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Nr. 63.

Fuldaer Zeitung (Amtliches Nreisdlatt).

Heimat

Fulda, den 14 März 1929

Handelskammer undHaushaltsplan

Au den Gewerbesteuervorschlägen der Stadl Fulda.

Die Vollversammlung der Geschäftsstelle Fulda, der Industrie- und Handelskammer Franksurt-M.- Hanau, die eine der Berufsvertretungen, die vor der Beschlußfassung der städtischen Körperschaften über den Haushaltsplan zu hören sind, hat sich am 8. ds. Mts. mit den vom Magistrat gemachten Vorschläge befaßt. Ihre Stellungnahme lautet folgendermaßen:

In Anbetracht der außerordentlich schwierigen Verhältnisse, die bereits im Jahre 1928 begonnen und sich m verstärktem Maße im Jahre 1929 fort- seßten, bittet die Kammer die städtischen Körper- schaften, im Interesse der Erhaltung bcsteuerungs- sähiger Betriebe bei ihren diesjährigen Beschlüs­sen äußerste Sparsamkeit walten zu lassen, um zu versuchen, die vorgeschlagenen Steuersätze noch ermäßigen zu können, da sie sowohl ihrer Hohe als auch ihrer Einteilung nach, eine außer- okdentliche Belastung darstellen würden. Die Kam- mer verkennt nicht, daß die den Städten in der Nachkriegszeit zugefallenen Aufgaben eine erhöhte Steuereinnahme bedingen. Es darf aber nicht dazu kommen, daß der Wunsch der Erfüllung sämtlicher den Städten gebotener Möglichkeiten zu einer Be- steucrung ohne Rücksichtnahme auf die Leistungs­fähigkeit führt. Wer heute Gelegenheit hat, mit ben Vertretern der Wirtschaft in den kleineren und mittleren Städten zusammen zu kommen, der weiß, welch« niedergedrückte Stimmung über die Lage der Wirtschaft hier herrscht. Die Gründe für diese Notlage sind verschieden. Die Verbundenheit der kleineren Städte und ihrer Wirtschaftskrise mit der Landwirtschaft führt dahin, daß die Not, die in der Landwirtschaft herrscht, sich auch unmittelbar auf die Wirtschaftskreise der kleineren Städte aus­wirkte. Ferner macht sich in immer steigendem Maße der Wettbewerb der Großstadtbetriebe bei den zunehmenden Berkehrsmöglichkeiten für den Handel in den kleineren Sätdten bemerkbar. Hier- zu kommt die Ueberschwemmung der.kleineren Orte durch unsolide Hausierer, die insbesondere durch die Bestimmungen über die Sonntagsruhe geradezu unterstützt werden und dem Händler der kleineren Stadt die Landkundschaft immer mehr nehmen. Die Industrie in unserer Stadt ist mit geringen Aus­nahmen «ine Halbzeugindustrie, die nur in Kon- turreng mit gleichgearteten Betrieben im ganzen Reiche ihren Absatz finden kann und infolgedessen in der Preisstellung sehr beengt ist. Soweit sie Ganzfabrikate herstellt, sind es keine solchen, die einen irgendwie gearteten Monopolcharakter be­sitzen, wie das z. B. bei der erzeugenden Industrie Rheinlands und Westfalens der Fall ist, oder hoch­wertige Preise zu erlangen in der Lage sind, wie etwa bei den Produkten Hanaus. Dazu ist der letzt genannte Teil der Industrie zum überwiegen­den Teil seiner Produktion Export-Industrie und muß somit konkurrieren mit der ganzen Welt und damit auch mit den billigeren Produktionsmög­lichkeiten anderer Industrieländer. Die Art der Steuerverteilung drückt deshalb auf die hiesige In­

dustrie und die größeren Handelsgeschäfte beson­der« schwer. .

Rach dem Gesagten konnte sich deshalb die Kam- mer nicht mit der Höhe und auch nicht mit der Verteilung der Realsteuern einverstanden erklären. Sie schlägt deshalb auf Grund einstimmigen Be­schlusses ihrer Vollversammlung vor, die Lohnsum­mensteuer auf 500 Prozent zu ermäßigen, den hierdurch entstehenden Ausfall dadurch auszuglei­chen, daß eingehend geprüft wird, ob das bei der Gewerbesteuer vom Ertrag eingesetzte Soll in Höhe von 75 000 Rm. nicht eine Erhöhung erfahren kann, da fthr beachtliche Zweifel in den jetzt auf­geführten Betrag gesetzt werden. Ergibt sich aber die Undurchführbarkeit dieses Ausgleichs., so empfiehlt die Kammer die Erhöhung aller der­jenigen Gebühren und Preise, die als von der Allgeineinbeit getragen, eine breitere Vertei­lung der städtischen Lasten ermöglicht.

Nach dem das schon seit langem geforderte Zu­schlagsrecht der Gemeinden — zur Einkommen­steuer — bis jetzt nicht durchgeführt werden konnte, und unter Berücksichtigung der parlamentarischen Lage wohl auch niemals durchgeführt wird, ist es notwendig, daß auf andere Weife wieder wie frü­her der Bürger ganz allgemein an den Geschehnis­sen innerhalb seiner Wohngemeinde interessiert wird. Die heutigen Verhältnisse haben zu einer ge­wissen Entfremdung innerhalb der Einwohnerschaft der Stadt geführt, entsprechend der verschiedenarti­gen Einstellung zu den Wünschen, dem Wollen und dem Können der städtischen Verwaltung. Auf die Dauer muß dieser Zustand sich nicht nur zum Scha­den der Einwohner selbst, sondern auch zum Scha­den einer geregelten Stadtverwaltung auswirken.

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Auf die Vorschläge der.Handelskammer wird zurückzukommen sein, wenn auch die Handwerker­organisation sich geäußert haben wird.

Versetzung.

Landjägermeister Münch ist zum 1. April von Neuhof nach Langenbieber versetzt worden.

Kette Meister.

Vor der hiesigen Mcisterprüfungskommission be­standen ihre Meisterprüfung die Bäcker: Rudolf Fischer, Niederaula, Wilh. Frenke, Hersfeld, Hck. Eigenbrod, Eitra (Kr. Hersfeld), Karl Wagner, Eck- wsisbach (Rhön) Willy Effkemann und Hans Küll- mer, beide in Fulda.

Auf eine 25jährige Tätigkeit

bei der Firma Emaillirwerk AG., Fulda, kann heute der Oberbrenner Jos. Michel aus Neuen­berg zurückblicken. Aus diesem Anlaß wurden dem Jubilar von feiten der Firma und der Arbeiter­schaft sowie von der Handelskammer besondere Ehrungen zuteil.

vom Postamt Fulda

wird uns geschrieben: Vor kurzem erst haben wir uns an dieser Stelle mit einer Klage über das Treiben jugendlicher Personen in unserem Schat- tcrvorraum an die Oefsentlichkeit gewandt. Am letzten Sonntag (10. März) sind von Buben­händen di« Zuleitungsdrähte im Innern des im Schalterraum aufgestellten Münzfernsprechers durchschnitten worden, sodaß die Benutzung des Fernsprechers unmöglich war, nachdem der Münz­fernsprecher erst vor einher Zeit beschädigt wor­den war. Ferner sind le auf den Schreibpul­ten ausliegenden Federhalter entwendet worden.

Wir bitten alle Postbesucher erneut, uns in unseren Bemühungen den gemeinschädlichen, groben Unfug in unserem Schalterraum abzustellen und die Täter der Bestrafung zuzuführen zu unterstützen.

Ungünstige Zahlen für die Gymnasien.

Von allen Schülern der preußischen Knaben­anstalten besuchten nach Angabe der Deutschen Beamtenbund-Korrespondenz die Gymnasien und Progymnasien im Jahre 1903 56 Prozent; 1908 50 Prozent; 1913 44,6 Prozent; 1918 39,3 Proz.; 1923 31,9 Prozent; 1928 26,7 Prozent. Das ist für Preußen ein Rückgang, der Besorgnisse für die Gymnasien erwecken muß. Allen denen, die an der Erhaltung der humanistischen Bildung interessiert sind oder interessiert sein sollten, dürf­ten die Zahlen zeigen, daß die gymnasialen An­stalten vor vermeidbaren Beeinträchtigungen ge­schützt werden müssen.

Oberrealschule und Lakeinunkerrichk.

Die Erfahrung hat ergeben, daß die Lehranf- gaben, wie sie für den wahlfreien lateinischen Un­terricht an den Oberrealschulen vorgesehen sind, in der Obersekunda mit zwei Wochenstunden schwer­lich erreicht werden können. Der preußische Kul­tusminister hat daher angeordnete, daß für den wahlfreien Lateinunterricht an den Oberreal- schulen in der Obersekunda statt der bisherigen zwei, von Ostern 1929 an drei Wochenstun- d e n anzuseben sind. Eine Neuregelung der Er­gänzungsprüfung im Lateinischen bleibt Vorbehal­ten.

Institut $f. Mariä der Englischen Fräulein.

Am 12. und 13. März fand die Abschlußprüfung der Höheren- und Clementaren-Handelsschule statt. Alle Schülerinnen, die sich der Prüfung unter­zogen, haben bestanden. Vier Schülerinnen der Höheren Handelsschule konnte die Mittlere Reise erteilt werden. Das Resultat der Prüfung ist recht befriedigend. Von den Schülerinnen der Hö­heren Handelsschule haben 4 mit „sehr gut", 5 mit „gut", von der Elementaren Handelsschule eine mit „sehr gut" und 9 mit „gut" bestanden.

Gaswerk und Unfallverhütung.

Das Gaswerk Fulda hat folgende Maßnahmen zur Verhütung von Unfällen ergriffen: 1. Turnus­mäßige (Überprüfung des gesamten Rohrnetzes und der Easverbrauchsaeräte nach Bedarf. Neueste Apparate sind beschafft. 2. Schnellste und kosten­lose Hilfe bei Easgeruchsmeldunaen. Kraftwagen steht zur Verfügung, daneben Sauerstoffapparat und Atemmasken 3. Auftlärungsvorträge. 4. Be­lehrung der Jugend in den Schulen. Das Material dazu stellt das Gaswerk kostenlos zur Verfügung 5. Fortlaufende Veröffentlichung von Hinweisen und aufklärenden Abhandlungen in der Zeitung des Gaswerks. 6. Tätigkeit des Hausdienstes, der auf Fernruf oder schriftliche Anforderung kostenlos eine Ueberprüfung der vorhandenen Haushaltungs- geröte vornimmt, sie in Ordnung bringt oder letz­teres veranlaßt.

Verlängerung des Lebensmittelnokstandskarifs.

Auf Antrag des Reichsministeriums für Ernäh­rung und Landwirtschaft ist die Gültigkeitsdauer des Lebensmittelnotstandstarifes für Getreide, Hül- fenfrüdjte, Mühlenerzeugnisse, frische Feld- und Gartenfrüchte, ferner Oelfrüchte und Oelsaaten, frische Moorrüben und Karotten sowie Kohlrüben zur Verwendung im Deutschen Reiche sowie des Kartoffelausnahmetarifs für frische Kartoffeln zur

Freitag, 15. März 1929.

Verwendung im Deutschen Reiche, für getrocknete oder gedörrte Kartoffeln zur Futterzwecken und für frische Kartoffeln zur Ausfuhr bis zum 30. Sept.

1929 verlängert worden.

Osterpaketverkehr.

Die Deutsche Reichspost bittet, zur Vermeidung von Anhäufungen und Verzögerungen die Oster- pakete nicht erst kurz vor dem Fest aufzuliesern, sie gut zu verpacken, die Aufschrift haltbar zu befestigen und den Bestimmungsort unter nähe­rer Bezeichnung seiner Lage besonders groß und kräftig niederzuschreiben. Auf dem Paket soll die vollständige Anschrift des Absenders angegeoen und in das Paket ein Doppel der Aufschrlft ge­legt werden. Auch Päckchen sind recht haltbar zu verpacken und zu verschnüren, Hohlräume in ihnen mit Holzwolle usw. auszufüllen, damit die Sen­dungen nicht eingedrückt werden können. Die.deut- liche Bezeichnung „Briefpäckchen" oder „Päckchen" darf nicht fehlen.

Dom Reifen und wandern.

Man schreibt uns:

„Wonnig ist's an Frühlingstagen, noch b-m Wanderstab zu greifen, und den Blumenstrauß am Hute, Gottes Garten zu durchschweifen", so singt Friedrich Wilh. Weber in seinen „Dreizehnlinden .

Jetzt kommt „nach des Winters langen Schmer- zen"wieder die Zeit für das Reisen und Wandern; man braucht dazu keinen wohlgefüllten Geldbeutel, wir insbesondere nicht, die wir eines der schönsten deutschen Gebirge, die Rhön, vor der Nase liegen haben, es genügen etwas Frohsinn und wenige

5ln die jugendlichen kaih. Arbeiter

von Fulda und Umgebung.

Wie gestern schon der Diözcsanpräses der katho­lischen Iungmännervereine in der Fuldaer Zeitune bekannt machte, ist nächsten Sonntag in Fuloo eine Tagung für die gesamte katholische Fndustrie- jugend. Ein erfahrener Führer der katholischen werktätigen Fugend Westdeutschlands, David Gathen, will zur katholischen Industriejugend sprechen über ihre Sendung und ihren Beruf, ihr Wirken an der Arbeitsstätte zum Neubau unseres Bolkes, ihre Mitwirkung im deutschen Bolksstaat. Zu dieser Tagung am Sonntag möchte ich hiermit alle unverheirateten jugendlichen Mitglieder der katholischen Arbeitervereine herz­lichst einladen. Beginn 9.30 Uhr und nach der Mittagspause um 2 Uhr.

Als Tagungslokal ist der

Bürgerverein bestimmt worden, da die Harmonie 5 .r-reitig besetzt ist.

Zu der Tagung am Montag, in diesem Falle tn der Harmonie vormittags und nachmükegs, sind besonders die Präsides und verheirateten Arbeite» fülltet herzlichst emgeladen.

Der Diözesanpräses der kath. Arbeitervereinen R u e z.

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