregten 21 u sein« andersetzungen, in deren Verlauf Voincar« wiederholte, daß man der Familie Fock nicht habe zumuten können, die Zeremonie zu verlängern, und daß die ehemaligen Frontkänrvfer on dem Zwi­schenfall selbst nicht unschuldig feien, denn sie hät­ten zugegeben, daß in ihrer Mitte Personen marschierten, die nicht zu ihnen gehörten, darunter junge Frauen mit ihren Kindern auf dem Arm.

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Aus Paris wirb gemeldet:

Der Wtarineminifter bat beschlossen den in Brest im Bau befmbfirften 10 000 Tonnen-Kreuzer, der im Avril oder Mai vorn Stapel gelassen werben soll, „Foch" zu taufen.

Rückzug der Japaner.

wtb. Tokio, 28. März ((Fig. Meldg ). Nach dem Eintreffen der Nachricht von der Unter- zeichnung des japanisch-chinesischen Uebereinfommens über die Beilegung de- Zwischenfalles in Siangfu hat der japanische Gc- neralstab den Kommandeur der japanischen Trup­pen in Schantuna telegraphisch angewiesen, mit den Vorbereit'mgen für eine vollständige Zurückziehung der japanischen Truppen ,iu beginnen. Man nimmt an, daß der erste Rücktransport Anfang Mai von Zupau abgesehen wird und daß die Räumung bis Ende Mai durchgeführt fein dürste.

• Das amerikanische Pftroleuminstituf beschließt die Einschränkung der Rohölerzeugung. Die Direk-