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Anzeiger für die Stadt Julda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Nr 72

Dienskag, 26. März 1929

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Hinblick auf die ihre Abstimmni

Tasche man

Stegerwald über die politische Lage

n I ho Sie nützen damit dem deutschen Volk!

n ^^Staat und profitieren dabei, auf längere Sicht '* > gesehen, bestimmt auch selbst

Der Tag lliiiffolims.

Die Volksabstimmung in Italien.

Klage der Waldeck'schen Partei „Wirtschaftsbund" gegen das Land Waldeck und die waldeck'sche Lan­desvertretung auf Ungültigkeit der Waldeck'schen Wahlbeschränkungen, Landtagswahlen und aller von diesem Landtag erlassenen Gesetze, insbeson­dere auch des Gesetzes über den Anschluß Waldecks an Preußen dahin entschieden: „Sämtliche Klage­anträge der Waldeck'schen Partei „Wirtschaftsbund" werden z u r ü ck g e w i e f e n".

forderlichen Mittel seien durch Ersparnisse im Staatshaushalt und durch geringere Anforderun­gen an die Schulunterhaltungsträger zu beschaffen. Der Staatsrat vertagte sich dann bis zum 16. April.

* Gesetz über den Umlauf türkischer Banknoten. Aus Angora wird gemeldet: Die Kammer hat ein Gesetz angenommen, das den Umlauf an Bank­noten auf 158 788 653 türkische Pfund festgesetzt.

5km Grabe Zoch's.

Nützliche und auch notwendige Erinnerungen.

Von einem unserer besonderen Mitarbei­ter, der auch Mitglied der Friedensdelega­tion in Versailles war, wird uns geschrieben: Marschall Fach, den die Franzosen als den „Sieger des Weltkrieges"/ als den „zweiten Na­poleon" feiern, ist nun zur großen Armee hinüber­gegangen.

„Foch war der Typus desjenigen französischen Offiziers, der von Jugend aus nichts anderes konnte und betätigen wollte, als die R e v a n ch e.

Sparmaßnahmen Hoovers.

Aus Washington wird gemeldet: Präsident Hoover hat bereits wichtige Entscheidungen zur Schonung seiner Gesundheit und zur Verminderung seiner Amtsausgaben getroffen. Er hat die täg- chen Empfänge von Bürgern zum Händeschütteln von sechs auf zwei Taae herabgesetzt und wird nur bei außergewöhnlich wichtigen Anlässen Reden halten. Ferner wird Hoover den von Coolidge beantragten und vom Kongreß auch bewilligten Sommersitz des Weißen Hauses nicht instandsetzen, und schließlich hat Hoo­ver die Auflegung der Präsidentenyacht „Mayflo- wer' in einem Trockendock angeordnet, da der Be­trieb der Yacht 300 000 Dollar jährlich koste und außerdem der Marine Personal entziehe.

°"b bekannt, daß d^'^erikw

2 elkonzerne von den Aufständischen c2 lieferen °" bie Insurgenten kein

Am Sonntag fand die Abstimmung statt. Da die Fascisten den Befehl erhalten hatten, vormittags abzustimmen, so hatte mittags bereits die Hälfte der Eingetragenen ihrer Wahlpflicht genügt. In vielen Wahllokalen erschienen die Fascisten im ge­schlossenen Zuge. Auffallend war die starke Be­teiligung der Geistlichkeit.

Das Ergebnis.

wtb. Rom, 25. März. (Stefanie.) Der Unter, staatssekretär im Ministerium des Innern, B i a n - ch i, erklärte Vertretern der Presse: Bei den Wah­len im Jahre 1921 betrug die Beteiligung 58 Proz., im Jahre 1924 belief sie sich auf 63 Prozent, wäh­rend die Beteiligung bei den jetzigen Wahlen 80 Prozent überstieg, sodaß die gegenwärtigen Wahlen als eine wirkliche Volksabstim- mung angesehen werden können.

Bianchi hob als Kennzeichen der Wahlen die vollkommene Ordnung und große Begeisterung her­vor, unter denen sie vor sich gegangen seien und sagte, ihr Erfolg sei beispiellos.

„Die Oberste Heeresleitung bleibt auf ihrer am Sonntag, den 29. September d. Is. gestellten For- derung der sofortigen Herausgabe des Friedens­angebotes an unsere Feinde bestehen.

Weiter hieß es in der Depesche:

Die Lage verschärft sich aber täglich und kann die Oberste Heeresleitung zu schwerwiegenden Ent­schlüssen zwingen.

Unter diesen Umständen ist es geboten den Kampf abzubrechen, um dem deutschen Volke und seinen Verbündeten nutzlose Opfer zu ersparen Je­der versäumte Tag kostet Tausenden von tapferen Soldaten das Leben.

Und dieses Telegramm war unterzeichnet von dem Generalfeldmarschall von Hindenburg

Wieder glaubte die Reichsregierung, daß man trotz allem die Nerven behalten solle, und es fand am 10. Oktober 1918 jene Besprechung Ludendorffs mit dem Reichskanzler und dem Staatssekretär statt, in welcher Ludendorff auf die Frage, ob er noch drei Monate die Front halten könne, kateao- risch erklärte: Nein.

So mußte sich Deutschland nach dem Walde von Compiegne begeben. Und als Erzberger den Salonwagen Fochs betrat, fragte Foch, der am

Zum Schluß kam Dr. Stegerwald auf die Koa- linonsfrage zu sprechen und sagte u. a. Es gib! nur dreierlei entweder Diktatur oder Reichstags- auflofung, oder aber feste Koalition. Diktatur bedeutet praktisch die Zerreißung der Reichseinheit R ei chs tags auf lösung bedeutet Stärkung des Radikalismus. Mithin bleibt nur der Weg zu einer festenKoaliüon offen. Parteipolitisch wäre es für die Zentrumspartei das Beste, sie bliebe noch längere Zeit außerhalb der Regierung Dre Parteien sind indes nicht Selbstzweck; sie sind insbesondere im Zeitalter des parlamentarischer. Regimes Instrumente der Politik und des Staates. Wer im Zentrumslager einbewußtesFern- bleiben von der Regierung will, arbeitet prak­tisch, ob gewollt oder ungewollt, an der A n b a h- nung der Diktatur. Jede Regierungskoali- hon hat sich bewußt zu sein, daß die deutsche Poli­tik in den nächsten Jahren auf allen Gebieten Aus- gl^chspolitik sein muß (Verfassungsfragen, Wahl­rechtsfragen, Wirtschaftspolitik, Steuerpolitik So zialpolltik, Kulturpolitik). Alle Parteien, die in dei Regierung vertreten sind, müssen in den nächsten ^^u den Willen mitbringen, den Staatswagen ohne Rücksicht auf vorübergehende Popularität °beL^popur^r,tat unter allen Umständen bergan

Asch saß, ohne überhaucht aufzublicken: Was wün- scheu Sie? Als Erzberger entgegnete, er habe den Auftrag, über die Waffenstillstandsbedingungen mit dem Vertreter des französischen Heeres zu ver­handeln, sagte Foch brüsk: Hier wird nicht ver­handelt, ich diktiere die Bedingungen!

. Und diese Waffenstillstandsbedingungen waren m der Tat Fochs ureigenste Idee und ureigenstes siegelten den ganzen Vernicktungs- willen Fochs, den er schon als Lehrer an der mili­tärischen Akademie in Frankreich seinen Schülern predigte, in geradezu furchtbarer Weise wieder.

Am Vorabend des Abstimmungstages wurde der zehnte Jahrestag der Gründung fascistischer Ver­bände in ganz Italien festlich begangen. In vielen Städten wiesen die Vertreter der Be- Hörden und der fascistischen Partei in Ansprachen auf'die Bedeutung oes Tages hin und forderten im Hinblick auf die Wahlen die Bevölkerung auf, durch ihre Abstimmung der Zustimmung zu dem von der Mcistischen Staatsordnung vollendeten Werke Ausdruck zu geben. Die öffentlichen Gebäude und Privathäuser hatten die italienische Trikolore ge­hißt und am Abend illuminiert. In Rom herrscht« den ganzen Tag ein festlich bewegtes Treiben. Auf dem Colonnaplatz hielt der Sekretär der fasci­stischen Partei, Turati, vor Tausenden von Schwarz. Hemden und einer ungeheuren Volksmenge eint Ansprache, in der er der Verehrung für Mussolin Ausdruck gab.

Alles Sinnen und Trachten des Marschall Foch war auf eine kriegerische Auseinander­setzung mit Deutschland abgestimmt. We­niger seine militärisch-organisatorischen Fähigkei­ten, als vielmehr unerhörten Glückszufällen hatte Foch es zu verdanken, daß er mit Unterstützung einer ungeheuren Uebermacht die geschwächte, weil durch die englische Blockade ausgehungerte deutsche Liitie überwältigte.

Ein solcher Glückszufall war u. a. für Foch da­durch gegeben, daß ein paar Tage vor dem von ihm geplanten Angriff es gelungen war, einen deutschen Ordonanz-Offizier abzuschießen, in dessen Tasche man den genauen Aufmarschplan der deutschen von Ludendo ff beabsichtigten Offensive fand. Nun konnte Foch warten, er ließ die Deutschen. anrennen und sich verbluten, um darauf mit seinen Reserven vorzustoßen und an jenem schicksalsschweren Julitag den Weltkrieg end­gültig zu seinen Gunsten zu entscheiden.

Dann kamen die Tage von Compiegne. Ludendorff drängte auf Abschluß des Waffenftill- standsvertrages. In einem Telegramm vom 1. Oktober 1918 berichtete Freiherr von Lersner an das Auswärtige Amt, daß General Ludendorff sofortige Herausgabe des Waffenstillstandsangebo­tes verlangte mit der Begründung: 48 Stunden könne die Armee nicht noch warten. Als die Ber­liner Regierung um Aufschub bat, erging vom Chef des Generalstabes des Feldheeres unter dem 3. Oktober 1918 an den Reichskanzler folgende De­pesche:

' Die Neugliederung im westen. Der Staats- rat hat am Samstag den Gesetzentwurf über die 'M Beften im wesentlichen in der r n e n<° M m e n' bie der Gemeindeaus- 'cM bcsäOossen hatte. Eine Novelle zum Gesetz über die Dienstbezuge der Lehrer und L e h r e r i n n e n an den öffentlichen Volksschulen wurde abgelehnt. Der Staatsrat erklärt, eine Herabsetzung des Beschulungsgeldes fei nickt an­gängig, die für erhöhte Ergänzungszufchüsse er-

Unsere Verhältnisse im Innern, so erklärte Dr. Stegerwald im weiteren Verlauf seiner Rede, sind größtenteils bedingt durch unsere außenpolitische Lage. Deuffchlands Wirffchaft krankt an der zu ge­ringen deutschen Kapitaldeckung und infolgedessen an dem zu hohen Zinssatz; dann ist, gemessen ander deutschen Ge)amtwirtschaftslage, die Steuerlast in Deutschland zu hoch. Wir müssen uns allerdings von Illusionen freihalten. Das Jahr 1929 ist in bezug auf Steuererhebung das Kulimißationsjahr; m ihm muß das deutsche Volk die höchsten Steuern I aufbringen, die es in feiner Geschichte je aufge-

Um päris.

Die Auseinandersetzungen über die Gestaltung der künftigen Reparationszahlungen nehmen nun« wehr Formen an, aus denen sich ergibt, daß ge­rade von Seiten der französischen Oeffentlichkeit mit Hochdruck gearbeitet wird, um aus Deutschland her. auszupressen, was nur irgend möglich -ist. Man hat dabei, um uns aus der Ruhe zu bringen, mit den tollsten Gerüchten gearbeitet, man sprach von einer Erhöhung der jetzt schon 2'A Milliarden be­tragenden Jahresrente auf 3J4 Milliarden, anderer- seits lägen bezüglich der Dauer der Jahreszah­lungen Sachverständigenvorschläge vor, die sogar bis zu 60 Jahren gingen und dergleichen mehr.

Bezüglich der Annuität, der jährlichen Zahlung, ist nun neuerdings im Gegensatz zu den ersten schreckhaften Mitteilungen das Gerücht aufgetaucht, daß die Alliierten ein Angebot auf 1% Milliarden gemacht hätten, was gegenüber der gerade von die- fern Jahr ab fälligen „Normalquote" eine Verrin­gerung von % Milliarden bedeuten würde. Schockt wolle aber, so heißt es in der französischen Presse, nur 1,4 Milliarden anbieten und nun werde man sehen, ob Schacht und die Deutsche Regierung we­gen der 300 Millionen die Konferenz aufflieaen lassen würde.

Wir müssen all diesen Mitteilungen gegenüber unsere äußere Ruhe bewahren. Tatsächlich befindet man sich jetzt in einem entscheidenden Stadium, in welchem die für das Schicksal der deutschen Wirt­schaft allerdings lebenswichtige Frage der Höhe der künftigen Jahreszahlungen und die Dauer dieser Zahlungen festgelegt werden soll. Durch Ein­flüsse von außen her wird man diesen Kampf nicht zu unseren Gunsten enffcheiden. Ein Aderlaß, der unsere Wirffchaft zum Ausbluten brächte, würde her Gegenseite bestimmt nichts nützen.

* Graf Edwin Henckel-Donnersmarck gestorben. Graf Edwin Henckel v. Donnersmark starb, 64 Jahre alt, in der Sonntagnacht auf feinem Schloß Naklo bei Tarnowitz. Er war Präsident des Deutschen Volksbundes für Polnisch- Oberschlesien als Nachfolger des 1925 verstorbenen Frhr. v. Reitzenstein und spielte unter den deutschen Katholiken in Oberfchlesien eine repräsentative Rolle.

♦ So was gibt's heute noch! Im Bayerischen Landtag hat dieser Tage der Abgeordnete der Bayerischen Volkspartei, Dr. Probst, bei Be­ratung des Kultusetats folgenden bezeichnenden Fall vorgetragen: „In Erlangen wurde in einer Fakultät ein Gelehrter vorgeschlagen auf Grund feiner wissenschaftlichen Leistungen. Ein anderes Mitglied der Fakultät wandte dagegen ein: Der cst doch Katholik! Der Befürworter antwor­tete prompt: Ach, das wußte ich nicht; dann muß ich mei'nenAntrag zurückzi'ehen!" Wenn man das liest, glaubt man sich 15 Jahre zurück­versetzt. So was gibt's aber auch heute noch. Nur gut, daß wir von Zeit zu Zeit wieder daran erin­nert werden.

bracht hat. Man geht aber in die Irre, anzuneh men, daß die gegenwärtigen 14 Milliarden Mart Steuer- und Reparationsabgaben in den nächster fahren auf weniger als 13 Milliarden Mark ge­senkt werden könnten.

Die Kämpfe in Mexiko.

Die Regierung in Mexiko hat von dem Kom­mandanten Mazatlans die Meldung erhalten, daß die Aufständischen nach Verlusten sich auf weiter zurückgelegene Stellungen zurückgezogen hätten.

Kardinal Faulhaber und der Krieg.

Der Kardinal Faulhaber hat an die Münchener Ortsgruppe der Internationalen Frauenliga fol­genden Brief gerichtet:

Die Münchener Gruppe der „Internationalen Frauen- liga für Frieden und Freiheit" hat auf meine Silvester- predigt vom Frieden der Völker einen offenen Bries an mich gerichtet und darin in Uebereinstimmung mit den Gedankengängen meiner Predigt den Krieg als furcht­bare Volksplage abgelehnt. In der Tat würde ein neuer mit den neuen Mitteln der Vernichtungstechnik ein solches Elend und einen so großen Jammer über die krieg- suhrenden Völker bringen, daß alle, die es mit der menschlichen Kultur gut meinen, im Voraus ihre Stimme gegen den Krieg erheben müssen. Es bleibt ein großes Verdienst der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit, daß sie unbeirrt von allen Einsprü­chen die weitesten Volkskreise über den Schreckenscharak- ter eines künftigen Krieges aufklärt. Ich danke Gott, daß mein Wortvon der Kanzel auch in Ihren Kreisen einen so starken Widerhall gefunden hat und hoffe, daß es dem vereinten Bemühen gelinge, mehr und mehr die Gesin- nung des Friedens in den Seelen zu pflegen.

Mit nochmaligem Dank für Ihre freundliche Kund­gebung und mit ergebenem Gruß gez. Kard. Faulhaber.

wtb. Rom, 25. März. (Eig. Meld.) Bis 7 Uhr früh lagen die Wahlergebnisse aus 86 Provinzen vor. 7 934 733 Wähler haben ihre Stimme für | die Regierung abgegeben, 125118 gegen die Regie, rung. Es fehlen noch die Ergebnisse au's secht Provinzen.

Südtirol.

wtb. Innsbruck, 25. März. (Eig. Meld.) Wir der Tiroler Anzeiger meldet, ist der Wahlsonutao in Südtirol wie überhaupt in ganz Italien voll", kommen ruhig verlaufen. Die Wahlbeteili- gung betrug in Südtirol 80 Prozent. In der Provinz Bozen waren 52 078 Wahlberechtigte. Da- i von gingen 41139 zur Wahlurne. Von diesen stimmten 38 243 mit Ja, 2809 mit Nein, ungültig ! waren 87 Stimmen. In der Stadt Bozen wählten 7445 Personen. Von ihnen stimmten 7042 mit Ja. ! 371 mit Nein. In Meran stimmten 3682 mit Ja, x42 mit Nein. Die fäscistische Bozener ^llenzeitung . brachte in Plakatform auf der ersten Seite folgende Worte: „Wer eine Neinstimme abgibt ober sich der Stimmabgabe ganz enthält, ist ein Verräter und und Obstrukteur."

Gegen Radau»Politik!

Der Amtliche Preußische Pressedienst verbreitet einen Aufruf des preußischen Ministers des Innern. G r z e f i n s k i, in dem auf die in letzter Zeit fort­schreitende Häufigkeit des Mißbrauches der verfassungsmäßig gewährleisteten Vereins- und Versammlungsfreiheit, wie des Rechtes der freien Meinungsäußerung, auf die Ausschrei­tungen, die sogar Menschenleben gefordert haben, und die, zum Teil organisierte Auflehn ungge- gen bie Polizei, bei der Beamte erheblich zu Schaden gekommen sind, und auf die Denkmalsbe- schadigungen und antisemitischen Friodhvfssckffn- düngen hingewiesen wird. Parlament und Oeffent- lichkett forderten vorbeugende Maßnahmen.

Er habe wiederholt vor einer Fortsetzuna dieses Treibens, das mit Politik und politischem Kampfe nichts mehr zu tun habe, gewarnt, ohne überall die notwendige Wirkung zu erzielen. Er wieder­hole daher heute noch einmal sehr ernstlich seine Mahnung an alle politischen Organisationen, Bünde und die Führer der ihnen nahestehenden politischen Parteien und ersuche auch die in Frage kom^ menbe Presse dringend, durch Abkehr von dem ver­hetzenden und die Staatsautorität untergrabenden Ton auch ihrerseits zu einer Befriedung des öffentlichen Lebens beizutragen, so daß po- litrsche Meinungsverschiedenheiten wieder in ver- v " " ftigenFormen ausgetragen werden und Andersdenkende von ihren politischen Gegnern un- belasllgt bleiben.

Wenn dieser letzte Versuch ungehört verhallen sollte, werde ergegendieradikalenOrga- nifationen mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln rücksicktslos einschreiten und auch vor der Auslösung solcher Verbände und Vereinigungen nicht zurücksck-recken, die gleichzeitig die Form poli­tischer Parteien haben.

In einem an bie Polizeiverwaltungen in Preu­ßen gerichteten Erlaß ersucht Minister Grzesinski I unter Hinweis auf diesen Aufruf die Nachgeordneten Debörden, auch von sich aus alle Maßnahmen zu treffen, die geeignet sind, dem Treiben der radika- i len Organisationen wirksam entgegenzutreten. Or- ganffationen, die ihr gefährliches Treiben fortsetzen, sind aufzulöfen. Oeffentliche Vresammlungen unter freiem Himmel und Umzüge, die eine unmittelbare Gefahr für die öffentliche Sicherheit darstellen, sind I vorbeugend polizeilich zu verbieten und zu vorhin- dem. Versammlungen in geschlossenen Räumen, deren unfriedlicher Charakter feststeht, sind gleichfalls vorbeugend zu verbieten, I oder, wenn sie nach Beginn einen unfriedlichen Cha- I ratter annehmen, polizeilich aufzulöfen. Eine nochmalige örffiche Verwarnung von Or- ganifationen, die Ausschreitungen begehen, ist nicht I mehr in Erwägung zu ziehen. Die Ober- und Re- I gierungspräsidenten werden angewiesen, über alle Maßnahmen der erörterten Art dem Minister zu berichten.

*

Welcher Ton z. B. zurzeit in der national- I sozialistischen Presse üblich ist, zeigt folgen­der Zusatz zu einem Bild im „Stürmer", dem Or­gan der Hakenkreuzler in Nürnberg:

„Parker Gilbert, der Agent der Dawesjuden in I Berlin. Führt auf Kosten des deutschen Volkes ein I Prasserleben. Das Neujahrs-Gutachten dieses ju- denblütigen Allerweltsgauners lautet: Deutschland I kann zahlen."

Man kann sehr kritisch gegen die Reparaffons- I Politik eingestellt sein (die ja leider grundsätzlich von beiden Kriegsgegnern vor der Entscheidung I in den Worten anerkannt war: wer versiert, muß I bezahlen), aber solche unsachliche Ausbrüche wie I der obige, müssen Deutschland auf die Dauer tn der Welt um alle Achtung bringen.

* Waldecks Anschluß an Preußen rechtsgültig. I Aus Leipzig wird gemeldet: Der Staatsgerichts- I Hof für das Deutsche Reich hat am Samstag in der

Me Associated Preß aus Mexiko berichtet, be- I narf)rid)ttgte Calles die dortige Regierung, daß er In Büren hielt der Voff. der Reichstags- 12 Reglmetner Kavallerie in Stärke von etwa 5000 Fraktion des Zentrums, Stegerwald, eine Rede Ucann von Torreon nach den Staaten Guanajuato I über die politische Lage, in der er auch auf das R e- unb Jalisco zur Bekämpfung einer neuen re- I parationsproblem einging und dazu u a volutionaren Bewegung entsandt habe, ausführte: bie bort als sogenannte „Katholische Revolte" in I .

Erscheinung trete. Calles berichtet ferner, daß die | « Die Siegerstaaten verlangen praktisch von Vorbereitungen zum Vormarsch der Truppen des Deutschland Unmögliches. Wir sollen hohe Kriegs- Generals Almazan von Torreon in der Richtung enffchadigungen zahlen, Auslandsdarlehen viel höher auf bie Stadt Chihuahua im Gange feien. Der I in &er übrigen Welt verzinsen und daneben um» erleide jedoch eine gewisse Verzögerung, Heben sich fast alle Oegerftaaten noch mit hohen ba bie Eisenbahnlinien zum Teil durch die Aufstän- Zollmauern, um die deutsche Ausfuhr nachdrücklich bischen zerstört worden sind. Zu erschweren. Für die Lösung des Reparations-

♦ Problems gibt es nur Dreierlei: Entweder es rnüf-

Wegen der Bedrohung amerikanischen Eiaen- I deutschen Leistungen an die Siegerftaaten

tums durch die mexikanischen Aufstäichischen $bat ^^^eud herabgesetzt werden, oder 2. es muß das Staatsdepartement die Entsendung eines Vize der deutschen Verpflichtungenn in

konsuls nach Ciudad Obregon angeordnet Im Sachleistungen abgefuhrt werden, oder aber 3. es D^ullal allein find 200 Amerikaner ansässig Das mi$Cn?er deutschen Warenausfuhr durch die Sie- Staokhonnrtom»»* —l. 11 01 --S । gerftoaten große Erleichterungen gewährt werden

damit sie «n absehbarer Zeit jährlich um fünf bis fechs Milliarden Mark gesteigert werden könnte.