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Nr 41

Sonntag, 17. Februar 1929

üblich gegenüber- ewissen Parteien,

r. mrenn man ge- gierungsepoche be- lltes Wahlmaterial

eine

avouieren müssen. Daß sie das nicht tat, daß sie sich zufrieden gab, als das Kabinett in dieser Frage eine Mehrheit gefunden batte, die anstrrs tnrrr n\a

Wir wollen heute nicht noch mehr Beispiele einer Agitation anführen, die eine Partei, die sich als Hauptträger des parlamentarischen Gedankens fühlt, unbedingt vermeiden muß. Aber die Sozial­demokratie sowohl wie die liberalen Parteien dürfen versichert sein, daß wir auf diese Dinge sehr sorg­fältig achten und entscheidenden Wert darauf legen Garantien gegen fede Art fkrupelloser Agitation zu bekommen.

'£t,d)etnl sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatl. 1,80 einschl. Vostqeb. (80 be^w. 48 Pf.) obne tüftelig

Die Zlottenabrüstung.

Ein Reutertelegramm aus Washington besagt: „ Der britische Botschafter erklärte, daß die Der- zogerung der Annahme der Kreuzervorlage auch die britischen Bemühungen um eine neue Forde­rung der Abrüstung verzögert haben. Er glaube ledoch, daß seht die Bahn für neue Erör- terungen frei sei. Nachdem die Vorlage Ge- !eß geworden sei, scheine aller Grund zu der An- Wwe r3u bestehen, daß neue Bemühungen zum Abschluß eines Abkommens zwischen den Haupt- seemochten der Welt zum Zwecke der Einschrän- kung der Flottenrüstungen unternommen würden

3um Schluß, daß jedoch mit Rücksicht auf die im Sommer stattfindenden eng­lischen Wahlen eine weitere Verzögerung jeder Erörterung dieser Art um einige Monate eintreten konnte.

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Präsident Coolrdge hat dem Kongreß die An­empfehlung zugehen lassen, 12 370 000 Dollar für ben Beginn des Baues der in der Flottenvorlaae vorgesehenen Kreuzer zu bemhigen. Diese Summe beträgt nur etwas über die Hälfte der vom Marine­departement beantragten Summe. Sie würde erst vom 1. Juli ds. Js. ab zur Verfügung sieben. Der Morlneetatausfchuß des Senats war irdeß nicht gewillt, bis zum 1. Juli zu warten, sondern nahm eins Entschlie^-ng an. mon^-h genügend Geld *ur Verfügung gestellt werden soll, um den sofortigen Beginn des Kreuzerbauss zu ermöglichen.

die Schwierigkeiten des Reichsschulgesetzes u..v Folge der unsicheren politischen Lage fei' und des fortwährenden Wechsels in der Rchchsregierung und im Reichsinnenministerium. Zu einem Reichs- f ch u l g e s e tz, das gegen seine Ueberzeugung fei, werde er sich nicht drängen lassen. Die Lehrerver- kreker gedauerten, daß die Regelung der Schul­pflicht durch ein Reichsgesetz noch nicht voran­gekommen fei. Ferner wurde die Notwendigkeit der Durchführung der Verfassung im Hinblick aus die L e h r e r b i l d u n g betont. Severing erklärte, daß er int Hinblick auf diese Fragen auf dem Ver­waltungswege vielleicht einiges erreichen könne.— Severing wird in den nächsten Tagen auch Vertre­ter der katholischen Lehrerverbände empfangen.

* Trr »vorwütrs« zu dem Kompott. Im „Vor­worts" vom 15. Febr. wird der Vertrag zwischen Vatikan unb. italienischer Regierung durch eine ^M^ugen illustriert, die wieder einmal erkennen M, in welcher Weife die Sozialdemokraten katho­lische Dinge behandeln zu können glauben. Unter der Überschrift: „Ein altes Lied" und dem Text: „Der Papst lebt herrlich in der Welt, Er kriegt von Mus- ,ollni Geld ... . " sieht man Mussolini mit einem großen Eeldsack mit zwei Milliarden dienernd vor dem Papst stehen, der segnend die Hand über die- stn, Eeidsack hält. Daneben schmunzeln einige Prälaten. So behandelt die Soüaldemokratie eine ernste Sache, offenbar in der Tendenz, sie lächer­lich zu machen. Daß mit solchen hämischen Dar­stellungen die Gefühle des katholischen Volkes auf das ticffte verletzt werden, dafür bat die Sozial­demokratie offenbar kein Verständnis. Umso ener- grscher müssen wir ihr das zu Bewußtsein brin­gen Die „Frankfurter Volksstimme", wegen ihres antikirchlichen Tones berüchtigt, ergeht' sich in ähnlichen Schmähungen.

Mehrheit gefunden hatte, die anders war als ruf die es sich sonst stützte, ist wolsi ein Beweis

Ter Stand der Verhandlungen in Paris

„Der Prolog ist beendet."

Preußischer Landtag.

BDZ. Berlin, 16. Febr. (Cig. Mttdg.). Der Hauptausschuß des preußischen Landtages begann cm Samstag die Vorberatung des Haushalts des Staatsministeriums und des Ministerpräsidenten. Zunächst wurde der nationalsozialistische Antrag auf Aufhebung des Redeverbotes für Adolf Hitler durch die inzwischen erfolgte Aufhebung für erle- vlgt erklärt. Berichterstatter Abg. Schulz-Neukölln (Kom.) beantragte Streichung der preußischen Ge­sandtschaft in München. In der Generaldebatte fand Abg. von Rohr sDeutschnational) es un­erhört, daß im Zusammhang mit der Gröner- Denkschrit der Innenminister im Landtag behaup­tet habe, der Dokumentenhandel sei in konser­vativen Beamtenkreisen üblich gewesen. Hierzu müsse sich der Ministerpräsident ebenso äußern wie zu der Frage, ob er nicht seine Haltung zu Schwarz- weiß-rot ändern walle. Zum Schluß verlangte der Redner Freiheit der Beamten bei' ihrer H a l t u ng zum V o l k s b e g e h r en des S t a h l. Helms und wandte sich gegen die Geheimnis­tuerei beim Konkordat.

m ^ichspräsident hat den Präsidenten des Reichsgerichtes, Prof. D. St. h. c. Walter Simons, auf dessen Antrag zum 1. April ds. y5: £ den Ruhestand versetzt und auf Vorschlag h ftS^5 den Ministerialdirektor im Reichs- wstt Ministerium, Dr. Erwin Bumke, zum Präsidenten des Reichsgerichtes ernannt.

Ä'teS.”11"8- * Ä-S ,* r'ra9en und Lehrerbildung. Reichsmini- ster des inneren, Severing, empfing zu einer Besprechung Vertreter der deutschen Lehrerschaft Bei dem Empfang wurden, wie der Demokratische Zeitungsdicnst meldet, die Fragen der Grundschule des Relchsschulgesetzes, der Lehrerbildung, der Schulpflicht und der Zuschüsie des Reiches zu Ein­richtungen auf dem Gebiete des Schul- und Erzie- hungswefens besprochen. Der Minister betonte, daß

die, auf vuuci_

dafür, daß die Sozialdemokratie 'ba§ ihrer"Wähler^ Aast vor dem 20. Mai gegebene Versprechen, den Panzerkreuzer zu verhindern, nicht ernsthaft, nicht mit allen Mitteln durchführen wollte. Daß die Sozialdemokratie geneigt ist, mehr zu versprechen als zu halten, hat ja in jüngster Zeit wieder die Blamage gezeigt, die sich diese Partei bei der Erwerbslosendebatte im Reichstag geholt hat. Dort mußten die Sozialdemokraten bekanntlich einen Anftag niederstimmen, den sie selber gestellt hatten.

ten werden ohne Zweifel warten, bis Sie wissen, was Deutschland bietet, ehe sie ihre Ansicht zum Ausdruck bringen.

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Der diplomatische Korrespondent des „Daily Herold" veröffentlicht einen langen Aufsatz zur Re- parationsfvage, in dem besonders auf die in Ame­rika aufgenommenen deutschen Anleihen lp.ngeMesen wird: Der Dawesplan hat, so wird in dem Blatt ausgeführt, über den politischen toten Punkt von 1924 hinweggeholfen. Der Dawesplan hat aber nicht das wirtschaftliche Problem gelöst. Dies müssen die Sachverständigen jetzt tun, wenn sie es können, und die Deutschen sind überzeugt, daß es unmöglich ist, wenn man sich nicht von An­fang an dazu versteht, eine beträchtliche Herab­setzung der Annutitäten vorzunehmen. Da die Franzosen und Italiener entschlossen zu sein schei­nen, keiner Verminderung der Annuitäten zuzu­stimmen, stehen der Konferenz offenbar einige Schwierigkeiten bevor.

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Der Samstag blieb sitzungsfrei. Die englischen Delegierten werden die Sitzungspause benutzen, um sich über Wochenende nach London zu begeben.

Dom Völkerbundsrat.

Das Völkerbundssekretariat hat eine Ergän­zung zur Tagesordnung der nächsten am 4. März beginnenden Ratstagung veröffentlicht. Die Ergänzung, die der Generalsekretär auch sämt- sichen Ratsmitgliedern zugestellt hat, enthält zwei Punkte; der erste bringt zum Kapitel „Der deutschen Minderheit in Oberschlesien" unter den dem Rat aufgrund von Art. 147 der Genfer Konvention über Oberschlesien unterbreiteten Petitionen als Zusatz zu der vor zehn Tagen veröffentlichten Tagesord­nung „Das Telegramm des Deutschen Volksbundes betreffend die Verhaftung des Herrn U l i tz". Der zweite Punkt betrifft die Bemerkun- gen und Vorschläge der schweizerischen Bundesre­gierung zur Frage der Errichtung einer Radio- station für den Völkerbund in'der Nähe Genfs.

Die skrupellose Agitation.

?n einer guten, von durchweg seriösen Parteien getragenen Demokratie würde der Kampf der Par­teien um die Stimme des Wählers sich etwa fol- gendermaßen abspielen: Einige Wochen, bevor die künftige Zusammensetzung der parlamentarischen Körperschaften durch das Votum des Volkes be­stimmt werden soll, beginnen die politischen Par­teien sich auf die Propaganda zu konzentrieren. Sie weisen auf ihre Leistungen hin, sie legen dem Volk ihre Grundsätze dar, sie decken die bestehenden 'Schaden auf und lagen klar, bestimmt und vorbe­haltlos, wie sie Schäden heilen wollen, wie sie die selbstverständlich nur auf die Förderung des Ge­meinwohles, nicht das Ätaffenintereffes' gerichtete Politik zu führen gedenken.

Aber leider ist das für unsere Demokratie, so wie wir sie letzt haben, nur ein schöner Traum, nur em Idealbild, dem die politische Wirklichkeit nur in einem sehr beschränkten Maße entspricht.

können sich die meisten Parteien nicht dazu entschließen, ihre ißerbearbeit in würdig wahr- hastiger Weise zu betreiben, und restlos alle Versprechungen zu meiden, die sie nicht erfüllen wollen oder nicht erfüllen können. Wäre das anders würde der Kampf bei uns so fein, wie er lein soll, wäre es um die Sauberkeit des politi- Ichen Kampfes und auch — darauf muß heute ganz besonders hliigewiefen werden — um die W e r t- f cf; ä tzung des geltenden Regierungsprinzips im Volke besser bestellt. Man kann wohl ohne lieber- freibung sagen, daß dem Ansehen des parlamen- tarischen Systems, abgesehen vom Umfang der Agitafionsanträge, nichts so sehr geschadet hat, wie die vielen, in die Welt hinauspolaunten und nach­her nicht erngelöften Wahlversprechen man­ch" Parteien. Daß derartige Methoden schließ- uch auch den Parteien selbst schädlich werden müs- fen daß der Wähler sich im allgemeinen nur ein« mal hintere Licht führen läßt, um dann zum Nach- barn hinüber zu wechseln, sei nur nebenbei er­wähnt.

Sie ebenso primitive tote schädliche Art der Wahlerbeemflussung, die wir hier gerügt haben, ist nicht nur bei den politischen Gruppen beliebt, die dem herrschenden System feindlich gegenüber- stehen. Sie wird auch geübt von gewissen Parteien, die sich innerlich mit dem Parlamentarismus i" sogar von solchen, beten heißersehntes ,0iel die parlamentarische Regierungs- U allen Zeiten gewesen ist. Wenn man ge- nnfic Vorfälle in der letzten Regierungsepoche be- N'chtet, aber auch wenn man altes Wahlmaterial d^ier Parteien durchsieht und dabei darüber nach- afu§ $ren Aufrufen tatsächlich 13 er in t r f 11 ^11) ab en, kommt man zu außerordentlich fet)rreti^en Resultaten. Dabei macht es kaum einen Unterschied, ob es sich um Deutschna ionale, Deutsche Volksparteller Demokraten oder Sozialisten han­delt. Wie haben beispielsweise die Deutschnatio- na.cn gegen die „Erfüllungspolitik" ceroet ert, gegen ben Dawesplan gegen das „zweite Versailles--, N»n Locarno. Wie oft und wie ernst haben sie St ^Q^1r-n Befreiung von allen Fesseln versprochen, die der verlorene Krieg uns aufgelegt pat.^ Unb was haben sie schließlich getan, als sie im Sinne ihrer Agitation hätten handeln können'? Sie haben dem Dawesplan zur Annahme verholsen nÄ-^^'^"°5Ertrag erst bekämpft, als er mit Unterstützung deutschnationaler Minister soweit ge- diehen war, daß man ihn kaum noch anullieren ftmnte. Die Deutschnalionalen haben ihre Verspre- ^»en den „hundertprozentigen Rationalisten" ebenso wenig gehalten wie den Rentnern und Li- quidationsgeschadigten.

Russische Neuorientierung?

Das Rätselraten über die diplomatischen Hin­tergründe des kürzlich abgeschlossenen Litwinow- Paktes will noch nicht aufhören. Ueber gewisse Motive herrscht allerdings allgemeine Ueberein- stimmung, so über die Sorge Rußlands um die Sicherung seiner Grenzen angesichts seiner schwie­rigen Wirtschaftslage. Die Moskauer Weltrevolu­tionspläne sind offenbar gescheitert und vermögen das Interesse der russischen Bevölkerung nicht mehr von den inneren Sorgen abzulenken. Von Paris aus ist die Warschauer Regierung gewarnt wor­den, die Unterschrift zu gewähren, da man aller­hand Fallstricke befürchtete, insbesondere hinsicht­lich der Abrüsttmgsftage und der militärpolitischen Bündnisse Polens, insbesondere- mit Rumänien. Aber man scheint sich dort beruhigt zu haben und als wesentlichen Grund des Littvinowschen Vor­stoßes dessen tatsächliche Sorge vor einer Einkrei- fungspolitik anerkannt zu haben. Es wird unzwei- felhaft die außenpolit. Folge des Litwinow-Paktes sein, daß sich das außenpolitische Gesicht Rußland- wieder nach Westen drehen wird. Wenn nämlich Litwinow, wie man annehmen muß, trotz der hob fchewistifchen Lästerungen gegen den Kellogg-Pakt, seine beschleunigte Anwendung für erwünscht hielt, so ist es unmöglich anzunehmen, daß er in 'hm nicht doch einen gewissen friedensichernden Wert gefunden hätte, der es ihm ermöglichte, gegenübei den Staaten, mit denen -r jetzt feinen Pakt abge­schlossen hat, und den Mächten die hinter diesen stehen, eine andere, positivere Einstellung zu fin­den.

Man findet in den Betrachtungen verschied-ner Ostpolitiker auch die Vermutung, daß die Teil­nahme von Estland und Lettland an dem Lilwi- now-Protokoll für Rußland im Augenblick min- destens so wichtig gewesen sei wie die polnische Un­terschrift. Ja, man geht soweit zu sagen, baS die Bereitschaft dieser beiden Randstaaten, mindesten« aber Estlands, mit Rußland den Pakt abzuschlieüen schon festgestanden hätte, ehe Litwinow fein An­sinnen an Polen verlautbart hätte. Es fei atfo ge­wissermaßen eine polnische Illusion, wenn man iit Warschau glaube, durch die erfüllte Forderung ei­nes gemeinsamen Aktes alles Randstaaten ' ein- schließlich Rumäniens gewissermaßen eine Führer- Peilung gewonnen zu haben. Das ganze Borg->heri Litwinows fei eben nicht unabhängig non der Wie, deranbahnung eines engeren Verhältnisses zwi- ichen England und Rußland, Estland und Lettland bedeuteten ja nichts anderes als die englischen Vor. vasten auf dem Festland für die englisch-russisch- ipolitir.

Fuldaer Zeitung

Anzeiger für die Stadt Iulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

wtb. Paris, 16. Febr. (Eig. Meld.) Unter der Ueberfchrift „Der Prolog ist beendet" veröffenüicht der Außenpolitiker des „Statin" einen Artikel, der den Anschein erweckt, daß er nicht ohne Fühlung­nahme mit maßgebenden Persönlichkeiten geschrie­ben wurde. Es heißt in dem Artikel, man erwarte, daß Dr. Schacht am Montag seine Ansicht über bie Höhe der Annuitäten äußern wird. Dann würden die Gegensätze beginnen. Die Alliierten hätten eine Gesamtabrechnung ausge­stellt, die sich auf 3% Milliarden Rm. belaufe. Die Deutschen würden eine Abrechnung aufftellen die, wie das Blatt behauptet, kaum 1% Milliarden Rm. jährlich betrage. Morgan und Owen D. Poung, die bis jetzt noch nichts gesagt hätten, dächten ge- wiß an eine zwischen diesen beiden Beträgen lie­gende Ziffer. Diese Ziffer werde weder aufgrund der etwas zurechtgemachten Forderung der Gläu­biger, noch aufgrund der Thesen Dr. Schachts fest­gesetzt. Vielmehr wäre die endgültige Ziffer so zu errechnen, daß Mobilisierungsmaßnahmen ermög­licht würden, die die amerikanischen Bankiers int Einvernehmen mit dem amerikanischen Markt im Lause der kommenden Jahre vornehmen wollten. Der Zweck des Sachoerständigenausschusses sei nicht, die Annuitäten festzufetzen, die die Gläubiger oder die Schuldner wünschten. Die Zahlen, auf die sich die amerikanischen Bankiers nach übereinstim­menden Nachrichten im Voraus festgelegt zu haben scheinen, würden zwischen 2200 und 2400 Millionen liegen. Auf dieser grundlegenden Annuität werde der gegenwärtige Wert berechnet werden, den man

bann durch die unter amerikanischer Kontrolle ste­henden Kreditoperationen zu decken hätte

Im übrigen ist festzustellen, daß die Morgen- presse, ohne Zweifel einem Losungswort folgend, fast gleichmäßig sich äußert, etwa in dem Sinne wie der "Petit Parisien", der schreibt: Da alle Argumente Schachts auf H e r a b s e tz u n g der deutschen Zah­lungen hinauslaufen, muß man annehmen, daß die deutschen Delegierten sich bald entschließen würden, dementsprechend präzise Vorschläge zu for- muheren. Die französischen, englischen, amerikani- festen, belgischen, itafienif-ajen, japanischen Delegier-

liberal-sozialistischen Parteien, die jetzt aebenemander .n der Regierung sitzen, haben sich, ailgedeutet, in punLo Wahlversprechungen and Agltatlonsan:ragen manches geleistet. Auch bei ihnen gestattet Agitationsmaterial und praktische Arbeit manch interessanten Vergleich. Da ift nadjft die Deutsche Volkspartei. Wir wollen einmal davon absehen, daß dieselbe Partei, die ihre Wähler stuher von „roten Ketten frei" machen wollte beute unmittelbar jtefce; den „Roten" auf der Reglerungsbank sitzt. Es gibt bei ihr noch andere unelngelöste Versprechen, noch andere Beispiele de­magogischen Stimmenfangs. So hieß es, um nur etwas herauszugreifen, vor den letzten Maiwahlm m entern an die Frauen gerichteten Flugblatt der Deutschen Volkspartei: ,D>ie D. V. P. will den Schutz deutschen Familienlebens, sie ist allen Ver­suchen von links, das Familienleben zu sozialisieren das heilige Band der Ehe zu lockern, entgegen» getreten," und wenige Zeilen später „die D. V. P. ist wiederholt eingetreten für die Gleichberechtigung der Frauen." Wenn man demgegenüber an die liberal-sozialistische Verbrüderung in Sachen ' der Ehereform denkt, weiß man, was von der Hei- lighaltung der Ehe und der Gleichberechtigung der Frauen nach volksparteilichen Begriffen zu halten

Und die Sozialdemokratte'? Es wird ihr immer unvergessen bleiben, mit welchen Mitteln sie den letzten Wahlkampf geführt hat, wie skrupellos sie mit Taffachen und Zusammenhängen umgehen konnte, wenn sie sich davon einen Zuwachs ver­sprach. Man braucht nur daran zu erinnern, wie sie die Panzerkreuzerfrage mit ganz anders gelager­ten, ganz unzugehörigen Dingen verbunden und vernnscht hat, und wie sie sich praktisch verhiell, a.s der Kreuzerbau zur parlamentarischen Entschei­dung anstand. Es war doch ein Reichskabinett, in &em die Sozialdemokratie nicht nur den Reichs- canzlerposten, sondern daneben drei der wichtigslen Remter besetzt hielt, das den Bau des Kreuzers endgültig beschloß. Wenn es der Sozialdemokratie mit der Verhinderung des Kreuzerbaues wirklich so ernst gewesen wäre, wie sie während des Wahl- mmpfes glauben machte, hätte sie nicht nur die Dorlaae ablebnen. sondern auch ihre Minister des-

Wie weit diese Mutmaßungen zutreffen läßt sich natürlich schwer feststellen. Immerhin ist di- Kombination nicht uninteressant, die das Litwinow, sche Vorgehen nicht nur von dem Standpunkt in. nerrussischer Verhältnisse aus betrachtet, sondern auch als ein Zwischenglied in einer Politik der eng­lisch-russischen Wiederannäherung.

Daß letztere sich wieder anbahnt, kann aller­dings nicht bezweifelt werden, nachdem unläncfi der Londoner Daily-Expreß die Mitteilung ver­breitet hatte, daß sich die englische Regierung dem­nächst mit der Wiederaufnahme der Handelsbezieh, ungen mit der Sowjetunion beschäftigen werde unk nachdem auch der konservative Abgeordnete Voothby, der Privatsekretär des Schatzkanzlere Ehurchil, gestützt auf das Einverständnis eines maßgeblichen Teiles der englischen Geschäftswelt, die Frage der Handelsbeziehungen mit R'.ßland im Unterhaus zur Sprache gebracht hat. Ueberdies hat sich in den Kreisen der britischen Exportindu­strie und Hochfinanz ein anglo-russisches Komitee gek-ldet, das eine Studienreise von wirtschaftlichen Fachleuten nach Sowiet-Rußland vorbereitet, die angeblich an Gründlichkeit und Umfang alles über- treffen soll was bisher an Studienkomitees Ruß- lanö besuchen konnte. Die Anregung dazu ist von der russischen Regierung ausgegangen. Man betrachtete diese Einladung bereits als ein äuß-'res * Anzeichen dafür, daß in dem englisch-russischen Verhältnis eine neue Phase beginnen würde. Je- denfalls hätte sie keinen Sinn gehabt, wenn Ruß- wnd weiterhin die englische Politik systematischer Emkreisungsabsichten verdächtigen wollte.

Der Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen England und Rußland ist bekanntlich im Juli 1927 erfolgt, als die Engländer das ruffi'che Handelsbüro in London polizeilich untersuchen lie­ßen, weil sie glaubten, daß von dort aus politische Spionage getrieben werde. Die Russen haben dann dieses Büro im Arkos-Gebäude aufgelöst und gleich einen Boykott über England verhängt, der aber nicht recht „effektiv" geworden ist und auf die englische Regierung auch keinen Eindruck gemacht hat. Inzwischen hasten die Verhältnisse sich so entwickelt, daß die durch den Boykott getroffenen Firmen mit Nachdruck die Wiederanbahnung von Wirtschaftsbeziehunge-- verlangen, eine Forderung, der seitens der Gesch ftswelt, die Rußland feind- lich ist, deshalb nicht mehr widersvrochen wird, weil aus dem Abbruch der diplomatischen Besieh- ungen keine weittragenden Folgerungen aho etwa eine Einkreisung und Niederwerfung Ruß- lands entftonben sind. Die englische Negierung steht zudem heute vor der Tatsache, daß trotz des Abbruches der Besiehungen nicht nur die laufenden wirtschaftlichen Abmachungen abgewickelt worden sind, sondern daß später mich wieder neue engli'ch. russische Handelsengagements getroffm worden fmb und zwar mit dem Ergebnis, daß die ruffitoe pirtfchaft aus dmn Abbruch der Besiehungen er- heblid) weniger Nachteile in Kauf nehmen mußte als England. Die russische Ausfuhr nach England ßwS fOroe i xn tros- ?ie russische Einfuhr aus nURMwn SKV d'/se Vorgänge im englisch- russischen Wirtschaftsverkehr übrigens nicht unnb» hängig von den deutsch-russischen' W-rtschaftsbene- hungen betrachten Diese liegen im Augenblick ntcfrt gunftig, da die Russen einen Ausbau der

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