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Nr. 74.

Suldaer Zeilun« (klmtUches Kreisblatt).

Donnerstag, 28. März 1929.

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Fuldaer flctlendrucKerel, Fulda

{einigen; ihr fester Händedruck tat im wohl und gab ihm die Fassung zurück. Er war ja gar nicht zornig, nur betrübt; nun mußte er seine Niederlage wie ein Mann tragen. Und so wandte er sich Helga lächelnd zu; es war

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schiedenen Vereinen gewählten Männern, und sie zähl­ten jetzt die Stimmen.

Es nahm mehr Zeit in Anspruch, als man erwartet hatte, die Teilnahme an der Wahl war noch nie so

ihr tüchtig ein; sie kam auch in recht gute Laune, 'ihr frisches Lachen erklang mehreremale hell durch den gan­zen Saal.

Es wurden einige Lieder gesungen und dann Reden

stand des Städtetages wurde Bürgermeister Dr.- Zirnmermann-Corbäch. Ein Schreiben von Ober- prüsident Dr. Schwander wurde verlesen, in dem dieser für die Glückwünsche des Städtetages zu sei­nem 60. Geburtstag seinen herzlichen Dank aus­sprach, und das klar das warme Interesse des Oberpräsidenten an den Städten erkennen ließ.

Zu einem Abschiedskommers

für ihren hochverehrten Herrn Oberrealschul- und Zeichenlehrer Nikolaus Kleineber g, fanden sich am Dienstag abend Lehrer, Oberklassen und ehe­malige Schüler der Oberrealschule im großen Bür- gewereinssaale zusammen. Wie sehr der Gefeierte es verstanden hatte, durch feine Kunst und seine Güte sich die Herzen ton Generationen zu erobern und sich in ihrem Andenken unauslöschlich zu er­halten, das zeigte der überraschend große Besuch und der glänzende Verlauf der wie im Fluge ver­gangenen Stunden, das brachten auch die gehalt­vollen Festworte zum Ausdruck, die von Herrn Dr. Muth, Herrn Studiendirektor Dr. Lauwartz und Herrn Dr. Weymar gesprochen wurden. Sie gipfelten in dem Wunsche, daß es Herrn Kleine- berg vergönnt sei, noch lange in guter Gesundheit sich seines Lebens zu freuen. Ferner wurde ge­wünscht, daß ein für dauernd fest geschlossener Kreis von Freunden und ehemaligen Schülern der An­stalt aus dieser dankenswerten Veranstaltung wie­der aufleben möge und dazu helfe, den Geist der alten Schule in bewährter Tradition zu stärken.

liegenden Steuerverteilungsbeschlüsse ihrerseits für die Beachtung dieses Erlasses zu sorgen.

Dieser Erlaß der preußischen Minister hat na­türlich in einem Augenblick, in dem überall die Etatsberatungen im Gang sind, ganz erhebliche praktische Bedeutung. Auf ihn werden sich alle, die ein weiteres Anziehen der Steuerschraube für unangezeigt halten, mit Nachdruck stützen können.

Die Reichsregierung hat dem Reichswirtschafts­rat einen Gesetzentwurf zur Aenderung der Gewerbeordnung zur gutachtlichen Stellung­nahme zugeleitet, der hinsichtlich der Regelung des Rummelplatzwesens sowie der Be­schränkung des Gewerbebetriebes im Um * herziehen und der Bestimmungen über den Marktverkehr auch für die Gemeinden von Bedeutung ist. Der Reichsstädtebund ist grundsätz- lich der Auffassung, daß eine umfassende s y st e - matische Neuregelung der Reichsgewerbe­ordnung erwünscht ist. Da aus den verschiedensten Gründen diese Neuregelung noch längere Zeit in Anspruch nehmen wird, begrüßt er aber die Vor­wegnahme einiger besonders dringlicher Punkte. Der Reichsstädtebund stimmt daher der vorgelegten Teilreform grundsätzlich zu.

gen.

Verdingungsergebnisse.

Für den Neubau eines Fünf-Familienhauses des Fuldaer Spar- und Bauvereins e. G. m. b. H. hatte Architekt Gottesbühren die Erd-, Maurer- und Putzarbeiten, die Zimmerarbei­ten, die Spenglerarbeiten, die Dachdeckerarbeiten, die Kanalisatiönsarbeiten, die Treppen, die Instal­lation der Gas- und Wasserleitungen einschl. Bade­einrichtung und elektrischer Anlagen ausgeschrie­ben. Die vorläufigen Verdingungsergebnisse (die endgültigen werden erst rechnerisch festgestellt) sind folgende: Erd-, Maurer- und Putzarbei- t en: Wendelin Rützel 22610.10 Mk., Jos. Gehring 22718.20 Mk., Frie'dr. Grünkorn 22749.60 Mk., H. Kollmann 22854.80 Mk., Clemens Hendler 23004.80 Mk., Ga. Bernjus 23087.25 Mk., Amand Schneider 23110.70 Mk., Jgn. Hillenbrand 23220.73 Mk., Hch. Rommel 23288.45 Mk., Sturmius Grosch 23345.09 Mk., Gregor Hautumm 23949.15 Mk. Zimmer­arbeiten: Otto Schneemann 7577.70 Mk., Osk. Mahr 7670.10 Mk., Alb. Schwarz 7703 — Mk., I. Fritz 7800.60 Mk. Spenglerarbeiten: G. Lohfink 936.35 Mk., Alb. Herrmann 965.35 Mk., Gq. Kobel 970.85 Mk., Jos. Kalb 971.02 Mk., C. Schmitt 983.30 Mk., Emil Gerhardt Ww. 985.20 Mk., Karl Quell 991.10 Mk., Ernst Ehrig 994.75 Mk., Friedrich Herrmann 998.20 Mk., Rob. Dan- nemann 1002.25 Mk., K. Albrecht 1009.77 Mk Dachdeckerarbeiten: Herm. Bender 1436 Mk., Rhab. Diegelmann 1880.50 Mk., Karl Hau 2018 Mk., Gg. Israel 2158.30 Mk. Treppen:

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des Friedensabkommens zwichen Papst und liemscher Regierung in Fulda abhalten. Tag wurde das von dee Kolpingssöhnen alljährlich begangene Schutzfest des hl. Iosepl, der dritte Sonntag nach Ostern, festgesetzt. Am Nachmittag ziehen die Vereine nach dem Dom zur kirchli­chen Feier, d'e sich eindrucksvoll gestalten wird. Mit Musik geht es dann im festlichen Zug nach dem Gesellenhause, wo im großen Saale die F e ff« Versammlung stattfinden soll. Die Festrede hatSchriflleiter Dr. K r a m e r übernommen. Durch Musik- und Gesangsvorträge sowie sonstige Dar­bietungen wird die Veranstchtung des Gesellenver­eins einen entsprechend würdigen Charakter tra-

= 3m Osterkonzerl der „Mnfridia" wird die fünft« lerische Note des Programms wesentlich erhöht durch

Papstfeier der Gesellenvereine.

Man schreibt uns: Die Gesellenvereine Diözese Fulda, über 30 an der Zahl, werden gemeinsame Pa pst feier anläßlich 50jährigen Priesterjuüiläums des Hl. Vaters

Hohes Alker.

Herr Geisü. Rat Friedrich Haas, seit einem Jahrs im wohlverdienten Ruhestand in Fulda le­bend, vollendet am 28. März ds. Js. fein 80. Le­bensjahr. 14 Tage nach Empfang der Priester­weihe in 1872 zog er als „erster preußischer" Kap­lan nach Hilders, blieb dort 12 Jahre, besorgte darauf kurze Zeit den Kaplansdienst in Großen­lüder und kehrte dann zunächst bis Abschluß des Kulturkampfes als Hilfspfarrer in die Rhön zurück nach Wüstensachsen ,von wo er 12 Jahre lang zu­gleich die Filiale Seiferts in der Pfarrei Batten mitversah. 1897 ging er nach Oberufhausen und 1901 nach Eichenzell, von wo er nach 27jähriger verdienstvoller Arbeit in den Ruhestand trat. In Fulda besucht er täglich in der Frühe das Herz- Jesu-Heim, um dort zu zelebrieren. Möge er hier in Fulda in 1932 in gleicher Gesundheit wie jetzt sein diamantenes Fest der Priesterweihe feiern.

Meisterprüfung.

In Paderborn bestand Herr Emil Gärtner aus Struth bei Mieden die Meisterprüfung im Schuhmacherhandwerk mit der Note „gut".

Vom Fuldaer Däckerhandwerk.

Bei der von der Eesellenprüfungskommrssion der hiesigen Bäckerinnung abgenommenen Gesel- lenvrüfung für das Bäckerhandwerk haben 16 Prüflinge die Gesellenprüfung bestanden, darunter eine Dame. Damit hat auch Fulda seinen ersten weiblichen Bäckergesellen, Fräulein Ida Schneider, Tochter des Herrn Bäckermeisters Franz Schneider, Fulda, Petersgasse.

Taubskummengolkesdiensi.

Es sei jetzt schon auf den nächsten Taubstum- mengottesdienst hingewiesen, der am Sonntag den 14. April, wie gewöhnlich in der Severikirche ab­gehalten wird. Cs ist Gelegenheit zum Empfang der hl. Osterkommunion. Auch soll eine Besprechung stattfinden über die notwendigen Vor­bereitungen für den Verbandstag der Ta üb­st u m m e n a u s g a n z D e u t f ch l ä n d, der vom 3.—5. August 1929 in Fulda fein soll.

Der Vorstand des Hessen-Rasfauischen Städkekages hielt gestern in Fulda eine Sitzung ab. Außer einer großen Anzahl von Derwaltmrgsangelegen- heiten wurde die Frage des nächsten S t ä d t e t a - g e s behandelt. Er soll am 23. bis 25. Mai in Frankenberg (Edder) abgehalten werden. Fol­gende Vorträge sind vorgesehen: Bericht über die kommunale Clektrizitätswirtschaft; die Finanzsor­gen der Städte; das Feuerlöschwesen in mittleren und kleineren Städten. Neu gewählt in den Vor-

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Reifen an Lastkraftwagen.

Eine Verordnung des Reichsverkehrsministsriums vom 16. 3. 1928 schreibt vor, daß bis zum 1. Juli 1929 die Voll gummireifen an Lastkraft­wagen und Zugmaschinen bis auf gewisse Aus­nahmen durchLuftreifenzuersetzen sind. Der Reichsverband Deutscher Lastkraftwagenbesitzer (Sitz Frankfurt a. M.) hat nun eine Eingabe an das Reichsverkehrsministerium gerichtet, in welcher beantragt wird, den Termin für die Umwand­lung der Reifen an den in Betracht kommenden Kraftfahrzeugen bis zum 31. Dezember 1930 zu verlängern. In der Eingabe wird auf Grund sorgfältiger Untersuchungen festgestellt, daß von der erwähnten Vorschrift rund 48 000 Fahr­zeuge betroffen werden. Da sich die Vollgummi­reifen nicht einfach durch Luftreifen ersetzen, lassen» sondern zu diesem Zweck auch die Anbringung neuer Räder, Felgen und Federn, vielfach auch neuer Achsen und Steuerungsorgane ers'rderlich sei, so würde für die Umänderung der 48 000 Kraft­fahrzeuge ein Geldaufwand von mindestens 157 Millionen Mark aufzubringen sein. Niemand werde behaupten wollen, daß die Umwandlung der Rei­fen an Kraftfahrzeugen keinen Aufschub vertragen köine. Vielmehr sei eine allmähliche lieber« führung der Fahrzeuge von der Dollgummi- zur Luftbereifung in jeder Hinsicht vorzuziehen gegen- über einer mit außerordenlichen Härten ver­knüpften gewaltsamen, auf einen zu kurzen Ter­min abgestellten Zwangsvorschrift.

Heilere Zwischenfälle bei den Fuldaer Gesellen- Prüfungen.

In den Ernst der Prüfungen kommen manch- mal auch heitere Lichter. Einige solcher „Zwischen­fälle" seien hier mitgeteilt: Es wird geprüft in der Invalidenversicherung.

Lehrer: Was erhältst Du als Lediger bei Voll­erwerbsunfähigkeit als Rente aus tri Invalidenver­sicherung? Prüfling: 100 Mark. Lehrer: Rich­tig! Und wenn Du verheiratet bist? Prüfling: Ich heirat' net! Lehrer: Ra, wir wollen's mal annehmen! Prüfling: Ich heirat' wirklich net! — Weitere Der suche eine Antwort zu erhalten, mißglückten.

Es wird geprüft über Gewerbeaufsicht.

Lehrer: Wer übt die Aufsicht über die Gewerbe­betriebe aus? (Gemeint ist der Gewerberat) Prüf­ling: Die Wach- und Schließgesellschaft!

Es geht um den Zahlungsbefehl.

Lehrer: Was geschieht, wenn auf Grund eines Zahlungsbefehls Zahlung nicht erfolgt? Gemeint ist, daß mündlicher Verhandlungstermin durch das Ge­richt angefeht wird) Prüfling: Dann kommt der Volksentscheid!

Eine junge Dame, die in dreijährigem Berufs­schulbesuch in die Geheimnisse heutiger Handels­wissenschaft eingedrungen war, erwiderte auf die Frage ihres Lehrers: Was macht derjenige, der ein Geschäft eröffnen will? (gedachte Antwort: eine Bilanz) — „Er verschafft sich ein Kreditguthaben."

Grippegefahr .

beugt vor

Fulda, den 27 März 1929

Der Zparzwang in 1929.

Em Erlaß der preußischen Minister.

Der preußische Innenminister und der Fi- ^anzminister veröffentlichen einen gemeinsamen Runderlaß an die Ober- und die Regierungsprä­sidenten, die Landräte, Gemeinden und Gemeinde­verbände. Der Erlaß lautet:

„Das Rechnungsjahr 1929, das Jahr zum ersten Male mit der vollen Höhe der Reparationszah­lungen belastet, hat für die Etatsgebarung der öffentlichen Gebiets-Körperschaften die Bedeutung eines ausgesprochenen Notjahres. Für die Ge­meinden und Gemeindeverbände tritt dies dadurch in die Erscheinung, daß bei der Verteilung der Ueberweisungs steuern das Reich einen Son^erbetrag für sich vorab in Anspruch nimmt und infolgedessen die Gemeinden und Gemeinde- verbände, ebenso wie die Länder, nicht den vollen Anteil an dem Aufkommen die­ser Steuer erwarten können, der ihnen nach dem Reichsfinanzausgleichsgesetz zustehen würde. Wenngleich bei dem Aufkommen dieser Steuern die Gemeinden und Eemeindeverbände trotzdem mit insgesamt demselben Anteil rechnen können, der für das Rechnungsjahr 1928 erwartet werden konnte, so werden doch die Anteile insgesamt nicht die Höhe des Ist-Aufkommens von 1928 erreichen. Diese Verkürzung wird für viele Gemeinden um so fühlbarer sein, als in ihnen die zwangsläufigen Ausgaben gegenüber dem Haushaltsvoranschlag von 1928 gestiegen sein können, insbesondere durch Mehrausgaben für die Krisenfürsorge und für die allgemeine Fürsorge infolge der teilweise außer­ordentlich hohen Arbeitslosigkeit.

Die selbstverständliche notwendige Herstellung des Gleichgewichts im Haushalt, die unter diesen Verhältnissen besonders schwierig fein wird, darf ober nicht in einer stärkeren Anspannung der Real steuern gesucht werden. Eine toeite re Belastung der Wirtschaft muß grund­sätzlich vermieden werden. Bei der ange­spannten Wirtschaftslage ist vielmehr nach wie vor eine Senkung der Realsteuem mit aller Ent­schiedenheit anzustreben.

Infolgedessen wird in vielen Fällen ein Aus­gleich des Haushalts sich nur durch rücksichts­lose Drosselung der Ausgaben erreichen lassen. Es handelt sich nicht nur um das seit meh­reren Jahren wiederholt und nachdrücklich gefor­derte und anerkannte Budget äußerster Spar­samkeit im Sinne der Zurückstellung aller nicht unbedingt dringlichen Aufgaben: in diesem Not­jahr werden darüber hinaus erforderlichenfalls auch wirklich dringende Aufgaben für die­ses Jahr zurückgestellt werden müssen, ebenso wie dies im Haushalt des Reiches und des Landes geschieht."

Die Minister sprechen zum Schlüsse ihres Er­lasses zu der Einsicht der Gemeinden und Ge- memdeverbände das Vertrauen aus, daß sie die Richtigkeit und Notwendigkeit der von ihnen er­warteten Selbstbeschränkung erkennen und schon ihrerseits entsprechend verfahren. Andernfalls würde es die besondere Pflicht der Oberprä­sidenten sein, bei Erteilung der Zustimmung zu dender Genehmigung der Beschlußbehörden unter-

I Wilhelm Hess I

Am Steinweg.

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„Ach, aber glaubst du denn, daß Rasmus gewählt wird, Jörgen?" wimmerte sie.

„Gewiß, das glaube ich sicher; aber ob Vater nun gewählt wird oder nicht, so müssen wir jetzt jedenfalls hing-hen; wir werden uns doch nicht fürchten, die Ent­scheidung zu hören. Komm jetzt, wir müssen uns be­eilen, Vater."

Kurz nachher wanderte die Familie durch die Stadt. Rasmus nahm sich in seinem Gehrock höchst ehrwürdig aus, und Karen war geradezu elegant in einem neuen Kleid mit Uebermurf und einem gewaltigen Hut. Ka­ren war an sich hübsch und hatte eine gute Haltung und in den neuen Kleidern kam sie richtig zur Geltung; immerhin war Jörgen der, der sich am besten ausnahm, sein grauer Anzug saß wie angegossen auf der elastischen Gestalt, die von einer so jugendlichen Kraft zeugte, daß die Leute ihm unwillkürlich nachsahen Ein paar Schritte hinter ihnen schrllt Cornelius, der sich am Anblick sei­ner Herrschaft weidete.

Der Garten war schon sehr beoöllert, die Musik spielte, und das Fest war in vollem Gang; aber Jörgen ging gleich weiter nach dem Saal und sicherte sich einen Tisch an einem passenden Platz, nicht zu weit abseits in einem Winkel, aber doch auch nicht zu weit im Vor­dergrund; in st'chen Dingen hatte Jörgen ein sicheres Feingefühl, das ihn nie im Stiche ließ.

Etwas weiter vorne im Saal befand sich der Konsul mit Heiga, Fräulein Harder und Bulder, d'e an meh­reren zusammengerück:en Tischen mit einer Anzahl Ho­noratioren der Stadt zusammensaßen. ____

Jörgen hatte das Gefühl, daß Helga ihn verstohlen beobachtete; aber es gelang chm nicht, chren Blick auf­zufangen.

Allmählich füllte sich der große Saasi und man schaute erwartungsvoll nach der Flügeltür im Vorderzimmer. Man wußte, in einem kleinen Zimmer hinter dieser Tür saß der Bürgermeister mit einigen aus den ver- .

groß gewesen wie diesmal. Da, jetzt ging es wie ein Lauffeuer durch die Versammlung, es war wie ein elek­trischer Strom, der sich mit der Schnelligkeit des Blitzes verbreitete, dessen eigentlichen Ursprung zwar niemand kannte, der aber ein Vorbote der erwarteten Entschei­dung war; — denn in diesem Augenblick ging die Tür auf, der Bürgermeister trat heraus und betrat die Tri­büne.

Zuerst entstand ein großer Lärm, denn alles erhob sich und wendete sich dem Rednerpult zu, dann aber wurde es vollständig still ringsum, und alles lauschte in größter Spannung. Nein, der Bürgermeister brauchte keine Glocke, seine Worte tönten dröhnend durch die tiefe Stille. Nach ein paar einleitenden Sätzen tarn das Er gebnis: der Kapitän und Kaufmann Rasmus Junker war mit 981 Stimmen gewählt — brausend-r Beifall begrüßte diese Worte — darauf kam das Ergebnis für den Konsul Thomas Junker; er hatte 959 Stimmen erhalten, und wieder ertönten Beifallsrufe und Hände- klatschen.

Rasmus Junker wurde von feinen Freunden auf einen Stuhl hinaufgehoben, aber er mir tief bewegt vor Freude und konnte nicht gleich sprechen.

Jetzt hatte ihm ja endlich die Stadt seine Ehre wie­dergegeben; aber außer den dreien, die ihm am nächsten standen, war wohl kaum einer anwesend, der rerfti ih, roas das für ihn bedeutete, trotzdem fühlten sie sich schon bet seinem Anblick tief gerührt.

2Ifs Thomas das Ergebnis horte, erblaßte er, und e'nen Augenblick auf die Fensterbank stutzen. Eine «chwäche wollte ihn übermannen, und es nur de ihm schwarz vor den Aug-n: aber er merkte »» gar nicht; zu tief empfand er in der M-nute die große Enttäuschung; in seiner Seele war kein Raum mehr für eunas anderes. Er hätte herzlich gern diesen Sieg ge­wonnen, denn er wußte ja, daß seine Zeit kurz war, und gerade deshalb hatte er so viel Kratt für den Sieg ein­gesetzt; ihm war es gewesen, als habe er diesen Sieg verdient. Dann fühlte er plötzlich Helgas Hand in der ,

das müde, schwermütige Lächeln, bei dem sich ihr manch­mal das Herz zusammenschnürte.

Helga aber war wütend, weil der Bruder diese Nie­derlage erleiden sollte, und der Groll gegen die Familie in der Bachstraße loderte in seiner ganzen Stärke wie- der auf.

Der Bürgermeister hatte mit allen Kräften für die Wahl des Konsuls gearbeitet; jetzt mußte er in den sau­ren Apfel beißen und sich mit Rasmus abfinden. Er machte das auch sehr flott und hielt eine hübsche Glück- wunschrede. — Nach ihm mußte Ramus hinauf und für die Wahl danken Man hörte seinen einfachen Worten wohl an, wie glücklich er war. Sein Dank kam von Her­zen; die Versammlung ließ es auch nicht an lauten Hurrarufen und Händeklatschen fehlen.

Merkwürdigerweise trat Thomas nicht auf, und so bat der Bürgermeister die Versammlung zu Tische. Er war gezwungen, Rasmus auf-ufordem, au dem vor- nehmen Ende des Tisches Platz zu nehmen, zusammen mit Etatsrat Kjär und einer Reihe von Honoratioren. Der Kapitän nahm auch in der eben benannten Um­gebung ganz ruhig Platz, und Jörgen und Karen hielten sich dicht neben ihm. Karen war nahe daran, die Fas­sung zu verlieren, als der Bürgermeister mit seiner Frau herbeikam und ihr und Jörgen mit freundlichem Glück- wünsch die Hand drückte.

In kurzer Entfernung von den Leuten aus der Bach- straße saßen Konsuls. Jörgen mußte Thomas unwill­kürlich bewundern; er zeigte eine würdige Haltung und eine ruhige Vornehmheit; die wirklich Achtung einflößte. Dagegen war leicht zu sehen, daß Helga sich nur schwer beherrschen konnte; jeden Augenblick warf sie Rasmus und Jörgen zornige Blicke zu, und sie kokettierte recht augenfällig mit Dulder, der neben ihr saß.

Karen hatte ihren Platz neben dem munteren Wein- händler Baldrian, der ein ausgezeichneter Tischherr und ein Freund von einer guten Mahlzeit war. Er war von t Karen vollständig überrascht, sie sah ja geradezu strah- I lend aus; er machte ihr nun eifrigst den Hof u«h schenkte i

gehalten eine nach der andern. Rasmus hiell auch eine, und er machte feine Sache recht gut, aber das größte Aufsehen erregte doch b(e Rede des Konsuls.

Zuerst dankte er allen, die für ihn gestimmt hatten, und nachdem er sich in beredten und fröhlichen Wen- düngen über feine Niederlage lustig gemacht hatte, wen- bete er sich an Rasmus Junker unb sprach ganz ernst.

Nun, da der Kampf vorbei sei, mochte er gerne dem neuen Präsidenten einen Glückwunsch barbringen, indem er die Hoffnung ausspreche, daß bie Wahl ihm Freude bringen unb ber Stabt von Nutzen sein werde. Die beiden Familien hätten sich im Wahlkampfe ja scharf ge­genübergestanden, aber in einer Hinsicht, das wagte er getrost zu behaupten, stünden bie beiden Zweige der Familie sehr hoch, unb auf biefem Gebiet würden sie immer miteinander wetteifern. Aus Veranlassung dieser Wahl sei manches von dem Str^ im Junkergeschlecht hervorgezerrt worden; aber er sei ganz gewiß, daß weder fein Oheim, der neue Präsident, noch er selbst und seine Familie wünsche, daß durch diesen Streit die Stabt in zwei Lager geteilt werbe, nein, gerade das dürfe nicht geschehen, dazu sei allen beiden ihre Vaterstadt zu lieb.

Es sei nun allerdings schon ein Hoch auf den neuen Präsidenten ausgebracht worden, aber jetzt wolle er doch bie Versammlung unb besonders alle bie, die für ihn ge» stimmt hätten, bitten, noch einmal auf Rasmus Junker bas Glas zu erheben unb ein Hoch auszubringen.

Diesmal wollte der Beifall kein Ende nehmen; wäh­rend Thomas zu dem Kapitän trat und mit ihm am stieß, ertönten begeisterte Bravorufe für den Konsul. Mit einem Schlage hatte er sichtlich die ganze Versammlung für sich gewonnen.

Thomas hatte sehr elegant gesprochen unb bie Sätze hatten sich ihm spielenb leicht geformt; kein Mensch °bnte, was es ben ehrgeizigen Mann kostete, sich in fein Lch-cksal zu finben, wie hart er kämpfen mußte, um fia) zu bezwingen; aber er tat es, weil er solches nun als seine Pflicht erkannt halle.

k^ortjetzuna folgt.)