Nr. 70.
Heimat
Fulda. den 22 März 1929.
Zulda UN- das Such.
Vie Eröffnung der Buchausstelluvg in der Landes- bibliolhek.
Im Zusammenhang mit dem „Tag des Buches" veranstaltet die Landesbibliothek in Fulda im aro- ßen Saale eine Buchausstellung unter dem Motto „Neue Literatur aus allen Gebieten." Zu der {Eröffnungsfeier, die heute vormittag 11% Uhr statt- ^a^en ffch zahlreiche Gäste, vor allem die Schüler und Schülerinnen der hiesigen höheren Lehranstalten, etngefunben.
, Herr Direktor Dr. Theele stellte nach herzlichen Worten der Begrüßung der Eröffnung der Ausstellung einige allgemeine Gedanken zum Buchtag voran. 3m vorigen Jahr war dieser erfüllt von Schätzen alter Kultur, alter Buchkunst. Der heiitige Tag ist dem Buch der Gegenwart geweiht. Zum ersten Male wird heute in Deutschland an Goethes Todestag der Tag des Buches begangen. Was will der Buch'- t a g ? Er will Hinweisen auf das Buch als Mittler der Kultur, als Mittler des Geisteslebens. In dieser Stellung ist das Buch heute bedroht. Es wich zwar noch gelesen, aber nicht mehr im Bewußtsein der geistigen Kräfte, die das Buch ver- mittell. Der Redner wies dann auf die Bedeutung hin, die das Buch im Leben jedes einzelnen hat. „Das Buch soll Freund fein und glückliche Sinn- den bereiten". Leider ermögliche es die wirtfchaft- liche Not unserer Zeit den meisten nicht mehr, sich selbst Bücher , zuzulegen. In dieser Not müssen die öffentlichen Bibliotheken eingreifen. Dann fül)rte Direktor Dr. Theele in die Ausstellung ein.
Die schönen Bücher", die Zeugnis ablegten von dem hohen Stand des deutschen Buchgewerbes, sollten hinführen zum „g u t e n B u ch ". Wei- ^rhin machte er mit den Einrichtungen und den Benutzungsmöglichkeiten der Lan- c^sbibliothek bekannt. Erfreulich sei der Auf- schwung, den der Leihverkehr und fcte Benutzung bes Lesesaales in der letzten Zeit genommen habe. 3ton Schluffe betonte der Redner die Bedeutung des Cigenbesitzes guter Bücher.
Die Ausstellung wurde sodann für eröffnet erklärt. Moderne LUeratur aus allen Gebieten ist in den Vitrinen des prachtvollen Saales der Bibliothek in übersichlicher und geschmackvoller Weise untergebracht. Die Ausstellung ist bis zum 1. April täglich zu besichtigen.
Zum Abbau 6er privaten Vorschulen.
Wie der preußische Minister für Kunst und Volksbildung mitteilt, ist nach Lage der parlamentarischen Verhandlungen nicht mehr damit zu rech- neu, daß der von der Reichsregierung vorgelegte Gesetzentwurf, betreffend die Entschädigung der abzubauenden privaten Vorschulen noch vor Ostern 1929 angenommen wird. Der Minister hat da- her ungeordnet, daß im kommenden Schuljahr in gleicher Weise wie in den Vorjahren Neuaufnahmen von Schülern in private Vorschulen erfolgen können.
Generalversammlung des katholischen kirchevbau- vereins Fulda. .
Gestern nachmittag sand unter Beteiligung der für die Beschlußfähigkeit der Versammlung erforderlichen Anzahl Mitglieder in der Harmonie die Generalversammlung des katholi- scheu Kirchenbauvereins Fulda E. D. statt. Der HochwüMgste Herr Bischof, der mit Rücksicht auf seine Gesundheit an der Tagung nickt
§uldaer Zeitung (klmtlicher
tellnehmen konnte, entbot chr durch Herrn Dom- Pfarrer Schüler Grüße und Wünsche. Der Vor- sitzende des Kirchenbauoereins, Herr A n t o n Schmitt, berichtete über die Tätigkeit des Vorstandes feit der letzten, im Jahre 1926 abgehaltenen Generalversammlung. Inzwischen hat der Kirchen- vorstand der Stadtpfarrei am Wallweg die Stu r» miuskirche errichtet, und zwar als Notkirche, wodurch sowohl finanziell als vor allen Dingen vom Standpunkt feelforglicher Notwendigkeiten eine glückliche Lösung der Kirchensrage für den Süden der Stadt gefunden worden ist. Der seinerzeit an der verlängerten Artilleriestraße für die S l. Josephskirche erworbene Bauplatz hat sich, da die Siedlung in dieser Gegend eine andere Richtung genommen hat, als man damals annehmen mußte, als ungeeignet erwiesen. Der Kirchenbau- verein hofft, daß es gelingt, den Platz gegen einen gleichwertigen Platz in dem neuen Stadtviertel an der Petersbergerstraße zu vertauschen, um so den für die spätere Errichtung der Canisiuskirche erforderlichen Bauplatz zu gewinnen. Für die St. Josephskirche hat inzwischen der Gesamtverband der katholischen Pfarreien einen geeigneten Platz cm Waldschlößchen angekauft. Die Versammlung erklärte sich mit dem Plan eines Tausches einverstanden. Herr Anton Schmitt berichtete dann weiterhin über die Kassenverhältniffe des Vereins, der im Laufe der Jahre feine Hauptaufgaben an die Kirchenvorstände abgegeben hat und sich gewissermaßen in Liquidation befindet. Auf Antrag des Herrn Richard Schmitt wurde dem Vorstand Entlastung erteilt. Da die drei Laienmitglieder, die ihre Aemter zur Verfügung stellten, einstimmig wiedergewählt wurden, setzt sich der Vorstand des Kirchenbauvereins auch weiterhin zusammen aus dem Hochwürdigsten Herrn Bischof und dem Herrn Oberbürgermeister als Ehrenvorsitzenden, den Herren Dompfarrer und Stadtpfarrer sowie den Herren Anton Schmitt, Rentner Richard Müller und Dr. Kramer. Herr Dompfarrer Schüler berichtete eingehend über den geplanten Bau der Josephskirche. Der Bauplatz am Waldschlößchen ist durch besondere Bemühungen des Herrn Richard Müller von Frau Witwe Kircher in Cottbus erworben worden. Auch in diesem Falle hat man sich dafür entschieden, zunächst eine Notkirche zu bauen. Sie wird, wenn einmal die eigentliche Josephskirche errichtet sein wird, als Dereinshaus benutzt werden können. Die Notkirche wird 602 Sitzplätze und 550 Stehplätze mit Empore erhalten und von Anfang an für die späteren Zwecke als Vereinshaus ausgestaltet werden. Da sie gut heizbar sein wird, wird sie sich, wie die Sturmiuskirche m diesem Jahre, im kalten Winter sehr gut gebrauchen lassen. Die Genehmigung zu dem Bau ist vor einigen Tagen erteilt worden, so daß Architekt Mahr jetzt zur Vergebung der Arbeiten schreiten konnte und der Bau in der Woche nach Ostern in Angriff genommen werden wibd. Man hofft ihn noch im Laufe des Jahres fertig zu stellen. Durch die Beschränkung auf eine Notkirche wird es erfreulicherweise auch möglich, von einer E r - Höhung der Kirchensteuer für die Katholiken Fuldas 21 b ft a n 6 zu nehmen. Herr Richard Schmitt dankt im Namen der Versammlung dem Vorstand des Kirchenbauvereins u. den an der Durchführung der Kirchenbauten in erster Linie beteiligten Kirchenvorständen für ihre weitschauende zweckmäßige Arbeit und gab vor allen Dingen seiner Freude Ausdruck, daß nun doch die St'. Josephskirche Am Waldschlößchen, das von einem weir- blickenden Herrn des Fuldaer Diözesanklerus schon immer als der geeignete Platz bezeichnet worden sei, zur Ausführung komme. Nach einstündiger Dauer wurde die Generalversammlung geschlossen.
Reichspost und Osiergrüße.
Ohne Umschlag versandte gedruckte einfadye Dftertarten, die hinsichtlich der Größe, Form und Papierstärke den Bestimmungen für Postkarten entsprechen müssen, kosten sowohl im Ortsbereich des Aufgabeorts als auch im Fernverkehr 3 Pf. Es
Kretsblatf).
dürfen in diesen Karten außer den sogenannten Absenderangaben (Absendungstag, Name, Stand und Wohnung des Absenders) noch weitere 5 Wörter, die mit dem gedruckten Wortlaut im Zusammenhang stehen müssen, handschriftlich hinzugefügt werden. 2lls solche zulässige Nachtragungen gelten zum Beispiel die üblichen Zusätze „sendet", „Ihre", „Dein Freund", „sendet Dir", „sendet mit besten Grüßen Ihre" usw. Werden solche Karten im o f - f e n e n Umschlag versandt, so kosten sie sowohl im Ortsbereich des Aufgabeorts als auch nach außerhalb 5 Pf. Ungenügend frei gemachte Sendungen werden mit Nachgebühr belastet. Es kann daher den Versendern nur geraten werden, die Bestimmungen zu beachten.
Konfirmation.
Am Palmsonntag werden in der hiesigen evangelischen Kirche 50 Knaben und 67 Mädchen fonfirmiert; zugleich empfangen sie zum ersten Male das heilige Mendmahl. In 1928 waren es 40 Knaben und 54 Mädchen, in 1927 57 Knaben und 43 Mädchen.
Meisterprüfung.
Vor der hiesigen Meisterprüfungs-Kommission der Handwerkskammer bestanden ihre Meisterprüfung die Friseure: Paul Gärtner, Erich G i e b s o n, Georg P o l st e r und Antonius Sch i l- ling, sämtlich in Fulda.
*
Notruf des Handwerks.
An die bauvergebenden Behörden und Stellen der Kreise Fulda, Hünfeld und Gersfeld hat das Handwerks- und Gewerbeamt Fulda folgenden Notruf gerichtet:
Der strenge, kalte und lange Winter hat die Kreise des engeren und weiteren Baugewerbes schwer geschädigt; die schlimmen Nachwirkungen auf die gesamte Wirtschaft sind noch nicht abzulchätzen.
Infolge des Frostes, welcher tief in die Erde einae- drungen ist, können vorerst Erdarbeiten nicht ausgeführt werden; somit sind auch für das sogenannte Bauneben- aewerbe und die Bauausstattungsgewerbe vorläufig keine Aussichten vorhanden, daß sie an den durch Neubauten anfallenden Arbeiten beteiligt werden können. Es ist daher ein Gebot der Stunde, daß die bauvergebenden Behörden und die Bürgerschaft schon jetzt in umfassender Weise der Not des Bauhandwerks dadurch steuern, daß sie Wiederher stellungsaufträge erteilen. Wir bitten die bauvergebenden Behörden, Stellen und Gemeinden, in einem Aufruf die Bürgerschaft zu ermahnen, durch Erteilung von Aufträgen dem darnie- derliegenden Gewerbe in jeder nur möglichen Weise zu helfen.
Es muß hierbei beachtet werden, daß nicht nur die Familien des engeren oder weiteren Baugewerbes unter dem Mangel an Aufträgen leiden, sondern daß sich auch alle sonstigen Kanäle verstopfen, die auch den anderen Berufen Arbeit bringen und damit unser gesamtes Wirtschaftsleben aufrecht erhalten. Ganz deutlich merken wir dies an den Mahnrufen der Arbeitsämter, der Kranken- kasien usw.; auch die Finanzämter und Gemeinden werden erfahren müssen, daß die Steuerkraft des Gewerbes durch die Arbeitslosigkeit tief gesunken ist.
Dabei ist festzustellen, daß unsere soziale Gesetz- gebung für den größten Teil der deutschen Volksgenossen sorgt, ;edoch nicht für den gewerblichen Mittelstand, obwohl er zur Steuerzahlung und zur Tragung der sozialen Lasten über Gebühr herangezogen wird. Dabei hat der Arbeitgeber selbst, der die ganze Last und Verantwortung für die Aufrechterhaltung seines Betriebes trägt, keinen Nutzen von diesen Abgaben, deren Zahlung er sehr oft nur unter Hintanstellung persönlicher Bedürf- niffe ermöglicht.
Alle für die Unselbständigen getroffenen sozialen Ein- richtungen müffen aber zusammenbrechen, wenn die Wirtschaft infolge Arbeitsmangels zur Leistung der Beiträge nicht imstande ist. Es ist daher als die gegenwärtig dringlichste Aufgabe der Behörden und der Bürgerschaft zu bezeichnen, daß durch Erteilung von Aufträgen dem überaus bedrohten engeren und weiteren Bauhandwerk geholfen wird, an dessen Wohlergehen breiteste Sch'chten anderer Berufskreise das größte Interesse haben müssen. Handwerks- und Gewerbeamt Fulda, Vertrauensstelle der Handwerkskammer für die Kreise Fulda, Hünfeld und Gersfeld. Wilh. Quast, Vorsitzender. Dr. Cnsgraber, Syndikus.
Samstag, 23. März 1929.
(Eine Papstfeier.
Oomdechanl Prof. Dr. Leimbach spricht auf dem Festabend der katholischen Männergesellschaft M. 71. über die Geschichte de» Kirchenstaate«.
Aus Anlaß der Lösung der römischen Frage veranstaltete die katholische Männergesellschast M. N. Fulda am Donnerstagabend in den Sälen der Harmonie einen würdigen Festabend, zu dem die Mitglieder mit ihren Angehörigen in überaus großer Zahl erschienen waren. Herr Bankdirektor Singer wies in feiner Begrüßungsansprache auf das welt- geschichlliche Ereignis hin, das die Befreiung des Papstes bedeutet. Die Katholiken der ganzen Welt hatten Anlaß, sich dieses Geschehnisses zu freuen. Auch die Männergesellschaft M. N. wolle ihrer Freude sichtbaren Ausdruck geben.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand der Fest- nortrag des Domdechanten Prof. Dr. Le>m- b a ch „Aus der Geschichte des Kirchenstaates".
Wie im allen Testament der Psalmist seiner Freude über die Beendigung der Verbannung in einem jubelnden Psalm Ausdruck gab, als die Kunde von der Been- digung der babylonischen Gefangenschaft zu dem israelitischen Volke kam, so dürfen auch wir uns freuen, nachdem vor wenigen Wochen die Freudenboffchast eingetroffen ist, daß dem geliebten Oberhaupt der Kirche die Freiheit wiedergegeben, r tz der Friede zwischen dem italienischen Staate und der Kurie geschlossen worden ist. Heute abend gilt es, die- ses Ereignis zu feiern.
Prof. Dr. Leimbach gab dann in klaren Umrissen ein Bild von der Entstehung des Kirchen- staates, der das Ergebnis einer jahrhundertelangen Entwicklung fei. Die Möglichkeit zur politischen Macht- entfattung des Papstes war gegeben, als Konstantin der Große seine Residenz von Rom nach Konstantinopel verlegte. Noch einmal war die politische Herrschaft in Frage gestellt, als das weströmische Reich gegründet wurde. Ein weiterer Umstand, der zur Errichtung des Kirchenstaates führte, liegt darin, daß die Papste sich durch die Erwerbung großer Besibunqen in Mittel- Italien, Sizilien u. f. f. zu den größten Grundeigentümern von ganz Europa entwickelten. Besonders trugen aber zur Stärkung der politischen Macht die Verhältnisse in Italien und die Ohnmacht des oströmischen Reiches bei, gegen die anstürmenden Barbarenvölker wirksamen Schutz zu gewähren. Als der Hunnenfürst Attila zur Eroberung Italiens heranzog, schlug ihn die Hoheit des Papstes zurück. Auch der Dandalenfürst Geiserich. der mit einer Flotte zur Eroberung Roms herankam,
ließ sich allein durch den Papst von seinem Vorhaben abbringen. Der Papst wurde der Schirmherr Italiens. Besonders befestigt wurde die wellliche Herrschaft des Papstes während der Zeit der Lango- bardenherrschaft. Schon um 700 galt das Gebiet um Rom als anerkannter Besitz des Papstes. Ihre Krönung fand die Entwicklung des Kirchenstaates, als Pippin im Schutz des Papstes gegen die Langobarden zog. 755 schenkte er dem Papst große Gebiete in Oberitalien zu ewigem Besitz. Karl der Große bestätigte diese Schenkung. Eine schwierige Zeit war das unruhige 14. Jahrhundert. Die Päpste muhten Rom verlassen. 1355 ließ sich Clemens V. in Avignon nieder und erst 77 Jahre später konnte Gregor XI. nach Rom zurückkehren. Eine weitere Bedrohung des Papsttums war das Schisma, das erst durch das Konzil von Konstanz beendet wurde.
Um die Wende des 18. und 19. Jahrhunderts vollzogen sich unerhörte Veränderungen in Europa. Während der französischen Revolution wurden 1791 auch die päpstlichen Besitzungen in Frankreich annektiert. 1796 zog Napoleon über die Alpen. Das Ziel war auch, die weltliche Herrschaft des Papstes aufzuheben. Pius VII. wurde in die Gefangenschaft ge-
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Die Lerche.
Star und Lerche wetteifern in vielen Gegenden darum, als erste Frühlingsvögel bei uns einzutreffen. Dabei muß meistens der Lerche der Sieg zugesprochen werden; denn recht oft finden sich zwei und drei Wochen vor den Staren die Lerchen ein. Daher sagt man auch: „Der Lerchengesang weckt den Bauer aus dem Winterschlaf". Nicht immer paßt das alte Sprichwort aus dem Lüde des deutschen Sprachgebiets: „Die Lerche muß m Lichtmeß (2. Februar) fingen, und sollte sie noch am gleichen Tage erfrieren“, aber im weiteren Verlaufe des Februar sind doch die Lerchen schon vielfach wieder zu hören. Wenn sie ausbleiben, wie in diesem kalten Winter, so kommen sie dann sicher Anfang Mörz. „Lerchen bringen den Frühling", sagt man auch in Norddeutsch- land, dann freilich auch: „Eine Lerche, die singt, noch keinen Frühling bringt; doch rufen Kuckuck und Nachtigall, so ist es Frühling überall." Unsere Feldlerche ist in Europa und in Asien bis in hohe Regionen hinaus überall anzutreffen, wo große, freie Flächen sind: Felder, Wiesen, Steppen. Selbst noch in Wüstenstrichen )oben sich Lerchen niedergelassen. In manchen Steppengebieten Astens kann die Lerche als einziger Singvogel zelten. Sie gehört zu den sogenannten Sperlingsvögeln, ist sehr behende, fast immer in Bewegung und im Singen außerordentlich fleißig. Kaurn, daß der Morgen zu grauen beginnt, erheben sich die Lerchen in bte Lüfte und jubilieren ihre Strophen hinunter auf die Erde. Die einfache Melodie des Lerchengesanges kann man in den verschiedensten Abwandlungen hören. Sechs, acht und zehn Minuten trillert, jubiliert und schluchzt die eLrche ohne jedes Stocken, dann scheint der Vogel eines Ausruhens zu bedürfen: wie ein Stein fällt er plötzlich zur Erde nieder, um dort einen Augenblick zu verweilen. Manchmal verschwinden auch alle Lerchen wie mit einem Male. Dann ist gewiß am Horizont oder hoch oben in den Lüften ein gefieberter Räuber erschienen, vielleicht sogar der Lerchenfalke, der überall dort haust, wo sich viele Lerchen niedergelassen haben, und der ihnen sogar auf ihren Wanderungen folgt. Wie alle Bodenbrüter, bat auch die Lerche viele kkeinde. Sie
selbst werden von vielen Raubvögeln verfolgt, die junge Brut von anderen Feinden: Füchsen, Mardern, Wieseln, Ratten, von wildernden Katzen und so weiter. Leider werden in manchen Ländern zum Herbst, wenn sie fett sind, auch viele Lerchen von Menschen gefangen und verzehrt. Nur, weil der Vogel eine starke Aufzucht hat, jährlich zweimal oder auch dreimal brütet, nimmt er an Zahl nicht merklich ab. A. M.
Anekdoten.
Bei dem Besuch einer Kaserne hielt König Mfons einen Soldaten an und fragte ihn: „Was würdest Du tun, mein Sohn, wenn ich Dir befehlen würde, auf mich ZU schießen?" — „Ich würde den Befehl ausführen Majestät", entgegnete der Soldat. Dieselbe Antwort erhielt der König von drei anderen Soldaten. Der letzte aber sagte, er würde sich weigern. „Bravo!" rief ber König. „Also endlich ein Soldat, der das Leben seines Herrschers über dessen Befehle stellt. Aus wel- chem Grunde, mein Freund, würdest Du nicht schießen?"
„Well ich nicht könnte, Majestät. Ich bin Trommler."
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Corb Lister, der berühmte englische Chirurg, wurde einmal mitternachts zu einem reichen eingebildeten Kranken gerufen. Als er den Kranken untersucht hatte, fragte er sehr ernst: „Haben Sie Ihr Testament gemacht?" — „Nein", erwiderte ängstlich der Patient, „ist es schon so weit?" — „Lassen Sie sofort Ihren Notar holen." — „Aber fieber Herr Doktor ..." — „Lassen Sie ihn rufen, ebenso Ihren Vater und ihre beiden Söhne." — „Muß ich denn sterben?" — „Nein, bas nicht, aber ich will nicht ber einzige Narr fein, ben Sie mitten in ber Nacht um nichts aus ben Febern jagen."
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Währenb ber Mathematiker Gauß einmal feine Beweise durch Zeichnungen an ber Tafel erklärte, platzte ihm eine Naht seines Rockes. „Da schaut bie Weisheit 'raus", faßte ein vorwitziger Hörer. „Und bie Dumm
heit ’rein", erwiderte der Gelehrte schlagfertig, ohne sich umzusehen.
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Wie schriftstellerische Tätigkeit mitunter bewertet wird, schildert eine Anekdote aus dem Leben des englischen Dichters Kipling. Ein Mann wollte den Dichter eines Tages in feiner Wohnung sprechen. Als er dem Dienstmädchen fein Anliegen vortrug, fegte er vorsichtig hinzu: „Falls ich nicht bei ber Arbeit störe". — „Arbeit?" rief bas Mädchen. „Herr Kipling arbeitet niemals", er sitzt nur immer auf der Treppe unb kritzelt unb kritzelt."
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Der Maler (Tourbet duldete mißvergnügt in fernem Atelier bie begeisterten Ausrufe einer etwas überspannten Dame über seine Bilder. Als sie schließlich fragte: „Sagen Sie, verehrter Meister, wie malen Sie nur ihr bezauberndes Himmelblau?", antwortete er brummig: „Ich schmiere mir Blau auf ben Bauch unb brücke bie Leinwanb barauf.
— Die Kraft des menschlichen Haares. So unscheinbar bfinn ein menschliches Haar aussieht, soviel Kraft wohnt ihm inne. Nach genau vorgenommenen Versuchen ist festgestellt worben, bah ein menschliches Haar 180 Gramm zu tragen vermag, während Hanffaser schon bei einer Belastung von 100 Gramm reißt. Dagegen wibersteht ungehärteter Stahlbraht noch einer Belastung von 400 Gramm. Rechnet man ben Kopf eines Menschen mit burchschnittlich 60 000 Kopfhaaren, so würben biefe Haare insgesamt eine Last von 10 800 Kilogramm, bas sind 200 Zentner, zu tragen vermögen.
— Die wundersvritze. Die Vorlesungen des berühmten Physikers Heinrich Dove an der Berliner Universität waren immer stark besucht. Doch fanden sich auch viele „nassauernde" Studenten ein. solche, bie ihr Kolleggelb nicht entrichtet hatten. Der Profess. wußte bas wohl Als er eines Tages bie Wasserspritze behandelte unb bie Wirkung ber Kolbentätigkeit praktisch vorsührte, fuhr plötzlich ein ergiebiger, kalter Wasserstrahl über bie hintersten Bänke, auf denen bie oben erwähnten Zaungäste Pfad au nehmen pflegten. Allgemeine Emvörunal Unb
lebhafte, sehr erregte Zwischenrufe! Professor Dove aber sagte mit lächelnder, freundlicher Miene und mit seelen- vergnügtem Blick: „Sehen Sie, meine Herren, welche bewundernswürdige Leistungsfähigkeit! Diese kleine, einfache Spritze schon reicht von Berlin — bis hin nach Nassau!"
—wie ist es mif dem Mount Everest? Nachdem die Besteigung des höchsten Berges ber Welt mehrere Jahre lang fo großes Aufsehen erregt hat, ist es feit längerer Zeit ganz ftUI barum geworben. Wie erinnerlich, hatten zwei Englänber eine Höhe von 8400 Meter erreicht unb waren nur mehr 400 Meter vom Gipfel entfernt. Sie stnb zurückgekehrt, währenb zwei ihrer Kollegen bas Wagnis mit bem Leben büßen mußten. Nun hat ein englischer Physiologe, Dr. A. Campell, Versuche mit Tieren gemacht, unb zwar in Kammern, in denen der- selbe Luftdruck herrschte wie nur b"°Sm'»r bz< H malaga. Dabei stellte es sich heraus, daß Kaninchen, Ratten unb Mäuse am Leben blieben, wenn wochenlang allmählich die Luft in ihrem Behälter verdünnt wurde, während Katzen, Meerschweinchen und Affen dabei unterlagen. Nun kommt aber in Betracht, daß bei diesen Versuchen die Tiere keiner Anstrengung unterworfen waren, während die Bergsteiger eben großen Strapazen ausgesetzt sind. Dr. Campell glaubt, man kämmte bie Bergsteiger auch vorher im Laboratorium ähnlichen Versuchen unterwerfen wie bie Tiere, um den Grad ihrer Eignung festzustellen (aber wer hat Lust, sich dazu herzuqeben?) unb es wäre wohl auch besser, sie auf bem höchsten Lager, also vor ber letzten Etappe, täglich mehrere Stun- ben lang Sauerstoff einatmen zu lassen, als sie den Sauerstoff miffchleppen zu lassen Dr. Campell will übrigens auch bahn noch keineswegs für einen Erfolg garantieren, und fo werden sich wohl noch so bald nicht wieder Wagemutige zu einer erneuten Besteigung des Mount-Everest ober Tschomo-Lungma finben.
wahrscheinlich. „Im Rundfunk habe ich das Rezept für diesen Pudding gehört." — „Ach nee! Da waren wohl sehr viele Nebengeräusche dabei?"
(Newoorker ©taatsataJ