Einzelbild herunterladen
 

M einseinammer io M. (mit 3flunr. Benage 15 M J iuldaerZeitung Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Nr 54.

isnajemi sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9.

Monatl. 1,80 einschl. Postgeb. (30 bezw 48Pf.i obnestustellg

Dienstag, 5. März 1929.

Anzeigen.Preise Kleinzeile (Colonels lotm 015 JUL auswärts 0,2Ö JUl Reklamezeile-, lofal 0,60 JUl auswärts 0,80 JUL. Bei Wiederholungen Rabatt.

Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr. 405 l•

Sö.Zahrg.

Eröffnung Her 54. Tagung deß Pö kerbunhraN.

Das Minderheiten - Problem.

wtb. Genf. 4. März. (Gig. Meld.) Der Völker­bundsrat hat heute vormittag um 11 Uhr mit der üblichen vertraulichen Sitzung unter dem Vorsitz des neuen Ratspräsidenten S c i a l o j a seine 54. Tagung be^ nnen. Diese vertrauliche Sitzung dient, wie gewöhnlich, der endgültigen A u s st e l l u n g der Tagesordnung, die inzwischen durch eine zwischen dem stellvertretenden südslavischen Außen­minister Kumanudis und dem ungarischen Gesand­ten in Bern Hvesy gestern getroffene Abmachung über die B e r t a g u n g des südflavisch-ungarischen Optantenstreites entlastet worden ist. Beide Par­teien haben sich mit einem Vertagungsantrag brieflich an den Generalsekretär gewandt, um zu versuchen, durch direkte Verhandlungen bis zur Juni-Tagung des Völkerbundsrates zu einer Ver­ständigung zu gelangen. Damit bildet der litauische Antrag auf Hinzuziehung zu der grundsätzlichen Er­örterung der Minderheitenfrage den Hauptgegen­stand der vertraulichen Eröffnungssitzung .

Anläßlich der neuen Ratstagung sind außer den Außenministern der fünf Ratsmächte Deutsch­land, England, Frankreich, Finnland und Polen auch die Außenminister Südslaviens, Griechenlands, Bulgariens am Sonntagabend in Genf eingetroffen. Die Anwesenheit dieser drei Außenminister wird ebenfalls mit dem hier zur grundsätzlichen Erörterung stehenden Minder­

heitenproblem in Zusammenhang gebracht. Sie dürfte aber vor allem bedingt sein durch die für diese Woche in Genf geplante Unterzeichnung des neuen griechisch-südslavischen Freund­schaftsvertrages und der gleichzeitig getrof­fenen Wirtschaftsabmachung, durch die bekanntlich auch eine Freihafenzone in Saloniki geschaffen wer­den soll. Im Anschluß sollen die beiderseitigen mit Bulgarien geführten Verhandlungen durch gemein­same Besprechungen der Außenminister dieser drei Länder gefördert werden.

Unter den hier weilenden diplomatischen Gästen ist noch der frühere belgische Botschafter in London, Baron Moncheur, zu erwähnen ,der auch bei der letzten Ratstagung in Lugano als Beobachter an­wesend war. Außerdem weilt der polnische Poli­tiker K o r f a n t i ,der bekanntlich die Verhaftung des Geschäftsführers des deutschen Volksbundes Ulitz verurteilt hatte, seit Sonntagabend in Genf, wo er in dem Hotel der polnischen Delegation ab- gestiegen ist.

wtb Gens, 4 März. (Eig. Meld.) Der Völ­kerbundsrat hat beute vormittag in einstündiger öffentlicher Sitzung in rascher Folge sechs Punkte seiner Tagesordnung ohne besondere Aussprache erledigt.

Neue reoolntioimre Bewegung in Mexiko.

Talles ttriegsmrnister und Oberbefehlshaber.

wtb. Mexiko, 4. März. (Eig. Meld.) Präsi­dent Portez Gil hat den früheren Präsidenten E a l l e s zum Kriegsmini st er ernannt. Die­ser hat sein Amt sofort angetreten und den Ober­befehl über die mexikanische Armee übernommen. Der Gouverneur von Nueoa Leon, Aaron Saeuz, hat eine Erklärung veröffentlicht, in der er sagt, er würde seine Kandidatur für die Präsidentschaft vorerst zurück,ziehen und sich der Regierung zur Verfügung stellen.

Wie verlautet, hat ein mit Militär besetzter Eisenbahnzug Mexiko verlassen, um sich nach der von den Aufständischen besetzten Stadt Nogales zu begeben.. Er wird von einem Flugzeuggeschwader begleitet. Mit Hilfe dieser Streitkräfte soll versucht werden, die Aufständischen aus Nogales zu ver­treiben.

wtb. Tampico, 3. März. (Eig. Meld.) Der Lei- fer der militärischen Operationen im Staate Ta- maulipas hat ein Comunique veröffentlicht, in dem erklärt wird, daß drei Bataillone, die unter dem Befehl Aguirera stehen, meuterten. In der Stadt Mexiko und in Tampico herrsche, so heißt es in dem Eomunigue weiter, Ruhe. Die Regierung habe die Zuversicht, daß sie bald Herr der Lage sein werde.

♦

wtb. Mexiko, 4. März. (Eig. Meld.) Wie aus der von den Revolutionären eingenommenen Stadt Nogales im Staate Sonorar gemeldet wird, haben die Aufständischen an den Präsidenten Por­tes Gil eine Mitteilung gelangen lassen, in der es heißt: Wir haben vergeblich darauf gewartet, in Ihnen den Nachfolger des verstorbenen Obregon sehen zu können, der seine Liebe zur Freiheit und

zum Vaterlande mit seinem Leben bezahlt hat. Aus Dera Cruz wird gemeldet: General Aguirre hat Vera Cruz im Namen der Revolu­tion in Besitz genommen. Die Stadt ist ruhig und es wird nicht befürchtet, daß Unruhen ausbrechen werden. 7 Schiffe der mexikanischen Flotte, die in der Bucht vor Anker liegen, haben sich Aguirre angeschlossen. Dieser erklärte, daß die Staaten Sonorar, Sinaloa, Nayarit, Durango, Oaxaca, Coahuila, Chihuahua und Vera Cruz ge­meinsame Sache mit ihm machten.

Das Echo in Nordamerika.

wtb. Washington, 4. März. (Gig. Meld.). Das Staatsdepartement wurde von der im mexikani­schen Staate Sonorar ausgebrochenen und von Ge­neral M a n z u a geleiteten Revolution in Kennt­nis gesetzt. Der mexikanische Botschafter hat einen Bericht über die Aufftandsbewegung bisher nicht erhalten. Zu den Unruhen in Sonorar ist es bereits vor 14 Tagen im Zusammenhang mit dem Auftre­ten des Präsidentschaftskandidaten Valenzuela ge­kommen.

*

wtb. Rewyork, 4. März. (Gig. Meld.) Die hiesige Presse widmet der Revolution in Mexiko, die sie als ernst betrachtet, großen Raum. Der Ausgang der Erhebung am gestrigen Sonntag sei vorläufig schwer abzusehen. Es handele sich um einen Streit innerhalb der in drei, Richtungen ge­spaltenen revolutionären Partei: eine Gruppe un­terstütze den gegenwärtigen Präsidenten Portes Gil. Die aufständische Gruppe dagegen beabsich­tige anscheinend, den früheren Botschafter in Lon­don Valenzuela, der Kandidat für die nächste Prä­sidentschaftswahl ist, als Präsidenten einzusetzen. Konservative Elemente der einstigen Diaz-Partei und Katholikenführer seien bisher an der revolutionären Bewegung nicht beteiligt.

Stresemann und seine Zickzack-Partei.

Aus dem Reichstag wird uns geschrieben:

Stresemann hat dieser Tage vor dem Zentral­dorstand der Deutschen Volkspartei eine fulminante Rede gegen einen mißratenen und mißverstandenen Parlamentarismus gehalten.

Da sich diese Epistel gegen die dentschvolks- parterliche Fraktion selber richtete, hat die Deutsche Volkspartei in diesen Tagen aller Welt klar dargetan!

Man beachte folgende Zickzacklinie:

1. Stresemann, der Parteichef und Führer, Und mit ihm Curtius, der volksparteilicheWirt- fchaftsminister, stimmen dem vom Kanzler den Parteien gemachten Vorschlag bezüglich Bildung der Regierung einer Großen Koalition ausdrück­lich zu und die volksparteiliche Fraktion läßt ihre beiden Führer und Minister glatt fallen!

2. Die Volkspartei erlaubt ihrem Außenminister, daß er, umgeben mit der volksparteilichen Gloriole, lnt selben Augenblick nach Genf sich begibt, rn welchem zu Hause seine Fraktion alles daran setzt, um seine Position in der Regierung, die er dort zu vertreten hat, zu unterminieren.

3- Die Volkspartei stellt im Reichstag Anträge, die angeblich das Ziel haben sollen, feste Regie­rungen zu schaffen und bestehende Regierungen nur unter besonderen Erschwernissen zu stürzen.

3m selben Augenblick läßt sie diejenige Regie­rung^ itn Stich, in der sie mit zwei maßgebenden Persönlichkeiten vertreten ist. Und im gleichen Augenblick desavouiert sie vor dem ganzen Lande « Minister, die sowohl dem Etat wie dem Kanzlervorschlag zugestimmt haben.

Peinlichere Niederlagen hat noch nie eine Par- tet seit Bestehen des Parlamentarismus ihren offiziellen Vertretern in einer Regierung bereitet.

Man muß es jetzt llar sagen, daß Stresemann in der letzten Sitzung des Zentralvorstandes die größte Niederlage feines politischen Lebens erlitten hat. Man hörte ihn an, aber nicht ein Wort von dem, was er gefordert hat, wird verwirklicht. Im Gegenteil, man handelt vollkommen entgegen­gesetzt seinen Intentionen. Und nun hat Scholz mit der Ablehnung des auch von Stresemann gutgeheißenen Dermittlungsvorschlags dem Par­teichef eine zweite nicht minder empfindliche Nie­derlage bereitet.

Derselbe Mann, der bisher immer von der Vvlkspartei als der „Polillsche Herrgott" gepriesen worden ist — man erinnere sich nur, wie selbst leiseste Krillk eine zeitlang geradezu als ein Staats­verbrechen betrachtet wurde — wird jetzt von sei­nen eigenen Leuten in geradezu beschämender Weise im Stiche gelassen.

Wer das Zickzack der letzten Wochen innerhalb der Deutschen Volkspartei aus nächster Nähe mit angesehen hat, wird den Eindruck nicht los, daß die Taktik der Dolkspartei geradezu darauf hinaus­liefe, sich den Weg freizumachen für den Fall, daß Stresemann aus diesen oder jenen Gründen die unerforschlichen Wege des Herrn Scholz und Genossen nicht mehr durchkreuzen kann!

Stresemann wird von der Deutschen Volkspar- tet heute schon als eine Last und eine Belastung empfunden!

Es wäre sonst wirklich nicht erklärlich, wie ein Führer von seiner eigenen Partei derart behandelt werden kann!

Wirklich eine nette Partei von echt deutschem Gemüt!

*

Die Finanzvorschläge des Zentrums haben auch in der Nichtzentrumspresse ein ganz

Knappschaftsversicherung und die Arbeitslosenver­sicherung von sozialen Erwägungen geleitet ftnin,

„Die offene Zeldschlachl".

DDZ Berlin, 4. März. (Gig. Meld.) Wie das Nachrichtenbüro des VDZ. erfährt, wird das Reichskabinett den Haushaltsplan für 1929 tmi Reichsrat mit alleiniger Berück sicht tj.ung der Regierungsvorschlage unterbreiten. Darnach soll also das Defizit von 320 Millionen gedeckt werden durch 120 Millionen Abstriche bet den Ueberroeifungen an Länder und Gemeinden, ferner durch eine Erhöhung der Bier- und Erb­schaftssteuer sowie der Abgaben von Spiritusmono- pol uni> für eine einmalige besondere Vermögens, steuer. Die „offene Feldschlacht" wird dabei für die Reichsregierung in vollerSchärse einsetzen, denn die Länderabstriche dürften eine Mehrheit gegen sich haben. Außerdem lehnt Bayern die Biersteuererhöhung ab, während Preußen, Sach­sen und andere Industrieländer Gegner der zum Ausgleich gebotenen Umsatzsteuer sind. Preußen hält seine Aenderungsvorschläge bereit. Es ist nicht ausgeschlossen, daß eine Doppelvorlage des Etats an den Reichstag kommt und daß eine Mehr­heit im Reichsrat den Ausgleich durch Abstriche, vor allem am Wehretat, sucht.

preußischer Landtag.

Der Preußische Landtag beendete in seiner Samstagsitzung die Aussprache zum Wohlfahrts- etat; über die vorliegenden Anträge wird am nach- ften Dienstag abgestimmt.

Das Haus begann auch noch mit der zweiten Lesung des Haushaltes der Justizverwal­tung wozu der Ausschuß mehr als 50 Anträge gestellt hatte. Iußizminister Schmidt erklärte zu dem Thema „Vertrauenskrise", daß die preußisch' Regierung bemüht sei, berechtigte Bestrebunger nach Modernisierung rechtlicher Bestimmungen zr fördern. ~ ,, , . ™

Nächste Sitzung Montag: Fortsetzung der ratung über den Iustizhaushalt.

außerordentlich lebhaftes Echo gefunden. Der Deut­schen Volkspartei wird durch dieses aktive Soor ge­ben des Zentrums, das bisher schon, ohne viel nach außen zu reden, in ernsten Beratungen mit der Erleichterung der finanziellen Lage des Reiches sich befaßt hatte, drastisch zu Gemüte geMrt daß sie durchaus nicht das von ihr beanspruchte Monopol der Sparsamkeitsforderung besitzt.

Die Volksvartei redet, das Zentrum han­delt I

derung gemacht.

Das Zentrum verlangt ferner finanzielle Siche­rung des Wohnungsbaues, weiter Entlastung der Knappschaft durch 'Bereitstellung von öffentlichen Mllteln, Sicherung der finanziellen Lage der Ar­beitslosenversicherung und eine gründliche Reform und Senkung der landwirtschaftlichen Besteuerung.

Selbst der „Vorwärts" sieht sich genötigt, diese Vorschläge des Zentrums als „bemerkenswert" zu bezeichnen und er sagt des weiteren:

„Aus der kurzen andeutungsweisen Wiedergabe der Absichten der Zentrumsfraktion zum Reichsetat läßt sich im Augenblick die politische und finanzielle Tragweite der Vorschläge nicht vollständig übsr- blicken. Immerhin machen die Vorschläge doch den Eindruck, als wenn sie dem Ernst der Finanzsitua­tion Deutschlands Rechnung tragen wollen, ohne dabei die sozialen Interessen der unteren Volks­schichten zu gefährden. Im Gegenteil wird man annehmen können, daß die Vorschläge für die

Dolkspartei, daß die Steuerlasten für die Win- schaft in ihrer Gesamtheit, insbesondere der Real- steuer-Bedrängnis für Landwirtschaft und Mit­telstand nachgerade unerträglich geworden ist. Aber gerade auch auf diesem Gebiete hat das Zentrum immer wieder praktische Vorschläge zu einer Lm-

Die Vorschläge des Zentrums zur Finanzpolitik weisen in großen Umrissen die Ziele, um die ge­rungen und gekämpft werden muß. Das Zentrum erkennt die Notwendigkeit von erheblichen totrei- chungen an dem im Etat vorgesehenen Ausgaben an, auch bei denen des Wehretats. Es ist des wei­teren durchaus nicht etwa nur die Meinung der iß die Steuerlasten für die Wiri- Gesamtheit, insbesondere der Real-

Der Kriegspakt eine Mischung?

Die „Nation Beige" behauptet, ein gewisser Albert Frank Heine habe die Utrechter Dokumete gefälscht. Er habe das gefälschte Dokument durch Vermittlung eines Redakteurs der Antwer- pencr „Schelde" nach Holland geschafft. Dieser Re. dakteur fei ein gewisser Hermans.

In Bestättgung dieser Meldung ist der Albert Frank, als er von Holland nach Brüssel zurück- kehrte, verhaftet und dem Untersuchungsgefäng­nis zugeführt worden.

Das Pariser „Journal" veröffentlicht Ein­zelheiten über das Geständnis, das Albert Frank abgelegt haben soll. Er habe unumwunden zu­gegeben, daß er das vom „Utrechtsch Dagblad" veröffentlichte Dokument gefälscht habe. Frank habe erklärt:

„Ich habe mich eines alten, lange Zeit vor dem Kriege zwischen zwei Staaten abgeschlossenen Verttages bedient. Es handelt sich nicht etwa um einen Vertrag zwischen Frankreich und Belgien. Ich brauchte nur im Text gewisse Abänderun­gen vorzunehmen, um ihn der besonderen Lage Belgiens und Frankreichs anzupassen. Die Proto­kolle über die zwischen Vertretern der General­stäbe abgehaltenen Besprechungen habe ich gleich­falls bei diesem alten Vertrage gefunden. Hch glaube nicht, ein großes Verbrechen begangen zu haben. Ich habe weder Frankreich noch Belgien verkauft, sondern einfach meinen Käufer hmem- gelegt, und das ist doch schließlich eine banale Be­trügerei. 'Dieser Käufer ist ein fremder ^ourna- list gewesen, der die Dokumente an die Utrechter Zeitung weitergegeben hat." Weitere Erklärungen lehnte Albert Frank ab mit der Begründung, daß er zu müde sei. , . „

Das „Journal" veröffentlicht ferner ben Le­bensroman von Albert Frank, der fast un­glaublich Hingt. Frank fei der Sohn eines hollän­dischen Juden und einer Deutschen. Er will mütter­licherseits von Heinrich Heine abstammen. Er habe für die belgische Nationalität optiert. Er sei dann aber in die deutsche Marine eingetreten, desertiert und nach Argentinien geflüchtet. . Was er dort getrieben hat, weiß man nicht. Bei Ausbruch des Krieges fei er nach Europa aurücfge£etyrt. Jahre 1915 fei er in London aufgetaucht. Im dieses Jahres ist er von einem englischen Gericht wegen Paßdiebstahls zu sechs Monaten Gefmigms verurteilt worden. Nach Verbüßung der strafe ist er bann aus England ausgewiesen worden. Er sei'dann nach Belgien gekommen und in das belgische Heer eingeheten. Er habe es verstanden, in 'der Etappe zu bleiben und schnell Unteroffizier zu werden. In Paris sei «^jedoch erkanntund als Deutscher angezeigr worden. Man habe chn aus dem Heere aus gestoßen und in t>n nierungslager gebracht, aus dem er entwichen sei. Nach England 'zurückgekehrt, sei er dort wiederum verhaftet und wegen Verstoßes gegen .den Aus mmfnna^befehl mit drei Monaten Gefängnis be­straft worden Nach Verbüßung dieser neuen Strafe ausgewiesen worden. Sofort nach dem Waffen- wrntmtb sei er nach Belgien gekommen. Anfang fffta « 'n Äs« ->- Ausl-h°- to «In« religiösen Vereinigung ^cittg gewesm. Dieses Postens enthoben sei er m Löwen 93tbhotf)c.ar bet den Jesuiten geworden. Hier ledoch sn er in flagranti bet der Entwendung von Buchern ertappt und davongejagt worden. Kurze Zeit dar­auf-sei es ihm in Antwerpen gelungen, be, der Bibliothek des Palais de Justtce Anstellung zu finden. Aber auch diesen Posten mußte er wegen Diebstahls von' Büchern aufgeben. In Paris wurde

er dann dreimal in der Zeit vom Dezember 1919 bis zum Mai 1920 wegen Diebstahls, Fälschungen, Betruges und unerlaubten Tragens von Ehren­zeichen verurteilt. Nach Verbüßung der verschie- denen Strafen fei er in die Antwerpener Redak­tion der Zeitung „Neptun" eingetreten. In Ant­werpen habe er das Wohlwollen eines, erst kürz­lich verstorbenen Generals gewonnen, bet dem er sich die Papiere habe verschaffen können, die ihm später die Herstellung der gefälschten Dokumente ermöglichten. Aber auch in dieser Tätigkeit Hab­er kein Glück gehabt und sei entlassen worden.

*

Wie verlautet, haben Beamte der staatlichen holländischen Kriminalpolizei dem Cheftedatteur des „Utrechtsch Dagblad", Dr. Ritter, einen Be- such abgeftattet, der im Zusammenhang mit der von diesem Blatt gebrachten Veröffentlichung steht,

*

Kundgebung der holländischen Sozialdemokratie.

Die holländische sozialdemokratische Parteiver. anstaltete in Amsterdam anläßlich der Veröffent­lichung des „Utrechtsch Dagblad" im Zirkus Carre , eine große Volksversammlung, auf der u. a. der sozialdemokratische Abgeordnete der belgischen Kammer und ehemalige belgische Kriegs- Minister Huysmans das Wort ergriff. Die Versammlung wurde mit dem Gesang der 3nter< nationale eingeleitet. Der Gesang wurde jedoch von einer im Saal anwesenden oppositionellen Gruppe stark gestört, die das Nationallied „Wil- helmus" anstimmte. Auch im Verlauf der Ver­sammlung kam es mehrfach zu Zusammenstößen zwischen Sozialdemokraten und gegnerischen Teil­nehmern. Letztere wurden schließlich von der Poli» sei aus dem Saal entfernt.

In einer Begrüßungsansprache rotes der Par­teivorsitzende Oudegeest darauf hin, daß die hol­ländischen Sozialdemokraten nicht in der Lage seien, zu entscheiden, ob die Dokumente des „Ut- rechtsch Dagblad" gefälscht seien. Dies müsse die eingeleitete Untersuchung ergeben. Die holländi- scheu Sozialisten müßten jedoch den Kampf ge­gen jede Art von Kriegstreiberei fuh. ren.

Darauf sprach Huysmans und sagte u. a.: 2>te belgischen Aneektionisten, die es früher auf hollän­disches Gebiet abgesehen hätten, bedeuteten nun- ■ mehr in Belgien nichts mehr. Die geographische Lage Belgiens fei jedoch so beschaffen, daß Kon­flikte europäischer Völker leicht auf belgischem Gebiet ausgetragen werden könnten. Aus dieser Erwägung heraus sei der Vertrag von Paris abgeschlossen worden, der dem Inhalt nach bekannt und in Genf registriert wo^ den sei. Das Abkommen von Locarno mache jedoch diesen Vertrag überflüssig. In Belgien gibt es keinerlei Intrigen gegen Holland. Die Veroiient- Hebung des „Utrechtsch Dagblad" fei eine Fak- schung, deren Aufdeckung nur noch eine Frage von Stunden fei. Alle holländischen um belgischen Sozialdemokraten mußten sich im gerne infamen Stampf gegen ben Militarismus vereinigen.

Der „Het Volk"-Redakteur, Dr. Roede. stellte hierauf die Frage- Was muß unsere Antwon auf die Rede Huysmans sein? Aus der Dersamm- limg ertönte hierauf der Ruf: „Weg mit den Geheimverträgen!" Zum Schluß nahm die Versammlung eine Entschließung an, in der es heißt: Die durch die Veröffentlichung des „Ut- rechtsch Dagblad" versuchte allgemeine Beunruhi­gung findet ihre Ursache in dem tief eingewurzel­ten Mißtrauen, bas man überall dem S n -