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siriaietnl >echsmat wöchentlich. Wochenbeilagen „Die Welt
Samstag, 16. März 1929.
17t* im und „Buchendlätter". Rotationsdruck und Verlag
«Fll V*1. ger Fuldaer Actiendruckere« in Fulda. Fernsprecher Nr. 9.
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FuldaerZertung
Anzeiger für die Stabt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.
Zie iinan$politi|d)e Absprache im ReiGtag.
Das Echo der Hilferüing-Rede.—Bedeutsame Ausführungen des Zentrumsabgeordneten Dr. Brüning. — Die gemeinsame GppositionstaKtiK der National-Lozialisten und der Christlich-nationalen Bauernpartei.
Als erster Redner aus dem Hause schloß sich der gestern schon gemeldeten Finanzrede Hilserdings der Sozialdemokrat Hertz an, der im allgemeinen dem Finanzminister beipflichtete. Große Bedenken äußerle er jedoch gegen eine Erhöhung der Biersteuer und richtete sehr scharfe Angriffe gegen die Haltung der Deutschen Volkspartei.
Der Redner der Deutschnationalen, Abgeordn. Oberfohren, bezeichnete den Etat als eine Bankrotterklärung des gegenwärtigen Reichskabinetts. Die Deckungsvorschläge der Regierung lehne er ab. — Als Oppositionspartei, die unter keinen Umständen politische Wirklichkeitsarbeit leisten will, kann sich die Deutschnationale Partei solche Stellungnahme leisten.
Die Stellung des Zentrums zum Reichshaushalt und dem mit der Deckungssrage verknüpften Steuerproblem hat bei der ersten Beratung des Reichshaushalts der Abgeordnete Dr. Brüning begründet.
Das Zentrum sieht die ganze Finanzpolitik nicht etwa lediglich unter dem Gesichtspunkt, was im Augenblick für Deckung des Defizits notwendig ist. Das Zentrum fordert vielmehr in den nächsten Jahren eine großzügige Steuerreform. Eine solche Reform muß nach der Auffassung des Zentrums das Ziel haben, daß einerseits die Kapitalbildung wieder gesichert wird, daß insbesondere die wirtschaftlichen Voraussetzungen dafür geschaffen werden, daß die Landwirtschaft aus ihrer nachgerade katastrophalen Finanzlage herauskommt, und daß andererseits int Interesse von Handel, Gewerbe, Mittelstand und Industrie keinerlei Realsteuererhöhung sich vollzieht, die als Folge einer populärsein-wollen- den, aber allgemein volkswirtschaftlich nicht vertretbaren Steuerpolitik des Reichstags sich ergeben müßte.
Im Zuge dieser Entwicklung liegt es aber auch weiterhin, daß, sobald wir wirtschaftlich wieder etwas freier verfügen können, alle Kräfte daran gesetzt werden müssen, um eine Erleichterung der Zinslasten, namentlich im Interesse des Mittelstandes und der Landwirtschaft zu erreichen, und bei diesem Punkte wird das Problem der Aufhebung der Rentenbank berührt.
Während die Deutsche Volkspartei mit der agitatorischen Phrase: wir bewilligen keine neuen Steuern, parteipolitische Geschäfte im Lande zu machen versucht, ohne zu sagen, wie sie sich denn eigentlich die Ausführung dieses Planes denkt, arbeitet das Zentrum durch die Tat darauf hin, daß solche neuen Steuererhöhungen nicht zu erfolgen brauchen. Das Zentrum macht aus einer Selbstverständlichkeit, nämlich zu versuchen, jede Steigerung der Ausgaben zu vermeiden, die zu einer weiteren Belastung der Bevölkerung führen muß, kein parteipolitisches Aufhebens. Es arbeitet positiv daraufhin, daß solche Steigerungen unterbleiben und daß darüber hinaus im Laufe der Entwicklung Maßnahmen getroffen werden, die zu einer fühlbaren Verminderung der schon bestehenden Steuerlasten führen.
Was nun den vorliegenden Etat angeht, so hat gerade der Sprecher des Zentrums im Reichstag auf eine ganze Reihe wichtiger Streichungsmöglichkeiten hingewiesen. Auch beim Wehretat kann nach Auffassung des Zentrums bezüglich solcher Streichungen nicht vorübergegangen werden. Aber es ist doch auch festzustellen, daß beispielsweise beim Marineetat schon jetzt insgesamt etwa 60 Millionen Mark Einsparungen erzielt worden sind, sodaß die für den Panzerkreuzer erforderlichen Aufwendungen von 12 Millionen demgegenüber wirklich nicht entscheidend ins Gewicht fallen können. Wir sagen das nicht, um über die Panzerkreuzerfrage selbst ein Urteil zu fällen, sondern nur, um festzustellen, wie stark diese Frage gerade nach der finanziellen Seite hin agitatorisch ausgenutzt worden ist.
Und etwas ganz besonderes müssen wir in die- jem Zusammenhang feststellen: Man erinnert sich, wie die Sozialdemokratie die Ausgaben für den Panzerkreuzer in ihrer Wahlagitation besonders unter geradezu hetzerischer Bekämpfung der anderen Parteien und nicht zuletzt des Zentrums unter Hinweis darauf propagandistisch herausstellte, daß demgegenüber die Kinderspeisungen hätten zurückstehen müssen.
Und was sehen wir nun: Die Sozialdemokratie, die jetzt die Führung in der Reichsregierung hat, dort ben Kanzler und den Reichsfinanzminister neben anderen Ministern stellt, hat keineswegs die Konsequenz ihrer Wahlpropaganda in dem berührten Punkte gezogen, sie hat in diesem unter ihrer bestimmenden Verantwortung entstandenen Etat überhaupt nichts für die Kinderspeisungen eingesetzt.
So sieht Theorie und Io sieht Praxis bei den Sozialdemokraten aus. Das muß doch sehr deutlich feftgehalten werden.
Das Zentrum sieht Streichungsmöglichkeiten von größerem Ausmaß außer bei den erwähnten Posten auch bei den Aufwendungen des Auswärtigen Amts; hier namentlich auf dem Gebiet der Personalaufwendungen, ferner bei einer Reihe anderer Reichsoerwaltungen. Insbesondere ist das Zentrum der Meinung, daß auch bezüglich der Bauten gespart werden könne, schon
um den Ländern und Gemeinden dadurch ein gutes Beispiel zu geben. . .
Die für die Grenzgebiete eingesetzte Summe findet die Billigung des Zentrums, wobei es einen gerechten Ausgleich für Ost und West verlangt, wie es überhaupt der Meinung ist, daß die Grenzgebiete, die unter besonderen Verhältnissen zu leiden haben, auch eine besondere Berücksichtigung reichsseitig erfahren müssen.
Das Zentrum ist bereit, positiv und s a ch - lich an der Fertigstellung dieses schwierigsten Etats seit dem letzten Jahrzehnt mitzuarbeiten. Aber diese Bereitschaft zur unmittelbaren Mitarbeit hat auch ihre Grenze. Das Zentrum müßte es unter allen Umständen ablehnen, die Verantwortung für Streichungen und für Aenderungen am Etat auf sich zu nehmen, die nur agitatorischen Bedürfnissen anderer und noch dazu der in der Regierung verbliebenen Parteien entspringen, die aber dann unbekümmert um die Verantwortung ihre Agitation int Lände betreiben können. Das Zentrum muß es weiter ablehnen, etwa notwendigen neuen Steuern zuzu- stimmen, die von den eigenen Regierungsparteien abgelehnt werden.
Und hier ist es Sache des R eichskanzlers, daß er beizeiten, und zwar noch vor Beginn der Verhandlungen int Hauptausschuß, v o l l e Klar- über d i e Verantwortlichkeit schafft. Das Zentrum muß Klarheit fordern über die Bereitwilligkeit der Parteien, eine Mehrheit zustande zu bringen für die Fertigstellung des Etats und für die Deckung der eventuellen Mehraufwendungen: und von dem Ergebnis dieser Schritte des Reichskanzlers wird das Zentrum feine weitere Stellung zu der Regierung abhängig machen.
Es ist in der Tat Zeit, daß der Kanzler handelt und aktiv in den Gang der Dinge eingreift. Das Zentrum läßt keinen Zweifel darüber, daß es nicht angeht, aus der Bekundung seiner Verantwortlichkeit Schlüße zu ziehen, die es anderen Parteien ermöglicht, ungehemmt ihre Agitation zu betreiben.
Der Rationalsoftalist Strasser und der Abg. v. Sybel (Ehrist.-Rat. Bauernpartei) hielten scharfe Angriffsreden gegen die Regierung. Beide Gruppen haben auch einen gemeinsamen Mißtrauensantrag gegen den Innen- minister Severing eingebracht.
Am Freitag wird die Aussprache fortgesetzt werden
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VDZ. Berlin, 15. März. (Eig. Meld.) Der Reichstag setzte heute mittag 12 Uhr die erste Lesung des Haushalts für 1929 fort. Damit verbunden werden soll von heute an auch die erste Le- sun gdes Notetats. Ferner steht das Baukreditgesetz 1929 bereits mit auf der Tagesordnung.
Abg. Höckert (Komm.) bezeichnet die Sitzungsvorschläge der Regierung als einen Versuch, die werktätigen Massen des Volkes noch mehr als bisher zu Ausbeutungsobsekten der Trust und Kartelle zu machen. Dr. Hilferding habe durch seine Rede bewiesen, daß die deutsche Sozialdemokratie die Stützung und der Hort der heutigen bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaftsordnung als ihre Aufgabe betrachten.
VDZ. Berlin, 15. März. (Eig. Meld.) Im handelspolitischen Ausschuß des Reichstages erklärte der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft, Dietrich, daß er gegen die Angleichung der Zölle für Rindvieh an die Zölle für Fleisch keine Bedenken habe. Die Schweinepreise halte er zur Zeit für hoch genug, wegen der Zölle für Schmalz wolle er die Stellung des Ausschusses abwarten. Beschlüsse wurden nicht gefaßt.
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VDZ. Berlin, 15. März. (Eig. Meld.) Der Gesetzentwurf zur Regelung älterer staatlicher Renten (Standesherren), der vor einigen Tagen vom Reichsrat verabschiedet worden ist, ist jetzt auch dem Reichstag zugegangen.
Aelkefkenrat des Beichkskages.
VDZ. Berlin. 15 März. (Eig. Meldg). Im Aeltestenrat des Reichsttges einigte man sich darauf, daß der morgige Samstag sitzungsfrei bleiben loll Falls di? erste Lesung des Etats für 1929 heute nicht zu Ende geführt werden kann, soll das am Montag geschehen. Für die zweite und dritte Beratung des Nachtragshaushalts für 1928 sind zwei Tage in Aussicht genommen. Ferner sollen vor der Osterpause noch die Vorlage über die Schichau-Werft, das Baukreditgesetz für 1929, der Notetat und einige kleinere Vorlagen beraten werden. Die Ende der nächsten Woche beginnende Osterpause soll bis zum 16. April dauern.
Politische veleidioungsprozesse.
Nach zweieinhalbstündiger Beratung verurteilte das Schöffengericht Berlin-Mitte den Chefredakteur des deuischnationalen Huggenbergorgans, „Tag", Frhr. v. Medem, und den verantwortlichen Redakteur Flemming wegen Beleidigung des Ministerpräsidenten Brann unter Auferlegung der Kosten, und zwar von Medem zu 600 Mark Ge l d- strafe oder sechs Tagen Gefängnis und Flemming zu 300 Mark Geldstrafe oder drei Tagen Gefängnis. Dem Ministerpräsidenten Braun wurde die Befugnis zugesprochen, den entscheidenden Teil
des Urteils je einmal nach Rechtskraft int „Tag", „Lokalanzeiger", „Berliner Tageblatt", und „Vorwärts" zu veröffentlichen. In der Begründung ührte der Vorsitzende aus, daß die dem Prozeß zugrundeliegenden Ausdrücke in dem betreffenden Artikel des „Tag" zweifellos beleidigender Natur eien und daß das Bewußtsein und die Absicht der Beleidigung gegeben fei. Gegen das Urteil hat der Verteidiger der Angeklagten Berufung eingelegt.
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Das Schöffengericht Berlin-Mitte verurteilte den Herausgeber der anarchistischen Wochenschrift „Die schwarze Fahne", Ernst Friedrich, wegen Beleidigung des Oberpräsidenten Noske zu einem Monat Gefängnis. Friedrich hatte in Besprechung eines Urteils gegen einen Arbeiter, der einem Reichswehrsoldat das Wort „Noske" zu gerufen hatte, in seinem Blatte geschrieben, daß man zu einem notorischen Halunken jetzt nicht mehr Lump oder Schuft, sondern nur „Noske" zu sagen brauche. Wegen der Ausdrücke Lump und Schuft hatte Präsident Noske Strafantrag gestellt.
Die pariser Konferenz.
Die Beratungen der digen.
wtb. Paris, 15. März. (Eig. Meld.) „Excel- sior" berichtet, wenn auch alle Delegierten der Reparationskonferenz über die privaten Besprechungen, die Poung, Morrau, Sir Stamp, Francqui und Pirelli mit dem Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht gehabt hätten, vollkommenes Stillschwegien beobachteten, so scheine es doch nicht zweifelhaft, daß die Diskussion über die Ziffern in eine aktivere Phase getreten sei.
Die Toten der Nheinarmee.
Strafmaßnahmen.
Wie die Havasagentur mitteilt, wird es von den Mitgliedern des französischen Heeresausschusscs, vor dem Kriegsminister Painleve über die Gesundheitsverhältnisse bei der Rheinlandarmee Bericht erstattete, für wahrscheinlich gehalten, daß der Kriegsminister im Laufe der Jnterpellationsdebatte in der Kammer über die Bestrafungen Mitteilungen macht, die Marschall Petain angeregt habe. Möglicherweise werde ein General davon betroffen und verschiedene höhere Offiziere versetzt oder disziplinarisch bestraft werden.
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Ueber die Eesundheitsverhältnisse in der Rheinlandarmee äußerte sich vor dem Heeresausschuß der Kammer Kriegsminister Painleve. Er gab zu, daß am 10. Februar die Lage tragisch geworden sei und einen epidemischen Charakter angenommen hätte. Während int Oktober 1928 9, int November 8, int Dezember 18 und int Januar 1929 40 Todesfälle zu verzeichnen gewesen feien, feien diese int Februar auf 176 gestiegen. Im März habe man bisher 58 Todesfälle festgestellt. Aber auch die französische und deutsche Zivilbevölkerung sei ebenso plötzlich und grausam heimgesucht worden. Das Kriegsministerium und sämtliche verantwortlichen Behörden der Rheinland» armee hätten rechtzeitig alle notwendigen Maßnahmen getroffen. Soweit Verfehlungen einzelner Personen vorliegen, behält sich der Kriegsminister entsprechende Maßnahmen vor.
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wtb. Paris, 15. März. (Eig. Meld.) Journal glaubt zu wissen, Kriegsminister Painleve habe vor dem Heeresausschuß der Kammer bei der gestrigen Beratung über die Ergebnisse der Untersuchung der hohen Zahl der Todesfälle unter dm französischen Besatzungstruppen zugegeben, daß die Tatsache ihn peinlich berührt habe, daß an demselben Abend, an dem einige Soldaten ge- storben waren, int Offizierskasino getanzt. worden sei. Das sei zum mindesten ein Mangel an Takt gewesen. Er habe die Ansicht vertreten, daß gewisse Märsche und Hebungen bei 25 Grad unter Null hätten eingestellt oder abgekürzt werden müssen und daß es unbillig gewesen fei, bei solcher Kälte einen Soldaten zwei Tage lang im Gefängnis zu belassen. Populaire veröffentlicht heute eine Statistik, die die Todesfälle in den einzelnen Garnisonen des Rheinlandes bis zum 5. März aufführt und zu einer Gesamtsumme von 348 gelangt. Petit Parisim glaubt zu wissen, daß der Kriegsminister nicht nur, wie bisher angekündigt, Maßregeln gegen einen General und einige höhere Offiziere ergreifen werde, sondern gegen einen Divisionskommandeur und einen Befehlshaber eines Armeekorps und gegen einen oder mehrere Obersten.
Der Bürgerkrieg in Mexiko.
Reue Erschießungen. — (Ein Erfolg der Rebellen.
wtb. Mexiko, 15 März. (Eig. Meldg.). Vier Offiziere der von General Jesus Aguirre geführ- ten aufständischen Truppen sind in Verra Cruz vom Standgericht abgeurteilt und erschossen worden. Heber 81 Offiziere wurden Gefängnisstrafen verhängt. Jesus Aguirre selbst soll sich in den Bergen von Tehuantepec verborgen halten und auf eine Gelegenheit warten, das Land zu verlassen.
Das Hauptquartier her Aufständischen meldet eine Niederlage der Regierungstrup- pen bei Higueras, wo 280 Mann Regierungs- trupven in Gefangenschaft geraten sind und eine große Menge Waffen erbeutet wurden.
Associadet Preß berichtet ans Mexiko: Die drei Marschkolonnen der Bundesarmee bewegen sich non dem östlichen Teil des Staates Coahnila in der Richtung auf Torreon fort. Calles bat sein Haupt»
Keine Lösung.
Aus dem Reichstag wird uns geschrieben:
Der zur Etatsberatung wieder zujammengetrc- tene Reichstag findet keinerlei Veränderung der politischen Lage vor. Das Verhältnis der Parteien zueinander hat sich nicht gewandelt. Aber auch sachlich hat sich eine Klärung bisher noch nicht voll- zogen, ja sie ist noch nicht einmal in Umrissen zt erkennen. Die Deutsche Dolkspartei hält nach wu vor an ihrer Forderung, daß der neue Etat ohm Steuer auszugleichen ist, fest. Es gibt aber wohl keine einzige Partei, der es nicht ebenso angenehm und erwünscht wäre, wenn jegliche neuen Steuern vermieden würden. Aber die Deutsche Volkspartei hat ja bisher es selbst noch nicht für nötig gehalten, im einzelnen ihre Vorschläge bezüglich bei Einschränkung der Ausgaben bekanntzugeben bis zu einem Punkte, daß jegliche neue Steuer ofcei jegliche Erhöhung schon vorhandener Steuern unnötig wären.
Die noch in der Regierung verbliebene demokratische Partei hat dieser Tage in einer Fraktionssitzung zum Ausdruck gebracht, daß die Aufgabe, den erforderlichen Ausgleich zwischen Einnahmen und Ausgaben des Reiches zu finden, nur durch fachliche Arbeit erreicht werden könne, nicht durch Stellung von Ultimaten, durch die die Deutsche Volkspartei die Durchführung des Programms möglichster Vermeidung von Steuererhöhungen nur gefährdet habe. Derselben Auffafsunc ist schon seit langem das Zentrum, das feinerseit- etn positives Spargwgramm ousgearbeitet hat, da- es, ohne verantwortlich in der gegenwärtigen Regierung vertreten zu fein, mit den leitenden Reichsinstanzen erörtert.
Die Reichsregierung befindet sich bemgegenubei in einer sehr merkwürdigen Lage: Eine ihr zuge- hörende Partei, die Deutsche Volkspartei, nimm Stellung gegen dieselbe Regierung, in der zwei hervorragende Mitglieder der betreffenden Partei sitzen, die dem Etat und den Deckungsvorschlägen zügestimmt haben Andererseits klafft zwischen den Auffassungen der Deutschen Volkspartei als Regie- rungspartei und der Sozialdemokratie, die in dieses Regierung die Führung stellt, gerade hinsichtlich dieser finanzpolitischen Fragen der größte Widerspruch und Gegensatz.
So bleibt der Reichsregierung gannchts anderes übrig, als den Gang der Dinge im Plenum abzuwarten und es darauf ankommen zu lasten, ob die eine oder die andere Koalitionspartet der Regierung solche Schwierigkeiten macht, daß sie sich zu einem entscheidenden Schritt veranlaßt sähe. Doch besteht diese Gefahr im Augenblick nicht, denn keine einzige Partei, weder in der Regierung noch in der Opposition, hat unter den augenblicklichen Verhältnissen ein Interesse an einem Sturz des Kabinetts Müller. Aber die künftige Entwicklung ist doch heute schon ziemlich zu erkennen, daß näm- lich diese gegenwärtige Regierung kaum die Etatsberatung und den Abschluß der Reparationskonse- renz in Paris überdauern wird. Genf ist auch nicht berühmt ausgefallen. Zu den inneren Schwierigkeiten sind auch noch die äußeren gekommen, und all das muß sich irgend wie, sobald es die innere Lage nur erlaubt, auch in der Zusammensetzung der Reichsregierung ausprügcn.
Aber vorOftern wird diese Entscheidung be. stimmt nicht fallen. Eine neue Regierung und wohl auch eine neue Koalition, die nach Ostern bestimmt in die Erscheinung treten werden, dürfte zweifellos ein anderes Gesicht haben, als es gegenwärtig parteipolitisch und parlamentarisch sich bar« bietet. Vor allem wird diese neue Regierung nicht mehr unter der Führung von Muller stehen können. Darüber ist sich die Sozialdemokratie selber klar. Unb auch der Reichsfinanzminister, der gleichfalls nach dem Urteil seiner eigenen Leute die in ihn gesetzten Hoffnungen enttäuscht hat, wird an dieser Stelle nicht wiederkehren.
Die Dinge sind in Fluß, die Entscheidung aber ist aufgeschoben!
quartier nach Frio im Staate Zacatecas verlegt. Frio liegt in der Nähe der Grenze des Staates Durango und etwa 230 Kilomtr. von Torreon ent. fernt. ' Falls die Aufständischen beabsichtigen soll- ten, Torreon nicht ohne Kampf preiszugeben, so mag sich die E i n n a h m e der St a d t als s ch w le. r i g e r erweisen, als man in Regierungskreisen zuversichtlicherweise anzunehmen scheint. Torreon liegt inmitten eines hügeligen Geländes, das sich in hervorragender Weise zur Verteidigung eignet, welkere amerikanische Truppen nach der mexikanl- schen Grenze entsandt.
Eine weitere Abteilung amerikanischer Truppen ist zur Verstärkung der Grenzwache nach Naco im Staate Arizona entsandt worden. Kriegssekretär Good erklärte, es seien keine Berichte über ernstliche Zwischenfälle eingelaufen. Indessen habe man weitere Vorsichtsmaßnahmen für angebracht gehalten, um die Bewohner von Naco und Umgebung zu beruhigen.
Räuberische Ueberfälle in Afghanistan.
wtb. Bessavar, 15. März. (Eig Meld.) Karawanen aus Bessavar und Kabul sind bei Shu- targarban im Jasi-Gebiet vonRäubernüber- fallen und völlig ausgeplündert worden. Syed Hassan ist mit 3000 Mann auf dem Wege nach Ghazni. Dies sieht man als Zeichen für bevorstehende Feindseligkeiten an. Aus Kabul wird gemeldet, daß Bacha-i-Sakao reiche Kaufleute verhaften läßt und große Summen als Lösegeld verlangt.
Grenzzwischenfall zwischen Brasilien und Paragna-.
Aus Afuncien wird gemeldet: Brasilianisch« Soldaten haben von Puerte Malinho aus die para-