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7 Nr. 65.

Fulda, den 16 März 1929

flm Scheidewege.

z Große Scharen von Jungen und Mädchen stehen Wieder in den letzten Wochen und Tagen ihrer Dolksschuljahre. Mit chrer Entlassung aus der Schule treten sie ein in einen neuen Lebenskrets. Darum hat für diese jungen Menschen die Zeit der Schulentlassung die große Bedeutung; es ist siir sie die Zeit, ar der sie am Scheideroege des Lebens stehen Nochmals gilt es, in ihnen während dieser letzicn Dolksschultage alle guten und starken Kräfte aufzurufen, sie religiös zu erfassen, mit ihnen den Weg rn die Berufsarbeit und auch in die Ge­meinschaften der Altersgenossen ernstlich zu über­legen. Die Entscheidung, die hier getroffen wird, in Berufsarbeit und Jugendgemeinschaft, bedeutet für die meisten von ihnen Lebensenlscheidung.

Ar Eltern, Lehrer, Seelsorger, nutzt diele letz­ten Tage! Beratet miteinander! Ermöglicht, wenn irgendwie es sich für die Familie durchhalten läßt, dem Jungen, dem Mädchen eineg ute Berufslehre bei einem tüchtigen Meister, in einer anerkannten Lehrwerkstatt.

Wenn sie dann zum ersten Male kommen, in die Werkstatt, in den Betrieb, ins Büro, an den Derkaufstisch, ihr Meister, ihr Chefs, ihr jungen Arbeiter und Handwerker, ihr Gesellen, wollt ihr nicht ein gutes Auge auf die „Neuen" haben? Es ist erwiesen, daß die meisten von ihnen mit gutem Willen ihre Berufsarbeit beginnen. So vieles ist aber in ihnen schon oft nach kurzer Zeit durch eine /aische, unfreundliche Behandlung zerschlagen.

Und ihr Jungmänner und Mädchen, ihr Führer ch den Vereinen und Gruppen der katholischen Pfarnsugend, macht euch bereit, neue Scharen ka- cholischen Jungvolks aufzunehmen! Werbt um sie! Führet sie ein in eure Gemeinschaft und nehmt Euch voll Liebe ihrer an!

Ihr Jungen und Mädchen aber, die ihr die Schule verlaßt, benutzet gut, diese letzten Wollen und Tage! Tut mit, seid mit dem Herzen dabei bei der Entscheidung über euere Berufsarbeit, bei dem letzten Unterricht in der Schule, bei der reli­giösen und sittlichen Unterweisung, die euch der Seelsorger gibt. Und dann kommt in die katholi­schen Vereine eurer Pfarrei, ihr Jungen in den Jugendverein, ihr Mädchen in die Jungfrauenkon­gregation! Dort findet Ihr ein frohes Jugend- leben, echte Freundschaft, Förderung in Beruf und Bildung, Schulung und Halt im" Christenleben. Dort ist Euch Christus Führer auf euerem Lebens­wege. Er führt Euch zu den Gestaden irdischen UNd ewigen Glückes.

Durchaus unwahr

ist das in bet Stadt umlaufende Gerücht, wonach das Bischöfliche Konvikt an die Firma S a r- st a dt verkauft worden fei. Auch ist eine solche Absicht von maßgebender Stelle noch niemals ausgesprochen worden.

Lin Wandslkcnzert

des Trornpeterkorps des Art.-Regt. Nr. 5 findet morgen (Sonntag) im Schloßgarten von 11.30 bis 12.30 Uhr bei günstiger Witterung statt.

von der Oberrealschule.

Für die zu Beginn des neuen Schuljahres zu besetzende Zeichenlehrerstelle an der städt. Ober­realschule wählte der Magistrat Herrn Zeichenleh­rer Walter Z i m m e r m a n n, der z. Zt. an einem Lyzeum in Dortmund tätig ist.

Bestandene Prüfung.

Die Schulamtsbewerber Runt e-Marbach und M a h r-Rückers bei Flieden bestanden ihre zweite

Huldaer Zeitung (Amtliches

Lehrerprüfung. Die Abschlußprüfung sand unter dem Vorsitz des Oberregierungsrats Kellner-Kassel statt. — Das Staatsexamen an der Höheren jtaatl Schule für Hoch- und Tiefbau in Frankfurt a. M. hat bestanden Joseph Schad, Sohn des Maurer­meister Romanus Schad in Döngesmühle bei Flie- den, Kr. Fulda.

St. Michaclskirche.

Das Fest des heiligen Joseph wird mor- gen in althergebrachter Weise feierlich begangen. 7 Uhr: heilige Messe: 9 Uhr: Hochamt mit Predigt; 2 Uhr: Predigt, Andacht, Prozession um den Michaelsberg.

Puhprüfung.

Am 17. April 1929 findet für die Kreise Fulda, Hünfeld, Hersleld und Gersfeld Gehilfinnen- Prüfung für Putzmacherinnen in Fulda (Stadtschloß) statt Die Prüflinae haben die tzier- zu nötigen Papiere bis zum 4 April 1929 an den Vorsitzenden, Herrn Schneidermeister Fritz Bolen­der in Fulda, Gemüsemakrt 6, einzureichen.

Auch Marburg kreisfrei.

Gleichzeitig mit der Stadt Fulda betrieb be­kanntlich auch die Universitätsstadt Marburg das Ausscheiden aus dem Kreise, ohne, wie Fulda, zum Erfolg zu kommen. Wie die Stadt Marburg ietzt aus Berlin erfuhr, hat das preußische Ee- samtministerimn dem Antrag der Stadt Marburg, aus dem Kreise auszuscheiden, stattgegeben. Die Weidenkätzchen sind geschützt.

Die Weidenkätzchen (Salweide, Oehrchenweide, graue Weide, Vurpurweide sowie die Bastarde dieser Arten) bilden das wichtiaste Nährmittel des Vorftühlings für die Bienen. Die Kätzchen dürfen deshalb zum Zwecke des Verkaufs weder abge­rissen noch abgeschnitten werden.

Die Anlegung von Mündelgeldern.

Während der Inflationszeit war es außerordent­lich schwieria, ja fast unmöglich, Gelder wertbe­ständig anzulegen. Das traf auch aus die Mündel- geld'r zu. Deswegen wurde das Gesetz vom 2. 6. 1923 über die Anlegung von Mündelgeldern ge­schaffen. bo« eine roeitberüge Auslegung des Be­griffes der Mündelsicherheit zuließ. In der Rechts­sprechung ist diele WeitHerkigkeit sogar noch über­boten worden. Dagegen roenM sich in seinem Ge­schäftsbericht 1923 der ..Deutsche Sparkassen- und Giroverband". Nach seiner Ansicht haben den rich­tigen Standpunkt nur die Oberlandesgerichte in München und Karlsruhe eingenommen, der dahin geht, daß froh der veränderten Lage auch heute die bisherige Art der Mündelgeldanlage die Regel, die freie Anlegung aber die Ausnahme bleiben muß. Die freie Anlage könne nur dann in Frage kommen, w-mn sie einen Vorzug gegenüber dm gesetzlich besonders nufgefuhrten Arten der An­legung aufzuweisen hätte. Der genannte Verband hofft, daß die Verhandlungen im Reichssustizmini- fterivm wegen Aufhebung der erwähnten Gesetz­novelle, die für die Inflationszeit eine gewisse Be­deutung hatte, der aber heute jede Berechtigung ab­gesprochen werden muß, zu einem positiven Ergeb­nis führen.

Schlechte Buffer.

Soll die Butter ihren Wohlgeschmack und ihr Aroma möglichst lange bebalten, so darf sie vor allen Dingen niemals in einem warmen Raum aufbewahrt werden. Wörme macht die Butter weich und schmierig, fördert den Zersetzungsvrozeß und ruft den ranzigen Geschmack hervor. ' Wichtig ist weiter, daß der Aufbewahrungsort der Butter möglichst vor Licht geschützt ist. Auch Licht trägt zur Zersetzung und zum Talgigwerden bei. Reine Luft im Aufbewahrungsraum ist eine weitere För­derung. Kaum ein Nahrungsmittel nimmt so leicht den Geruch der Umgebung an wie die But­ter. Man vermeide unbedingt, die Butter mit an­deren stark riechenden Stoffen zusammen lagern zu lassen. — Die Hausfrau tut am besten, wenn sie die Butter in einen Steintopf legt und, leicht zuge­

Kreisblati).

deckt, an einem kühlen, dunklen Ort aufbewahrt. Die Haltbarkeit kann noch erhöht werden, wenn man oben auf die Butter eine Schicht Salzlake gießt, etwa 1 bis 2 Zentimeter hoch. Es braucht nicht befürchtet zu werden, daß sie dadurch mehr Salz annimml. Es ist lediglich nötig, die Salzlake adzugießen, bevor Butter entnommen wird, her­nach die Oberfläche wieder glattzustreichen und er­neut Lake aufzufüllen. Auf diese Weise läßt sich die Butter monatelang in gutem Zustande erhal­ten.

Fahrpreisermäßigung für Schwerstheschädigke.

Auf eine Eingabe des Zentraloerbandes deut­scher Kriegsbeschädigter und Kriegerhinterbliebener e. D Berlin hat die ständige Tarifkommifsion der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft beschlossen, die Zahl der für den Kranken oder Kriegsbeschädigten zu lösenden Fahrkarten bei Beförderung im Selbst­fahrer oder Krankenstuhl im Packwagen von 2 aus IM Fahrkarten 3. Klasse zu ermäßigen. Ferner soll die bisher nur für Kranke mit Tragbett vor­gesehene Beförderungsmöglichkeit in einem Wagen­abteil 3. Klasse künftig auch auf Kranke und Kriegs­beschädigte im Selbstfahrer, Krankenstuhl ober Traggestell, sofern sich diese Vorrichtungen im Abteil unterbringen lassen, ausgedehnt werden.

Aus dem Gerichksfaal.

Aus der Untersuchungshaft vorgeführt wurde bre 20jährige Kanonier K. Kr. der 2. Abtlg. des hiesigen Regiments, gebürtig aus dem Kreis Mal- medy. Er ist feit 1926 bei der Reichswehr und hat sich bereits schon neun Strafen beim Regiment zu- gezogen. Am 1. Febi. bs. Js. hat er den Stall- dienst verweigert, wurde sehr erregt, leistete sei-" nem Vorgesetzten Wiberstand und vergriff sich tät­lich an ihm. Das Urteil des großen Schöffenge­richts lautete auf ein Jahr Gefängnis. — Aus der Strafanstalt vorgeführt mürbe der schon mehrfach vorbestrafte 33jährige kaufmännische Reisende Job. Patzeck, gebürtig von Dresden. Er kam Ende Mai 1928 nach Fulda, traf mit einem hiesigen Kasfee- hausbesitzer ein Abkommen dahingehend, ihm un­entgeltlich Speise- und Weinkarten zu sie'rn, auf denen Anzeigen von Lieferanten des Kasfeeha'.'.ses erscheinen sollten. B. warb daraufhin bei den betr hiesigen Geschäftslieferanten Anzeigen, ließ sich in einer Druckerei hier einen Entwurf von den Kar­ten mit den Anzeigen Herstellen, leote ihn den Ge­schäften vor, kassierte die fälligen Beträge, lieferte jedoch keine Karten, sondern verbrauchte die Gelder für sich. Auf diese Art und Weise erlangte P. ung-fähr 140 Mark Außerdem kassierte P. unter Vorspiegelung falscher Tatsachen bei einer Sebot- tener Firma einen Betrag von ungefähr 87 Mark und quittierte mit falschem Namen. Der Ange­klagte, der, wie sich in der Hauptverwaltung her­ausstellte, wirtschaftlich und morasisch tief gesunken ist, erb'elt wegen Betruas im Rückfalle vom gro­ßen Schöffengericht 10 Monate G?f"nnms. ^Vvr derartigen Anzeigen-Schwindeleien ist schon oft ge» warnt worden. Aber sie scheinen immer noch Er­folg zu haben) — Aus der Untersuchungshast vor­geführt wurden der 23jähriqe Schlaffer R. G. von Leibolz und der 28jährige Kraftwagenführer B. B. von Eiterfeld. Ihnen werden Verbrechen aus § 176, 3 des Str.-G -B. zur Last gelegt. Mitangeklagt war der auf freiem Fuß befindliche V. Sch. von Leibolz. Die strafbaren Handlungen ereigneten sich 1928 in Leibolz. Neun Zeugen wurden unter Aus­schluß der Oeffentlickkeit vernommen. Das große Schöffengericht verurteilte G. zu sechs und B. zu neim Monaten Gefängnis unter Anrechnung der Untersuchungshaft. Nach Verbüßung von je vier Monaten Gefängnis soll ihnen Strafaufschub ge­währt werden. Sch. wurde freigesprochen. — f?er- ner wurde aus der Untersuchungshaft vorgeführt der 30jährige Landarbeiter St. C., gebürtig von Warschau, der auf der Domäne Haimbach beschäftigt war. Auch gegen ihn wurde unter Ausschluß der Öffentlichkeit verhandelt, weil er sich des Verbre­chens aus § 176,3 schuldig gemacht hatte. Das Üb­test lautete auf sieben Monate Gefängnis.

Sonntag, 17. März 1929.

Zügen- und Politik.

Zur Fuldaer Tagung der werktätigen kaih. Jugend.

Don einem besonderen Mitarbeiter.

Treibt Jugend auch Politik? Aber sicher. Es fragt sich nur, was für welche. Da lieft so ein jun­ger Mensch zuweilen b:e Zeitung und meint, da­durch sei er ein politischer Mensch. Oder er ge­fällt sich in Gesprächen über Politik und hat dabei ein Hochgefühl, als ob der Geist der Politik ihn beseele. Ganz unrecht hat er nicht. Er muß sich aber gestehen, aus dem Wege zu einem ehrsamen Stammtisch-Politiker zu sein, was er natürlich bei­leibe nicht werden möchte. Gut! Man muß wün­schen, daß diese Sorte Politiker ausftirbt. Sie paßt nicht in die neue Zeit. Wir haben ein an­deres Tempo, sollten es wenigstens haben. Ich bin erschrocken, wenn ich sehe, wie die Jugend de Allüren der Vorkriegszeit auffrischt. Die Zeit ist tatsächlich eine andere geworden. Wir wissen, daß an den heutigen Menschen viel schärfere Anfor­derungen gestellt werden. Wer dielen voll und ganz gerecht werden will, muß ein Mensch aus einem Guß sein, ein Tempo-Mensch. Das wird man nur, wenn man Ueberbllck hat und trenn man seinen Geist und seine Nerven zur größten Arbeitsleistung erzogen bat. — Ganz rationell wie beim Training. Aber doch keine Maschine werden, Mensch bleiben, jedoch Tempo-Mensch! Dann kann man nicht so ein gemütlicher Politiker werden, der sich weise dünkt und kluge Reden führt. Das Reden macht es ja car nicht. Und der jugendliche Politiker sollte möglichst wenig reden. Er soll sich als Schüler vorkommen, als Politik- Student. Politik will wirklich studiert werden. Sie fft nicht mehr eine so einfache Sache, die haupt­sächlich im Gehorchen tzezw. im Nichtgehorchen und im Steuerzahlen bestand. Das gibt es leider auch heute noch massenhaft. In Wirklichkeit lallte von Gehorchen und Steuerzahlen bei der Politik am wenigsten die Rede sein. Ja, was ist dann Politik? Das ist schwer zu sagen. Politik ist eine ungeheuer große Sache. Politik hat zur Aufgabe, Volks- und Dölkerwohl. Politik soll die Grund­lage für ein menschenwürdiges Dasein schaffen. Da sieht man sofort, wie bedeutungsvoll und schwierig die Politik ist, und daß man wirklich erft Politik „studiert" haben muß, um mitreden zu können.

Es kommt neun sehr darauf an. was man un­ter menschenwürdigem Dasein versteht. Darüber sind die Auffassungen sehr verschieden. Noch ver-

Bilöer vom Tage.

Dr. Heinrich Schopohl, bisher Personalreferent, im Verkehrswohlicihrts- minifterium, wurde zum Ministerialdirektor und Chef des preußischen Medizinalwesens ernannt. Er war früher Kreisarzt in Malmedy und in Fulda.

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