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Sulöaer Leitung

Dienstag, ven 26. Mär; 1929.

3. Blatt.

Druck der Fuldaer AcNendruckerel, Fulda.

Bilder vom Tage.

Zum Gummi Schultheiss“^

Marktstrasse 15

Telephon 578

Telephon -Bestellung durch Nr. 28 und Nr. 298.

liche 1), Deutsche Volkspartei 45 Abgeordnete und 30 Akademiker (2) 67 Prozent, Zentrum 61 Ab­geordnete und 29 Akademiker (2) 47 Prozent, So- zialdemokratische Partei 152 Abgeordnete und 32 Akademiker (2) 15 Prozent, Deutsche Demokratische Partei 25 Abgeordnete und 18 Akademiker (2) 64 Prozent, Kommunistische Partei 54 Abgeordnete und 7 Akademiker 13 Prozent, N. S. D. A. P. 12 Abgeordnete und 5 Akademiker 41 Prozent Wirt­schaftspartei 23 Abegeordnete und 4 Akademiker 17 Prozent, Christlich Nationale Bauernpartei 9 Ab­geordnete und 3 Akademiker 33 Prozent, Volks­rechtspartei 2 Abgeordnete und 2 Akademiker 100 Prozent, Deutsch-Htnnoveraner 3 Abgeordnete und 1 Akademiker 33 Prozent, Deutsche Bauernpartei 8 Abgeordnete und 1 Akademiker 12,5 Prozent.

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* Akademiker im Reichstag. Es ist interessant, einmal die Zusammensetzung des Reichstags unter dem Gesichtspunkt der Zahl der Akademiker zu betrachten. Rach der Wahl 1928 sind unter 490 Abgeordneten 35 Prozent (174) Akademiker in den Reichstag eingezogen. Im letzten Reichstag befan­den sich dagegen 39 Prozent Akademiker. Von den

Gegenwartsliteratur Mchlands.

Ihre wichligslea Richtungen und Vertreter.

Von F. S). Schwank-Telfan.

Will man das geistige Rußland recht verstehen, so muß man das Fundament kennen, auf dem sich das neue Staatswesen aufbaute. Denn dieser Neubau be­schränkte sich nicht auf eine Reorganisation der staat­lichen Rechte und Pflichten, sondern bedingte eine grundlegende Neuordnung der Dinge überhaupt, die bis tief in das persönliche Leben der Menschen eingriff und sich selbst im allgemeinsten russischen Alltag fühlbar auswirkte. Das moderne Rußland wurzelt im histori­schen Materialismus, einer sozialistischen Doktrin, deren geistige Väter die deutschen Sozialisten Karl Marx und Friedrich Engels waren. Diese Doktrin ist heute zur russischen Religion der Gegenwart geworden, sie stellt das staatliche Glaubensbekenntnis aller derjenigen war, die im sowjetrussischen Reiche irgendwie zur Bedeutung gelangt oder in irgendeiner Weise maßgebend gewor­den sind. Es ist zweckmäßig zwischen den rein welt­anschaulichen Gesichtspunkten der neuen Periode und ihren wirtschaftlichen Folgerungen und Auswirkungen zu unterscheiden. Im allgemeinen kann man wohl sa­gen, daß die neue, aiff dem historischen Materialismus gegründete Weltanschauung heute in Rußland Tatsache ist, daß aber die aus dieser Doktrin resultierende Wirt­schaftstheorie noch voll im Entstehen begriffen bleibt, ja daß es sich um die krampfhafte Verwirklichung utopi­scher Ziele handelt, deren Belebung in einem so ^großen Reiche wie Sowjetrußland auf unüberwindliche Schwie­rigkeiten stößt, will man nicht, wie dies z. T. durch zwangsweise Einführung der Sowjets geschehen, die Utopie mit Gewalt wahr machen, dabei natürlich auf Kosten von Leben und Sicherung einer überaus großen Menge der Bevölkerung.

Alle wirtschaftlichen Bedingungen und Folgerungen des neuen russischen Staatssystems interessieren im vor­liegenden Falle nicht. Es genügt, ihr Vorhandensein zu kennen, um die Nöte und Kämpfe der Menschen zu würdigen und zu verstehen, die im Spiegelbilde der Li­teratur an den Leser herantreten. Wichtig bleibt ledig-

Von großem Interesse ist eine Betrachtung der ^ntwEung der Reichsfinanzen in den fünf Jahren von 1924 bis einschließlich 1928 und in weiterer Betrachtung der Ziffern, die der Haushaltsentwurf für 1929 vorsieht.

Daraus ergibt sich, daß die fortdauernden Ausgaben sich um nahezu 50 Prozent 9ksteigert haben. Sie betrugen im Jahre i9z4 6585 Millionen und belaufen sich im Vor­anschlag für 1929 auf 9700 Millionen. Die ein­maligen Ausgaben sind gestiegen von 270 Mil­lionen im Jahre 1924 auf 765 Millionen in 1925, 854 in 1926, 1120 in 27, um dann im Jahre 1928 ouf 594 Millionen abzusinken und der Haushalts­plan für 1929 sieht 223 Millionen hierfür vor.

Die Einsparungen beziehen sich bei diesen ein- inaligen Ausgaben insbesondere aus den Wegfall der etwa 150 Millionen für die Sozialversicherung. Die Verminderung der Ausgaben ist ober nur scheinbar, weil nämlich die 150 Millionen für So­zialversicherung auf die fortdauernden Ausgaben übernommen worden sind. Zum andern sind ge­genüber früheren Jahren beispielsweise 38 Millio­nen für das Grenzprogramm 1926, 28 Millionen für das Grenzprogramm 1927, eingespart worden. Außerdem fallen 100 Millionen fort für die Er- merbslosenfürsorge, die ja mm gesetzlich geregelt ist. Andere Verminderungen an Ausgaben sind erzielt

Der stopf der Königin Refrekeke

bildet eines der schönsten Stucke aus der berühmten Tel el Amarna-Sammlung in Berlin. Die 48 cm hohe bemalte Kalksteinplastik aus dem Jahre 1380 v. Ehr. kam 1913 nach Berlin, da sie bei der Tei­lung der ausgegrabenen Schätze ausdrücklich Deutschland zugesprochen war. Jetzt aber wird der bevorstehende Besuch des Königs Fuad von Aegyp­ten mit angeblichen Ansprüchen Aegyptens auf das Kunstwerk zusammengebracht. Eine Rücklieferung dürfte für Deutschland auf Grund der Erwerbs- verhältnisss überhaupt nicht in Frage kommen.

hafiz Affifi Bey,

der ägyptsche Außenminister (x), ist in Berlin ein- getroffen, um Vorbesprechungen zum Berliner Be­such seines Königs zu führen. König Fuad wird in Berlin als East des Reiches wohnen.

worden beim Heerwesen, beim Ernährungsmini­sterium, Verkehrsministerium usw.

Sieht man sich die Ausgaben im einzelnen an, so beobachtet man eine Steigerung der Aufwendun­gen für den Reichstag von 4,7 Millionen auf 8,5 Millionen, bei der Reichskanzlei von einer halben Million auf 2'A Millionen, beim Auswärtigen Amt von 38,7 Millionen auf 68,4 Mill, beim Reichs­ministerium des Innern von 15 Millionen auf 28 Millionen, beim- Reichswirtschaftsministerium von 9 auf 17% Millionen usw.

Die Ausgaben für das Heerwesen sind gestie­gen von 338 Millionen auf 472 Mllionen, der Marine von 86 auf 138 Millionen; alles gesehen von den Jahren 1924 bis zu dem Voranschlag 1929.

Mit die größte Steigerung der fortdauernden Ausgaben in diesen Jahren ist aber im Gebiet des Reichsarbeitsministeriums zu verzeichnen. So er­forderte die Sozialversicherung im Jahre 1924 130 Millionen, während für 1929 467 Millionen vor­gesehen sind, die Erwerbslosensürsorae ist von 36 Millionen auf 174 Millionen angestiegen. Für „Sonstiges" im Bereich dieses Mlnstteriurns sind 1924 57 Millionen ausgegeben worden, für 1929 sind nicht weniger als 154 Millionen vorgesehen.

Die Pensionen erforderten 1924 eine Milliarde, 1929 1 ^Milliarden. Die Kriegslasten sind von einer Milliarde im Jahre 1-924 auf 2% Milliarden für 1929 angewachsen.

Ch. Schultheiss, FULDA

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Französische Zeitungen beschäftigen sich zurzeit mit der Frage, ob die polnische Minderheit in Deutschland oder die deutsche Minderheit in Polen unter stärkerem politischem Drucke stünden. Im Jahre 1927, so berichten diese Blätter, lebten auf polnischem Gebiet 884105 Deutsche — 3 Prozent der Gesamtbevölkerung, davon waren 257 800 in Ostoberschlesien, 295 000 in Posen und 95 400 in Pommerellen ansässig. Diese Zisfem sind also viel zu niedrig angesetzt. Ae Gesamtzahl der in Po­len lebenden Deutschen beträgt mindestens 1150 000 = 4 Prozent der Gesamtbevölkerung Polens. Ebenso unrichtig wie diese Angabe nach deutschen Schätzungen sind die in den französischen Blättern angeführten Zahlen über die deutschen Schulen in Polen. Statt 881 sind nur 813 deutsch- und zwei­sprachige Schulen mit 61879 und nicht 91 560 Schü­lern in Polen vorhanden. Auch ist die Zahl der Kinder, die die deutschen gehobenen Schulen besu­chen, falsch. Es bandelt sich nicht um 10 070, son­dern nur um 8 500 Kinder. Von den in Oberschle- sien vorhandenen insgesamt 187231 deutschen Schul- kindern gingen im Jahre 1925 nur 14,4 Prozent = 27 088 in deutsche Schulen. Seitdem ist diese Zahl noch um rund 10 000 zurückgegangen. Dieser schwache Besuch der deutschen Schulen und fein wei­terer Rückgang ist mir aus den Druck feer polnischen Verwaltungsstellen zurückzuführen, die in steigen­dem Maße deutschen Kindern den Besuch deutscher Schulen unmöglich machen. In Polen sinkt die

Deutsche in Polen und Polen in Jeutschlaud

Fünf Jahre Reichsfinanzen von 1924 — 1929.

an Stimmung ängstlich vermieden wird. Es ist in Wahrheit eine Kunst der Sachlichkeit, die hier entstan­den ist.

Die Schriftsteller dieses neuen Rußlands sind alle Kinder des Volkes, echte Proletarier, die zum größten Teil selbst alle durch den Blutrausch des Weltkrieges gin­gen, sodann durch die einbrechenden Verhältnisse ge­zwungen waren, durch die noch tieferen Blutströme der Revolution, Gegenrevolution und wieder Gegenrevo­lution hindurchzuwaten, bis es ihnen gelang, ein Plätz­chen zu schaffen, auf dem sie ihre Arbeit, nun unge­stört von den Mächten der Gewalt, entfalten konnten. Dies alles fetzt eine überaus große seelisch« Widerstands­fähigkeit voraus, eine Robufcheit des Empfindens, die bei Dichtern umso erstaunlicher anmutet. So kommt es auch, daß man die heutigen Vertreter des literarischen Rußlands gern „Schriftsteller" im bewußten Gegensatz zu „Dichtern" zu nennen geneigt ist, — unter vielleicht einziger Ausnahme eines Mannes, der allerdings auch mehr dem Vorkriegsrußland angehört, und ein wahrer, echter Dichter von ganz großem Format ist: Maxim Gorki.

Entsprechend dem menschlichen Werdegänge der neuen literarischen Vertreter erzählen ihre Werke denn auch vorwiegend von allen menschlichen Erlebnissen wie Leid und Freude, Elend mid bescheidenem Glück, Terror, Schrecken, Tod und Blut, Blut, immer wieder Blut. Dazwischen werden Stimmen laut, ganz verschwiegen und bange allerdings, aber doch hörbar, die von dem kosenden Hauch erwachenden Frühlings erzählen, von erster Liebe, vom Glückstaumel eigenen, selbstsicheren und zielgewissen Schaffens. Lauscht man diesen Stim­men, so ist man erstaunt über den gewaltigen Lebens­willen, den sich das russische Volk auf seinem Lebens­weg, der durch solch Inferne der Entwicklung ging, be­wahrt hat. Man erkennt zugleich daran die ungeheuren, noch völlig unverbrauchten Kräfte in diesem Volke, die kein Krieg und keine Revolution zu brechen vermochte.

Man ist oerrsucht, in der neuen russischen Literatur nach Vorbildern aus den vergangenen Zeiten zu for­schen. Alexander Puschkin kommt für das mo­derne Rußland natürlich nicht in Frage, da seine lyri­schen Stimmungen, die Feinheit seiner Sprache und die

* Eine ttalienische Sternwarte auf Reparations­konto. Rom hatte bisher nur zwei vatikanische Sternwarten. Nunmehr wurden, wie die „Frkf. Ztg. meldet, Verhandlungen abgeschlossen, daß der italienische Staat auf Reparationskonto ein Zeiß- Teleskop mit einem Objekt von 65 Zentimeter Durchmesser bezieht, welches auf Monte Mario ausgestellt wird.

Zum Lmheitswertbescheid.

Im Steuerausschuß des Reichstage» machte der Zentrumsabgeordnete Nauheim bemerkenswerte Ausführungen, die von allge­meineren Interesse sind. Sie bewegten sich in folgenden Gedankengängen:

Der Vertreter des Herrn ReichsfinanMinisters hat in seinen Ausführungen vom Mittwoch zu- gegeben, daß der Wehrbeitragswert ein wenig be­friedigender Ausgongspunkt gewesen sei. Diesen Ausführungen muß ich durchaus zustimmen. Der Wehrbeitragswert ist schon in der Vorkriegszeit fest, gestellt worden. Seitdem haben die Verhältnisse in manchen Landestellen und auch Stadtbezirken eine grundlegende Aenderung erfahren. Durch die Entwicklung in der Nachkriegszeit haben fick viel­fach die wirtschaftlichen Verhältnisse vollständig ver­schoben. Industrie, Handel und Verkehr sind häu­fig ganz andere Wege gegangen. Infolgedessen kann feer Wehrbeitragswert in vielen Fällen bet der Feststellung der Einheitswerte nicht maßgebend sein und ist feie Ursache der falschen, oft viel zu ho­hen Einheitswertbescheide.

Wenn diese Tatsache feststeht, so müssen wir vom Standpunkt der steuerlichen Gerechtigkeit der­langen, daß eine Möglichkeit der Korrektur ge­geben ist, selbst auf feie Gefahr hin, daß den Fi­nanzämtern eine erhebliche Mehrarbeit entstehen würde.

Ich habe hier eine Statistik der tatsächlichen Verkäufe des Jahres 1927 in der Stadt Essen, die beweist, daß je nach Stadtviertel, Geschäftslage, Zustand und Alter der Häuser eine Schablonisie- rung nach dem Wehrbeitrag ganz unmöglich ist. Nach dieser Statistik sind Preise erzielt worden, die sich' zwischen 26,8 Prozent bis zu 139 Prozent der Vorkriegswerte bewegen. Diese Statistik und auch die Zahlen, die uns Herr Ministerialdirektor Zar- den genannt hat, beweisen uns aber auch, daß die Behauptung des Reichsfinanzministeriums, die Hauszinssteuer sei kein Hinderungsgrund bei Ver­käufen, nicht zutreffend ist. Im Gegenteil, die Hauszinssteuer ist sehr häufig feer Grund, daß ein Haus absolut unverkäuflich ist. Wenn teilweise höhere Preise bei Verkäufen erzielt worden sind, so hat das meist besondere Gründe: das Freiwer­den von Wohnungen und Geschäftsräumen oder eine für den Käufer besonders wertvolle Geschästs- lage usw.

Aber diese Ausnahmen können nicht als Norm für die allgemeine Festsetzung der Einheitswerte

Georg Ruppel, Fulda kӊ6'

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llch die weltanschauliche Seite der Dinge. Daß hierbei eine Wertung vom katholischen Standpunkte aus nicht versucht werden kann, ist klar, denn zwischen der radi­kal materialistischen Weltanschauung, die jedem göttlichen Wirken und Einfluß die Berechtigung, selbst das Vor­handensein abspricht, und der in Gott und dem Glauben an seine Schöpfer- und Welterhaltungskraft wurzelnden katholischen Weltanschauung gibt es keine Berührungs-, noch weniger Vergleichspunkte, die zu einer Wertung ermutigen könnten. Trotz alledem bleibt es vom rein literarischen, wie vom allgemein menschheitsgeschichtlichen Standpunkt aus interessant und lohnend, die Entwick­lung der neuen russischen Literatur unter der Auswir­kung des Sowjetsystems, das, vom historischen Materia­lismus kommend, sich durch feinen Begründer und spe­zifisch russischen Ausbeuter Lenin immer mehr zu einem ausgesprochenen und gesonderten „Leninismus" ausbil­det, in ihren einzelnen Richtungen und hervorragenden Vertretern kennen zu lernen. Die ganze Bettachtung über das vorliegende Thema erscheint mir deshalb be- sonders wichtig, weil man, vor allem in unseren kathol. Zeitschriften, so sehr wenig über diese Dinge erfährt, die aber dennoch von einer allgemeinen Bedeutung sind, oatz man nicht ohne Kenntnisnahme an ihnen vorüber­gehen kann.

Das Charakteristikum der neuen russischen Kunst ist die Tatsache, daß diese ausschließlich im Volke und für dos Volk existiert. Man kann eigentlich hier zum ersten Mal von einer ausgesprochen „proletarischen" Kunst D--se Eigenart bestimmt Richtung, Form und Inhalt des literarischen Strebens im vollsten Umfange. PL " " ",d,t °inf. eme gewisse Hochachtung feststel-

heute, nach über zehnjähriger Dauer der Sow- letherrschaft bereits wieder eine russische, allerdings eine n-urusfüche, proletarische Kultur besteht, denn die neue Gewaltherrschaft, und da- war es im wahrsten Sinne des Wortes, hatte es verstanden, die durch die Revolution auf den Plan gerufenen Leidenschaften sehr rasch abzukuhlen und in geordnete Bahnen des Alltags zu leiten. So kennzeichnet die heutige russische Literatur ein durchgehender Zug von Schlichtheit und Selbstver­ständlichkeit, man möchte sagen: von Alltäglichkeit, wo­bei aller Ueberschwang an Gefühlen und alles Zuviel

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(Beseeltheit seiner Gestalten nicht in die sachliche, aus der Gegenwart mit ihrem reißenden Tempo lebenden Aera paßt. Bei Spuren von Korolenko, Lermentoff und O d e j e w s k i sind schwer zu finden. Bei Maxim Gorki kann man stellenweise an die Weite und Größe Tolstoiischer Dichtung erinnert werden, atmet z. B. sein „M atro e i Koshemjakin" etwas von der grandio­sen Diktion des Meisterwerks Tolstois „Krieg und Frieden:. Dostejewskis Seelenanalyse und van Gogh'sche Malerei des Grauens findet im moder- nAt Rußland häufiger Nachahmer, die aber alle nicht im entferntesten an das große Vorbild heranreichen. Einzig vielleicht Ilja Ehrenburg in seinen letzten Werken „Die Gasse am Moskaufluß" (Paul Gift Verlag, Leipzig) und „Michail Lykow" (im Malik Verlag, Berlin) kommen dem Dostojewski'scher Muster ziemlich nahe. Feinste psychologische Beobach tung, seelische Zergliederung der einzelnen Charaktere, Schilderungen aus der Not und dem Elend des ent- zauberten Moskau, die grenzenlose Entbehrung all die­ser Menschen, die im Schatten leben, — nein vegetieren die Verzweiflung jener Frauen, die die sexuelle Frage durch Hemmungslosigkeit und schrankenloses Ausleben der Triebe lösen wollen, die hoffnungslose Verzweist lung der Kinder, ohne Verantwortlichkeit gezeugt, ohne Aufsicht erzogen, auf die Straße und die Schlupfwinkel der Tiere angewiesen, gehetzt wie Tiere, um schließlich nach ziellosem Herumstreifen auf der Landstraße zu ver­enden, — all diese grenzenlose Not, diese Verzweiflung und doch wieder diese stoische Ruhe und Unterordnung unter gewolltes Schicksal, das zeigt Ilja Ehrenburg er­schütternd in seiner „Gasse am Moskaufluß", dem be­redtesten Werk unter der jüngsten russischen Literatur

Zwei Namen dürfen als richtunggebend und bahn brechend genannt werden, ist von moderner russischei Literatur die Rede: Maxim Gorki und Wladi­mir Majakowski. Ich bemerkte bereits daß Gorki eigentlich dem Vorkriegsrußland angehört, aber er muß die Ehrenstelle unter den jungen Dichtern Ruß- lanös einnehmen, weil nicht nur feine Dichtung zuerf rein „proletarisch" gewesen, sondern weil er auch durck Jemen Einfluß und seine Menschenliebe unzählige unter den jungen, aufstrebenden Talenten Rußlands zu sich

Zahl der deutschen Schulen unfe Schulkinder infolge nachweisbarer behördlicher Zwangsmaßnahmen, im deutschen Reich sinkt sie bei gleichbleibender Zahl der zum Test leerstehenden, polnischen Minderheits- fchulen.wegen des Fehlens des Wunsches unfe Be­dürfnisses nach polnischem Schulunterricht.

Völlig unrichtig sind die Angaben der französi­schen Blätter über die Statistik der Polen in Deutschland. Es lebten im Jahre 1925 nicht 1252 Ö00 Polen, sondern nur 356 314 im Deutschen Reich. Wenn feie französischen Zeitungen davon sprechen, daß für 115 Ö00 polnische Kinder in Deutschland nur 29 Schulen vorhanden sind, die von insgesamt 506 Kindern besucht werden, fo ist auch dies nicht richtig. Weder stimmt feie Zahl 115 000, noch auch hat die deutsche Schulbehörfee zu wenig Schulen bereitgestellt. Es steht im Ge­genteil ein Teil der von Preußen eingerichteten preußischen Mnderheitenschulen fast leer. In Preußen kann bekanntlich jeder Pole frei und un­gehindert sich zur polnischen Minderheit bekennen. Polnische Prioatschulen können auf Anforderung dieser Minderheit unter Umständen sogar staatliche Unterstützung erhalten. Cs besteht die Möglich­keit, nach einiger Zeit diese Privatschulen zu staat­lichen öffentlichen Schulen zu machen, in denen auch polnische, nicht reichsdeutsche Lehrer unterrich­ten dürfen.

Von solchen Freiheiten wagen die Deutschen in Polen nicht einmal zu träumen.

größeren Parteien steht an der Spitze die Deutsche Volkspartei, dann folgen die Demokraten, die Deutschnationalen und das Zentrum. Die wenigsten Akademiker weisen die Sozialdemokraten und Kom­munisten auf. Im einzelnen ist das Verhältnis folgendermaßen: Deutschnationale Volkspartei 79 Abgeordnete und 44 Akademiker 56 Prozent (weib-

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