Einzelbild herunterladen
 

/ -

Anzeiger für die Stadl Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblakt.

Jlr 40.

sechsmal wöchentlich. Wochenveilagen „Die Welt im Bild" und „Buchenblälter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Re. 9. Wonatl. 1,80 einfdjl. Toftaeb. (30 bem* 48 Pf.» ohne Zusiella

Samstag, 16. Februar 1929.

etnzeiqen-Preise Klelnzeilr ^Colonel) lokal 0,15 Ml auswärts 0,20 Ml Reklamezeile: lokal 0,60 Ml. auswärts 0,80 Ml. Bei Wiederholungen Rabatt. >: Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr 4051. >■

Sö.Zahrg.

Neue Mitteilungen über die Lateran-Vertrage.

Ratifizierung Ende Mai.

Zentrum hilf!

Der sozialdemokratischen, namentlich aber der demokrat.schen Presse wird es offenbar reckt unge- müttich Die Entwicklung der politischen Dinge in der nächsten Zeit erfüllt sie mit Sorge. Das an­fängliche Schimpfen der demokratischen Presse ins­besondere ist aber einer stark auf Resignation abge» stimmten Tonart gewichen. Neuerdings nun ver­sucht man es mit Bitten, Ermahnungen und Be­schwörungen an das Zentrum, und das „Berliner Tageblatt" vor allem wünscht möglichst bald Klar­heit darüber, wie man sich beim Zentrum dis Ge­staltung der Dinge in der nächsten Zukunft denkt.

Dasselbe Blatt also, das ein paar Nummern zu. vor das Zentrum als „verantwortungslos" bezeich­net hat, verlangt nun von diesem, daß es, wie wenn nichts geschehen wäre, den Demokraten wieder ein Relief aebe. Der Ruf: Zentrum hilf!, tritt augen­blicklich in allen möglichen Formen in die Erschei­nung.

Man kann jetzt auch nirgendwo um die Fest­stellung herum, daß ohne das Zentrum ein ersprieß- liches Regieren überhaupt nicht möglich ist. Bor einigen Tagen aber noch, als es sich darum han­delte, dem Zentrum für die ihm aufzuerlegende Verantwortung auch einen entsprechenden Einfluß in der Reichsreqierung zu geben, hat man diesen berechtigten Anspruch der Zentrumspartei geradezu würdelos abgetan. Man hat sich in der liberal­demokratischen Presse eine Sprache gegenüber dem Zentrum herausgenommen, die förmlich gering- schätzend war. Und als das Zentrum das kultur­politische Zusammenspiel der liberalen Front störte, hat man das Zentrum auch noch beschimpft und es als „verantwortungslos" zu brandmarken versucht.

Das alles kann nicht vergessen werden. Jeden­falls müssen wir aus all diesen Vorgängen für uns die notwendigen Folgerungen ziehen. Es ist merk­würdig, daß gerade jetzt die Demokraten so sehr nach J>ilfe von dem „verantwortungslosen" Zen­trum* rufen. Sie werden nicht daran vorbeikom- men, uns Rechenschaft für dieses Wort zu geben. Diese Forderung sind wir unserer Wurde schuldig.

Um es noch einmal festzuftellen: Das Zentrum wird nie und nimmer unsachliche Opposition machen. Es wird aber zeigen, wie man facklich ar­beiten muß, um der Gesamtheit von Volk und Va­terland zu dienen. Wenn es dabei zuweilen zu Ge­gensätzlichkeiten mit seinen bisherigen Koalitions­partnern kommt, so dann doch nur deswegen, weil die Vorbedingungen für eine solche der Gemein­schaft geltenden verantwortungsbewußten sachlichen Arbeit noch nicht allenthalben gegeben sind. Erst wenn man sick auf allen Seiten klar darüber ist, auf welchem Wege und mit welchen Mitteln die Dolkswohlfahrt zugleich mit der Wahrung der In­teressen des Reiches am besten erreicht wird, erst bann wird für das Zentrum auch wieder die Mög­lichkeit gegeben fein, unter eigener unmittelbarer Verantwortlichkeit an den parlamentarischen Ge­schäften sich zu beteiligen.

* Die Durchführung des deutsch-rumänischen Abkommens. Das am 10. November 1928 unter-

Der Pariser Berichterstatter von „Herald Tri- bune" sendet von einer den amerikanischen Repa­rationssachverständigen nahestehenden Seite einige Ausführungen über den bisherigen Verlauf der Konferenz. In diesen Ausführungen wird betont, daß die Erklärungen Schachts nicht in Widerspruch zu dem Bericht Gilberts ständen, son­dern eine Interpretation dieses Berichts dar­stellten, und daß int Gegensatz zu der Neigung von Pressebeiichterstattern, die Konferenz als Kampf zweier entgegengesetzter Lager zu schildern, tat­sächlich bisher überraschend wenig Meinungs­verschiedenheiten zutage getreten seien. Es habe sich vielmehr ein Derartiger Geist der Zu­sammenarbeit bekundet, daß in drei Tagen bereits erreicht wurde, wofür anfänglich zehn Tage als notwendig angesehen wurden.

„Newyork Times" hebt gleichfalls den durch­aus sachlichen Verlauf der Verhandlungen hervor.

•

liebet die Sitzung der Reparationssachverstän- btgen am Donnerstag vormittag ist ein Commu- tticntS nicht ausgegeben worden. Es verlautet, daß die Aussprache der Zahlungsbilanz Deutsch.

zeichnete deutsch-rumänische Abkommen zur Bei- I legung finanzieller Streitfragen ist am 4. Febr. in Krafr getreten und im Reichsgesetzblatt Teil 2 Seite 81 veröffentlicht worden. Aufgrund der in diesem Abkommen getroffenen Vereinbarung gibt die rumänische Regierung — woraus bereits in früheren Presseverössentlichungen hingewiesen wor­den ist — alle Güter, Rechte und Interessen von Reichsangehörigen frei, die am 27. August 1928 noch nicht endgültig liquidiert waren. Alle Ver- bote, welche deutschen Reichsangehörigen in der freien Ausübung ihrer Rechte mit Bezug aus diese Vermögensgegenstände beeinträchtigt hatten, haben ohne weiteres ihre Wirksamkeit verloren.

* Requiem für die spanische Königinmutter in Berlin. In der Hedwigs-Kirche fand ein Requiem für die verstorbene spanische Königinmutter statt, das Nuntius, Paeelli zelebrierte. Der Reichspräsi­dent war durch Staatssekretär Dr. Meißner, der Reichskanzler durch Staatssekretär Dr. Pünder und der Reichsminister des Aeußern durch Staatssekre­tär Dr. v. Schubert vertreten. Außerdem wohn­ten zahlreiche Mitglieder des diplomatischen Korps der Feier bei.

* Kultusminister Dr. Becker in (Senf. Der preu­ßische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volks­bildung. Prof. Dr. Becker, weilt gegenwärtig auf Einladung der Genfer Gesellschaft für Deutsche Kunst und Literatur in Gens, wo er einen Vor­trag in der genannten Gesellschaft über das Thema „Die Hochschule des neuen Deutschland" hielt.

* Französisches Untersee ost für Srdslawken. In Nantes würde ein zweites für Südsiawien bestimm­tes Unterseeboot vom Stapel gelassen.

* Das neue amerikanische Einwanderungsgeseh. Zu den Beschlüssen im amerikanischen Senat über die Neuregelung der Einwanderungsgesetze erfah­ren wir, daß es sich nicht um ein neues Go- f e tz handelt, sondern nur darum, daß die nach dem Kriege festgesetzte Regelung, wonach die Ein­wanderungsziffer für Deutschland auf ca. 25 000 festgesetzt war, wieder in Kraft tritt, da die 1924 getroffene Regelung, die bis zum 1. Juli 1927 gelten sollte, und die für Deutschland eine höhere Einwanderungsziffer über 50 000 vorsah, nachdem sie zweimal für je ein Jahr verlängert worden ist, dieses Mal nicht verlängert wurde.

Die Neuwahl in Ostoberschlesien.

Das wahlordnungsgeseß für den ostoberschlesischen Landtag.

wtb. Darschau, 15. Febr. (Eig. Meld.) Wie b:e polnische Presse von zuständiger Seite erfährt, wird der Staatspräsident voraussichtlich das Wahlord­nungsgesetz für den ostoberschlesischen Landtag in­nerhalb der gesetzlichen Frist von 45 Tagen geneh­migen. 75 Tage nach dieser Genehmigung durch den Staatspräsidenten wird die Regierung d i e Wahl ausschreiben. Der Wahltag für den Sejm in Ostoberschlesien würde somit spätestens aus den 2. Juni fallen.

landS galt. Der Nachmittag bleibt sitzungsfrei, um der deutschen Delegation Gelegenheit zu ge­ben, für die fortzusetzende Diskussion dieser Frage weitere Unterlagen vorzuberei en.

Was den Verlauf der Verhandlungen anbe- trifst, so herrscht auch weiter ein relativ guter Eindruck vor. Man sieht davon ab, irgendwelche wissenschaftlich akademische Erörterungen einzuleiten, sondern sucht die Angelegenheit rein von der prak­tischen Seite zu erfassen.

wtb. Paris, 15. Februar. (Eig. Meld.) Der deutsche Botschafter von Hoesch veran- stattete gestern abend ein Essen, an dem die Delegierten für den Reparationsausschuß Dr. Schacht, Vögler, Melchior und Geheimrat Käst! teilnahmen sowie die in Paris anwesenden Mit­glieder der internationalen Handelskammer, u. a. Franz von Mendelssohn, Karl Friedrich von Sie­mens, Dr. Silverberg und der österreichische dele­gierte von Riedl. Nach dem Essen fand ein gro­ßer Empfang statt, zu dem viele Mitglieder der deutschen Kolonie geladen waren.

wtb Rom, 15. Febr. (Eig. Meldg.). Mes- fagger» veröffentlicht Einzelheiten über den Inhalt der verschiedenen am Montag unterzeichne­ten Verträge, die, wie das Blatt meint, E n d e Mai ratifiziert werden können. Sämtliche KurienkardmAe mürben als oatitanifdx Bürger betrachtet werden mit allen Freiheiten und allem Schutz, die diesen neuen Bürgern zukommen wer­den. Die vatikanische Staatsangehörigkeit werde noch geregelt. Wahrscheinlich werde man die dop­pelte Staatsangehörigkeit anerkennen. Die Er­nennung der Bischöfe erfolge nach vorherigem Ein­vernehmen mit der Stacitsregierung durch den Papst. Die standesamtliche Ehe sei nicht gänzlich abgeschasft, bestehe vielmehr weiter für Nichtläkholiken sowie für ungläubige Katho­liken! Die vor dem Standesamt geschlossenen Ehen fielen bezüglich der Nichtigkeitserklärung und Dis­pense nicht unter das kanonische Recht.

Das Regalienrecht des Staates, wonach der Staat in Italien während der Vakanz von Benefi- zien, deren Einkünfte einzog, ist aufgeheben. Eine Reihe von Steuern, mit denen der Klerus bisher belastet war, ist aufgehoben. Die Verwaltung der palatinischen Kirchen, das heißt derjenigen Kirchen, die dem königlichen Haufe unterftellf roanm, tritt der König an den Pavst ab. Eine einzige Aus­nahme bildet das Pantheon in Rom, wo bekannt­lich die Könige und Königinnen Itasiens beigesetzt werden. Bezüglich dieser Kirche behält sich der König die Ernennung des Kapitels vor. Das bel­li ge Haus von Loretta mit feiner gesamten Ver­waltung wird der geistlichen Behörde unterstellt. Ferner werde die Autorität der Bischöfe durch die neuen Verträge durch den Staat derartig geschützt werden, daß z. B. der Staat solchen Geistlicken, die von ihren Vorgesetzten suspendiert worden sind, das Tragen der geistlichen Kleidung verbiete. Cs werde setzt untersucht, welche überflüffigen Diöze­sen auszuschalten seien. Jedock n-bme man dabei Rücksicht auf uralte Bistümer. Diese Maßnahme dürfte sich in der Weise abwickeln, daß beim Tode von Bischöfen in kleinen Diözesen keine Nackfolger mehr ernannr werden. Der Blatt weist darauf hin, daß pack ben neuen Verträgen Attentate gegen den Papst in Ital'en bestraft werden, wie Atten­tate gegen die Sicherheit des Staates.

Wie die Blätter aus Rom melden, führte b » r Papst beim Emvfang von Professoren und Stu­denten der katholischen Universität Mailand aus:

Der Vertrag zwischen dem Päpstlichen Stuhl und Italien bedarf nicht allzu vieler äußeren oder inneren Rechtfertigung, denn seine Hauptbedeutung beruht auf dem Konkordat, das den Vertrag nicht nur erklärlich macht und rechtfertigt, sondern auch empfiehlt. Der Pavst schilderte dann ausfübr- sich die Tragweite des Konkordates, das die Stel­lung der Kirche in Italien nach so vielen Konfsikts- jahren regelt, und fügte hinzu: Der Päpstliche Stuhl fand hinsichtlich feiner Wünsche in der Kon­kordatsfrage ein edles Entgegenkommen auf der anderen Seite. Vielleicht war auch ein Mann dazu nötig wie derjenige, den uns die Vorsehung sandte, ein Mann, der nicht die Vorurteile der liberalen Schule hatte. Durch die Gnade Gottes und durch viel Arbeit ist es gelungen, ein Konkordat abzu- fchließen, das zweifellos zu den besten gehört. Mit tiefer Freude ha'en wir wieder Sott Italien und Italien Gott gegeben.

*

Don einem besonderen Mitarbeiter wird uns ge­schrieben:

Man hört immer wieder die Einrede: Welchen Zweck hat der Kirchenstaat gehabt? Er hat die Kirche in viele weltliche Händel verstrickt und sie in der Ausübung ihrer geistigen Aufgaben ge­hemmt. — Das ist zweifellos richtig. Man muß

Lüdslavien.

Aus Belgrad wird gemeldet:

Der König ernannte durch einen Erlaß neue Eemeinderäte In Belgrad, Agram und Lai­bach. Der ehemalige Minister Milos Sawtschitsch wurde zum königlichen Kommissar in Delgmd, Stephan Srkuly zum königlichen Kommissar in Agram und Dinko Putsch in Laibach ernannt Die beiden letzten waren früher Bürgermeister ihrer Städte. Die früheren Gemeinderäte sind bereits aufgelöst.

Durch einen königlichen Erlaß wurde der ehe­malige interimistische Minister des Auswärtigen, Ilia Sumenkowitsch, zum südslawischen Gesand­ten in Bern, der südslawische Delegierte beim Völkerbund, Konstantin Fotiffch, zum Leiter des politischen Departements im Ministerium des Aus­wärtigen und der gegenwärtige Leiter dieses De­partements, Peliivanowitsch. zum Geschäftsträger der südsiawischen Gesandtschaft in Kairo ernannt.

Wortschwall!

Der deutschnationale Führer Hugenverg, der Inhaber des großen Zeitung skonzems Scherl in Berlin, forderte auf einer Berliner Mittelstands­kundgebung folgendes:

Wir müssen sehr viel mehr politischen Willen haben und betätigen, als ihn der Mittelstand aller deuffchen Berufe bisher bewiesen hat. Wir müssen ferner sehr viel mehr politische Klugheit beweisen, als es früher für den Durchschnitts­bürger nötig war. Der Staat selbst muß wieder ein anderer werden, ein fruchtbarer Staat, der die Kraft feiner Bürger nicht in Leerlauf und toter

aber folgendes bedenken: Gott hat nun einmal die Kirche in die Welt gestellt und menschlichen Strö­mungen ausgesetzt. Das göttliche Element der Kirche sollte aber unberührt bleiben. Und die Kirche selber sollte dauernden Bestand haben. Dafür ha: der göttliche Stifter fein Wort gegeben. Es ist nun der Kirche im Laufe der Geschichte oft sehr schwer geworden, sich unter den mannigfachen Anfeindun­gen zu halten. Eine der größten Gefahren war die Sucht der weltlichen Fürsten, die Kirche zu beherrschen. Zu allen Zeiten und bet allen Völ­kern stoßen wir auf diese Sucht der Fürsten. Die weltliche Herrschaft genügte ihnen nicht, sie wollten auch über die Religion ihrer Untertanen bestim­men. Im ganzen Mittelalter lebte dieser Gedank- sehr stark in den Köpfen der Regierenden. Da ft absolute Herrscher waren, so hatten sie auch di> Macht,diese Gedanken durchzuführen. Man kam sagen, sie hätten ihr Ziel auch bei der katholischer Kirche erreicht, wenn der Herrgott der Kirche selber nicht eine genügend starke weltliche Macht gegeben hätte, sich davor zu schützen. Hierin liegt der tiefste Sinn des Kirchenstaates. Gegenüber den rücksichts­losen Machtbestrebungen der Fürsten hätte eine rem geistige flemalt der Kirche nicht ausgereicht, lieber diese geistige Gewalt wären sie hinweggeschritten. Da aber die Kirche gleichzeitig ein politilcher Macht­faktor war, mußten die Fürsten daraus Rücklicht nehmen. So hat sich die Kirche mit Hilfe ihrer weltlichen Gewalt durch diese gefährlichen Zeiten hindurchgerettet. Gott hätte gewiß noch andere Mittel gehabt, seine Kirche zu schützen. Aber et hat nun einmal diese Mittel gewählt. Er wtrkt nicht fortwährend Wunder, sondern läßt seine gro­ßen Geschenke durch menschliche Hände gehen. Diese Hände sind nicht immer sauber, und so erscheint auch die göttliche Gabe nicht immer in dem reinen Lichte Gottes. Das Menschliche muß man erst ab- streichen, dgnn stößt man auf den göttlichen We- senskern.

In der jetzigen Zeit und wohl auch für die Zu­kunft haben sich die Verhältnisse geändert. Ein so starker politischer Rückhalt wie im Mittelalter er­scheint für die Kirche nicht mehr notwendig. Im Gegenteil, er würde der Kirche mehr schaden als nützen. Und io dürfen wir eine göttliche Fügung darin sehen, daß der Kirchenstaat im Jahre 1870 zerstört wurde. Damals sah man sehr stark das Unrecht. Man konnte den Raub des Kirchenstaates noch nicht als endgültige göttliche Zulassung sehen, weil man nicht wußte, ob man die weltliche Gewalt nicht doch noch benötige. Daher der Protest der Päpste. Allmählich haben sich die Verhältnisse ge­klärt. Man sieht deutlicher. Der Glaube an eine göttliche Fügung hat sich erhärtet. Und so schreitet die Kirche zu einer Aussöhnung mit den jetzigen Verhältnissen. Darüber kann der Katholik sich herz­lich freuen.

Ein Rest des Kirchenstaates ist der Kirche ver­blieben, und die Kirche legt Wert darauf, ihn zu besitzen. Dieser Rest, ein Zwergstaat, ist seiner Na­tur nach frei von all den Belastungen, die die Politik mit sich zu bringen pflegt. Das ist gut. Andererseits bat dadurch die Kirche ober Einfluß auf die hohe Politik und auf die Regierungen, was von großer Bedeutung fein kann, weil es gerade dort sehr oft um Christentum ober Nicktchristen- tum geht. Bei der Kirche handelt es sich hierbei nicht darum, wie ihr nahegelegt wird, Herrsch gelüste zu befriedigen, sondern darum, ihre groben Aufgaben eindrinalicher und allseitiger durchzufüh­ren.' Außerdem ist es möglich, daß wieder Zeiten kommen, in denen die Kirche sich gegen Uebergrifre der Gewalthaber schützen muß. Gewiß fühlt sich die Kirche demgegenüber stark durch ihren morali­schen Einfluß. Wenn ihr aber nebenher durch die geschichtliche Entwicklung eine politische Stellung gegeben ist, so wäre sie töricht, dieselbe nicht zur Erreichung ihrer hohen Ziele auszuwerten.

Organisation vergeudet, ein Staat, der die leben­digen Kräfte anspornt, der den heimischen Boden sozusagen zum Treibhause macht, ein Staat, der den Arbeitsertrag der menschlichen Hand vervielfältigt, statt ringsum die Welt auf Arbeits­losigkeit und Stempeln einzustellen. (Als ob nicht der Staat am meisten die Arbeitslosigkeit betlagte!); Die neue aufsteigende Zeit, für die wir Deutsch- nationalen kämpfen, muß mit der alten das eine ijemein haben: Einen starken gesunden Mittrl- tand, der den Kern des Staates bildet. Nicht >er Ehrgeiz der Parteiführer und die Vielheit der Verbände kann uns retten, sondern nur die Einig­keit im Dienste der Sache. Die Sache, ein neuer gesunder Staat mit gesundem Geiste und gesunder Wirtschaft, ist etwas Unerschütterliches. Wir müs­sen es wollen, wenn wir nicht untergehen wollen. Wir setzen dieses Ziel und hatten es fest.

Wenn der Mittelstand durch Redensarten gerettet werden könnte, müßte es ihm jetzt sehr gut gehen!

• Zweitägige Ausschließung der kommunistische» Fraktion aus dem sächsischen Ptovinziallandlag Die gesamte kommunistische Provinziallandtags Fraktion fft durch einen einstimmigen AZeschluß des Provinziallandtages auf zwei Sitzungstage aus­geschlossen worden wegen der Ruhestörungen, die unter Mitwirkung der kommunistischen Fraktion im Sitzungssaal inszeniert worden waren.

* Kloß endgültig für zurechnungsfähig erklärt. Die auf Antrag feines Rechtsanwaltes vorgenom­mene Zweite ärztliche Untersuchung des wegen Ausgabe ungedeckter Schecks und wegen Wechsel­fälschung angeklagten ehemaligen französischen Fi-

M

-

t-ÄliÄ fr ’ hm

i r

I!iW

Das Hotel Georgs V. tn Paris

steht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit der Welt. , versammelt, um die Höhe der deuffchen Repara- Dort haben sich die Reparationssachverständigen * zu bestimmen.

Der ftortßaiifl der Pariser Konferenz.