Nr. 47.
Fuldaer Zeitung (Amtliches Kreisblatt.)
Sonntag, 24. Februar 1929.
ützlich, die Frage nach seiner Herkunft zu Wenn man die Eltern eines Menschen
das die
Bilder vom Gage.
Linoleum
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100 Jahre
stellen.
kennt, wenn man weiß, wo er ausgewachsen ist und
und führt im Verlauf zu einem rücksichtslosen Kampf der einzelnen Berufsgruppen um den größten Anteil am Volkseinkommen und Volks-
Wenn man jemand kennen lernen will, ist es rufsständischen Aufbau des ganzen Staates ist halb
Immer nützlich, die Frage nach seiner Herkunft zu durchdacht, die Kamvffansaren aeaen Staatssozialis-
— Das Alter der Bäume. Von den Bäumen unserer Gegend heißt es, hält die Linde den Rekord der Langlebigkeit. Man findet auch tatsächlich Lindenbäume, die 1000 Jahre alt geworden sind. Das Höchstalter der Tanne schwankt zwischen 700 und 1200 Jahren; der Lärchenbaum erreicht leicht 800 Jahre; die Eiche lebt 400 bis 600 Jahre; die Akazie überschreitet nicht 400 Jahre; die Ulme schwankt zwischen 300 und 400 Jahren uni der Efeu wird zuweilen 200 Jahre alt.
Dr. Proske, der Oborpräfident von Oberschlesien, tritt am 1. April von seinem Poften zurück. Er hat die Absicht, sodann das Amt eines Kurators der Uni« versität Bonn zu übernehmen.
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wateten hinein. Er war breit und tief. Als die ersten auf das andere Ufer kletterten, setzten die Russen ihre Maschinengewehre ein. Kurzx Schreie, und die blutenden Köpfe fielen ins Wasser zurück: Kopfschuß! An- dere versuchten es: Kopfschuß! Roch andere: Kopfschuß! Der Bach wurde rot. Und die Russen schossen wie auf dem Exerzierplatz. Die ganze Kompanie lag im Wasser. Das war eiskalt. Wer nur den Kopf hob, wurde getroffen. Die Nacht brach ein. Und das Maschinengewehrfeuer wurde immer stärker. Keine Hand vor den Augen zu sehen. Nur: daß grüne und rote und weiße Raketen wie grinsende Fratzen auf uns niederfielen. Wir mußten im Wasser liegen bleiben. Die ganze Nacht. Und es schneite ununterbrochen. ... Als es heller wurde, kamen uns Minenwerfer zu Hilfe. Und was noch nicht — erfroren war: stürmte gegen dieRussen- höhe . . .
Dann lagen wir zwei Wochen als Abschnittsreseroe in Ruhe. Mitten in einer bitterkalten Novembernacht wurden wir wieder zum Sturm angesetzt. Ein österreichisches Bataillon war aufgerieben worden. Die 6. Kompanie kam bis in dis vordersten Trichter. Und die Russen trommelten ...
Nachher waren noch da: zwei Unteroffiziere und 2k Manu. Von den Harmonikaspielern aus Halle war keiner mehr da.
Wir wurden wieder verladen. Nach dem — Westen Eine starke Kompanie: fast 170 Mann!
Tankschlacht von Cambrai: Tanks und Tanks; Gae und Flammenwerfer--dann gab es keine 6. Kom
panie mehr . . .
Die 6. Kompanie.
Zwei Minuten Erinnerung aus einem Tagebuch.
Von Hans Horandt.
Wir waren aus den Mordlöchern von Verdun zurückgezogen worden: wir — v i e r z e h n M a n n von der 6. Kompanie . . .
Keiner sagte etwas. Und keiner hatte einen Wunsch. Nur: daß einige nach einer Zigarette fragten. Und ein anderer: ob es noch Februar oder April fei. Dann lagen wir in der kleinen Scheune, nicht weit von einem Pionierdepot. Verdreckt und stumpf wie kranke Tiere.
Acht Tage blieben wir da: schliefen und aßen und schliefen wieder. Und eines Tages wachten wir im — Osten auf! Aus den zwölf Mann, dem einen Feldwebel und dem Leutnant, waren 183 Mann, 21 Unteroffiziere und drei Leutnants geworden. Und wir hießen wieder: 6. Kompanie. . . .
Unser Truppenteil war eine fliegende Division. Man hatte sie eine kleine Abteilung von Fußvolk, Artillerie, Maschinengewehren und leichten Minenwerfern aufgelöst und setzte sie Überall dort ein: wo die Front Beulen de- kommen hatte. Wenn die Beulen ausgehauen waren, wurden wir wieder anderswohin verladen. Von der Rawka bis in die Karpathen---.
Dftermorgen! In strahlender Schöne ging die erste Sonne über die endlose Schwermut der galizischen Steppe auf. Wir lagen in Ruhe bei einem kleinen Gehölz, das von silberigen Birken schimmerte.
Frühmorgens ließ ich die Kompanie wecken. Und teilte ihr mit: daß — Ostern fei! Und daß wir miteinander Ostern — feiern wollten! Wir zogen in das Gehölz, brachen Zweige oder Aeste mit kleinen Graukätzchen ab und nahmen sie in die Hand. Dann formierten wir uns zur Marschkolonne. An der Spitze die Spielleute (Trommler und Hornisten), dahinter acht Mann mit Mundharmonikas. Diese „Maultrommler" waren Ersatz aus Halle an der Saale. Alles rabiate Burschen, nicht gerade Übermäßig kriegsbegeistert, aber mir so treu ergeben (nicht wie der Mann dem Offizier), sondern wie — Menschen in gemeinsamer Not. Ich kannte jeden von ihnen. Auch ihre persönlichen uni)
Die christlichMionille,ZMtn"-Pactei woher sie kam und was sie ist.
durchdacht, die Kampffanfaren gegen Staatssozialismus und für das selbständifche Unternehmertum kommen reichlich spät, und das scharfe Menetekel über das unpersönliche Finanzkapital, das die „werteschaffende" Arbeit versklavte, ist in diesem im günstigsten Falle eine agitatorische Verallge- meinerung, wahrscheinlich aber auch nur ein Pump bei den an Agitationsphrasen überaus reichen völkischen Freunden.
Ich antwortete ihm nur: „Herr Major, ich habe die 6. Kompanie — an die 150 Mann — vor Verdun geführt. Und wir sind — 14 wiedergekommen . . Ich kenne den Krieg, und ich kenne meine Pflichtl" Aber das verstand er offenbar nicht ...
Am Abend rückten wir in die vorderste Linie ein. Als ich am nächsten Morgen im ersten Dämmern durch den Graben ging, fiel mir die merkwürdige Ruhe auf. Und dann hörte ich von weitem Gesang und das Spiel der Mundharmonikas. Und nirgendwo — an dieser unruhigen Stelle — ein Schuß. Plötzlich tarn mir ein Gefechtsläufer entgegengerannt: „Herr Leutnant, unsere Leute und die Russen feiern Verbrüderung" . . . Zwischen den Drahtverhauen standen große Teile meiner Kompanie mit sibirischen Scharfschützen. Alle ohne Waffen. Sie tauschten Brot, Zucker und Zigaretten. Und unterhielten sich, als ob sie nur — eine Sprache hätten . . . _ Andere standen auf den Böschungen der Schützengräben, lachten und winkten einander zu. Ein Unteroffizier kam zu mir und erklärte: die Russen seien zuerst aus den Gräben gekrochen, dann die Deutschen. Und sie wollten eine halbe Stunde miteinander — Ostern feiern. . . . Der Unteroffizier sprach noch: da setzte — von beiden Seiten — Artillerie ein. Und wir trugen neun Tote und viele Verwundete in den Graben zurück . . .
Am anderen Tag bekam die 6. Kompanie im Regimentsbefehl einen sehr strengen Verweis--.
Bald darauf wurden wir roeiter nach dem Süden verladen. Und zwischen türkische und ungarische Regimenter eingeschoben. Ein großer Wald war verloren gegangen. Wir sollten ihn zurückholen. Die 6. Kompanie war linker Flügel. Links von uns war nichts mehr. Wir stürmten den Wald. Dann fielen uns die Russen in der linken Flanke an. Nach zwei Tagen stellte ich die Verlustliste fest: zwei Offiziere, fast alle Unteroffiziere und 47 Mann tot; verwundet nur 32.
Wir wurden ab gelöst und wieder verladen. Unter« wo-", "-m Ersatz: 50 Mann und einige Unteroffiziere.
Ende Oktober lagen wir in den Karpathen. Wieder wurde ein Waldstück gestürmt. Die 6. Kompanie sollte darüber hinaus vorzugehen suchen. Auch noch über den Back hinaus. Wir kamen an den Back und
Lederwaren
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Karl Hau
Rhönstr. 10 Dachdeckergeschäft Telephon 373
öffentliche Leben.
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für die reifere Jugend heraus oder hat wenigstens eine Jugendecke in der Sonntagsnummer eingerichtet. Dies ist außerordentlich zu begrüßen, weil dadurch das Interesse der Jugend für die Zeitung wächst. Und das ist wichtig. Die Jugend mutz dazu erzogen werden, daß sie eine gute, größere Zeitung liest. Die Presse müßte sich aber noch vielmehr auf das Heranwachsende Geschlecht eurstel- len. Mit Sportnachrichten, Vereinsanzeigen und Artikeln über wohlgelungene Iugendveranstaltun- gen ist dem noch nicht hinreichend Genüge getan.
Ferner ist wichtig, Jugendliche in die Organisationen der Erwachsenen mitbestimmend aufzunehmen. Heutzutage geht der Ruf nach Jugendfuh- rern. Das heißt: Jugendliche selbst sollen zu Führern herangebildet werden, soweit es möglich ist. Diese Führer haben unter der Jugend viel stärkeren Einfluß als die Erwachsenen Man wird viel erreichen, wenn es gelingt, jugendliche Führer zur Mitarbeit zu bewegen, nicht nur da und dort einmal einen, wie es schon geschieht, sondern in größerem Ausmaße. Für die Erwachsenen ist das nicht immer bequem, da Jugend nach anderen Me. thoden arbeitet wie dos Alter. Auf die Dequem-
vermögen und zu einem gegenseitigen Sichüber- listen bei Verteilung der unumgänglichen Lasten.
Was endlich die bisherige Arbeit der Christlich- Nationalen Bauernpartei anbetrifft, so kann man davon umso weniger reden, als sie nichts aufzuweisen hat. Einstweilen hat sie sich, getreu ihrer Tradition, ihren Wählern gegenüber auf Versprechungen und im Reichstag auf Anträge beschränkt von solchem Ausmaß und agitatorischen lieber» treibungen, daß man fürchten muß, daß durch diese Methode die ganze parlamentarische Arbeit kompromittiert wird. Aber trotzdem hat die Christlich-Nationale Bauernpartei nicht einmal den Mut aufgebracht, aus jenen Schimpfkanonaden auf Ministerbezüge, Abgeordnetendiäten und Arbeits- losenversichernug, um nur diese Beispiele zu nen-
Alle Arten
Dach- und Kirchturmarbeiten
in Schiefer, Ziegel, Pappe, Pappolin usw.
Asphaltieren von undichten Balkens, flachen Dächern und Kellerräumen
Beschlagen feuchter WUnde und Wetterglebeln mit Schiefer, Ziegel, Spitz- und Wettbrettern einspeisen von Ziegeldächern
R epa raturen werden sofort ausgeführt.
Bretter, Bohlen, Fußböden, Latten, Stollen und Bauhölzer sowie
Industrie- und Schreiner-Hölzer
ste’s vorrätig.
mit wem er verkehrt, ist sein Charakter halb schon erklärt. Das gilt aber nicht nur für Einzelpersonen, sondern auch für Personengruppen, beispielsweise für politische Parteien. Die Herkunft der christlichnationalen Bauernpartei ist kurz folgende.
Im Februar 1928 erklärten die Reichstagsabgeordneten Döbrich, Dorsch-Hessen, und Haense- Thüringen ihren Austritt aus der Deutschnationalen Fraktion des Reichstages und schlossen sich zu der Gruppe der christlich-nationalen Bauernpartei zusammen. Alle drei Abgeordnete waren bei den vorangegangenen Reichstagswahlen nicht unmittelbar auf der Parteiliste, sondern auf einer besonderen Landbundliste gewählt worden, hatten sich dann aber der D. N. V. P. im Reichstag angeschlossen. Die Absplitterung im Februar 1928 geschah, wie seinerzeit die „Tremonia" mitteilen konnte, mit Wissen und Willen des Reichslandbundes, sie war einige Zeit vorher auf einer Tagung des Reichslandbundes in Berlin in geheimen Besprechungen genau vorbereitet worden. Sinn und Zweck der ganzen Aktion sollte sein, die mit der Politik des mit der D. N. Ä. P. vermählten Reichslandbundes unzufriedenen klein- und mittelbäuerlichen Wähler auf diesem Wege der Deutschnationalen Partei zu erhalten, bezw. aus diesen Kreisen neuen Zuwachs zu gewinnen. Der innige Zusammenhang mit dem Reichslandbund wurde ganz offensichtlich, als einige Zeit spater einer der Präsidenten des Reichslandbundes, der volksparteiliche Abgeordnete Hepp, feinen bisherigen Wählern im Wahlkreis Hessen- Nassau schrieb, die Deutsche Volkspartei dort möae thn nicht wieder aufstellen, er wolle sich jetzt um ein Mandat der christlich-nationalen Bauernpartei bewerben. Die christlich-nationale Bauernpartei hat dann, wie bekannt, in den letzten Reichstagswahlen 9 Mandate erhalten, und im Landtag ihre 7 Mandate mit den Hannoveranern, Völkischen und Volksrechtsparteilern zur „Deutschen Fraktion" zusammengeworfen.
So vollzieht sich also die praktisch politische Ar- bett der christlich-nationalen Bauernpartei im Landtag offensichtlich, aber auch im Reichstag tatsächlich sachlich und persönlich im engsten Anschluß an dieselben extrem-rechtsgerichteten Gruppen und großagrarisch eingestellten Kreise, die vordem sich als die Bauernfreunde in Agitationsanträgen, Wahlreden und Resolutionen hinstellten, tatsächlich aber den Großagrariern in ganz einseitiger Weise sich verpflichtet fühlten und ihre Arbeit der Erhaltung und Stärkung der großagrarischen Machtposition widmeten.
Daß die Arbeit auch in Zukunft diesen Charak- _,er.,t5??en wird, dafür zeugt das „Programm" der christlich-nationalen Bauernpartei. Es sind, wie eine westdeutsche Zeitung vor Jahresfrist schrieb, weiter nichts als Ladenhüter des Bundes der Landwirte, die da den Wählern in altem Gewände man hat sich nicht einmal die Mühe gemacht neue Formulierungen zu finden — als leitende Ideen präsentiert werden.
Das Programm enthält in Wahrheit nichts neues Was da von der Zusammengehörigkeit der Bewohner des platten Landes, von der Familie, v°n der Liebe zur Scholle, von deutscher Kultur, christlicher Weltanschauung und vom Privateigen- tum gesagt wird, findet sich, soweit es sich um ver- Nunftige Gedanken handelt, viel besser in den versa' 'ebenen Richtlinien der Zentrumspartei. Die Versprechungen für die Zukunft, dem Landvolke eine möglichst starke Vertretung im Parlament zu verLr °,“en' sich als nichteinlösbare Blanko- wechsel erwiesen. Die Forderung nach einem de
nen, mit denen sie den Wahlkampf hauptsächlich bestritten hat, die einzig mögliche Schlußfolgerung zu ziehen und Herabsetzung jener Bezüge bezw. Abschaffung der Arbeitslosenversicherung zu beantragen. Im Gegenteil! Sie hat mit den Natio- nalsozialisten gemeinsam verlangt, daß die Zah- lungen der Daweslasten eingestellt und diese 2.5 Milliarden den Arbeitslosen gegeben werden. Ein außenpolitischer Selbstmord und zugleich eine Inkonsequenz gegen die eigenen Programme und die den Wählern gemachten Versprechungen, denen zufolge diese 2.5 Milliarden doch dem Bauernstände zuzuführen wären. Auch sonst ist nichts Positives von der Christlich-Nationalen Bauernpartei zu berichten. Die Borwürfe z. B., die sie gegen andere Parteien erhebt, daß diese zu stark mit Beamten durchsetzt seien, trifft für die Zentrumspartet gar nicht zu, wohl aber für die Christlich-Nationale Bauernpartei selbst, deren Reichstagsvertreter zu reichlich 50 im Dienste von Berufsorganisationen stehen und somit eine beamtenmäßige, nicht eine praktisch bäuerliche Tätigkeit ausüben.
Jugend und das
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In fricheren Zeiten haben die Tagesblätter immer schon Beilagen gehabt für die Kinder neben denen für Hausfrauen, für Landwirtschaft, Handel usw. Ich kann mich aber nicht entsinnen, in meiner Jugend irgendwo eine Berlage für die jungen Menschen gesehen zu haben. Nun ja, die hatten ihre eigenen Jugendschriften. Und diese haben zweifellos ein gewaltiges Stück Erziehungsarbeit geleistet. Diese Zeitschriften erscheinen aber gewöhnlich nur monatlich. Das ist zu wenig. Was bedeuten solche zwölf Hefte im Jahre gegenüber all den Einflüssen, die täglich auf die jungen Menschen einstürmen. Zudem können die Zeitschriften nicht genug in die Breite des öffentlichen Lebens gehen. Sie entfalten naturgemäß eine gewisse Einseitigkeit, die kaum zu vermeiden ist. Es fehlt häufig der Zusammenhang mit der Ganzheit des Lebens. Und die Jugend wird zu leicht in eine Art Jugendreich hineingezogen und in Gegensatz zu dem Wirken der älteren Generation gesetzt. Schließlich kommen die Jugendzeitschriften an die Ueberzahl der Jugendlichen überhaupt nicht heran. Deshalb ist es eine wichtige Aufgabe der Tagespresse, die doch das ganze öffentliche Leben beleuchtet und führt, sich der Jugend ganz besonders zu widmen. Unter Jugend sind hier die Menschen von etwa 18—25 Jahren verstanden. Durch das Wahlrecht sind ihr frühwichtige Entscheidungen anvertraut. Und durch die ganze Entwicklung des öffentlichen Lebens ist den jungen Menschen viel Freiheit gegeben, die zu ihrem Heil oder Unheil ausschlagen kann. Wir sehen, daß viele mit dieser Freiheit Mißbrauch treiben, daß sie verantwortungslos in den Tag hineinleben. Mit Bewahrungsmethoden kommen wir da- gegen nicht an, obwohl sie nicht außer Acht zu lassen sind. Auf jeden Fall muß die Jugend sehr stark positiv angefaßt werden. Sie muß Richtung erhalten. Sie muß aufgeklärt, für alles wertvolle im öffentlichen Leben interessiert und in das öffentliche Wirken allmählich hineingezogen werden. Dies wird nur dann erreicht, wenn die ältere Generation der Jugend entgegenkommt. Es ist aber immer noch so, daß die Erwachsenen allein sich für die Verantwortlichen halten. Sie glauben, das Wirken in der Oeffentlichkeit sei ihre Angelegenheit. Und sie behandeln alles nach ihren Methoden. Gewiß, das reifere Alter hat die Hauptarbeit zu leisten. Das ist selbstverständlich. Jugend muß und will ober Mitarbeiten. Sie will irgendwie mitbeteiligt sein, will nicht nur immer von oben herab behandelt und zum Stillschweigen verurtellt werden. Wie schon gesagt, hätte in dieser Hinsicht die Tagespresse ein großes Stück Arbeit zu leisten. Man hat es auch längst eingesehen. Eine ganze Reihe von Zeitungen gibt jetzt eine Art Jügendbeilage
Daß die spezifischen Forderungen der Klein« und Mittelbauern nach Zollschutz für landwirtschaftliche Veredelungsprodukte in den Kundgebungen der Christlich-Nationalen Bauernpartei manchmal nicht einmal angedeutet werden, während der Zollschutz für Getreide meist eine eingehende Begründung findet, zeigt unzweideutig, daß die Interessen des hauptsächlich getreidebauenden Großgrundbesitzes den Ausschlag geben. Nicht als ob mir es dem Großgrundbesitz verwehren wollten, seine Interessen zur Geltung zu bringen, aber mir halten es trotzdem für ganz unangebracht, wenn, wie es bei der Christlich-Nationalen Bauernpartei der Fall ist, der Bauernstand bald durch Betonung allgemeiner Gesichtspunkte, bald aber durch geschickte Verschleierung der eigentlichen Parteiziele vor den Wagen der Großagrarier gespannt wird, mit deren Zielsetzung doch nur zum geringsten Teile seine eigene sich deckt. So hat also das Landvolk, als es die Christlich-Nationale Bauernpartei wählte, in Person und Sache sich geirrt.
Ueberdies hat die Absplitterung der Christlich- Nationalen Bauernpartei die Vertretung der bäuerischen Interessen durch die politischen Parteien, die sich bisher am nachhaltigsten für die Bauernschaft eingesetzt haben, zum Schaden des Bauerntums selbst geschwächt. Es ist zutreffend, daß es der Zentrumspartei und B. V. P. nicht gelungen ist, die Not der bäuerlichen Landwirtschaft restlos zu beheben, aber diese Notlage kann überhaupt nicht einzig und allein, nicht einmal hauptsächlich durch politische Maßnahmen aus der Welt geschafft werden. Was von Staats- und Gesetzeswegen geschehen kann, dafür hat sich die Zentrumspartei mit Nachdruck eingesetzt und sie hat durch Steuerherabsetzungen, Zollerhöhungen, Rationolisierungshilfe und andere Maßnahmen speziell dem Bauernstand vielfache Erleichterungen verschafft. Dabei hat die Partei es sich versagt, mit agitatorischen Anträgen unerfüllbare Hoffnungen zu erwecken und auf Wählerfang auszugehen. Ihr Ziel: einen breiten, wirtschaftlich gesicherten, kulturell gehobenen Bauernstand unbeirrbar vor Augen, hat sie ihre Arbeit in den gesetzgebenden Körperschaften auf das unter den gegebenen Umständen Erreichbare eingestellt, um so Schritt für Schritt jenem Ziele näherzukommen. Die Tatsache, daß gerade die christlichen Arbeitnehmer im Zentrum sich wiederholt nachdrücklich und mit Erfolg für berechtigte Forderungen der Landwirtschaft eingesetzt haben, — es sei an die verschiedenen Zollkämpfe der letzten Jahre erinnert —, zeigt, wie geschlossen und zielsicher die Zentrumspartei stets den Interessen der bäuerlichen Landwirtschaft gedient hat. Es liegt im Interesse der Bauernschaft selbst, eine Partei zu stärken, die politisch die Zielsetzung der bäuerlichen Landwirtschaft unbeirrbar und zähe vertritt.
Daß es grundsätzlich nicht angängig ist, in der Politik lediglich nach berufsständischen Interessen sich zu entscheiden, haben wir an dieser Stelle wiederholt dargelegt. Es dürfte sich erübrigen, in diesem Zusammenhang noch einmal näher darauf einzugehen. Weder darf der Katholik die weltanschaulichen Fragenkomplexe bei politischen Wahlen und gesetzlichen Entscheidungen vergessen oder irdischen Belangen unterordnen, noch erweist sich die berufsständische Gruppierung des Parlaments
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— politischen Geheimnisse . . . Ihre Mundharmonikas waren alle harmonisch aufeinander abgeftimmt. (Wie die Burschen selber!) Und sie spielten darauf wie richtige Künstler.
Hinter ihnen marschierte die Kompanie. Die Hornisten fegten frohe Signale in den hellen Morgen hinein, die Kalbfelle rollten; dann setzten die Harmonikas ein: das Marburger Heckenrosenlied („Es kam ein Knab' gezogen"). Ein paar Takte Vorspiel, und die Kompanie sang . . . Sang ihre — Sehnsucht und ihre Osterhoff- nung — — —
Wie ein wandelnder Birkenwald rückten rtzir ins Sa« ger ein. Vor die Wohnung des Bataillonsführers. Und brachten ihm ein Ostermorgenständchen. Dann kam die große Ueberrafchung:---die O st e re i er I Gali-
3ien ist das Land der Eier. Ich hatte in aller Heimlichkeit einige Hundert kaufen lassen. Und nun bekam ein jeder zwei Stück. Sie mußten sogar — ganz wie babeim — teilweise erst gesucht werden. Die Feldküche lieferte süßen Kaffee und frisches Brot. Und so hielten wir gemeinsam — auf schnell gezimmerten Tischen und Banken — draußen unser Osterfrühstück.
Und bann der zweite Teil: Gottesdienst. Wir hatten schm feit Monaten keinen Feldgottesdienst mehr gehabt. So hielt ich ihn denn selber ab. Ein großes Streuä aus zwei Birkenstämmen. Zu seinen Füßen zwei mächtige Fackeln. Und darum stand die Kompanie: ohne
®aifen> Ich betete vor — so wie es mir die totunbe eingab — unb hielt bann eine Ansprache: von der Osterbotschaft, bie eine Siegesbotschaft sei. Aber nicht vom Sieg mit ben Waffen, sondern bes Geistes über die Natur. Sieg über Sünbe und Tod. Das fei der «mn bes Osterjubels für jeben Menschen. Auch für jedes Volk. Unb nur dieser Sieg sei wert erkämpft zu werden . . .
Die Kompanie stand stumm da. Nachher schickte sie mir fünf Mann mit riesigen Birkenbüschen — zum Dank!
Der Bataillonsführer war auch bei dem Gottesdienst. Er tarn bann zu mir, bedankte sich kühl für das Ständchen und machte mir heftige Vorwürfe über meine An- spräche . . und in Zukunft überlassen Sie bitte das Predigen anderen Leuten, die mehr davon oerttehen —"
als praktisch-politisch möglich und förderlich. Er- । fahrungsgemäß verschärft die berufsständische Glie- ! derung des Parlaments die beruflichen Gegensätze !
TAPETEN