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Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

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-tldieml lechsmai wöchentlich. Wochcndeilagen „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter''. Notationsdrmk und Verlag der Fuldaer Vctiendrulkerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monall. 1,8k)einsctil Postged. bezw 4KPf.i ohne ^ustella

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Sonntag, 10. März 1929.

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Sö.Zahrg.

Ne Pchrechullgen beim RklchtzfiNvMilllster.

Die Besprechungen, die der Reichsfinanzmini- ster in den letzten Tagen mit verschiedenen Par­teien über den Etat und seinen Ausgleich führte, haben sich, wie die „Germania" berichtet, nur in einem allgemeinen Rahmen gehalten. Im Gegen­satz dazu hat die Zentrumspartei den Reichsfinanz­minister wissen lassen, daß sie'ihr, im einzelnen seit Wochen ausgearbeitetes Programm für Streichun­gen an dem Etat als verwirklichungsfähig sowie sachlich und politisch als notwendig ansehe.

Der Gesetzentwurf zur vorläufigen Regelung des Haushaltes (der sogenannte N o t e t a t), den das Reichskabinett jetzt den gesetzgebenden Körper­schaften überwiesen hat, sieht, wie der „Lokalan­ger" erfährt, eine Ermächtigung der Reichsregie­rung für die Dauer von drei Monaten vor. ‘trc Einnahmen und Ausgaben nach Maßgabe des bis­herigen Etat für 1928 zu regeln. Dabei ist die Ein­schränkung getroffen, daß in der Zeit vom L April bis 30. Juni die Gesamtausgaben den Be­trag eines Viertels der Etatsansätze für das Ge­samtjahr 1928-29 nicht überschreiten dürfen,. daß aber auch in den einzelnen Posten die Etatsansätze im Entwurf für den Haushalt des Jahres 1929 nicht überschritten werden sollen.

Angesichts der sehr schwierigen Kassenlage des Reiches ist in dem Gesetzentwurf vorgesehen, daß zur Stärkung der Betriebsmittel der Reichshaupt­kasse zunächst 500 Millionen auf dem Kreditwege aufgebracht werden dürfen. Im Hinblick auf den neuen Hauptetat hat das R e i chs- k a b i n e t t beschlossen, diesen Etat in der ur­sprünglichen Fassung, wie ihn das Kabinett seiner Zeit einschließlich der Steuergesetze verabschiedet hatte, dem Reichstag neben der vom Reichsrat be­schlossenen veränderten Fassung als Doppel- Vorlage zukommen zu lassen.

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VDZ. Berlin, 9. März. (Eig. Meld.). Im Haushaltsausschuß des Reichstages wurde heute bei der zweiten Beratung des Nachtragsetats der Etat des Reichspostministeriums nach den Vorschlägen '.....K's Unterausschusses gebilligt.

Reichspostm. Dr. Schätze! erklärte, wie das Nach­richtenbüro des VDZ. erfährt, die Umorganisation der Oberpostdirektionen werde nur im Zusammenhang mit der gesamten Ver­waltungsreform, insbesondere mit der der Eisenbahn vorgenommen werden. Geplant sei eine Dezentralisierung der Verwaltung. Die Hauptdi­rektionen sollten als Gruppenverwaltungen für ein größeres Wirtschaftsgebiet dienen, während die

übrigen mehr den Charakter lokaler Betriebs!)!* rektionen haben sollten. Im übrigen wurden nur ! Beamtenfragen erörtert, was den Aus* schußvorsttzenden, Abg. Heymann, (Soz.) zu der Mahnung veranlaßte, doch einmal dieses Thema I zu verlassen. Von den bisherigen 4 3 Sitzungen des Ausschusses seien 32 ausschließlich den Beamtenfragen gewidmet gewe­sen. Dazu kämen noch die Erörterungen im Be­amtenausschuß des Reichstages. Im Volk werde Unzufriedenheit entstehen, wenn der wichtigste Ausschuß des Reichstages vor lauter Beam­tenfragen nicht zur Bearbeitung an­derer wichtiger Fragen komme.

Nach der Verabschiedung des Postetats kam der Haushalt des R e i ch s a r b e i t s Ministe­riums zur 3. Beratung. Auch hier beschäftigt sich die Aussprac e zunächst nur mit Beamten» fragen. ♦

VDZ. Berlin, 9. März. (Eig. Meld.). Dem Reichstage ist vom Reichsarbeitsministerium der Gesetzentwurf über die Bereitstellung von Kredi­ten zur Förderung des Kleinwohnungsbaues, das Dodenkreditgefetz 1929, zugegangen. i Danach wird der Neichsarbeitsminister ermächtigt, ' im Einvernehmen mit dem Reichsfinanzminister in der Zeit vom 1. 3. 1929 bis zum 31. März 1932 i für Darlehen an die deutsche Bau- und Bodsnkre- ' ditbank-A.-G. in Berlin bis zum Gegenwerte von ' 250 Mill. Reichsmark die Bürgschaft zu überneh­men. Die Bau- und Bodenbank soll diese Darlehn als Zwischenkredite für den Kleinwohnungsbau verwenden. Zwischenkredite dürfen nur gegeben werden, wenn die volle Finanzierung des Bau­vorhabens gesichert ist.

Mit dem Gesetz wird die im vorigen Jahre mit dem Baukreditgesetz übernommene Aktion zur Förderung des Kleinwohnungsbaues auch für die­ses Jahr erneuert.

VDZ. Berlin, 9. März. (Eig. Meld.) Der Reichsrat genehmigte heute in einer kurzen Sitzung ohne Aussprache den Notetat für 1929, der nach dem Muster der früheren Notetats aufgestellt ist.

Deulsch-rumänischer Niederlassungsverlrag.

----- Berlin, 9. März. (Eig. Meld.) Die Mel­dungen aus rumänischen Blättern über einen Nie- derlassungsvertrag zwischen Deutschland und Ru­mänien sind im wesentlichen zutreffend. Es hadelt sich um Erleichterungen im Reiseverkehr und in den Auser thaltsbestimmungen.

Falsche Wege —

Die Bedrängnis, oder besser, die unmittelbare Daseinsgefährdung, der namentlich unsere mitt­lere und kleine Bauernschaft in diesen widerwärti­gen Zeitläuften ausgesetzt ist, kann von keinem Menschen verkannt werden, der klar und vorur­teilslos die Dinge in Deutschland betrachtet. D:e Erkenntnis, daß eine blühende Landwirtschaft nicht nur die Voraussetzung einer blühenden All­gemeinwirtschaft, sondern auch das wichtigste Kräftereservoir des volklichen Lebens überhaupt darstellt, ist ebenso verbreitet, wie die Einsicht, daß die Allgemeinheit, der Staat, die Pflicht hat, sei­nerseits alles zu tun, um der Landwirtschaft die notwendige Blüte zu ermöglichen. Der Staat hat sich dieser seiner klaren Verpflichtung ja prinzi­piell auch nie entzogen, aber man kann nicht sa­gen, daß alle Maßnahmen, die er zur Milderung der Bauernnot ergriffen hat, ihren Zweck voll und ganz erfüllt haben. Vielleicht ist der Erfolg die­ser staatlichen Maßnahmen deshalb nicht immer befriedigend gewesen, weil sie häufig zu isoliert getroffen wurden, und weil die allgemeine staat­liche Wirtschaftspolitik nicht immer hinreichend und nicht immer richtig auf das große Ziel der Schaf­fung einer gesunden Landwirtschaft eingestellt war. Die Zentrumspartei hat dieses Manko fest langem erkannt und mehr als einmal, man denke an ihre Zoll- und Stuerpolitik, darauf hinzuwir­ken versucht, daß Hilfsmaßnahmen für die Land­wirtschaft gewählt würden, die sich organisch in den Rahmen der gesamten Wirtschaftspolitik ein­ordnen und daß vor allem auch die G"samtwirt* schaftspolitik systematischer noch als bisher die landwirtschaftlichen Bedürfnisse berücksichtige. Die Zentrumspartei, die stolz auf die zahlreichen Bau­ern ist, die ihr zugehören, hat die Not der deutschen Landwirtschaft zu einem der wichtigsten Bera­tungsgegenstände ihres letzten Parteitages ge­macht. Sie hat in steuer!'eher und finanzpolitischer Hinsicht Leitsätze und Richtlinien formuliert, die von allen aktiven Landwirten dort aus vollem Herzen gebilligt roorbi’n sind. Die Zentrumspar- tei hat damit ihren Willen kundg->fan, sich auch künftig der Landwirtschaft im besond-ren Maße anzunehmen und konsequent eine Gesamtwirt­schaftspolitik zu verlangen, die der Bauernschaft eine fiebere und zureichende Existenzgrundlage ge­währleistet.

Also, die Not der Bauern ist groß. Um sie er­heblich zu mildern oder ganz zu beheben, ist di? richtige und großzügige Hilfe des Staates unerläß­lich. Aber ebenso unerläßlich ist die Mithilfe der Bauernschaft selbst. Dazu gehört nicht nur der Wille des Bauern, gut und sparsam zu wirtschaf­ten, sondern auch sein bewußtes Sichfemhalten von kurzsichtigen oder gor falschen Freunden, von Ratschlägen und Bestrebungen, die im ersten Au-

mißbrauchte Not.

genblick blenden, dann aber schädlich sind. Man hat unter sknipelloser Benutzung der Not und der be­greiflichen Erregung des Bauern, eine falsche Selbsthilfe gepredigt. Man hat dem Landwirt ge­sagt, er könne seine Sage nur bessern, wenn er sich politisch einseitig groanifiere. Mtn hat ihn natür* lichnicht darauf aufmerksam gemacht, daß eine der­artige Klassenpartei völlig isoliert dastehe und die Feindschaft aller anderen auf sich ziehen würde. Man hat ihm manchmal auch eine noch aktivere „Selbsthilfe" angeraten und ihn hie und da zu Schritten zu veranlassen gewußt, die schon wegen ihrer Gewaltsamkeit für ihn selber sehr gefährlich sind. Der Sturm auf das Finanz­amt in Kyritz hat die Not des Bauern bestimmt nicht gemildert und das was man dieser Tage von den Landvolkkundgebungen in S ch les- w i g - H o l st e i n zu lesen bekam, wird für die Bauern auch nicht von praktischem Nutzen sein. Dort haben die Bauern, die eine Rede des Herrn Dr. Stadler angehört hatten, die mitgebrach- ten Steuerbescheide und Pfändungsurteile in Säcke gepackt und dem Finanzamt als „nicht anerkannt" zurückgeschickt. Sie haben weiter eine Resolution angenommen, in der dem Staat eine Anklage we­gen Erpressung und Ausbeutung in Aussicht ge­stellt wird. Das alles sind revolutionäre Metho­den, die nur den schlimmen Erfolg haben können, daß bei den anderen Ständen eine tätige Abnei­gung gegen den Bauern entsteht, Methoden zu denen sich der konservativfiihlende Bauer trotz seiner Notlage und seiner Erbitterung niemals aus Eigenem heraus entschließt. „Kundgebungen", wie die von Itzehoe sind nur möglich, wenn von außen her O e l ins Feuer gegossen wird, wenn etwa ein geschickter Redner und Agitator einer Versammlung seinen Willen aufzwingt. Ein ge­schickter Redner und Agitator mag Herr Stadler wohl sein, aber ein wirklicher Freund der Bauern, ein sachkundiger und objekftver Ratgeber? Herr Stadler htt eine buntscheckige politische Bergangen* beit. Pstr haben nicht den Eindruck, daß die Man­nigfaltigkeit seiner politischen Karriere ausschließ- lich in Ideenreichtum und grüblerischer Problema­tik seiner Natur ihren Grund hat. Vielmehr ge­hört Stadler zu den Leuten, die ihre subjektiven Auffassungen übersteigern, die nicht Maß halten können und keinen Blick für die wirklichen Ver­hältnisse in der Politik haben. Er gehört zu den politischen „Chamäleons", die überall bald abwirt­schaften und dann von Hand zu Hand weiterge­reicht werden. Herr Stadler ist neuerdings in den politischen Aktionsausschuß des Stahlhelms gewählt worden. Das spricht schon allein dafür daß Herr Stadler nicht der berufene und natür­liche Führer der Bauern ist; ganz abgesehen da­von, daß er von der eigentlichen Landwirtschaft.

nicht allzu viel verstehen dürste. Wir glauben, daß es nicht im Interesse der Bauernschaft läge, wenn sie sich durch politische Abenteurernaturen in politische Experimente verwickeln und zu unrechter Zeit und in unrechter Form politisieren ließe, wo eine umfassende Arbeit an der Gesundung und Erstarkung des Bauernstandes notwendig wäre. Gerade, weil die Not der Bauern so sehr groß ist, lehnen wir es aufs schärfste ab, wenn diese Not für politische Ziele mißbraucht wird, wo nur eine zähe sachliche Arbeit helfen kann.

vaterländische Arbeit?

Neue blutige Opfer des Radikalismus.

„An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen'" Das ist immer zu bedenken, wenn man sich der rechts- und links radikalen Bewegungen und Agitationsmethoden gegenüberfieht. Die national­sozialistische Agitation in Holstein, die eine kommu­nistische Gegenagitation schärfster Art hervorries, hat zu neuen Bluttaten geführt.

In dem im Südetdithmarschen gelegenen Orte Wöhrden kam es anläßlich einer von den National­sozialisten einberufenen öffentlichen Versammlung zu einem Zusammenstoß zwischen Kommuni - ft e n und Nationalsozialisten. Die Kom­munisten, die sich in großer Ueberzahl befanden, griffen die Nationalsozialisten an, und es entwickelte sich eine heftige Schlägerei, in deren Verlauf zwei Nationalsozialisten durch Stiche ge- tötet wurden. Auch ein Kommunist blieb tot auf dem Platze. Außerdem wurden sieben Verletzte, darunter ein Schwerverletzter, ins Heider Krankenhaus gebracht.

Die Versammlung war verboten, weil es schon vor einigen Tagen bei einer nationalsozialistischen Versammlung zu einem Zusammenstoß mit Kom­munisten gekommen war, bei dem auch mehrere Personen verletzt worden waren. Das Versamm­lungslokal war polizeilich gesperrt, so daß die Ver­sammlungsteilnehmer auf der Straße aneinander- gerieten.

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Zu dem blutigen Zusammenstoß zwischen Na­tionalsozialisten und Kommunisten in Wöhrden wird ergänzend gemeldet: Die Nationalsozialisten geben an, daß das Verbot an eine falsche Stelle der Partei gelangt sei, so daß es nicht möglich ge­wesen wäre, die Versammlung noch rechtzeitig ab­zusagen. Da die Kommunisten einen Umzug ver­anstalteten, wurde von Seiten der Nationalsoziali­sten schließlich ebenfalls ein Demonstrationszug durchgeführt. Während dieses Umzuges überfielen nach der nationalsozialistischen Darstellung die Kommunisten die Zugteilnehmer mit Schlagringen, Messern und Latten. Insgesamt wurden sieben Verletzte dem Heider Krankenhause zugeführt. Die beiden getöteten Nationalsozialisten stammen aus der hiesigen Gegend, der getötete Kommunist aus Friedersdorf in Schlesien.

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Vor dem Erweiterten Schöffengericht Frei­burg i. B r. hatten sich drei nationalso­zial i st i s ch e Agitatoren, der Schriftsteller Robert Heinrich Wagner aus Karlsruhe, der Land­wirt Emil Albert Roth aus Siedolsheim bei Karls­ruhe und der Gast- und Landwirt Fritz Stefan Merk aus Grafenhausen im Schwarzwald wegen Beleidigung der Republik und der Reichsfarben in öffentlichen Versammlungen zu verantworten. Sie hatten u. a. gesagt, die Volksvertreter seien eine Diätenvereinigung, der Reichsfinanzminister sei ein galizischer Jude, der nur nach Deutschland gekommen sei, damit die Banken nicht zu hoch besteuert würden, die Far­ben Schwarz-Rot-Gold könnten besser heißen ,,Schwär,rschild-Rotschild-Goldschmidt" u. a. m. Der wegen Beteiligung am Hitler-Putsch zu einem Jahr und drei Monaten Festung verurteilte Wag­ner wurde von der Anklage freigesprochen, weil

Die Schlußsitzung d

wtb. Gens, 9. März. (Eig. Meld.). Unter Stimmenthaltung des deutschen ' Ratsmitgliedes Dr. Stresemann wurde im Rat in feiner heutigen Schlußsitzung der von Adatchi-Iapan erstattete Bericht über die Beschwerde des deutschen Volksbundes gegen die Verhaftung seines Geschäftsführers Ulitz angenommen. Das deutsche Ratsmitglied hat sich varbehalten, nach Erledigung des Gerichtsverfahrens nöftgenfalls auf die Angelegenheit vor dem Völker­bundsrat zurückzukommen und begründete feine Stellungnahme mit einer Erklärung.

Erste Beratungen des Mnderheilenkomitees.

Das Berichferstafferkomifee für das Minder­heitenproblem hat bereits feine Beratungen auf­genommen. In einer Mitteilung des Völker- bunbsfefretariates heißt es: Die Mitglieder dieses Komitees sind in einen Gedankenaustausch über ihre Arbeitsmethoden eingetreten. Sie haben das Dölkerbundssekretariat aufgeforbert, ihnen gewisse Informationen zu liefern, unb haben sich darü­ber vergewissert, daß die notwendigen Maßnah­men ergriffen werden, damit die Regierungen, die Abmachungen zum Schutz der Minderheiten ein* gegangen sind, sowie die Regierungen der Völ- ferbunbftaaten so rasch wie möglich die Entschlie­ßung des Völkerbundsrats und die Protokolle sei­ner Sitzungen vom 6. März erhalten.

In der streng geheimen Ratssitzung am Frei­tag wurden die Frage der Abhaltung der nächsten Ratstagung in Madrid unb die neuen ameri-

bei ihm wohl eine Beleibigung bes Reichsfinanz­ministers vorliege, dieser jedoch keinen Strafantrag gestellt hat. Roth erhielt wegen Beschimpfung der Republik unb der Reichsfarben eine ® e f ä n g • nisftrafe von drei Monaten, Merk we­gen Beschimpfung der Republik anstelle einer an sich verwirkten Gefängnisstrafe von einem Monat eine Gelbstrafe von 200 Maxk.

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wtb. Berlin, 9. März. (Eig. Meld.). Nach ei­ner Berfammlung von Nationalsoziali- ften im Kriegervereinshaus, an der sich etwa 1800 Leute beteiligten, kam es an der Chaus­see- unb an der Friedrichstraße zu Zusammenstö­ßen mit politischen Gegnern. Die Polizei verhin­derte größere Tumulte. 29 Personen wurden nach dem Polizeipräsidium gebracht, aber heute vormit­tag wieder entlassen. In der Chausseestraße wurde der 22jährige Schneider und Nationalsozialist Pri- ftaff aus der Charlottenstraße nach Schluß der Versammlung von politischen Gegnern mißban- delt. Die Täter sind entkommen. In der Frie- drichstraße marfrhierten etwa 50 Nationalsozialisten in Uniform geschlossen auf dem Bürgerstug. Sie wurden von der Voli»-i ’erftrmt, 11 Mann von ihnen wurden wegen Wider st andes f e ft ge­nommen. Bei ihrer Durchsuchung wurden m-brere Gummiknüppel unb AlarmPi­stolen gefunden.

Berbot von Umzügen für Schleswig-Holstein.

wtb. Kiel, 9. März. (Eig. Meld.). Infolge der blutigen Ereignisse in Wöhrden (Holstein) hat sich der Öberpräfibent der Provinz Schleswig-Holstein veranlaßt gesehen, alle öffentliche Um­züge bis" auf weiteres zu verbieten. Be­reits erteilte Erlaubnisbescheinigungen sind hin­fällig.

Das Stahlhelm-Problem.

In einer Sitzung bes Präsidiums der vereinig, ten vaterländischen Verbände, in der süh- renbe Vertreter aus allen Teilen bes Reiches, dar­unter auch der zweite Bunbesführer bes Stahl­helms. Düsterberg teilgenommen haben, sind eine Reihe von Leitsätzen angenommen worben Ueber das künftige Verhältnis der Wehrverbänbe zum Stahlhelm wird gesagt, die Stützpunkte der revo­lutionären, heute Deutschland beherrschenden Gewalten zu erschüttern, ist das nächste Kampf­ziel der Verbände, das in Staats- und Wehrvoli- tit zum Ausdruck kommen wird. Stärkste Son- sentration der Kräfte ist erste Voraussetzung. Die Zusammenfassung aller wehrpolitischen Kräfte im Reich hat in einer Organisation zu erfolgen, auch hier, unter Wahrung des föderativen Prinzips. Diese Drganifation ist der Stahlhelm.

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Zusammenschluß in einer Organisation — dar kann wohl nur die Fusion aller anderen soge­nannten Wehrverbände mit dem Stahlhelm und bas Aufgehen der anderen Verbände im Stablhelm bedeuten. Dieser Vorgang verdient, so schreibt dazu das „Westfälische Dolksblatt", Aufmerksam­keit, weil es offenbar um die Sammlung der aktivsten gegen die Republik gerichteten Kräfte auf der Rechten in einer einzigen, geschlossenen und stoßkräftigen Organisation handelt. Der Stahl­helm will nach den Versicherungen, die seine Füh­rer dem Reichspräsidenten gegenüber abgegeben haben, sein Ziel nur auf legalem Wege er­reichen. Uns scheint aber die Frage brennend zu werden, ob nicht die geistige Grundeinstel- l u n g des Stahlhelms zu dem verfassungsmäßi­gen deutschen Staat einer näheren Prüfung unter­zogen werden muß. Was würde unter dem Kai- f erreich einer Organisation geblüht haben die sich erkühnt hätte, vom Kaiser und der kaiserlichen Regierung als „revolutionäre Gewal­ten" zu sprechen? Man würde wahrscheinlich kurzen Prozeß mit ihr gemacht haben. Kann eine

es Völkerbundrates.

konischen Anregungen wegen Beitritts der Ver­einigten Staaten zum Internationalen Ge­richtshof im Haag besprochen. Zu dieser etzteren Frage wurde beschlossen, baß bas am näch­ten Montag gufammentretenbe Iuristenkomitee ür bie Revision bes Haager Statuts bie in Form einer Note gemachten amerikanischen Anregungen berücksichtigen soll. Chamberlain wirb in öffent* kicher Sitzung eine Erklärung zu dieser Frage ab» geben. In der Schlußsitzung wird ferner bie von ber Saarregierung beantragte Genehmigung zur Auflage einer internationalen Anleihe in Höhe von 250 Millionen Franken im Sinne einer Vertagung auf Juni behanbelt werben.

Chamberlain über die Ratstagung.

wtb. London, 9. März. (Eig. Meld.) Bei einem Interview mit dem Genfer Korrespondenten des „Daily Expreß" äußerte Chamberlain: Man muß im Auge behalten, daß nicht ich es war, son­dern ein anderer (gemeint ist Dr. Stresemann), ber Artikel 19 anführte. Aber ba bie Sache aller­seits in freunbschaftlichem Geiste erörtert mürbe, glaube ich bestimmt, baß wir eine Lösung errei­chen werben, bie für alle befriebigenb ist. Die Frage ber Rheinlanbräumung ist biesmal nicht aufgeworfen worben unb wenn ich auch Dr. Stresemann unb Branb privatim gesprochen habe, fo haben wir bie Sache boch überhaupt nicht erör­tert weil wir der Meinung sinb, baß nichts ge­schehen kann, bevor- bie Sachvexstänbi* gen irgendein Ergebnis erreicht haben. Die bri­tische Politik bleibt indessen unverändert. Wir sind für R ä u m u n g zum f r ü h e st m o g l i ch en 3eliountt