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Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatl.

7tr 74.

>ii|d)etnt sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt >m Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatl. 1,80 einschl. Postgeb. (30 bezw 48 Pf.), ohne Zustella'

Donnerstag, 28. März 1929.

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SS.Zahrg.

Der Plan für die Reparationsbank.

wtb. Paris, 27. März. (Eig. Meldg.). lieber trte Organisation der geplanten Zentralbank will „Echo de Paris" folgende nähere Angaben machen können: Die Bank wird 25 Administratoren erhal­ten, von denen 14 von den im Sachverständigen- ausschuß vertretenen Nationen gestellt werden sol­len. Mr eine bestimmte Anzahl von Jahren soll ferner ein französischer und ein deutscher Zusptz- Admmistrator ernannt werden. Die übrigen Sitze wurden den übrigen Gläubigersttaaten und den Ländern, die sich finanziell beteiligen würden, wie etwa der Schweiz und Holland, zufallen. Das System der Sachlieferungen sei für 10 Jahre vor­gesehen, beginnend mit 750 Millionen im ersten Rechnungsjahr, die jedes Jahr um 50 Millionen verringert werden würden. Eine Klausel komme auch in Frage, die den Verkauf der Sachlieferungen cm Dritte ermöglicht, vorbehalllich einer noch ge­meinsam zu bestimmenden Regelung.

Um tjugenbergs Brief.

Man wollte es nicht glauben und doch ist es wahr: Der in der amerikanischen Presse veröffent­lichte Brief Hugenbergs ist echt! Auch die deutsch- nationaleParteileitung stellt das, freilich mit süß­saurer Miene fest. Jede andere Partei aber hätte einen „Führer", der sich so würdelos dem Ausland anbiedert und der die eigenen Volksgenossen dem fremden Lande gegenüber denunziert, einfach ab­gesetzt!

Die deutschnationale Pressestelle versuchte es mit einer Entschuldigung. Sie bessert an den Din­gen nichts, sie verschlimmert sie nur. Denn nun­mehr wird ja förmlich dieser Hugenberg'sche Brief eine Parteiaktion der Deutschnationalen. Es kann heute schon als eine ausgemachte Sache gel­ten, daß diese Dinge nicht.so einfach über die Bühne gehen, sondern daß sie auch noch den Reichstag und zwar gründlich beschäftigen werden.

Als seinerzeit die Deutschnationalen in der Reichsregierung waren und von der einen ober anderen Seite her die Frage aufgeworfen wurde, ob die Deutschnationalen kraft ihrer bis dahin be­triebenen Politik denn auch das Vertrauen des Auslandes haben können, da wurden derartige Aeußerungen von der deutschnationalen Presse ge­radezu als ein Staatsverbrechen gebrand- markt!

Und heute? Der Vorsitzende der Deutsch- nationalen Volkspartei wendet sich unter Deckung dieser Partei in einem Brief an 3000 Adressaten in Amerika, um sie davor zu warnen, daß sie doch Deutschland kein Geld mehr geben, denn es sei ja zahlungsunfähig und die Sicherheit seiner Wäh­rung sei, wie das Hugenberg seinerzeit einmal aus­drückte, eine „Lüge".

Hugenberg beschimpft weiter in dem Brief die­jenigen deutschen politischen Kreise, die mit der Politik der Deutschnationalen nicht einverstanden sind. Und der Gipfel der Geschmacklosigkeit besteht

doch wohl darin, daß Hugenberg in seinem Schrei­ben den Kellogg-Pakt nun auf einmal in den Himmel hebt, nachdem bis dahin die Deutsch- nationalen in Wort und Schrift diesen amerikani­schen Vorschlag mit Spott und Schimpf überschüt­tet hatten!

Wenn der haßerfüllteste Feind der Deutschnatio­nalen jemals ausgesprochen hätte, daß eine derar­tige Aktion der Deutschnationalen und ihres Füh­rers einmal auch nur theoretisch möglich sei, dann hätte man eine solche Auffassung als eine Ausge­burt politischer Verbohrtheit bezeichnen müssen. Denn bei allen Bedenken und bei aller Abwehr gegen die Zerfahrenheit und auch gegen die Unbe­lehrbarkeit der Deutschnationalen hätte man es doch nicht für wahr halten mögen, daß es Deutsche gibt, noch dazu Deutsche, die den Patriotismus und die ntionate Würde in Erbpacht zu haben vor­geben, die das eigene deutsche Volk vor dem Aus­lande herabwürdigen und den Kapitalismus des Auslandes sich zum Bundesgenossen für die Entfesselung einer wirtschaftlichen und politi­schen Katastrophe gegen dieses eigene Land an­rufen.

Und doch ist es so. Der Brief Hugenbergs ist tatsächlich echt, und die deutschnationale Partei deckt ihn! Eine größere geistige und politische Ver­wirrung ist wohl kaum mehr denkbar.

*

Der Brief Hugenbergs hat ein stürmisches Echo in der deutschen Presse erweckt. In der Presse der den Deutschnationalen noch am nächsten stehenden Deutschen Volkspartei wird ausgesprochen, daß es für diesen Brief kaum eine Entschuldigung gäbe. Die „Nationalliberale Correspondenz" sagt u. a.:

„Was sollen die amerikanischen Bürger von der ver­späteten Erklärung Hugenbergs denken, daß die Deutsch- nationale Partei mit den Bestrebungen des Kellogg- Paktes sympathisiere, nachdem die deutschnationale Agi­tation, wie die ganze Welt weiß, für diesen Pakt nur Hohn und Spott gehabt hat! Besonders geschickt glaubte Hugenberg wohl zu handeln, als er sich als Bekämpfer des Bolschewismus empfahl, Auch diese Spekulation dürfte fehlschlagen, denn man weiß jenseits des großen Teiches längst, wer Deutschland vor dem Chao bewahrt hat, weiß, daß die innere Rettung Deutschlands nicht von der äußersten Rechten, sondern aus der politischen Mitte kam . . .

Man kann in diesem Brief nur den verzweifel­ten Versuch eines Parteiführers sehen, der zwar endlich erkannt hat, daß er auch für seine wie im­mer geartete Politik auf die Zustimmung des Aus­landes angewiesen ist, der aber dann doch nur die Möglichkeit eines solch absurden Mittels findet, weil er die viel vorsichtigere, die sachlich und realpolitisch richti­gen Methoden der offiziellen deutschen Außenpolitik bis aufs Messer bekämpft hat. Was sagen die oft gerühm­ten „alten Diplomaten und Staatsmänner der Deutschnationalen Bolkspartei zu dieser Leistung ihres Parteiführers."

(Fortsetzung auf der zweiten Seite.)

Ier Mioiialkongcetz 8er KliollllniWMtei.

Non Dr. Friedrich Otte, Professor a. d. Reichs Universität Peking.

Arn 15. März ist der Nationalkongreß der Kuo­mintangpartei in Nanking zusammengetreten, nach­dem es lange so ausgesehen hatte, als ob er mög­licherweise nickt zustande kommen würde. Dieser Kongreß soll das bekräftigen, was die Kuomintang­regierung Chinas im vergangenen Jahre erreicht hat, und außerdem die Richtlinien für die zukünf­tige Politik 6er Regierung festlegen. Die Koumin- tangpartei beherrscht heute China; selbst die der Zentralregierung in Nanking widerstrebenden Ele­mente erkennen zum mindesten die Grundsätze der Partei an, so wie sie non Sun Pat-sen niedergelegt wurden. Trotzdem ist genug Zündstoff geblieben, der zu neuen Entladungen führen kann, wenn es auch scheint, als ob die beste Zeit der politischen Schieber und der militärischen Hitzköpfe heute end­lich vorüber ist.

Als Sun Pats-en am 12. März 1925 in Peking die Augen schloß, hinterließ er ein Testament, in dem er niederlegte, es solle aus der Koumintang- partei heraus ein Nationalkonoent gebildet werden, um den Keim zu einer neuen Regierung zu bilden Dies geschah, und so entstand 1925 die Regierung in Kanton. Das wichtigste Organ dieser vorbe­reitenden Regierung wurde der Ausführende Zen­tralrat mit 56 Mitgliedern. Tschiang Kai- schek, das heutige Oberhaupt der chinesischen Re­publik, wußte sich das Vertrauen der Partei zu erringen, und 1926 begann der Siegeszug nach dem Ycmgtse, 1927 und 1928 wurden die nördlichen Machthaber ausgeschaltet. Am 8. Juni 1928 war Peking genommen. Arn 15. August fand dann eine Sitzung des Ausführenden Zentralrates statt, auf dem vorläufig die Richtlinien für die Bildung der Regierung in engster Anlehnung an die Lehren Sun Dat-fens niebergelegt wurden. Diese ebenfalls noch provisorische Regierung wurde bann am 10. Oktober 1928, also am Jahrestage des Beginns der Revolution in Hankow 1911, in Nanking feierlich von der Kuomintangpartei, d. h. vom Ausführen­den Zentralrat, in ihr Amt eingeführt, der ^da­mit seine Stellung als oberste Regierungsbehörde verlor, wenn auch feine politischen Befugnisse fort« dauern. Die Soumintangpartei hat demnach aus sich heraus China eine neue Regierung gegeben. In gewisser Weise ist dieser Vorgang der gleiche wie bei Revolutionen in anderen Ländern.

Der eingangs erwähnte Kongreß hatte schon am 1. Januar 1929 einberufen werden sollen, wurde aber vertagt, hauptsächlich weil sich immer wieder Schwierigkeiten mit den örtlichen Parteiräten ent­

wickelten. Diese haben sich in den vielen Jahren, während man in China feine eigentliche Zentral­regierung mehr anerkannte, daran gewöhnt, auf eigene Faust zu hudeln, und es wird eine mühsame und gefährliche Arbeit fein, diese örtlichen Gewal­ten einer zentralen Parteidisziplin zu unterwerfen. Eine so straffe Drgani[ation wie etwa in Rußland ober in Italien kommt für China überhaupt nicht in Frage, bazu ist das Gebiet zu groß, Klima und Bevölkerung sind viel zu uneinheitlich. Die Auf­gabe der Regierung wird die sein, überhaupt erst einmal den früher vorhandenen Zusammen­hang der Teilgebiete wieder herzustellen. Der erste Schritt dazu soll die Beseitigung der Wider­stände innerhalb der Partei sein, die Reibungen sollen vermindert werden. Als Mttel dazu sieht man den Parteikongreß an, der am 15. März er­öffnet wurde und der zugleich als Nationalkongreß gedachDist. Man wird von ihm verlangen, baß er der Regierung sein Vertrauen ausspricht. Es ist anzunehmen, baß dies geschehen wirb, wenn auch nicht mit überwältigender Mehrheit und wenn auch einzelne Provinzen keine Delegierten entsandt ha­ben sollen und wenn an.-di letzthin sogar die Möglich­keit des Wiederauflebens des Bürgerkrieges stark be­sprochen wurde itnb wenn auch einer der früheren Machthaber in Schantung als Folge der Besetzung der Bahnlinie durch die Japaner wieder einige tausend hungrige Landsknechte um sich sammeln formte. Alle diese „Wenn-auchs" und einige mehr dursten sich in den Köpfen der meisten Kongreßteil­nehmer nicht so weit auswirfen, baß sie die Er- ^untnis verbunfeht tonnten: ein neuer Konflikt, ber China wiederum auseinander reißt, würde das Land in ein noch größeres Chaos stürzen als »v^-unk wäre die staatliche Selbständig­keit. Chinas überhaupt in Frage gestellt. Der vor kurzem verstorbene berühmteste 'chinesische Sttlist der Neuzeit, Liang Ch'i-ch'ao, stellte bereits 1912 einmal bie bange Frage: Sind die zerreißenden Wer die zusammenhaltenden Kräfte in unserem DEe starker? Er meinte, die „Zentripetalen", alfo zusammenführenden Kräfte überwögen hock, die entgegengesetzten. Die Lage war bann bis 1926 aHerbings so geworden, baß man an ber Ricktiokeit biefer Auffassung häufig genug zweifeln konnte, aber trotzdem scheint man heute berechtigt zu fein, wieder hoffnungsvoller in die Zukunft zu blicken.

Die Vertagung des Nationalkongresies hatte auch taktisch-politische Gründe. Die Regierung wollte ber Part»- •■nb dem Volke noch etwas mehr

zu bieten haben als die bloße Einigung Chinas, sie wollte zeigen, baß sie auch außenpolitische Er­folge aufzuweifen hätte. Hierher gehört vor al­lem die ab 1. Februar wiedergewonnene, feit 1842 verlorene Tarifhoheit für die Festsetzung von Zoll­sätzen, wodurch China zum Teil seine Finanz- Hoheit emgebüht hatte und in bezug auf In­dustrie- und Handelspolitik größtenteils vom gu­ten Willen des Auslandes abhängig geworden war. In dieser Hinsicht ist die chinesische Oeffentsichkeit heute unerbittlich, sie verlangt Erfolge, und diese hat die Nankinger Regierung zu bieten. Sie ver­dankt sie nicht zuletzt dem Entgegenkommen ber Vereinigten Staaten von Amerika, die im Juli 1928 freiwillig auf ihre Vorrechte die­ser Art verzichtet und baburcb anderen Nationen die gleiche, übrigens 1922 in Washington vertrag­lich beschlossene Politik aufgezwungen hatten. Wei­terhin soll jetzt auf Veranlassung ber Vereinigten Staaten eine Konferenz einberufen werden, welche die Aufhebung ber Konsulargerichtsbar keit für den 31. Januar 1930 beschließen soll. Die Regie­rung kommt also nicht mit leeren Händen zum Kongreß.

Deutscherseits kann man nur die Hoffnung aus­sprechen, daß ber Kongreß ein Erfolg fein wird, wenn fein ganzer, dann Wenigstens ein Teilerfolg, denn sonst müßte die Poliik der Kuomintangparte in einer Sackgasse enden; die Frage würde auf- tauchen: Haben die Gedanfen Sun Pat-sens doch nicht die lebendige Kraft, die man von ihnen er­wartet hatte? Und was soll dann an ihre Stelle treten? Ein Diktator? Kaum denkbar! Dazu ist China zu gewaltig; auch ein Diktator könnte sich nur Teilgebiete unterwerfen, und seit 1912 hat China Diktatoren in bunter Reihenfolge durchgekostet; es würden angesichts ber Größe des Landes doch wie­der mehrere Diktatoren werben, fünf, sechs, viel- - leicht noch mehr.

Die Aufgabe des Kongresses ist also vielseitig. Er soll entscheiden über die Finanzpolitik der Re­gierung, über Handespolitik, über die Parteiein­stellung ber Kuomingtang und anderes mehr und letzthin über die Regierung selbst. Ein Parlamen im angelsächsisch-demokratischen Sinne ist er nicht mehr; wenn man schon Vergleiche anstellen will, die aber stark hinken, bann benfe man an die Bolschewisten- und Faschistenkongresse; jedoch ist ber Chinese weder Italiener noch Russe, er bleibt Chinese.

Kriegserklärung.

Chinesischen Meldungen aus Nanking zufolge hat Nanking offiziell an H a n t a u den Krieg erklärt.

Tschifu durch die Nordtruppen beseht.

wtb. Loudon. 27. März. (Eig. Meldg.). Eine Meldung aus Tschifu bestätigt, daß die Nordtrup­pen unter dem Befehl des Generals Tschangschnng- schang Tschifu heute vormittag eingenom­men haben. Die nationalistischen Truppen find ab­gerückt und haben große Mengen Munition zu­rückgelassen. Die Niederlage der nationa­listischen Truppen wirb auf Verrat zu- rückgeführt. __________________________

* Am 12. Mai Landtciqsnemvahlen in Sachsen. Das Gesamtministerium in Dresden hat beschlos­sen, die Neuwahlen zum Sächsischen Landtag am 12. Mai ftattfinoen zu lassen.

♦ Keine Auflösung des Landtages von Mecklen­burg-Schwerin. Amtlich wird von ber Staats­regierung mitgeteilt, die Zeitungsnachrichten, bas Staatsministerium sei im Hinblick auf das Urteil des .Staatsgerichtshofes in ber Sache des Frei­staates Sachsen zum Rücktritt und zur Auflösung bereit, treffe nicht zu.

♦ Das deutsch-französische Handelsabkommen. Aus Paris wirb gemeldet: Der Senat hat den von ber Kammer bereits angenommenen Gesetzent­wurf über die Abänderung gewisser Zollsätze des Protokolls vom ‘20. Juni 1928 zum deutsch-fran­zösischen Handelsabkommen vorn 17. August 1927 angenommen.___________________

pomcarö über Zoch.

Der Dorbeimarsch wird wegen Müdigkeit her eiten Generale vorzeitig abgebrochen. "

Poincarö hat für feine Gedenkrede auf Mar­schall Fach den Augenblick gewählt, wo der Sarg, der auf der Lafette des 7,5^Zentimeter-Feldge- schützes ruhte, vor dem Jnvalidendom anlangte. Nachdem Poincars zunächst eingehend Fochs Werde­gang und feine Wirksamkeit im Heere in den früheren Friedensjahren behandelt hatte, wandte er sich der bedeutungsvollen Rolle zu, die der Marschall während des Krieges, besonders in des­sen letztem Abschnitt, gespielt hat. Foch hat, so erklärte Poincare, in der Ueberzeugung, daß der Waffenstillstand es ermöglichen würde, unter voll­kommener Erfüllung des Rechts die Bedingungen des künftigen Friedens zu regeln, aus einem Ge­fühl der Menschlichkeit heraus nicht zu einem wei­teren Blutvergießen raten wollen. Für diesen Sol­daten fei der Krieg nicht ein Ziel, sondern nur das Mittel gewesen, um einem Lande seine Unab­hängigkeit und feine volle Sicherheit zu erhalten. Das sei auch der Gedanke gewesen, der Foch nach Abschluß des Friedens beschäftigt habe. An der Spitze der interalliierten Militärkommission sei er ein aufmerksamer, unterrichteter Kontrolleur ge­wesen, aber niemals seien seine Beobachtungen ihm eingegeben worden durch einen imperialistischen Geist, durch Rancüne oder durch Haß. Nach Be- enbigung des Krieges habe er nur noch ein Soldat des Friedens fein wollen.

Zum Schluß feierte Poincarö Foch als Menschen und Bürger.

Nach der Rede Poincares vor dem Jnvaliden- Dom begann der Vorbeimarsch der Trup­

pen und Frontkämpfervereinigungen sowie der übrigen Abordnungen. Wie Havas mel­det, wurde er nach längerer Dauer abgebrochen, da verschiedene alliierte Generale we­gen ihres hohen Alters Müdigkeit zeig­ten. Der Sarg mit der Leiche des Marschalls wurde alsdann im Jnvaliden-Dom provisorisch beigesetzt, da die Krypta, die ihn aufnehmen soll, erst ein­gebaut werden muß.

Der „Temps" berichtet, daß eine Anzahl Kriegs» verletzter und ehemaliger Frontkämpfer, die we­gen des Abbruchs des Vorbeimarsches nicht mehr an dem Katafalk vorbeiziehen konnten, sich darauf mit entrollten Fahnen und unter dem Gesang ber Marseillaise in die Nähe des Kammergebäudes begeben haben, um ihre Unzufriedenheit zum Aus- druck zu bringen. Die vor der Kammer dienst­tuenden Polizisten forderten die Manifestanten zuw Weitergehen aus.

Sowjetunion und Schweiz.

wtb. Bern, 27. März. (Eig. Meldg.). Sev Chef der Exportabteilung bei der Pariser Handels­vertretung der Sowjet-Union, David Keßler, ist laut „Berner Bund" von seiner Regierung mit der Errichtung einer inoffiziellen Handels, agentur der Sowjet-Union in der Schweiz beauftragt worden. Nach weiteren Meldungen hat Keßler bei der schweizerischen Gesandffchaft in Pa­ris um ein Einreisegesuch für einen Aufenthalt von 2—3 Monaten in der Schweiz nachgesucht und das Gesuch mit geschäftlicher Tätigkeit in verschie­denen Kantonen begründet. Die eidgenössische Fremdenpolizei hat ihm vorläufig einen Aufent- halt von 14 Tagen im Kanton Bern zugestanden. Keßler wird nach seiner Ankunft in Bern über seine weiteren Pläne befragt werden.

Die Regierungskrise in polen.

Bevorstehender Rücktritt der polnischen Regierung^ wtb. Warschau, 27. März. (Eig. Meldg.). Die Gerüchte über eine bevorstehende Umbildung der polnischen Regierung verdichten sich neuerdings. Cs gilt als sehr wahrscheinlich, daß das Kabinett Bar- tel nach den Feiertagen zurücktreten wird, um einem neuen Kabinett Platz zu machen. Die Stellung Dr. Bartels ist in den letzten Wochen angesichts der zahlreichen Schlappen, die die Re­gierung im Sejm davon getragen hat, bedeutend geschwächt. So hebt sogar ein Regierungsblatt, wie der Krakauer konservative „Czap" hervor, daß Bartel von der Opposition deshalb nicht unterstützt würde, weil er zu wenig ehrlich mit dem Sejm zu­sammen gearbeitet habe. Das Blatt hält es üb­rigens für möglich, daß der Posten des Minister­präsidenten von einer Persönlichkeit besetzt werden wird, die einen schärferen Kurs gegen das Parlament führen wird und nennt den Na- men Marschall Pilsudski. Cs fei bis jetzt darüber noch keine Enffcheidung gefallen. Auch die rechtsoppofitionelle „Gazeta Warszawska" kündigt für die ersten Tage nach Ostern weitgehende Ver­änderungen in der polnischen Regierung an.

* General Ludendorff wegen Beleidigung z« 800 Work Geldstrafe verurteilt. (Eig. Meldg.). In der Beleidigungsklage des Photographen Sparr gegen General Ludendorff wurde am Mitt­woch vor einer größeren Zuhörerzahl vom Cux­havener Amtsgericht das Urteil verkündet. Ge. neral Ludendarff wurde zu einer Geldstrafe von 800 Mark, ersatzweise für je 50 Mark einen Tag Gefängnis verurteilt. Die Begründung des Urteils verwirft die Auffassung Ludendorifs, daß die eventl. Straftat noch unter das Amnestiegesetz falle, da noch nach dem 1. Jan. 1927 Zehntausende von Broschüren verkauft wurden. Die Einrede Ludendorffs, daß Sparr damit beleidigt sei (Kol- lektivbeleidigung) läßt das Gericht nicht gelten, da Sparr, namentlich in Bezug auf das veröffent­lichte Bild, auf dem auch Sparr abgebildet ist, genannt ist und Ludendorff das Bild mit der Ueberschrist „Beispiel freimaurerischer Unmoral* versehen hat. Ludendorff hat ferner im Zusammenhang von der Entehrung des feld­grauen Ehrenkleides gesprochen und erklärt, beim Anblick des Bildes empfinde man heute noch Zorn und Scham. Die Auffassung Ludendorfs, daß Wahr­nehmung berechtigter Interessen vorsiege, wurde vom Gericht ebenfalls abgelehnt.

* Kommunistische Roheiten bei der Hamburger Bismarckfeier. (Eig. Meldg.)). Der alljährlich von den vaterländischen Verbänden in Hamburg am Vorabend des Geburtstages des Altreichskanzlers veranstaltete Fackelzug zum Bismarck-Denkmal, der diesmal für den Dienstag abend verlegt wurde, nahm im allgemeinen einen ungestörten Verlauf. Dagegen sind, wie die Polizei meldet, beim Auf­marsch zum Sammelplatz auf dem Winterhuder- weg drei Stahlhelmangehörige angefallen und durch Messerstiche leicht verletzt worden. Ferner wur­den auf dem Großneumarkt von einer fanatischen Menge Steine und Flaschen geworfen. Die Pott» zei ging mit dem Gummiknüppel vor und nahm sechs kommunisttsche Ruhestörer fest. Ferner wur­den drei Zugteilnehmer auf dem Heimweg von einer Uebermadjt mißhandelt.

Demokraten und Kultur.

Nach einem Bericht des Demokratischen Zek- tungsdienstes hielt der Kulturausschuß der Deutschdemokratischen Partei am 25. März eine Sitzung ab. Mit Bezug auf das Konkordat wurden n der Aussprache die Gründe gewürdigt, die auf >er emen Seite Vereinbarungen mit der katholi- ?EN Kirche notwendig machen, vor allen Dingen bw Sichermm r>es deutschen Klerus bei der Be-