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Nr. 37.

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Heimat

«utüa, den 12. Februar 1929

Aschermittwoch.

Hut ab vor unfern Altvorderen, die noch Sinn für Lebensstil hatten und Karneval und Ascher» Mittwoch nod) auseinander zu halten mußten die noch nicht so jämmerlich haltlos, so ekelhaft willen, los geworden waren, wie die heutige Generation, tie stch nun einmal nichts abziehen kann, die im- mer und zu jeder Zeit genießen will und gehts nicht aus Erliche, so in Teufels Namen auf un- ehrüche Weife. Und dabei hat man noch die Aus- geschamtheit, das als Sichausleben zu betitulieren. Du liebe Zeit, hätten unsere Vorfahren schon seit hundert fahren io gedacht, es wäre für dieses Aus­leben heute auch keine Fitze von Fundament mehr da. Es wäre alles ausgegeben und verzehrt und wir, könnten — falls sie uns überhaupt das Dasein gegönnt hätten! — an den Fingernägeln kauen oder uns ein beliebiges anderes Pläsier machen.

Leben heißt doch, einen Sinn erfüllen, in könig- sichern Wirken sein Menschentum erproben, in opfervoller Ueberwindung und Gestaltung der Dinge sich selber entfalten. Die heutige Genera­tion aber sieht das Ueberlegen als Dummheit an. Sie hat sich einen Ring durch die Nase ziehen lassen, der heißt „Vergnügen", und an dem kann sie führen, wer will. Eine erbärmliche Sklaverei, umso erbärmlicher, als man ihre Schande gar nicht mehr fühlt.

Unsere Vorfahren haben auch Karneval gefeiert, der Aschermittwoch aber war für sie ein Signal, sich selber nun einmal wieder sieben Wochen hin­durch den Herrn und Meister zu zeigen, um so der Gefahr zu entgehen, nach lauter Vergnügen jap- pende Hunde zu werden. Hut ab vor diesen Leu­ten! Und suchen wir, wenigstens in unserer Stadt, in unserer Heimat, es ihnen gleichzutun.

P. Leonard Lemmens 0. $. Ul. t.

Wie die Fuldaer Zeitung gestern schon kurz mel- bete, ist im internationalen Kolleg der Franziska­ner San Antonio in Rom P. Leonard Lemmens infolge eines Herzschlages plötzlich gestorben. P. Lemmens entstammte der sächsischen Franziskaner» Provinz und hat ein Alter von 65 Jahren erreicht. Zuletzt war er in Rom an der Ordenskurie als Chronist des Ordens tätig. In der wissenschaftlichen Welt erfreute sich der Verstorbene großen Ansehens und hoher Wertschätzung. Seine Arbeiten waren in der Hauptsache der Geschichte des Franziskaner­ordens und feiner Missionen gewidmet. Einen großen Teil seines Lebens verbrachte P. Lemmens zu wissenschaftlichen Arbeiten in Rom. Daselbst war er ein angesehenes Mitglied der deutschen Ko- lonie und ist auch zahlreichen deutschen Rompilgern näher bekannt geworden. Zu Fulda und dem KlosterFrauenberg stanÄ P. Leonard Lem­mens in besonderen Beziehungen. Ende der 90er 8ahre war P. Lemmens auf dem Frauenberg als Lektor der Philosophie und 1908 bis 09 nochmals als Lektor der Kirchengeschichte tätig.. In den 90er Sahren schrieb er u. a. eine GeschichtederBe- nediktinerinnen-Abtei zu Fulda. In den Veröffentlichungen des Fuldaer Geschichtsver­eins und des historischen Vereins der Diözese Fulda befinden sich wertvolle Arbeiten von ihm, insbeson­dere über das Leben unserer Diözesanheiligen, der hl. Elisabeth von Thüringen. Im Jahre 1914 weilte P. Lemmens bei Ausbruch des Krieges zu wissenschaftlichen Arbeiten in Jerusalem. Während des Krieges war der Verstorbene in feiner rheini­schen Heimat als Guardian des Klosters Kreuzberg bei Bonn, konnte aber bald nach dem Kriege seine Arbeiten über die Missionen der Franziskaner im Orient, in Palästina fortsetzen. Auch in anderen Ländern, insbesondere in Rußland und Schweden, bat P. Lemmens auf dem Gebiete der Ordensgeschichte gearbeitet.- Auch die deutsche Wissenschaft erkannte feine Leistungen an. So er­nannte ihn die theologische Fakultät der Univer­sität Münster schon vor Jahren zum Ehrendoktor der Theologie. Das letzte große Werk des Ver­storbenen behandelt die Geschichte der Franziska­ner-Missionen. Alle, die P. Leonard Lemmens im Leben näher treten durften, werden ihm ein ehren-

Treue Herzen.

Roman von Marie Harting.

391 (Schluß.)

Mit großen, erschreckten Augen hat Elvira den mah­nenden, fast strafenden Worten zugehört, nun schreit sie auf m jäher Not: „Halten Sie ein, Roger, halten Sie ein!"

„Nein, Elvira, meine Worte schaden Ihnen nicht. Sic selbst freveln an Ihrem eigenen Leben. Raffen Sie sich doch auf, Kind. Ist es denn so schwer, einem bra­ven Mann das Leben angenehm zu machen, der Sie mit jedem Pulsschlag dafür segnen wird. Und dann das edle, selbstlofe Mädchen, das Sie Freundin nennen. Ich belauschte eben eine Szene, ungesehen und unerkannt. Ich sah das stille, blonde Mädchen im Schulhausgartrn neben dem jungen Lemer stehen und ich hörte, wie sie mit bebender Stimme sagte: Noch ist es nicht jo weit, Felix; Elvira will nicht leben — das ist das Schlimmste' So lange aber meinem Bruder kein Glück blüht, solange muß jeder selbstsüchtige Wunsch schweigen, das wissen Sie. Ich könnte nicht glücklich sein, wenn ich meinen Bruder unglücklich sähe. Sollen Sie dieses selbstlose Mädchen so tief beschämen, Elvira? Man muß leben wollen, glücklich sein wollen, dann wird man es auch."

Elvira ist auf die Bank zurückgesunken, sie hat die Hände vors Gesicht gepreßt und nun quellen llndernde Tränen zwischen den Fingern hervor. Diese Tränen spülen alles hinweg, was noch an Selbstsucht in dem jungen Herzen lebte.

Roger läßt sie meinen, er setzt sich still neben sie und wartet, bis sich ihre Aufregung gelegt hat, dann löst er sanft die Hände von ihren Augen.

„So, Elvira," nun sehen Sie einmal den schrecklichen Menschen an, der so hart zu Ihnen geredet. Doch ich Mußte reden, denn ich sah das Glück ebler Menschen in Scherben gehen durch den Unverstand eines kleinen törichten Mädchenherzens, das sich mit aller Gewalt an die zerflatternden Illusionen eines vergangenen Lebens klammern wollte. Lassen Sie sie fahren, die Illusionen Ihrer Mädchenträume, die schillernden Seifenblasen, die in ein Nichts zerstieben, und baueq Sie an Ihrem neuen Leben, an dem Leben der selbstbewußten, ver­stehenden Frau. Wollen Sic, Elvira?"

Er hält ihr die Hand hin; da legt sie impulsiv die ihre hinein. Nicht mehr zaghaft und scheu, nein, mit dem aufleuchtenden Blick, der einst so sieghaft aus die­sen Augen hervorbrechen tonnt«.

zuldaer Zeitung (Amtliches Ureisblatt.)

Mittwoch, 13. Zebruar 1929.

des Andenken bewahren. Möge er ruhen in Frie­den.

Schulbeginn, f

Dom Freitag, den 15. Februar, ab beginnen die Pfarrgottesbienste in unserer Stadt werktags eine halbe Stunde früher, also um 7% Uhr. Dem­gemäß beginnt der Schulunterricht entsprechend früher, also um 8 Uhr.

Fastenpredigken

werden in der bevorstehenden Fastenzeit in Fulda wie herkömmlich allwöchentlich vier gehalten. Im Dome predigt am Donnerstag jedesmal abends 8 Uhr, Herr Domkaplan Wehner, in der Stadtpfarrkirche am Freitag eben­falls um 8 Uhr abends Herr Stadtkaplan M e d - ler, im Dome am Sonntag nachmittags um 4 Uhr der Franziskanerpater Quintton Weber. In der Klosterkirche am Frauenberg hält an den Dienstagen nach dem um J49 Uhr mor­gens beginnenden Levitenamt der Franziskaner- pater Donatus Nolte die Fastenpredigt; danach ist Kreuzwegandacht.

Um den Ztadthaushalt 1929.

Der Kommunalpolitische Reichs- ausschuß der Deutsihn ation alen Volkspartei hat an alle Mitglieder von Selbstoerwaltungskörperschaften, die der Deutsch- nationalen Volkspartei angehören und ihr nahe- stehen, die dringende Aufforderung gerichtet, fol­gende Richtlinien in den Verhandlungen über den Haushalt 1929 zu beachten:

1. Jede Ausgabe ist peinlich darauf zu prüfen, ob sie zur Aufrechterhaltung einer geordneten Ver­waltung absolut unerläßlich ist, und ob ihre Unterlassung eine ernstliche Schädigung des allgemeinen Interesses bedeuten mürbe" Kann dies nicht bejaht werden, dann ist sie u n t e r a l l en Umständen abzulehnen, auch wenn der Verwendungszweck ein bei normalen Finanzver- hältnifsen angemessener und erwünschter wäre.

2. Jede Erhöhung der Real steuern ist in der Regel abzulehnen. Bleibt im Haushalt ein Fehlbetrag, weil die durch die Bestimmungen der staatlichen Gesetzgebung zwangsläufigen Aus­gaben mit den Einnahmen der Selbstverwaltung nicht zu bestreiten sind, bann ist es n i ch t S a ch e ber letzteren, der Reichs- und Staatsregie­rung, die Verantwortung für die Folgen ihrer Finanz-, Wirtfchafts- u. Außenpolitik abzunehmen.

3. Soweit beutfdjnationale Vertreter in Selbst- verwaltungskörperfchaften die Berücksichtigung der vorgenannten Richtlinien gegen eine politisch an­ders eingestellte Mehrheit nicht durchsetzen können, tragen sie der allgemeinen politischen Lage, von der die Kommunalpolitik in grundsätzlichen Dingen nicht getrennt werden kann, dadurch am besten Rechnung, daß sie einen Haushaltsvoranfchlag, der neue nicht mehr erträgliche Steuerlasten enthält oder nicht unbedingt notwendige Ausgaben bringt, geschloffen ablehnen.

Wenn auch in diesen Richtlinien manche Wen­dungen vorkommen, die eine Oppositionspartei in allgemeinen Kundgebungen sich leisten kann und wenn auch deutfchnationale Stadtverordnete in der Praxis sich vorsichtiger ausdrücken werden, fo stim­men wir mit den obigen Forderungen selbst über­ein. Auch die Zentrumsfraftion der Ful­daer Städtischen Körperschaften ist e i n st i m m ig der Auffassung, daß durch Verminderungen der Ausgaben ein Ausgleich des Haushalts erzielt wer­den muß, ohne daß Steuererhöhungen erfolgen. Um dieses Ziel zu erreichen, werden allerdings in den nächsten Wochen noch erhebliche Anstrengungen in den zuständigen Körperschaften mit dem Rotstift gemacht werden müsien.

Neue Amtsbezeichnungen in Preußen?

Wie der „Berl. Lokalanz." von zuständigen Stel­len erfahren will, schweben in Preußen Verhand­lungen über die Neuregelung ber Amts­bezeichnungen. Die Hauptrolle spielt hier­bei bie Frage ber Amtsbezeichnungen für die ge­hobenen mittleren Beamten. Man ist ber Ansicht, daß man eine einheitliche Amtsbezeichnung für alle Beamten des gehobenen mittleren Dien­stes schaffen müsse. In Aussicht genommen hat man hierfür die Amtsbezeichnung „Ä m t m a n n". Man wünscht aber diese Frage im Einvernehmen mit dem Reich zu regeln. Darüber schweben Der-

„Ob ich will, Roger? Ja, ich will! Sie haben mir die Augen geöffnet, Sie haben mir gezeigt, daß das Leben noch Wunder für mich birgt, die ich bisher nur nicht begriffen. Doch noch eins, Roger, eins quält mich noch! Werden Sie ohne Ihre Kameradin nicht gar so sehr einsam sein oder war ich Ihnen so wenig, daß Sie so leicht die kurze Zeit unseres Zusammenarbeitens aus Ihrem Leben streichen können? Wissen Sie auch, daß das das Schlimmste war, der Gedanke, wie Sie Über meinen Wankelmut urteilen würden, daß Sie mich viel­leicht gar mit verächtlicher Kälte anblicken würden?"

„Da höre ich wieder mein kleines, törichtes Heide­blümchen reden. Nein, Kind, für Sie habe ich keine verächtliche Kälte, für Sie habe ich warmes Verstehen, denn ich kenne ja Ihr liebes, sorgendes Herz. Warum haben Sie mir diese schwarzen Gedanken nicht längst verraten? Uebrigens denke ich auch gar nicht daran, meine fröhliche Weggsnossin aufgeben zu wollen. Das brauche ich doch auch gar nicht. Die Zeit unseres Zu­sammenarbeitens könnte ich ja gar nicht aus meinem Leben streichen, auch wenn ich wollte, denn sie hat mir viel, sehr viel gegeben. Vermissen werde ich meine Ka­meradin, aber ein Mann kommt darüber leichter hin­weg. Doch stets werde ich mich auf den Sommer freuen, der soll uns wieder zusammenführen, entweder hi-r oder in einem kleinen Haus an der Ostsee. Ach, Elvira, Sie wissen nicht, wie wohl mir ist, wenn ich wieder dort bin bei meinen Lieben!"

Ja, Elvira, weiß es wohl, und sie freut sich darüber aus ganzem Herzen.---

Ein Jahr und mehr noch ist feit dem Tage verflos­sen, da Roger Elviras Seele zu neuem Leben erweckt. Elvira hat Wort gehalten. Sie ist zu der Mutter ins Schulhaus gezogen, hat sich nicht mehr pflegen und ver- hätscheln lassen, sondern mutig zugegriffen Überall, wo sie Arbeit fand. Die Mutter ist eine geduldige, aber doch resolute Lehrmeisterin gewesen, die nvt ihrem Tadel nidjt kargte, ober auch mit verdientem Lob nicht zurück- hielt.

Elviras Wangen sind wieder voll und rosig gewor­den, ihre Augen können wieder lachen und wenn sie mit Marianne und den Brüdern, denen sich manchmal auch Felix Steuber und Walter anschließen, wandert, bann klingt ihre wunderliebliche, glockenhelle Stimme hinaus über die blühenden Wiesen und Felder.

Felix und Marianne sind längst ein Brautpaar. Nun, da die Zukunft so rosig vor ihnen liegt, haben sie ihre Siebe nicht länger verbergen können.

Walter hat es noch immer nicht gewagt, sich Elvira zu äußern, er fürchtet sich, das entscheidende Wort zu

hartblungen mit dem Reich. Erforderlichenfalls, wenn auch sehr ungern, würbe Preußen die Frage auch ohne bas Reich regeln.

Fleckviehzuchlgenofsenfchast Fulda.

Die Zuchtbullenversteigerung fällt wegen star­ker Kälte am 13. Februar aus unb wirb auf Mitt­woch, den 6. März verlegt. In Hersfelb findet die Versteigerung am 7. unb in Kirchhain am 8. Marz statt.

Der Höhepunkt der Sülle überschritten.

Obwohl augenblicklich fast überall in Deutsch­land noch Temperaturen von über 20 Grad gemes­sen werden, scheint nach den Beobachtungen der Wetterstationen der Höhepunkt des Frostwet­ters überschritten zu sein, wenn auch vorläufig noch weiter große Kalte zu erwarten steht. In Fulda hat die letzte Nacht — 23 Grab Celsius ge­zeigt. Die Ostwrnbe aus Rußlanb versprechen auch für die nächsten Tage noch klares Wetter. Schnee­fälle find nicht zu erwarten. In ganz Ostdeutsch­land ist eine geringe Milderung des Wetters ein­getreten. Die kalten Luftmassen bringen immer weiter westwärts mit geringer Drehung nach Süden, sodaß inSübdeutschlanb zurZest, besonders im Gebiet ber oberrheinischen Tiefebene, verschärf­ter Frost herrscht. In Karlsruhe war did Mlimmal- temperatur — 22 Grab, in Frankfurt a. M. — 22 Grad. Am kältesten war es in München mit — 31 Grad. Aehnliche Temperaturen wurden in ganz Süddeutschland gemessen. Allmählich wird auch Frankreich von den Kaltluftmassen heimgesucht. In Paris herrschten 12, in Tours 11 Grad Kälte Eigenartige Temperaturerscheinungen machen sich in den nördlichsten Gebieten Europas bemerk­bar. Dort maß man, infolge der durch Süd­wind verstärkten Einwirkung des Golfstromes, Temperaturen von 2 Grad Wärme. Selbst auf den Bäreninseln wurde noch 1 Grad über 0 gemessen. Fastnacht!

Der behinderte Eisenbahn-Verkehr.

Die überaus starke Kälte bereitet ber planrnäßi- nen Abwicklung des Eisenbahnverkehrs große Schwierigkeiten. Besonders sind es die eingetrete» neu Vereisungen ber Signal- und Weichenanlagen, die große Verspätungen herbeiführen. Verspätun­gen bis zu einer Stunde kamen gestern auf allen Strecken sowohl bei den Schnellzügen wie bei den Personenzügen vor. Ein Schnellzug von Berlin batte eine Verspätung von zwei Stunden. Am Dienstag vormittag fehlte gleichfalls die Berliner Post; wahrscheinlich ist daran auch der an anderer Stelle gemeldete Eisenbahnunfall bei Sit­te r f e I b schuld. Ein Zug von Hanau formte nur bis Frankfurt-Süd, je ein von Friedberg, von Bad Homburg und von Kronberg nur bis Frankfurt- West gefahren werden. Die Reisenden mußten in direkt nachfolgende Züge umfteigen. Bei Verspä­tungen in einem so großen Ausmaß treten natur­gemäß starke Verschiebungen im Fahr- plan ein. Die Reisenden werden gebeten, auf bie außergewöhnlichen Verhältnisse Rücksicht zu neh­men unb bei eintretenben Schwierigkeiten ihren Unmut nicht an dem Bahnpersonal auszulassen, das auch infolge der vielen Erkrankungen jetzt bis zum äußersten angeftrengt tätig fein muß. Von ber Eisenbahnverwaltung wirb alles getan, was sich unter den obwaltenden Umftänben nur irgenb- wie tun läßt.

Wasser sparsam brauchen!

Die ganz abnorme Kälte wirkt sich leider auch in dem Wasserzufluß der verschiedenen Quellen aus. Wie wir ja schon aus verschiedenen anderen Städ­ten berichten mußten, hat dort die Kälte bereits zu einem großen Wassermangel geführt. Der Frost ist auch hier in u n f e r e m Quellengebiet i'chon so rief eingedrungen, daß eine erhebliche Abnahme ber Quellenzuflüsse festgestellt werben mußte. Dazu kommt, baß durch den Frost vielfach Brüche an den Hauswafferleitungsanlagen entstehen, wodurch ebenfalls ein bedeutender Wafferverlust auftritt Es empfiehlt sich daher mit Wasser innerhalb ber Haushaltungen so vorsichtig unb so sparsam wie nur möglich umzugehen. Hoffentlich wirb bie sibirische Kälte balb gebrochen.

Die Einschränkung der Eidesleistungen im Strafe recht.

Sekt längerer Zeit sind in ber Oeffentlichkni Klagen über das Uebermcch ber Eibe, die in Zivil und Strafprozessen geleistet werden, laut geworden.

sprechen. Im Mai soll Mariannes Hochzeit fein, Wal- ter will es fo, ein allzulanger Brautstand scheint ihm unpassend. Nun ist es nicht mehr gar so lange bis da­hin; schon hat der Flieder seine Blütenknospen aufge­brochen und mit ihrem berauschenden Duft erfüllen sie die warme Frühlingsluft.

Elvira sitzt im Schulhausgarten in der Geißblattlaube. 3n ihrem Schoß liegt ein Buch, in dem sie gelesen; nun aber blickt sie träumend in die Ferne. Auf der Dorf- straße ist es so feierlich still, es ist Sonntag nachmittag und die Menschen sind alle hinausgewandert, um nach dem Stande der diesjährigen Ernte zu sehen; denn fast alle Bewohner haben draußen ein Roggen- oder Kar­toffelfeld. Don der Wiese ertönt der Gesang der Kin­der, dir einen Reigen aufführen, ungeschulte Stimmen sinds nur, aber frisch und fröhlich klingen sie.

Elvira ist ganz allein, die Mutter ist schon gestern abend mit den beiden Brüdern zu entfernten Ver­wandten gefahren und der junge Lehrer ist zu seiner Braut gegangen. Elvira fühlt sich jetzt häufig überflüs­sig im Doktorhaus. Das Brautpaar hat sich so vieles zu sagen, so mancherlei zu überlegen. Doch Elvira neidet ihnen ihr Glück nicht, sie freut sich sehr, daß diese beiden treuen Menschen nun endlich den Lohn ihrer Treue ern­ten.

Don Roger hat Elvira einen Brief erhalten und Edith und Lilly haben eine Nachschrift beigefügt.

Roger steht auf dem Gipfel seines Ruhms, die Kri- tik kündet fein Lob in allen Tonarten.

„Mir ist aber am wohlsten, wenn ich den Berliner Staub von meinen Füßen schütteln und in mein Tus- kulurn flüchten kann. Wird mein tapferer Weggenosse, mich auch im Sommer endlich besuchen? Edith und Lilly sollen es Ihnen selbst schreiben, wie sehr sie sich nach Ihnen sehnen."

An diesen Brief denkt Elvira jetzt und an die köst­lichen Stunden, die sie mit den lieben Menschen dort drüben verlebt hat. Ja, sie kann es verstehen, daß Ro­ger diese Menschen mehr als alles auf der Welt liebt.

Auf dem Kieswege des Gartens ertönt ein knirschen­der Schritt. Elvira steht auf und tritt unter den Ein- gang der Laube. Sollte Felix schon zurück fein, er wollte doch im Doktorhaus zu Abend essen, oder . . .— Sie denkt ihren Gedanken nicht aus, es ist ihr plötz- lich so eigen zumute, als sie Walter mit feinem lieben, treuen Gesicht zwischen den Zwergobstbäumen, die auf langen Rabatten die Wege einfäumen, auftauchen sieht. Wie merkwürdig heute Walters Augen leuchten, ein gan­zer Himmel voll Seligkeit liegt in ihnen

Schon ber Sttaftechtsausfchuß des vorigen Reichs­tages hat deshalb in einer Entschließung eine mög­lichst weite Einschränkung der Eides- le ist un gen verlangt. Der Entwurf eines Ein­führungsgesetzes zum Allgemeinen Deutschen Straf­gesetzbuch, den der Justizminister dem Reichskabinett zur Beschlußfassung vvrgelegt hat, soll diesen Kla­gen durch eine grundsätzliche Neuordnung des Eides­wesens abhelfen. Nach dem Entwurf ist der Zeu- geneid nur noch in wenigen engbegrenzten Fällen vorgesehen, in allen übrigen Fällen wird er durch eine uneidliche Bekräftigung, deren An­wendungsgebiet auch noch gegenüber dem des Eides im geltenden Recht erheblich eingeschränkt ist, er­setzt. Die feit langer Zeit umstrittene, insbesondere in der Rechtswissenschaft lebhaft erörterte Frage nach der Strafbarkeit des fahrlässigen Falscheides wird den Sttafrechtsausschuß des Reichstages in der nächsten Zeit beschäftigen. Unter Berufung auf die Regelung, die die Frage im österreichischen Recht gefunden hat, gehen die Bestrebungen dch-'n, die Strafbarkeit des fahrlässigen Falscheides stark

Unsere ArmeD frieren!

Bitte prüfen Sie Ihre Kleiderschränke zu Gonsten der Armen Ges Vinrenz-Iereins. Wir holen die Geschenke gerne ab. Gott wird’s lohnen! Gefl. Mitteilung erbeten an Herrn Kaufm. Andreas Reinhardt, Fulda, Schweine­markt 7. Im Namen der Armen Dank

Der Vorstnnd les Vüicenzverelns.

einzuschränken. Der Reichsminister der Justiz hat in sachlicher Uebereinstimmung mit diesen Bestre­bungen im Ausschuß einen Vorschlag unterbreitet, der darauf abzielt, das fahrlässige Verhalten bei der Abgabe gerichtlicher Aussagen nur noch in einem gegenüber dem geltenden Recht wesentlich eingeschränktem Umfange unter Strafe zu stellen.

Zur Einkommensteuer-Erklärung,

Folgende Zuschrift geht uns zu:

In ber vergangenen Woche hat bas Finanzamt Fulda den Steuerpflichtigen die Aufforderungen zur Abgabe ber Einkommenfteuererklärung zu. gehen lassen. Die Formulare enthalten in den An- merkungen Hinweise unb Erläuterungen, die offen­sichtlich 'den Zweck verfolgen, den Steuerpflichtigen die richtige Ausfüllung der Formulare zu erleich­tern. Diese Hinweise sind an sich schon dankens­wert; sie sind es aber besonders im Hinblick auf bie wirklich häufigen, vielleicht allzu häufigen Aen- derungen der Steuergesetze. Das Publikum sollte sich nun aber auch darauf verlassen dürfen, daß bie

Dentt an die

Reichs-Unsallverhütungs-wochel

vorsichtig hinter dem wagen herumgehen!

«ws bet SUBe-BtofSlt« „Sagen auf!* an jedem Postschnlte» ,n Haden.)

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„Was treibt das kleine, törichte Mädchen denn hier fo allein?", neckt er, „feit wann kann es denn den Weg ins Nachbarhaus nicht mehr finden?"

„Ach, Walter, Brautleute sind gerne allein, sie haben einander doch so viel zu sagen; da ist ein Dritter über, flüssig," erwidert Elvira verlegen.

Sie ist aus dem Dunkel der Laube in den vom Abendsonnenlicht Überfluteten Garten getreten. Unfaß­bar lieblich steht sie nun in ihrer holden Verwirrung voi dem jungen Arzt.

„Ei, ei, woher haben Sie denn Ihre Weisheit, Elf- chen? Waren Sie auch schon mal in einer derartigen Lage?"

„Walter!" Der Ausruf klingt schmerzlich, seine Worte haben ihr weh getan.

„Liebling, o Liebling du, ich wollte dir ja nicht weh tun, gewiß, das wollte ich nicht."

Seine Arme umfangen ihre schlanke, erzitternde Ge­stalt, sie halten sie fest an seinem treuen Herzen.

„Elfchen, Liebling, darf ichs denn wirklich glauben, daß du mich lieb haft, daß du bei mir bleiben willst?"

„Immer, Walter, immer; o halte mich fest, laß mich nicht wieder fort."

„Wirst du gar kein Heimweh haben nach den Freu- den der großen Welt, wirst du es nie bereuen, deine Laufbahn meinetwegen aufgegeben zu haben?"

Da blickte sie ihn an mit Augen, die den starken Mann fast um seine Vernunft bringen.

„Bei dir sollte ich Heimweh haben, bei dir?", jubelt sie. „O, Walter, du kennst dich selbst ja gar nicht, du weißt ja gar nicht, was du mir bist! Doch die Mutter und die Brüder, Walter?"

„Die gehören selbstverständlich zu uns, du treues Mädchen! Immer denkst du an andere!"

„Das ist nicht meine Schuld, Walter, da hab ich von dir gelernt, da schilt dich selbst," lacht sie schelmisch.

„O, du liebes, treues Herz! Doch, nun komm zu Marianne, wie wird sie sich freuen!"

Eng umschlungen wandern die beiden durch den blü­henden, duftenden Garten.

„Unsere Hochzeitsreise machen mir an die See, Lieb­ling, da weiß ich ein liebes Plätzchen."

„O du guter, treuer Mensch."

Aufleuchtenden Auges schlingt Elvira ihre Arme um feinen Nacken, er aber blickt tief hinein in die goldigen Augensterne, die eines Himmels Seligkeit für ihn ent­halten