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Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Jlr 60.

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Dienstag, 12. Alärz 1929.

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Sb.Zahrg.

„Die Niederlage".

Der Ausgang der Aussprache über die Minder- jeitenfrage in Genf, die bekanntlich nach den lei- Enschaftlichen Anklagen des polnischen Außenmini- ters Aalcski gegen den Deutschen Volksbund in )stoberfchlesien durch den deutschen Außenminister )r. Stresemann auf der vorigen Ratstagung in Zugano angeregt worden ist, hat naturgemäß, da >er deutschen Politik ein Erfolg versagt geblieben st, alle Gegner Streseymnns mobil gemacht, um eine Stellung im Reich zu erschüttern. Wir stehen »er Person Stresemanns und seiner Außenpolitik iurchaus objektiv gegenüber, haben weder inen Grund, ihn zu verfolgen, noch chn zu lieben, lber wenn man den deutschen Außenminister kriti. ieren oder gar ihn zum Abgang zwingen oilL so scheint uns sein Verhalten in der Min- »eryeitenfrage dazu kein Anlaß zu sein. Schwer» ich dürfte es einen Politiker in Deutschland geben, ler in Genf mehr erreicht hätte als Stresemann etzt tatsächlich erreicht hat. Denn es gibt nur ganz o'emge Mitglieder des Völkerbundrates, die inner« ich der deutschen Auffassung zustimmten und noch ^ringer ist die Zahl derjenigen, die das auch of- en zum Ausdruck bringen. Unterstützung konnte Dr. Stresemann nur bei den Vertretern Kanadas md Finnlands erwarten. Dagegen standen in der front gegen Stresemann außer Polen die kleine Entente, dazu England, Frankreich, Italien, Spa­lien und Brasilierl. Sie alle sind in irgendeiner Verse daran interessiert, daß sich die politische und ülturelle Fürsorge für die nationalen Minderhei­en nicht zu einer großen Sache des Völkerbun- »es aus wächst, sie alle müssen aus na heliegenden grünt)en Voriorge dagegen treffen, daß die Mm- wrheiten irgendwie in ihrem nationalen Selbstbe- vußtsein gestärkt werden. Auch der deutschnatio» täte Abg. v. Freytag-Loringhoven, bers in der Samstag-Nummer des Hugenbergschen^^ag" wie- >er einmal eine scharfe Lanze gegen den von ihm ehr gehaßten Stresemann reitete, würde wahr- cheinlich froh sein müssen, wenn er in Genf bei »en von ihm beliebten Diskussionsmethoden so ge­sirrt würde, wie Stresemann. Allerdings, v. Frey- ag-Loringhoven lehnt den Völkerbund ab. Er teht damit aber auch auf einem ganz anderen poli- ischen Boden als Stresemann, so daß er naturge­mäß zu einer fruchtbaren Diskussion mit Strese- nann gar nicht kommen kann. Deutschland ist Nitglied des Völkerbundes, obwohl es weiß, >aß diese Organisation nach wie vor ein Instru­ment des Versailler Friedensvertrages ist. Ein Zustand, der durch die Unselbständigkeit der Cham, ierlainschen Außenpolitik in den letzten Jahren be- onders deutlich in die Erscheinung getreten ist. dieser Sachverhalt muß im Auge behalten werden, »ernt man einen richtigen Maßstab für die Bcur- leilung der Minderheitendebatten in Genf und den Erfolg Stresemann finden will. Es ist sehr leicht, Niederlagen zu konstruieren, wenn man Willkür- ich voraussetzt, daß sich Stresemann weitgesteckte Ziele vorausgesetzt hätte. Aber folcf>e Annahme ist eben unberechtigt, schon die ganze Art und Weise, bis Stresemann durch seinen Antrag und durch leine Rede das Minoritätenproblem angefaßt hat, läßt deutlich erkennen, daß ihm vor allem daran lag, daß die Minoritätenfrage zu einer besonderen Aufgabe des Völkerbundes würde, und dieses Ziel hat er in einem hohen Maße erreicht. Zum mindesten dürfte der polnische Außenminister Za- leski über die Zweckmäßigkeit seiner Anklagerede In Lugano heute eine andere Auffassung haben, Us er sie damals offenbar gehabt hat.

Cs ist also falsch, von einer „Niederlage" Stresemanns zu sprechen, wenn wir auch zugeben müssen, daß der Fortschritt, der in Genf erzielt worden ist, wiederum klar erkennen läßt, daß man ter deutschen Anregung nur ungern entgegen» gekommen ist. Ein Abschluß des Minoritä^n- kampfes ist nicht gesunden worden, auch nicht in ter Form, wie manche Kritiker sagen, eines „Be- Mbnisses 1. Klasse". Die Bewegung bleibt in Fluß. Das Ergebnis besteht bekanntlich darin, «ß eine Dreier- K ommifsi on eingerichtet wurde, aus dem japanischen und spanischen Bot- schafter in Paris und dem englischen Außenmini- iter Chamberlain, die bis zur Junisession des VA- terbunürates, die, was am Samstag in der Schluß­sitzung noch beschlossen worden ist, in Spanien ltattfinden wird, einen Bericht über die Tragweite )er deutschen und kanadischen Anträge ausarbei- !en soll, wobei alle auf der jetzigen Ratstagung gemachten Ausführungen berücksichtigt werden sol­len. Außerdem kann die Kommission von den durch Ninderheitenschutzverträge gebundenen Staaten 'dazu gehört auch die Türkei, die allerdings nicht Mitglied des Völkerbundes ist), sowie von allen ruderen Mitgliedern des Völkerbundes bis zum 15. April 1929 Eingaben entgegennehmen. Die erste Prüfung dieses Berichtes erfolgt durch den Völkec- bunbrat, der sich zu diesem besonderen Zweck als „Komitee" konstituiert und vor Beginn der nächsten Ratstagung zusammentritt.

Das Unbefriedigende an dieser Lösung ist die Zusammensetzung des Dreier- Ausschusses. Er 'st den deutschen Anträgen ungünstig gestimmt. Aber sein Bericht wird veröffentlicht werden und steht also auch unter der Kritik der Oeffentlichkeit. Der Auftrag an die Dreierkommission ist sehr weit gefaßt, so daß die Möglichkeit einer umfassenden and allseitigen Prüfung besteht. Eine grundsätz­liche Aeußerung des Völkerbundrates über das Minderheitenproblem liegt bisher nicht vor, wenn man nicht in der Art der Zusammensetzung der Dreierkommission schon ein gewisses gefühlsmäßi­ges Vorurteil erkennen will. Das aber kann ge­legt werden, daß auch die von dem Brasilianer Mello Franco vor einigen Jahren vorgebraüite Assimilationstheorie im Völkerbundrat keinen aus­reichenden Boden mehr besitzt. Stresemann hat Itos jedenfalls ausdrücklich feststellen können.

Feierliche Empfänge in Rom.

Das diplomatische Korps zur Lösung der Komischen Frage. — Das nächste Konsistorium. — (Eine Kede Mussolinis.

Am Samstag empfing in feierlichster Form der Heilige Vater die Botschafter und Missionschefs. Der Papst, der aus dem Throne saß, erklärte sich äußerst glücklich, das diplomatische Korps unter diesen Umstanden empfangen zu können und sagte, daß das die angenehmste und glücklichste Audienz sei, die er jemals erteilt habe. Er dankte dann den Botschaftern und Missionschefs dafür, daß sie die Mitteilungen des Kardinalstaatssekretärs zur Lö­sung der römischen Frage ihren Regierungen ge­treu wiedergegeben und so dazu beigetragen hätten, die öffentliche Meinung in der ganzen Welt für diese Lösung einzunehmen. Alsdann kam der Papst auf die Garantien für den Bestand des neu­geschaffenen Staates zu sprechen, die von verschie­denen Seiten verlangt worden seien und führte aus, es gäbe zweierlei Garantien, rechtliche und moralische. Die rechtlichen Garantien setz­ten voraus, daß es einen Feind gebe, gegen den sie gerichtet werden. Ein solcher Feind sei aber nicht vorhanden. Der Papst hoffe und baue auf die Loyalität und den guten Willen derjenigen, die selbst die Verhandlungen mit dem Heiligen Stuhl eingeleitet und den Vertrag abgeschlossen hätten. Ferner setzten die rechtlichen Garantien auch einen Schutz voraus. Wer aber Schützling von jemand sei, der würde leicht zum Knecht des Betreffenden werden. Deswegen habe der Heilige Stuhl auf diese rechtlichen Garantien verzichtet unb baue auf die moralischen Garantien. Diese moralischen Ga­rantien könne man erblicken einmal in der An­wesenheit so vieler diplomatischer Vertreter beim Heiligen Stuhl und anderseits in der Art, wie die Welt ben Vertrag ausgenommen habe. Sei doch die allgemeine Freude über die Aussöhnung eine Art Plebiszit der ganzen Welt gemeßen. Zum Schluß sprach der Papst den Erschienenen nochmals den Dank aus. •

Im Namen der beim Heiligen Stuhl beglaubig­ten diplomatischen Vertreter sprach der Doyen, der brasilianische Botschafter Magalhaes de Aze - rebo, zunächst seinen Dank für die vor der Unter­zeichnung der Lateran-Verträge erfolgte . Infor­mierung des diplomatischen Korps durch den Kar­dinalstaatssekretär aus und erinnerte bann an das Leben der vier Päpste, die so schwer unter den Verhältnissen, wie sie bis zum Lateran-Vertrag bestanden, gelitten hätten.

Der Botschafter hob weiter hervor, daß der Gedanke der Souveränität des Papstes auch in der Zeit der frei­mütigen Gefangenschaft im Vatikan niemals wirklich be­stritten werden konnte. Das dauernde Vorhandensein beim Heiligen Stuhl beglaubigter diplomatischer Ver­treter lege davon genügend Zeugnis ab. Der Botschaf­ter erinnerte u. a. auch daran, daß Bismarck in einem berühmten Dokument sich an den großen Papst Leo XIII. mit der Anrede „Sire" gewandt habe, womit er seine Auffassung über die Stellung des Papstes zur Genüge dargetan habe.

Wir sind der Auffassung, daß dieses kleine Fleckchen Territorium, womit Eure Heiligkeit durch einen Akt aus­gesuchten Edelsinns, aber auch höchster Weisheit, sich zufriedengegeben haben, nur zu dem Zwecke, ein reales und sichtbares Siegel der Unabhängigkeit festzulegen, nicht der erhabenen Würde der durch Jahr­hunderte geheiligten moralischen Unabhängigkeit des Hl. Stuhles fehlen durfte, und wir betrachten es wie einen gemeinsamen Herd, wo alle Katholiken sich im­mer zu Hause fühlen werden, weil hier das Haus des gemeinsamen Vaters ist, dessen Sorge und Zärtlichkeit über die Grenzen hinausgehen und mit aufmerksamer und unparteiischer Mühewaltung die seelischen Bedürf­nisse und gerechten Bestrebungen aller Völ­ker aufnehmen. Und wir sagen mit Eurer Heiligkeit, daß dieses Fleckchen Erde materiell zwar klein, aber geistig unendlich groß ist, weil es einzigartige Schätze der Welt in sich schließt und weil es die wahre Heimat der Seelen ist, ein Leuchtturm, ein Asyl, ein An­ziehungszentrum für hunderte Millionen Seelen.

„Mit auftichtiger Freude für den Heiligen Stuhl und für Italien", so schloß der Botschafter seines Ansprache, „begrüßen wir daher das Werk, das nunmehr verwirk­licht wurde aus dem einmütigen Willen Ihrer Heiligkeit, Seiner Majestät des Königs Viktor Emanuel und des hervorragenden Regierungschefs Benito Mussolini. In dem Ausdruck unserer verehrungsvollen Huldigung er­neuern wir die Glückwünsche unserer Regierungen und wünschen mit ihnen aus ganzer Seele, daß die nun be­ginnende neue Aera nur fruchtbare Taten für die Kirche und Tage des Friedens für alle Völker bringen möge."

Die Rebe bes Botschafters ist bie erste Gelegen­heit seit 1870, wo ber Name bes italienischen Königs bei einer päpstlichen Funktion offiziell ge­nannt würbe.

Die Kardinale werben in einer Mb reffe ihre Zu­stimmung zu ben Lateranverträgen zum Ausdruck bringen.

Blätterme!dungen zufolge verlautet in vatikani­schen Kreisen, baß bas Konsi storiu m, dessen Einberufung als bevorstehend angegeben wurde, nicht vor Juni b. Js. ab gehalten werden wird, unb zwar nach dem Austausch der Ratifikationsurkun­den zwischen Italien und dem Vatikan.

Zeitungsmeldungen zufolge werden anläßlich der Errichtung des neuen vatikanischen Staates auch goldene, silberne unb Bronzemünzen

geprägt werben. Die Münzen werben auf ber Vorderseite mit ber Büste bes Papstes, auf ber Kehrseite mit dem päpstlichen Wappen, dem Cmis- stonsdatum unb dem Datum des Pontifikates ver­sehen werden. Voraussichtlich wird bie Frage ber Münzprägung ben Gegenstand weiterer Abma­chungen bilben. Die Frage ber Emission von vati­kanischen Banknoten soll erst zu einem späteren Zeitpunkt, wahrscheinlich bei ber eventuellen Er­richtung einer Bank, geprüft werden.

Die römische Presse spricht bie Vermutung aus, baß ber Papst Christi-Himmelfahrt sich erstmalig zu einem feierlichen Pontifikalamt nachdem La­teran begibt. Diese Mutmaßung erscheint wahr- scheinlich, weil an diesem hohen Festtage dem Ge­brauch o o r 18 7 0 gemäß ber Papst in seiner Bischofskirche einem Pontifikalhochamt assistierte unb nach bemfelben von ber äußeren Loggia ber Erzbasilika ben Segen, oerbunben mit einem voll­kommenen Ablaß, zu erteilen pflegte. Die Rati­fizierung ber Lateranverträge wirb in ben e r ft en Tagen bes Ma i erwartet. Somit ist bas Hin­dernis für bas Verlassen bes Vatikans durch ben Papst alsbann beseitigt. .

Mussolinis Fünfjahr-Feier.

Mussolini eröffnete in ber königlichen Oper die erste Fünfjahrfeier des fascistischen Regimes, zu ber bie gesamte Regierung, ber Fascistische Große Rat, alle hohen Offiziere unb leitenben Staats- unb Gemeinbebeamten erschienen waren, während bie großen Organisationen bes Laubes wenigstens durch Vertreter repräsentiert wurden. Im ganzen waren etwa 4000 Personen anwesend. Musso­lini gab tn seiner Ansprache einen Ueberblick über die bisherigen Leistungen des fascistischen Sy­stems, wobei er noch einmal scharf die Grenze gegen den Sozialismus sowohl wie ge­gen ben Liberalismus zog. Wie ebenfalls schon bei früheren Anlässen verwahrte er sich gegen den Vorwurf des Anti-Faseismus, daß die zum Schutz des Staates und des Regimes getroffenen Sondermaßnahmen etwas anderes gewesen seien als streng, aber gerecht. Bemerkenswert ist die Ankündigung, daß nicht beabsichtigt sei, die Gesetze zum Schutz des Staates beim Ablauf ihrer Eül- tigkeitsftist zu erneuern, ja, daß die Regierung bereit sei, sie vorzeitig außer Kraft zu setzen, falls ber Anti-Faseismus, soweit ein solcher in Italien noch lebe, sich mit den unwiderruflich gegebenen Tatsachen abfinde.

Zur auswärtigen Politik erklärte Mus­solini: Die großen Richtlinien der italienischen aus­wärtigen Politik hätten sich nicht geändert und könnten sich auch nicht ändern, es sei denn, daß unvorhersehbare Ereignisse eintreten. Des weite­ren wandte sich Mussolini mit großem Nachdruck gegen diejenigen, die das Schreckgespenst des italie­nischen Imperialismus und Militaris­mus an die Wand malen. Man müsse daran er­innern, daß Italien seine Militärausgaben im Rah­men des strikt Notwendigen halte, daß es obendrein mit seinem wirtschaftlichen Wiederaufbau und sei­ner großen Aufgabe, in einer neuen Zivilisation die Synthese zwischen dem Ueberkommen und dem Neuzeitlichen, zwischen Fortschritt und Glauben, zu schaffen, vollauf beschäftigt sei. Italien, so sehr es auch gewappnet sei, in allen Teilen der Welt seine Interessen zu verteidigen, habe kein Ver­langen, den Frieden zu stören.

Zur Versöhnung zwischen Italien und dem Heiligen Stuhl führte Mufsolini dann u. a. aus: Das italienische Volk hat einen Glau­ben; es ist gläubig, es ist katho li s ch. Italien ge­nießt das einzigartige Vorrecht, seit 2000 Jahren ben Mittelpunkt der katholischen Religion beherber- . gen zu dürfen. Es sei keinem bloßen Zufall zu verdanken, daß diese Religion Rom zur Geburts­stätte habe, von Rom aus sich ausgebreitet habe, von Rom aus sich noch ausbreite. Das Römische Reich sei das historische Fundament zunächst des Christentums, dann des Katholizismus gewesen. Nachdem Mussolini daun auf die Ereignisse von 1870 eingegangen war, die er als historische Not­wendigkeit bezeichnete, wandte er sich den Lateran- Abkommen zu, durch die der bedenkliche Zwist, der seit 1870 die Gewissensruhe aller Italiener gestört habe, beseitigt worden sei. Nunmehr sei zwischen Italien und dem Heiligen Stuhl eine Atmosphäre nicht ber Verwirrung und der Heuchelei, sondern ber reinlichen Scheidung und der Loya­lität geschaffen. Nur unter der Herrschaft eines Konkordats lasse sich eine normale, logische und wohltuende Trennung zwischen Kirche und Staat verwirklichen, d. h. die Unter­scheidung und Begrenzung dessen, was jedem der Beiden zukommt und was ihm an Aufgaben auf« erlegt ist, so daß jeder seine Rechte, seine Pflichten, die ihm zukommende Macht und ein abgegrenztes Tätigkeitsgebiet besitzt. Nur unter dieser Voraus­setzung sei es möglich, auf gewissen Aufgaben­gebieten eine Zusammenarbeit von souveräner Macht zu souveräner Macht herbeizuführen.

* 3nm 25jährigen Amtsjnbiläum des Ober! ür- germeisiers Dr. Belian-Eilenburg, des Präsidenten des Reichsstäbtebundes, hatte Reichspräsident von Hindenburg in einem persönlichen Telegramm seine herzlichsten Glückwünsche übermittelt, ebenso bie preußischen Minister Dr. Höpker-Aschoff unb Dr. Schreiber. Bei einem Festakt in Eilenburg über­brachte Regierungspräsident Dr. Erützner bie Grüße und Wünsche der preußischen Staatsregie­

rung. Er betonte besonders die Verdienste Belians um die Durchsetzung der Selbstverwaltung der mittleren Städte. Den Glückwunsch des Reichs- ftäbtebunbes brachte ber geschäftsführenbe Vor­sitzende Dr. Häkel. Unter Belians Führung habe ber Gedanke, daß die mittleren Städte berufen feien, als Bindeglied und kultureller Mitt­ler zwischen den Großstädten und den Land­gemeinden zu dienen, ungeahnte Fortschritte

gemacht. Aus kleinsten Anfängen sei ber Reichs- ftäbtebunb zu einer Korporation von heute 1518 Stäbten mit 9,4 Millionen Einwohnern emporge- wachsen. Auch ohne Veränderung in ber Ver­fassung hätten sich, dank ber Arbeit Belians, bie mittleren Städte die Stellung errungen, die ihnen zukomme. —

* Französisch-italienische Luftverkehrsvereinba- rungen. (Eig. Meld.) Havas meldet aus Turin, daß der ftanzösische Luftfahrtminister Laurent Ey- nac und ber italienische Staatssekretär für Luft­fahrt Balbo dort ein französisch-italienisches Ab­kommen über die französisch-italienischen Lustver­bindungen im Mittelmeer unterzeichnet haben.

Kundgebungen.

Die Berliner Kommunisten veranstalteten am Sonntag im Zirkus Busch eine große antt- fafzistische Kundgebung, die sich ohne ernstere Zwischenfälle beim An- und Abmarfch und während ber Kundgebung adgewickett hat. Um allen Möglichkeiten zu begegnen, war der Lust­garten in weitem Umkreis durch starke Polizeiketten äbgejperrt und große Reserven zu Fuß und zu Pferd an verschiedenen Stellen bereit gehalten worden. Einzelne Straßen in der Umgebung des Versammlungsgebäudes wurden, weil die Ansamm­lungen zu groß wurden, polizeilich geräumt. We­gen Nichtbefolgung polizeilicher Anordnungen und Durchbrechens der Sperrkette wurde der Kommu- nistenführer Max Hölz vorübergehend festgenom­men, aber nach kurzer Zeit wieder entlaßen.

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Um 6 Uhr abends am Samstag wurden in Berlin 16 Nationalsozialisten in Uniform festge­nommen, die geschlossen unb verbotswidrig durch bie Skalltzerstraße marschierten. Sie wurden ber Abteilung I. A. des Polizeipräsidiums zugesührt.

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Aus Sa lau wird gemeldet: In der Nacht wurde das im vorigen Jahr aufgestellte Ebert- Denkmal beschädigt, und zwar wurde die Pla­kette, die das Bildnis des elften Reichspräsiden­ten trägt, zertrümmert.

* Ein viertes Todesopfer von Wöhrden. Der schwere Zusammenstoß zwischen Rot-Front-Leuten unb Nationalsozialisten bei Wöhrben im ©über» bithmarschen hat, wie „Tempo" melbet, ein viertes Tobesopfer geforbert. Einer ber schwerverletzten Nationalsozialisten ist im Krankenhaus in Heibe gestorben. — Die Obbuktion hat ergeben, baß die Toten vonwilbenMesserstichenzerfetzt waren. Unheimliche Wunben zeigten sich. — „Wir wollen sein ein einig Volk von Brübern, in keiner Not uns trennen unb Gefahr." Man sieht, was po­litische Rabikalisierung aus solchen Jbealen macht. Vernünf ti g e Menschen ziehen aus solchen Vor. gängen ihre Folgerungen unb unterstützen weder mittelbar noch unmittelbar bie Ansätze zu blutigem Bürgerkrieg.

Die Opfer.

Sozialistische Angriffe gegen die mililärischen Füh­rer der französischen Besahungslrnppeu.

Aus Paris wirb gemelbet: Der sozialistische Ab» georbnete Barthe, ber die Regierung über bie zahl­reichen Tobesfälle zu interpellieren geben», bie burch mangelnbe Rücksichtnahme auf bie enorme Kälte währenb ber letzten Frostperiobe unter ben französischen Besatzungstruppen im Rheinlanb zu verzeichnen waren, hat, wie ber „Soir" berichtet, von ben Familien ber Verstorbe­nen sowohl als von Mitgliedern ber Besatzungs» truppen selbst umfangreiches Material erhalten. Er erklärt, bem Blatt zufolge, baß bie ©olbaten bie mangelhaften sanitären Zustände auf bie Unfä­higkeit ihrer Vorgesetzten zurückführen, unb daß unter ihnen infolgebessen starke Erregung herrsche. Der Abgeorbnete äußerte sich sehr scharf über bas Schweigen ber Militärbehörden von Landau unb Koblenz, bas bemjenigen ber verantwortlichen Stellen ber Trierer Besatzung in nichts nachstehe. In L a n b au seien 70 Tobes­fälle vorgekommen, in Koblenz 80, in sämtlichen anberen Rheinlanbgarnisonen schätzungsweise etwas mehr als 40.

* Ein Reichsangehörigkeilsgeseh in Vorberei­tung. In einer bem Reichstag zugegangenen Nie. derschrfft ber Antworten ber Reichsregierung zu ben vom Reichstag gefaßten Entschließungen, an- stelle ber Staatsangehörigkeit eine beutsche Reichs­angehörigkeit zu fetzen, findet sich folgende Antwort ber Reichsregierung: „Die Arbeiten zu einer um­fassenden Neugestaltung des Reichs- unb Staats- angehörigkestsgesetzes vom 29. Mai 1913, bei denen ber Begriff ber Reichsangehörigkeil im Sinne ber Entschließung bes Reichstags in ben Vordergrund gestellt werden soll, sind in Angriff genommen. Unabhängig davon ist'em Sonbergesetz zur Rege­lung ber Staatsangehörigkeit reichst« eutscher F r a i! e n bei Ehen mit nicktreichsdeutschen Man- nern ausgestellt worden, ber demnächst dem Reichs­kabinett 'zur Beschlußfassung vorgelegt werden wirb."

* 170 Millionen für die ostpreußische Wirtschaft. Der Dberpräfibent ber Provinz Ostpreußen, Dr. Siehr, eröffnete in Königsberg ben 56. Provinzial, lanbtag mit einer Ansprache, in der er u. a. dar­auf hinwies, daß bas verflossene Jahr ben Be- ginn der wirklich planmäßigen Sanie­rung der oftpreußischen Wirtschaft gebracht habe und daß bis jetzt 170 Millionen Rrn. für Stützung der Wirtschaft nach Ostpreußen geflossen sind. Ein neues weitgehendes Ostpreußen-Programm sei vom Dberpräfibenten bereits ber Staatsregierung unterbreitet worden. Die Zahl der neugeschaffe»