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Fuldaer Zeitung

Begebenheiten ans aller Welt

Em

SCHENKT EVREN KINDERN BÜCHER

von

Neue, praktische, preiswerte

Roman von Marten Korch.

Te-

Feuerwerk mit Illumination."

Sie

mit

im

(Fortsetzung folgt.»

LÖHERSTR.38 M4R.KT5TR.16

Am nächsten Tag nach dem Mittagessen gingen der Kavitän und Cornelius in den hintersten Stall, wo sie

schlauem Augenzwinkern.

„Ach, Sie haben immer nichts als Narrenstreich^

Sonntag 11-1 Uhr geöffnet

Die Unterschlcrgungsseuche.

Lin Bankbuchhaller wegen Veruntreuung 600 000 Schweizer Franken verhaftet.

desverrats vollständig verzichtet.

Neben anderen Bestimmungen empfiehlt die neue Vorlage als wichtigste u. einschneidendste Neuerung die Schaffung einer neuen Strafvorschrift, deren Tatbestand aus dem bisherigen Tatbestand des Landesverrats herausgenommen werden soll. Hier­mit soll schon die äußere Stellung im Gesetz zum Ausdruck gebracht werden, daß es sich in diesen

In dem Hamburger Strafprozeß gegen den Schlosser Lukaschewski und den pensionierten Lademeister Mütter wurde am Dienstag nach fünftägiger Verhandlung das Urteil gesprochen Lukaschewski wurde wegen schwerer fortgesetzter Urkundenfälschung in Tateinheit mit versuchtem Be­trüge zu einem Jahre neun Monate Gefängnis verurteilt. Ein Jahr der Untersuchungshaft wurde auf die Strafe angerechnet. Müller wurde fteige- sprochen, da ihm böser Wille nicht nachzuweisen war. Die beiden Angeklagten halten unter Ver­wendung von gefälschten Ml'nlsterl'ak- urkunden int Verbände der Reichsbankgläubiger den Glauben erweckt, daß die alten rol- gestempeltenTausendmarkscheine'd urch die Reichsbank eingelöst werden wür- d en.

♦ Merkwürdige kommunistische Propaganda. likeratur. In Halle bot eine junge Frau, die den Sowjetstern trug und gebrochen russisch sprach, den kommunistischen Familien russische Bil­derbücher für Mk. 1.50 das Stück an. Sie gab an, der Ertrag diene der Weltreyolution und dem Proletariat. Dabei machte sie auch ein gutes Ge­schäft. Die Käufer aber mußten nachher feststellen, daß sie tschechische Fibeln aus der Vorkriegszeit erhalten batten, auf deren ersten Seite sich das Bild des Kaisers Franz Joseph befand.

* Selbstmord eines Heidelberger hokeliers. Im Stadtwald, unweit des Philosophenweges, hat sich der Besitzer der bekannten Heidelberger Wirtschaft „Vier Jahreszeiten" in der Haspelgaffe Edmund K a p i t a 4 n erschossen. Kapitain hatte schon früher Spuren von Schwermut gezeigt. Der eigentliche Grund dürfte aber der schlechte Gang seines Ge­schäftes gewesen fei, das vor einigenn Tagen ge- schlossen werden mußte.

Der bei der Eidgenössischen Ban! A.-G. in Z ü- rich wngestellte Buchhalterin Stadel mann ist wegen umfangreicher Unterschlagungen in d. Nähe von Winterthur verhaftet und nach Zürich ge­bracht worden. Stadelmann, der etwa 600 000 Schweizer Franken veruntreut hat, war seit 20 Jahren im Dienste der Gesellschaft tätig. Vor eini-

* Kohlenstaubexplosion in einer Brikekkfabrik. Dienstagfrüh gegen 6 Uhr erfolgte in einer Brikett- fabrik in Lauchhammer eine Kohlenstaubexplo­sion, deren Ursache noch nachgeprüft wird. Vier Mann der Belegschaft erlitten Brandwunden; einer davon wurde schwer verletzt. Die Verletzten fanden Aufnahme im Krankenhaus. Der Materialschaden ist unbedeutend,

* 3roet Zuchthäusler entflohen. Aus der Straf­anstalt in G l a tz sind zwei Zuchthäusler entflohen, deren Strafzeit noch bis 1934 läuft. Die Sträf­linge namens Bonge und Soyka waren in der Bäckerei des Gefängnisses beschäftigt. Mit Hilfe einer kleinen Leiter, die sie durch ein Backbrett verlängerten, gelang es ihnen, über die Umfassungs­mauern des Gefängnisses zu klettern.

* Eine Million Franken SkeuerhinkerZiehung der Danque du Rhin. Die „Saarbrücker Landes- zeitung" bringt durch Abdruck von geheimen Vank- dokumenten den Nachweis, daß die Saarbrücker Fi­liale der Danque du Rhin Jahre hindurch der Steuerbehörde falsche Bilanzen vorgelegt hat. Durch Gegenüberstellung der richtigen Bilanz wird nach- gewiesen, daß allein für die Jahre 1923/26 rund 5 Millionen zu wenig versteuert worden sind. Das macht allein an Staatssteuern, wenn man die Der- zinsung und die Kursdifferenzen außer Acht läßt, den runden Betrag von 400 000 Franken aus und für die Stadt Saarbrücken allein an Einkommen­steuer bei einem Gemeindezufchlag von durchschnitt­lich 180 v. H den Betrag von 720 000 Franken. Hierzu kommen aber noch die Gewerbe- und Um­satzsteuern, so daß insgesamt die Stadt Saarbrücken mit einer NachveranlagllNg von rund einer Millio­nen Franken rechnen dürfte.

* Die Rache des Schimpansen. Der Besitzer eines Pariser Restaurants veranstaltete kürzlich anläßlich der Einweihung eines neuen Saales sei­nes Lokales für seine Freunde ein Festmahl. Plötz­lich öffnete sich die Tür, und es erschien ein riesiger Schimpanse, der ans Büfett eilte und die

. 32', --------------:

„Aber du vergißt die Landleute," unterbrach ihn Cor­nelius, „die sind fast alle dabei, und diesmal stimmen sicherlich viele von ihnen auch mit."

„Nach dem Zeitungsbericht haben hier in der Stadt ungefähr zwölfhundert Stimmrecht, und dazu kommen ganz richtig noch die Landleute, wie Cornelius sagt."

„Aber was geht denn dann morgen eigentlich vor? Ich fürchte mich geradezu davor," sagte Karen.

„Me Vereine zusammen sind aufgefordert, sich in dem großen Saal des Hotels zum Prinzen einzufinden. Da werden dann zuerst einige Reden gehalten, die die beiden Kandidaten empfehlen sollen, und dann kommen der Konsul und Vater an die Reihe."

Fällen nicht zum Taten handelt, die dem einer gemeinen Gesinnung entspringenden Delikat des Landesverrats innerlich verwandt sind. Die lieber« schrift soll lauten: „Gefährdung außerpolitischer In­teressen."

Die Bestimmung besagt: „Wer ein Staatsge­heimnis in der Absicht öffentlich bekannt gibt, eine unmittelbar drohende erhebliche Gefahr für den verfassungsmäßigen inneren Bestand des Reiches abzuwenden, wird mit Gefängnis bestraft. Der Tä­ter ist ftraiffrei, wenn die Gefahr tatsächlich be­stand. Die Tat wird mir auf Verlangen der Reichsvegierung verfolgt.

Der Berichterstatter Dr. Dell erklärte sich im all­gemeinen mit diesem Vorschlag einverstanden, je­doch muß noch die Stellungnahme der Reichsregie­rung abgewartet werden.

3. Blatt.

Druck der Fuldaer AcNeudruckerel, Fulde.

gen Tagen, als ihm Entdeckung drohte, hat er Zü­rich verlaßen.

Zusammenstoß von Auto und Skraßenbahnzug.

An der Ecke der Karl- und Luisenstrahe in München fuhr am Dienstag nachmittag die 35 Jahre alte Hciuptmannswitwe Elfe Leibfried mit ihrem Krafwaaen einem Straßenbahnzug in die Flanke. Das Auto stürzte um und begrub die Frau sowie zwei weitere Insassen unter sich. Die Frau erlitt schwere Brustquetschungen, denen sie im Krankenhause erlag. Einer der mitfahrenden Herren wurde schwer verletzt.

keiner Störung gewärtig sein mußten. Cornelius nahm den Bogen mit der Rede, den Rasmus mitgebracht, und ließ sich auf einen Spillbaum nieder. Da saß er nun mit gerunzelter Stirn und sah so würdig drein wie ein richtiger Examinator. Rasmus stand ein paar Schritte von ihm entfernt und machte mehrere Versuche, die Rede zu halten; aber es gelang nur schlecht, er stotterte und stammelte und vergaß fortwährend das Wichtigste.

„Neue und vorteilhafte Neuerungen zum Nutzen der Gemeinde," sagte der Kapitän.

„Unsinn Rasmus, da steht Allgemeinheit," verbesserte Cornelius, und gleich daraus war es wieder verkehrt. „Nein, du lernst das in deinem ganzen Leben nicht, so­viel ist sicher."

„Und ich will es auch gar nicht lernen, Cornelius. Zum Kuckuck! Nicht einen Deut lerne ich mehr von dem ganzen Gewäsch!" Damit riß der Kapitän das Papier an sich, warf es in den Schmutz vor sich hin und stampfte darauf; er war zornig geworden.

„Aber was tust du denn, Mensch!" rief Cornelius entsetzt.

„Ich will diese Rede nicht halten. Es hat keinen Sinn, mit allen diesen Bosheiten daher zu kommen, den ganzen Hinterhältigkeiten und den Anspielungen auf den Vater und alles miteinander! Des Konsuls Vater war ein ganz gerissener Fuchs und hat mich tüchtig übers Ohr gehauen, und ich werde mich nicht scheuen, das Ganze gerade heraus zu sagen, wenn es darauf ankommt; aber so nur mit gemeinen Anspielungen fechten, nein, das paßt mir nicht. — Ist das etwas, das einem alten See­mann ansteht, nein, gemein ist's, das ist meine ehrliche Meinung."

Cornelius schwieg einen Augenblick und zog an seiner Pfeife. „Eigentlich hast du ercht, Rasmus. Es ist merk­würdig, wenn du schließlich so etwas sagst, dann hast du, zum Kuckuck, fast immer recht; aber eine Rede halten, so eine richtige Rede, das kannst du eben wahrscheinlich doch nicht."

„Das glaub' ich auch, Cornelius," versetzte der Kapi­tän, indem er sich neben seinem Freund auf dem Balken niederließ.

Einen Augenblick starrten beide stumm vor sich hin; sie waren mutlos und niedergedrückt, selbst Cornelius ließ den Kopf hängen, aber plötzlich hob er ihn wieder auf und sagte: „Jetzt hab' ich'sl"

tätige Jugend zu einer gemeinsamen Aussprache zusam- mengeführt werden. Vom 27. Mai bis 2. Ium findet die zweite Freizcttwoche, die als „lebenskundliche Woche gedacht ist, statt. Die dritte Freizeitwoche vom 23. bis 29. Juni steht im Zeichen der Liturgie. Sie steht unter der Leitung eines Benediktinerpaters aus der Abtei Ma- ria-Laach und hat zum Inhalt „Das Leben mit der Kirche". In der vierten Freizeitwoche vom 2. bis 8. September sollen die Teilnehmer in „Kunst und Volks­tum" eingeführt werden.

Die „braunen Tausender".

Strafprozeß wegen Betrugs und Urkunden­fälschung.

M 69.

Freitag, ven 22. März 1929.

„Was wollt ihr?" fragte Karen und stemmte die Hände auf die Hüften.

Aber Cornelius lieh sich nicht einschüchtern. „Wir müssen ins Wirtshaus zur „Ecke", und zwar ganz im Ernst. — Meinen Sie, es laufe alles nur von selbst, wenn man in die Präsidentschaft hinein soll? Nein danke, da gibt'? Versammlungen und Konferenzen, wie es heißt, es ist bei Gott eine ganze Maschinerie. Ja, sehen Sie mich an, Stegmännchen, aber es ist ganz richtig, in die „Ecke" kommt nicht allein der Redakteur Junge, sondern auch der Schmied Pelk und —"

„Und der Barbier und Kapitän Holst, na, ich danke, die kenn ich. Nein, bleibt nur hier, er muß auswendig lernen. Du mußt es ja lernen, Rasmus ,das weißt du doch." Karen sah den Kapitän, der schon aufgestanden war, bestimmt an.

„Aber, Cornelius hat ganz recht, ich muß jetzt hin­gehen," sagte Rasmus, wie wenn er ein großes Opfer bringen müßte.

„Aber so hllf mir doch, Jörgen, ach, kein Mensch küm­mert sich um mich," rief Karen halb weinend.

„Na, na Karen, Vater ist jetzt ein angesehener Mann, er wird schon wissen, was sich gehört. Ich meine, Vater und Cornelius sind hier daheim so außerordentlich fleißig, daß sie wohl ein kleines Bergungen verdient ha­ben," sagte Jörgen.

„Aber du arbeitest ja viel mehr als wir andern und du gehst nie in die „Scharfe Ecke" oder so wohin."

„Ach, bei mir ist das ganz anders, Karen, ich habe ja meine Abrechnungen und den Garten und dergleichen; Vater und Cornelius dagegen treffen dort alle ihre alten Freunde, und wir müssen ein wenig gut gegen sie fein, Karen."

„Aber ich kann eben nicht verstehen, daß das mit der „Scharfen Ecke" etwas Gutes sein soll," seufzte Ka­ren.

„So etwas versteht eben das Weibervolk nicht, Steg­männchen; aber Rasmus und ich, wir verstehen es, dar­auf können Sie Gift nehmen, Stegmännchen!" sagte Cor­nelius, wobei er Rasmus luftig zuzwinkerte. Und die beiden Freunde gingen zu ihrem Geschäft in die „Scharfe Ecke".

„Was hast du?" fragte der Kapitän.

„Also ich weiß einen Ausweg. Komm nur mit, bann will ich dir sagen, was es ist."

Cornelius ging voran, und Rasmus folgte. Wenn es sich um solche Einfälle handelte, war Cornelius im­mer der Führende.

Eine Stunde später trat Jörgen in den Hof und traf da seinen Vater.

„Kannst du jetzt deine Rede?" fragte er.

„3a, ich werde reden, darauf kannst du dich verlassen Jörgen," lautete.bie Antwort bcs Kapitäns. Ganz breit spurig trat er vor, wie wenn er bei einem hohen See gang über Deck ginge; auch seine Wangen waren etwas erhitzt, und er sah Jörgen mit einem Blick an, ber offen­bar sagen sollte: „Nur heraus damit, wenn du mn irgend etwas vorwerfen willst!"

Jörgen lief es kalt über den Rücken; er ging weite; und suchte Cornelius. Cr fand ihn im Stall, wo er feil Lieblingslied vor sich hinsummte, ein gräßliches See­mannslied von fast fünfzig Versen.

„Was hast du mit Vater gemacht? Habt chr mitein- ander getrunken?" fragte Jörgen finster.

„3a, darauf kannst du Gift nehmen," antwortete Kor­nelius frohgemut.

„Aber bist du denn verrückt, Mensch? Jetzt bleibt asio nichts anderes übrig, als daß ich ihn daheim be­halte."

„Das kannst weder du noch sonst jemand, wenn er in der Verfassung ist, wie eben jetzt, kann kein Mensch etwas bei ihm ausrichten. — Er hat ein wenig von dem alten Malaga getrunken, eigentlich hätte er noch ein weiteres Glas trinken sollen, aber ich wollte es doch nicht über­treiben."

„So, das hast du nicht gewollt! Ja, das ist nun eine nette Geschichte! Und die Rede?"

„Da liegt sie!" Und Cornelius deutete auf das zer- . knüllte Papier, das vor ihm im Schmutz lag.

Jörgen erschrak; ja, es war wirklich das kostbare Manuskript. „Aber kann er sie denn, Cornelius?" fragte er.

„Keinen Deut kann er davon, und jetzt redet er alst nach sein m eigenen Kopf."

- „Na, das wird was Schönes werden," spottete Jör gen.

tanzenden Paare mit Tellern und Flaschen bewarf Die erschreckten Säfte eilten entsetzt hinaus 3kr Schimpanse konnte nur mit Mühe überwältigt und wieder in Ketten gelegt werden Da-- Tier war dem Restaurateur von einem Verwandten aus Afrika mitgebracht worden und sollte in der nack­ten Zeit dressiert werden. Die Jazztone hat ten das Tier wild gemacht, daß es sich seiner Fes ein entledigte und nach dem Rechten sehen wollte

> Reife und Wanderung.

= Anmeldungen zur zweiten INitlelmeer- und Orienlfahri des „Gras Zeppelin". Da die Nachfragen nach Plätzen für die große Mittelmeerfahrt des Luft- fchifses Graf Zeppelin außerordentlich zahlreich einge­laufen sind, plant die Luftschifsgesellfchast, wie bereits mitgeteilt wurde, eine zweite Mittelmeer- und Orient­fahrt des „Gras Zeppelin", die voraussichtlich am 15. 4. in Friedrichshafen beginnen soll. Auch für diese Fahri nehmen die Hamb. Amerika Linie in Hamburg, ihr 3tey febüro in Berlin „Unter den Linden" sowie chre Vertre­tung in Fulda, Gottlieb Schishauer, Bahnhofstr. 19, jederzeit Anmeldungen entgegen.

Kops," versetzte Karen; aber dann wendete sie sich wie­der an Rasmus, der kichernd in einer Ecke faß, und trief: „Willst du wohl deine Rede lernen, Rasmus! E-; ist doch schrecklich, daß wir so auf dich aufpasien müssen."'

„Ich bekomme das nie in den Kopf, und dann ifi da auch noch etwas anderes," seufzte Rasmus, indem, er sich hilfeheischend an Cornelius wandte, ber auch foglleich hilfsbereit war.

,Zck, das ist auch wahr, Rasmus, und es ist nur •' gut, daß du daran gedacht hast, fönst ginge ja alles verk -ehrt. Wir müssen jetzt schnell dahin, also komm nur gleic h in die „Ecke".

„Ach, ach!" seufzte Karen schaudernd.

„O, es wird schon gehen, Karen, und am Mittwoch nachmittag findet dann der große Wahlkampf statt. Wie du gehört hast, soll die Wahl mit dem Iahresfest der jCc fellschaft im Jndustrieverein zusammengefeieri wer len. Die Musik spielt im Garten, und es gibt ein grc ßes

ui tellungen wegen Landesverrat sind in der Nach­kriegszeit viel Hölzer gewesen als vorher, was ja mit den politischen Gesanckverhältnifsen zusammen­gehängt.

Im Reichstagsausschuß zur Beratung des Reichsstrafgesetzbuches ist nun die Frage eingehend behandelt worden. Der Berichterstatter, Abg. Dr Dell, bezeichnete eine wesentliche Umgestaltung der Vorschriften des ursprünglichen Entwurfes über den Landesverrat umso notwendiger, als das in einer Geltungsdauer auf viele Jahrzehnte berech­nete neue Strafgesetzbuch nicht den vorübergehen­den anormalen Zeitabschnitt, sondern die gesunden und normalen Zeitverhältnisse zugrundegelegt hat.

Gegenüber der Reichstagsvorlage ist hervorzu­heben, daß der neue Entwurf in den Paragraphen, die sich mit „landesverräterischer «Untreue" und mit der „landesverräterischen Deweisvernichtung" be­fassen, die politisch wichtige Einschränkung vor­schlägt, daß an Stelle der Fassung „mit einer an­deren Regierung" die Fassung gewählt werden soll „mit einer ausländischen Regierung". Es soll also im Gegensatz zum Entwurf und zum geltenden Recht für die künftige Gesetzgebung darauf ver­zichtet werden, mit dem Begriff des Landesverrats im Verhältnis des Reichs zu den Ländern oder der Länder untereinander strafrechtlich vorzugehen. Die ser Grundgedanke, den Landesverrat auf das Ver­hältnis zum Ausland einzuschränken, ist auch in sämtlichen anderen Vorschriften über den Landes­verrat sinngemäß durchgeführt worden.

Staatsgeheimnisse im Sinne der neuen Landes- rörrats-Vorschriften sind Schriften, Zeichnungen, andere Gegenstände oder Nachrichten, deren Ge« Heimhaltung vor einer ausländischen Regierung für das Wohl des Reiches oder eines Landes er­forderlich ist.

Der Landesverrat als solcher soll durch folgende Bestimmung erfaßt werden:

Wer ein Staatsgeheimnis an eine ausländische Regierung oder an jemand, der für eine auslän- bifche Regierung tätig ist, gelangen läßt oder ein Staatsgeheimnis öffentlich bekanntmacht, wird mit Zuchthaus bestraft.

In besonderen schweren Fallen ist die Strafe Zuchthaus nicht unter zehn Jahren oder lebenslan­ges Auch ch aus.

Das geltende Recht bedroht nur den mit der Strafe des Landesverrats, der vorsätzlich Staats­geheimnisse oder solche Urkunden, Aktenstücke oder Nachrichten, von denen er weiß, daß ihre Geheim­haltung einer anderen Regierung gegenüber für das Wohl des Deutschen Reiches oder eines Bun­desstaates erforderlich ist, dieser Regierung mitteilt oder öffentlich bekanntmacht. Die Reichstagsvor­lage dagegen glaubte, vielmehr mit Zuchthaus den­jenigen, der derartige Ge-genstäude oder Nachrich­ten unter den gleichen Voraussetzungen „an einen anderen" gelangen läßt und dadurch das Wohl des Reichs oder des Landes gefährdet. Gerade diese Erweiterung des geltenden Rechts, und zwar ins­besondere die herausgehobene Stelle „an einen an­deren", ist zum Gegenstände außerordentlich er­regter Kritik gemacht worden Es läßt sich nicht -erkennen, daß auch einer gerechten Kritik diese Fassung nicht Stand halten kann. Dieser durch- schlagenden Erwägung verdankt die Fassung der neuen Vorlage ihre Entstehung, wonach unter Rück­kehr zum geltenden Recht nunmehr wegen Landes­verrats nur bestraft werden kann, wer ein Staats­geheimnis an eine ausländisck-» Regierung oder an jemand, der für eine ausländische Regierung tätig

„Ja, und Sie können ruhig darauf schwören, c tez- männchen, baß alles großartig wirb Es gibt audjr rin herrliches Festessen, und nachher wirb getanzt. Auch - müssen tanzen, Stcgmännchen!" scherzte Cornelius

katholische Welt.

Schulung-, und Arbeitswoche über Laienaposio lat. In ber Psingstwoche bs. 3s. (21. bis 25. Mat) ver­anstaltet bie Freie Vereinigung für Seelsorgehilfe an ber Zentrale des Deutschen Karitasverbanbes, Freiburg i Br., eine Schulung?- und Arbeitswoche über Laten- apostolat. Dieselbe will einführen 'n die grunblegenben Fragen bes Laienapostolates. Sie behandelt das Laten apostolat im Berufsleben, Saienapoftolat tm Dienste der Gesellschaft (Staat und Volk) und Saienapoftolat tm Dienste der Kirche. Sie erstrebt Forderung ®er* tiefunq laienapostolifcher Verantwortung und Mitarbeit. Der Schwerpunkt der Schulungswoche liegt weniger in den Referaten und Vorträgen als in der intensiven Zu­sammenarbeit aller Beteiligten. Um das zu ermöglichen, wird nur eine begrenzte Zahl von Teilnehmern zugelas- sen. Für bie Teilnahme kommen in Betracht sozial und apostolisch interessierte Laien, besonbers Vorstände und Vertrauensleute katholischer Vereine und Organisationen, Lehrer und Lehrerinnen, Fürsorgerinnen uss. Anmel- düngen und Anfragen sind zu richten an die Geschäfts- stelle der Freien Vereinigung für Seelforgefjilfe, Frei­burg i. Br., Werthmannplatz 4.

= ^reizcilwochen der katholischen Gesellen. Auch in diesem 3ahre plant der kath. Gesellenveremfur die Ur- laubszeit in seinem Landheim in Bell (Kreis Mayen) einige Freizeitwochen. Die erste Freizeitwoche soll in Form einer Gemeinschaftswoche von Studenten und @e- sellenvereinsmitgliedern in der Zeit vom 21. bis 25. Mai stattfinden. Unter ber Leitung von Studentenscel- sorger Grosche-Köln soll die studierende und die werk-

Landesverrat. ift gelangen läßt oder wer ein Staatsgeheimnis

_ „ . öffentlich bekanntmacht. Für das Erfordernis der

Der Begriff des Landesverrates fft schon seit Reichstagsvorlage, daß durch die unter Strafe ge- langem heftig umstritten. Die Vorschriften über gestellte Handlung das Wohl des Reiches oder eines den Landesverrat gehören zu denjenigen Rechtska- Landes gefährdet wird, ist nach dem Aendenmgs- piteln des Strafgesetzbuches, die gerade in letzter Antrag im Zusammenhang mit der Begriffsbestim- Zeit mit am meisten öffentliche Erörterung gefun« mung des Staatsgeheimnisses kein Raum mehr, den haben. Landesverratsprozesse und auch Ber- Ausdrückliche Hervorhebung verdient die Tatsache, daß der Aenderungsvorschlag iir Gegensatz zum Entwurf auf die Bestrafung des fahrlässigen Lan-