Sonntag, 10. Marz 1929
Fuldaer Zeitung (klinisches Ureisblatt)
Nr. 59.
I flüssigen Mittel, fa fasten sie 2—3 Tage, damit sie I den Bedürftigen den Bedarf an Nahrung und
Kleidung decken können.
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rigen Feststellungen hören. Die Ausgaben für ab koholische Getränke in Deutschland betrugen irr
wirtschaftsrat Walter- Kassel wurde die Amtsbezeichnung Tierzucht-Direktor beigelegt.
von der LanLw'irlschastskammer.
Unser Kasseler ZF-Mitarbeiter schreibt uns:
Der Vorstand der Landwirtschaftskammer für Kurhessen und Waldeck beschäftigte sich mit der Gründung der südwe st deutschen Molkerei-Zentrale e. (3. m. b. Sy, der in Kurhessen die Molkereien Borken, Fulda, Homberg, Gudensberg, Haydau-Altmorfchen, Neukirchen, Wilhelmshöhe-Kassel und Zierenberg und in Waldeck die Molkereien Adorf, Rhena und Züschen angehören: mit dieser Zentrale ist eine wichtige Einrichtung geschaffen worden, die zum Ausgleich von Angebot und Nachfrage dienen soll. In Zusammenarbeit mit den Landwirtschaftskammern in Darmstadt und Wiesbaden wird eine einheitliche Kontrollstelle geschaffen, die dauernd Butterprüfungen nach einem Punktierschema durchführt: die Beurteilung der Butter geschieht durch Molkereifachleute und Butterkaufleute: für die Gebiete Kurhessen, Hessen-Darmstadt und Waldeck wird eine einheitliche „Hessische Markenbutter" anerkannt, die nur von den Molkereien hergestellt und als „Markenbutter" geführt werden darf, die sich der staatlich anerkannten ständigen Ueberwachung der milchwirtschaftlichen Prüfungsstelle der Landwirtschaftskammer Kurhessen-Waldeck und Hessen-Darmstadt unterwerfen. Die bisher sorgfältig durcbgeführten Butterpn'i- fungen haben ergeben, daß sich die Qualität der in Kurhessen-Waldeck hergestcllten Butter dauernd verbessert hat, sodaß auf diese Weise am besten dem Auslandswettbewerb entgegengewirkt werden kann.
Die in Frankfurt a. M. bestehende Zentralstelle für Obst- und Gemüseverwertung soll in eine Genossenschaft umgewandelt und weiter ausgebaut werden, damit die südlichen Kreise Kurhessens durch diese Stelle das von der Landwirtschaft gezogene Obst und Gemüse schneller und zweckmäßiger als bisher verwerten können, indem diese neue Genossenschaft für die ständige Verwertung dieses ihr aus diesen Kreisen zugeführten Gemüses und Obstes in der Großmarkthalle in Frankfurt a. M. tätig ist. Aus diesem Grunde beglotz der Vorit nd o-'r Landmirt- schaftskammer für Kurhessen und Waldeck, dieser Genossenschaft mit einem Geschäftsanteil von 1500 Mark beizutreten und beim Bezirksverband für Hessen-Kassel anzuregen, auch seinerseits dieser Genossenschaft beizutreten.
Der Ausschuß für Pferdezucht im Bezirk der Landwirtschaftskammer hat in einer Eingabe an den Landwirtscbaftsminister zum Ausdruck gebracht, daß die Beibehaltung einer bestimmten Än- zahl W a r m b l u t h e n g st e im Landgestüt Dillenburg in einer dem Umfange der kurhessisch- waldeckischen Warmblutzucht entsprechenden Anzahl für unbedingt erforderlich gehalten wird.
Anstelle des verstorbenen Domänenpächters Heinrich Bispinck in Trätzhof bei F'llda wurde nach Anhörung des Kurhessischen Bauernvereins in Fulda Landwirt Hermann Schmitt In Eichenau (Kreis Fulda) zum ehren- amllichen Mitglied des Finanzgerichts in Kassel gewählt. Den Tierzuckst-Inspektoren Landwirtschaftsrat Dr. Schaub- Kassel und Land
Die Ko st en der landwirtschaftlich en Unfallversicherung sind in den letzten Jahren beträchtlich gestiegen. Dies ist in erster Linie auf die er h c b l i ch e Ausdehnung der Versicherung zu rück',usühren. So werden jetzt auch die Unfälle der landwirtschaftlichen Betriebsunterneh- mer mit mehr als 2000 Mark Einkommen entschädigt: der Begriff des Betriebsunfalles hat starke Erweiterungen erfahren: Schwerverletzte erhalten Kinderzulagen: di» Hinterbliebenenrenten sind gesteigert; das Heilverfahren ist beträchtlich verbessert und ausgedehnt worden; schließlich sind die V e r w o l t u n g s k o st e n der Verufsge. nossenschaft seit der Vorkriegszeit bedeutend g e» stiegen. Die Verwaltungskosten werden mit 17 Prozent der Gesamtausgaben angegeben. Da die Berwaltungskosten für die Sektion Fulda alles in allem höchstens 4,5 Prozent der hier auf- kommenden Umlage betragen, so entfällt — nach den hiesigen Verhältnissen — schon heute etwa das Dreifache der Kosten auf die Verwaltung des G e- nossenschaftsvorstandes in Kasfeh
Trotzdem wird geplant, den sehr erheblichen Teil der Verwaltung, der bisher von den Sektionen geleistet worden ist, auch noch inKasselzuzen- t r a l i s i e r e n, d. i. die gesamte Entschädigungsfeststellung, die Durchführung des Hestverfahrens, die Rentenfestsetzung und die Ueberwachung der Rentenempfänger. Da die Sektions-Vorstände als gesetzliche Organe der Selbstverwal- t u n g nicht einfach beseitigt werden können, will man durch Satzungsänderung die Zuständigkeiten des Genossenschaftsvorstandes derartig erweitern, daß für die Sektions-Vorstände einfach keine Aufgaben mehr übrig blei- b e n. Nicht genug, daß Gesetzgebung und zentralistische Tendenzen der Regierung die Selbst- Verwaltung fast auf allen Gebieten immer weiter aushöhlen, — hier macht man den Versuch, die Träger der Selbstverwaltung unter den Druck der hohen Umlagen, in der durch nichts bewiesenen Hoffnung auf Kostenverminderung zum freiwilligen Verzicht auf wichtige Rechte der Selbstverwaltung zu bewegen! Der Sektions-Vorstand ist der Kreisausschuß, d. s. die von der Kreisbcvölke- rung gewählten Vertrauensmänner, die den örtlichen Verhältnissen nahestehen, unsere Landwitt- schaft kennen und mit ihr fühlen. An seine Stelle soll bei der Zentralisation der Eenossenschaftsvor- stcmd in Kassel treten; das ist der Provinzial- Ausschuß der Provinz Hessen-Nassau, der unserer heimischen Landwirtschaft fernsteht, der überhaupt nur einen Landwirt unter feinen 14 Mitgliedern zählt, der in feinen wenigen mit Angelegenheiten der Provinzialverwaltung ausgefüllten Sitzungen auf die laufende Eenossenschaftsverwaltung gar keinen Einfluß ausüben kann. Die Zentralisation in Kassel bedeutet zwangsläufig eine reine Bürokratisierung der Verwaltung.
„Herr im eigenen Hause" soll die Provinz Hessen-Nassau angeblich durch die Zentralisation der landwirtschaftlichen Unfallversicherung werden; uns scheint es, daß man die nächstbeteiligten Söhne des Hauses, die in den Selbstverwaltungskörperfchaften der Sektionen vertretenen Landwirte hinan swerfen will, um den Bürokraten die Alleinherrschaft zu sichern!
Ln der Genossenschaftsversamm- lang, die über Satzungsäirderungen beschließt, ist die hiesige Landwirtschaft zurzeit überhaupt nicht vertreten. (Wir verweisen auf ähnliche Verhältnisse im Vorstand der Kasseler Landwirtschaftskammer, die wir dieser Tage gekennzeichnet haben. Die Sckwiftltg.) .
Die Zentralisationsbestrebungen werden mit dem Hinweis auf die Provinz Westfalen begründet, die als einzige eine solche Zentralisation durchgeführt hat. Zugegeben, daß die Westfälische landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft finanziell gün- (tigere Ergebnisse aufzuweisen hat als die Hessen- Nassauische, so scheint es doch unzulässig, bei dem ganz verschiedenen wirtschaftlichen Ausbau der bei»
Möchte die Karitasopferwoche 1929 alle Katholiken Deutschlands, die guten Willens sind, S» einer großen Hilfsgemeinschaft vereinigen und den Beweis erbringen, daß die tätige, helfende Liebe immer noch das Kennzeichen der wahren Jüngerschaft Christi ist.
Termin für die feierliche Erstkommunion.
Im Amtsblatt der Diözese Fulda wird bekannt gegeben: Die feierliche Erstkommunion kann in diesem Jahre, wo die örtlichen Verhältnisse es zweckmäßig erscheinen lassen, auf einen späteren Termin, jedoch nicht über Pfingstmontag hinaus verschoben werden.
Die Rächte
sind immer noch recht frisch. In der letzten Nacht hatten wir sogar wieder zwei Grad Kälte.
Die Rrbeitsmarfctlage im Februar.
Die Arbeitsmarktlage im Februar war unverändert schlecht. Zugang und Abgang hielten sich im wesentlichen die Waage. Vereinzelt mußten wegen allzu großer Kälte die letzten Außenarbeiten eingestellt werden, jo daß sogar Stamm» arbeitcr, die üblicherweise durchgehalten werden, entlassen wurden.
Die Vermittlung in die Landwirtschaft war gering. Einmal haben sich die Landwirte noch nicht an die Inanspruchnahme des Arbeitsamts gewöhnt, zum anderen kommen Arbeitsuchende, die nicht gleichzeitig Unterstützung beziehen, bis jetzt in den seltensten Fällen zum Arbeitsamt. Knechte und Mägde sind aber, soweit sie in die häusliche Gemeinschaft ausgenommen werden, von der Der- sicherungspflicht befreit.
Chemische und Textil-Jndustrie zeigt keine wesentlichen Veränderungen tm Beschäftigungsgrad. Auch die Industrie der Steine und Erden liegt noch völlig darnieder. Im Metallgewerbe sind lediglich stärkere Beschäftigungsmöglichkeiten für Installateure, hervoraerufen durch die Frostschäden. Das Bauhandwerk liegt noch ruhig. Die Vermittlung von Hausangestellten hat sich etwas gebcffert. Am Schluffe der Berichtszeit waren beim Arbeitsamt Fulda als Arbeitsuchende 5594 männliche und 342 weibliche Personen vorgemerkt.
Der Unterstützungsaufwand beträgt rund 450 000 M. Mit Einsetzen des Tauwetters ist auch mit einer stärkeren Entlastung des Arbeitsmarkts zu rechnen. _______
Von der Handelskammer.
Der Verband der Hessen-Nassauischen Industrie- und Handelskammern befaßte sich in seiner Sitzung vom 6. März unter Vorsitz des Herrn Prof. Dr. B. Salomon u. a. erneut mit der Frage der E i n h e i ts w e r t e für Grundstücke. Die angestellten Ermittlungen haben ergeben, daß in sehr vielen Fällen die Einheitswerte erheblich höher find als die tatsächlichen Verkaufspreise. Dieses Mißverhältnis zwischen Einheitswert und Verkaufswert ist infolge der rückläufigen Tendenz auf dem Grundstücksmarkte feit Ende vergangenen Jahres noch stärker geworden. Den von Seiten der Kammern eingeleiteten Schritten zwecks Beseitigung dieser Härten stimmte die Versammlung zu. Ferner wurde über die Bestrebungen zur Bildung von Angestellten-Fach- a u s s ch ü s s e n bei den Arbeitsämtern berichtet. Hierdurch soll die kaufmännische Angestelltenvermittlung zentralisiert werden. Die Versammlung erklärte sich mit der Einrichtung dieser Fachausschüsse einverstanden, wobei darauf hingewiesen wurde, daß die im Gesetz vorgesehene Anhörung der Kammern rechtzeitig erfolgen müsse. Außerdem sprach sich die Versammlung im Hinblick darauf, daß die ausländischen Währungen größtenteils stabilisiert seien, dafür aus, daß die Umsatz- steuer-Umrechnungssütze, die bisher monatlich veröffentlicht wurden, künftighin vierteljährlich feft» gelegt werden.
Aus eine 25jährige Täkigkeik
bei der Firma E m a i l l i r w e r k A. - E., Fulda, können heute der Schlosser Julius Lindner und
Stirofratifirrung und Zentralisation!
Line wichtige heimatliche Zrage.
letzten Jahre etwa 4'A Milliarden Reichsmark, die für Tabakwaren etwa 2% Milliarden Reichsmark. Für diese beiden Genußgüter allein wurde also rund das Dreifache der jährlichen Reparationszahlungen verbraucht. Man möchte meinen, ein Volk, das sich solche Verlustwirtschaften leisten kann, hat keine Armen und kennt keine Not mehr. Und doch beweisen uns die Tatsachen das Gegenteil.
Dieser Widerspruch weist auf eine klaffende Wunde an unserem Volkskörper hin. Ein Großteil unseres Volkes, der im Ueberfluß lebt oder doch genügend besitzt und verdient, hat seine Pflichten den andern gegenüber vergessen,die unter den schwersten Bedingung den Existenzkampf führen müssen. Unser Volk fühlt sich nicht mehr als eine Gemeinschaft von Menschen, von denen „einer des andern Last trage." Der Geist gegenseitiger Hilfs- und Opferbereitschaft ist in ihm erloschen.
Und dcch sind wir Kinder eines gemeinsamen Vaters im Himmel. „Und dieses Gebot haben wir von Gott, daß, wer Gott liebt, auch feinen Bruder liebe". (1. Joh. 4, 21). Im Vaterunser lehrt uns Christus, das tägliche Brot auch für unseren Milbruder zu erbitten. Dem Eigentum des Einzelnen setzt Christus um des Nebenmenschen willen Grenon. „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst."
Es ist deshalb ein heilsamer und zeitgemäßer Mauch, wenn die deutschen Bischöfe in der Fastenzeit eine Karitasopferwoche einlegen. Ein urchristlicher Gedanke lebt in dieser Anordnung wieder auf.
Dem Menschen des Alltags, der im Haften und Jagen nach den irdischen Gütern allzuleichi an der Not seines Nebenmenschen achtlos vorübe-rgeht, will sie ein Mahner sein, daß fremde Not ihn verpflichtet; daß wir keine Freude haben dürfen am lieber, fluß, so lange soviel Not uns umgibt. Denn in unseren Brüdern leidet Gott selbst Not. Ein tiefer Gedanke lieat der Karitasopferwoche zu Grunde. Durch freiro. Verzicht auf einen erlaubten Genuß dem notleidenden Nebenmenschen Hilfe zu verschaffen. Schon Leo bei1 Große hat zu diesem Brauch aufgefordert: „Dein Fasten und deine Abstinenz sollen Labsal der Armen werden".
Der Sinn der Karitasopferwoche wird ab-»r nicht ganz verstanden, wenn man für den notleidenden Nebenmenschen immer nur soviel spendet, als uns nickst wehe tut. Keiner soll glauben, sich loskaufen zu können mit einer Spende, die für ihn eine Kleinigkeit bedeutet, weil er sie leicht erübrigen kann. Die Karitasopferwoche verlangt vielmehr ein fühlbares persönliches Opfer. Sie will, daß wir von dem U n f r i g e n geben. Die . Opfergesinnung des Gebers gibt der Gabe den Ewigkeitswert. Die persönliche Liebespflicht, die bei der wohlorganisierten Karitas ganz in Dcr- geffenheit gerät, will die Karitasopferwoche wieder in den Vordergrund stellen.
2Ir5 Kennzeichen feiner Jüngerschaft hat Christus die tätige Liebe genannt. Nach diesem Merkmal beurteilt der moderne, religiös gle'-tzoül- iige Mensch unsere Religion und ihren Wert. Wenn die Massen spürbare Liebe finden, die Haß und Not Übertrifft, dann beginnt auch in ihren Seelen der Glaube an diese Religion der Liebe zu wachsen. Darum hat der altchriftlick? Philv- fovh Aristides die Göttlichkeit des Christentums seinen Verfolgern gegenüber nicht besser beweisen zu können geglaubt als mit dem Hinweis: „Sie (dis Christen) erweisen ihren Nächsten Gutes. Wer hat, gibt dem, der nicht hat. — Ist unter ihnen ein Bedürftiger, und haben sie gerade keine über-
den Provinzen daraus Folgerungen zu ziehen. Man vergleiche doch die Ergebnisse der Hcssen- Nassauischen landwirtschaftlichen Berufsgenosien» schaft zunächst einmal mit sämtlichen anderen Provinzen. in denen keine Zentralisation durchgeführt ist. Wir möchten bezweifeln, daß dann noch die Zentralisation als Allheilmittel gegen die Erhöhung der Ausgaben angepriesen werden kann. In Westfalen lagen die Verhältnisse auch vor der Zentralisation günstiger als in Hessen-Nassau.
Zeigen sich bei der Arbeit aller oder einzelner Sektionen unserer Provinz Fehler, so verbessere man sie. Nach unserer Meinung unterliegt es keinem Zweifel, daß die Aufgaben der landwirtschaft- Itdien Berufs genossen schäft von den Selbstverwaltungskörperschaften der Stadt- und Landkrelle ebenso sorgsam und gut durchgeführt werden können als non einer Zentralistischen Bürokratie.
Der Genossenschaftsvorstand hat selbst anerkannt, daß die Rentenfestsetzung von den Sektionen bisher schon richtig gehandhabt worden ist. Schon jetzt besteht die satzungsgemäße Verpflich- tuttg, falls die Entfchädigungsfestftellungskommis- sjon ober der Sektions-Vorstand bei der Feststellung der Leistung von der Ansicht des Landeshauptmanns abweichen will, die Sache an den Gc- noffenschaftsvorstanb abzugeben. Es ist bezeichnend, daß hiervon z. B. bei der Sektion Fulda in keinem einzigen Falle Gebrauch gemacht werden mußte. Bei der Ueberwachung der Rentner wirkt der Genossenschaftsvorstand schon jetzt durch allgemeine Rentenrevisionen mit. Die mit Recht als so wichtig bezeichnete möglichst frühzeitige Einleitung des Heilverfahrens kann durch örtliche Stellen jedenfalls leichter geschehen als durch eine Zentralverwaltung. Der nötige Einfluß auf die Auswahl geeigneter Aerzte und sachbearbeitender Beamten bei den Sektionen wirb bem Genossen- schaftsvorstand niemand vorenthalten wollen. Daß die Beamten einer Zentralstelle im allgemeinen bii» rokratisch geschulter sind als die einer Kreisverwaltung, soll ohne weiteres zugegeben werden. Dem. ftebt bei letzteren die weitaus größere Kenntnis der örtlichen Verhältnisse und ihre enge Verbundenheit mit der Bevölkerung gegenüber. Der Verdacht, daß die Canbräte, aus Furcht sich unbeliebt zu machen, unberechtigten Rentenansprüchen leichter stattgeben als Beamte einer Zentralinstanz, soll nur erwähnt werben, um bie Schwäche der für eine Zentralisation vorgebrachten Gründe zu beleuchten.
Die Durchführung der Geschäfte der landwirtschaftlichen Berufsgenoffenschaft van Kassel aus, das im nördlichsten Zipfel der Provinz Heffen- Naffau liegt, kommt praktisch unserer Ansicht nach überhaupt nicht in Betracht. Selbst von einer zentraler gelegenen Stadt, z. B. von Fulda aus, würde die Verwaltung außerordentlich schwer sein. Insbesondere würde durch die Zentralisation sicherlich keine Verbilligung eintreten.
Der Verkehr vom Sitz der Verwaltung in bie weiter entfernt (iegenben Sektionen mit ihren zahlreichen von ber Eisenbahn abgelegenen Gemeinden, die noch nicht einmal alle öffentliche gern» sprechstellen haben, würde zunächst eine starke Erhöhung ber persönlichen unb sächlichen Verwal- tungskosten bedingen. Das so wichtige Eingreifen her Versicherungsorgane unmittelbar nach dem Unfall müßte sich bei einer Zentralisation erheblich verzögern. Der schriftliche Verkehr — Meldung und Antwort — würde zwei bis fünf Tage in Anspruch nehmen. Fernmündliche Verbindung, wo sie überhaupt gegeben ist, vermöchte durch ihre Unsicherheit den Schriftverkehr nicht zu ersetzen.
Die notwendige Aufklärung an Ort unb Stelle burch Beauftragte der Zentrale würde wiederum erheblich m e h r Z e i t in Anspruch nehmen als durch die Sektion. Ein unter Umständen wiederholter Besuch des Unfallortes im entlegensten Teil ber Provinz könnte nur mittels Kraftwcwens non ber Zentralverwaltung aus geschehen. Dem Genossenschaftsvorstand fehlt zudem die Kenntnis ber örtlichen unb persönlichen Verhältnisse, die für bie Beurteilung der Unfallmeldungen häufig von
Fulda, den 9. März 1929
Karitasopferwod)e 1929.
Zur Karitas-Opferwoche, bie für bie Diözese Fulda auf die Zeit vom 10 bis 17. März an» gesetzt worden ist, wird uns geschrieben:
Daß uns allenthalben die Not in den verschie- tenften Formen entgegentritt, bedarf keines besonderen Hinweises. Wer mit offenen Augen durchs Leben jchreitet, kann sie nicht üderfehen. In erschütternden Zahlen offenbart sie sich.
Da ist an erster Stelle zu nennen bie Arbeits. not. Nicht arbeiten können, obwohl man will, ist ein furchtbar hartes Schicksal. Von ber Arbeitslosenversicherung und Krisenfürsorge werden gegenwärtig über zwei Millionen Arbeitswillige erfaßt.
Verschämte Not, Altleutenot tritt uns entgegen in rund 575 000 Menschen, die in ihren gesunden Tagen gearbeitet und gespart haben, um einen sorgenlosen Lebensabend zu genießen. Eine Harle, unbarmherzige Zest hat sie ihrer Ersparnisse beraubt unb unverschuldeter Not erbarmungslos preisgegeben.
Die Kriegsopfernot weift Zahlen auf, die ans erschüttern unb ein eindrucksvolles Bild von tem durch den Krieg unmittelbar hervorgerufenen Elend geben. 761000 versorgungsberechtigte Kriegsbeschädigte, 1 431 000 Kriegerchinterbliebene — darunter 732 000 Halb- unb 57 000 Doppelwaisen — sind das traurige Vermächtnis des Weltkrieges. Die Zahl der sonstigen Unterftützungsbe- dürftigen, bie in 45 Groß- und Mittelstädten statistisch erfaßt wurde, betrug rund 500 000. Man kann sagen, daß in diesen Städten auf je 1000 Einwohner durchschnittlich 60 unterstützte Personen entfallen. In manchen Orten steigt diese Zahl bis auf 90. Genug der Zahlen. Sie könnten noch vermehr werden durch jene, bie uns in erschreckendem Ausmaß das Kinderelend unb die Jugendnot aufzeigcn.
Und doch möchte es uns trotz dieser wuchtigen Ziffern schwer fallen, an eine Not in solchem Umfange zu glauben, wenn wir von folgenden trau»
der Arbeiter Dionysius Strube, beide aus Fulda, zurückblicken. Aus diesem Anlaß wurden den Jubilaren von feiten ber Firma und der Arbeiterschaft sowie von ber Handelskammer besondere Ehrungen zuteil.
Zeitungslese« in den Frühjahrsmcmalen.
Kommen im Frühjahr bie Monate, bie den Bauern bie Feldarbeiten bringen, so kann man vielfach die Beobachtung machen, daß die Landwirte ihre liebgewonnene Heimatzeitung abbestellen mit der Begründung, daß jetzt keine Zeit mehr zum Lesen für den Landwirt fei, da man sich damit in den langen Wintermonaten beschäftige. Dü-fs Anschauung ist jedoch völlig falsch, denn durch die Häufung der Frühjahrs- und Sommerarbek auf dem Lande ist ber Landmann sehr oft verhindert, die Märkte zu besuchen, um fick über die Getreide-, Vieh- und sonstigen Warenpreise und anderes für ihn Wissenswertes zu informieren. Für jeden lassen sich aber bei angehäuster Arbeit einige Minuten zur Durchsicht ter Zeitung finden und der Landwirt wird durch sie über das Notwendigste unterrichtet. Darum bleibe jeder Landwirt auch in den Frühjahrs- und den folgenden Sommermonaten seinem Lokalblatt treu! Wieviele Landwirte Haben schon größten Schaden davongetragen, weil sie ihre Zeitung zu unrechter Zeit abbestellten
van der Reichsposi.
Postpakete und Päckchen nach den Inseln Langeoog und I u i st können von den Post- anstalten wegen Behinderung der Postverbindun- gen durch Eis und Wasser bis auf weiteres nicht angenommen werden. Briefpoft wird durch Flugzeuge befördert, die Poft wegen Unmöglichkeit zu landen abwerfen.
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Wer Euch sagt, daß Ihr anders reich werden könnt, als durch Arbeit und Sparsamkeit, der betrügt Euch, der ist ein Schurke.
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