Nr. 52.
Fulda, den 1 März 1929
Die Lebenshaltungskosten.
Die Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskosten (Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleucb- tung, Bekleidung und „sonstiger Bedarf") beläuft sich nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamtes für den Durchschnitt des Monates Februar auf 154,4 gegenüber 153,1 im Vormonat. Sie ist sonach um 0,8 v. H. gestiegen. Diese Steigerung ist hauptsächlich auf die erhöhten Gemäße- und Kartoffelpreise zurückzuführen.
Die Indexziffern für die einzelnen Gruppen betragen (1913/14 — 100): Für Ernährung 155,7 für Wohnung, 125,9, für Heizung und Beleuchtung 151,8, für Bekleidung 172,5, für den „sonstigen Bedarf" einschließlich Verkehr 191/4.
Promotion.
Herr Konrad Gärtner aus Malkes, ein ehemaliger Schüler des Fuldaer Gymnasiums, promovierte an der Universität München zum Dr. phil. Die mit „sehr gut" bezeichnete Dissertation behandelte das Thema: „Die religiöse Krise im Iugendalter und ihre erziehliche Behandlung".
Freiherr v. Doernberg t.
In Innsbruck starb als ein Opfer der Grippe der frühere Landrat des Kreises Fulda, Geheimrot Freiherr von Doernberg, im 66. Lebenswahre. Freiherr v. Doernberg, 'aus dem alten, mit der Geschichte des Kurfürstentums Hessen eng verbundenen Geschlecht, widmete sich der Derwaltungs- laufbahn und wurde im Jahre 1910 als Landrat an die Spitze des Kreises Gersfeld gestellt. In Gersfeld war er sehr beliebt und behandelte die dortigen wirtschaftlichen und kulturellen Bestrebungen mit pfleglicher Hand. 1912, nach der Beförderung des Herrn Springorum zum Regierungspräsidenten, wurde Landrat von Doernberg nach Fulda berufen. In dem großen Kreis, der damals vor zahlreichen, schwierigen Aufgaben stand, von denen nur die Elektrizitätsversorgung und die Verkehrsprobleme besonders genannt seien, sand Landrat v. Doernberg ein wett schwierigeres Arbeitsfeld, als in dem in der Vorkriegszeit idyllischen Rhünkreis. Dazu kam, daß bald der K r i e g ausbrach, der den Leiter des großen Kreises, zu dem damals auch die Stadt gehörte, vor große Aufgaben stellte. In vorbildlicher Pflichttreue hat sich Herr v. Doernberg seinen Dienstgeschäften gewidmet. Er hat auch versucht, die von der Bevölkerung sehr drückend empfundenen Kriegsmaßnahmen durch freundliche und entgegenkommende Haltung leichter zu machen. Diesem Umstand war es zu verdanken, daß bei dem Ausbruch der Revolution, als im Nachbarkreis Hanau und in vielen anderen Kreisen gerade die Landräte die während der Notjahre aufgestapelte Erbitterung des Volkes zu kosten bekamen, Landrat Freiherr v. Doernberg, getragen von der Achtung der ganzen Bevölkerung, ungestört seines Amtes weiter walten konnte. Er hat dann in den ersten Nachkriegs- jahren noch die schwierigen Zeiten der Zwangswirtschaft und ihrer Folgen, vor allem auch die für die Verwaltung so ungemein schwierigen Verhältnisse der schwindenden Kaufkraft der Mark zu kosten bekommen. Diese Verhältnisse erschütterten seine Gesundheit und bewegten ihn im Jahre 1921 zur Niederlegung seines Amtes. Er lebte dann lange in dem von ihm liebgewonnenen Gersfeld, später in München. Wenn ihn auch wettanschau- liche und politische Ansichten von der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung des Kreises Fulda trennten, so hat er doch bei allen, die ihn kannten, das Andenken rmes vornehmen, charaktervollen Mannes hinter' 'n, der nach bestem Können treu seiner Heimat j'. oient hat.
Todesfall.
Der Leiter des hiesigen Privaten evangelischen Lnzeums, Pfarrer D r. Fritsch, ein Mann im besten Mannesalter, ist in Berlin, wo vor einigen Tagen seine Frau einem schweren Leiden erlag, durch eine kurze Krankheit aus dem Leben gerff- sen worden. Der Todesfall ist geeignet, in den weitesten Kreisen herzliches Mitgefühl hervorzurufen Herr Pfarrer Dr. Fritsch, der seit bent ^be bcs Herrn Pfarrer Reich die höhere evangl. Madchenfckule leitete, war eine sehr sympathische t *7*^; freundlich und entgegenkommend, sachlich eingestellt und infolgedessen auch bei den b;!P irL'öer&inbung stehenden Verwaltungs- fteLen ber Stabt ?>ulda hoch geschätzt. Es ist zu verstehen, daß i :e evangelische Gemeinde und namentlich t :c von ihm geleitete Schule in größter Trauer an seiner Bahre stehen. Sie können der C 3?TCI?ern- Tc,!na2me ganzen Bürgerschaft perftcbert fern. - Herr Pfarrer Dr. Fritsch stand ™ 42- Lebensighre und war in Unterreichesbach (Kreis Gelnhausen) geboren. Er nahm am Weltkrieg teil und wurde mit dem E. K. 1 au-mezeick- net. Am 1. Mai 1925 wurde er in der hiesigen evangelischen Kirche als dritter Pfarrer ' cinqe- führt und ihm die Leitung des Lyzeums übertragen.
Die Polizeilasten der Gemeinden.
Schon immer ist es eine besondere und durchaus begründete Klage der Kommunen gewesen, in welch außerordentlicher Weise sie für die Kosten der staatlichen.Polizei belastet werden. Neuerdings ist ja der Gesamtaufwand für die Bedürfnisse der kommunalen Polizei den Gemeinden allein auf- erlegt. während seither zwei Drittel vom Staate ersetzt wurden. Diese schwere Belastung der Gemeinden hat nun der Zentrumsfraktion des Preußischen Landtages Veranlassung gegeben, vom Preußischen Staatsministerium eine Aenderung des Entwurfs des Polizeikostengesetzes zu verlangen, und zwar dahingehend, „daß auch für die Gemeinden mit kommunaler Polizei ohne Riick-
* JTU
rHerren-ü. Knabenmützen.
/for ec&ikla&sige Eabcfaate
Franz Wenzel, Mitteistraße s.
Fuldaer Zeitung (Amtliches Nreisblalt.)
Samstag, 2. März 1929.
sicht auf den kommenden Finanzausgleich eine gerechte Verteilung unter Zugrundelegung von zweckdienlichen Uebergangsbestmmungen gesund.n ni.b." Die Begründung ist sehr einfach dadurch gegeben, daß die Gemeinden, die ohnehin schon mit Aufwendungen aller Art für Bedürfnisse, deren Für- ' sorge eigentlich dem Staate zukäme, belastet sind, nicht noch weiter mit untragbaren Opfer beschwert ' werden dürfen. — Für die Stadt Fulda würde eine \ Erledigung dieser Frage im Sinne des Zentrumsantrages von großem Vorteil sein.
Es geschieht alles,
um dem Winter zu zeigen, daß man ihn los sein will. In lyrisrhen Ergüssen äußert sich die Sehnsucht nach dem Frühling. Rebaktionsschmetterlinge schwirren an, — gestern haben drei Jungen sogar ein „Pfauenauge" in der oberen Judengasse gefangen und uns überbracht, — und jetzt hat sogar die Fuldaer Stadtverovdnetenverfaminlung durch ihre Beratung über das Flußbad in der Rosenau sommerliche Bilder vor das geistige Auge gezaubert. Taktlos ist der Winter. E-r merkt nicht, daß er gehen soll. Er bleibt. Noch fester nistet er sich ein. Heute nacht waren wieder 16 Grad Kälte.
Um das Eis der Fulda zu lockern
wurden heute vormittag bei der Kläranlage von einer Abteilung des hiesigen Artillerieregiments Sprengversuche mit Schwarzpulver unternommen. Die Versuche waren nur insofern von Erfolg, als sich in der 50 Zentimeter dicken Eisdecke 200 Meter lange Risse bildeten. Die Bemühungen, eine Abflußrinne zu schaffen, waren infolge des Frostes vergeblich.
Anzeigepflichl für aufgenommenes Dild.
Der Allgemeine Deutsche Jagdschutzverein, Bezirksverein Kassel, teilt mit: Es ist in letzter Zeit wiederholt gemeldet worden, daß Rehwild, das in völlig erschöpftem Zustande in die Nähe von Wohnungen gekommen ist, von der Bevölkerung aufgegriffen und in Stallungen untergebracht wurde, ohne hiervon dem betreffenden Jagdpächter bezw. Jagdbesitzer Nachricht zu geben. Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß dies als unberechtigtes Jagen im Sinne des Strafgesetzbuches anzusehen und strafbar ist.
Was hält der Dauer vom Wär;?
Der März bringt dem Landmann die Wiederaufnahme seiner Arbeit im Felde. Darum drehen sich die meisten „Bauernregeln" für den März um den Kampf zwischen dem Winter und den
ersten energischen Vorstößen des Frühlings. Mär- zenschnee der Saat tut weh, Märzenstaud bringt Gras und Laub. — Frierts am Martyrertage recht, so frierts noch vierzig Nächt. — Gregor zeigt dem Landmann, daß er im Felde säen kann. — Jsts am Josephitage klar, so folgt ein fruchtbares Jahr. — Ist es am Judika feucht, so bleiben die Kornböden leicht. — Tauts im März nach Sommerart, bekommt der Lenz einen weißen Bart. — Kunigund macht warm von unk', Gertraud taut von unten auf. — Trockner Märzen füllt den Keller. — Trockner März, nasser April, kühler Mai, füllen Keller und Kasten und machen viel Heu.
Ein vogelfreund
schreibt uns: Seit der Zeit, da überall Schnee die Erde bedeckt, füttere ich die Vögel. Das Futter- Häuschen hängt unterhalb der Fensterbank: hinter den Scheibenvorhängen kann ich die hungrigen gefieberten Gäste beobachten, ohne daß diese scheu gemacht werden. Als. Futter erhalten sie von der Mahlzeit übrige Kartoffeln, oft mit Gemüse vermengt: beides" zerdrückt, mit Suppe und Sauce angefeuchtet, bkeiartig hergerichtet. Dieser Mischung kann man auch Hirsekleie und zerdrückten Hanf zusetzen. Das Futter muß auf flachen Geschirren (etwa Untertassen) in das Häuschen gestellt werden. Je nach dem Verzehr und der Kältewirkung sind die Futtertassen zu wechseln. Gefrorenes Futter kann wiederholt auf getaut und wieder ins Häuschen gestellt werden. Es ist spaßhaft, bas Verhalten der Stare bei einer solchen Futter- stelle zu beobachten.
Eine Straßenbau-Denkschrift der Reichsregierung.
Die feit langem bestehende dauernde Fühlungnahme zwischen Reich und Ländern hat, wie die Deutsche Beamtenbund- Korrespondenz erfährt, zu der Absicht geführt, im Herbst 1929 dem Reichstag eine umfangreiche Denkschrift der Reichsregierung über 'bie Erfordernisse auf dem Gebiete des Aus- und Umbaus des deutschen Straßennetzes und bie Fmanzierungsmöglichkeiten vorzulegen. Im April wird eine von der Berliner Jndustrie- unb Handelskammer zusammengestellte Stubien» kommission sich nach den Vereinigten Staate^ begeben, um dort sowohl die technische Seite wie vor allem die Finanzierungsfrage zu prüfen. Dabei sollen insbesondere auch die verschiedenen Formen der Betriebsstoffsteuer näher untersucht werden. Die Ergebnisse dieser Studienreise, an der voraussichtlich alle an dem Problem interessierten Kreise teilnehmen werden, sollen für die Denkschrift der Reichsregierung verwertet werden.
Fuldaer Gtablverorönetensihung.
Die geplante neue Badeanstalt in der Rosenau. — Rosenau oder Badegarten? — Nochmalige Beratung des Vrojektes durch die Kommissionen befchlosten.—Genehmigung einer neuen städtischen Rentenzuschußordnung.
-Sj
$ Zwirn Apostel-wein $
V tiefroter, feuriger Süßwein, bestes P
A Vorbeugungs- u. Stärkungsmittel A y bei Grippe: y
Mk. 2.— die Vi Flasche.
t
i
»1
8
r
Pfandhausstraße 5, Fernspr. No. 851
Lindenstraße 4, Fernsprecher No. 93
Die Erkältungskrankheiten sind auch am Fuldaer Stadtparlament nicht spurlos vorübergegangen. Gerade ein Dutzend Mitglieder war zu den gestrigen Verhandlungen nicht erschienen, bie meisten infolge Krankheit. Der interessanteste Punkt der Tagesord.ung war die Frage der B a d e a n- st a l t, an die man heranging, obwohl bie augenblickliche Temperatur nicht zum Baben lockt, aber wegen der Notwendigkeit rechtzeitiger Vorbereitungen für einen etwa kommenden heißen Sommer. Bekanntlich hatte die Z e n t r u m s f r a f« tion vor einiger Zeit einen Antrag eingebracht, bie Badefrage mit größerem Nachdruck zu verfolgen und Vorschläge zu machen In der Zwischenzeit ist bezüglich der Vorsorge für Warmwässe r b ä d e r eine starke Erleichterung für die Stadt eingetreten. Die Ortskrankenkasse Fulda hat eine große und allen neuzeitlichen Anforderungen entsprechende Bade-Anstalt in ihrem Neubau zur Ausführung gebracht, die allen Kreisen der Bevölkerung zugängig ist und in steigendem Maße benutzt wird. Passende Einrichtungen für die Verabfolgung von Rcinigungsbädern in anderen Stadtteilen werden im Auge behalten.
Ungelöst ist die Frage eines zeitgemäßen Flußbades. Der Vorschlag des Magistrats geht dahin, die schon bestehende Anlage in der Rosenau in zeitgemäßer Weise umzugestalten. Die Rosenau ist der historische Badeplatz für unsere Stadt. Jeder „Föllsche Jong" kennt bie Rosenau als Badeplatz, wo er in der „ersten Lücke" seine erste Bekanntschaft mit dem nassen Element gemacht hat. Nach dem Vorschlag des Magistrats soll diese Tradition aufrecht erhalten bleiben. Gegen Beeinträchtigungen des Badewassers, die vorgekommen sind, sollen Vorkehrungen getroffen werden. Das ganze Projekt ist sehr großzügig gestaltet, doch foll'es zunächst nur soweit zur Ausführung kommen, als bei den jetzigen knappen Geldverhältnissen Mittel zur Verfügung stehen. Natürlich hat die Auswahl des Badeplatzes mit kommunalen Parteifragen nichts zu tun. Es war deshalb immerhin bemerkenswert, baß die Bürgerpartei in einer feierlichen Erklärung davon Kenntnis gab, daß in ihren Reihen eine einstimmige Meinung darüber herrscht, daß als Bade- nlah nur die Gegend am früheren Badegarten in der Franksurterstraße, am sogenannten Wolk- irebergraben, in Frage tarne. Die Meinungsverschiedenheiten über den richtigen Platz will man noch in Kommissionen zu klären versuchen, zumal nach Ansicht der Bürgerpartei im Anschluß an das Flußbad auch Einrichtungen für Einzelbäder, Heilbäder und Duschbäder sowie ein Festplatz geschaffen werden sollen. Hoffentlich scheitert nicht an derartigen Meinungsverschiedenheiten auch jetzt wieder das ganze Projekt. Bekanntlich ist vor dem Kriege eine große Voltsbadeanstalt, für die alle notwendigen Mittel bereits vollständig gesammelt waren, deshalb nicht ausgeführt worden und fehlt uns die Einrichtung noch heute, weil damals »w F#en Körperschaften Stimmen laut wurden, das Vo.ksbad sofort mit einem großen Schwimm-Bassin zu versehen. Dazu reichten damals die Mittel nicht und die Sache zögerte sich solange hinaus, daß dar- uver oer .Krieg ausbrach und die angesammelten
Mittel im Strudel der Inflation zum größte» Teil verloren gingen. Das Bessere ist eben immer noch der Feind des Guten.
Koffßrhaus Ifleid
FULDA
Friedrichstrasse Nr. 8 — Telephon Nr. 325
bringt in Sdiulranzen, Sdiulmaunen und Rudisädien die größte Auswahl zu billigsten Preisen.
Fachmännische Bedienung I
Sie Sitzung wurde um 5,15 Uhr von dem Vorsitzenden eröffnet. Als erster Punkt stand die
Vornahme der Neuwahl der Beisitzer und Slellverkreter des kleingarienfchiedsgerichtes
auf der Tagesordnung. Als neues Mitglied wurde Operpostschaffner Schönherr gewählt. Im übrigen bleibt es bei der bisherigen Besetzung.
Ser nächste Punkt betrifft den
Bau einer neuen Badeanstalt und Bewilligung der Mikkel.
Stadtv. Enders, der über die Vorlage referiert, weist darauf hin, daß die bisherige Badeanlage in der Rosenau den Anforderungen der heutigen Zeit nicht mehr genüge. Das Bauamt habe daher im Einvernehmen mit dem Magistrat ein neues Projekt ausgearbeitet. Sie Fulda in der Rosenau soll einer durchgreifenden Reinigung unterzogen werden. An Stelle Der heutigen unzureichenden Auskleideräume soll ein neues, modernes Gebäude errichtet werden, das allen Ansprüchen gerecht wird. Ferner will die Stadt durch Erwerb eines Teiles des fiskalischen Somänengeländes in der Rosenau ausreichende Gelegenheit zum Nehmen von Freiluftbädern schaffen. Auch sollen Tennis-, Fußball- und Jugendspielplätze angelegt werden. Sie geplante Badeanlage wird gestatten, daß zur gleichen Zeit und zwar in getrennten Abteilungen Männer und Frauen baden können, womit der bisherige Uebelstand der verschiedenen Badezeiten für Damen und Herren beseitigt werden wird. Die Aus- kleidezcllen werden als sogenannte Wechselzellen eingerichtet, um die Dauer der Benutzung einer Zelle durch den Besucher auf ein Minimum herabzudrücken und dadurch zu erreichen, daß die Badeanstalt eine mög- lichst große Zahl von Badegästen gleichzeitig aufnehmen kann. Sie Kosten der zunächst auszuführenden Teilanlage belaufen sich auf etwa 50 000 M. Im einzelnen erfordern: Gebäude mit Umkleideräumen 41 000 Mk.., Einzäunung 2500 Mk., Zuleitung von Wasser 1500 Mk., Licht und Kraft 1500 Mk., Bauleitung und Reserven 2584 Mk. Sie jährlichen Ausgaben für Verzinsung der Baukosten, Gehälter usw. sind auf 7000 Mk. berechnet. Semgegenüber werden die jährlichen Einnahmen auf etwa 8000 Mk. veranschlagt. Der Referent empfiehlt der Versammlung in Anbetracht der Tatsache, daß der Erwerb der Ro- senaii-Wiesen durch die Stadt noch nicht erfolgt ist, heute noch keinen endgültigen Beschluß zu fassen, sondern erst den Erwerb des betreffenden Geländestückes abzuwarten.
Oberbürgermeister Dr. Antoni führt aus, daß die Stadtverwaltung schon feit Jahren mit dem Fiskus wegen Erwerbes der Domäne Ziehers verhandele. Zuerst habe man an den Kauf einzelner Teile gedacht, später sei dann die Frage aufgetaucht, ob man nicht die ganze Domäne kaufen solle. Der von dem Landwirtschaftsministerium genannte Preis lasse es aber, besonders mit Rücksicht auf die augenblicklichen enormen Zinssätze, fraglich erscheinen, ob das Geschäft für die Stadt rentabel sei. Der Erwerb von Teilen der Domäne dagegen werde fick, auch heute noch ohne Schwierigkeiten durchführen lassen.
Stv. Stein verliest im Namen der Fraktion der Bürgerpartei eine längere E r k l ä r u n g, in der die Notwendigkeit moderner Badeeinrichtungen im Interesse der Gesundheit der Bürgerschaft und des Ansehens der Stadt durchaus anerkannt wird. Die Platzwahl hält die Bürgerpartei allerdings nicht für besonders glücklich, da einerseits dos Wasser der Fulda in der Rosenau trotz der
neuen Abwässerungsanlagen der Fabriken nach wie vor doch nicht sicher vor Verunreinigung sei, und andererseits das in Aussicht genommene Gelände im Ueberschwem- mungsgebiet liege. Auch wird auf angeblich ungünstige Bodenverhältnisse (Moorboden) und fehlende Zufuhrstraße hingewiesen. Geeigneter sei für die Errichtung eines Volksbades, das neben Turn- und Spielplätzen auch einen Festplatz bekommen soll, das Gelände des Badegartens an der Frankfurter Straße. Das Wasser des Fulda-Kanals sei rein und sauber, die Baumanlagen dort böten im Sommer einen herrlichen Aufenthaltsort. Zu- und Abfuhrmöglichkeiten seien erheblich günstiger als in der Rosenau. Außerdem biete sich infolge der Nähe des Gaswerkes die Möglichkeit der Ausnutzung überschüs- sigen Dampfes.
Oberbürgermeister Dr. 21 n t o n i erklärt, daß der vor- getragene Plan nicht neu fei. Sie Verwaltung habe sich aber nicht für das angeführte Projekt entscheiden können, da es mit zu vielen Schwierigkeiten verbunden sei. Das abschüssige Gelände mache erhebliche Erdbewe- gütigen nötig. Sportplätze ließen sich nur sehr schlecht dort anlegen. Auch bezüglich der Benutzung des Kanals könnten Konflikte entstehen, da alte Rechte daran vor- Händen feien. Ferner feien auch von den Anliegern, mit denen man f. Zt. bezüglich des Austausches von Grundstücken in Verbindung trat, zu hohe Forderungen gestellt worden. Die Behauptung, daß die Fulda auch weiterhin verunreinigt fei, treffe nicht zu, da alle Fabriken an die Kanalisation angeschlossen seien. Sie Cellulosefabrik führe ihre Abwässer in den Kanal des Kaliwerkes Neuhof ab. Auch die Hoffnung auf Ausnutzung der Dämpfe der benachbarten Gasanstalt erweise sich als eine Fehlspekulation, da dos Werk über feinen überflüssigen Dampf verfüge.
Stv. Keil befürchtet ebenfalls, daß eine vollständige Reinigung der Fulda sich nicht durchführen lassen werde. Auch die Hochwassergefahr in der Rosenau müsse beachtet werden.
Oberbürgermeister Dr. Antoni bemerkt demgegenüber: Daß das Fuldawajser in der Rosenau im vorigen Sommer einmal nicht einwandfrei gewesen sei, habe darin feinen Grund gehabt, daß Arbeiter frisch geteerte Pontons in das Wasser gesetzt hätten. Sollten sich aber loch kleinere llebelftänbe zeigen, so könnten dieselben beseitigt werden.
Stv. Dr W e y m a r, der auch den Platz an der Frankfurterftraße an sich für den idealeren hält, stimmt der Vorlage des Magistrats in Anbetracht der Tatsache, daß das Projekt schon so vorgeschritten sei, im Prinzip zu.
Ser Berichterstatter, Stadtv. Enders, stellt den An- trag, dieVorlageandieBaukommissionund an die Finanzkommission zurückzuverweisen, damit die erwähnten Beanstandungen noch einmal genau geprüft werden können. Eine spätere Sitz- ung soll dann endgültig über das Projekt abstimmen. Das Haus beschließt in diesem Sinne.
Stadtv. Dr. Weymar berichtet daraus über einen Vertragsentwurf mit der deutschen Reichsbahngesellschast Über die
Herstellung eines Schmuhwasserkanals durch den krähbachdurchlaß.
Durch diesen Kanal sollen das neue Eisenbahnbe» trieb smert hinter dem städtischen Friedhof und gleichzeitig die Häuser am Weyherserweg an die Kanalisation angeschlossen werden. Von den Kosten will die Reichs» bahn etwa 65 Proz. Übernehmen, während den Rest bi« Stabt Fulda tragen soll. In der Vorlage werden vorläufig von der Stadtverwaltung 8721 Mk. angeforbert, Sie sollen aus ber Kanalkasse gebeckt werben. Die Versammlung gibt ihre Zustimmung zu bem Vertrag und bewilligt bie angegebenen Kosten.
Der nächste Punkt ber Tagesorbnung betrifft bie
Einführung der Renkenzuschußordnung des Hessen-Vaf- sauischen wirkschafksverbandes für die städtischen Arbeiter und Bewilligung der entstehenden Mehrausgaben.
Der Entwurf, der eine Verbesserung der seit 1905 in Fulda bestehenden Ordnung darstellt, geht auf eine Vereinbarung des Hessen-Nassauischen Wirtschaftsverbandes mit den beiden zuständigen Gewerkschaften, nämlich dem Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter sowie dem Zentralverband der Arbeitnehmer öffentlicher Betriebe und Verwaltungen zurück, die am 17. Dezember 1928 zu- stände kam. Sie tritt rückwärts wirkend vom 1. Juli 1928 ab in Kraft. Der Unterschied gegen früher besteht vor allem darin, daß jetzt die Arbeitnehmer ein klagbares Recht auf den Rentenzuschuß haben. Die Mittel werden nach der neuen Ordnung zum Teil durch Beiträge ber Arbeitnehmer (2 Prozent bes Tariflohns) aufgebracht. Der Rentenanspruch tritt erst nach lOjähriger Tätigkeit bei der Kommune ein. Bei Streitigkeiten entscheidet ein aus Mitgliedern beider Tarifparteien eingesetztes Schiedsgericht. Die Rentenzuschußordnung wird von dem Hause genehmigt, die Mehrausgaben in Höhe von 1200 Mk. jährlich werden bewilligt.
Nach Genehmigung einiger Nachstandserklä- r u n g e n wird die öffentliche Sitzung um 6.20 Uhr von dem Vorsitzenden geschlossen.
An die öffentliche Sitzung schließt sich noch eine geheime Sitzung an, in der Personalfragen behandelt werden.
Der verkehr Fulda—Gießen
ist seit langem Gegenstand besonders eingehender Beratungen mit den in Betracht kommenden Stel- len. Auch die Stadt Fulda und die Fuldaer Handelskammer haben diesen Verkehrsfragen stets große Sorgfald gewidmet. An der auf Mitt- woch nach Alsfeld von der Direktion Frankfurt einberufenen Fahrplankonferenz nahmen auch Vertreter des Magistrats der Stadt Fulda teil. Reichsbahnoberrat Pietz legte die Absichten der Reichsbahn über die Fahrplangestaltung der Main-Weferbahn und der Strecke Frankfurt-Bebra dar. In der Aussprache teilte der Fahrplandezernent der Reichsbahndirektion Frankfurt mit, daß auf der oberhessischen Hauptstrecke Gießen — Fulda wesentliche Verbesserungen zu erwarten seien. Es werden hier mehrere bisher nur gebrochene Zugverbindungen zu durchgehenden Zügen über die ganze Strecke ausgebaut, die auf wichtige Anschlüsse in Gießen und Fulda Rücksicht nehmen. Auch auf einigen Strecken in Oberhessen und den angrenzenden nördlichen Gebieten wird die eine oder andere Verbesserung durchgeführt werden. — Von anderer Seite erfahren mir über die Konferenz noch: Für Fulda ist von besonderem Interesse, daß ein neues Eilzugspaar 6063 zwischen Debra und Frankfurt ganz- lahng verkehrt. Der Zug geht in Bebra ab 8.20 Uhr, Hersfeld 8.32 Uhr, Hünfeld 8.58 Uhr, Fulda an 9.16, erwartet hier den Anschluß von Gießen und sieht um 9.18 weiter, hält in Schlüchtern, Gelnhausen, Hanau und ist in Frankfurt 11.15 Uhr. Der Aegenzug verläßt Frankfurt 16.33 Uhr und ist in Fulda 18.48 mit Änschlußgelegenheit nach Gers-
ui
2
<n cn T o
ui
NOBEL
WOHNUNGSEINRICHTUNGEN KÜCHEN - KLEINMÖBEL
POLSTERWAREN—LINOLEUM
MMEYER
STURMIUSSTR.