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Nr. 75.

Suldaer Zeitung (Amtliches ttreisblatt).

Mittwoch, 27. März 1929.

r

Heimat

Fulda, den 26 März 1929

Zur Schulentlassung.

*■ $sn Franz Heu»ich.

Ostern steht vor der Tür! Es ist die Zeit, in wacher wieder tausende junger Menschen der Schule entwachsen und ins Leben hinaustreten. Sie freuen sich der ihnen nun winkenden „Freiheit". Aber wie schnell wird sie das Leben zu der Ueber- zeugung bringen, daß mit der Schulenllassung die sorglosen TagederKindheitvorüber sind, und daß nun die harte Wirklichkeit sie in eine viel rauhere Schule nimmt. Gönnen wir den jungen Menschen die kurze Zeit, welche zwischen Illusion und Ernüchterung liegt, sie gehört mit zu dem Pro­zeß, der bald zur Gewißheit werdenden besseren Erkenntnis.

Die jungen Mädchen, die nun ins Leben hinaus­treten, werden es nicht leicht haben. Wohl wird es der Mehrzahl gelingen, eine Lehrstelle zu finden. Was aber dann, wenn die Lehrzeit beendet ist? Ein Glück, daß die Jugend noch nicht so weit denkt urdb mit einer gewissen Sorglosigkeit dem neuen Leben entgegengeht. Wohl dem, der einen B e- ruf gewählt hat, welcher seinen Anlagen und Nei­gungen entspricht. Cs bleibt immer bedauerlich, wenn Eltern ihre Kinder um einer geringen sofor­tigen Vergütung willen einem ungelernten Beruf zuführcn. Acht Jahre hatten die angehenden Lehr­linge Zeit, sich für das Leben vorzubereiten. Wer diese Jahre gut ausnutzt, wird im Leben seinen Mann stehen können, jedenfalls viel besser, als die­jenigen, die nach ein paar Jahren nutzlos verbrach­ter Zeit auf der höheren Schule diese frühzeitig verlassen mußten. Leider hat die Volksschule gar oft über mangelndes Interesse und über fehlende Unterstützung seitens der Eltern zu klagen. Und so kommen manche Kinder in die Lehre, die den an sie gestellten Anforderungen nicht genügen. Man hört diese Klage heute öfters aus Handwerker- und Berufskreisen. Die Hauptschuld tragen in den mei­sten Füllen die Eltern selbst, die sich um die Aus­bildung ihrer Kinder nicht genug kümmern.

Die Handwerker und Gewerbetreibenden haben nun ein gutes Mittel in der Hand, um die Schule bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Mit Recht wollen sie nur gut vorgebildete Schüler in die Lehre neh­men. Das Schulzeugnis und das Amt für ^Berufsberatung kann ihnen über die gei­stige und körperliche Eignung am besten Ausschluß geben. Die Schule begrüßt es daher, daß die Lehr­herren in letzterr Zeit mehr Wert wie früher auf ein gutes Zeugnis legen. Ein Junge, der mit einer Durchfchnittsbegabung den gehörigen Fleiß verbindet, kann das Ziel der Volksschule immer er­reichen; die Zahl der Sitzenbleibenden könnte auf eine geringe Ziffer herabgedrückt werden, wenn die Eltern für die Arbeit der Volksschule mehr In­teresse zeigten. Zu jedem Beruf gehört ein be­stimmtes Wissen, das während der Lehrzeit in den Fortbildungs-, Berufs- und Fachschulen erlernt werden kann. Das Hirn ist immer wichtiger als die Hand. Wer diese Ausbildung vernachlässigt, wird kaum ein ordentlicher Geselle, nie aber ein selbständiger Meister.

Im allgemeinen kommen die schulentlassenen Jungen und Mädchen mit dem besten Willen zu ihrem Meister, zu ihrer Lehrherrin. Die Schule ,hat sie gelehrt, daß sie sich in dem gewählten Be­rufe tüchtig ausbilden müssen, auch wissen sie, daß Lehrjahre keine Herrenjahre sind, und daß der nichts leisten kann auf Erden, wer nicht gehorchen kann. Wichtig ist es aber auch, daß man den jungen Men­schen mit Vertrauen, Güte und Verständnis ent- gogentritt. Die Lehrzeit und die darauf folgenden Jahre sind die Zeilen des Uebergangsalters vom Kinde zum gereiften Menschen. In diesem Alter muß man bei den jungen Menschen manches ent­schuldigen. Es ist die Zeit eines starken Wachs­tums, eines neuen Werdens. Alles stürmt und schäumt. Der Jugend ist ein unbändiges Stre­ben nach Freiheit, Macht und Größe eigen, sie weiß nach ihrer Ansicht vieles besser als die Alten; es ilt die Sturm - und Drangperiode ihres Be­bens, in die sie hineinwachsen. Glücklich die Ju­gend, der in dieser Zeit gute Führer zur Seite stehen.

Wohl dem jungen Menschen, der einen Meister oder einen älteren Arbeitsgefährten gefunden hat. der ihm auch väterlicher Freund sein will und kann. Leider Wt es unter den Arbeitsgenossen solche, die von einer anderen Einstellung heraus den Jungen, das Mädchen gegen ihren Lehrherrn auf­hetzen und sie unter dem Deckmantel der Liebe zum Objekt einer falschen „Aufklärung" über deren ver­meintlichen Rechte machen. Meist stecken politische Ziele dahinter. Je mehr es aber dem Meister ge- I

lmgt, durch Güte und Verständnis bei dem jungen Rcenschen Vertrauen zu gewinnen, desto weniger wird die ,,Aufklärungsarbeit" zweifelhafter Volkse genossen Früchte zeitigen. Wichtig ist es auch, die Jugendlichen vor den drohenden Anfallgefahren zu schützen, selbst wenn ihnen die Schule die grund­legenden, allgemeinen Kenntnisse über Unfallver­hütung vermittelt, bedarf es doch noch einer beson­deren Aufklärung der in der gewerblichen Betriebe emtretenben Jugendlichen. Sie kommen als un­erfahrene Jieultnge in eine ihnen völlig fremde Um­gebung, müssen Arbeiten verrichten, die sie noch nie getan haben, an Maschinen arbeiten, mit denen fte meist noch nicht vertraut sind. Zu allem kommt st noch eine Befangenheit, die sie unsicher macht und besonders gefährdet. Aufklärung der Neulinge sit nicht nur Pflicht der Vorgesetzten, sondern auch kameradschaftlich der älteren und erfahrenen Mitarbeiter und Arbeitskollegen.

„ Die jungen Menschen, die aus der Freiheit der Schulzeit in den harten Arbeitsprozeß hineinge- stellt werden, welcher heute mehr wie je einen irischen widerstandsfähigen Körper und gesunde spannkräftige Nerven verlangt, haben ein verständ- llches Verlangen, die Freiheit, die ihnen das Be­rufsleben läßt, für die Zwecke der Erholung zu benutzen. Auch da bieten sich Freunde und Führer an. Jeder katholische Junge sollte sich dem Jüng­lings- und Jungmännerverein anschlie­ßen. Hier werden ihm Mittel und Wege zu einer harmonischen Ausbildung von Körper und Geist geboten. In der Deutschen Jugendkraft wird ihm genügend Gelegenheit zu Spiel und Sport geboten. Hier wird eine rechte Pflege der Leibesübungen betrieben, welche die jungen Menschen nach getaner Arbeit und an Sonntagen in die freie Natur zu Spiel, Sport und Wandern führt. Zu der körper­lichen Erholung muß aber die Erholung des Gei­stes treten. Der junge Mensch braucht auch Feier­stunden für die Seele.

Zum Schlüsse sei noch auf eins hingewiesen. Der große Umschichtungsprozeß, der sich in unse­rer Wirtschaft vollzieht, bringt es mit sich, daß jährlich viele junge Menschen aus den länd- l sch e_n Verhältnissen herausgerissen und in die städte verpflanzt werden. Hier haben die Eltern und Erzieher die besondere Pflicht, die Jungen und Mädchen vorzubereiten auf den Wech­sel ihrer Umgebung und ihrer Lebensgewohnheit; die Dorfkinder, die in die Stadt, insbesondere in die Großstadt kommen, müssen gestählt sein gegen die gerade ihnen wegen ihrer Unerfahrenheit und ihres besonderen Erlebnisdranges drohenden Gefcch- ren. Zunächst ist Aufklärung not, wenn einheran- gewachfenes Mitglied der Familie deren Schoß ver­läßt. Falsche Scham der Eltern ist hier nicht am Platze. Die Aufklärung erfolgt bann von einer an­deren Seite und in einer Form, die furchtbares Unheil anrichtet. Auch sollte man die jungen Men­schen nicht aus den Augen lassen, bis man weiß, daß sie den Weg zu gleichgesinnten Kameraden, zu guten Freunden in den Jugendvereinen ge­funden haben.

Alle, die mit der nun schulentlassenen Jugend in irgend einer Weise verbunden sind, sollen sich ihrer Pflicht gegen diese bewußt bleiben. Sie dür­fen nicht den Mut verlieren, wenn sie sehen, daß sie andere Wege geht, als die früheren Generatio- neir gegangen sind. Es ist heute eine andere Zeit! Man muß das schöne Wort beherzigen: „Wir können die Menschen nach unserem Sinne nicht formen; so wie Gott sie uns gab, muß man sie haben und lieben!"

Um die Gewerbesteuer.

Bei Einbeziehung der freien Berufe in die Reihe der Gewerbesteuerpflichtigen würde für Fulda schätzungsweise ein Aufkommen aus den Kreisen der neu Heranzuziehenden von 20 000 Mark zu erwarten fein. Da sich zeigt, daß das Etatsjahr 1929 wirklich ein Notjahr wird, ist ein solcher Be­trag nicht unwesentlich. Die Frage der Besteue­rung der freien Berufe wird infolgedessen in den Kreisen der Realsteuer-Pflichtigen auch in Fulda zurzeit eifrig erörtert.

Nach den jetzt uoliegenben Abstimmungs- Itften haben im Preußischen Landtag bei der dritten Lesung der Gewerbe- und Berufssteuervor- lage in der Frage der Heranziehung der freien Berufe zur Gewerbesteuer die Parteien im preußi­schen Landtag folgendermaßen abgestimmt:

Don den Sozialdemokraten stimmten 115 Ab­geordnete für die Heranziehung, 22 Abgeordnete fehlten bei der Abstimmung; von den Deutsch- nationalen stimmten 17 für und 5 0 gegen die Heranziehung, 15 Abgeordnete fehlten; vom Zentrum 41 für und 7 gegen Heranziehung, 18 Abgeordnete fehlten, 5 enthielten sich der Stimme; von den Kommunisten 18 gegen die Her­anziehung, 36 Abgeordnete fehlten; von der Deut­schen Volkspartei "stimmten 13 dafür und 20 da­gegen, 7 Abgeordnete fehlten; von den Demokraten 7 dafür und 12 dagegen, 2 Abgeordnete fehlten;

| von der Wirtschaftspartei 19 für die Heranziehung, 1 Abgeordneter fehlte (Rechtsanwalt Rhode ft von der Deutschen Fraktion stimmten 8 für die Heran­ziehung und 5 dagegen, darunter Gras Posa- dowsky, 4 Abgeordnete fehlten; von den National­sozialisten, bei denen gleichfalls 4 Abgeordnete fehl­ten, stimmten 2 gegen die Heranziehung. Die 3 keiner Partei angehörenden Abgeordneten fehl­ten.

Im ganzen stimmte 220 Abgeordnete für die Heranziehung der freien Berufe, 113 dagegen, während sich 5 der Stimme enthielten. Gefehlt haben insgefnnit 112 Abgeordnete.

Im Staatsrat hat sich bei der Abstimmung über den Einspruch gegen die Einbeziehung Ober­bürgermeister Dr. Antoni-Fulda nicht gegen die Einbeziehung gestimmt, sondern sich im Hinblick auf einige Unklarheiten in der Formulierung des Landtags feiner Stimme enthalten.

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Im benachbarten Hanau haben am Montag abend in nichtöffentlicher Sitzung die Stadwerordneten ein­stimmig beschlossen, zur teilweisen Deckung des Fehl­betrages im Rechnungsjahr 1928 eine Er■ Höhung der Gewerbe st euer vom Ertrage von 380 auf 480 Prozent und der Gewerbesteuer vom Kapi­tal von 760 auf 1060 Prozent eintreten zu lassen. Die­ser Beschluß ist notwendig geworden durch die steuer­liche Berücksichtigung eines Großbetriebs. Für die Be­ratung des städtischen Etats für 1929 hat die Finanz- kommifsion in Hanau noch eine besondere „Spar- ko m m i s s i o n" gebildet, die in ihrer Tätigkeit bisher auch nicht erfolglos geblieben ist, da es ihr gelungen ist, bei den Ausgaben Abstriche zu machen und bei den Ein­nahmen erhöhte Zahlen herauszubringen. Schlimmsten Falls wird in Fulda auch eine solche Sparkommission notwendig werden.

Bestandene Prüfung.

Die Meisterprüfung für bas Zkmmerhanbwerk bestaub vor der Prüfungskommission ber Hcmd- werkskammer Kassel Herr Haus Fritz, Sohn bes Zimmermeisters Josef Fritz unb für bas Bau- haubwerk Herrn Willi Rützel, Sohu bes Maurer- Meisters Weubeliu Rützel.

Herz- 2esu-Heim.

Wieder konnten vor ber Haubwerkslammer in Kassel dem Baubagisteulehrliug Karl Verwegen unb bem Bürsteumacherlehrliug Karl Kö h nie in der Gesellenbrief mft dem Präbikat „Gut" zuer- kanut werben. Seit drei Jahren siub es 40 Lehr­linge, bie burch intensive Ausbildung zur Stufe ber probuziereuben Menschen emporgehoben wür­ben. — Deutlich wird ber Leser empfinden, zu welchen Leistungen ber Körpergebrechliche sich emporkämpfen kann, wenn er sich nicht als Schick­salsopfer fühlt unb bebauert sieht, sondern durch seine Arbeit zur Selbstverautwortwrg seines Lebens sich härtet. Gerade die Arbeit stellt, vom ethischen Moment ganz abgesehen, für die Körpergebrech­lichen eine Art Therapie bar, welche bie Geschicklich­keit hebt, von Deformflät geheilte ©lieber kräftigt unb den ganzen Organismus vor erneuter Ver­weichlichung burch ungewohnte Ruhe schützt. Diesem ebleu Ziel ber katholischen Karitas gilt auch weiter­hin unsere Arbeit.

vom Kloster Frauenberg.

Der vielen bekannte Tiefbrunnen im Kloster- Hofe des Frauenberges hat in ben letzten Wochen eine interessante Anlage eingebüßt. Das alte Dreh­rad samt Welle und Seil wurde abgebrochen unb dafür eine maschinelle Einrichtung ge­schaffen, eine elektrisch betriebenes „Gestänge- Tiefpumpwerk", das per Stunde 5,3 Kubikmeter Wasser zutage fördert. Damit ist dem Kloster die Möglichkeit gegeben, sich beim Versagen ber Was­serleitung schneller und leichter, als bisher, mit dem unentbehrlichen Wasser zu versorgen. Die neuesten Messungen ergaben, baß vom Brunnenmundrand bis auf den Boden des Brunnens rund 60 Meter Tiefe sind. Diese 60 Meter von ber Meereshöhe des Klosterhofes von etwa 326 Meter abgesetzt, ergibt die Meereshöhe des Brunnengrundes mit 266 Meter. Das Fuldawaffer fließt aber ca. 245 Meter über dem Meer, folglich liegt ber Brunnen- grunb immer noch 21 Meter höher als der Wasser- spiegel ber Fulda. In dem Brunnen ist ein Was­serkörper von 7—9 Meter Höhe. Es ist von Natur ein gutes trinkbares Wasser. Das Untersuchungs­amt für anftetfenlbe Krankheften in Marburg a. L., dem eine Wasserprobe zu gesandt wurde, gab' am 20. Aug. 1921 darüber folgende Auskunft: „Im Wasser wurden keine gesundheitsschädlichen Vak- terien gesunden." Bei Führung der Gäste ließ man früher zuerst einige Tropfen Wassers in ben Brunnen herabfallen. Es bauerte immer einige Sekunden, bis das Geräusch bes aufschlagenden Wassers über dem Brunnenmunbe hörbar wurde. Dann wurden petroleumgetränkte Tuchstücke oder Zeitungspapiere brennend hinabgeworfen, die dem

Beschauer den von oben bis unten mit glatt be­hauenen Sandsteinen ausgemauerten tiefen Brun­nenschacht beleuchteten. Das alles ist nun vorüber.

Ene Industrie- unb Handelskammer hat Herrn Johannes Helmke, Fulda, als W ä- g e r öffentlich bestellt und beeidigt.

was ist k)umumt?

Don sachverständiger Seite wirb uns geschrieben.

In der letzten Bauernversammlung im Katholr scheu Gesellenhaus zu Fulda wurde vom Herrn Professor Bornemann-Eisenach für da- Edelmistverfahren eingetreten. Im Anschluß hieran wies er auch auf einen neuen Dünger hin, der den Namen „Humunit" trägt. Es scheint, daß gerade die Ausführungen des Redners über „Humunit" bei vielen Landwirten Anklang ge- furiben haben. Denn es wird dem „Humunit" im Fuldaer Land ein Interesse entgegen gebracht, und zwar mehr als ihm gebührt.

Die große Bedeutung des Stoffes „Humunit" soll, wie ber Name ja andeutet, in der Humuszu­fuhr liegen. Es ist richtig, daß dem Humus ähnlich wie dem Kalk im Boden eine wichtige Aufgabe zu­fällt, und daß daher der Landwirt dem Boden im­mer wieder in den Wirtschaftsdüngern Humus zu- fuhren muß. Da aber nun die Wirtfchaftsbünger nicht überall in genügender Menge zur Verfügung stehen, hat man feit längeren Jahren nach ande­ren Humusquellen gesucht. So ist man auf ben Gedanken gekommen, die fast unerschöpflichen Hu­muslager der Moore für die Fruchtbarkeit der be­sonders humusarmen Bodenarten nutzbar zu ma­chen. Die Absicht, den Rohhumus der Moore in eine für Düngungs- und Meliorationszwecke brauchbare Form zu bringen, hat eine größere An­zahl von sogenannten Humuspräparaten aufkom­men lassen, von denen es jedoch bis heute nicht ein einziges fertig gebracht hat, sich in ber Praxis ein­zuführen. Die mit den Humuspräparaten durch­geführten wissenfchasllichen Versuche lieferten bis jetzt unbefriedigende Ergebnisse, so daß immer wie­der von der Verwendung der genannten Präparate abgeraten und nach wie vor eine bessere Stallmist-

Kirchliches.

Am GrÜndonnerskag wird In der Domkirche die hl. Kommunion den Gläubigen im Bischöflichen Hochamt nach der Wandlung am Safra- menksalkar ausgekeilt, am Hochaltar nur dem Kle­rus. Rach dem Hochamt darf sie den liturgischen Vor­schriften entsprechend nicht mehr gespendet werden. Das Domkapitel.

wirtschaft, eine sorgfältigere Behandlung desselben sowie auch der vermehrte Anbau von Grün-Dungs- pflanzen empfohlen wird, um bem Boden mehr Humus liefern zu können.

Auch „Humunit" ist ein solches Humuspräpa- rat. Bekannt ist es indessen schon seit über 5 Jahren. Ausführlich erwähnt wird „Humunit" in den Mitteilungen der Deuffchen Landwirtschaftsge- sellschast vom Jahre 1925 auf Seite 964. In diesem Aufsatz heißt es, daß exakte Versuche mit Humunit nicht ausgeführt bzw. Ergebnisse von solchen nicht genden Jahren gefällt worden. Die jüngste Ver­anlassung zu der Annahme, daß Humunit zur Dün­gung geeigneter sei als die öfteren Humuspräpa» rate und es könnte immer nur wieder den Humus­präparaten gegenüber Zurückhaltung empfohlen werden. Aehnliche Urteile sind auch' in den fol­ge nben Jahren gefüllt worden. Die jüngste Ver­öffentlichung über Humusdünger findet sich in ben Mitteilungen der D. L. G. vom 26. Januar 1929. Hier werden noch eine Anzahl anderer Humus- präparate genannt wie: Guanol, Humuskieselsäure, Torfkalk, Humosan, Humo- unb Biohumus. Ein greifbares Ergebnis ist nach diesem Bericht bis heute immer noch nicht erzielt worden. Die Hu- musbürtger haben im Höchstfälle den Wert, der ihrem Gehalt an verwertbaren mineralischen Nähr­stoffen entspricht. Ob derselbe höher ist wie im Stallmist, kann nicht angegeben werden. Beson. bere Wirkungen durch Abspaltung von. Kohlensäure infolge vermehrter bakterieller, biologischer Tätig­keit im Boden sind bis heute bei keinem Humus- präporat also auch nicht bei Humunit mit Sicher­heit bewiesen.

Vorläufig kann daher keinem Landwirt die Verwendung von Humunit empfohlen werden.

Einen grausigen Fund

machten am Montag Holzhauer im Walde zwischc,. Lütterz und dem Trätzhof. In einem ziemlich dich­ten Waldstück, in dem schon Jahrzehnte lang kein Holz mehr geschlagen worben war, fanben sie bas Skelett eines Mannes, bas schon sehr -

Die Beherrschung der Ketherwellen.

Der deutsche Bildfunksender wesentlich verbessert. — Das neue Fernkino.

Als bie Deutsche Rundfunkgesellschaft versuchsweise den Bildfunk nach bem System Fulwns einführte, d.a waren bie Erwartungen jener Funkliebhaber, die feit je in ber ersten Reihe der Bastler standen, sehr gespannt. Doch bald wurde es etwas still um den Bildfunk, man hörte nicht viel von ihm, auch die Preffe schwieg sich aus; man wartete ab. In diesen Tagen scheim nun der entscheidende Schritt in der technischen Entwicklung ge­tan worden zu sein, der dem Bildfunk endgüllig zum Sieg verhilft: die deutsche Fultographgesellschaft hat den ersten optischen Bildsender in den Dienst gestellt.

Seither mußte von jedem zu übertragenden Bild eine Kupferfolie angefertigt werden, deren Raster von einem Metallgriffel in engen Spiralen abgetastet wurde. Die von den leitenden Rastkrpunkten ausgesandten Stromstöße wurden dann im Empfänger mit einem elek­trolytischen Schreibgriffel in Farbpunkte auf dem Pa­pier umgewandelt (Zersetzung einer Jodkalilösung durch den elektrischen Strom). Das Verfahren war schwer- Ttillig, das empfangene Bild — seien wir ehrlich — ost noch recht mittelmäßig. Die Aktualität der Bildbericht­erstattung litt unter ber zeitraubenden Umwandlung des Photos zur Kupferfolie, die Wiedergabe aber unter dem verhältnismäßig groben Raster der Folie und dem noch primitiven Verfahren des Abtastens mit einem Metall­griffel.

Diese Fehler sind jetzt behoben: Der entwickelte Ne­gativfilm eines eben aufgenommenen Bildes wird un­mittelbar ohne jede weitere Veränderung auf eine Glas­trommel gespannt. An die Stelle des metallenen Ab- taftgriffels ist ein intensiver Lichtstrahl mit äußerst fei­nem Querschnitt getreten. Die Trommel dreht sich unb Vtmltiörmig r-nchl-u-ht-t auf einer engen Spirallinie

der Lichtstrahl den Film. Im Innern der Glastrommel wandert, dem Lichtstrahl dauernd entgegengestellt, eine hochempfindliche Photozelle, eine jener Einrichtungen, bie genau und unoerzerrt jede Lichtschwankung in eine quantitativ entsprechende Stromschwankung umwandelt. Diese Stromschwankungen steuern den Sender und wer­den im Empfänger, ebenso wie bei der seitherigen Appa­ratur, zur Aufzeichnung des Bildes benutzt. Durch diese neue photoelektrische Uebertragung des Bildes ist es möglich geworden, einmal die Qualität des Funkbildes außerordentlich zu verbesiern, die Sendeanlage durch den Ausfall der Kupferfolie sehr zu vereinfachen und endlich vor allem eine wesentlich schnellere Bildberichterstattung durchzuführen, da ja jeder Film ohne weitere Vorberei­tungen auf die Sendetrommel aufgezogen werden kann. Wenn die Bildempfänger billiger geworden sind, dann werden sie ohne Zweifel an jeden Rundfunkempfänger angeschlossen fein, ohne daß noch irgend ein Mensch barm etwas Erstaunliches sieht.

. ich glaube, daß es nicht mehr sehr lange dauern r •,sQnn man "uch dieser unbewegten toten Rund- funkoilder müde geworden und an ihre Stelle tritt das pernttno, der von einem zentralen Sender in je- bes Heim gesandte Funkfilm. Den Weg zu diesem Fern- kmo hat m diesen Tagen Denes von Rihaly gezeigt. Ni- haly hat sich schon feit langem mit dem Problem des Fernsehens befaßt und bereits vor Jahren die Ergebnisse seiner Unternehmungen in einem Buche über das Tell- bor" veröffentlicht. Auf der letzten Funkausstellung in Berlin, nn Herbst 1928, zeigte Rihaly zum ersten Male in breiter Oeffentlichkeit feinen Fernseher. Er hatte noch Mangel, deren Beseitigung aber wohl mehr eine Frage ber Zett ist. Jetzt kommt die Nachricht, daß es diesem erfolgreichen Berliner Physiker gelungen ist, wenn auch nicht ben Rundfunkfernscher, fo doch den Rundfunkfilm, bas Fernkino, zu schaffen und zwar in fo vollendeter Form, daß kaum ein Zweifel mehr an feiner baldigen allgemeinen Einführung besteht-

Das Fernkino darf nicht mit bem sogenannten Gleichlaufkino von Telefunken verwechselt werben. Währenb bei bem Gleichlaufkino durch elektrische Steue­rung lediglich die vollkommen genaue gleichzeitige Vor- führung eines Films an beliebig viel Orten durch eben- soviele Projektionsmaschinen ermöglicht ist, sodaß z. B. ein in einem Senberaum gesprochener Vortrag oder die von dort gesendete Begleitmusik in allen Kinos mit dem Ablauf des Films übereinstimmend zum Gehör gebracht werden können, weil das Nihalysche Femkino nichts weniger als einen Film, der in der Sendestelle läuft an beliebig viel Orten im Filmempfänger sichtbar machen, ohne daß hierzu aber eine Filmprojektionsmaschine not­wendig ist. Man kann mit der Nihalyschen Methode heute bereits im Empfänger, der wie ein Lautsprecher an das Rundfunkgerät angeschlossen wird, auf einer Mattscheibe von den Ausmaßen 18 mal 23 cm. den Film klar und deutlich sichtbar machen, und es sind nur nach kleine Schönheitsfehler, wie buntle „Rasterpünkt- chen" im Bild, die stören, aber zu beheben sind. Dabei ist die Bedienung des Apparats spielend leicht und die Kosten werden, bei serienmäßiger Herstellung, die eines besseren Rundfunkgeräts nicht überschreiten.

Das Prinzip, kurz Umrissen, besteht in der Auflösung jedes Filmbildchens in eine große Anzahl einzelner Vildpunkte, bie in Bruchteilen einer Sekunde nachein­ander durchleuchtet unb deren Lichtschwankungen ohne Verzug in entsprechende Stromschwankungen umge­wandelt werden, fo Bildchen für Bildchen int Tempo des Filmablaufes, also 12 bis 16 Bilder in ber Sekunde. Im Empfänger werden bie Stromstöße mit geeigneten Einrichtungen fast trägheitslos wieber in Lichtpunkte umgewandelt, diese Lichtpunkte zum Bild vereinigt und im gleichen Rhythmus — 12 bis 16 Bll- ber in der Sekunde — auf der Mattscheibe zum Auf­leuchten gebracht.

Wie ernst man die Rihaysche Erfindung beurteilt zei- aen bie umfangreichen Artikel in ben Fachzeitschriften

der Lichtspieltheaterbesttzer, der Filmindustrie usw. Doch ist für die Dauer durch bas Fernkino ebensowenig eint Abwanberung ber Massen aus ben Kinopalästen zu er­warten, wie der Rundsunkt seither ben öffentlichen Kon- zerten und Theatern eine merkliche Verminderung ihre« Publikums gebracht hat. Andererseits aber wird ein »och verbessertes Nihalysches Fernkino bald bie bester und größten Fllme ber Hauptstädte schon am Tag ber Uraufführung auf ber Leinwand ber kleinsten und fern­sten Provinztheater lebendig werden lassen.

Der vollendete Bildsender von heute wird bald abge­löst fein vom Fernkino; wie lange noch, unb der Fern jeher, an bem in allen physikalischen Laboratorien der Well fieberhaft gearbeitet wird, diese vielleicht genialste Ueberoinbung des Raums, wird uns die unmittelbare Anschauung fremder Länder, Völker, Sitten, Gebräuche, wird die Geschehnisse von Weltbedeutung, wird die ganze Buntheit der „schönen wilden Welt" alltäglich und doch wie ein Märchen aus tausend und einer Nacht in da­verdunkelte Zimmer eines jeden tragen, über Kontinent, unb Ozeane hinweg: ein Märchen, das Wirklichkeit oe worden! Hanns Derstroff.

Gedankensplitter.

Nur das ist wahrer Besitz, worauf man auch verzieh ten kann. Denn sonst besitzt man nicht, sondern wirk befeffen.

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Man hält nur dann einen Gedanken für besonder- tief, wenn man nie erfährt, wie tief er in Wahrheit ist

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Die meisten unserer Unternehmungen bleiben nur des- halb °hne Erfolg, weil wir ihre Früchte vor der Reife- zeit ernten wollen.

Sie Mott Nm' Mot Das tafle.