Einzelbild herunterladen
 

ulo aerZ ertung

Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Dienstag, 19. Februar 1929.

** . _ 'iilfUeini «echsmal wöchentlich. WochenveUaqem „Die Welt

Jlt 42. ‘m und „Buchenblätter". Notationsdruck und Verlag oer Fuldaer Actienüruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatl. 1,80emsch1.Postc>eb. (30 beiw 48 Pf > ohne 3uftella

dn jeigen-ißtei,e. rnemzeue (Colonel- lotai u,lö jtx, auswärts 0,20 JUL Rekiamezeite: lokal 0,60 JUL Cß auswärts 0,80 Bei Wiederholungen Rabatt. OO.JUyrQ«

Postscheckkonto Frankrurt a. M. Nr. 4051.

Reichskanzler a. X Marx über Die politische Lage

Dieses alles zusammengefaßt, stehen wir vor folgendem Ergebnis: Die Deutsche Zentrumspar- tei darf heute als innerlich gesundet angesehen werden. Sie kann und wird nunmehr in alter Geschlossenheit und Einigkeit wieder an die Arbeit gehen in dem glücklichen Bewußtsein, eine schwere Krise mit kerngesundem Herzen überwunden und der hämisch zuschauenden Gegnerschaft eine herbe Enttäuschung bereitet zu haben.

I Mit besonderer Genugtuung darf ich feststellen, daß bei den politischen Vorgängen in den letzten Tagen die beiden Berliner Fraktionen aufs Engste Schulter an Schulter gestanden haben, und daß bei den zahllosen Beratungen interner Natur die denk- ~°r größte innere Geschlossenheit zwischen bei­den sowohl wie auch mit der gesamten Reichs­parteileitung geherrscht hat. Das fand gelegent­lich einen starken äußeren Ausdruck,' als Herr Tr. Kaas persönlich erschien, um der Landtags- fraktion für ihre treue und selbstlose Hilfeleistung in einem besonders kritischen Augenblick seinen ofsiziellen Dank auszusprechen.

Die preußischen Finanzen.

D. D. Z. Berlin, 18. Febr. (Eig. Meldq.). Der ! Hauytausschuß des preußischen Landtages beriet i An Montag den Haushalt des Finanzministeriums. Abg. Grebe (Zentr.) wies als Berichterstatter ! darauf hin, daß der Finanzminister selbst in sei­nem Etat vorbildliche Sparsamkeit walten lasse. Doch falle auf, daß Bei den Ruhegehältern, Wit­wen- und Waisengeldern 37 Millionen weni­ger als im Vorjahre angesetzt worden seien. Finanzminister Dr. H ö p k e r - A s ch o f f erwiderte, daß aus Anlaß der Besoldungserhöhung Mehrauf- | Wendungen für Versorgungsgebührnisse usw. zu hoch geschätzt worden feien, woraus sich der ge-1

Da ist es nun über sehen Zweifel erhaben, daß Ne Handlungsweise Pius XI. bei der Lösung der Römischen Frage die naturgemäße Weiterentwick­lung und Vollendung jener Tendenzen ist, die von Anfang an die kirchenpolitische Richtung seines Pontifikats bestimmt haben. Wenn bei irgend­einem Papst, so ist bei Pius XI. alles wie' aus

Kommunismus, Faschismus und Katholizismus sind alle drei im Augenblick Größen erster Ordunng am politischen Himmel. Es lohnt sich, den Gang dwser Gestirne genau zu verfolgen und ihre gegen« Astige Konstellation wobl im Auge zu bebakten. Man beachte zum Beispiel, wie die „Rote Fahne" die Tmge sieht, die nicht nur in der katholischen sondern in der gesamten bürgerlichen und sogar noch halbbürgerlichen, das heißt der sozialistischen Preffe zum wenigsten wohlwollend besprochen wor­den sind.

Der Wortlaut der Verträge zwischen dem Papst und der italieniscken Regierung wird, wie aus Rom gemeldet wird, am 25. Februar dem großen Faschistenrat vorgelegt, der in diesen Fragen, di« von Gebietsabtretungen und der Regelung der De. Siebungen zwischen Kirche und Staat handeln, die gesetzlich zu hörende Instanz ist. Der italieniscken Kammer, die am 20. April zusammentritt, wird der Wortlaut der Verträge ebenfalls zugehen. Ob er aber schon vorher veröffentlicht wird, ist nock» nicht bekannt.

einem Guß. Es ging und geht um die Befreiung &er Religion aus der Abhängigkeit von irdischen Mächten, die heute mehr als je unter Wechsel und Wandel gestellt sind. Durch diese Tendenz ist die Bahn des Katholizismus heute charakterisiert. Cs folgt dieses Gestirn absolut seinem eigenen Gesetz, und_ darin liegt die Rechtfertigung des Papstes ge» genüber den Konstruktionen bes" Bolschewismus. Zu billig ist es doch, aus der Tatsache, daß gründ- verschiedene Gestirne mit gänzlich verschiedenen Bahnen einmal zufällig sich begegnen, Folgerun­gen zu ziehen, die auf ihren Wesenskern geben.

Mit der Lösung der römischen Frage ist eine Stellungnahme Roms dem Faschismus und seinen Methoden gegenüber M keiner Weise gegeben. Auch für den Fall, daß eine ganz andersgeartete Macht in Rom herrschte, hätte Pius XI. eine etwa sich bietende Gelegenheit, die Römische Frage zu be­seitigen, ergreifen müssen. Wir haben in diesem Augenblick die strenge publizistische Pflicht, Aus- fuhrungen, wie sie die „«Rote Fahne" macht, auf das Entschiedenste zurückzu weisen. Wir haben diese Pflicht umsomehr, weil wir es andernfalls morgen erleben können, daß revolutionäre Strö­mungen nicht bloß die ihnen entgegengesetzten poli­tischen und wirtschaftlichen Systeme, sondern daß sie auch die Kirche treffen, die gerade unter Pnis Xi mehr denn se von diesen Systemen, so­weit sie Politik sind, sich distanziert hat.

Der zuständige Unterfuchlingsrichrer hat den Antrag auf Haftentlassung des Abgeordneten U l i tz gegen Sicherheitsleistung ab gelehnt. Die pol- nische Presse wendet sich heute sehr scharf gegen die Wünsche der reichsdeutschen Presse, welche fordert, der Völkerbund möge einen Spezialdelegierten nach Ostoberschlesien zur Untersuchung der' deutschen Minderheitsverhältnisie entsenden. Die polnische Presse betrachtet die Entsendung eines solchen Dele­gierten als eine schwere Verletzung der polnischen Staatsautorität, betont jedoch, daß es etwas an­deres wäre, wenn die polnische Regierung selbst an den Völkerbund ein derartiges Ersuchen stellen würde.

* 2Ibg. Saenger gestorben. (Eig. Meld.) Der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Alwin Saenger ist in München an den Folgen einer Grippeerkraukung geworben. Er hat nur ein Alter von 47 Jahren erreicht. Saenger war Rechts­anwalt in München, Mitglied des Bayerischen Landtages und von November 1919 bis März 1920 Staatssekretär im bayerischen Unterrichtsministe­rium. Seit 1924 gehörte er dem Reichstage an. Bei der Bildung der jetzigen Reichsregierung wurde er als Kandidat für den Posten des Reichs. justizministers genannt.

die letzten Wahlen mit furchtbarer Deutlichkeit gezeigt.

Polen und die Deutschen.

wtb. Kattowih, 18. Febr. (Eig. Meld.) Wie die „Polonia" von gut unterrichteter Seite erfah­ren haben will, wird die polnische Regierung auf der Märztagung des Völkerbunds­rates einen besonderen Antrag auf Auf­lösung des Deutschen Volksbundes megen feiner „antistaatlichen Arbeit" ftel» len.

wtb. Hamburg, 18. Febr. (Eig. Meld.). In einer stark besuchten Versammlung des Landes- verbandes Hamburg der Zentrumspartei sprach am Sonntag Reichskanzler a. D. Dr. Mar x. Er wies zunächst auf die Aussöhnung des Hl. Stuhles mit dem Königreich Italien hin. In Bezug auf die innerpolitische Sage Deutschlands hegt er die Be­fürchtung, daß manche Parteien noch nicht den Mut hätten, dem Volk die Wahrheit zu sagen. Das Zentrum lehne die Verantwortung stir den Etat ab, wenn die Koalition nicht gebildet werde. Diese Auffassung der Parteileitung werde im ganzen Lande geteilt. Bei den letzten Wahlen habe das Zentrum empfindliche Verluste erlitten, weil es sich nicht dazu hergegeben habe, den W ä h- lern schöne Bersprechungen zu machen, oie niemals erfüllt werden könnten. Ebenso habe mi Reichstag kürzlich die Sozialdemokratie zur ” f.1 •e k-' ,u rJ.° ? 9 e ben unbekümmerten Antrag gestellt, diese Fürsorge auf alle Berufe auszudeh­nen, worauf sie schließlich, als Deutschnationale und Zen.rum sich anschickten, sich der Stimme zu enthal­ten, gezwungen gewesen sei, gegen ihren eigenen, von den Kommunisten aufgenomme» nen Antrag zu stimmen. Solange das deutsche

- nocf) auf solche Dinge eingehe, könne ihm nicht geholfen werden; denn der Reichstag fei ge- «o« n«2 dem Willen des Volkes zusammengefetzt.Die grotze Katsition müsse kommen, sie fei nur dann wirksam, wenn die Parteien Vertrauen zueinander hatten. Man werfe dem Zentrum nun vor, daß es drei MlNisterfitze beanspruche. Reichsminister Se- vering habe vor einigen Tagen erklärt, die Sozial- demokratie wolle wohl die Verantwortung für die schwere Lage tragen, sie verlange aber eine ent­sprechende Vertretung in der Regierung. Das sei audj die Forderung des Zentrums. Diejenigen, die LiQ„ wähnten, das Zentrum fei innerlich zermürbt, j wurden sich wundern. In dieser Frage stehe die Partei wie ein Mann geschlossen da. Sie werde mcht, wie anscheinend noch immer gehofft werde, mir dem Bemühen hervortreten, die Parteien wie­der zusammenzubringen. Diese Initiative über- lüf'ejte ber Reichsregierung. Wenn aber o<e Forderungen des Zentrums anerkannt roür- öen, dann werde es auch die Hand zu gemeinsamer I Arbeit reichen. I

Die .Rote Fahn e", die hier wie fast überall die russische Auffassung wiedergibt, zeichnet noch einmal wirkungsvoll das Wesen des Faschismus. Ob mit Recht oder nickt betrachtet sie dieses Sy­stem als die Zusammenfassung aller dem Besitz ir­gendwie verhafteten Schichten zu einer einzigen antirevolutionären Macht. Diese Macht hätte ein Interesse daran gehabt, mit Hilfe der Kirche die früher klerikal und antiindustriell eingestellten Agrarier zu gewinnen, und das sei auch gelungen. Ueberhaupt habe Mussolini das Problem vor sich gehabt, wie er die kirchlichen ober die in Verbin­dung mit der Kirche nock bestehenden Organisatio­nen seinen Zwecken dienstbar mache. „Die politi­schen und gewerkschaftlichen Massenorganisationen, die sich in die Kirche im Kampfe gegen die Bour- peofie geschaffen hatte, Organisationen, die klein­bürgerliche und Mm Teil auch proletarische Massen vereinigten, vernichtete der Fasch'smus ebenso wie er die roten Organisationen zerschlug."

Wir haben hier nicht die Absickt. zu unter­suchen, welche politischen Motive Mussolini ver­anlaßt haben mögen, dem Vatikan in seiner Weise ( entgegenzukommen. Dos Haupt der Faschisten i rmrb selbstverständlich die Verhandlungen seinem eigenen politischen Programm eingeordnet haben. 2'ber wir lehnen es auf das bestimmteste ab, die Motive Mussolinis und des Heiligen Vaters einfach mit einander zu rerguicken. Mag die „Rote Fahne" den Sckritt Mussolinis aus den Zusammenhänaen feiner Politik überhaupt beurteilen, gerade dieses Prinzip der Beurteilung wird dann auch der an- dem Seite gegenüber zur Anwendung kommen müssen.

In einer Unterredung, die der Rechtsbeistam des Vatikans P a c e l l i. der Bruder des Berliner Nuntius, mit dem Vertreter des „Popolo d'Italia" tatte, merben ausführliche Mitteilungen über den geben $en ®erb<?9nn9 ber Verhandlungen ge-

Pacelli stellt fest, daß die Verhandlungen be« reits am 6. August 1926 begonnen haben. Da­mals hatte Pocelli als Vertreter des Vatikans eine

rmgere Ansatz für das kommende Etatsjahr er- I kläre. Rückschauend fei festzustellen, daß eine Durch- I führung der großen Besoidungsreform nur mög­lich gewesen fei durch Auflösung gewisser Reserven und durch das Anwachsen, der lieber« Weisungen aus Reichssteuern. Im Finanzmini­sterium selbst, so führte der Minister aus, ist die Zahl der Beamten von 1923 bis 1929

I fYstematisch herabgesetzt worden.

I 2u der Debatte am Samsiag erklärte u. a. I Ministerpräsident Dr. Braun: Wenn der Abgeordnete v. Rohr sagte, die Siaatsregie- rung solle beim Stahlhelm-Volksbeg eh -

I ren, das auf die Abschaffung des parlamen­tarischen Systems hinzielt, die Täckgkeit der Be­amten nicht beeinträchtigen, so will ich ihm darauf i erwidern: Die freie politische Betä.igung der Be- I ernten wird, soweit sie sich in den Grenzen be­wegt, bie dem Beamten nun einmal gezogen sind, tote bisher, so auch in Zukunft nicht gehemmt. Wohl aoer möchte ich voch die Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, ohne zu betonen, daß die Frage, ob es mit der Stellung des Beamten noch zu vereinbaren ist, wenn er sich aktiv im S t ahl- helrn betätigt, jetzt ernstlich im Schoße der Staatsregierung erörtert wird. Der Stahlhelm hat seinerzeit eine programmatische Erklärung heraus- geben lassen, in der es heißt, daß er „mit seiner ganzen Seele den augenbkicklichen Staatsaufbau,

I seine Form und seinen Inhalt und fein Wesen HSt." Der Beamte ist aber aufgrund seines Dieiist- ewes zur Treue zur Verfassung, zum Gehor­sam gegenüber den Gesetzen und dazu oerpfliebtet, die Verfassung gewissenhaft zu beobachten. Weiter ist dem Beamten durch das Gesetz zum Schutze der Republik untersagt, in der Oesfentlichkeit ge- hässig oder aufreizend die Bestrebungen zu för­dern, die auf Wiederherstellung der Monarchie oder gegen den Bestand der Republik gerichtet sind, und es ist ihm weiter untersagt, Bestrebun­gen auf «Verächtlichmachung der republikanischen Staatsform oder ihrer Repräsentanten zu unter­stützen. Wenn Sie sich die Haßparole des Stahl­helms vergegenwärtigen und weiter den Kaiserge­burtstagsartikel des Organs dieses Bundes „Stahl­helm", so hat der Stahlhelm selbst die Frage auf­geworfen, daß die Regierung sich sehr ernstlich damit zu beschäftigen hat, ob sie Beamte, diedem heutigen Staat den Treueid geleistet haben, sich im Stahlhelm noch betätigen lassen will.

Zur Panzerkreuzerfrage steht die preu­ßische Staatsregierung heu'e wie zuvor. Das hat mir der Wehrhaftigkeit unseres Landes nichts zu tun. Ich habe keinen Zweifel darüber gelassen, daß ich eine gewisse Wehrhaftigkeit gegen even­tuelle Ueberfälle für notwendig halte, solange unsere Nachbarn rund herum bewaffnet sind. Aber die Ausgabe für den Panzerkreuzer halte ich für überflüssig und unzweckmäßig, weil wir im Kriegs­fälle mit den Seekriegsmitteln, die der Versailler Vertrag uns allein noch gelassen hat, den See­weg nach Ostpreußen niemals offen halten kön­nen.

Gewiß hat die dauernde Mitverantwortung des Zentrums gewisse Unbequemlichkeiten für die Par­tei zur Folge gehabt. Aber an ihrem inneren Zu­sammenhalt hat das nichts zu ändern vermocht; denn schließlich kommt es ja auch nicht darauf an, daß eine Partei unter allen Umstanden auf einer einmal erreichten Mandatshöhe stehen bleibt, son­dern, daß sie sich innerlich stark und geschlossen fühlt. Mit 60 Mandaten ist das Zentrum an sich nicht weniger politisch stark und ak.ionsfähig als mit 80. Vielmehr ist eine Partei von 60, vor­ausgesetzt, daß sie in sich homogen ist, sehr viel starker als eine von 80, zu der allerhand Fremd­körper gehören, die bei ihr Unterschlupf suchen, i trotzdem sie ihr innerlich fremd sind.

Zudem aber stand die Zentrumspartei unter I inneren und äußeren Hemmungen ganz besonderer I Art. 2hr ganzer soziologischer Ausbau mußte es mit sich bringen, daß die wirtschaftlichen Zer- I tunungen der Nachkriegszeit bei ihr ganz besondere I Schwierigkeiten erzeugen mußten. Daraus ist es auch zurückzuführen, wenn z. B. die letzte Be­soldungsreform gerade bei uns auf Widerspruch I gestoßen ist. Am bedenklichsten aber war jene I Erscheinung, die man mit dem Namen Führer- streit zu bezeichnen sich gewöhnt hatte. Auch diese werte ich allerdings zum guten Teil als einen | Ausfluß aus den allgemeinen politischen Kompli- I ziertheiten, in denen sich die Partei solange be» I funden hat.

.Mit alledem ist durch den Kölner Parteitag I fnit der Wahl von Kaas und durch die nachherige Bestellung Stegerwalds zum Vorsitzenden der

I Relchstagsfraktion ein Ende gemacht worden. Da­durch daß die Arbeiterschaft sich mit der lieber-

I nähme des Fraktionsvorsitzes durch Stegerwald einverstanden erklärt hat, hat auch sie ausdrück­lich zu verstehen geben wollen, daß sie die Wahl I

I von Kaas nicht mehr als eine Entscheidung gegen sich auffaßt. Das war sie ja auch nicht! Der Köl- toto Parteitag war einzig und allein von dem

I instinktiven Gefühl getrieben, daß jetzt an die Spitze der Partei ein Mann gehöre, der vorab ein«

। mal in keiner Weise ht irgendwelche Gegensätzlich­keiten innerhalb der Partei bisher verwickelt ge­wesen war. Die Partei war in Köln von dem einzigen Bestreben geführt, eine restlos klare Linie ju schaffen, auf der sie einen neuen Aufmarsch I beginnen könne. Ihr selbst war es schmerzlich genug, daß sie dabei unter de» gegebenen Umstän­den von einem so integem und in seiner persön-- Ittfjen Uneigennützigkeit so über jeden Zweifel er« I hadenen Mann wie Stegerwald, und von jenen I wertvollen Menschen, die sich seine engeren Freunde I nennen, mißverstanden werden konnte. Aber es durfte in Köln auch kein letzter Rest mehr übrig bleiben, sollte das Werk ganz getan werden. Und I deshalb rief sie nach Kaas. Hätten sie über« daupt einen besseren Griff tun können? Heute schon weiß die Partei sich in seiner Hand gebot« I gern Mit tiefer Freude darf festgestellt werden, daß er auch die Arbeiterschaft restlos und ge- I schlossen hinter sich hat. So dürfen denn auch I alle bisher von Kaas geleiteten Sitzungen als ein | ungemein vielversprechender Auftakt zu einer neuen I Epoche der Zentrumspartei angesprochen werden. I Sie waren bei allen Teilnehmern getragen von I dem festen Willen zur alten Einigkeit und trugen wieder jene herrliche Note, die wir von früher her gewöhnt waren. Und wenn unter den ge« I wählten stellvertretenden Parteivorsitzenden Joß I und Hirtsiefer gemeinsam erscheinen, so ist das, I worauf ich mit gutem Grunde Hinweisen möchte, I nicht etwa ein Zufall gewesen, sondern damit sollte bewußt und mit weitem Ausblick bie lieber« drückung gewisser Unausgeglichenheiten innerhalb der Arbeiterschaft selbst zum äußeren Ausdruck ge« I bracht werden, die von Köln noch übrig geblie­ben war.

Auf einer Delegiertenversammlung der Zen- kfumspartei zu Remagen am Rhein vom 17. Febr. Tubrtc Dr. Heß, der Führer des preußischen Zen« trums, unter anderem folgendes aus: _$urdj xen Abschluß der Relchstagsfraktion,dem Abgeordneten Stegerwald den Frakrionsvorsitz an- zubieteii und durch den Entschluß Stegerwalds, dieses Amt anzunehmen, dürften jene Verstimmun- gen, bte m den gewerkschaftlichen Flügel der Deut« scheu Zentrumspartei nach dem Kölner Parteitag enfftanden waren, als vollkommen ausgeräumt an« pichen werden. Nunmehr können wir frei und rückhaltlos über Dinge reden, die jahrelang wie ein dunkler Schatten über der Partei gelegen yaöen.

Der Kölner Parteitag ist die glücklich über­standene Krisis m einem langen Krankheitsprozeß gernefen, der keineswegs erst mit den Vorgängen begonnen hat, die um die letzten Wahlen spielten. Der Prozeß hat vielmehr seinen unmittelbaren uriprung in der ungeheuren Umwälzung, die der Weltkrieg nach jich gezogen hat und von der jede andere große politische Partei in mindestens dem­selben Ausmaß getroffen worden ist wie das Zen­trum. Weder die Sozialdemokraten noch die Deutschnationalen, weder die Volkspartei noch die Demokraten stellen heute innerlich geschlossene Par« togebilbe dar, die den Anspruch auf absolute I Stabilität erheben können. Sie leiden gleichev« maßen bis auf den heutigen Tag an innerer Un- slcherheit und Unausgeglichenheit.

Daraus erklärt sich auch die angespannte Auf­merksamkeit, mit der die anderen den Gärungs­prozeß in der Zentrumspartei verfolgten, weil jeder freudig bemüht war, die Schwierigkeiten im Zen- I trum als Entlastung für die Schwierigkeiten un eigenen Lager nach Möglichkeit auszunutzen.

Gewiß hat auch das Zentrum bei den letzten Wahlen, absolut genommen, eine Schlappe erlitten, die wir aber in ihrem äußeren Ausmaß ebenso- I wenig unter« wie überschätzen dürfen. Politische I Schlappen dürfen bekanntlich nicht nur absolut ge­wertet werdend So gesehen, haben die Deutsch- I nationalen rund 25 v. H., die Demokraten rund I 21 v. H., und das Zentrum nur rund 12 v. H. ihres I Mandatsbestandes verloren. Das Zentrum hält sich also auf ungefähr der gleichen Verlustlinie mit der Volkspartei. Der Mandatsverlust des I Zentrums hat aber einen Grund für sich, den die I anderen Parteien nicht für sich ins Feld führen können. Das ist jene, schon so ost hervorgehobene, I aber in ihrer Tragweite garnicht genug zu wertende I Tatsache, daß das Zentrum seit 1919 zehn Jahre lang ununterbrochen an jeder Regierung beteiligt I gewesen war.

In keinem parlamentarisch regierten Land der Welt gibt es eine Partei, die eine derartige Be­lastung auch nur mit einem annähernd so stark I gebliebenen inneren Zusammenhang ertragen hätte, I wie die Deutsche Zentrumspartei. Und zumal in Deutschland wäre jede andere Partei darüber glatt auseinanderqefallen. Alle anderen Parteien haben sich gelegentlich in die Erholungsopposition flüch­ten müssen und zwar nicht nur einmal, sondern wiederholt. Wie schlecht insbesondere denDeuffch- ttationalen das Regieren bekommen ist, haben ja 1

In der Konkordatsfrage ist der Zeitpunkt noch nicht gekommen, der breiten politischen Oes» fentlichkeit über das Ergebnis der Verhandlungen etwas zu sagen. Von Geheimniskrämereien kann dabei keine Rede fein. Wenn wir mit den Ver­tragspartnern einig sind, werden wir zweifellos zu ermitteln haben, ob der Vertragsentwurf auch Aussicht auf Annahme int Parlament hat.

Hierauf kam der Ministerpräsident nochmals auf den preußisch-bayerischen Konflikt 6u sprechen und bezeichnete die Ausführungen der Bayerischen Volksparteilichen Korrespondenz zu der Tatsache, daß Bayern sein Bedauem bestritten habe, als unverständlich, ich muß, so erklärte er, demgegenüber feststellen, daß das, was ich durch den Amtlichen Preußischen Pressedienst in dieser Frage veröffentlichen ließ, Wort für Wort rich.ig ist. Herr v. Preger hat mir dies im Namen sei­nes Ministerpräsidenten wöttlich gesagt, und amt­lich ist es bis heute auch nicht bestricken worden. Damit erscheint für mich der bayerisch-preußische Zwischenfall erledigt.

NdRiDifiihN zur Römischen Neuordnung

Don Friedrich Muckermann S. I.