FuldaerZertung
Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.
Rr 57.
srlcheinl sechsmal wöchentlich. Wochenbellagem „Die Welt im Bild" und „Buchenbiälter". RotationsdrucI und Verlag der Fuldaer Actiendruckeret in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatl. 1,80 einschl. Postgeb. (30 bezw. 48 Pf.» ohne FusteNg
Freitag, 8. März 1929.
Anzeigen-Preise Klemzeile (Colonel) lokai 0,15 jO auswärts 0,20 JUt Retlamezeile: lokal 0,60 JLH auswärts 0,80 JU. Bei Wiederholungen Rabatt.
Postscheckkonto Franksurt a. M. Nr 4051
56.Zahrg.
Jie Ausgabe des geplanten zentralbanK-Mslilnls.
wtb. Paris, *1. März. (Eig. Meldg.) Die Aufgabe des von der Sachverständigenkonserenz geplanten Zentralorganismus definiert Echo de Paris wie folgt:
1. Die Reparationen so zu verwalten, daß die deutschen Wertpapiere aus den verschiedenen Märkten in möglichst kurzer Zeit in möglichst großem Ausmaße untergebracht werden können.
2. Eine derartige Politik zu verfolgen, daß Deutschland daran interessiert sei, den obligatorisch ungeschützten Teil seiner Jahreszahlung zu erhöhen oder ihn zu vermindern, solange die Entschädigungsanteile und die Transferierungen nach dem Auslande ausgesetzt werden können.
3. Deutschland zu ermächtigen, seine Transferierungen zu verschieben, wenn der Zustand seiner Währung es nötig mache.
4. Für kurze Perioden festzulegen, was von feder Annuität in Form von Geld und in Form von Sachlieferungen bezahlt werden können: also Festsetzung des obligatorisch ungeschützten Teiles und des bedingt transferierbaren Teiles.
Der Petit Parisien will auch wissen, daß man in gewissen Kreisen der Reparationskonferenz zwar nicht die Ausdehnung der Befugnisse des Zentral-
Die Debatte in Genf.
Die in deutscher Sprache gemachten und in der Sache selbst wohlbegründeten Ausführungen des Reichsaußenministers Dr. Stresemann zur Minderheitenfrage, die wir schon meldeten, machten nicht nur im Publikum, sondern auch am RatstNch tiefen Eindruck. Die französische Uebersetzung wurde nut der gleichen Aufmerksamkeit angehört. Erst uor der englischen Uebersetzung lichtete sich der Saal, und die angeregten Gespräche in den Wandelhallen bestätigten durchaus den im Saal entstandenen nachhaltigen Eindruck der Worte des deutschen Ratsmitgliedes.
In der Nachmittagssitzung nahm erwartungsgemäß als erster Redner der polnische Außenminister Z a l e s k i dos Wort. Die allgemeinen Bemerkungen, die Zaleski zu der Minderheitenfrage machte, waren sehr kurz und selbstverständlich im wesentlichen negativ. Man dürfe, so meinte er, nicht die möglichen Rückwirkungen auf die Gefühle der Mehrheit vergessen. Die beständigen Interventionen, die durch mehr oder weniger begründete Beschwerden hervorgerufen würden, entnervten die öffentliche Meinung und machten sie manchmal den von der Minderheit verlangten Lösungen wenig geneigt. Selbstverständlich wandte er sich auch gegen eine weitere Oeffentlichkeit des Verfahrens.'
Nach Zaleski gab der rumänische Vertreter T i - t u l e s c u eine kurze Erklärung ab, in der er sich vorbehaltlos den Erklärungen Zaleskis anschloß.
Dann kam die ebenfalls mit begreiflicher Spannung erwartete Rede Chamberlains. Er behandelte zunächst Details und verbreitete sich besonders eingehend über die bisherige Tätigkeit des Dreierkomitees, die er mit einer Lebhaftigkeit verteidigte, als wenn alles in bester Ordnung gewesen wäre. Trotzdem, so sagte Chamberlain, wolle er nicht sagen, daß das bisherige Verfahren vollkommen und endgültig fei. Auch drückte er die Hoffnung aus, daß in Zukunft eine größere Publizität gewährt werden könne, obwohl er vorher lehr eingehend die angeblichen Gefahren geschildert hatte, die ein mehr oder weniger öffentliches Verfahren mit sich bringe. Das grundsätzlich Bedeutsamste in der Rede Chamberlains waren Ausführungen über die bekannte Erklärung Mello Francos und seine damaligen zustimmenden Bemerkungen. Er wies nunmehr ausdrücklich die Auslegungen zurück, die in der sogenannten Assimilationstheorie gipfeln. Er habe damals nur sagen wollen, daß der Zweck der Minderheitenverträge der sei, die Verhältnisse in den Minderheitcnstaaten so zu gestalten, daß die Min- derheitcnangebörigen als loyale Bürger und bei dem Staate leben könnten, dem sie angehören Auch sei er nicht der Auffassung, daß der Minderheitenschutz keinen dauernden Charakter habe. Er wolle nur" hoffen, daß die Entwicklung so verlaufen werde, daß die Beziehungen zwischen den Staaten und ihren Minderheiten sich allmähsich so gestalten, daß der Rat in absehbarer Zeit nicht mehr in die Notwendigkeit versetzt werde, seine Garantieverpflichtungen anszuüben. Chamberlain knüpfte nochmals mit feierlicher Betonung an die siuganefer Bemerkung Brian d s von den geheiligten Rechten der Minderheiten an, die er scharf unterstrich. Die Schutzpflicht des Rates fei in der Tat eine heilige Pflicht, die er niemals vernachlässigen wolle. Das könne nicht stark genug betont werden. Aber den Rechten der Minderheiten entsprächen Pflichten. Sie schuldeten dem Staate, zu dem sie gehörten, Loyalität. Gegen Ende der Rede Chamberlains kam eine un- freundliche und schulmeisterliche Zurückweisung jener Stelle in der Stresemannrede, in der von dem ewigen Wechsel gesprochen wird, den man im Verhältnis der Völker zueinander feststellen könne, wenn man die Geschichte der Jahrhunderte durchblättere. Chamberlain sprach in diesem Zusammenhang von einer unnötigen Anspielung, die Stresemann gemacht habe. Insbesondere könne die Herstellung eines Zusammenhanges zwischen dem Artikel 19 des Völkerbund-Paktes IRevisionsartikel) und den Minderheitenverträgen mir Unruhe Hervorrufen. Demgegenüber ist fest- Mstcllen, daß in der Rede Stresemanns tatsächlich dieser Zusammenhang nicht enthalten ist Schließlich unterstrich auch Chamberlain die Auffassung. daß der gesamte Fragenkomplex zu um- fanareich sei, um in einer einzigen Tagung er-
organismus, den das Blatt ein Clearing House nennt, auf die alliierten Schulden bei Amerika angedeutet habe, daß aber die Sachverständigen zweifellos damit rechneten, daß eines Tages, wenn dieser Organismus zur Befriedigung aller funktioniere, Amerika einwilligen werde, ihm auch die Verwaltung der interalliierten Zahlungen zur Befriedigung Amerikas anznverttauen.
Vie deutsche Ausfuhr.
wtb. Neuyork, 7. März. (Eig .Meldg.) Der Pariser Berichterstatter von Herald and Tribüne will ans zuverlässiger Quelle erfahren haben, daß eine der bemerkenswertesten Aufgaben der geplanten Reparationsbank die Auflegung von Anleihen für verschiedene, namentlich europäische, Länder sei, denen dadurch ermöglicht würde, mit deutschen Jndustriekonzernen Verträge abzuschließen. Ans diese Weise soll für eine Reihe von Jahrm für Deutschland ein Ausfuhrüberschuß ge- sr'ch ert werden. Ein derartiger Vorschlag,'der zuerst vom Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht ge- machfworden sei, sehe in seiner jetzigen Form vor, daß die Reparationsbank auch für Deutschland als Anleihenvermittler benutzt würde.
ledigt zu werden. Auch er trat für die Bestellung eines Gremiums im Schoße des Rats ein, das ein gründliches Studium aller hier aufgeworfenen Fragen vorzunehmen habe. Dabei konnte sich Chamberlain eine besondere Verbeugung vo dem polnischen Antrag nicht versagen, Indem er bemerkte, daß dieses Gremium auch zu prüfen habe, was innerhalb des Rahmens der bestehenden Verträge bleibe und was darüber hinausgehe.
Nach kurzen Ausführungen des finnländischen Vertreters nahm Stresemann noch einmal das Wort, um sich mit einzelnen Punkten der Rede Chamberlains zu beschäftigen. Er brachte u. a. seine Genugtuung darüber zum Ausdruck, daß das Mißverständnis hinsichtlich der Erklärung Mello Francos nunmehr ausgeräumt sei. Ferner wandte er sich gegen die Deutung, die Chamberlain seinen oben angeführten Bemerkungen über dcn ewigen Wechsel in der Geschichte gegeben habe-
*
Aus dem Verlauf der bisherigen Minderheitendebatte und ihrem vorläufigen Ausgang können zwei Punkte von Bedeutung festgestellt den: Das ist einmal die positive Erklärung Chamberlains, worin er in jeder Form von Mello Franco und seiner Assimilationstheorie abrückt und sodann das Eintreten Chamberlains für die Einsetzung einer Studienkommission, welche die einschlägigen Fragen nach allen Richtungen hin ventilieren soll. Rach den Eindrücken, die man vor der Tagung empfangen hatte, mußte die Annahme bestehen, daß auch Chamberlain zu denjenigen gehören würde, die es am liebsten sähen, wenn oie ganze Debatte schon in dieser Tagung durch einen mehr oder minder nichtssagenden Bericht abgeschlossen worden wäre.
♦
wtb. Genf, 7. März. (Eig. Meld.). Mit halbstündiger Verspätung ist der Völkerbundsrat heute vormittag kurz vor 12 Uhr zu einer neuen öffentlichen Sitzung zusammengetreten. Das japanische Ratsmitglied Adashi, das entsprechend dem gestrigen Auftrag dem Rat heute vormittag Vorschläge über die Zusammensetzung und das Mandat des Berichterstatterkomitees über das Minderheitenproblem machen sollte, teilte zu Beginn der Sitzung mit, daß er noch nicht in der Lage sei, feinen Bericht vorzulegen. Er werde seinen Bericht erst in der Nachmittagssitzung vorlegen. Eine vorhergegangene, fast einstündige Unterredung zwischen dem deutschen und dem englischen Außenminister dürfte zum Teil der Einsetzung der geplanten Berichterftatterkomitees gegolten haben. Im weiteren Verlauf der öffentlichen Sitzung wurden mehrere Berichte über wirtschaftliche Fragen und Opiumfragen entgegengenommen.
England und Ostafrika.
Zustimmung des britischen Kabinetts zur engeren Verbindung afrikanischer Gebiete.
wtb. London, 7. März. (Eig. Meld.). Den Blättern zufolge hat das Kabinett den Vorschlägen der Hilton Voung-Kommission über eine engere Verbindung der ost- und zentralafrikanischen unter britischer Kontrolle befindlichen Gebiete im großen und ganzen zugestimmt. Dies bedeutet u. a. die sofortige Ernennung eines Oberkommissars. Daily Mail will auch von dem Plan einer, großen Anleihe für den Ausbau der Eisenbahnen in Ostafrika wifsen.
* Die vorwitzigen Demokraten. Mt großen Schlagzeilen hakte bk demokratische Presse dieser Tage eine Interpellation der Demokratischen Reichstagsfraktion angekündigt, die sich gegen den bayerischen Ministerpräsidenten richtete. Inzwischen ist es still geworden um diese „mannhafte" Aktion. Denn ein Stirnrunzeln der Bayerischen Volkspartei im Reiche und der sanfte Hinweis darauf, daß ein solches Vorgehen einer Regierungspartei gegen die andere doch wohl einige „Konsequenzen" haben müsse, hat die Demokraten veranlaßt, schleunigst sich zurückzuziehen. Die Interpellation ist inzwischen in den Papierkorb gewandert, im Reichstag waschen die Demokraten . ihre Hände in Unschuld.
Die Revolution in Mexiko.
Der Fall der Stadt Monterey wird durch in Mexikv-City eingegangene offizielle Nachrichten bestätigt. Die Streitkräfte der Aufständischen unter Führung des Generals Escador waren den Regierungstruppen stark überlegen. Die Regierungstruppen sahen sich nach hartnäckigem Ringen und, nachdem ihr Kommandant gefallen war, genötigt, unter großen Verlusten den Rückzug anzutreten.
Die Bedeutung, die die Regierung dem Fall von Monterey beimißt, zeigt sich deutlich darin, daß bereits eine konzentrische Truppenbewegung mit Monterey als Mittelpunkt angeordnet wurde, die die Stadt wieder in die Hände der Regierung bringen soll. Beträchtliche Truppenmassen unter General Almazan, die ursprünglich gegen die Aufständischen in Vera Cruz angesetzt waren, sind, nordwärts auf Nuevo Leon in Marsch gesetzt worden. Weitere Kolonnen sind mit demselben Marschziel von Tampico aufgebrochen. Ebenso bewegen sich die der Regierung treu gebliebene Truppenkörper der Garnisonen an der mexikanisch-amerikanischen Grenze aus Matamoras an der Grenze von Texas und aus Nuevalaredo am Rio Grande südwärts gegen Monterey.
*
Associated Preß meldet aus Mexiko: Wieossi- ziell bekannt gegeben wird, ist die Stadt' Monterey von den Bundestruppen zurückerobert worden. Auch Cordoba im Staate Vera Cruz, ist von den Regierungstruppen wieder besetzt worden. In offiziellen Kreisen Mexikos ist man der Ansicht, daß die Regierungstruppen innerhalb von drei Tagen auch die Stadt Vera Cruz wieder besetzen werden.
Stufige Sfraßenkämpfe in Veracruz.
wtb. Mexiko, 7. März. (Eig. Meld.) Der Zusammenbruch der Revolution in Veracruz scheint unmittelbar bevarzustehen. Nach einem hier veröffentlichten amtlichen Bericht hat in Veracruz zwischen den Streitkräften, die unter dem Befehl des Generals Aguirre und Truppenabteilungen, die ihn im Stich gelassen haben, ein blutiger Straßenkampf stattgefunden, der erst ein Ende nahm, als das Konsularkorps zur Verhinderung weiteren Blutvergießens eingriff. Es wurde schließlich ein Waffenstillstand vereinbart,^ der die Bedingung enkhieff/oaß "Generäl Agmrre hie Stadt verlass?. Es wird angenommen, daß er auf einem Schiff entkommen ist.
Die Stimmung in der Stabt Mexiko.
wtb. Rewyork, 7. März. (Eig. Meld.) Die Blätter veröffentlichen eine längere Erklärung bes Präsidenten Gil, in der aufgrunb der Erfolge die die Regierungstruppen in den letzten Tagen erzielt haben, der baldige Zusammenbruch der Aufstandsbewegung vorausgesagt wird. Die optimistische Auffassung in der mexikanischen Hauptstadt soll auch durch ein Telegramm des mexikanischen Botschafters in Washington verstärkt worden sein, das die Versicherung erhalte, die mexikanische Regierung könne ungehindert Waffen aus den Vereinigten Staaten beziehen. Aus Washington verlautet, daß Kellogg bereits mit dem neuen Kriegssekretär Good über den Verkauf überflüssigen Kriegsgeräts an Mexiko verhandelt habe. (Die Nordamerikaner scheinen an der Regierung Gil und Calles sehr interessiert zu sein).
General Jose Gonzalez 6scabatf
Kommandant des mexikanischen Staates Coahuila, hat die Truppen der revolutionären Südprovinzen Mexikos gesammelt. Er hat gegen die Regierungstruppen des Ex-Präsidenten Calles bereits wesentliche Erfolge errungen.
preußischer Landtag.
Der Preußische Landtag erledigte am Mfttwoch zunächst zahlreiche Kleine Vorlagen. Dabei sanden Anträge des Handelsausschusses Annahme, die unter Bezugnahme auf den letzten großen Berliner Warenhausbrand das Staatsministerium ersuchen, durch einzeln aufgeführte Maßnahmen die Feuersicherheit in den Warenhäusern zu gewährleisten.
Im übrigen wurde die allgemeine Aussprache zum Justizetat nach einer ausführlichen Debatte über öen Strafvollzug beendet. Justizminister Dr. Schmidt stellte als Ziel feiner Bemühungen hin, durch gerechte und humane Behandlung die Gefangenen nach Möglichkeit zu nützlichen Gliedern der menschlichen G e s e l l s ch a f t zu ergeben, ohne dabei den Schutz
der Gesellschaft vor Berufs- und Gewohnheitsverbrechern außer Acht zu lassen.
Der Landtag vertagte sich auf Montag, 18. März, wo die Einzelaussprache sowie die Abstimmungen über den Justizetat und die zweite Lesung kleinerer Haushalte durchgeführt werden soll. In der Zwischenzeit werden die Ausschüsse die Etatsberatung weiter fördern.
*
V. D. Z. Berlin. 7. März. (Eig. Meld.) Der Hauptausschuß des preußischen Landtags begann am Donnerstag die Vorberatung des Kultushaushalts, die bis zum Mittwoch nächster Woche dauern soll. Zunächst werden die Abschnitte „Ministerium und allgemeine Zwecke", „Geistliche Verwaltung" und „Volksschullehrerbil- düng und Volksschulwesen" zur Beratung gestellt.
Das Echo von Utrecht.
Der Vorstand der Holländischen Jour, n a l i st e n v e r e i n i g u n g hat in einer außerordentlichen Sitzung mit Bedauern davon Kenntnis genommen, daß der Chefredakteur des „Ut- rechtsch Dagblad" auf das telegraphische Ersuchen, sich für die Durchführung einer eingehenden Untersuchung mit Bezug auf die Veröffentlichuw gen dieses Blattes vorbehaltlos zur Verfügung zu jfeilen, lediglich auf die in seinem Blatt veröffentlichten Erklärungen verwiesen habe.
In einer einstimmig angenommenen Entschließung wird an die Journalisten der von dem Utrechter Zwischenfall betroffenen Länder die Aufforderung gerichtet alles tn ihrer Macht Liegende zu tun, was die Verständigung zwischen den Völkern fördern und den Gei st des Mißtrauens beseitigen könne.
*
Wie der „Vorwärts" in später Nachtstunde über Amsterdam erfährt, ist der Fälscher Frank- Heine Mittwoch abend in Brüssel plötzlich kurzerhand auf freien Fuß gesetzt worden.
*
wtb. Paris. 7. März. (Eig. Funkm.) „Journal" gibt die Nachricht wieder, die bestätigt, daß Albert Frank mit einem Beamten der bet g is chen militärischen Sicherheitspol i ze i in der Fälschungsangelegenheit z u s am- m enge arbeitet habe. Frank habe von dem Beamten verlangt, er möge ihm Papiere mit dem Kopf des Kriegsministeriums und mit dem Trok- kenstempel versehen, besorgen und er werde ihm dafür ein außerordentlich wichtiges deutsches Dokument, das die nationale Verteidigung Belgiens betreffe, besorgen.
Was gehl vor?
Aus Berlin wird uns geschrieben:
Die politisch-parlamentarische Lage hat zahllose Federn in Bewegung gesetzt. Dabei ist wohl manchem auch die Zunge etwas gelöst worden, und wessen das Herz voll ist, davon läuft der Mund über! . . .
Und so kann man hie und da mehr oder weniger verschämt Andeutungen vernehmen, die gewiss« geheime Wünsche offenbaren. Besonder^ auffallend ist, was die „Deutsche Allgemeine Zeitung" von einem „Kabinett der Persönlichkeiten", das unter einem „bewährten und starken Führer" stände und das mit Hilfe eines „Ermächtigungsgesetzes" regieren solle.
Was geht da wohl vor?
Wer etwas Einblick in die Dinge hat, weiß, daß es sich hier um nichts anderes handelt, als um die Lancierung des früheren Reichskanzlers Dr. Luther als deutscher MSssolini! . . .
Warum sagt man bas aber nicht offen heraus? Hugenberg würde ganz bestimmt nicht vor Neid zerplatzen, denn er wäre seines Statthalters sicher! . . .
Das deutsche Volk aber wird sagen: wir danken für eine Uebertragung der Diktatur a n bie Reichsbürokratie.
*
Zum Thema Diktatur schreibt in bemerkenswerter Weise bie konservative .Lreuzzeitung":
„Vom Diktator sprechen alle. Weder rechts noch links ober in der Mitte auch nur fein Schatten in Sehweite. Ein erfolgreicher Diktator ist ein Mann, der sich durch das von feiner Persönlichkeit geschaffene Recht zum Träger des Wollens feines Volkes macht. Er ist Klarer und Ersüller der Sehnsucht der Besten. Derartige Männer zur rechten Zeit sind ein Geschenk der Vorsehung. Man kann sie nicht finden, ernennen oder erwarten. Sie ergeben sich nicht aus den Seifenblasen politifdjer Wunschträume. In keinem Lande der Erde wird eine Diktatur so schwer auf' zu richten fein wie in Deutschland, einmal, roü der alte iacitus sagen würde „propter inoibiam", wegen bes Neides, bann aber auch, weil das deut, fche Volk es auf die Dauer nicht erträgt, anders als mit paragraphierter Ordnung regiert zu werden. Ferner ist die Durchsetzung einer diktatorischen Persönlichkeit auf bas engste mit der Wiedererlangung der deutschen Freiheit nach außen verbunden. " Ein Kampf um bie deutsche Freiheit mit bem Ausland ist aber auch für einen Diktator erst bann möglich, wenn er im Innern Ordnung geschaffen hat und wenn eine Wendung bet Volkskraft nach außen ohne die Gefahr eines inneren Zusammenbruches möglich ist. Solange man keinen Diktator hat, kann man also das Wort Diktatur auf sich beruhen lassen. Es führt nur Putschisten in Versuchung, wobei zu bemer ken ist, daß Puffchgefahr von rechts nicht besteht.'
Ei«- deutliche Abfuhr für den Diktatur-Anwärter Hugenberg! Neuerdings.spricht man da--