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Nr. 47.

Fuldaer Zeitung (Amtliches Kreisblatt.)

Sonntag, 24. Februar 1929.

Fulda, den 23. Februar 1929

Zum volkstrauertag.

von Prälat Professor Dr. St aas, M. d. R.

Slm morgigen Sonntag gedenkt das ganze Volk m tiefer und aufrichtiger Trauer der ungezählten Scharen deutscher Männer, die auf den Schlacht­feldern des Weltkrieges ihr Leben gelassen haben.

Diese Männer, einerlei, ob sie im Rausche des Sturmangriffs, in der drangvollen Enge der Schützengräben oder im eisernen Käfig der Kriegs­fahrzeuge den Tod fanden, fühlten sich nicht als die Vorkämpfer imperialistischen Ausdehnungs­dranges. Nicht um Länder zu erobern oder um angebliche Weltherrschaftspläne zu verwirklichen, stnd sie in den Krieg gezogen. Was sie stärkte und aufrecht hielt, war das Bewußtsein, Heimat und Heer vor Gefahren schützen zu müssen, deren Vorhandensein und deren Schwere ihnen nicht zweifelhaft war. Ihr Tod war ein Opfertod. Sie gaben ihr Leben dahin, damit die anderen lebten.

Dieser selbstlosen Opfergesinnung gedenken wir heute in tiefster Ehrfurcht, nicht um aus diesem Erinnern Revanchegelüste zu nähren, nicht um dar­aus Impulse zu neuer militärischer Entfaltung zu gewinnen, sondern um uns zu fragen, ob das un­endliche Leiden und Sterben im Weltkrieg nicht doch auch für uns, die wir mit glühendem Herzen den friedlichen Fortschritt der Menschen wünschen, einen besonderen richiungweisenden Sinn gehabt hat. Wir Lebenden sahen den Tod unserer Besten. Wir sahen ihre Qualen und mußten am Ende er­schüttert erkennen, daß, am Maßstabe des äußeren Erfolges gemessen, alles vergeblich war.

Mcm muß die Stjtge tiefer betrachten: man muß sich bewußt werden, daß die Schrecken des großen Krieges nicht nur den Abscheu des Volkes vor neuem Blutvergießen unermeßlich gesteigert haben, syndern, daß aus dem Grauen und der Not der männermordenden Schlacht eine neue politische Ordnung heraufgedämmert ist, deren Vorläufer und Wegbereiter alle Teilnehmer des Weltkrieges, die toten sowohl wie die überlebenden, unbewußt gewesen sind. Nicht nur ist das deutsche Volk sel­ber reif geworden zur Selbstbestimmung eigenen Geschicks, auch die Völker untereinander haben neue Formen des Zusammenlebens gefunden und art» zuwenden begonnen. Man mag über den Völker­bund denken wie man will, — daß er vom Ideal noch sehr weit entfernt ist, hat noch kein einsichtiger Mensch in Deutschland geleugnet — aber man muß doch immerhin zugeben, daß er die Kriege er- schwert und dem Schwertglauben von ehedem ent» gegenwirkt. Durch ihn ist der Anlaß zu einer neuen Völkerordnung gegeben, die nicht auf nega­tive Ziele, etwa auf die Kriegsächtung beschränkt sein darf, sondern auch positive internationale Ge­meinschaftsarbeit anstreben muß.

In sozialer Hinsicht hat die vom Volke gemein- sam getragene Kriegsnot ebenfalls neue Entwick- lungstendenzen gezeitigt. Das Gefühl, daß die geltende, aus den Dorkriegsverhältnissen heraus geborene Sozial- und Wirtschaftsordnung heute

tiefgreifender Umgestaltung bedarf, drängt sich immer weiteren Volkskreisen auf. Selbst die Ver­treter des reinen Kapitalismus werden, wie das Programm der englischen Iungliberalen dartut, unsicher in ihrer bisherigen Haltung. Das Volk verlangt eine Ordnung auch der wirtschaftlichen und sozialen Zustände, in der Gerschtigkeit und £tebe, diese grundlegenden Voraussetzungen für die Wohlfahrt des Volkes, besser verbürgt und zen­traler verankert sind.

Aufmerksam und voller Spannung beobachtet unser Volk das sowjetistische Wirtschaftsexperiment auf der einen und das Vorwärtsdringen des Ame- rtkanismus auf der anderen Seite. Beides, das eine in seiner falschen Grundlegung und seinem klassenkämpferischen Doktrinismus und das andere in seiner übertriebenen Betonung eines pragma­tisch begründeten Prosperitätsprinzips wäre für uns verhängnisvoll. Das deutsche Volk braucht eine Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, die unter Vermeidung aller Einseitigkeiten und Ex­treme auch dem Schwächsten die irdische Wohl­fahrt ermöglicht, in der olle Schichten und Grup­pen unter Ueberwindung der Klassengegensätze wetteifern im Dienst an Staat und Volk.

Noch stehen wir am Anfang dieser Arbeit. Noch ist unser Volk zerrissen unter dem Druck des zer­störerischen Krieges und schwerer wirtschaftsicher Not. Aber noch lebt auch in unserem Volke der Wille zur Schaffung einer gesunden, lebenskräfti­gen Volksgemeinschaft. Wir können das Gedächt­nis unserer Gefallenen nicht besser ehren, als wenn wir mit allen unseren Kräften nach diesem Ziele streben.

Ztadtvernrdnetensitzung.

Am Donnerstag, den 28. Februar 1929, 17 Uhr findet eine Sitzung der Stadtverordneten-Ver- sammlung statt. Die Tagesordnung lautet:

1. Vornahme der Neuwahl der Beisitzer und Stell­vertreter des Kleingartenschiedsgerichts. (Berichter­statter: Stv. Alster). 2. Ausbau der Badeanstalt in der Rosenau und Bewilligung der Mittel. (Stv. Enders).

Erteilung foer Zustimmung zu einem Verttag mit der Deutschen Reichsbahngesellschaft über die Herstel­lung eines Schmutzwasserkanals durch den Strötzbach- durchlaß und Bewilligung der Mehrkosten. (Sw. Dr. Weymar). 4. Einführung der Rente nzuschußord- nung des Hessisch-Nassauischen Wirt- ichaftsoerbandes für die städtischen Arbetter und Bewilligung der entstehenden Mehrausgaben. (Stv. Dr. Büttner). 5. Nachstandserklärung und Erteilung der Zustimmung zur Erhöhung des Zinsfußes für ein gegen Bürgschaft der Stadt gegebenes Darlehen. (Sw. Weißmüller).

Die Verölung des haushalksplan 1929 30

fcer Stadt Fulda ist im Magistrat zu Ende geführt worden. Wie amtlich mitgeteilt wird, liegt der Haushaltsplan jetzt 8 Tage auf.

Reifeprüfung am Prkv. Katholischen Oberlyzenm des Instituts Et. Mariae.

Am 21. und 22. Februar fand im hiesigen Ober- lyzeum btc mündliche Reifeprüfung statt unter dem Vorsitz des Herrn Vizepräsidenten des Provinzial- schulkosiegmms Dr. Sondag. Sämtliche 19 Schäle, rrnnen bestanden. Die Namen der Prüflinge und lne von ihnen gewählten Berufe sind: 1. Maria Como aus Worms (Philologie); 2. Elisabeth Eber- lein aus Fulda (Mathematik und Naturwissen­

schaften): 3. Barbara Eser aus Oestrich, Rhein- gau (Philologie); 4. Wilhelmine Götz aus Fulda (Lehrerin); 5. Elisabeth Gunkel aus Fulda (Musik­geschichte); 6. Elfriede Heeger aus Fulda (Lehre­rin); 7. Irmgard Herting aus Fulda (Apotheke- rin); 8. Paula Hommens aus Fulda (Zahn- ärztin); 9. Mathilde Jestädt aus Fulda (Sozial­beamtin); 10. Aenne Malkmus aus Burghaun (Sozialbeamtin); 11. Elisabeth Oesterheld aus Fulda (Jugendleiterin); 12. Katharina Oester-- Held aus Fulda (Lehrerin); 13. Martha Pappert aus Petersberg (Mathematik und Naturwissen­schaften); 14. Hildegard Singer aus Fulda (Han- delslehrerin); 15. Helene Steinmetz aus Fulda (Kinderärztin); 16. Mazda Urner aus Fulda (Turn- und Sportlehrerin); 17. Mathilde Uth aus Niederbeisheim (Gewerbelehrerin); 18. Eli­sabeth Weber aus Viersen, Rhld. (Kinderärztin); 19. Johanna Weber aus Fulda (Journalistin).

Keine Kohlennot.

In Berlin fand im Reichswkrtschaftsministerium eine Besprechung mit Vertretern von Reichs» und Staatsbehörden sowie der an der Kohlenwirtschaft sonst beteiligten Behörden, Selbftverwastungskör- per und Jnteressenorganisationen über die durch die lang andauernde Kälteperiode hervorgsrufene Lage in der Kohlenversorgung statt. Die Aussprache ergab, daß die gegenwärtige Koh- lenlags zu besonderen Besorgnissen keinen An­laß bietet. Gewisse Schwierigkeiten sind in der Hauptsache noch bei der Entladung und A b - fuhr der Kohle vorhanden. Die Reichsbahn Hot daher bei ihren Direktionen Vorsorge getroffen, baß am nächsten Sonntag die verfügbaren Kahlenmengen entladen werden können. Da gegen die Sonntagsarbeit in Anbetracht des vor­liegenden Notstands nach der Reichsgewerbeord­nung keine Bedenken bestehen, ist in allen Notbe­zirken auch ohne vorherige ausdrückliche Genehmi­gung der Behörden am kommenden Sonntag ge­stattet, die Waggons auf den Bahnhöfen zu ent­laden und die Brennstoffe den Verbrauchern zuzu­führen. ______

Evangelische Volksschule, Fulda.

Der Unterricht an dieser Schule wird am 25. Februar, also Montag, zu gewohnter Zeit wieder ausgenommen; nur die Kl. Via (Herr Hinkel), Vila1 (Herr Lichtenfeld), Vila’ (Herr Eichhorn) und VI ab (Frl. Beinroth) beginnen um 1 Uhr. — Auch die katholischen Volksschulen nehmen den Unterricht am Montag vorläufig wieder auf. Städtische Berufsschulen.

Die Wiederaufnahme des Unterrichts in den städtischen Berufsschulen erfolgt am Montag, bett 23. Februar, zunächst nur für die Ob er klaff en. Nnterrichtskurse bet Berufsschule.

Wir werden gebeten, darauf hinzuwoifen, daß die Unterrichtskurse Montag, ben 25. d. Mts., wieder beginnen.

Zur Abgabe der Steuererklärungen.

Die Frist für die Abgabe der Steuererklärun­gen zur Einkommen-, Körperschafts- und 'Umsatz­steuer läuft Ende Februar ab. Die meisten Steuerpflichtigen, die zur Abgabe der Steuererklä- rungen verpflichtet sind, werden bereits Vordrucke

vom Finanzamt erhalten haben. Wer nur einen Vordruck bekommen hat, kann einen zweiten Vor- druck unentgeltlich beanspruchen. Die Frist wird für viele Steuerpflichtigen nicht ausreichen. Das Finanzamt ist befugt, die Frist auf SIntrag im einzelnen Falle zu verlängern. Den Steuerpflichti­gen mit umfangreicher Buchführung kann gestattet werden, bte Steuererklärung erst bis zum Ende des dritten Monats nach Ende des Steuerabschnitts — d. h. regelmäßig bis zum 31. März — abzugeben. Erwerbsgesellschaften haben einen Anspruch auf Fristverlängerung, wenn das Iahresergebnis von der Generalversammlung bis Ende Februar noch nicht genehmigt ist. In diesem Falle kann die Er- klärungsfrist bis Ende Juni verlängert werden. In einem Runderlaß vom 8. Februar 1927, der jetzt noch gilt, hat der Reichsfinanzminister angeordnet, daß Anträge auf Fristverlängerung entgegenkom- "nb zu behandeln sind. Unnötige Härte und um­fangreicher Schriftwechsel sollen vermieden werden

Rentenzahlung.

Die Zahlung bre Militäroersorgungs-Gebühr- nisse für ben Monat März findet bei dem hiesigen Postamt am 26. Februar, die der Invaliden- und Unfallrente am 1. und 2. März statt. Die Zahl­stellen sind von 8—12 und von 15—18 Uhr geöff­net. Um restlose Abholung der Rente an den ge­nannten Tagen wird gebeten.

hier und anderswo!

Vielfach hört man in Fulda, wenn im Laufe des Jahres zeitweilig das Wasser knapp wird, wie es jetzt wieder der Fall ist, heftige Vorwürfe gegen die Stadtverwaltung. Weniger wird berücksichtigt, daß unser Fuldaer Wasser sehr gut ist und daß mehrere an sich erwägenswerte Vorschläge zur Ver­mehrung der Wassermengen nur deshalb nicht aus- gesührt worden sind, weil die Stadtverwaltung nicht tfljne zwingende Not die Güte des Fuldaer Wassers vermindern möchte. Es sei, da die schärf­sten Kritiker der Fuldaer Wasserversorgung die Verhältnisse auf diesem Gebiet außerhalb un­serer Stadt, in anderen Städten, nur wenig ken­nen, einmal mitgeteilt, was die K. V. aus Essen meldet. Wir lesen da:

Seit der starke Frost eingesetzt hat, schmeckt das Trinkwasser in Essen ganz stark nach Karbol. Das hängt damit zusammen, daß das Ruhrgebiet nicht über Wasserwerke allgemeiner Art verfügt, sondern daß unsere Wassergewinnungsstellen, wie der Oberbürgermei- ster einmal sagte, sozusagen Wasserfabriken sind. Der Wasscrlieferant des Industriegebietes ist die Ruhr, deren vollständige Reinhaltung immer noch nicht gelingt. Es fließen Abwässer in die Ruhr, die nicht vollständig geklärt sind. Als das schlimmste haben sich die Abwässer der Kokereien erwiesen, die durch den Oelbach bei Bochum in die Ruhr kommen. Diese Abwässer sind stark phenol- hallig. Bei Hochwasser ebenso wie bei Frost kann durch

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Das Bedürfnis nach warmen Kleibern ist groß. Darum ergeht die Bitte an alle Sreunbe der Armen, alle entbehrlichen Kleibungsftüdte unserer Kleiber- Kammer, Schulstraße > zur Verfügung zu stellen. Auf Wunsch werben die Sachen gerne adgeholl.

Der Glisabethenverein.

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