«iS. *j* ^möütr «3ntung *** «*--9."^---^. VL ” > —---------........ । ■_ . "■-■-■"J____ _B
Dom „König im Frack".
Von Friedrich Lindner.
Am 4. März tritt der neue Präsident der Ver- 'einigten Staaten sein Amt an. Der starke Wider- hall, den der Kampf um die Präsidentschaft in allen seinen Phasen in der ganzen Welt, namentlich in Europa zu finden pflegt, entspricht durchaus der politischen Bedeutung des Ausfalls der Wahl. Denn in den Vereinigten Staaten besitzt der Präsident Machtbefugnisse, die ihm einen wesentlichen Einfluß auf die Politk des Landes einräumen. Man kann wohl, ohne stark zu übertreiben, behaupten, daß der höchste amerikanische Beamte der mäch- tigste Herrscher der Welt ist. Dabei muß es natürlich dahin gestellt bleiben, inwieweit er selbst nur ein Werkzeug irgendwelcher Kreise oder Gruppen darstellt. Die Befugnisse des amerikanischen Präsidenten gehen auf zweierlei Quellen zurück: sie beruhen einmal auf der Verfassung, zum anderen auf Gewohnheit und Herkommen. Zu den ersteren ist die ausführende Gewalt zu rechnen; diese gehört neben Gesetzgebung und Rechtsprechung zu den obersten Regierungsfaktoren, und deshalb ist der Präsident dem Kongreß nicht verantwortlich, es sei denn, daß er wegen „Landesverrats, Bestechung oder anderer schwerer Verbrechen oder Vergehen" angeklagt sei. Großen Einfluß auf die Innenpolitik sichert ihm das Recht, alle Posten zu besetzen, die frei werden, während der Senat nicht tagt. Sonst setzt diese Körperschaft feiner Macht allerdings gewisse Schranken, denn ibre Zustimmung ist erforderlich, sobald es sich um die Ernennung von Gesandten, Konsuln, Kabinettsmitgliedern, Steuer- und Postbeamten usw. handelt. Der Präsident ist Oberbefehlshaber aller Streitkräfte zu Wasser und zu Lande, er ernennt die Offiziere des Heeres und der Flotte. Die Befugnis, bei allergewöhnlichen Anlässen beide Kammern oder auch nur eine einzuberufen und sie zu vertagen, dient auch dazu, seinen Einfluß auf die parlamentarische Arbeit zu stärken. Roch nachdrücklicher wirkt in dieser Richtung das Vetorecht gegenüber Gesetzesbeschlüssen und die ihm durch Gewohnheit und Ueberlieferung eingeräumte Befugnis, den Erlaß von Gesetzen zu empfehlen. Hierdurch wird ihm indirekt eine gewisse gesetzgebende Macht verliehen, die in der Verfassung nicht vorgesehen ist. Obwohl der Präsident nach seiner t ^ahl über den Parteien stehen soll, hält er in der Vrarts die Zügel der Partei fest in der Hand und M rtritt weitgehend ihre Interessen. Auch das » irkt seine innenpolitische Stellung wesentlich. Auf a» Außenpolitik haben ihm Gewohnheit und Überlieferung einen entscheidenden Einfluß ein- ^eräumt. Dieser geht viel weiter als es der Verfassung entspricht. Hiernach hat er nur das Recht, „durch und mit dem Ratschlag des Senats" Staats- ncrträge abzuschließest. An dieser Bestimmung hält der Senat, wie ja die Behandlung des Völker- bundvaktes und Kelloggvertrages mit aller Deutlichkeit hat erkennen lassen, entschieden fest. Dennoch bähen sich energische Präsidenten noch immer die Führung in der auswärtigen Politik gesichert.
Do a auch Grenzen, welche die Verfassung nicht vorsieht, sind dem Einfluß des Präsidenten, des , Königs im Frack", wie ihn der Deutschamerikaner Karl Heinzen nannte, gesetzt. Seiner Aufgabe, darauf zu achten, daß die Gesetze richtig durchgeführt werden, kann er mitunter nicht nachkommen. Am auffallendsten zeigt sich das beim Prohibiitons-
ii
Pfarrer Heumann - Buch 572Seiten. 150Abb. - Sie erhalten 1 ExpL umsonst and portofrei durch L Heumann a co„ mirn&erg m 184
Pfarrer Heumann’s Heilmittel
stets aadx vorrätig in den Niederlagen Hoi- und schwanen-Anotheiio Fulda Hirsch-Apotheke Gelse/Rhön.
gesetz und bei der strikten Durchführung des allge- auffallendften zeigte sich das beim Prohibitionswegen ihres naturwidrigen Charakters einfach nicht durchsetzen kann, darf es bekanntlich kein Präsident wagen, den Negern in den Südstaaten die Ausübung ihres Wahlrechts sicher stellen zu wollen; er würde auf den hartnäckigsten Widerstand der dortigen weißen Bevölkerung stoßen. Abgesehen von diesen Einschränkungen besitzt der Präsident des „freiesten" Landes, wie aus obigen Ausführungen hervorgeht, aber eine Machtfülle weit größer als diejenige, welche der europäische Parlamentarismus dem Staatsoberhaupt einräumt.
Beamtenfr<ren.
— Kein Rechtsanspruch auf Einsichtnahme in die Personalakten. In einem Beschluß des Kammergerichts vom 5. Oktober 1928 wird nach Mitteilung der Deutschen Beamtenbund-Korrespondenz folgendes ausgeführt: Einem Ruhestandsbeamten war das Armenrecht für eine Klage, mit der er die Verurteilung der Behörde zur Vorlegung seiner Personalakten zwecks Einsichtnahme verlangte, verweigert worden, weil es sich nicht um einen vermögensrechtlichen Anspruch handele und die Vorschriften im BGB. über die Vorlegung von Urkunden nicht anwendbar seien. Diese Ablehnung besteht zu Recht. Es kann dahingestellt bleiben, ob dem Kläger ein Recht auf Einsicht seiner Personalakten schon deshalb abzusprechen ist, weil er sich im Ruhestand befindet. Im ordentlichen Rechtswege verfolgbar finb für einen Beamten nur die oermögensrechtlichen Ansprüche aus seinem Dienstverhältnis — Art. 129 Abs. 1 S. 3 RV.—; das sind die Ansprüche auf Dienstbezüge jeder
Art und auf sonstige Vermögensrechte, welche dem Beamten gelegentlich oder anläßlich der Diensttätigkeit erwachsen sind. Dagegen gehören nicht dazu solche Ansprüche, die in sich keinen Vermögenswert darstellen, sondern sich in der Ermöglichung der Geltendmachung oder des Beweises eines Vermögensanspruchs erschöpfen. Als Beispiele seien genannt: Ansprüche auf Feststellung eines bestimmten Beamtenverhältnisses, auf Zugehörigkeit zu einer bestimmten Beamtengruppe, auf Erteilung eines Zeugnisses, auf Beförderung, auf Feststellung des Umfanges der Dienstverpflichtung, auf Zulassung zu einer Prüfung, auf Entlassung aus dem Dienstverhältnis. Daß der Anspruch nicht unmittelbar aus Varaaraph 810 BGB heraeleitet werden kann, verkennt Kläger int Hinblick aus die öffentlich-rechtliche Natur des Dienstverhältnisses selbst nicht. Aber auch eine entsprechende Anwendung des dem Paragraphen 810 BGB. zugrunde liegenden Rechtsgedankens aus das Beamtendienstverhältnis kommt nicht in Frage. Einmal treffen feine Voraussetzungen für die Personalakten nicht zu. Sodann ist Art. 129 Abs. 3 S. 2 und 3 RV. nicht dazu bestimmt, über Art. 129 Abs. 1 S. 3 RV. hinaus eine Erweiterung des ordentlichen Rechtsweges für öffentlich-rechtliche Verhältnisse zu eröffnen. Sein Sinn und Zweck war, die bisherige Geheimhaltung der Personalakten zu beseitigen. Es sollte, wie schon in den bisherigen Gesetzen besondere Bestimmungen bestanden, welche Privatpersonen die Einsicht von Akten öffentlicher Behörden ermöglichen — vergl. § 147 STPO.; § 299 Abf. 2 ZPO; § 9 HGB. und die anderen Bestimmungen über öffentliche Register, — so nun auch den Beamten die Einsichtnahme der Personalakten freistehen. Mit dieser dem öffentlichen Rechte angehörigen Befugnis ist aber ebensowenig wie in seinen anderen Fällen ein im ordentlichen Rechtswege verfolgbarer
GotteMenstordnum.
Katholischer Gottesdienst.
Sonntag, den 8. März. Fulda. Dom. 1. Beicht, gelegenheiten sind: Samstag morgens von 126 Uhr ab; nachmittags von 2—3 für Kinder; von l/i5—7 Uhr und von V28 Uhr ab für Erwachsene; Sonntag morgens von *'26 Uhr ab. 2. Sonntagsgottesdienste: ’/»6, 6, */»7 und 7 Uhr bl. Meßen mit Gelegenheit zum Empfang der hl. Kommunion. 8 Uhr Pfarramt mit Predigt, Komm, des Männerapostolates und des 8. Schuljahres. V-10 Uhr Kathedralamt mit Predigt. 3411 Christenlehre für die Jünglinge. Vd2 Uhr letzte hl. Messe mit Pred. V,2 Andacht zum hl. Herzen Jesu. 2 Christenl. der Jungfr. 4 Fastenpredigt und Andacht. 7 Andacht in der Marienkap. 3. Werktagsgottesdienste: Jeden Morgen von Va6—7 Uhr halbstündlich hl. Messen mit Kommunion-Austeilung. V«8 Pfarroottesdienst mit hl. Kommunion. Um 9 Uhr letzte hl. Meße mit Austeilung der heiligen Kommunion. Montag abends um 5 Uhr Faftenandacht mit Segen. Donnerstag abend um 8 Uhr Fastenpred. mit Segen. Freitag nachmittag um 5 Uhr Kreuzweg. Andacht. — Stadtofarrkirche. Kollekte für die Ktrchenheizung. Beichtgewgenheiten sind: Am Samstag nachmittag von 3—7, 7*/a—8Vi, Sonntag früh 6—7 Uhr. Sonutags- Gottesdsenste: 6 hl. Messe, 6’/» hl. Messe und Komm, des Männerapostolates. 8 Uhr erster Schulgottesdienst, Predigt und Komm, des 8. Schuljahres. ValO Pfarramt und Predigt. 11 zweiter Schulgottesdienst und Pred. 9 Uhr Christenl. der Jünglinge in der Severikirche. 1’/« Christenl. d. Jungfr. 2*/t Bruderschaft vom hl. Rosenkranz. Die hl. Kommunion wird von 6—71/» Uhr jede halbe Stunde gespendet, außerdem um 8V1 und 9V« Uhr. Werktagsgottesdienste: 6, 6'/,, 7V« und 8 Uhr. Mittwoch nachm. 5 Uhr Kreuzwegandacht. Freitag abends 8 Uhr Fastenpred. Mittwoch, Freitag, Samstag früh 6 Beichte. — Pfarrkirche zum heiligen Geist. Um 7 Uhr Frühmesse und Ansprache (Männerapostolat). 8 Hochamt und Pre». digt, Komm, des 8. Schuljahres. */«ll Kindergottesdienst und Ansprache. Um 5 Uhr Andacht um gute Priester. Mittwoch, den 6. März, abends um 5 Uhr Andacht. — St. Sturmius - Pfarrkirche. 7l/< Kommun. - Austlg. 77a Frühmesse mit Predigt. 91/* Uhr vormittags Hochamt mit Pred. Danach Christenl. Va2 Segensandacht. — klbteiklrche der Benediktinerinnen. Sonntag um s/<6 Uhr Konventamt, 3 Vesper. Werktags '/«6 Messe, */*9 Konventamt, 10 Vesper. — herz-Zefu-kjeim. Sonntags ist um */s7 Uhr hl. Messe, */»9 Uhr Amt und Predigt. 2 Uhr Andacht und Segen. Werktags */i7 Uhr hl. Messe. Mittwoch abend um 81/« Uhr Andacht und Segen. — ZriedhofskapeLe am Franzssenwäldchen. Sonntag: 61/«
bl. Messe mit Ansprache und Kommunion - Austeilung. Werktags: 7Va hl. Messe mit Kommunton-Austetlung. — Severikirche. 7 hl. Messe. 8 Oberreatschulgvttesdienst. — graxenberg. Sl. Messen von 5—7 Uhr. 8 Sincmesse mit Predigt, liturg. Gebeten und Josephsandacht. 9 Uhr Hochamt mit Pred. *,28 Predigt u. Andacht der Terziaren. (Während des Monats März wird jeden Morgen eine Andacht zu Ehren des hl. Joseph gehalten und 'zwar an Werktagen nach der 7 Uhr-Messe, an den Sonn- und Feiertagen während der 8 Uhr-Messe).
Neuenberg. V29 Uhr Amt und Predigt. — Lelperz. V2I0 Uhr Amt und Predigt. — Dieterzhan. 8 Uhr Amt und Predigt.
Dienstag, 5. März. Frauenberg. 4. Dienstag der Novene zu Ehren des hl. Antonius. Aussetzung des Allerheiligsten von morgens 5 Uhr bis zum Schluß des Hochamtes. V28 hl. Messe mit Antoniusandacht. 7-9 Levitenamt, darauf Fastenpredigt und Kreuzwegandacht. Nachm. 7.5 Uhr Antoniusandacht.
Donnerstag, 7. März. Frauenberg. Fest des hl. Kirchenlehrers Thomas von Aquin. Gegen 7a 7 Uhr Levitenamt.
Evangelischer Gottesdienst.
Sonntag, den 3. März. Fulda. Um 97a Uhr Pfarrer Hattendorfs. 11 Uhr Kindergottesdienst Um 6 Uhr abends Kandidat Rübesam. — Schloß Bieberstein 9.15 Uhr KreiSpfarrer Weber. — Großenlüder. I3/* Uhr nachm. Pfarrer Hattendnrff. Amtswoch- Kreispfarrer Weber. — Bad Salzschlirf. Montag, 4. März, 41/2 Uhr nachm. Bibelstunde.
Mittwoch, 6. März. Fulda. Um 8 Uhr abends Passionsandacht im Saale des Schwesternhauses.
Freitag, 8. März. Fulda Um 8 Uhr abends Jungmädchen. Verein im Saale des Schwesternhauses.
Lvangel. landeskirchl. Gemeinschaft, Fulda, Suttlarftr. 17.
Sonntag, 3. März. Abends 8 Uhr Familienabend mit Kaffee und Kuchen. Dienstag abend um 87« Uhr Bibel- und Gebetstunde. Jedermann ist herzlichst eingeladen.
Israelitischer Gottesdienst.
Samstag, den 2. März 1929. Vorabends 5.40, morgens 8.00, nachm. 4.30, Sabbatausgang 6.50.
Wochentags: Morgens 6.30, nachm. 5.30, abends 6.55.
Bilöer vorn Tage.
r
General der Infanterie von Tschischwitz, Oberbefehlshaber der Reichswehrgruppe I (Berlin), hai den Chef der Heeresleitung Heye während dessen mehrmonatiger Südamerika - Reise zu vertreten. General von Tschischwitz ist nach General Heye der rangälteste Offizier der Reichswehr und hat sich tnt Weltkriege vielfach ausgezeichnet. Er ist Ritter des Ordens pour le Merite mit dem Eichenlaub.
Anspruch auf Einsichtnahme gegeben. Als Schutz genügen hier wie dort die Dienstauffichtsbeschwerde und bei schuldhafter Verweigerung der Einsicht Schadens- ersatzansprüche auf § 839 BEB, Art. 131 RV. Danach war die Beschwerde zurückzuweisen.
Technik und verkehr.
— Vorarbeiten zur Gründung einer deutschen Irans- ozean-Luffverkehrs-Gesellschast. Seit den erfolgreichen Iransozeanflügen beschäftigt man sich in Deutschland bekanntlich lebhaft mit dem Problem der regelmäßigen Transatlandischen Flugverkehrs. Die dabei zutage getretenen Differenzen sucht man gegenwärtig zu überwinden. Laut „B. T." finden zur Zeit Verhandlungen zwischen der Deutschen Lufthansa, der Hamburg- Arner ika-Linje, dem Norddeutsch en Lloyd und dem Reichsverkehrsmini sterium statt, mit dem Ziele, gemeinsam eine Gesellschaft ins Leben zu rufen, die den Transozeanflug organisieren soll. Interessant ist nun, daß neben dem Projekt eines regelmäßigen Transozean-Flugzeugverkehrs auch der Plan eines Transozean-L uftschiffverkehrs eifrig erörtert wird. Die Hapag habe sich nach dem gleichen Blatt grundsätzlich bereit erklärt, zur Durchführung eines mit-Zeppelin-Luftschisfen zu bedienenden Transozean- dienstes an den Baukosten des neuen Zeppelinlustschiffes sich mit 1 Mill. RM. zu beteiligen. Offenbar will die Hapag durch einen gut organisierten Zeppelinluftschiffverkehr einen Teil des Vorsprungs kompensieren, den der Norddeutsche Lloyd mit feinen beiden Riesenschnelldampfern im Transatlantikgeschäft erreicht hat.
frankfurter Radio-Programm.
Samstag, den 2. März 1929.
6.30: Morgengymnastik. 13.15: Schallplattenkonzert! „Zeitgenössische Klavierkompositionen" (Grammophon- Platten). 16.35—18.05: Konzert des Rundfunkorchesters: Fiedrich Smetana. 20.15: Nach Stuttgart: „Ein heiterer Ausflug von Toni Impekoven". Fröhliches Hörspiel. ______________________________
wie wird das Wetter?
Das Hochdruckgebiet wird sich voraussichtlich von Südengland ostwärts vorlagern. Cs bleibt dabei bei uns vorläufig das meist heitere und trockene Hochdruckwetter bestehen.
Witterungsaussichten für Samstag: Keine wesentliche Aenderung.
UIIIWIIIIIIIIII
WWWIIiWIII
Sportpark Waldheim
Sonntag, den 3. März, nachmittags 3 Uhr
Borussia Eisenach - Germania Fulda
Es ladet ein i Fuldaer Spiel verein Germania 09 e. V,
■111111111:1111111111111111111111111111111
Sie rufen mih meiden Wt.
Roman von Marten Korch
15] --------
Thomas setzte sich und tauschte Fräulein Evas wei- her klangvoller Stimme, indem er jeder ihrer Berne- v gen mit den Augen folgte. Sie berichtete ausführ.
über ihren Vater und ihr ganzes Leben. Sie war Ystadt geboren, aber später mit ihrer Mutter nach lelfingborg übergefiedelt. Ihr Vater war immer unterwegs gewesen, hatte lange Zeit einen Dampfer von Helsingfors geführt, war aber nach Ausbruch des Krieges mit einem kleineren Schiff, das ihm fast 0an3 ?u eigen gehörte, ausgefahren. Während der Kriegsjahre war er weit weg in fernen Weltgegenden gewesen und hatte mehrmals fein Schiff gewechselt. Der letzte Brief, den er heimgeschrieben hatte, tarn aus Kalkutta; darin kündigte er den Seinen feine bevorstehende Heimkehr an. Kurz darauf hatte er sich in Bombay auf dem englischen Dampfer Bolivia eingeschifft; doch dieser wurde torpediert, und Kapitän Ring ertrank mit fünf anderen Reisenden und drei Leuten der Schiffsmannschaft.
Fräulein Eva sah Thomas mit wehmütigem Lächeln .an.
„Das war für Mutter und mich ein großer Schmerz. Vater war vier Jahre fort gewesen, und wir sehnten uns so sehr nach ihm. Er war schon fast im Kanal, als das Unglück geschah. Ganz kürzlich, ist uns ein großer Koffer ausgeliefert worden, der feine Papiere und einen Teil seines Eigentums barg. Das Wrack ist nämlich gehoben worden, und man hat eine Menge Wertsachen daraus geborgen. In dem Koffer waren viele indische Kunstgegenstände und sonderbare Dinge, auch Briefe und ein altes, vollgeschriebenes Tagebuch — aber gar keine Wertsachen; und wir wußten doch, daß er eine große Geldsumme bei sich hatte."
„Kann das Papier, von dem ich sprach, nicht unter den Papieren im Koffer fein, Fräulein Ring?" Thomas gab sich alle Mühe, ruhig zu sprechen, so daß niemand hätte merken können, daß fein Wohl und Wehe voiz dieser Frage adhina.
„Nein, ein solches Schriftstück war ganz sicher nicht darunter, nur Briefe und jenes alte Tagebuch. Die Schrift ist auch leider unleserlich geworden. Der Koffer war vom Seewasser ganz durchtränkt, da er jahrelang auf dem Meeresgründe gelegen hatte."
Thomas fühlte sich unaussprechlich erleichtert. Jetzt glaubte er alles getan zu haben, was man von ihm verlangen konnte, ja eher noch mehr; nun durfte er den Junkerhof und die Erbschaft mit gutem Gewissen behalten.
Glücklicherweise sah ihn Fräulein Eva in diesem Augenblick nicht an; sie war zu erfüllt von dem Schicksal ihres Vaters. „Es sind viele ganz wunderliche Sachen in dem Koffer, aber Mutter kann ihren Anblick nicht ertragen. Ich muß alles vor ihr verbergen."
,Zhre Mutter ist kränklich, das hat mir John Villes auch gesagt."
„Ja, Mutter ist schon feit sieben Jahren krank und nach Vaters Tode ganz zusammengebrochen. Ihrer Gesundheit wegen sind wir auch nach Dänemark gezogen. Mutter ist nämlich Dänin und meinte, die hiesige Luft bekäme ihr besser. So zogen wir in die kleine Villa hier und haben sie nach Vaters Abreise gekauft."
»Hat sich der Zustand Ihrer Mutter gar nicht wie- ber gebessert?" fragte Thomas teilnehmend.
»Nein, Mütterchen wird gewiß nicht wieder gesund. Das ganze letzte Jahr hat sie zu Bett gelegen." Fräulein Ring blickte mit wehmütigm Lächeln auf, das Thomas schon mehrmals an ihr bemerkt hatte.
Zwischen den beiden hatte sich eine wunderbare Vertraulichkeit gebildet. Thomas fühlte den innigen Wunsch, alles zu erfahren, was sie betraf; er meinte, er müsse bis auf den tiefsten Grund der Seele bringen, aber aus- fragen tonnte er sie nicht gut, das wäre doch allzu aufdringlich erschienen.
Vielleicht empfand Fräulein Eva etwas Aehnliches. „Ist es Ihnen auch recht, daß ich soviel von mir selber spreche?" fragte sie.
„Nichts könnte mir lieber fein," versetzte Thomas warm.
„Und ich finde es fo schön, einmal jemand zu ha- bcn, mit dem ich sprechen kann. Ich bin immer allein."
„3a, es ist ein wunderbares Zusammentreffen, daß ich Sie hier finden mußte, Fräulein Ring, und alles, was
Sie ober Ihren Vater angeht, ist für mich von größter Bedeutung."
„Von meinem Leben ist nicht viel, mehr zu sagen, Herr Junker, es ist mit der Pflege meiner Mutter ausgefüllt, und ich sehe nichts von dem, was draußen in der Welt vorgeht. Wir leben ganz für uns und haben auch keine fremden Leute im Haufe."
„Ist bas nicht sehr schwer für eine fo junge Dame?" fragte Thomas.
„So ist es schon seit vielen Jahren, unb es ist auch nicht schwer. Mutter ist so sanft und gut, und es ist eine große Freude für mich,sie zu pflegen. Aber meine Mutter will, ich soll jeden Tag ins Freie gehen, und bas könnte ich auch nicht gut entbehren. Nach dem Essen schläft Mutter, dann kommt eine ältere Dame und bleibt ein paar Stunden bei ihr. Sie ist eine Künstlerin im Sticken und arbeitet bei uns, während ich fort bin."
„Dann besuchen Sie wohl Ihre Freunde?"
„Ja, bann besuche ich meine Freunde!" Fräulein Ring lachte, was ihr in Thomas Augen entzückend stand. „Freunde, was Sie darunter verstehen, habe ich nicht; aber ich habe den herrlichen Tiergarten hier, und das ist mir genug." Dabei schaute sie nach dem Schlößchen hinüber, das zwischen zwei Baumwipfeln sichtbar war.
Thomas folgte der Richtung ihres Blickes. Er hatte sich bisher noch nicht die Zeit gegönnt, die Umgegend zu betrachten und war nun van der großartigen Schönheit des Schlößchens überrascht.
„Ich bin noch nie in dem berühmten Tiergarten gewesen, aber er ist gewiß sehr schon," sagte er nach einer kleinen Pause.
„Wirklich? Ich hatte gedacht, die meisten Dänen kennten den Tiergarten," erwiderte Fräulein Ring verwundert.
„Ich bin ja aus der Provinz, liebes Fräulein; aber ich komme regelmäßig nach Kopenhagen, so daß ich die Gegend hier doch kennen müßte. Und ich bebaure, bisher immer zu wenig Zeit gehabt zu haben, hier her- auszukommen."
„Das ist auch wirklich schade. Die Dänen, die den Tiergarten nicht gesehen haben, kennen ihr Land gar nicht richtig. Mir erscheint er als das Schönste in der Welt, und ich bin nicht einmal Däni^
Thomas sah Fräulein Ring verstohlen an. Sie sprach mit einer Innigkeit unb Wärme, die. ihn ergriff.
„Und gerade hier an diesem Abhang hat man einen herrlichen Ueberblitf über bas Ganze. Betrachten Sie doch einmal die Buchen dort unten. Die Sonne ist noch nicht ganz untergegangen, sehen Sie den goldenen Schein, der noch auf den Wipfeln liegt. Sagen Sie, haben Sie denn anderwärts schon solche Buchen gesehen?"
Thomas folgte der Richtung ihres Blickes. „Nein, fo schöne Buchen habe ich allerdings noch nirgends gesehen," sagte er.
„Und nun sehen Sie sich die Eiche dort auf der Anhöhe an! Es ist die alte, dicke, symbolische Eiche, die Eiche, die im Lesebuch abgebildet ist. Ich habe sie als Kind gesehen und schon damals eine wahre Liebe für sie gefaßt. Heute gehört sie zu meinen liebsten Freunden. Sie hat noch nicht ausgeschlagen, aber es liegt doch wie ein grüner Schimmer über ihr. Und sehen Sie, dort kommt das Damwild, dort rechts geht ein Kronhirsch, können Sie ihn erkennen? Zuweilen kommen die Tiere ganz dicht an den Baum heran, wenn ich hier sitze. Dann höre ich, wie sie miteinander sprechen, unb versuche, mir ihre Stimme zu deuten. Sehr oft sitze ich hier mutterseelenallein, dann ist es ganz still ringsum, und doch höre ich so viele Töne. Wenn man nur zu lauschen versteht, bann pocht das Leben mit taufend PulsAr."
Thomas saß ganz still unb betrachtete bas Mienenspiel in Evas Gesicht. Die wechselnden Eindrücke kamen und gingen darüber hin wie flüchtige Schatten, unb es war, als schlüge ihr Herz im Takt mit dem ganzer All, als ginge sie auf in den tiefen Atemzügen der sie umgebenden Natur.
„Hören Sie!" flüsterte sie, „nun fangen die Söge’ an!" Ein ganzer Chor von fröhlichen Stimmen ertönt über ihnen im Baume, und aus allen Zweigen rings, umher erklang die Antwort.
„Cs sind Meisen."
„Wirklich? Ich erkenne keinen Vogel an der Stimme außer den Krähen," sagte Thomas lächlnd.
„Dann müssen Sie es lernen. Ich glaube, die mei. ften Dänen sind Naturfreunde, unb daher kommt es wohl, daß sie ein fo freundliches Volk sind."
^nrtiebuna folcti