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M 65.

Freitag, ven 15. März 1929.

Das slrbeiterparadies Australien.

Von Hermann Wilhelm R e u tz - Berlin.

Australien ist schon oft als der „soziale Erd- jeil" oder als das „Arbeiterparadies" der Welt lezeichnet worden.

Diese schmückenden Beiworte verdankt es der hochentwickelten und zielbewußten Sozialpolitik, die son der mächtigen australischen Arbeiterpartei seit langem verfolgt und immer weitgehender durchge- fctzt wird.

Die Arbeiterschaft Australiens ist in gewerk­schaftsähnlichen Vereinigungen, den sogenannten „Trabe Unions", fest zusommengeschlossen und hat im australischen Bundesparlament und in den Parlamenten der Cinzelstaaten eine oft ausschlag­gebende politische Bedeutung. Diese politische Macht hat die Arbeiterpartei Australiens geschickt auszu­nutzen verstanden und eine „Fülle von Sckutz- und Fürsorgegesetzen geschaffen, die schon längst auf dem Jnselkvntinent galten, als in den anderen Erd­teilen davon noch nichts vorhanden war oder erst hier und da sich geringfügige Verbesserungen auf sozialem Gebiete zeigten" (so mit Recht Albin Arno Müller in H. Harms „Erdkrmde in entwickelnder, anschaulicher Darstellung", 3. Band, 4. Teil: Au­stralien, Ozeanien und Antarktis", Verlag List und von Bessendorf, Leipzig).

Die starke politische Initiative der australischen Arbeiterschaft hat es vortrefflich verstanden, jedem australischen Arbeiter ein gut bürgerliches, aus­kömmliches Dasein zu garantieren und die nied­rigste Armut proletarischen Massentiesstandes ans Australien fernzuhalten. So verdient zum Beispiel (nach „Die Staaten der Welt in d«r Perspektive der Statistik" 1928, Verlag Carl Gerolds Sohn. Wien-Leipzig) ein a u st r a l i s ch e r Maurer in 48 Stunden (also in einer Arbeitswoche bei täglich achtstündiger Arbeitszeit in Reichsmark umgerech­net: 125,60 Mark; ein Dreher in derselben Zeit: 116,60 Mark, ein Möbeltischler: 113,04 Mark, ein Maschinensetzer 137,74 Mark und ein ungelernter gewerblicher Hilfsarbeiter 97,76 Mark. In Deutsch­land verdienen dagegen (auf 48 Stunden berechnet) durchschnittlich ein Maurer 60,48 Mark, ein Dreher 50,10 Mark, ein Möbeltischler 53,28 Mark, ein Ma­schinensetzer 61,80 Mark und ein ungelernter ge­werblicher Hilfsarbeiter 38,50 Mark. Man sieht: die australischen Löhne sind mehr als doppelt so hoch wie die entsprechenden Löhne in Deutschland. Und dabei sind die Kleinhandelspreise für Lebens­rnittel in Australien kaum höher als in Deutsch­land: 1 Kilogr. Weizenmehl kostet in Australien 43,3 Pfg. (in deutscher Währung umgerechnet), in Deutschland durchschnittlich 58 Pfg, 1 Kilogr. Kar­toffel in Australien allerdings 47,5 Pfg. gegen normal 13 Pfg. bei uns, ebenso 1 Liter Milch in Australien 78 Pfg. gegen 28 Pfg. bei uns, 1 Kilogr. frische Butter 4,43 Mark in Australien, etwa 4 Mark in Deutschland, 1 Kilogr. Rindfleisch in Au­stralien 1,17 Mark gegen etwa 2,20 in Deutsch­land usw. Alles in allem: die Lebensbedingungen des australischen Arbeiters sind ungewöhnlich gün­stig. Das wird auch von allen Sachkennern unum­wunden zugegeben; so sagt z. B. Prof. Dr. Paul Hambruch von der Universität Hamburg: „Nir­

gendwo werden so hohe Löhne gezahlt, nirgendwo sind die Lebensverhältnisse, ist die Versorgung bis m das Alter hinein fo ins Kleinste geordnet und geregelt wie hier. Wohl in keinem Lande der Erde ist soviel an sozialer Fürsorge für die All­gemeinheit getan und geschaffen worden. Dem Un­terrichtswesen in den Staatsschulen, gewerblichen Fachschulen für beide Geschlechter, Fortbildungsmög­lichkeiten, Universitäten, Alters- und Invaliden­versorgung, Kranken- und Wöchnerinnenfürsorge u. a. m. wird die allergrößte Beachtung geschenkt (so Hambruch in Serbing „Das Erdbild dec Ge­genwart, 2. Bd. Leipzig 1927, Verlag List und von Bressendorf).

Die australischen Arbeiter sind sich dieser beson­deren Gunst ihrer sozialen Lage auch voll bewußt und wachen eifersüchtig über ihren Lebensstandard. Vor allem suchen sie das Angebot an arbeitswilli­gen Händen immer möglichst niedrig zu halten und wehren jeden Zuzug von außerhalb argwöhnisch ab. Besonders gegen die gelben Völker wehren sie sich, unter denen sie insbesondere den fleißigen, billigen und bedürfnislosen Chinesen als „Lohndrük- ker" fürchten. Aber selbst ihre stammesverwandten Engländer wünschen sie nicht in die industriellen „Arbeiterbataillone" einzureihen; allenfalls an Landarbeitern erklären sie ihren Bedarf.

Fuldaer Zeitung

Zur Agrarzoll-Politik.

Von Dr. Drees, Osnabrück, M. b. R.

S. Blatt.

4-*-* Druck der Fuldaer Actieudruckerel, Fulda.

Die Lage der deutschen Landwirtschaft ist nach wie vor trostlos. Die wachsende Verschuldung, die inzwischen eine Höhe von 12—13 Milliarden ein­schließlich 2,5 Milliarden Aufwertungsschulden und 2 Milliarden Rentenbank-Grundschulden erreicht haben dürfte, ist der beste Gradmesser. Alle Schlüsse, die in jüngster Zeit aus Statistiken ge­zogen sind, wonach die Verschuldung und damit die wirtschaftliche Not im bäuerlichen Westen nicht so groß sei als im Osten, sind offenbar Trugschlüsse. Die Gründe dafür, daß die Verschuldung im bäu­erlichen Westen nach der Statistik geringer ist, lie­gen darin, daß einmal die Schulden in kleinbäuer­lichen Betrieben statistisch viel schwieriger und un­genauer erfaßt werden und daß zum zweiten sich die Verschuldung der Familienbetriebe erst nach Jahren voll und ganz auswirkt, weil in den bäuer­lichen Betrieben, in denen infolge Mitarbeit der Kinder Lohnausgaben erspart werden, dieser er­sparte Lohn erst nach Jahren in Form der Aus­steuer und Abfindung als Lohn für die unentgelt­lich geleistete Arbeit zahlbar wird.

Der Grund für diese wirtschaftliche D.presgon liegt darin, daß auf der einen Seite die Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse ab Hof mit der allgemeinen Teuerung nicht mitgegangen sind, während auf der anderen Seite die Ausgaben, insbesondere für Löhne, Steuern und Versiche­rungsbeiträge um mehrere 100 Prozent über den allgemeinen Teuerungs-Index hinausgehen.

Wenn man von den zeitweise sehr niedngen Schweinepreisen, die auf ein innerdeutsches lieber* angebot zurückzuführen waren, absieht, liegt der allgemeine niedrige Preisstand der landwirtschaft­lichen Erzeugnisse darin begründet, daß der deut­sche Absatzmarkt neben der großen Einfuhr -*'£> ländischer landwirtschaftlicher Erzeugnisse sur die eigenen deutschen Erzeugnisse nicht voll aufnahme­fähig ist. Die ganze Agrarkrise ist zu sehen unter dem Gesichtswinkel des Kampfes um den deutschen Absatzmarkt. Gegenüber der Vorkriegszeit hat sich das Verhältnis von Angebot und Nachfrage auf dem Weltmärkte grundlegend verschoben. Der Rückgang der landwirtschaftlichen Produktion in

«acholische weit.

— Der Heilige Safer an die deutschen Katholiken. Auf das Telegramm des Fürsten Löwenstein an den Heiligen Vater anläßlich der Versammlung zur Eröff­nung der Vorbereitungsarbeiten für den 68. deutschen Katholikentag in Freiburg im Breisgau hat der Kardi­nalstaatssekretär dem Fürsten Löwenstein folgende Ant­wort zukommen lassen: „Fürst Löwenstein-Freiburg i. B Der Heilige Vater hat den Ausdruck kindlicher Treue der deutschen Katholiken gegen die römische Kirche mit leb- baftem Wohlgefallen entgegengenommen und sendet ihnen Seinen besonderen Segen zur Erlangung reicher himm­lischer Gnaden. Kardinal Gasparri."

= Tß. (Korbinian Wirz-Ilbenstadt f. Im St. Vinzenz krankenhaus in Hanau starb an den Folgen einer Darm Operation, der er sich nach einer plötzlichen Erkrankung In Groß-Krotzenburg, wo er eine Religiöse Woche leitete unterzogen hatte, der bekannte Benediktinerpater Cor bmian Wirz.

— Der neue Trierer Domkanonikus. Anstelle do zum Bischof von Hildesheim ernannten Seminarregen- Dr. Bares ist der Pfarrer Schommer von Püttlin gen zum Kanonikus im hohen Dome in Trier ausersehen.

LandwlrtschÜftliches.

— Zenkralgenossenschaft für Obst- und Gemüseversor- gung. Die seit langem angestrebte Zentralaenossenschast für Obst- und Gemüseverwertung ist am Dienstag mit dem Sitz in Frankfurt a. M. gegründet worden. In den Vorstand wurden Direktor Fleimer von der Raiff­eisen-Genossenschaft Frankfurt a. M„ Direktor Straßbur­ger von der Zentralgenossenschaft Darmstadt und Obst­bauinspektor Lange in Frankfurt a. M. gewählt. Die Genossenschaft wird alle Obstbauvereine in Nassau und Hessen umfassen. Es sollen weniger, aber gute Obstsorten gebaut werden, in allen obstbauenden Gegen­den sollen Sammel- und Packerftellen gegründet werden, wo das Obst sortiert und fachmännisch verpackt wird, und ein Ausgleich bei der Obstversorgung herbeigeführt werden.

Die Einführung des neuen Bischofs in Hildesheim.

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Der neue Bischof Dr. Bares segnet die Gläubigen.

Unter großen Feierlichkeiten, an denen sich auch die Regierung beteiligte, fand in Hildesheim die Einführung des neuen Bischofs Dr. Nik. Bares, der in Trier die Bischofsweihe empfing, stau.

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