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FuldaerZertung

Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatl.

bö.Zahrg

Nr 49

Mittwoch, 27. Februar 1929

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mit den vereinbar

die französisch-betaischm Abmachungen Bestimmungen des Locarnovertrages sind.

Eine holländische Demarche.

Vre mexikanische MÜitarherrschast.

. Man kann die Haltung der mexikanischen Re­gierung nickst gut a>lr eine „Diktatur" bezeichnen, sie ist vielmehr eine gewalttätige Militärherrschaft, unter der alle demokratischen Freiheiten vollstän­dig aufgehoben sind. Der neue Präsident Portes Gil bekümmert sich ebenso wenig wie fein Vorgän­ger um die Rechte des Volkes, das Parlament ist nur ein Schein. Wer auch nur mündlich eine Kri­tik der Maßnahmen der Gewalthaber wagt, ist er­ledigt. Sogar Ausländer dürfen sich kein Wort der Klage mehr gestatten, sonst werden sie sofort ausgewiesen, wie es nach einer Meldung der . Associadet Preß" rrm 13. Februar wieder ver­schiedenen austarchischen Persönlichkeiten erging. Darunter befindet sich der Ehrenkonsul von Boli­vien, Alberto Guataparo. Seitdem beim Begräb­nis des Hingerichteten Toral, des Mörders Obre- vons, die Gmwrhner der Stadt Mexiko eine Kundgebung veranstaltet hatten, an der sich eine nach vielen Tausenden zahlende Menschenmenge beteiligte, kennt der Zorn der Machthaber keine

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Poltfchecksonto stlrankttirt a. M. Nr 4051

eines Gedankens sehe, der schon früher von mir vertreten wurde und in dem wir alle den, wenn auch schüchternen ersten Versuch jener Einheitlich­keit zwischen Reich und Preußen sehen, der eines Tages kommen muß. Täuschen wir uns nicht dar- über hinweg: Wir stehen in einer Krise des Par­lamentarismus, die chonmehralseineDer- trauenskrise ist. (Sehr wahr). Diese Kri­sis hat zwei Ursachen: einmal das Zerrbild, das aus dem parlamentarischen System in Deutschland geworden ist, zweitens: die völlige falsche Einstel­lung des Parlaments in Bezug auf seine Verant­wortlichkeit gegenüber der Nation. „Parlamenta­risches System^ bedeutet die Verantwortlichkeit des Reichsminitaers gegenüber dem Parlament, das ihm mit Mehrheit das Vertrauen entziehen urid ihn zur Amtsniederlegung zwingen kann. Nir- gends bedingt es die Verteilung der Ministersitze nach der Stärke der Fraktion. Nirgends bedingt sie weiter den Ueberganq des Regierens vom Ka­binett auf die Fraktionen. Die Ernennung der Minister erfolgt durch den Reichspräsidenten. Es ist klar, daß der Reichspräsident Rücksicht darauf nehmen wird, daß die von ihm ernannten Reichs- Minister das Vertrauen der Mehrheit des Reichs­tages erringen. Im übrigen ist der Eintritt w-'e das Ausscheiden der Minister von ihrer persönli­chen Verantwortlichkeit abbängia. Ich verwob e mich persönlich gegen die Anwendung des Srtt-es, daß eine Fraktion ihren Minister „zurückzieht". lSehr gut.) Die Minister baden vor sich selbst d'e Frage zu beantworten, ob sie ihr Amt annehmen oder ob sie ihr Amt aufgeben. (Zustimmung.) Der Reichstag kann ihnen das Vertrauen entziehen. Die Fraktion kann sie aus der Fraktion ausschlie­ßen, aber das „ZurückzieHen" von Ministern be» h-u^et. t^-ß in Wivklb*>keit d'e R" r l ö n l i ff- f e i t nicht mehr besteht, sondern nur noch ata -Beauf­tragter irgendeiner Organisation erscheint. (Sehr gut.) Diese Auffasiuna ist das Ende des Libera­lismus überhaupt (Erneute Zustimmung.)

D»rocgunaen im deutschen Volke Inrechen von der Notwendigkeit, die Rechte des Rrüchsvräsid"n» ten zu verstärken. Es beißt aber, das Ansehen des Reichspräsidenten und lein V-rantwprtunasäeft'ihl

-tiü.eini lechsmal wöchentlich. Wochenbeüagen „Die Welt im Bild" und „Puchenblätter". Rotationsdruck und Verlag Ser Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatl. 1,60 einlchl. Postgeb. (30 bezw 48 Pf.) ohne Zustellg.

disch-belgischen Verhandlungen auf. Die katholische „Tisd" (Amsterdam) erinnert an eine eigene Veröffentlichung aus dem Jahre 1926. die etwas Achnsiches wie den seßt veröffentlichten Inhalt de« Militärabkommens vermuten ließ.

die aus dem nun enthüllten Kriegspakt entspringen könnte, geringer wird, je weiter wir uns von der Zeit und Stimmung entfernen, aus der heraus die­ser Pakt geboren wurde. Eine sicherlich erfreuliche Tatsache, die allerdings nicht hindern soll, jene Pläne — falls sich die Enthüllungen des Utrechter Tageblattes bestätigen sollten — als das zu bezeich­nen, was sie sind, nämlich Versuche, Europa um die Frucht seiner furchtbaren Opfer zu betrügen und das Friedenswerk in seinen Anfängen zu sabotieren.

Die Regierungsblätter von Frankreich, Belgien und England dementieren aufs heftigste die Meldungen über den Kriegspakt. Man merkt die Angst vor der öffentlichen Meinung in Amerika, wenn der Verdacht bestehen bliebe, daß die ge­meldeten Abmachungen Wirklichkeit wären

Genf und das Geheimabkommen.

Aus Genf wird gemeldet:

Das durch holländische Blätter veröffentlichte geheime französisch - belgische Militärabkommen wird in Genf lebhaft besprochen, wobei das Haupt- thema die Frage bildete, ob dieses Abkommen mit den Bestimmungen des Völkerbund es vereinbar fei. Die Existenz des Militärab­kommens ist bereits feit Herbst 1920 beim Völker­bund bekannt. Dem Generalsekretariat ist zur Re­gistrierung allerdings lediglich eine zwischen dem damaligen belgischen Krieasminister Iansson und dem Präsidenten der französischen Republik, Mille­rand, Mitte September 1920 erfolgte Korrespon­denz mitgeteilt worden. Diese Korrespon­denz ist auch im Jahrgang 1920 der Dertrags- samwlung des Völkerbundes enthalten, in der alle zur Registrierung gesammelten Verträge veröffent­licht werden.

Die Frage, ob technische Abkommen wie mili­tärische und finanzielle zur Eintragung beim Völ­kerbundssekretariat angemeldet werden müssen oder nicht, ist vom Völkerbund bisher noch nicht grundsätzlich entschieden worden. Sind die in der holländischen Pvesse gemachten Angaben über das französisch-belgisch» Militärabkommen richtig, so erhebt sich in diesem besonderen Fall trotzdem die Frage, inwieweit es nereilchvr ist nicht 'nur mit Artikel 18 (Registnerpflicht), f. idern auch mit Art. 12 über die Schiedsgerichtsbarkeit, durch den sich die VRk'rb'.indsstggten überdies verpflichten, „in keinem Fast vor Ablauf von drei Monaten nach dem Spruch der Schiedsrichter zum Kriege zu schreiten", wie anch m-t oirtifel 10 ßh^r d'» 'terri­toriale Integrität der Dölferbundsstaaten. Schließ­lich dürfte sich auch die Frage erheben, inwieweit

zielle Anfrage vorzuleaen, ob der vom „l'tnechtsch Dagb'gd" veröffentlichte Text der fran- zösifch-belglschen Milit^rtamvntion ausgetauscht ist, und ob die von dem holländischen Blatt veröffent­lichen Auszüge aus den Intervretationsbestim- munaen richtig wiedergegeben sind.

In ganz Holland hat sich die Enthüllung des ,.1ftrechtfch-Dagblad" über ein franmsisch-befgisches Militära' kommen als eine politische Sensation ersten Ranges ausgewirkt. Alle Blätter enthalten ausführliche Leitartikel, in denen fast ausnahms­los schärfste Entrüstung über den Inhalt der veröffentlichten Dokumente zum Ausdruck kommt, an deren völliger oder teilweiser Echtheit die, meisten Blätter kaum noch zweifeln. So sinder „Allgemeen Handelsblad", daß der fetzt veröffent­lichte Tert gerade das enthält, was man von einem solchen Vertrag hätte erwarten müssen, und einen sehr glaubwürdigen Eindruck macht. Das Schlimmste fei, daß die Generalstäbe» Frankreichs und Belgiens darauf rechneten, im geeigneten Zeit­punkt einen Vorwand finden zu können, um Hol­land als feindliche Macht zu betrachten. Sehr scharf äußert sich „Nieuwe Roiterdamsche Cour- rant", der u. a. ausführt, nachdem sich Frankreich und Delgien bereits feit 1919 bemüht Hätten, Hol­land auf wirtschaftlichem Gebiet zu benachteiligen, sehe man hier plötzlich die Generalstäbe Frank­reichs und Belgiens, für deren Handlungen die Regiemngen beider Länder voll verantwortlich seien, an der Arbeit, um gegen Holland einen cafus belli zu konstruieren. Für weitere belgisch- holländische Verhandlungen scheine die Grundlage nicht mehr vorhanden zu fein, wenn belgischerseits taute: „Bist du nicht willig, so brauch' >ch Gewalt. Ein Druck auf den Knopf — und zwei ftanzösische Armeekorps stehen für mich bereit*. 21 ud) „Telegraas" wendet sich mit voller Schärfe gegen das Abkommen. Locarno und Deutschlands ■Beitritt jum Völkerbund bedeuteten anscheinend für pw militärischen Köche, die hier am Werk seien, nicht mehr als Luft. Ein einfaches: „Cs ist nicht wahr fei nicht genug. Das holländifche Volk erwarte von feiner Regierung, daß sie alle xn>,e vm über diese Angelegenheit

und damit über die Beziehungen zu Frankreich, England und Belgien Klarheit zu schaffen. „H(t Volk, das sozialdemokratische Organ, hebt betau- her« hervor daß England, das im Iabre 1914 in den Weltkrieg unter dem offiziellen Vorwand emgegrffen habe, daß es hie Verletzung der belgi­schen Neutralität durch Deutschland nicht d"ld'en konnte, taffe nunmehr seftst in skandalöser Weise die Verletzung der holländischen Neutralität fest ins Auge. Der rechtsradikale „Standard" fordert zum sofortigen Abbruch der bollän-

Eine große Rede Stresemanns.

Auseinandersetzungen über das parlamentarische System. — Ztresemann über die Befugnisse des Beichspräsidenten. — Die Rolle der Fraktionen. Die Rusgabenwirtschast der öffentlichen Hand. — Und die Folgerungen?

Die Zachverstandigen-Ronserenz.

Die Agentur Havas glaubt zu roiffen, daß die Reparotionssachverständigen im Verlaufe von pri­vaten Besprechungen, an denen Morgan teilgenom- men habe, bereits begonnen hätten, die Mittel zu prüfen, die eine eoentl. K o mm e r z i a li s i e r ung eines Teiles der deutschen Annuität ermöglichen würden.

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In Korrespondenzmeldungen sind der Reichs­bahnhauptverwaltung „Quertreibereien" gegen die Reparationsverhandlungen in Pa-,'s, „ohne Rücksicht auf die Interessen der Ration", vo-gemorlen worden Die Reichsbahn- b.avpfrerrca(hina toll auf hem Wege über die aus­ländischen Mitglieder des Berwaltungsrates Ru er­reichen versuchen, die Aufsichtsbefugnisse der Reichs, regierung, d!e durch das Rcichsbadnoesetz gegeben sinh, zu lockern, wenn nicht zu beseitsgen.

Dazu, crk'ärt die Reichsbahnhargpiverroaitting u a.: Die Reichsbahn htt von jeher den Stand­punkt oertre<en, daß die Behandlung revarations- politischer Fragen ausschließlich der Reichsregie­rung obliegt In geroiffenhaftefter Wahrung die­ses Standpunktes hat die Reichsbahn niemals, rote ihr oorgeroorfen wird, auch nur versucht, über au­ßerhalb der Reichsregierung stehende Persönlich­keiten irgendwelchen Einftuß aus die Revarations- verhandlungen zu erlangen. Zu den Behauptun­gen über weitere Rationalisiertmgsmaßnahmen tagt die Erklärung, daß diese sich im Rahmen des Reichsbahngesetzes auf hie Rationalisierungsmög­lichkeiten in der Vermattung erstrecken, nachdem beim Personal und im Betriebe die Rationalisie­rung weitgehend durchgeführt worden ist.

Aus dem Haag wird gemeldet: ________

amtlich verlautet bat die niederländische Regie­rung die niederländischen Gesandten in Paris und Brüssel beauftragt, den Re­gierungen Frankreichs und Belgiens die o f f i«

Der Kriegspaht.

Die Haßpsychose der Kriegszeit, die sich in der französischen Angstpsychose der Nachkriegszeit fort, setzte, gebar u. a. im Jahre 1920 einen belgisch- französischen Militärpakt, dessen Existenz der Welt nicht unbekannt blieb, über den — ohne daß er im Wortlaut bekannt wurde — sogar ein entspre­chender Notenwechsel beim Sekretariat des Völker­bundes deponiert wurde. Danach kam zwar der Ruhreinmarsch, es kam aber auch Locarno, Thoiry und der Keiloggpakt, ganz abgesehen davon, daß in allen Ländern selbst nationalistisch eingestellte Kreise von der Notwendigkeit, zur Versöhnung zu gelangen, langsam aber stetig durchdrungen wur­den. Nun erfährt die West durch eine der anschei­nend in der großen Politik üblich werdenden Indis­kretionen, daß die ftanzösischen und belgischen Ge­neralstäbler int Jahre 1927 Ausführungsbestim- mungen zu jenem Bündnis vereinbart haben, die jeder Dersöhnungspolitik Hohn sprechen. Es ist selbstverständlich, daß man von Paris aus die 23er- öffentlichungen des niederländischen Istrechier Tage­blattes dementiert, als Erfindung, vielleicht auch als deutsches Manöver bezeichnet. Demgegenüber erklärt das niederländische Blatt von vornherein, daß seine Quelle authentisch sei und daß kein noch so formelles Dementi das veröffentlich e Ma­terial entkräften könne. Man hat zunächst Inter­esse daran, zu erfahren, welche Gründe ein hol­ländisches Blatt bewegen können, eine die Bezie­hungen zum Nachbarn so gefährlich belastende Veröffentlichung vorzunehmen? Diese Gründe sind erstens in der großniederländischen Einstellung des Utrechter Tageblattes zu finden, das dementspre­chend für die flämischen Bestrebungen in Bel­gien eintritt, zweitens aber auh in der durch den Streit um den Schelde-Kanal höchst gespannt gewordenen Situation und endlich in der Tatsache, bay oie Ausführungsbestimmungen zu dem belgisch- französischen Kriegspakt die Eventualität eines krie­gerischen Konfliktes zwischen Belgien und Holland ins Auge fassen.

Grenzen mehr Toral wurden vor seinem Tode die (eterbefuframmte verweigert die er flehentlich erbeten hatte, weil man die Erteilung der Kommu­nion und der letzten Oelung im Gefängnisse als eine „öffentliche religiöse Handlung" bezeichnete. Damit hat sich wieder gezeigt, daß die Machthaber nicht etwa die Rechte des Staates gegen die Kirche verteidigen, wie ein großer Teil der liberalen und lozialistischen Presse immer noch behauptet, son­dern daß cs sich einfach um eine ganz unerhörte und grausame Unterdrückung der katholischen Re­ligion handelt. (Die religiösen Sozialisten haben von dieser Seite der Frage bisher keine Notiz ge­nommen).

Der Anschlag auf den Eisenbahnzug, in dem Dörtes Gil reifte, wird mm dcn Kaiholiken zur Last gelegt. Die merikanifcken Katholiken prote- stierten gegen diese Anschuldigung, aber dies nützt ihnen wenig. Der Anschlag war vielmehr für Den Präsidenten ein willkommener Anlaß, um gegen die Katholiken die khärfften Maßnahmen zu er­greifen. Den Katholiken, die sich zur Sache ihrer Religion bekennen, wurde als Strafe die Einzie­hung ihres Vermögens und ihrer Liegenschaften angedrokst; die letzteren sollen unter die Indianer verteilt werden. Man weiß, wie die bisherige Agrarpolitik der Regierung zu einem Niedergange der nationalen Produktion führte, und infolgedes­sen auch zu einem erheblichen Niedergange des Handels, aber dies bekümmert die Regierung nicht im geringsten. Deswegen muß die wachsende Geg. nerfdxrtt der Bevölkerung gegen die Regierung nicht als rein religiös bezeichnet werden, aus der Lektüre aller Kundgebunaen geht vielmehr hervor, • daß es vielfach gerade wirtschaftliche Gründe sind, die immer wieder einen Antrieb zum Bürgerkriege ergeben.

Die Freiheit der mexikanischen Presse ist gänz­lich verschwunden Die Zeitung „Creeksior, die früher hier und da noch ein leise« Won der Kri- tik wagte, wurde von dr Regierung bekanntlich bonkottiert und zum Verkaufe gezwungen. Run verhalten sich aber begreiflicherweise die Katholiken dem neuen Vertane gegenüber sehr zurückhattend und geben der Zeitung keine Anzeigen mehr. Dar­über beklagt sich nun der Verlag in bew-glichen Worten und spricht vorn Fanatismus der Katholi­ken. Diese können eben tim und lasten, was sie nur wollen, stets gibt man ihnen Unrecht. Und ha die mexikanischen Gewalthaber auf die Zustim­mung oder mindestens auf das Schweigen der li­beralen Weltpreste rechnen, ist gar fein Ende der entsetzlichen Lage, in der sich der Katholizismus be­findet, abzusehen. Es ist nur zu sehr verständlich, daß die zu Tode gehetzten Katholiken der Revu- blik in vielen Fallen die Geduld verlieren und sich auf die Seite der geaen die Regierung kämpfenden Gruppen stellen, die eine neue Ordnung der Dinge versprechen. Wer sie unter diesen Umständen an- zuklaarn wagt, oder von „Rebellen" redet der ist ein tffencr Anwalt der ungerechten Militärherr- dieses unglücklichen Landes. Das ist eine Rolle, die den Softalisten in der ganzen Welt mit Ausnahme der Vollchewistm, wahrlich wenig steht. .In der heutigen Zeit sind halt affe Rolf»n ver­tauscht. nur wo es gegen die positive Religion geht, sind die Gegner des Kctthollztamus einig.

Dr. I. Fr oderger.

Wir haben in der letzten Zeit verschiedene politische Entwicklungen vor sich gehen sehen, die aus leine Weise m t einer europäischen Befriedungs­politik in Einklang zu bringen sind. Wenn man eine Andeutung in der Veröffentlichung des Utrech­ter Tageblattes richtig versteht, so scheint sogar E n g l a n d, das den Friedensgedgnlen durch Chamberlains Rüstungsentente mit Frankreich so schwer schädigte, auch diesen Vorgängen nicht fern zu stehen. Jedenfalls wird einmal von den „drei mterefsierten Staaten" gesprochen, welcher dritte der Lage nach wohl nur England sein kann. Man wird sich auch fernerhin leider damit abfinden müssen, daß die G e n e r a l st ä b l e r, wo sie irgend können, den Friedenspolitikern ins Handwerk zu pfuschen versuchen. Wichtiger ist, welche Erfolge sie bei diesen Bemühungen ernten und wie das Volk, das die Lasten solcher Politik zu tragen hat, darauf reagiert. In dieser Hinsicht darf man den französisch-belgischen Kriegspakt mit einiger Ruhe betrachten. Selbstverständlich machte die Stimmung der ersten Nachkriegsjahre d'e belgischen Politiker den fran ösischen Wünschen gefügig. Allein, es Hat sich seitdem in Belgien immer stärker di: Erkenntnis durchgesetzt, daß es sinnlos sei, sich dauernd an die von dem Gespenst der deutschen Rachsucht bestimmte Politik zu binden, ja, man hat mit wachsendem Widerstand d'e Stimmen gegen Frankreichs Versuche erhoben, Belgien militärpoli­tisch unter Vormundschaft zu nehmen. In diesem Sinne ist der flämische Teil der belgischen Be­völkerung führend.

Als im September 1827 der ftanzösische General Petam bet der Einweihung eines Kriegerdenkmals in Tinant wieder einmal Gedanken laut werden lieft, die daraus hinzielten, daß Belgien mit Frank­reich bedingungslos durch dick und dünn gehen müsse, replizierte selbst das Organ der gemäßigten Flamen: „Wie Algier zeitweilig durch Heuschrecken- schwärme heimgesucht wird, so wird Belgien perio­disch bedroht durch den Einfall französischer Pro- pagandisten. Dort sind es die Landbewohner, welche die Ernte gegen die Gefräßigkeit der fremden In­sekten schützen müssen, hierzulande ist es die flä- mische Presse, welche die öffentliche Meinung vor len Sirenentönen fremder Generale, Akademiker mb Bankettredner warnen muß. Leopold l. sagte seinerzeit bereits, daß gegenüber der Gefahr der französischen Annexionspläne die flämische Bevöl­kerung die beste Sicherheit für die Unabhängigkeit Belgiens biete. Seit dem Wellkrieg hat die fran­zösische Propaganda unerträgliche Formen ange­nommen. Die abgöttische Verehrung, welche der ftanzösische Teil der Bevölkerung Belgiens den Sendboten Frankreichs erweist, geht soweit, daß sie atheistischen Werberednern, Politikern, welche tn Frankreich die Orden vertreiben halfen und die Kirchen schlossen, ohne den geringsten Vorbehalt iujubelt. Kann man sich da wundern, daß man in Paris Belgien nurmehr als ein Anhängsel be­trachtet?"

Vergegenwärtigt man sich, daß in der letzten Zeit die erbitterten Kämpfe zwischen Wallonen und Flamen liquidiert sind, daß man in Brüssel be­müht ist, den Weg zur Zusammenarbeit mit den Flamen zu finden, die nicht im entferntesten daran denken, separatistische Propaganda zu treiben, er­innert man sich ferner, daß d e Wirts chaftsverhcmd - hingen zwischen Frankreich und Belgien im ver­gangenen Jahre Belgien noch deutlicher haben er­kennen lassen, daß Frankreich ihm gegenüber alles inbere als eine Politik der Blutsfreundschaft treibt, >aß es vielmehr Belgien wlrtschaftspoli sich ebenso wie militärpoiitifd) unter Vormundschaft stellen möchte, und erinnert man sich, daß in diesem Zu­sammenhang auch in der nichts!ämischen Presse Belgiens damals recht handgreifliche Derbheiten über die Politik Frankreichs zu finden waren, so kann man kaum daran zweifeln, daß hie Gefahr, .

DDZ. Bersin, 26 Febr. Eig. Mclbg.). Auf der Tagung des Zentralverbandes der Deutschen Volkspartei, die heute vormittag begann, erklärte Reichsminister Dr. Stresemann u. a.: Die schnelle Einberufung des Zentralvorstandes mag unge­wöhnlich erscheinen. Die Berufung innerhalb we­niger Tage hängt-mit meiner Abreise nach Genf zu­sammen. Aber auch sonst wäre eine Aussprache über die Derhältnisse im Reich und in Preußen notwendig gewesen. Sinn und Zweck unserer heutigen Aussprache ist nicht nur ein Rück­blick auf die Vorgänge im Reich und in Preußen. Wir wollen einfach regiftrieren, daß sich nach den Neuwahlen das Zenttum gegen eine stärkere Ver­tretung im Kabinett gesträubt, sie dann stürmisch gefordert hat und aufgrund der letzten Verhandlun­gen aus der Regierung ausschied Wir registrie­ren weiter, daß von preußischer Seite anfänglich jeder Zusammenhang der Bildung der preußischen Regierung mit den Vorgängen im Reiche mit Ent­schiedenheit zurückgeroiesen, dann aber davon ab­hängig gemacht wurde. Lassen Sie uns weiter re­gistrieren, Jbaft der Führer der Zentrumspartei sich selbst für eine der Bedeutung der Volkspartei entsprechende Vertretung im preußischen Kabinett eingesetzt hat. Ich habe weiter volles Verständnis dafür, daß die Zentrumsfraklion es nicht als wün­schenswert empfand, daß jedesmal, wenn von der Dolkspartei die Rede ist, die Vertretung von Handels- und Wirtschaftsinteref- f e n als das ihr zukommende betrachtet wird. Wir treten für die Wirtschaft ein, weil ihre Le- benefähiaFcit eine Lebensfähigkeit des Staates und Volkes ist. Aber wir wissen, daß die materiellen Fragen niemals allein die Lösung von Volksfra­gen bringen und find an den großen Fragen der kulturellen Entwicklung zum mindesten mit derselben Intensität beteiligt wie irgendeine an­dere Partei in Deutschland (Sehr richtig). Per- slmfich füge ich weher Hmm, daß ich in der An­regung des preußischen Ministerpräsidenten einer personellen ' Verbindung zwischen Preußen und dem Reich und Der Ausge­staltung dieses Gedankens durch eine gegenseitige fPertrefung mit Freuden die Wiederaufnahme