Jlr 56
Donnerslag, 7. März 1929
lokal 0,60 MC, Kfi "LflhVfi ngen Rabatt. uU.jUyiy.
Postscheckkonto Frankfurt a. M. 9lr.' 4051.
Bl
E3
Die Rede Stresemanns in Genf
^rlcheinl sechsmal wöchentlich. Wochenbeilaaen „Die Welt >m Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatl. 1,80 einscbb Postqeb. (30 bezw 48 Pf., ohne Juslellg
V-D. Z. Berlin, 6. März. (Eig. Meldg.) Zugleich mit dem Reichshaushaltsplan für 1929 und den dazu gehörigen Steuervorlagen war dem Reichsrat auch ein Gesetzentwurf zur weiteren vorläufigen Regelung des Finanzausgleiches vorgelegt worden. Dieser Entwurf stand am Dienstag mit auf der Tagesordnung des Reichs-
die Wähler bei Laune zu erhalten mit der Erwartung, daß ja das Zentrum schon für die Staatsinteressen eintreten werde.
Zuerst muß hier Remedur geschaffen werden; zuerst muß man geschützt sein, daß keine von den Regierungsparteien einer anderen in den Rücken fällt, — dann kann man sich über Mi- nistcrsitze und Personalien leicht verständigen. Aber auch dann hat eine Fraktion das Recht, die be
sten Männer ihres Vertrauens zu präsentieren und wird sich dieses Rechts, wenn auch in Anpassung an die gegebenen Verhältnisse und getragen von Verständigungswillen, stets bedienen wollen.
Ich wage zu hoffen, daß die Schule der Erziehung zur verantwortlichen Demokratie begonnen hat, und daß die unter st e Schulklasse mit den g r ö b st e n Fehlern bald zu Ende gehr.
* Landvolkkundgebungen in Schleswig-Holstein. In Schleswig-Holstein haben an verschiede- nen Orten, so in Rendsburg, Itzehoe, Husum, Bordesholm, große Landvolkkundgebungen unter
Zeldmarfchall Robertson warnt!
rotb. London, 6. März. (Eig. Meld.). Feldmarschall Sir William Robertson äußerte gestern abend in einer Rede eine ernste Warnung g e ge n den zunehmenden Rüstungswettbewerb und dieGefahreinesneuenWelt- Krieges. Er sagte: Obwohl der Krieg von allen Nationen mehr oder weniger verurteilt wird, finden die Vorbereitungen für den Krieg in der früheren Weise statt Frankreich und Italien haben ungefähr ebensoviel Mann unter den Waffen wie 1914. Deutschland beschwert sich dauernd über das, was es seine wehrlose Stellung nennt und die militärischen Beschränkungen, die Deutschland in Versailles auferlegt wurden, können nicht mehr lange aufrecht erhalten werden. Andere mitteleuropäische Nationen sind stark bewaffnet und bereit, sich gegenseitig an die Kehle zu springen. Amerika hat den Kellogg-Pakt angenommen. Dies hat je- doch nicht behindert, daß es trotzdem 14 weitere Kreuzer bauen wird.
Reichsbankpräsident D r. Schacht wird sich an- fangs der kommenden Woche auf zwei oder drei Tage nach Berlin begeben. Seine Reise steht jedoch laut Voss. Zeitung, im Gegensatz zu den darüber verbreiteten Meldungen, in keinem Zusammenhang mit den Verhandlungen der Nepara- tionskonferenz, sondern hat rein privaten Charakter. Dr. Schacht nimmt an einer am 12. März in Berlin stattfindenden Hochzeit teil und wird voraussichtlich noch am selben Abend nach Paris zurückkehren.
Die Dokumente sind jedenfalls aus einem üblen Sumpf ans Licht gefördert worden. Der Fälscher der Utrechter Dokumente Frank-Heine hat noch vor seiner Verhaftung von Holland aus versucht, die Oeffentlichkeit in Belgien durch ein Interview im Brüsseler „Soir" für sich zu gewinnen. Nur wird man diese Erklärungen für nicht viel
V.D.Z. Berlin, 6. März. (Eig. Meldg.) Der Haushaltsausschuß des Reichstags trat heute in die zweite Lesung des Nachtragsetats zum Haushalt des Reichsernährungsministeriums 1928 ein. Vom Unterausschuß sind A b st r i ch e gemacht worden an dm Aufwandgeldern für den Minister und Staatssekretär.
Anzeigen-Preise: Kleinzeile (Colonels lokal 0,15 MC, auswärts 0,20 MC. Reklamezeile: I * ' auswärts 0,80 MC. Bei Wiederholun
Die Idee öes Clearinghauses.
Dr. Schacht reist nach Berlin.
Zu den Verhandlungen der Reparations-Sach- verständigen erklärt die „Information", es bestätige sich, daß der Sachverständigen-Ausschuß be- absichtige, einen einzigen Organismus, ein richtiges Clearing House, zu schaffen, das die Stelle der Reparationskommission und der Trans- fer-Kommission einnehmen soll. Cs trete ziemlich deutlich zutage, daß dieses Clearing House eine internationale Bank werden würde, deren Aufgabe es sei, den Betrag der von Deutschland zu zahlenden Annuitäten zu kontrollieren und zu regeln. Ihr Aktienkapital würde zunächst von den großen Emissionsbanken der alliierten Länder sowie durch ihre Großbanken gestellt werden. Auch Vertreter der Handelskammern würden in diesen Organismus ausgenommen werden.
Der Utrechter Zwischenfall.
Eine Erklärung des holländischen Mniskerpräsi- denten zu der Utrechter Veröffentlichung.
In der Zweiten Kammer Hollands teilte der Ministerpräsident de Geer mit, daß er aus Anlaß
/"^trauri gen Zwischenfalls, der sich in den letzten Tagen ereignet habe, eine Erklärung abzugeben wünsche: Bevor seinerzeit der Minister, des Auswärtigen nach London abgereift fei, hätte er dem Ministerpräsidenten mitgeteilt, daß die Veröffentlichung eines aufsehenerregenden Schriftstücks zu erwarten fei, von welchem her Herr van Beuningen zu Rotterdam eine Abschrift bei dem Generalsekretär des Ministeriums des Aeußern hinterlassen hatte. Das Original hätte van Beuningen vorgelegt. Beide Minister bedauerten außerordentlich die erfolgte V e r ö f f e n t -
— Stresemann bei Vriand.
Völkerbundsversammlung eingesetzten Fünfer-Ausschuß zur Genehmigung unterbreitet werden. Dse feierliche Grundsteinlegung für den Völkerbunds- palast dürfte während der Völkerbundsversamm- lung im nächsten September erfolgen.
Die Rede Stresemanns.
wtb. Genf, 6. März. (Eig. Meldg.) In der heutigen Sitzung des Völkerbundsrates hielt Reichs- minister Stresemann die mit großer Spannung erwartete Rede über die Minderheitenfrage. Der Minister ging einleitend auf die Entwicklung der Minderheitenfrage in den letzten Jahren ein. Er präzisierte den deutschen Standpunkt und betonte, wmn es sich bei den Minderheitenbestimmungen um eine Art Uebergangs-Regime handeln solle, das den Zweck habe, die Minderheiten in die Mehrheiten ihrer Staaten aufgehen zu lassen, so müsse er dem auf das bestimmteste widersprechen. Rach längeren Ausführungen, in denen der Minister besonders das Verfahren bei Minderheitsbe- fchwerden behandelte, stellte er dem Rate folgende Vorschläge dringend zur Erwägung:
1. Eine Besserung des normalen Verfahren bei der Behandlung von Minderheitsbeschwerden.
2. In Aussicht zu nefjmen, daß die bisher geübte Ausschaltung der beteiligten Rationen bei Minderheitenbeschwerden durch ihre Hinzuziehung ersetzt wird.
3. Zu prüfen, in welcher Weise der Völkerbund seiner Earantiepflicht außerhalb des Gebietes der Petitionen zu genügen hat.
Dr. Stresemann schloß seine Ausführungen mit dem Hinweis, daß der kulturelle Friede der Völker untereinander stärker als Paragraphen für den Frieden wirkten.
Das Mmderherten-problem
Bei der einstündigen Unterredung zwischen Reichsminister Dr. Stresemann und Briand die am Dienstagabend in Genf stattfand, sind, wie in den Kreisen der deutschen Delegation verlautet, alle schwebenden Fragen besprochen worden. Obwohl Einzelheiten nicht bekannt werden, so ist doch anzunehmen, daß irgend eine positive Lösung oder Fortsetzung der in Lugano erfolgten Besprechungen vor dem Abschluß der Arbeiten des Pariser Expertenkomitees für die Repavationsfrage nicht erfolgen kann. Dabei teilt man in den Kreisen der deutschen Delegation die von Chamberlain gelegentlich eines Empfanges der englischen Presse geäußerte Auffassung, daß die R h e i n l a n d f r a ge beim gegemnärtigen Stand der Pariser Verhandlungen für eine Fortsetzung der Besprechungen noch nichl reif ist. Die Abrüstungsfrage wurde mit keinem Wort in der Unterredung zwischen dem deutschen und dem französischen Äußen- minifter erwähnt, während in Bezug auf die Erörterung des Minderheitenproblems verlautet, daß der Standpunkt Briands nicht der bekannten Assimilationstheorie des früheren brasilianischen Ratsmitgliedes Mello Franco entspricht, die ja auch in den kanadischen Vorschlägen zur Verbesserung des Verfahrens in Minderheitenfachen zurückgewiesen wird.
Eine weitere Unterredung des Reichsminister Dr. Stresemann mit dem rumänischen Rals- mitglied Tilulescu galt im wesentlichen ebenfalls der Minderheitenfrage, in der von rumänischer Seite keine Opposition zu erwarten fein dürste.
Der Völkerbundspalast.
Der Generalsekretär des BölktrbundeS- hat aufgrund eines Beschlusses der letzten Völkerbunds- Versammlung den Bauvertrag für den neuen Völ- kerbundspalast, bestehend aus dem Versammlungsgebäude, dem Völkerbundssekretariat und der Völkerbundsbibliothek, unterzeichnet. Die fünf Architekten, die den Bauauftrag erhalten haben, sind Renot, Frankreich; Flegenheimer, Schweiz; Broggi, Italien; Lefevre, Frankreich und Vago, Ungarn. Die Architekten hoffen, ihre Pläne in der nächsten Zeit bereinigen zu können. Der Einheitsplan soll noch in diesem Monat dem von der
Im Reichsrat erstattete zur Einleitung der Beratung über den Reichshaushalt für 1929 der preußische Ministerialdirektor Dr. Brecht den Bericht der Ausschüsse. Er lobte zahlreiche formelle Verbesserungen und fuhr dann fort: Die Reichsregierung hat fünf negative Erbschaften übernommen, die sich jetzt auswirken: Erstens die ungesicherte Kassenlage; zweitens die ungedeckten Ausgaben des außerordentlichen Haushalts; drittens einen „Leertitel" für Arbeitslosenversicherung; viertens einen noch nicht ctatifierten 33-Millionen- Posten für bereits bezahlte Besatzungskosten aus den Jahren 1925 bis 1927 und zu alle dem fünftens die ungedeckten Mehrausgaben für Reparationen unter gleichzeitigem Fortfall einmaliger Einnahmen. Wir sind jetzt tatsächlich soweit, daß über die zulässigen Betriebskredite hinaus die gesamten offenen Anleiheermächtigungen im Wege kurzfristigen Kredits vol. flüssig gemacht werden müssen. Dir Ausschüsse haben eine etwa mögliche Mithilfe von Länderseite angeboten und empfohlen, jede verschiebbare Ausgabe über den 1. April zu verschieben.
Klares Siel.
Von Professor Dr. Dessauer, M. d. R.
Regierungskrisen sind für ein Land, dessen Demokratie jung ist, etwas Ungewohntes und werden mit vielen Kommentaren begleitet. In Frankreich und in anderen alten Demokratien ist man sie gewöhnt, und dort wirft man nicht jedes Mal die grundsätzliche Frage von neuem auf, ob nicht das ganze parlamentarische System verfehlt märe. Man weiß dort schon: es liegt ni ch t am S y st e m, es liegt an den Menschen.
Auch bei uns liegt es an den Menschen! Die Parlamentarier tragen erst seit zehn Jahren die' verantworliche Last des Staates. Vorher standen sie einer geformten Regierung gegenüber, die viel pärfer war als sie selbst, und darum sammelten sie Kräfte in Opposition.
Wenn er in Opposition Kräfte sammelt, sucht der Politiker nach Formen, Wendungen, Gesten, die im Volke Anklang finden, damit er von dmt- her gestärkt werde. Und daran sind die deutschen Parteien durchaus geübt, die Rednerr, die Presse, die Programme: das zu sagen, was sich angenehm hört, was die Scharen hinter die Fahne sammelt, die Gemüter bewegt, die Hoffnung und den Kampfgeist stärkt. Meister in dieser Kunst sind die Flügelparteien der Rechten und Linken, die ja mit solchen Methoden die Scharen ihrer Anhänger geworben und erzogen haben.
Aber — nun sind diese Wählerarmeen rechts und links an diese Sprache, an diese Sorte von Pvlstik gewöhnt, und sie wollen keine andere hören. Es muß aber eine andere Politik geführt und verkündet werden, dann, wenn die Stellung der Opposition mit der verantwortlichen Führung des Reiches vertauscht wird. Was sie als Opposition versprach, muß die Regierungspartei verneinen, weil es nicht geht; was sie als Opposition verwarf, muß sie als Regierungspartei tun — weil die Staatsnotwendigkeit es erzwingt.
Darum ist es besonders hart für die Flügel- I Parteien, zu regieren; darum gibt es jedes Mal Krisen, wenn sie es t u n müssen; darum gab es jahrelange Schwierigkeiten, als die Rechtsmajorität der Wahlen von 1924 diesen Flügel zur Verantwortung zwang; darum gibt es jetzt Schwierigkeiten, wo die Linke, siegreich aus dem Wahlkampf zurückgekehrt, die Staatsverantwortung tragen muß.
Man sieht es am krampfhaften Schwanken I zwischen Demagogie und Verantwortung: — demagogische Anträge für die Wählermassen berechnet, wie der letzte Antrag Breil- fcheid und Genossen, vom eigenen Ministerium als unvollziehbar bezeichnet, von der Sozialdemokratie teilweise zurückgenommcn, von den Kommunisten neu eingebracht, von den Sozialisten in namentlicher Abstimmung selbst geschlossen abgelehnt — wohl bemerkt, ein von ihnen selbst eingebrarfiter Antrag sosialvolitsicher Art (Krisensürsorge, Erwerbslosenfürsorge) . . .
*
Das Zentrum hat in diesen zehn Jahren unter schweren inneren Nöten Zielklarheit bewahrt: eine starke, solide Regierung zu schaffen, ja zu erzwingen. Die Staatsnotwendigkeit ging ihm vor allem anderen, denn zuerst muß ein Volk ein ftaat- , Uches Loben haben, und bann erst kommt die Partei.
wtb. pckris, 6. März. (Eig. Meld.). Der Gen- fer Sonderberichterstatter des Malin glaubt voraussagen zu können, daß die Minderheitenfrage im Laufe dieser Ratstagung nicht erledigt werben kann, sondern einem Ausschuß überwiesen werden würde, schon deshalb, weil Chamberlein sie für zu wichtig hält, als daß sie in einer Tagung erschöpft werden könne.
' V. D. Z. Berlin, 6. März. (Eig. Meldg.) Da nunmehr feststeht, daß der Reichstag den gestern vom Reichsrat nach den Ausschuß-Vorschlägen verabschiedeten Reichshaushalt für 1929 nicht mehr bis zum Beginn des neuen Etatsjahres zu Ende beraten kann, so hat der Reichsfinanzminister nunmehr dem Reichsrat einen sogenannten Notetat zugehen lassen, d. h. ein Gesetz, das die Regierung ermächtigt, bis zur Verabschiedung des endgültigen Haushalts die notwendigen Ausgaben im Nahmen des vorjährigen Etats zu machen. Die zuständigen Ausschüsse des Reichsrats werden sich, wie das Nachrichtenbüro des V. D. Z. hört, bereits am Freitag mit dem Notetat beschäftigen, der dann In der nächsten Woche vom Plenum des Reichsrats verabschiedet werden und dem Reichstag vorgelegt werden kann.
I lichung; diese sei jedoch nicht zu verhindern ge- I wesen. Der einzige Weg, der der Regierung offen gestanden habe, habe darin bestanden, den betroffenen ausländischen Regierungen Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben. Die Regierung sei davon überzeugt, daß Holland von keinem einzigen Volke Gefahr drohe. Der Ministerpräsident sprach zum Schluß den Wunsch aus, daß diese unglückseligen Tage bald in Vergessenheit geraden mögen.
Mssse Zielklarheit, von den Wählern ost miß- versMiden, ist diesmal verstanden und mit Freuden begrüßt worden.
Unser Ziel ist Erzwingung einer konsolidierten, starken Mehrheitsregie- r u n g.
Das wollte Wirth, das wollte Marx mit der Volksgemeinschaft — das wollen wir jetzsi
Eine starke Regierung: das heißt V erst fl i ch t u n g der Regierungsparteien, daß keine von ihnen demagogische Anträge stellt, um damit im Lande Propaganda zu machen, sondern daß jeder Antrag im Schoße ber Regierunas- koalition geprüft und geklärt sei, bevor er an die Oeffentlichkeit tritt.
Nur dadurch kann das böse Spiel eine Ende finden, das man so lange und erfolgreich spielte- demagogische Anträge zu stellen in der Zuversicht daß ja das Zentrum sich schützend vor den Staat stellen und das Odium der Ablehnung auf sich nehmen wetzde!
Gegenüber diesem großen Ziel der stetigen dif- ziplinierten Regierung kommt nichts von gleicher Rangordnung in Frage. Das Reich muß stabil regiert werden. Hierfür gibt es keinen Kuhhandel, keine Bedingung, keine Abhängigkeit davon, was fönst in Ländern geschieht. Die Reichsnotwendigkeiten können nicht abhängig sein davon, ob andere Parteien in Preußen oder irgendwo Ministersitze bekommen Erst jenseits dieser Klärung, erft in b’m ruhigeren Strom der koalitionsmäßigen disziplinären Bindung beginnt für uns die Möglichkeit, die Dr Ludwig Haas in em-m Aufsatz „Dertrauenskrisis?" in Nr 90 des „Berliner Tageblatts" ermähnt. Dieser Aufsatz ist eine Entgegnung auf Wirth's sorgenvollen Artikel in der „Deuttoen Republik". Haas meint, der Parteiegoismus der Fraktionen sei an der ungesunden Entwicklung der Demokratie in Deutschland Schuld. Darin hat er soweit Recht, wie es in dem vorliegenden Aufsatz bargelegt wurde. Aber er meint weiter, baß die Fraktionen ihren Egoismus darin betätigen, daß sie in die Personallragen und in | die ziffernmäßige Verteilung der Minister hinein- | reden.
Enthaltsamkeit bei der Auswahl der Minister kann aber von den Fraktionen nur in beschränktem Maße und erst bann verlangt merben, wenn eine ^verlässige Garantie für eine disziplinierte, kontinuierliche Führung der Regierungsgeschäfte besteht. Und diese Garantie befiehl nicht, solange die Parteien glauben, auch wenn sie in der Regierung find, demagogische Anträge stellen zu dürfen, um
. UMMsgleich vertagt.
। rals. Er ist jedoch, wie das Nachrichtenbüro des V. D. Z. hört, noch einmal zurückgestellt worden, da sich die Reichsratsausschüsse noch nicht über feine endgültige Formulierung einig geworden waren. Auch über den Antrag der freien Stadt Hamburg, die Gemeindegetränkesteuer wieder ein- zusühren, ist also noch keine Entscheidung im Reichsrat gefallen.
r echter halten dürfen als feine Dokumente. Jedenfalls scheint da Wahres und Falsches in höchst zweckmäßiger Weise durcheinandergemischt zu sein: Frank-Heine präsentiert sich als ein belgischer Patriot, ber die deutsche Spionage mit den gefälschten Dokumenten hereingelegt habe. Er erzählt, er habe von Köln aus Anfragen privater deutscher Spionageorganifationen erhallen, sei scheinbar auf deren Angebote eingegangen, habe jedoch die belgischen militärisch. Stellen stets auf dem Laufenden gehalten. Um der deutschen Spionage einmal etwas Besseres als bloße Nachrichten über militärische Ausrüstung usw. bieten und sich deren Vertrauen erhallen zu können, habe er „gewisse zuständige Stellen in Brüssel gebeten, ob es möglich sei, Dokumente von wichtiger und schwerwiegender Natur zu bekommen. Es gab zuerst ein gewisses Zögern, aber man gab mir zu verstehen, daß ich sie ja s e l b st a n f e r t i g e n könnte". Wie das Wolfsbüro aus Amsterdam meldet, will ber Sonderberichterstatter des „Allgemeinen Handelsblad" in Brüssel erfahren haben, die Utrechter Dokumente seien unter Mitwirkung belgischer Generalstabsoffiziere angefertigt.
Frank-Heine war gelegentlich auch bei der deutschen Gesandtschaft in Brüssel beschästigl als Uebersetzer aus dem Flämischen. Er hat es offenbar verstanden, sich überall Vertrauen zu erschleichen.
Gegenüber den Meldungen Berliner Zeitungen, daß der in Brüssel verhaftete Frank-Heine nad) seinem Geständnis indirekt auch mit Hugen- b e r g in Verbindung gestanden und durch den Brüsseler Korrespondenten des Hugenbergschen Verlags, Dr. Bährens, finanzielle Zuwendungen erhallen habe, erklärt ber „Lokalanzeiger" daß zwi. fchen Geheimrat Hugenberg, dem Scherl-Verlag oder sonstwie Geheimrat Hugenberg nahestehenden Unternehmungen und dem Heine keinerlei Beziehungen bestanden hätten.
*
rotb. panis, 6. März. (Eig. Meld.) Oeuvre stellt in seiner heutigen Nummer im hervorgehobenen Druck zu der Veröffentlichung des Utrechter Tagblads folgende Fragen: Ist es richtig, daß der Plan der Fälscher darin bestand, das falsche Dokument in Umlauf zu bringen, damit Frank- reich und Belgien verdächtigt würden und eine allgemeine Atmosphäre der Mißstimmung und des Mißtrauens geschaffen würde? Ist es richtig, daß in einem Kabineltsral in Brüssel am Montagabend offenbar wurde, daß der Kabinettschef des in Frage kommenden Ministeriums, ohne allerdings von der Fälschung etwas zu wissen, doch über das Vorgehen feiner Sicherheilspolizeibehörden Bescheid wußte? Das Blatt oenrntH, datz her heutiae Tag einige Aufklärung über diese verschiedenen Punkte bringen wird. ________________
FuldaerZertung
Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches kreisblatk.