Bilder vom Tage.
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Der chinesische Oberbefehlshaber Tschang Kai Tschek steht inmitten schwerer Kämpfe um die Behauptung seiner Macht. Nachdem kürzlich die Provinz Hunan von ihm abgefallen war, hat der chinesische Oberbefehlshaber strengste Maßnahmen gegen seine Gegner ergriffen. Sieben hohe Offiziere seiner Armee wurden verhaftet, da sie unter dem Verdacht standen, mit Tschang Kai Tscheks gefährlichstem Gegner, dem „christlichen General" Feng, zusammengearbeitet zu haben.
JV» 75.
Freltaa, ven 29. März 1929.
Römischer Brief.
Don unserem eigenen römischen Mitarbeiter.
In mehrfacher Weise wurde in dieser Zeit der Papst an die langjährige aufopferungsvolle Arbeit deutscher Katholiken erinnert, und es fehlte auch nicht an ehrenvollen Gnadenbezeugungen durch den Hl. Vater gegenüber diesen Bekundungen. So sandte bekanntlich Kardinalstaatssekretär Gasparn im Auftrage des Papstes ein Danktelegramm an den Vorstand des Katholikentages auf dessen Huldigungsadresse hin, die Fürst Löwenstein unterzeichnete.
Es kann gesagt werden, daß gerade der Einsatz, den die deutschen Katholikentage seit 1870 für die glückliche Lösung der Römischen Frage geleistet haben, in Rom sehr hoch angeschlagen wird.
Ohne Frage wäre es kaum möglich gewesen, das Weltinteresse an dieser Lebensfrage der katholischen Kirche und den W-eltprotest lebendig zu erhalten, wenn nicht auch deutsche Treue und deutsche wissenschaftliche Gründlichkeit sich ihrer unablässig angenommen hätten.
Die allverehrten Führer auf diesem Gebiet, allen voran Geheimrat Dr. P o r s ch, aber auch der unermüdliche Fürst Löwen st ein sind hier wie dort zu allgemein bekannt, al daß ihrer in diesem Zusammenhang besondereer Erwähnung getan werden müsse.
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Dieser Tage war auch eine Abordnung der Görresgesellschaft in Audienz beim Papst,
Fuldaer Zeitung Druck der Auldaer Artteadruckerel, Fulda.
um die ehrerbietigsten Glückwünsche zum Papstjubiläum und zum Friedensschluß zwischen Staat und Kirche zu überbringen. Der Hl. Vater beehrte die Herren mit einer tiefgründigen vertraulichen Ansprache, und zwar handelte es sich um den Präsidenten Geh.-Rat Prof. Dr. Finke, den Vizepräsidenten Geh.-Rat Prof. Dr. Beyerle-Mün- chen, Generalsekretär Prof. Dr. Honecker -Freiburg, Prälat Prof. Dr. G o e l l e r - Freiburg, den Direktor des Römischen Instituts Prälat Prof. Dr. Kirsch, den stellvertretenden Direktor Prof. Dr. $ a ft g e n, Monsignore Schweitze r, Prälat David und die drei Stipendiaten des Römischen Instituts der Görres-Gesellschast.
In der Huldigungsadresse wandten sie sich an die besonderen Seiten des Heiligen Vaters, der als bedeutender Wissenschaftler gerade der Eörres-Ge- sellschaft lebhaftes Interesse entgegenbringt. In kurzen Sätzen wurde der Geist der Arbeit und der Werke, die dem Papst überreicht wurden, charakterisiert. Geheimrat Finke erwähnte dabei:
„Ich bin wohl einer der wenigen Ueberlebenden, der mit kindlichem Eifer 1867 für einen päpstlichen Zuaven meiner Heimat den Peterspfennig gegeben und gesammelt hat; für den Restaurator des die ganze Welt umspannenden idealen religiösen Kirchenstaates, für den Erneuerer der kirchlichen Welt- mission werden auch jetzt noch eifrig die Kinder den Pavstpfennig sammeln."
Der Papst erkundigte sich herzlich und eingehend nach dem Stande der wissenschaftlichen Arbeiten der Görres-Gesellschast, der Fertigstellung des dritten Bandes des Staatslexikons, der Studien in Spanien, der Ausgrabungen in Palästina. Geheimrat Deyerle überreichte das zweibändige Werk über Reichenau und die Lex Baiuvarica, Monsignore Schweitzer den neuesten Band der Monumentalausgabe des Concilium Tridentinum und dann schloß der Papst mit Worten des Dankes, der Glück- wünsche und des Segens die Audienz.
Auch von manchem anderen wäre noch zu berichten, so von der bedeutsamen Papftrede aus Anlaß der feierlichen Verlesung des Dekrets für die Anerken- nung der vom Gründer des Salesianer-Orden Don Bosco gewirkten Wunder. Aber darauf wird aus Anlaß der nun nahebevorstehenden Seligsprechung Don Boscos zurückzukommen fein .
Jetzt bereitet Rom sich auf den großen Tag vor, tn dem nach der Ratifizierung der Lateranen- fischen Verträge die ent)gültige Versöhnung zwischen Vatikan und Quirinal stattfinden wird. , Es kann schon heute gesagt werden, daß es dabei zu ganz außerordentlichen Kundgebungen und denkwürdigen Erlebnissen kommen wird, wie sie die Geschichte selten gesehen hat.
Einander wert!
Innenminister Grzensinsski ernste Mahnung an die Radikalen beider Flügel, von den gemeingefährlichen Ausartungen ihrer Kampfmethoden endlich abzulassen, hat bei den Adressaten Empörung erregt. Da jeder der beiden davon lebt, daß er den anderen als den bösen Störenfried hinstellt, den nur leider die dumme oder verräterische Regierung unerhört begünstige, so ergibt sich ein sehr eigenartiges Bild: beide verbünden sich, um gemeinsam zu behaupten, daß der Minister je-, weils den anderen pfleglich hege. Ein vollkommener Widersinn! Aber man lese:
„Deutsche Zeitung":
„Genosse Grzesinskis Erlaß richtet sich sehr deutlich gegen die Rechtsverbände. Es ist eins der bekannten Ablenkungsmanöver. Der Hinweis auf die Organisationen in Verbindung mit politischen Parteien gilt selbstverständlich allein der Nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei, da der Rotstontbund
und die KPD als getrennte Gebilde gelten. Der Anlaß Grzensinskis kann nur dazu dienen, uns die Augen zu öffnen. Er gibt der Polizei einen Freibrief gegen alle politischen Versammlungen. Wir werden feine Anwendung genau zu verfolgen haben".
„Rote Fahne":
„Der Wortlaut dieser ungeheuerlichen Kundgebung ist absichtlich so gefaßt, als ob Herr Grzesinski auch den Rechtsorganisationen zu Leibe gehen wolle. Davon kann natürlich gar keine Rede sein. Die Androhung der Auflösung politischer Vereinigungen ist an die Adresse des Roten Frontkämpferbundes und der Kommunistischen Partei gerichtet."
In Wahrheit gilt die Warnung allen Ruhestörern ohne Ansehen der politischen Farbe. Di« Regierung ist entschlossen, die politische Freiheit vor Mißbrauch zu schützen.
* Annahme dreier Notverordnungen. Der Ständige Ausschuß des Landtages hatte sich mit den Notverordnungen über die Berlänge» run der Geltungsdauer der Hauszinssteuer und der Grundvermögenssteuer zu befassen. Die Regierung hatte den Weg der Notverordnungen wählen müssen, weil im Landtag die rechtzeitige Verabschiedung der Gesetze über die Verlängerung der beiden Steuern durch die Obstruktion der Rechten und der Kommunisten vereitelt worden war. Bei der Abstimmung wurden alle Abänderungsanstäge zu der Verordnung über die Verlängerung der Grundver. mögensteuer abgelehnt. Di« Notverordnung selbst wurde schließlich mit 15 gegen 14 Stimmen angenommen. Mt demselben Stimmenverhältnis wurde auch die Notverordnung über die Verlängerung der Hauszinssteuer gebilligt, nachdem Fmanzmini. ster Dr. Hoepker-Aschosf zu gesagt hatte, er werde auch ohne daß eine besondere Bestimmung auf genommen werde, veranlassen, !daß die Steuer bei der Teilung großer Wohnungen in dem Maße niedergeschlagen werde, wie die Miete der durch die Testung geschaffenen Wohnungen geringer sei als die Mieten der früheren ganzen Wohnung. Zum Schluß stimmte der Ausschuß auch einer neuen Not. Verordnung über die Begründung eines staatlichen Vorbehalts für Steinkohle und Erdölvorkommen in der Lausitz zu. Diese Verordnung wurde allerdings im Hinblick auf die letzte Entscheidung des Staatsgerichtshofes in der Wirkung bis zum 30. September begrenzt; später soll der Gegenstand im Wege der ordentlichen Gesetzgebung geregelt werden. ____________
katholische Welt.
— kardinal Galli f. Der seit einigen Tagen schwer- kranke Kardinal Aurelia Galli in Mailand ist im Alter von 63 Jahren gestorben. Als langjähriger Sekretär des päpstlichen Sekretariats hat er sich als Ausarbeiter zahl- reicher wichtiger Konststorialanfprachen und Enzykliken der letzten drei Päpste große Verdienste erworben. Die Zahl der italienischen Mitglieder des Kardinalkollegiums beträgt jetzt nur noch 27 gegen 33 Ausländer.
Landwirtschaftliches.
= Die aufgegebene „Einheiisorganisalion". Die Generalversammlung des Westfälischen Bauernvereins, die in H a m m stattfand, und an der auch der Präsident der Vereinigung der deutschen Bauernvereine, Dr. Her- m e s, teilnahm, hat zu den Hagener Verschmelzungsbe- schlüsien noch zurückhaltender Stellung genommen als der Vorstand des Westfälischen Bauernvereins. In einer Resolution sprach die Versammlung die Hoffnung aus, daß die Vereinigung der deutschen Bauernvereine den geeigneten Weg zur Verständigung finden werde. Gleichzeitig wurde dem Präsidenten Der Vereinigung, Dr. Hermes, und dem Vorsitzenden des Westfälischen Bauernvereins, Dieckmann, das Vertrauen bekundet.
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Unsere Statistik zeigt, welch starke Bresche der Krieg und die Inflation in die Reihe unserer Mimonäre geschlagen haben. Die Zahl der Menschen, die mehr als eine Million Mark besitzen, beträgt in Deutschland nicht einmal ein Fünftel des Vorkriegsbestandes. Selbst die Reichshaupt- stadt kann nur 290 Millionäre zu ihren Bürgern zählen. Es ist auch viel besser, wenn das Geld nicht bei einzelnen sich so anhäust. Viel zweckmäßiger ist es, wenn möglichst alle Volksgenossen einen ausreichenden Lebensunterhalt haben. Dann schießt der Stolz auf Gut und Geld nicht in die Halme, die Menschen bleiben natürlicher und haben eher Verständnis für Not und Unglück.
Mißverständnis
„Ich kenne nur ein Lebensziel: die Erweckung der Menschheit."
„Wieso, sind Sie Sozialreformer?"
„Nein, Fabrikant von Weckeruhren."
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Sie hätte gerne Sorgens Gesicht beobachtet, aber sie konnte sich nicht umdrehen und ihn anfehen; zwar bereute sie augenblicklich, was sie getan hatte, aber nun war es zu spät.
Jörgen war blutrot geworden, er wendete sich jäh ab und eilte hinweg; und es dauerte nicht viele Minuten, da tanzte er auch schon mit Fräulein Lund in einem flotten Walzer dahin.
Und während Sorgen tanzte und sich zum erstenmal so aufführte, daß das Fräulein Lund meinte, nun habe sie ihn in ihrem Netz, wandte sich Helga dem Garten zu. Sie suchte Dulder, und als sie ihn fand, zog sie ihn mit sich in die dunklen Wege hinein.
Es stürmte und brauste in ihrem Herzen, es war ihr, als könne sie in ihrem tiefsten Snnern ein Schluch. Zen vernehmen, aber trotzdem mußte sich ihr Schicksal jetzt entscheiden.
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Als die Wahl vorbei war, brach für Sorgen eine sehr strenge Zeit an. Er mußte die erste Rate für die Rückzahlung der Bank schaffen, und das gelang ihm auch. Aber es kostete ihn ungeheure Anstrengungen und viel Ueberlegung. Sein Geschäft ging zwar ausgezeichnet und warf guten Gewinn ab, aber Särgen hatte seit langer Zeit immerort erweitert, und deshalb fehlte es ihm beständig an barem Geld. Nun kam überdies die Deckung der Bankschuld hinzu.
Mehreremal hatte Sorgen ernstlich an Fräulein Lund gedacht. An jenem Festabend hatte er es eigentlich nur dem Zufall zu danken, daß er nicht ganz in ihre Gewalt geraten war, und jetzt nachher war eben immer noch etwas da, was ihn zurückhielt. Dieses Etwas war einesteil ein ihm selbst unverständliches Gefühl in feinem Herzen, und anbernteils war es fein Drang, sich gerade in recht aufreibende Schwierigkeiten hineinzustür- zen.
Er wußte, wie schwer Geld zu erlangen war, und verlor deshalb keine Zeit damit, andere um Hilfe anzugehen. nein, er wollte selbst einen Ausweg finden. Er hatte eine Ladung Salpeter gekauft und ihn wegen der vorgerückten Zeit unter günstigen Zahlungsbedingungen mit einigen Monaten Kredit erhalten. Setzt verkaufte er einen großen Teil der Ladung, allerdings ohne Profit, aber gegen bare Bezahlung; dadurch bekam er einige
tausend Kronen frei. Gleichzeitig fuhr er auf seinem Rad weit umher und verkaufte, was er von absetzbaren Waern auf feinem Speicher liegen hatte. Er gab alles billig, wenn er nur bares Geld bekam, so billig, daß die Leute anfingen, darüber zu tuscheln; aber Sorgen kümmerte sich nicht um das Gerede der Leute, ruhig und zuversichtlich verfolgte er (eine Plane.
Wenn er sich an den milden Sommerabenden ein wenig Erholung gönnte, ging er in seinen Garten auf der Insel. Er hatte nach Helgas Besuch allerlei darin geordnet und aufgeräumt. Die roten Steine waren herausgegraben und nun auf einer kleinen Erhöhung zwischen Muscheln und Blumen hübsch zurechtgelegt. So war es auch früher gewesen, und er wollte alles mög- lichst so anlegen, wie es zu Helgas Bericht paßte.
Trotzdem litt er oft in seinem Garten bittere Qual; wenn er an seinem Ausguck stand und nach dem Sun- fergarten hinüber starrte und sah, wie die Jugend sich drüben vergnügte, so tat ihm das bitter weh. Den Kon- sul sah er nie, Helga dagegen Abend um Abend und immer in Gesellschaft von Bulder. Es gab Abende, wo die beiden den ganzen großen Garten für sich allein hat- ten. Sorgen konnte stundenlang hinüber starren; das stahl ihm feine Ruhe, fein Gesicht wurde hager, und er bekam dunkle Ringe um die Augen.
An einem Donnerstag war er, wie gewöhnlich, allein zu Hause. Er war in einer sonderbar feierlichen Stimmung, denn am Nachmittag war er in der Bank gewesen und hatte die fällige Summe bezahlt. Er war sich bewußt, daß er ein tüchtiges Stück Arbeit geleistet hatte, und das machte ihn froh. Außer dieser Freude aber erfüllte noch eine geheimnisvolle Erwartung fein Gemüt. Helga hatte ja versprochen, noch einmal zu kommen, und zwar an einem Donnerstag; sie hatte ihn allerdings an jenem Abend auf dem Balle mit Verachtung behandelt, und es hieß allgemein, sie fei mit Bulder verlobt; aber öffentlich war die Verlobung bis jetzt nicht; Jörgen hielt unerschütterlich daran fest, daß Helga kommen würde, weil sie es doch versprochen hatte.
Das Wetter war ganz still und der Himmel bedeckt; jener schwere, fruchtbare Duft, der sichere Vorbote des Regens, lag über allem. Jörgen stand an feinem Ausguck und starrte nach dem Iunkerhof hinüber. Sn dem Garten drüben war es ganz still, kein Mensch war zu
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Helga litt mit ihm, sie war stolz auf ihn, aber sie vermochte sich nicht ebenso zu beugen wie er.
Nach Tische begab sich die Gesellschaft in den schönen Garten und unterhielt sich da in kleinen Gruppen, bis die Musik wieder ins Haus rief und der Tanz beginnen konnte.
Das kleine Fräulein Lund hatte rasch Jörgen in ihren Kreis gezogen, er mußte mehreremale mit ihr tanzen, und bann nahm sie ihn mit sich, um ihn ihrem Vater vorzustellen. Sorgen mußte unwillkürlich an seine Zahlungsschwierigkeiten in Verbindung mit des Fabrikanten Gold denken; ach, sicherlich brauchte er jetzt nur ein entscheidendes Wort an Fräulein Lund zu richten, und er kam über alle seine Geldsorgen weg.
Der Kapitän war nicht weniger gesucht als Särgen; eine Menge von den Spitzen der Stabt suchten Gelegen- heit zu einer kleinen Unterhaltung mit ihm; jetzt war Rasmus Junker ja ein Mann von Einfluß, und Rasmus bewegte sich mit der einfachen Weltgewandtheit eines Seemannes, er machte auch feine Sache recht gut, und Karen — ja sie tanzte unaufhörlich und war seelenvergnügt.
Särgen beobachtete ganz im geheimen unausgesetzt Helga. Er hatte bei sich beschlossen, es zu wagen, sie zu einem Tanz aufzufordern; wenn der Konsul so reden konnte, wie er es getan hatte, konnte doch nichts Schlimmes dabei fein, wenn Jörgen des Konsuls Schwester zum Tanz aufforderte. Er gelangte auch glücklich tn ihre Nähe, als sie eben ohne Kavalier war.
Inmitten einer Gruppe der vornehmsten Damen sprach sie eben mit der Frau des Apothekers, als Jörgen auf sie zutrat, sich vor ihr verbeugte und fragte, ob sie mit ihm tanzen wolle.
Helga sah ihn an, und ein harter Ausdruck trat in ihre Augen. Sie sagte: „Nein, ich danke!" und wendete sich weg. Ihr Ton war beleidigend, und sie drehte sich in so verächtlicher Weise weg, daß sich alle Damen ver- wunderten.
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Ostern, Wei Ben-Sonntag und zu allen anderen Festen und Gelegenheiten liefert gut und sehr billig
sehen. Da fuhr Sorgen plötzlich der Gedanke durch den Kopf, daß Helga vielleicht erwarte, daß er sie hole; es war bei ihrem letzten Zusammensein davon gesprochen worden, und jetzt kam ihm dieses Vorgehen ganz natürlich vor. Der Konsul war in Kopenhagen, das wußte Jörgen, die Gelegenheit konnte also nicht günstiger sein, und nun wollte er den Versuch wagen. Alles hing davon ab, wo Bulder war, aber Jörgen wollte auf fein Glück vertrauen.
Es war ungefähr neun Uhr, und die Dämmerung nahte sich auf leisen Sohlen, als er das Boot losmachte. Er hielt sich im Schatten unter den Weiden, bis er an den ganz schmalen Lauf kam, da ruderte er nach der anderen Seite hinüber und fuhr dis dicht zum Zimmer» platz bei des Konsuls Grund und Boden. Das war eigentlich eine Stelle, wo er nichts zu tun hatte, aber von da konnte er am besten dicht am ©arten vorbeifahren, ohne gesehen zu werden. Er ruderte auch ganz langsam am Garten und dem Landungssteg vorbei, sah aber keinen Menschen und hörte keinen Laut.
Dann begann er zu jodeln, nur einen einzigen kurzen Jodler. Sorgen hatte eine schöne Stimme, als Kind hatte er jodeln gelernt und später als Seemann eine große Fertigkeit darin erlangt. Setzt übte er diese Kunst nur ganz selten, aber Helga hatte den Sodler sicherlich gehört.
Er hielt sich vor dem Ladungssteg im Schatten einiger hoher Bäume; aber immer noch rührte sich nichts im Garten. Schon wollte er die Hoffnung aufgeben, beschloß aber, nochmals bis zum Zimmerplatz und wieder zum Landungssteg zu rudern.
Als er zurückkehrte, stand eine einzelne Gestalt im Schutze der Buche dicht bei der Badebrücke; es war Helga, er erkannte sie gleich.
Jetzt entdeckte sie auch Jörgen; aber sie blieb regungs- los stehen, ohne ihm etn Zeichen zu machen. Jörgen sagte auch kein Wort; er begnügte sich mit einem stummen Gruß und legte an der Treppe an. Helga stieg herunter und trat ins Boot; sie setzte sich auf die Ruderbank Jörgen gegenüber, und wie zwei stumme Schatten fuhren sie hinüber nach Sorgens Insel.
6s hatte sachte zu regnen angefangen, kein Mensch unb kein Boot waren zu sehen, der Fluß und die kleine Welt rings umher waren wie gusgeftorben. (F. f.)
i Wilh. Hoefling jun
Ecke Marktstraße — Buttermarkt 1 Fernruf Nr. 623
Sie roten nnii weiften Znnker.
Roman von Marten Korch