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Sonntag, den 24. März 1929.
Fuldaer Leitung
8. Blatt.
Druck der Fuldaer Aclieudruckerel. Fulda.
Bilder vom Tage
von den Hochschulen
Finanzminister
Lzechowicz
Geldmitteln fördern.
Tarifwesen
— Die
Der Nelchöpräflbent in der „®anzig"-Ausstellunn
Blick in die „Dmzig'-Ausstellung m der Berliner Technischen Hochschule.
ihre glänzenden Dillen bauen. Das Publikum aber gähnt bei diesen Superlativen des alten Liberalismus, der schon mehr an den Wiederholungen seiner von niemmiden mehr geglaubten Wahrheiten dahinsiecht.
Nur eines ftrnn in dieser Lage rwch helfen. Cs liegt bei jenen Menschen, deren Ideale und deren Glaube so fest und heilig sind, daß sie auch durch die grimmigste Not nicht entwertet werden können. Diese Menschen wissen, daß das Leben immer nod> des Lebens wert ist, weil es ein Ringen bleibt um die ewigen Güter ter Unvergänglichkeit. Sie nehmen nicht Aergernis am Kreuz, sondern grüßen den Erlöser, der an diesem Holze hat sterben wollen. D crux ave, spes unica ....
wird auf Beschluß des polnischen Parlaments vor den Staatsgerichtshof gestellt. Es wird ihm zum Dorwurf gemacht, daß er fein Budget ungesetzlich überschritten und mehrere hundert Millionen Zloty ausgegeben hat, ohne vorher die Bewilligung der Volksvertretung eingeholt zu haben.
Die „Danzig" - Ausstellung des Deutschen Auslandsinstituts wurde in Berlin unter Teilnahme zahlreicher führender Persönlichkeiten eröffnet. Sie ist ein Symbol dafür, daß die Trennung der Grenzen keine Trennung Danzigs von dem deutschen Volk bedeutet. Unter den ersten Besuchern befand sich auch ter Reichsprüsitent, ter vom Präsidenten des Danziger Senats Dr. Sahm begleitet wurde.
beiterverband fanden am Donnerstag in Frankfurt a. M. Verhandlungen über den Neuabschluß eines Tarifver»
pie. Die stabt wird sehnlichen
Hindenburg und Sahm beim Verlassen ter „Danzig"-AussteRung.
Bande, die Barrikaden baut und panes und cir- renses ruft. Das sind wirklich andere Kulturprinzipien, als wie sie heute bei uns oder etwa in Mexiko herrschen, wo das amerikanische Kapital rücksichtslos die Waffen liefert, die feine Oelfelter verteidigen sollen. Furchtbar ist das mitanzusehen, wie jener Prozeß, ter erst Kalifornien, dann Texas an die Dereinigten Staaten gebracht hat, nun in Mexiko fortgesetzt wird, wie er alte Kulturen vernichtet, wie er ein Volk zum Aussterben bringt, wie er das Land nach und nach in einen trostlosen Zustand verwandelt, bis er reif ist, in den Schoß Abrahams, d. h. des amerikanischen Oelkapitals, ausgenommen zu werden.
Das scheint mir das Furchtbarste in ter Situation dieser Wochen, daß der geistige Schwung immer mehr bei den Menschen zurückgeht. Niemand hofft mehr, niemand träumt von einer zukünftigen Gröhe, niemand umfaßt liebevoll die Interessen der Allgemeinheit. Der Kaufmann steht halb verzweifelt hinter seinem Ladentisch. Der Arbeiter denkt zitternd an die Folgen der noch immer weiter um sich greifenden Rationalisierung. Das Bürgertum hat ganz allgemein nicht mehr die Kraft zu entscheidenden Taten. Alles hat vorläufigen Charakter bekommen, unD das Dauernde stützt nicht mehr unsere Entschlüsse. So richtet man sich ein als eine Art Notgemeinschaft, und der Vorwärts predigt offener als je den Mord am keimenden Leben, eben weil das Leben nicht mehr für der Mühe wert erachtet wird und weil man nicht will, daß sich allzuviele an die immer karger bedienten Tische des Daseins setzen. So beugt man das ewige Naturgesetz seinem Pessimismus und seiner mangelnden Lebensenergie. Gleichmütig verfolgt man die schrecklichen Dinge, die sich auf dem Erdrund begeben. Zwanzig Millionen Chinesen am Verhungern. Schon soll dort der Kannibalismus, die Menschenfresserei, wieder Eingang gefunden haben. Und wieder bleibt man ganz ruhig bei all den Verhandlungen über die Deckung des Defizits, wird sich doch irgendein Weg firiten. Unsere Prominenten aber bewähren sich, indem sie feierlich Lanzen für die Freiheit des Geistes und der Künste brechen und das zur Förderung jener Fabrikanten, die von den Erträgnissen volkvergistender Schriften sich
— Gründung eines Institute» für Krebsforschung an der Universität Gießen. Von zuverlässiger Seite erfahren wir, daß in Gießen in Angliederung an die hessische Landesuniversität ein Institut für Krebsforschung errichtet werden wird. Vorgesehen ist die Schaffung eines Krankenhauses zur Erforschung des Krebses und zur Behandlung von Krebskranken mit Strahlenthera- Landesversicherungsanstalt Hessen in Darm- diese gemeinnützige Einrichtung mit sehr an-
Rund um die Woche.
Zwei Staatssyskeme in Europa. — Die Riescnbank. — Mexiko. — Freiheit, die ich meine. — Passion.
Ein auffallender Unterschied im Vorangehen der führenden Staatsmänner Europas drängt sich der Betrachtung immer mehr auf. Im Looarnoblock nrüht man sich fast einzig urtb allein um die Sa- nientng der wirtschaftlichen Verhältnisse. Man sieht keinen andern Ausweg mehr als die Gründung einer Riesenbank, von ter aus dann buchstäblich das Geld die Welt beherrschen soll. Es wurde doch schon vorsichtig gesprochen von einer gewissen Einschränkung der Souveränität, die sich eben nach den Direktoren dieser Bank zu richten hätte. Wie weit hier wirtschaftliche Notwendigkeiten vorliegen, wage ich nicht zu beurteilen, aber wer kann ohne Schaudern an ein solches Geldinstitut denken? Wir haben bereits weithin das Gefühl dafür verloren, wie unfrei wir geworden sind. Was wir erarbeiten, tragen wir zum großen Tell zu den Banken. Diese wieder führen es den internationalen Mächten zu, die uns ihre Anleihen bewilligt haben. Weil sich dieser Prozeß unsichtbar vollzieht, macht er wenig Eindruck auf uns. Wollte man ihn illustrieren, so müßte man die großen Geldmagnaten als Sklavenhalter darstellen, die chre Peitsche rücksichtlos über die für sie arbeitenden Menschen schwingen. Wäre in unserem Volk nicht so viel Einsicht und so viel natürlicher Freiheitsdrang schon gebrochen, eg erhöbe sich gegen solche Vergewaltigung wie ein Mann. Freilich denke ich nicht an Revolte oder kriegerische Gegenwehr, nein, ich denke nur an eine Anspannung des Bewußtseins, an ein Erwachen des Freiheitssinnes, an den eisernen Beschluß: Jetzt sparen wir, jetzt arbeiten wir, jetzt versagen wir uns jetes Vergnügen, bis wir wieder freie Männer sind in einem freien Daterlante. Wie zu Anfang des Krieges eine Verbrüderung aller zu einem einzigen Ziel, das man als Ideal ansah, vor sich gegangen ist, so sollte auch heute Reich und Arm, Hoch und Niedrig, Rechts und Links M diesem einzigen Ziele zusammenstehen, unser Volk auf dem friedlichen Wege aus dem Zustand ter Sklaverei ZU befreien, in dem es mehr und mehr absinkt. Eine solche Aktion aber will bei uns nicht werden.
Mm stelle sich einmal vor, es gingen ein paar entschlossene Menschen, die von Steuer und Wirt- | schäft wirklich etwas versieben, an die Lösung ter Fmge der Sanierung unserer Finanzen. Ihre Ueberlegenheit würden nicht gestört durch ganz nebensächliche parteipolitische Erörterungen. Sie würden auch nicht unterbrochen durch das Gerede der Allzuvielen, die von diesen Dingen im Grunde keine Ahnung haben und nur ihren Wählern nach dem Mnnte sprechen. Ob man nicht schnell eine Lösung gefunden hätte? So aber verzetteln wir uns in hundert kleine Dinge, die jedes für sich gewiß ihre Bedeutung haben, die aber verschwinden müssen in dem Augenblicke, wo es ums Ganze geht.
Und nun die andere Seite, das andere Europa In Italien haben der Papst und Mussolini das Pferd endlich einmal nicht am Schwänze, sondern am Kopfe aufgezäumt. Sie haben erkannt, daß es für das Gedeihen aller Entwicklungen ^nächst einmal notwendig ist, die Ideen, die große Ordnung wieder auszurichten. Darum haben sie den State mit ter Kirche wieder versöhnt. Sie haben die idealen Kräfte befreit, die im Vorkriegs-Europa so sehr gefesselt worden sind. Der Religion hat man die Möglichkeit zurückgegeben, das Le-ten wieder durchzudringen. In den Schulen hat man den Religions-Unterricht als die Krönung des gesamten Unterrichts bezeichnet. Man hat eingefehen, daß man die Wirtschaft nicht von ter Wirtschaft allein her wieder bessern könne, sondern daß dieses vom Menschen aus geschehen müsse, der eben mehr ist als ein Arbeitssklave oder ein Wirtschaftstier. Gewiß bleiten in einer solchen Lage auch Die wirtschaftlichen Fragen zu lösen, und gewiß kann man das nicht durch den Katechismus allein. Ater der Katechismus gibt erst den richtigen Standort und das richtige Fundament, von dem aus auch diese Fragen gelöst werten können. Weil man sich dort geeinigt hat in diesen großen leitenden Grundsätzen, so geht auch durch das Volk ein neuer Schwung. Es ist ja gar nicht wahr, daß die Volksseele nur nach Brot verlange, nein, das ist nicht wahr. Helden will das Volk und Ideale will es, und erst, wenn man ihm dieses alles raubt, dann wird es zu einer
>____ | hilft b.Rheuina,Ischias,Hexenschuß,
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trag» statt. Die Arbeitnehmerorganisationen verlang- ten u. a. eine Gleichsetzung von Akkordbasis und Tariflöhnen, sowie grundlegende Aenderungen des bestehenden Tarisiystems. Nach mehrstündigen Verhandlungen wurden die Verhandlungen als gescheitert abgebrochen. Die Angelegenheit wird den Schlichtungsausschuß in Anspruch nehmen.
Schriftleiter: Dr pt)U Johannes Kramer.
Lohnverhandlungen in der hessen-nassauischen Metallindustrie. Zwischen dem Verband der Metallindustriellen in Hessen und Hessen-Nassau und dem Deutschen Metallarbeiteroerband und dem Christlichen MAallar-
könlg Feisal,
ter Herrscher von Irak, plant eine europäische Rundreise und dürste auch Berlin besuchen. Sein Land, das unter englischer Oberhoheit steht, ist 370 000 qkm groß, aber nur von 3 Millionen Menschen bevölkert. König Feisal ist 44 Jahre alt, wurde 1913 Abgeordneter im türkischen Parlament, nahm 1914 als englandfreundlicher Araber gegen die deutschfreundlichen Türken Stellung und wurde nach dem Weltkrieg aus Englands Gnaden König von Irak.
Aus der Sentrumspartei.
=* Kommunalpolitische Reichskagung der Deutschen Zentrumspartei. Die diessährige (12.) Generalversammlung der Kommunalpolitischen Bereinigung wird in Frankfurt a M. in den Tagen vom 8. bis 11. Mai (Christi Himmelfahrt) stattfinden. Für diese Tagung, die in üblicher Weise aus dem ganzen Reiche stark besucht wird und deren Beratungen weithin Beachtung finden, sind eine Reihe von Referaten hervorragender Zentrumskommunalpolillker vorgesehen. Nach den bisher vorliegenden Anmeldungen ist mit einem außerordentlich starken Besuch ter Frankfurter Tagung zu rechnen.
Wie wird das Wetter?
Ein sich von Norden nach Süden erstreckender Tiefdruckausläufer hat Frankreich überquert und uns zunächst stärkere Bewölkung gebracht. An seiner Rückseite dringt in Begleitung meist nur geringer Regenfälle etwas kältere Luft ostwärts vor; infolgedessen wird nach leichtem Regen die Bewölkung wieder abnehmen.
Wliterungsaussichten für Sonntag: Nur noch zeitweise leichte Regenfälle, Temperaturen wieder etwas ansteigend
Sie roien und meinen Junker.
Roman von Marten Korch.
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Ringsum in ter Versammlung war es ganz still geworden, ein großer Teil des Publikums wollte gerne hören, was der kleine Schmied von der Bachecke sagen konnte, aber die meisten fühlten instinktmäßig, daß es fetzt ulkig werden würde.
Vorläufig richteten sich aller Blicke auf den Schmied, und man lauschte erwartungsvoll, aber nichts kam. Pelk räusperte sich nicht einmal und machte auch sonst keine Dorbereitungen. Er hatte seinen Standpunkt gewähll, sagen konnte er nichts, nein selbst, um sein Leben zu retten, hätte er kein Wort über die Lippen gebracht; da befahl er sich in Gottes Hand und ergab sich in sein Schicksal. Eine große Frömmigkeit, überkam ihn, ganz im geheimen faltete er die Hände, und nun fühlte er sich ruhig und sicher.
Aber bann ertönten Zurufe aus der Versammlung.
„Er steht schon am Start, still!" rief Wagner Stampe. „Aber Menschenkind, so sag doch etwas!" rief ein anderer. „Nur los fetzt!" ließ sich ein Dritter vernehmen. Und ähnliche von Lachsalven begleitete Aufforderungen drangen auf den armen Pulk ein.
Redakteur Junge, der Pelk bei der Abfasiung feiner Rede geholfen, hatte sich hinter das Rednerpult gestellt und versuchte nun, Pelk einzugeben, aber auch das half nichts.
Schließlich wurde sich der Schmied indes doch darüber klar, daß feine fetzige Lage unhaltbar war; einen Augenblick hoffte er auf irgend ein Wunder; dann machte er eine gewaltige Kraftanstrengung, — er hob den Kopf und räusperte sich.
„Jetzt kommts!" — .Jetzt gehts los!" ertönte es im Publikum.
„Hm — was ich sagen wollte!" begann Pelk.
„Ja, gerade das mochten mir wissen!" rief eine laute Stimme, während sich der arme Pelk vorläufig noch den Schweiß von der Stirne wischte. Doch plötzlich hörte er eine Stimme hinter sich flüstern, und er fing ein paar
,Jch stehe hier auf dieser Stelle," sagte er, indem er seine Stimme aufbot und so laut sprach, daß er selbst inne hielt.
„Aber warum stehst du denn dort?" wurde ihm zugerufen. Daraus wußte Pelk keine Antwort, dann fiel ihm indes doch die Sache ein, die ihm am meisten am Herzen lag — die kleinen Meister.
„Ich bin also nur ein kleiner Meister!" rief er zweimal und überdies beide Male mit überlauter Stimme. Beim zweitenmal wollte er durchaus feine Stimme dämpfen, wodurch sie aber noch lauter wurde.
Der Anblick des kleinen Mannes da droben, der laut schrie und sich dabei wie ein Laubfrosch aufpuftete, war so über alle Maßen komisch, daß da, Publikum in schallendes Gelächter ausbrach.
„Ja, das sehen wir ganz genau, deshalb kannst du aber doch wohl etwas sagen!" erklang es vom Saale her. Aber gerade das konnte Pelk nicht; er blieb noch einen Augenblick ruhig stehen, während das Lachen und allerlei Witze über ihn hinwogten.
Dann hörte er den Redakteur hinter sich „Idiot" flüstern; aber da wurde er böse. Weil man ein einfacher Mann war, brauchte man sich doch nicht alles gefallen zu lassen. ,Idiot!" wiederholte er zornig, indem er sich Junge zuwendete. „Das sind Sie selbst!"
„Ich glaube, er sagt Idiot!" mit diesem Ausruf er« hob sich der große Gerber Mortensen von seinem Sitz in der vordersten Bank.
„Ach, es galt nur dem Redakteur Junge!" versetzte Pelk ruhig; und nun brach ein Jubel los, der den ganzen Saal erschütterte.
„Mach lieber, daß du schnellstens herunter kommst, Pelk!" sagte der Segelmacher Fangel, und als bas schal- lenbe Gelächter sich etwas gelegt hatte, war ber Schmied verschwunden.
Nun riefen die Leute den Redakteur heraus; aber dieser hielt sich klugerweise zurück, und dann erklärte ber Wagner, Junge sei wegen unehrlichen Trabens gehängt worden, und darüber wurde auch lustig gelacht.
Der Schmied Pelk hatte nun allerdings seinem Freunde mehr geschadet als geholfen; aber die Leute hatten jedenfalls einen Heidenspaß gehabt, und eine ganze Anzahl hielt es mit Stampe, als dieser erklärte, Pelk habe jedenfalls den Apfel abgeschossen.
Es brauchte Zeit, bis nach diesem lustigen Zwischenakt die Ruhe wiederhergestellt war; aber schließlich hatte man sich doch ausgelacht, und es trat überdies eine gewisse Spannung ein; jetzt wurde die Hauptschlacht geschlagen, da, wußte man.
Jörgen und Cornelius hielten ihre Augen beständig auf den Tisch gerichtet, an dem Rasmus Junker und ber Konsul saßen. Sie hatten bafür gesorgt, daß sie in ordentlicher Entfernung voneinander blieben. Die beiden Rivalen sahen einander nicht an, aber sie gereichten einander trotzdem gegenseitig zum Vorteil. Der Konsul saß front und schlank da, feine Haltung drückte Vornehmheit aus und jede feiner Bewegungen flößte unwillkürlich Hochachtung ein, weil sie vollkommen harmonisch und selbstverständlich waren. Ja, Konsul Junker war ein schöner Mann von echtem nordischen Typus.
Neben dem Konsul erschien der Kapitän breit und schwerfällig, aber seine ganze Erscheinung drückte eine gewisse robuste Kraft aus. Er sah eigentlich zornig aus, und sein Gesicht war noch röter als gewöhnlich, ab und zu fächelte er sich mit dem Taschentuch Lust zu.
„Das ist das verflixte Pfefferminzöl," flüsterte Cornelius Jörgen zu, „es beißt ihn ganz gewiß in der Nase, und die armen Leute, die ba droben sitzen, können einem leib tun." Jorgen mußte lachen, obgleich er Todesangst hatte, wie es feinem Vater wohl gehen werte.
Doch jetzt trat der Konsul an das Rednerpult. Einen Augenblick ließ er feinen Blick ruhig über die Versammlung, die ihn mit donnerndem Beifall begrüßte, hingleiten, und ganz sichtlich machte er einen guten Eindruck. Im übrigen hatte ter Konsul auch nicht viele Feinde, die meisten Menschen konnten ihn gut leiden. — Dann begann er zu sprechen, mit heller, klarer Stimme, die, ohne ihren ruhigen Klang zu verlieren, bis in den äußersten Winkel des Saales vernehmlich war, und er verstand auch, feine Worte zu wählen. Nachdem er den Vereinen und dem Bürgerkreis, die ihn aufgestellt, gedankt hatte, ging er auf seine Geburtsstadt über, deren Bestes er, falls man ihn wähle, immer im Auge haben werde. Er fang das Lob ber Stadt, aber allerdings auf eine merkwürdig kühle Weise, deren sich viele kluge und gebildete Männer bedienen, wenn sie von Heimat und Vaterland reden, immer sorgfältig darauf bedacht, ber Begeisterung nie die Zügel schießen
zu lassen; aber trotzdem lag eine eigene Kraft in allem was er sagte, und man fühlte dem Klang der Stimm, an, daß in der Tiefe Wärme genug war.
Niemand lachte mehr, Konsul Junker gehörte nidji zu denen, über die man lachte, und er redete auch wirklich so gut, daß er die Leute mit fortriß und in Aufmerksamkeit festhielt.
Es war eigentlich sonderbar, aber Thomas wollt« eben doch außerordentlich gerne gewählt werden; ei war sehr ehrgeizig, und wenn er verlor, so traf ihn da- wie eine Kränkung; deshalb gab er sich jetzt auch all« erdenkliche Mühe, um seine Zuhörer für sich zu gewinnen. Seine Ratgeber und ganz besonders Bulde, hatten gemeint, es wäre das klügste, der Gegenpartei gegenüber angriffsweise zu Werke zu gehen, und bei Konsul selbst meinte, das könnte feinen Aussichten von Vorteil fein.
So beklagte er denn, baß er mit seinem Oheim um bie Präsibentenwürde kämpfen müsse, maß aber die Schuld dafür der Gegenpartei zu, bie sich diese Gelegenheit zum Streit nicht entgehen lassen wolle. Daß feit langer Zeit Zwistigkeiten zwischen den beiden Häusern bestünden, wisse ja jedermann in der Stadt, fuhr er fort, und jetzt wolle er ein paar Ereignisse betreffs des Warenspeichers und einiger Grundstücke anführen, die von dem Gerücht in einer für ihn, den Konsul, unrichtigen Weise verdreht worden seien, deshalb wolle er diese Mißverständnisse richtig stellen.
Sobald der Konsul auf diese schwierigen Punkte kam, entstand indes Unruhe im Saal, und der Redner wurde jeden Augenblick durch Zwischenrufe unterbrochen. Ei erwiderte diese zwar sehr schlagfertig, aber die Zuhörer trieben ihn unwillkürlich tiefer hinein, als er eigentlich gewollt hatte.
„Ihr habt bie in ber Bachstraße immer übers Ohr gehauen!" wurde gerufen.
-Ich habe nie einen Menschen betrügen wollen!" erwiderte ber Konsul.
„Und der Junkerhof! Was sagen Sie dazu?" ertönt« eine Stimme.
(Fortsetzung folgt;