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Sonntag, 10. Marz 1929

Fuldaer Zeitung (klinisches Ureisblatt)

Nr. 59.

I flüssigen Mittel, fa fasten sie 2—3 Tage, damit sie I den Bedürftigen den Bedarf an Nahrung und

Kleidung decken können.

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rigen Feststellungen hören. Die Ausgaben für ab koholische Getränke in Deutschland betrugen irr

wirtschaftsrat Walter- Kassel wurde die Amts­bezeichnung Tierzucht-Direktor beigelegt.

von der LanLw'irlschastskammer.

Unser Kasseler ZF-Mitarbeiter schreibt uns:

Der Vorstand der Landwirtschaftskammer für Kurhessen und Waldeck beschäftigte sich mit der Gründung der südwe st deutschen Molke­rei-Zentrale e. (3. m. b. Sy, der in Kurhes­sen die Molkereien Borken, Fulda, Homberg, Gudensberg, Haydau-Altmorfchen, Neukirchen, Wilhelmshöhe-Kassel und Zierenberg und in Waldeck die Molkereien Adorf, Rhena und Zü­schen angehören: mit dieser Zentrale ist eine wich­tige Einrichtung geschaffen worden, die zum Aus­gleich von Angebot und Nachfrage dienen soll. In Zusammenarbeit mit den Landwirtschaftskammern in Darmstadt und Wiesbaden wird eine einheit­liche Kontrollstelle geschaffen, die dauernd But­terprüfungen nach einem Punktierschema durchführt: die Beurteilung der Butter geschieht durch Molkereifachleute und Butterkaufleute: für die Gebiete Kurhessen, Hessen-Darmstadt und Waldeck wird eine einheitliche „Hessische Mar­kenbutter" anerkannt, die nur von den Mol­kereien hergestellt und als „Markenbutter" geführt werden darf, die sich der staatlich anerkannten ständigen Ueberwachung der milchwirtschaftlichen Prüfungsstelle der Landwirtschaftskammer Kur­hessen-Waldeck und Hessen-Darmstadt unterwerfen. Die bisher sorgfältig durcbgeführten Butterpn'i- fungen haben ergeben, daß sich die Qualität der in Kurhessen-Waldeck hergestcllten Butter dauernd verbessert hat, sodaß auf diese Weise am be­sten dem Auslandswettbewerb entgegengewirkt werden kann.

Die in Frankfurt a. M. bestehende Zentral­stelle für Obst- und Gemüseverwer­tung soll in eine Genossenschaft umge­wandelt und weiter ausgebaut werden, damit die südlichen Kreise Kurhessens durch diese Stelle das von der Landwirtschaft gezogene Obst und Gemüse schneller und zweckmäßiger als bisher verwerten können, indem diese neue Genossenschaft für die ständige Verwertung dieses ihr aus diesen Kreisen zugeführten Gemüses und Obstes in der Groß­markthalle in Frankfurt a. M. tätig ist. Aus die­sem Grunde beglotz der Vorit nd o-'r Landmirt- schaftskammer für Kurhessen und Waldeck, dieser Genossenschaft mit einem Geschäftsanteil von 1500 Mark beizutreten und beim Bezirksverband für Hessen-Kassel anzuregen, auch seinerseits dieser Genossenschaft beizutreten.

Der Ausschuß für Pferdezucht im Bezirk der Landwirtschaftskammer hat in einer Eingabe an den Landwirtscbaftsminister zum Ausdruck ge­bracht, daß die Beibehaltung einer bestimmten Än- zahl W a r m b l u t h e n g st e im Landgestüt Dil­lenburg in einer dem Umfange der kurhessisch- waldeckischen Warmblutzucht entsprechenden An­zahl für unbedingt erforderlich gehalten wird.

Anstelle des verstorbenen Domänenpächters Heinrich Bispinck in Trätzhof bei F'llda wurde nach Anhörung des Kurhessischen Bauernver­eins in Fulda Landwirt Hermann Schmitt In Eichenau (Kreis Fulda) zum ehren- amllichen Mitglied des Finanzgerichts in Kassel gewählt. Den Tierzuckst-Inspektoren Land­wirtschaftsrat Dr. Schaub- Kassel und Land­

Die Ko st en der landwirtschaftlich en Unfallversicherung sind in den letzten Jah­ren beträchtlich gestiegen. Dies ist in erster Linie auf die er h c b l i ch e Ausdehnung der Ver­sicherung zu rück',usühren. So werden jetzt auch die Unfälle der landwirtschaftlichen Betriebsunterneh- mer mit mehr als 2000 Mark Einkommen entschä­digt: der Begriff des Betriebsunfalles hat starke Erweiterungen erfahren: Schwerverletzte erhalten Kinderzulagen: di» Hinterbliebenenrenten sind ge­steigert; das Heilverfahren ist beträchtlich verbessert und ausgedehnt worden; schließlich sind die V e r w o l t u n g s k o st e n der Verufsge. nossenschaft seit der Vorkriegszeit bedeutend g e» stiegen. Die Verwaltungskosten werden mit 17 Prozent der Gesamtausgaben angegeben. Da die Berwaltungskosten für die Sektion Fulda al­les in allem höchstens 4,5 Prozent der hier auf- kommenden Umlage betragen, so entfällt — nach den hiesigen Verhältnissen — schon heute etwa das Dreifache der Kosten auf die Verwaltung des G e- nossenschaftsvorstandes in Kasfeh

Trotzdem wird geplant, den sehr erheblichen Teil der Verwaltung, der bisher von den Sektionen ge­leistet worden ist, auch noch inKasselzuzen- t r a l i s i e r e n, d. i. die gesamte Entschädigungs­feststellung, die Durchführung des Hestverfahrens, die Rentenfestsetzung und die Ueberwachung der Rentenempfänger. Da die Sektions-Vorstände als gesetzliche Organe der Selbstverwal- t u n g nicht einfach beseitigt werden können, will man durch Satzungsänderung die Zuständigkeiten des Genossenschaftsvorstandes derartig erweitern, daß für die Sektions-Vorstände ein­fach keine Aufgaben mehr übrig blei- b e n. Nicht genug, daß Gesetzgebung und zentra­listische Tendenzen der Regierung die Selbst- Verwaltung fast auf allen Gebieten immer weiter aushöhlen, — hier macht man den Ver­such, die Träger der Selbstverwaltung unter den Druck der hohen Umlagen, in der durch nichts be­wiesenen Hoffnung auf Kostenverminderung zum freiwilligen Verzicht auf wichtige Rechte der Selbst­verwaltung zu bewegen! Der Sektions-Vorstand ist der Kreisausschuß, d. s. die von der Kreisbcvölke- rung gewählten Vertrauensmänner, die den ört­lichen Verhältnissen nahestehen, unsere Landwitt- schaft kennen und mit ihr fühlen. An seine Stelle soll bei der Zentralisation der Eenossenschaftsvor- stcmd in Kassel treten; das ist der Provinzial- Ausschuß der Provinz Hessen-Nassau, der unserer heimischen Landwirtschaft fernsteht, der überhaupt nur einen Landwirt unter feinen 14 Mitgliedern zählt, der in feinen wenigen mit Angelegenheiten der Provinzialverwaltung ausgefüllten Sitzungen auf die laufende Eenossenschaftsverwaltung gar keinen Einfluß ausüben kann. Die Zentralisation in Kassel bedeutet zwangsläufig eine reine Büro­kratisierung der Verwaltung.

„Herr im eigenen Hause" soll die Provinz Hes­sen-Nassau angeblich durch die Zentralisation der landwirtschaftlichen Unfallversicherung werden; uns scheint es, daß man die nächstbeteiligten Söhne des Hauses, die in den Selbstverwaltungskörperfchaften der Sektionen vertretenen Landwirte hin­an swerfen will, um den Bürokraten die Alleinherrschaft zu sichern!

Ln der Genossenschaftsversamm- lang, die über Satzungsäirderungen beschließt, ist die hiesige Landwirtschaft zurzeit überhaupt nicht vertreten. (Wir verweisen auf ähnliche Verhältnisse im Vorstand der Kasseler Landwirt­schaftskammer, die wir dieser Tage gekennzeichnet haben. Die Sckwiftltg.) .

Die Zentralisationsbestrebungen werden mit dem Hinweis auf die Provinz Westfalen begrün­det, die als einzige eine solche Zentralisation durch­geführt hat. Zugegeben, daß die Westfälische land­wirtschaftliche Berufsgenossenschaft finanziell gün- (tigere Ergebnisse aufzuweisen hat als die Hessen- Nassauische, so scheint es doch unzulässig, bei dem ganz verschiedenen wirtschaftlichen Ausbau der bei»

Möchte die Karitasopferwoche 1929 alle Katho­liken Deutschlands, die guten Willens sind, S» einer großen Hilfsgemeinschaft vereinigen und den Beweis erbringen, daß die tätige, helfende Liebe immer noch das Kennzeichen der wahren Jünger­schaft Christi ist.

Termin für die feierliche Erstkommunion.

Im Amtsblatt der Diözese Fulda wird bekannt gegeben: Die feierliche Erstkommunion kann in diesem Jahre, wo die örtlichen Verhältnisse es zweckmäßig erscheinen lassen, auf einen späteren Termin, jedoch nicht über Pfingstmontag hinaus verschoben werden.

Die Rächte

sind immer noch recht frisch. In der letzten Nacht hatten wir sogar wieder zwei Grad Kälte.

Die Rrbeitsmarfctlage im Februar.

Die Arbeitsmarktlage im Februar war un­verändert schlecht. Zugang und Abgang hielten sich im wesentlichen die Waage. Vereinzelt muß­ten wegen allzu großer Kälte die letzten Außen­arbeiten eingestellt werden, jo daß sogar Stamm» arbeitcr, die üblicherweise durchgehalten werden, entlassen wurden.

Die Vermittlung in die Landwirtschaft war gering. Einmal haben sich die Landwirte noch nicht an die Inanspruchnahme des Arbeitsamts ge­wöhnt, zum anderen kommen Arbeitsuchende, die nicht gleichzeitig Unterstützung beziehen, bis jetzt in den seltensten Fällen zum Arbeitsamt. Knechte und Mägde sind aber, soweit sie in die häusliche Gemeinschaft ausgenommen werden, von der Der- sicherungspflicht befreit.

Chemische und Textil-Jndustrie zeigt keine we­sentlichen Veränderungen tm Beschäftigungsgrad. Auch die Industrie der Steine und Erden liegt noch völlig darnieder. Im Metallgewerbe sind lediglich stärkere Beschäftigungsmöglichkeiten für Installateure, hervoraerufen durch die Frostschäden. Das Bauhandwerk liegt noch ruhig. Die Vermitt­lung von Hausangestellten hat sich etwas gebcffert. Am Schluffe der Berichtszeit waren beim Arbeits­amt Fulda als Arbeitsuchende 5594 männliche und 342 weibliche Personen vorgemerkt.

Der Unterstützungsaufwand beträgt rund 450 000 M. Mit Einsetzen des Tauwetters ist auch mit einer stärkeren Entlastung des Arbeitsmarkts zu rechnen. _______

Von der Handelskammer.

Der Verband der Hessen-Nassauischen Industrie- und Handelskammern be­faßte sich in seiner Sitzung vom 6. März unter Vor­sitz des Herrn Prof. Dr. B. Salomon u. a. erneut mit der Frage der E i n h e i ts w e r t e für Grund­stücke. Die angestellten Ermittlungen haben er­geben, daß in sehr vielen Fällen die Einheitswerte erheblich höher find als die tatsächlichen Verkaufs­preise. Dieses Mißverhältnis zwischen Einheits­wert und Verkaufswert ist infolge der rückläufi­gen Tendenz auf dem Grundstücksmarkte feit Ende vergangenen Jahres noch stärker geworden. Den von Seiten der Kammern eingeleiteten Schritten zwecks Beseitigung dieser Härten stimmte die Ver­sammlung zu. Ferner wurde über die Bestrebun­gen zur Bildung von Angestellten-Fach- a u s s ch ü s s e n bei den Arbeitsämtern berichtet. Hierdurch soll die kaufmännische Angestelltenver­mittlung zentralisiert werden. Die Versammlung erklärte sich mit der Einrichtung dieser Fachaus­schüsse einverstanden, wobei darauf hingewiesen wurde, daß die im Gesetz vorgesehene Anhörung der Kammern rechtzeitig erfolgen müsse. Außer­dem sprach sich die Versammlung im Hinblick dar­auf, daß die ausländischen Währungen größten­teils stabilisiert seien, dafür aus, daß die Umsatz- steuer-Umrechnungssütze, die bisher monatlich ver­öffentlicht wurden, künftighin vierteljährlich feft» gelegt werden.

Aus eine 25jährige Täkigkeik

bei der Firma E m a i l l i r w e r k A. - E., Fulda, können heute der Schlosser Julius Lindner und

Stirofratifirrung und Zentralisation!

Line wichtige heimatliche Zrage.

letzten Jahre etwa 4'A Milliarden Reichsmark, die für Tabakwaren etwa 2% Milliarden Reichsmark. Für diese beiden Genußgüter allein wurde also rund das Dreifache der jährlichen Reparationszah­lungen verbraucht. Man möchte meinen, ein Volk, das sich solche Verlustwirtschaften leisten kann, hat keine Armen und kennt keine Not mehr. Und doch beweisen uns die Tatsachen das Gegenteil.

Dieser Widerspruch weist auf eine klaffende Wunde an unserem Volkskörper hin. Ein Groß­teil unseres Volkes, der im Ueberfluß lebt oder doch genügend besitzt und verdient, hat seine Pflichten den andern gegenüber vergessen,die unter den schwer­sten Bedingung den Existenzkampf führen müssen. Un­ser Volk fühlt sich nicht mehr als eine Gemein­schaft von Menschen, von denen „einer des an­dern Last trage." Der Geist gegenseitiger Hilfs- und Opferbereitschaft ist in ihm erloschen.

Und dcch sind wir Kinder eines gemein­samen Vaters im Himmel. „Und dieses Ge­bot haben wir von Gott, daß, wer Gott liebt, auch feinen Bruder liebe". (1. Joh. 4, 21). Im Vater­unser lehrt uns Christus, das tägliche Brot auch für unseren Milbruder zu erbitten. Dem Eigentum des Einzelnen setzt Christus um des Nebenmenschen willen Grenon. „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst."

Es ist deshalb ein heilsamer und zeitgemäßer Mauch, wenn die deutschen Bischöfe in der Fasten­zeit eine Karitasopferwoche einlegen. Ein urchristlicher Gedanke lebt in dieser Anordnung wieder auf.

Dem Menschen des Alltags, der im Haften und Jagen nach den irdischen Gütern allzuleichi an der Not seines Nebenmenschen achtlos vorübe-rgeht, will sie ein Mahner sein, daß fremde Not ihn verpflich­tet; daß wir keine Freude haben dürfen am lieber, fluß, so lange soviel Not uns umgibt. Denn in un­seren Brüdern leidet Gott selbst Not. Ein tiefer Gedanke lieat der Karitasopferwoche zu Grunde. Durch freiro. Verzicht auf einen erlaubten Genuß dem notleidenden Nebenmenschen Hilfe zu verschaffen. Schon Leo bei1 Große hat zu diesem Brauch auf­gefordert: „Dein Fasten und deine Abstinenz sollen Labsal der Armen werden".

Der Sinn der Karitasopferwoche wird ab-»r nicht ganz verstanden, wenn man für den notlei­denden Nebenmenschen immer nur soviel spendet, als uns nickst wehe tut. Keiner soll glauben, sich loskaufen zu können mit einer Spende, die für ihn eine Kleinigkeit bedeutet, weil er sie leicht erübri­gen kann. Die Karitasopferwoche verlangt viel­mehr ein fühlbares persönliches Opfer. Sie will, daß wir von dem U n f r i g e n geben. Die . Opfergesinnung des Gebers gibt der Gabe den Ewigkeitswert. Die persönliche Liebespflicht, die bei der wohlorganisierten Karitas ganz in Dcr- geffenheit gerät, will die Karitasopferwoche wieder in den Vordergrund stellen.

2Ir5 Kennzeichen feiner Jüngerschaft hat Chri­stus die tätige Liebe genannt. Nach diesem Merkmal beurteilt der moderne, religiös gle'-tzoül- iige Mensch unsere Religion und ihren Wert. Wenn die Massen spürbare Liebe finden, die Haß und Not Übertrifft, dann beginnt auch in ihren Seelen der Glaube an diese Religion der Liebe zu wachsen. Darum hat der altchriftlick? Philv- fovh Aristides die Göttlichkeit des Christentums seinen Verfolgern gegenüber nicht besser beweisen zu können geglaubt als mit dem Hinweis: „Sie (dis Christen) erweisen ihren Nächsten Gutes. Wer hat, gibt dem, der nicht hat. — Ist unter ihnen ein Bedürftiger, und haben sie gerade keine über-

den Provinzen daraus Folgerungen zu ziehen. Man vergleiche doch die Ergebnisse der Hcssen- Nassauischen landwirtschaftlichen Berufsgenosien» schaft zunächst einmal mit sämtlichen anderen Pro­vinzen. in denen keine Zentralisation durchgeführt ist. Wir möchten bezweifeln, daß dann noch die Zentralisation als Allheilmittel gegen die Erhö­hung der Ausgaben angepriesen werden kann. In Westfalen lagen die Verhältnisse auch vor der Zen­tralisation günstiger als in Hessen-Nassau.

Zeigen sich bei der Arbeit aller oder einzelner Sektionen unserer Provinz Fehler, so verbessere man sie. Nach unserer Meinung unterliegt es kei­nem Zweifel, daß die Aufgaben der landwirtschaft- Itdien Berufs genossen schäft von den Selbstverwal­tungskörperschaften der Stadt- und Landkrelle ebenso sorgsam und gut durchgeführt werden kön­nen als non einer Zentralistischen Bürokratie.

Der Genossenschaftsvorstand hat selbst aner­kannt, daß die Rentenfestsetzung von den Sektio­nen bisher schon richtig gehandhabt worden ist. Schon jetzt besteht die satzungsgemäße Verpflich- tuttg, falls die Entfchädigungsfestftellungskommis- sjon ober der Sektions-Vorstand bei der Feststel­lung der Leistung von der Ansicht des Landes­hauptmanns abweichen will, die Sache an den Gc- noffenschaftsvorstanb abzugeben. Es ist bezeich­nend, daß hiervon z. B. bei der Sektion Fulda in keinem einzigen Falle Gebrauch gemacht werden mußte. Bei der Ueberwachung der Rentner wirkt der Genossenschaftsvorstand schon jetzt durch allge­meine Rentenrevisionen mit. Die mit Recht als so wichtig bezeichnete möglichst frühzeitige Einlei­tung des Heilverfahrens kann durch örtliche Stellen jedenfalls leichter geschehen als durch eine Zen­tralverwaltung. Der nötige Einfluß auf die Aus­wahl geeigneter Aerzte und sachbearbeitender Be­amten bei den Sektionen wirb bem Genossen- schaftsvorstand niemand vorenthalten wollen. Daß die Beamten einer Zentralstelle im allgemeinen bii» rokratisch geschulter sind als die einer Kreisverwal­tung, soll ohne weiteres zugegeben werden. Dem. ftebt bei letzteren die weitaus größere Kenntnis der örtlichen Verhältnisse und ihre enge Verbundenheit mit der Bevölkerung gegenüber. Der Verdacht, daß die Canbräte, aus Furcht sich unbeliebt zu ma­chen, unberechtigten Rentenansprüchen leichter statt­geben als Beamte einer Zentralinstanz, soll nur erwähnt werben, um bie Schwäche der für eine Zentralisation vorgebrachten Gründe zu beleuchten.

Die Durchführung der Geschäfte der landwirt­schaftlichen Berufsgenoffenschaft van Kassel aus, das im nördlichsten Zipfel der Provinz Heffen- Naffau liegt, kommt praktisch unserer Ansicht nach überhaupt nicht in Betracht. Selbst von einer zen­traler gelegenen Stadt, z. B. von Fulda aus, würde die Verwaltung außerordentlich schwer sein. Insbesondere würde durch die Zentralisation sicher­lich keine Verbilligung eintreten.

Der Verkehr vom Sitz der Verwaltung in bie weiter entfernt (iegenben Sektionen mit ihren zahl­reichen von ber Eisenbahn abgelegenen Gemein­den, die noch nicht einmal alle öffentliche gern» sprechstellen haben, würde zunächst eine starke Er­höhung ber persönlichen unb sächlichen Verwal- tungskosten bedingen. Das so wichtige Eingreifen her Versicherungsorgane unmittelbar nach dem Un­fall müßte sich bei einer Zentralisation erheblich verzögern. Der schriftliche Verkehr — Mel­dung und Antwort — würde zwei bis fünf Tage in Anspruch nehmen. Fernmündliche Verbindung, wo sie überhaupt gegeben ist, vermöchte durch ihre Unsicherheit den Schriftverkehr nicht zu ersetzen.

Die notwendige Aufklärung an Ort unb Stelle burch Beauftragte der Zentrale würde wie­derum erheblich m e h r Z e i t in Anspruch nehmen als durch die Sektion. Ein unter Umständen wie­derholter Besuch des Unfallortes im entlegensten Teil ber Provinz könnte nur mittels Kraftwcwens non ber Zentralverwaltung aus geschehen. Dem Genossenschaftsvorstand fehlt zudem die Kenntnis ber örtlichen unb persönlichen Verhältnisse, die für bie Beurteilung der Unfallmeldungen häufig von

Fulda, den 9. März 1929

Karitasopferwod)e 1929.

Zur Karitas-Opferwoche, bie für bie Diözese Fulda auf die Zeit vom 10 bis 17. März an» gesetzt worden ist, wird uns geschrieben:

Daß uns allenthalben die Not in den verschie- tenften Formen entgegentritt, bedarf keines be­sonderen Hinweises. Wer mit offenen Augen durchs Leben jchreitet, kann sie nicht üderfehen. In er­schütternden Zahlen offenbart sie sich.

Da ist an erster Stelle zu nennen bie Arbeits. not. Nicht arbeiten können, obwohl man will, ist ein furchtbar hartes Schicksal. Von ber Ar­beitslosenversicherung und Krisenfürsorge werden gegenwärtig über zwei Millionen Arbeitswillige erfaßt.

Verschämte Not, Altleutenot tritt uns ent­gegen in rund 575 000 Menschen, die in ihren ge­sunden Tagen gearbeitet und gespart haben, um einen sorgenlosen Lebensabend zu genießen. Eine Harle, unbarmherzige Zest hat sie ihrer Ersparnisse beraubt unb unverschuldeter Not erbarmungslos preisgegeben.

Die Kriegsopfernot weift Zahlen auf, die ans erschüttern unb ein eindrucksvolles Bild von tem durch den Krieg unmittelbar hervorgerufenen Elend geben. 761000 versorgungsberechtigte Kriegsbeschädigte, 1 431 000 Kriegerchinterbliebene — darunter 732 000 Halb- unb 57 000 Doppelwai­sen — sind das traurige Vermächtnis des Welt­krieges. Die Zahl der sonstigen Unterftützungsbe- dürftigen, bie in 45 Groß- und Mittelstädten stati­stisch erfaßt wurde, betrug rund 500 000. Man kann sagen, daß in diesen Städten auf je 1000 Einwohner durchschnittlich 60 unterstützte Personen entfallen. In manchen Orten steigt diese Zahl bis auf 90. Genug der Zahlen. Sie könnten noch vermehr werden durch jene, bie uns in erschrecken­dem Ausmaß das Kinderelend unb die Jugendnot aufzeigcn.

Und doch möchte es uns trotz dieser wuchtigen Ziffern schwer fallen, an eine Not in solchem Um­fange zu glauben, wenn wir von folgenden trau»

der Arbeiter Dionysius Strube, beide aus Fulda, zurückblicken. Aus diesem Anlaß wurden den Jubilaren von feiten ber Firma und der Ar­beiterschaft sowie von ber Handelskammer beson­dere Ehrungen zuteil.

Zeitungslese« in den Frühjahrsmcmalen.

Kommen im Frühjahr bie Monate, bie den Bauern bie Feldarbeiten bringen, so kann man vielfach die Beobachtung machen, daß die Land­wirte ihre liebgewonnene Heimatzeitung abbestel­len mit der Begründung, daß jetzt keine Zeit mehr zum Lesen für den Landwirt fei, da man sich da­mit in den langen Wintermonaten beschäftige. Dü-fs Anschauung ist jedoch völlig falsch, denn durch die Häufung der Frühjahrs- und Sommerarbek auf dem Lande ist ber Landmann sehr oft ver­hindert, die Märkte zu besuchen, um fick über die Getreide-, Vieh- und sonstigen Warenpreise und an­deres für ihn Wissenswertes zu informieren. Für jeden lassen sich aber bei angehäuster Arbeit einige Minuten zur Durchsicht ter Zeitung finden und der Landwirt wird durch sie über das Notwendigste un­terrichtet. Darum bleibe jeder Landwirt auch in den Frühjahrs- und den folgenden Sommermonaten seinem Lokalblatt treu! Wieviele Landwirte Ha­ben schon größten Schaden davongetragen, weil sie ihre Zeitung zu unrechter Zeit abbestellten

van der Reichsposi.

Postpakete und Päckchen nach den Inseln Langeoog und I u i st können von den Post- anstalten wegen Behinderung der Postverbindun- gen durch Eis und Wasser bis auf weiteres nicht angenommen werden. Briefpoft wird durch Flugzeuge befördert, die Poft wegen Unmöglich­keit zu landen abwerfen.

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