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Nr. 53.

Fulva, den 2. März 1929.

Promotion.

Bon der staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität München wurde Herr Diplom-Dolks- wirt Joseph Sauer, Sohn des Lehrers Ed. Sauer, zum Dr. oec. publ. magna cum laude pro­moviert. Die mit „Ausgezeichnet" bezeichnete Ar­beit behandelte das Thema: „Die Finanzgeschäfte der Landgrafen von Hessen-Kassel."

Bestandene Prüfung.

Aus dem Institut der Engl. Fräulein zu Mainz bestand Schwester M. Hildburg! s, Toch­ter des verstorbenen Bäckermeisters Joseph Gies, von hier, auf der Universität Münster chr Staatsexamen in Neu-Philologie. Das Thema der deutschen Forschungsarbeit lautet: Eine lateinische Quelle zum „Cherubinischen Wanders­mann" des Angelus Silefius.

In der lehken Nacht

fiel die Temperatur wieder auf — 13 Grad.

Der staatliche Oberfischmeister

für die Provinz Hessen-Nassau teilt uns mit: Zur Beseitigung der durch die gewaltigen Eismassen auf unseren Flüssen und Strömen drohenden Ge­fahr für Leben, Hab und Gut werden in nächster Zeit umfangreiche Eissprengungen notwendig. Diese Sprengungen bedeuten für die Fischerei eine große Schädigung, die unter Umständen deshalb katastrophal werden kann, weil sich die Fische an tiefen ruhigen Stellen dicht zusammengedrängt im Winterlager befinden, also an Stellen, an denen vornehmlich Sprengungen nötig sein werden. So sehr auch diese Fischereischäden zu bedauern sind, so müssen sie doch hingenommen werden in Anbe­tracht der sonst zu erwartenden Schädigungen für die Allgemeinheit. Um die Schädigungen der Fischerei jedoch nach Möglichkeit zu lindern, sollen die Sprengungen unter sachverständiger Lei­tung nur dann vorgenommen werden, wenn an­dere Mittel zur Mstellung der Eisgefahr nicht ausreichen. Da Sprengpatronen (Brisanz-Muni­tion) sehr in die Tiefe wirken, soll nach Möglich­keit nur Schwarzpulver in Eissprengbüchsen Verwendung finden. Die Benachrichtigung der Fischereipächter vor der Durchführung von Spren­gungen wird nicht immer rechtzeitig erfolgen kön­nen, da es sich in vielen Fällen bei Gefahr im Verzug um Eilsprengungen handelt. Damit die getöteten Fische nicht von Unbefugten entwendet werden, werden die Fischereiintereffenten gut daran tun, sich selbst rechtzeitig zu informieren.

Der nächste viehmarkk

findet am 7. März ds. Js. statt. Der Abtrieb des Viehes am Bormarkttage von!der Viehladerampe am hiesigen Bahnhof erfolgt über die Straßenecke Kur- fürstenstraße-Zieherserwcg nach der Straße „am Vi.hmarkt und von da unmittelbar nach den ein­zelnen Stallungen in der Stadt. Der Austrieb des Viehes zum Markt am Marktage selbst be­ginnt um 7 Uhr und muß um 9 Uhr beendet sein. Hierbei ist das nichtuntersuchte Vieh durch die

Fuldaer Zeitung (klmtliches Kreisblatt.)

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Sonntag, 3. März 1929.

Schloßstraße, das voruntersuchte Vieh durch die Lindenstraße aufzutreiben. Im Interesse der un­gehinderten Abwicklung des Marktverkehrs wird di« Bevölkerung ersucht, auf die Verhältnisse Rück­sicht zu nehmen.

Bom Postamt Fulda

wird uns geschrieben: Das lärmende Treiben, das Rauchen und der Unfug jugendlicher Personen beiderlei Geschlechts in dem Schaltervor­raum des Postamts nimmt namentlich nach 19 Uhr an Werktagen und in den Vor- und Nach- mittdgsstunden der Sonn- und Feiertage dauernd zu. Es wird in dem Schaltervorraum ein der­artiger Lärm verursacht, daß die Beamten und die Schalter- und Schließfachbejucher belästigt werden. Man vergreist sich an den ausgehängten Bekannt­machungen und an den Einrichtungen des Münz­fernsprechers usw. Diese unhaltbaren Zustände müssen unbedingt abgestellt worden. Bevor das Postamt zu den schärfsten Maßnahmen (polizeiliche oder gerichtliche Strafen) gegen die Uebeltäter schreitet, wendet es sich an die Eltern, Lehrer und Arbeitgeber mit der Bitte, aus die ihrer Obhut unterstellten jungen Leute entsprechend einzuwirken und ihnen den Unterschied zwischen der Sttaße und Rummelplätzen und geschlossenen, dem Post­verkehr und dem Gemeinwohl dienenden Räumen mit allem Nachdruck klarzumachen, damit recht unangenehme Ueberraschungen für die Beteiligten vermieden werden. Wer in dem Schaltervorraum nichts zu tun hat, bleibe ihm fern.

Landkreis Fulda.

Kreistagssitzung. — Derwaltungsbericht. — Haus­haltsplan 1929.

Am Dienstag, den 19. März d. Js., vormittags 11 Uhr, tritt der Kreistag des Landkreises Fulda zu einer Sitzung zusammen.

Die Tagesordnung lautet:

1. Einführung des Kreistags-Abgeordneten Bürgermeister Appel zu Blankenau. 2. Vorlage des Kreisverwaltungsberichts von 1928. 3. Fest­stellung des Kreishaushaltsvoranschlags für 1929. 4. Feststellung und Entlastung der Kreiskommunal­kassenrechnung für 1927. 5. Verkauf der kreis­eigenen Grundstücke der ehemaligen Obstbaumschule in Eichenzell. 6. Wahl der Schiedsmänner bezw. Stellvertreter für die Schiedsmannsbezirke IV Neu­hof, XII Hosenfeld, XV Margretenhaun-Armenhof, XIX Petersberg-Lehnerz, XX Bad Salzschlirf. 7. Wahr von 4 Müttern als Mitglieder und 4 Müt­tern als Stellvertteterinnen in die Kreishebammen- stelle des Landkreises Fulda gemäß § 3 Abs. 2 der Satzung über die Zusammensetzung und Tätigkeit der Kreishebammenstelle. 8. Ergänzung des Kreis­tagsbeschlusses vom 27. September 1928 zu Punkt 1 der Tagesordnung, betreffend Satzung für die Berufsfortbildungsschulen im Landkreise Fulda.

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Zum Haushaltsplan wird von der Verwaltung erklärt: Der Kreishaushaltsplan ist so aufgestellt, daß er trotz einzelner gesetzlich vorgesthriebener Mehrausgaben keineErhöhungderSteuer- s ä tz e vorsieht. Die Finanzkommission hat bei Durcharbeitung des Vorschlags verschiedene zu gün­stig angenommene Einnahmen herabgesetzt und,

um das Gleichgewicht herzustellen, mehrere Aus­gaben gekürzt. Wenn danach die Bemessung der bereitgestellten Mittel auch außerordentlich knapp ist, so darf doch angenommen werden — falls nicht unvorhergesehene Verhältnisse eintreten — daß es bei großer Sparsamkeit möglich sein wird, mit der gleichen Umlage auszukommen wie im Vorjahr.

Der Wert der Kreiswasserleitung hat sich durch Erweiterungen, insbesondere durch den Bau der Leitung von den Mambachquellen bis Petersberg von 270000 RM. auf 340 000 RM. erhöht. Die Kosten konnten aus dem Reservefonds des Kreiswasserwerks entnommen werden.

Die Wertanteile der Schwesternhäuser sind mit 150000 RM. statt 120 000 RM. i. V. eingesetzt, nachdem das Schwesternhaus in Eichenzell und die Wirtschaftsgebäude in Flieden nunmehr fertiggestellt, sind.

Der Reservefonds ist von 52000 RM. im Vor­jahre auf '30 000 RM., das Guthaben bei der Stadt Fulda von 150 000 RM. auf 100000 RM. zurück­gegangen, da das zur Verfügung stehende Bargeld zur Abtragung hochverzinslicher Schulden bezw. zur Auffüllung des hierfür in Angriff genommenen Fonds (Reservefonds der Kreiswasserleitung) be­nutzt worden ist.

Die Darlehen des Kreises an Gemeinden für Zwecke der produktiven Erwerbslosenfürforge haben sich durch die geleisteten Abträge von 80000 RM. auf 70000 RM. vermindett. Die ausgegebenen Hauszinssteuer-Hypotheken haben sich von 90000 RM. auf 120000 RM. erhöht. Den Aufwertungs- schulden für das Kreissiechenhaus ist eine Aufwer­tungsschuld für das Haus Leipzigerstraße Nr. 4 hinzugerechnet worden. Die Goldmarkschulden sind durch Abttagung um etwa 32000 RM. vermindert worden.

Als Beihilfen für die Fortbildungsschu­len mußten 12000 RM. statt 7000 RM. im Vor­jahre eingesetzt werden, nachdem die Pflicht zum Fortbildungsschulunterricht im ganzen Landkreise durchgeführt worden ist. Demgegenüber wird auf der Einnahmeseite ein erhöhter Staatszuschutz von wenigstens 2000 RM. erwartet werden dürfen.

Für das Wohlfahrtsamt ist nur derselbe Kreiszuschutz wie im Vorjahre, d. s. 313000 RM. weniger 173000 RM. gleich 140000 RM. einge­setzt. Hiermit werden die Ausgaben des Wohl­fahrtsamtes nur bestritten werden können, wenn durch die Gesetzgebung und durch die Verhältniffe nicht wieder erhöhte Ansprüche an die öffentliche Wohlfahrtspflege herantreten.

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Die kreiseigenen Grundstücke der ehemaligen Obstbaumschule in Eichenzell im Werte von zirka 24000 Mk. (Größe 12 Hektar) haben dem Kreis an Pachtgeldern bisher 648 RM. ein­gebracht. Der Kreisausschuß schlägt dem Kreistage vor, die Grundstücke bei Gelegenheit zu verkau­fen und den Erlös zur Schuldenabtragung zu verwenden.

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Der Landkreis Fulda hatte am 1. April 1928 einen Flächenumfang von 60 401 Hektar. Bei Auf­lösung der Gutsbezirke ist an den Stadtkreis Fulda der gesamte Eutsbezirk Ziehers mit 143.67 Hek­tar und an den Kreis Hünfeld vom Forstgutsbezirk Mackenzell 4,52 Hektar übergegangen, sodaß der

Landkreis Fulda jetzt noch ein« Größe von 60 252,80 Hektar hat.

Die Einwohnerzahl betrug nach der Zählung am 16. Juni 1925 — 45 580. Mit dem Gutsbe­zirk Ziehers sind 83 Einwohner in die Stadt Fulda eingemeindet worden.

Kochherd-Olympiade.

Am Mfttwoch und Donnerstag der nächsten Woche veranstaltet das städt. Gaswerk im Rahmen des Reichswettkochens ein Preiskochen, zu dem sich zahlreiche hiesige Hausfrauen und Haus­töchter gemeldet haben. Diese werden auf glei­chen Kochern und mit gleichen Töpfen die abge­wogenen gleichen Speisen zu kochen haben. Die Siegerinnen erhalten wertvolle Preise, die im Ge­schäft der Gärtnerei Angeli, Borgiasstraße, von heute an ausgestellt sind. Auch das zuschauen de Publikum kann wertvolle Preise gewinnen, so­fern es die richtige Reihenfolge der Siegerinnen im Voraus rät. Das gekochte Essen wird der St. Vinzenzküche zur Verfügung gestellt werden. Unterhaltungsmusik wird das Kochen umrahmen. In etwa 400 deutschen Städten wurden diese Ko­chen unter großer Anteilnahme des Publikums durchgeführt. So werden auch in Fulda zahlreiche Zuschauer mit kritischen Augen den Anwärterinnen der Gasherdolympia folgen, wenn sie um den Sie­geskranz kochen. —-

Steuerkalender der Stasikasse.

Im Monat März 1929 sind folgende Steuern an die Stadtkasse zu zahlen:

Am 15. März 1929, ohne Schonfrist: 1. Grund­vermögenssteuer für März 1929. 2. Hauszins - steuer für März 1929.

Es wird darauf hingewiesen, daß von den nach dem 15. März 1929 zur Einzahlung gelangenden Steuern 10 Prozent Jahreszinsen als Verzugs- z ins en erhoben werden.

Ruwo und Mbeitsmarkt.

Vom Arbeitsamt Fulda wird uns geschrieben: Die Ruwo geht zu Ende. In Wort und Schrift und Bild wurde gezeigt, wo im Arbeitsprozeß Ge­fahren drohen. Es soll in Zukunft niemand mehr sagen können, das habe ich nicht gewußt. Die Ge­fahren kennen, gibt aber auch die Möglichkeit, sie auszuschalten. Restlos ? Rein. Aber zum großen Teil.

Wenn man einen Unfall nach seiner Ursache un­tersucht, dann ist man geneigt, bald dem Menschen, bald der mangelnden Schutzvorrichtung die Schuld beizumessen. Es ist selbstverständlich, daß die Be­triebssicherheit eine wesentliche Voraussetzung zur Verhütung von Unfällen ist. Aber sie ist es nicht allein, bei weitem nicht einmal in dem Umfange, in dem man es im allgemeinen annimmt. Die Ma­schine läuft zwangsläufig ,der Mensch, der Arbeiter in seiner vielgestaltigen Beraub jung hat daran zu tun. Nun kommt es aber darauf an, welchen Typ man an diese Maschine und welchen man an jene stellt. Ein Elefant in einem Porzellanladen wird immer Unheil anrichten. Ein täppischer Mensch, an eine gefährliche Maschine gestellt, wird bald verun­glückt sein. An die eine Maschine ,die ein gleich- mäßiges Arbeitstempo verlangt ,muß ein anderer

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