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Nr. 46.

Sultacr senrna (bmlHches Ureisbkalt.)

Samstag, 23. Februar 1929.

Heimat

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nulDa, den 22. Februar IU29

Lrlrertslosig'-ert und Gemeinden.

Die Wohlfahrtslasten, die den Gemeinden aus der Fürsorge für die ausgesteuerten Er­werbslosen entstehen, wachsen gewaltig und drohen die gesamte kommunale Mnanzwirtschaft aus den Angeln zu heben. Dr Johannes Dierkes-Berlin veröffentlicht heute in der Germania unter der Ue. berfchrift: Wohlfahrtserwerbslose und Gemeinde- finanzsn einen Aufsatz, der zeigt, daß sich die Hoff- nung nicht bestätigt hat, daß mit der Abtrennung der Arbeitsnachweise von den Kommunen die Er­werbslosigkeit und ihre finanziellen Folgen voll­ständig von der Neichsanstalt für Arbeitsvermitt­lung und Arbeitslosenversicherung aufgefangen würden. Dierkes stimmt nach eingehender Betrach- nmg der Loge, die auch in Fulda gelegentlich der Beratung des Haushaltsplanes eingehend erörtert werden muß, der Auffassung bei, die der bekannte Arbeitsmarktpolitiker, Stadtrat Dr. Fischer-Nürn­berg, in Nr. 10 seiner Zeitschrift „Der öffentliche Arbeitsnachweis" zu derselben Frage abschließend macht:

„Auf irgendeine Weise muß aber da­für gesorgt werden, daß die Kommunen die im­mer mehr wachsende Last der Arbeitsfürsorge für die langfristig Arbeitslosen finanzpolitisch tragen können. Ich sebe zur Zeit keinen an­deren Ausweg als den, daß die Entwicklung — wie dies so oft der Fall ist — wieder an den Aus­gangspunkt, nämlich zu dem Grundgedanken des Erlasses vom Oktober 1926 zurückkehrt, indem den überlasteten Gemeinden angemessene Zuschüsse zur Durchführung der Arbeitsfürsorge der Wohl­fahrtspflege vom Reich gewährt werden. Noch bes­ser wäre es natürlich. w»nn derReichsfinanz- o u s g l e i ch derart gestaltet würde, daß dis G >- meinden ganz allgemein die Mittel erhalten, die sie zur Durchführung aller ihrer Aufgaben benötigen, und daß damit die — immer bedenkliche — Dota- konswirtfchaft vermieden wird."

wird es milder?

In England soll Frühlingstemperatur herr­schen. Der uns waren heute Nacht wieder — 17 Grad. Immerhin hat man an zentralen Stellen Hoffnung, daß des Winters Macht zu Ende geht. Hebet die Wetterlage in Deutschland wird mitge- teilt: In der letzen Nacht wurde die stärkste Kälte m '"'iddeutschland und Oesterreich beobachtet. Mün­chen hatte 24. Wien 20 Grad Käl'e. Auch im übri­gen Süddeutschland waren die Temperaturen recht tief, dagegen ist in Norddeutschland eine Ab- schwächung des Frostes eingetreten, wie z. V. die Gegend von Berlin nur noch wenig über 10 Grad Kälte zu verzeichnen hat'e. Auch in Ost­preußen und längs der ganzen Küste hat sich der Frost bereits merklich gemildert. Dies steht im Zusammenhang mit einer Aenderung der Luft- druckverteilung, welche in etwas höheren Luft­schichten schon Westwinde herbeigeführt hat. DaS Hochdruckgebiet, in dem wir während der bei­den letzten Tage lagen, ist int weiteren Zurück- Weichen nach Süden begriffen, während Zugleich über Nordeuropa, namentlich über Südschweden, der Luftdruck weiterhin kräftig ist. Aus diesen Druck- önderungen heraus sind die erwähnten westlichen Winde in der Höhe zu erklären. Sie werden wahr­scheinlich bis morgen l-mg'am weiter um sich grei­fen und int ganzen Reiche Temperaturan- ftieg bewirken. Dieser wird im nordw est - Itchen Küstenbe-irk zu Tauwetter führen, im mittleren Norbdeu'schland die Temperaturen bis nahe an den Gefrierpunkt ansteigen lassen und auch in Süddeutschland eine M'lderunq der Kälte her- beifübren. In Norddeutschland wird es dabei größ­tenteils trüb sein.

Zulassung beim Landgericht.

Bekanntlich erstrebten die bei einem Amtsgericht zugelassenen Rechtsanwälte seit Jahren die Zu­lassung auch bei den übergeordneten Landgerichten. Nach Ianoem Kampfe und unter Uebertrinbung heftiger Widerstände haben sie dieses Ziel nun­mehr erreicht. Es müssen sonach im Laufe einiger Jahre all? sogenannten Amtsgerichtsanwälte auch bci den übergeordneten Landgerichten zugelaflen werden. In Fulda sind nunmehr die beiden äl­testen hm b'esigen Rechtsanwälte, die Herren Ju- stizrat Rang und Iustizraf Dr. Pfeiffer zum Landgericht Hanau zugclassen worden.

Dom Finanzamt

wird uns geschrieben: Durch Verordnung des Reichsministers der Finanzen vom 8. Februar 1929 ist für die Mitglieder der Steuerausschüsse (§§ 25 bis 31 der Reichsabgechenordnung) einschließlich der stellvertretenden Mitglieder die Amtsperiode die am 1. Juli 1926 begonnen hat, bis zum Ablauf des 30. Juni 1930 verlängert worden.

Dösarkiger klatsch.

Aus dem Reichsarbeitsministerium wird ge­schrieben: Durch einen Teil der Presse ging kürz­lich ohne nähere Angaben die Meldung, daß das Verladen von Briketts in die Eisenbahn­wagen ins Stocken gekommen sei, „weil es unmög­lich sei, aus dem Riesenheer von Arbeitslosen die nötigen Arbeitswilligen zu bekommen, die sich zum Verladen der Brikettstapsl bereitfänden". Daran waren zum Teil recht abfällige Kritiken der Ar­beitslosenunterstützung geknüpft. Das Reichsar- beitsminist-rium hat veranlaßt, daß alle Einzel- fälle, die ihm bekannt geworden sind, sofort na - geprüft werden. Dabei ist fcstgestellt wor­den, daß der Bedarf der Gruben an Arbeitskräften sofort ohne Stockung gedeckt worden ist. Einige Gruben haben sogar eine größere Zahl Abraum­

arbeiter entlassen, die jederzeit für Arbeit zur Ver­fügung standen. Damit erübrigt es sich, auf die Angriffe gegen die Arbeitslosenunterstützung ein­zugehen, die mit den Meldungen verbunden wor­den sind. — Es ist klar, daß die oben gekennzeich­neten kritiklosen Zeitunasmeldungen in den letzten Tagen gleich kritiklose Vierbank-Politiker in starke Erregung perfekten. Man soll in der Verbreitung von solchen Sachen vorsichtig sein. Klatsch hat gif­tige Wirkungen. Auch auf anderen Gebieten enwsiehlt im Weitererzählen von Dingen, die greifbare Gestalt noch nicht angenommen haben ober lediglich auf kühnen Kombinationen beruhen, für ernste Menschen würdige Zurückhal­tung. _______

Stra^enverkehrs-Vrdmmg.

Auf den in der heutigen Nummer der Zeitung veröffentlichten Nachtrag zur Straßenverkehrs­ordnung wird besonders hingewicsen. Um einer­seits der Rückstrahler herstellenden Industrie, an­dererseits den Radfahrern eine Ueb-ergangszeit für die Durchführung der Verordnung zuzubilligen, tritt die fragt. Verordnung erst z u m 1. A p r i l 1929 in Kraft. Don diesem Zeitpunkte ab wird durch Stichproben festgestellt, ob die Verordnung befolgt wird.

Der Verein Deutscher Fahrradindustrieller e. D. Berlin W 9, Linkstraße 11, hat sich bereit er­klärt, nur solche Rückstrahler in den Handel zu bringen, die die obenerwähnten allgemeinen Erfor- dernisse erfüllen. Alle derartigen Rückstrahler werden von ihm mit einem Prüfungszeichen verse. hen werden.

Werden bei den Stichproben durch die Polizei im Straßenverkehr Rückstrahler anscheinend als ungeeignet festgestellt, so sind die polizeilichen Ue* berwachungsorgane verpflichtet, die Nummer des Rückstrahlers festzustellen und auf dem Dienstwege der höheren Verwaltungsbehörde zu berichten, welche dann ihrerseits eine neue Nachprüfung durch die Prüfftcllr des Vereins Deutscher Fahrradindu­strieller e. V. vornehmen lassen kann. Die Nach­prüfung erfolgt kostenlos.

Im Hinblick darauf, daß sich z. Zt. eine große Anzahl von ungeeigneten Rückstrahlerarten im Verkehr befinden, sollen ungeeignete Rückstrahler baldmöglichst aus dem Verkehr gebracht werden. Die an den Rückstrahler gestellten Anforderungen sind an Hand von Versuchen und Erfahrungen fest- gestellt worden. Rückstrahler, welche den ange­kündigten Bedingungen nicht entsprechen, bilden eine schwere Gefahr für den Verkehr, da sie weder den Radfahrer schützen, noch den sich dem Radfah. rer von rückwärts nähernden Kraftwagenführer rechtzeitig warnen.

Tagung des Diözefan-Laritas-Ausschufses.

Am Mittwoch, den 20. Februar, fand in der Harmonie zu Fulda die Tagung des Earitasaus- schusses für die Diözese Fulda statt. Nach Verlesung des Protokolls der letzten Ausschußsitzung am 4. Oktober 1927 wurde der Kassen- und Geschäfts­bericht über das verflossene Jahr gegeben. Danach wurden für Arme der Diözese 2549 Mk., für An­stalten 1698 Mk., für andere Wohlfahrtseinrich­tungen 407 Mk., für Taubstummenseelsorge 233 Mark verausgabt. Sie Unterbringung hilfsbedürf­tiger Kinder verursachte 2285 Mk., die bei Kindern aus anderen Diözesen wieder ersetzt wurden. Beim Büro gingen ein 2239 Briefe: abgesandt wurden 2468 Briefe, 245 Postkarten, 1164 Drucksachen, im ganzen 3877 Schriftstücke. Schriftsätze und Gesuche wurden in Mietsachen, Arbeitslosenunterstützung, Lehrstellenvermittlung, Sozialversicherung usw. an­gefertigt, sowie auch schriftliche Auskunft in den verschiedenartigsten Sachen, insbesondere auch in Ausbildungsmöglichkeiten in Krankenpflege, Für­sorge- und Wohlfahrtswesen gegeben. Bürobesuche und mündliche Auskünfte waren sehr zahlreich, wurden aber nicht zahlenmäßig erfaßt. Statistische Zusammenstellungen wurden für das Kirchliche Handbuch und für den Tätigkeitsbericht des Herrn

Landeshauptmann angefertigt. Bei 3 Kindern kam die gerichtliche Adoption zustande. Es wurden 45 Vormünder, 7 Schutzaufsichtshelfer, 1 Pfleger und 1 Eegenoormund vorgeschlagen. 10 Fürsorgezög­linge wurden betreut, für 7 Jugendliche wurden Lehrstellen vermittelt. 393 Kinder kamen für kür­zere ober längere Zeit in Pflegestellen, von denen 71 jetzt noch dort sind. Vierteljährlich wurde eigener Gottesdienst für die Taubstummen ermöglicht. Weiterhin wurde Hilfe geleistet in Gerichtshilfe, Trinker- und Wandererfürsorge. 4 Konferenzen wurden abgehalten und in den einzelnen Dekana­ten Schulungskurse für Dorfkaritas veranstaltet. Nach dem Geschäftsbericht wurden noch kurze An­gaben über den Stand der Karitas-Sterbevorsorge gegeben. Der Vorsitzende, Herr Domkapitular Prof. Dr. Thielemann, erstattete sodann Bericht über die Tätiakeit des Gesamtverbandes, insoweit sie für unsere Diözese von Bedeutung ist, sowie über die Gefahren der sozialistischen Kinderfreundebe- roegung und über die Ausdehnung und Bedeutung der jetzt erweiterten Upfallversicherung für die An­stalten und Einrichtungen der freien Wohlfahrts­pflege. Sodann referierte Herr Dr. Ealmes aus Köln, Generalsekretär des Zentralarbeitsausschus­ses der deutschen Katholiken zur Förderung der öffentlichen Sittlichkeit und des Volkswartbundes, über den Kampf gegen Schmutz und Schund, wor­über in der gestrigen Nummer der „Fuldaer Zei­tung" schon berichtet wurde.

Siedluvgsgüler Im kreise Fulda.

Don einer gut unterrichteten Seite hören wir, daß als Pächter der durch den Tod des Herrn Stock ihres Bewirtschafters beraubten Domäne Zie­hers Herr Reinersmann m Frage kommt. Der Pachtvertrag soll auf 14 Jahren geschlossen werden. Herr Reinersmann bewirtschaftet jetzt die Domäne Rettenberg-Haimbach. Es soll beabsichtigt sein, ron letzterer einen Teil demnächst zu Siedlungszwet- ken aufzuteflen.

Die Zahl der Arbeiksrichler in Preußen.

Rach einer in der Beilage zum „Reichsarbsits- blatt" durch Ministerialrat Dr. Flatow veröffent­lichten Erhebung ü^er die Zusammensetzung der Beisitzer der preuß. Ar.beitsgerichtsbehördM sind b-i den Arbeits- und Landesarbeitsaerichten 10 308 Beisitzer, darunter 187 Frauen (145 Arbeitnehmer und 42 Arbeitgeber). Auf die Landesarbeitsgerichte entfallen 828 Arbeitge'er- und Arbeitnehmerbei­sitzer, auf die Arbeiterkammern 4242, auf die An­gestelltenkammern 2646, auf Arbeiter- und Ange­stelltenkammern 610 und auf Handwerksgerichte 1982. Don den Arbeitnehmerbeisitzern wurden auf Grund des Dorschlages des Deutschen Gewerk­schaftsbundes (christliche Gewerkschaften) 1040 Bei­sitzer berufen, auf Grund des Vorschlages des Gewerkschaftsringes 4222, des Afa-Bundes 387 und sonstiger 55.

Warnung vor einem fragwürdigen Unternehmen.

Ein Leipziger Buchhändler bietet sich gemein­nützigen Vereinen an unter wechselnden Firmen­bezeichnungen (z. V. „Deutscher Schatzmarkenver­ein", „Notgemeinschaft der Weltkriegsopfer aus dem Akademikerstande") zur Herstellung und Ver­breitung bildgeschmückter B.iefverschlußmarken, de. ren Verkaufserlös zur Förderung der von den Vereinen erfolgten Wohlfahrtsaufgaben verwandt werden soll. Abgesehen davon, daß die hierzu er- forberlicbe behördliche Genehmigung nicht erteilt ist, bietet das fragliche Unternehmen nach dem Ergeb­nis amtlicher Feststellungen keinerlei Gewähr "für ein ordnungsmäßige? Gefchäftsgebahren. In den Werbeschreiben, die unter dem Namen der „Notge. meinfchaft der Weltkriegsopfer aus dem Akademi­kerstande" verbreitet worden sind, ist in mißbräuch- licher Weise neben anderen Persönlichkeiten der Herr Reichspräsiden' als Förderer der Organisa­tion bezeichnet. Die Oeffentlichkeit und insbesondere alle gemeinnützigen Vereine werden davor ge­warnt, sich in eine Geschäftsverbindung mit dem Unternehmen einzulassen oder es in sonstiger Weise zu unterstützen.

Zur ReichSunsalwerbütungewoche.

III Ult

W

Die schützende Hand

mahnt zur Bedachtsamkeit im Straßenverkehr. Ein Warnungsplakat gelegentlich der Reichsunfallverhü.

tungswoche 1929. (Originalzeichnung von Oehlschlägel.)

UeberfüUung Cer höheren Schulen. 'Don Geh. Regierungsrat Oberreglerungs- und Schulrat B o h.n st e b t • Stettin.

Sie Reichsregierung führt Verhandlungen übe die Neuregelung der unteren und mittleren Beam. tenlausbahn. Ein Reichstagsabgeorüneter folgert dabei: wie das Hochschusttaatsexamen für die hö­heren, so müsse das Abitur für die mittleren Be­amten, das Dolksfchulzeugnis für die unteren ge­fordert werden. Die Besuchsziffern der höheren Schulen und Hochschulen sind trotz aller Kriegsopfer uni) wirtschaftlichen Not im verkleinerten Staat gegen 1913 um mehr als 13 Prozent, bei den Uni. perfitäten im ganzen um 51, bei den Technischen Hochschulen um 87 Prozent gestiegen. Die Stu­dienfächer der Hochschulen zeigen überwiegend eir Ansteigen um mindestens 100 und mehr Prozent Befuchsziffsrn und weiterer Zudrang zu den Höhe ren Lehranstalten, männlichen wie weil^ichen. las sen für die nächste Zeit immer noch ein Ansteigen jener Zuwacl>sprozente erwarten.

Daß dies eine kulturpolitisch ungesund Bewegung ist, liegt für jeden, der politisch uni jugenderz.ehlich über seinen Tag hinaus blickt, kla vor Alfen. ! so klar freiheb auch die Pf'ichj nun endlich auch etwas dagegen zu tun. Mai erwäge doch: die Ueberzahl der Abiturienten uni Studierten vermag unsere geschwächte Volkswirt schäft bestimmt nicht in Stellen unterzubringen, bl dem Geistes, und Kostenaufwand für bas Studiun und ihren sozialen und wirtschaftlichen Ansprüchet daraus gemäß wären. Viele werden harren uni darben müssen, bis sie anfangen, grau zu wer den. Diele werden vielleicht für immer tn Not teilen unterkriechen müssen. Sie Familien,- di sich, wie ost unter drückendsten Opfern, die höher Ausbildung ihrer Söhne und Töchter geleistet ha ben, sehen die Entbehrungs- und Warteschraub ins Unendliche verlängert. Wieviel Enttäuschung und Verbitterung, gegensätzlicl-e Einstellung gegei Staat und Gesellschaft kommen da auf, verderbet den ßcbenslon und die Arbeitslust und schaffen ii all dm Enttäuschten, Verbitterten, Sepia’.i.T'er immer neue Widerstände gegen die innere Einhei in unserem zerrissenen Volke. An dem Ernst die fer Voraussicht ändert es nichts, wenn man frei sich begreift, wie es zu dieser UeberfüUung g:kom men ist. Die Zerstörung der Vermögen b'.trt Krieg und Jnfla ion mußte die Eltern dazu frei ben, nun ihren Söhnen und Töchtern, denen si weiter nichts hinterlassen konnten, wenigstens ein möglichst hoch gegriffene Schul- und Berufsausbü düng, mitzugeben. Ser erste Schritt, den der Slao tat, indem er einer mittleren Beamtengruppe bei Aufstieg künftig nur durch das Abitur zuließ, mußt in Staat. Kommunen, Privatverhältnis sofort all mittleren Gruvpen, die nun sozial und wirtschaft lich nicht zurück bleiben wollten, mit gleichem Stre ben auf den Plan rufen. Freilich, für manch dieser Laufbahnen ist sachlich der Schulwissensstoj eines Abiturienten entfernt nicht notwendig, ja e muß, wenn er in dem jungen Menschen wirklic Wurzel geschlagen hat, ihm die Freude an. einen vielleicht anspruchslosen Beruf geradezu dämpfen besonders wenn seine 2J?itabiturienten sich in höhe ren Berufen bewegen dürfen. Freilich ist nick einzusehen, wie in unserer cerarmtr-n Wirtschal die gesteigerten Geb-altsforderungen der höher g« bildeten mittleren Beamten erfüllt werden können Frestich schließt jede verteuerte Schulbildung weit Kreise des Mittelstandes, die insbesondere in Ortei ohne höhere Schulen die Kosten dafür nicht aus bringen, können, von der Gewinnung auch nm eines mittleren Berufes für ihre Söhne und Töch ter aus. Freilich veröden die Mittelschulen, unl die höheren brücken mit ihren boch höheren Kostei für den Unterhnlt^träger immer schwerer auf di verarmte Wirtschaft. Freilich nimmt jeder unge eignete Schü'er höherer Schulen mit dem. was e kostet, diesen Unterhaltsträgern die Möglichkeit einem geeigneten, aber armen Schüler dafür einer Freiplatz zu gewähren. Endlich mindert der un gesunde Zudrang d"r nur für einen mittleren Pe ruf Begabten die Leistungsfähigkeit unserer höhe ren ßebra,nfta,fen überhaupt und stört ihr Lebet und ihre Arbeit durch den unaufhörlichen Pflichten streit, die einen für die Universität und Hochschub reif machen, die anderen zugleich mit ihnen burd das gleiche Abitur für einen unmittelbar einsetzen den vraktischen Beruf der mittleren Lage.

Man hat in all diese Gefahrzonen bisher vfe zu wenig vorausgeschaut, nur immer neue Beruß ans Abitur gebunden und die UeberfüUung unss rar höheren Schulen und Universitäten fröhlich gs währen lassen. So hat, auch was an sich im Volks ftaat recht urib gut war, sich zum Schaden geroen bet Die Erleichterung des Besuchs höherer Schu­len, roie sie Einheitsschule und Aufbauschule ge­ben. die Beihilfen an Freischule, Lehrmittel Hergabe Geldunterstützung, wie sie manche Kommunen gs währten, all das schafft, wenn damit nicht die Er> tmgung der künftigen Unterbringung biefei höheren Schüler Hand in Hand geht, nur Aus­sichten, vor denen einem bange fein muß. Dei Drang zu den höheren Lehranstalten entvölkert bii mittleren. Die Mädchen, denen bisher in gesonder­ten Lyzeen und Oberlyzeen eine Schulbildung wer­den sollte, gemäß den hohen Worten unserer Zeil von weiblicher Psyche und ihrer Sonderaufgabe ini Kulukleben unseres Volkes und seiner Zukunft, du drängen nun in all den kleineren Orten, die nui eine höhere Knabenvollanstalt haben, in diese hin. über, um dort sich das Abitur zu sichern. Sie Ly­zeen sterben, und von weiblicher Erziehung, auch Erziehung unfrecr Töchter durch Frauen, hört man dann überall dort, wo sie in der Knabenanstalt so mitla-ufen, einfach nichts mehr! Zu alledem kommt bann endl'ch auch norb die Verfassung unserer hö­heren Schulen. Zwischen Nichtvollanstalten, Voll­anstalten irrt) großen Dollanstalten gibt es da für Lehrende und Leiter einen Aufstieg, der unwill­kürlich die Neigung wecken muß, die Schülerzahl zu heben, bei Aufnahme, Versetzung, Abschluß, Milde wallen zu lassen.

Dem Streben immer neuer mittlerer Berufe nach dem Abitur könnten Staat und Kommunen durch klare Festigkeit aeaenüber solchen Drängern

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