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FuldaerZertung

Anzeiger für die Stabt Fulda unb ben Landkreis gulba. Amtliches Kreisblatt. .

Mittwoch, 13. Februar 1929

Nr 37

des Vo

der

Amerikaner Owen Doung

wei- Uhr

deutsch« an den Univer-

* Tod des Konsuls Gravenstein. Der Konsul Gravenstein in Leningrad ist Folgen einer Bauchfellentzündung in der sitätsklinik gestorben.

den endgültigen Wortlaut des Abkommens, sowie "" »rsitzenden des Obersten Rates für öffentliche Arbeiten für die Zeichnung der beigegebenen

tftWtnl sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen „Die Weit im Bild" und „Buchenblütter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatl. 1,80 einschl. Postqeb. (30 bezw 4»Ps.l ohne Zustella

tag 11 Uhr, und es hat die Absicht, bis auf teres wöchentäglich um 11 Uhr und um 15 Sitzungen abzuhalten.

Zum Vorsitzenden der Konferenf wurde

bche Briefe den VDA. festzu'eoen, natürlich ohne leben Erfolg. Trotzdem ist anläßlich des Colmarer

0 Debauptunq einer Unterstützung durch den VDA wieder aufgetaucht, ohne daß irgend dM" erbracht werden konnte. Der

VDA. steht das Verhältnis der Elfatz-Lothringsr zu Frankreich als e i g e n st e A n g e l'e g e n h e i t des e(iaß--lotbr>ng,schen Bockes an

„ * ^wdaebuna der iüdlfcken Frontsoldaten. Der Reichsbund ,udilcher Frontsoldaten beging in Der. tin die Feier seines Ivjäbrigen Bestehens durch einen Festakt, verbunden mit einer Kundgebung im ehemaligen Herrenhause .an dem auch' Vertreter des Reichswehrministeriums, des Chefs der Ma­rineleitung, der Wehrmachtabteilung, ferner der Kommandant von Berlin. Generalmknor Frhr. v. | Schleinitz. Dizevolizeivräsident Dr. Weiß teilnah- •

gewählt.

lieber den Eindruck, der im Verlaufe der ersten Sitzung des Reparationsausschusses gewonnen wurde, berichtet die Agentur Haras: Der Haupt- eindruck, der sich auf dieser Cröffnungsitzung der Konferenz ergibt, ist daß die Beratungen in einer Atmosphäre wirklicher Herzlichkeit und vollkomme­ner Harmonie begonnen haben. Die Experten sind gleich am ersten Tage in medias res gegangen und haben Wert darauf gelegt, in ihrer ersten Sitzung die Prüfung der Tagesordnung in Angriff zu neh­men, die durch die interessierten Regierungen am 20. Dezember 1928 festgesetzt worden war.

Papst Pius XL Mer Den Frieden mit Klien Der Inhalt der vertrage.

* Kein Wechsel in der Leitung der Botschaft in London. Eine Berliner Zeitung bringt die Mel­dung, daß in der Leitung der deutschen Botschaft in London ein Wechsel bevorstebe. Wie mir von unterrichteter Seite erfahren, trifft diese Meldung nicht zu. Hierdurch erledigen sich auch die an diese Meldung geknüpften Kombinationen.

* Tlpr '"■'4 ' • ' --- ; •.

Blätter berichten, hat Oberst Walter Jenkins m 91 e ro n n r f im i^t->he« her

Heilsarmee der Vereinigten Staaten ein Tele­gramm an General Booth gesandt, in dem er sei­nem Bedauern darüber Ausdruck verleiht, daß der General gerichtliche Schritte gegen seine Absetzung durch den Obersten Rat unternommen habe, und in dem erklärt wird, daß der ganze amerikanische Stab hinter dem Obersten Rat stehe.

* Fünf Todesurteile in Konstantinopel. Reuter meldet aus Konstantinopel: Die Gerichtsverhand- lung gegen 36 Angeklagte, denen zur Last gelegt wurde, einen Geheimbund gebildet zu haben, u mMitglieder der türkischen Regierung und an­dere Amtspersonen zu ermorden und das jetzige Regime zu stürzen, ging zu Ende. Fünf Singe- klarste wurden zuml Tode verurteilt, sechzehn zu Gefängnisstrafen von verschiedener Dauer. Die übrigen wurden freigesprochen.

* Die Unruhen in Dombay. In der Zeit vom 4. Febr. bis heute wurden bei ben Unruhen in Dombay dem amtlichen Bericht zufolge 123 Per- fönen getötet und 759 verletzt.

Demokratischer wehrw.lle.

Daß sich jetzt auch die republikanischen Par­teien mit der Wehrfrage in einem positiven Sinne auseinandersetzen, daß sie sich redliche Mühe geben, eine Heeresverfassung zu finden, in der die durch das Rüstungsfieber unserer Nachbarn in den Be­reich des Möglichen gestellten Gefahren ebenso be­rücksichtigt sind, wie die Ansprüche, die der moderne Staat an die von ihm unterhaltene und ausgestat­tete Wehrmacht zu stellen berechtigt ist, kann im In­teresse der Konsolidierung unseres staatlichen Le­bens begrüßt werden. Den Anfang in dieser Be­ziehung machte bekanntlich die Sozialdemokratische Partei. Sie berief einen aus Vertretern ihrer ver­schiedenen Richtungen ,zusammengesetzten Ausschuß und gab ihm den Auftrag, sich grundsätzlich dar­über zu äußern, ob oder wie der Bestand und die Pflege eines Heeres mit der sozialdemokratischen Ideologie zu vereinbaren sei. Der Ausschuß hat sich unter dem Druck der realen Verhältnisse mit Mehrheit für eine programmatische Festlegung ent­schieden, die dem radikalen linken Flügel einige, dem Nichtsozialisten freilich unannehmbare Zuge- ständnisse machte, im übrigen aber vom absoluten Pazifismus sich abkehrte und auf den ^wehrvoliti- schen Standpunkt zurückging, den die Sozialdemo­kraten vor dem Kriege und den namentlich ihre Heroen der Gründungszeit eingenommen hat­ten. Der linke sozialistische Flügel hat sich dem Mehrheitswillen keineswegs gebeugt, sondern einen Streit entfacht, den endgültig erst der Magdeburger Parteitag im März entscheiden wird.

Auch die Parteidemokraten, die oft im Schatten des linken Nachbarn marschieren, haben jetzt der Oeffentlichkeit kundaetan, was sie vom Wehrpro­blem denken. Am Anfang auch dieses Programms steht die Forderung an die deutsche auswärtige Po­litik, die Erhaltung des Friedens zu ihrem allei­nigen Grundsatz zu machen und von sich aus kon­stant daraus hinzuwirl'en, „daß im Zusammenleben derVölker nicht das Reckt der Macht, sondern die Macht des Rechts das bestimmende ethische Gesetz werde und daß die zwischen den einzelnen Völkern auftretenden Streitfra-'en nicht durch mechawsch- "^"stscke G-walt und durch Vernichtung von Man­schen und Güter, sondern durch Ausgleich und Ver- ständim'ng beigele^t werden". Aber da „die an­dern Völker und Staaten" sich zu dieser gruridsätz- licken Haltung durch die Tat noch nicht bekönnt haben, da -fie unter dem Vorwand defensiver V-st- mendmkeiteu fvrffakren. h«ckr-cksick m rWn. zwin­gen fie auch nack parteidemokratilcker Ansicht das Reick, eine Wehrmacht zu organisieren, die zur Verteidigung ausreicht „Reckt und Pfickt her Substverteidigung". heißt es im demokratischen Vorprogramm, „bedingen di» Wehrhaftigkeit und bestimmen ihren Inhalt und ihre Grernen. So­weit die Zwangsvorschriften von Versailles das zulafsen, haben sich Ausbau und Aufbau der deut- sck»n Wehrmacht nach diesen Grundsätzen zu voll­ziehen."

Der zweite Teil des Programms ist der Einord­nung der Wehrmacht ins Gefüge des modernen republikanischen Staates gewidmet. Die Reicks- wehr soll ein Volksheer fein. „Der Dienst in der Reichswehr ober der Reichsmarine als Mann eher Offizier ist nicht das Vorrecht einer bestimmten ^ckickt. Die Angehörigen der Wehrmacht müssen in tiefster und engster Verbindung mit allen Schick­ten des Volkes genommen fein. Rekrutierung, Of- fiziersersatz und Beförderung dürfen nur unter dem Gesichtspunkt der persönlichen imd nicht her standesmäßioen Eignung vor sich gehen." Die Wehrmacht soll „ein sicheres Instrument des Staa­tes .zum Schutz des deutschen Volkes und der Un° verfehrtheit ber deutschen Republik sein". Die Schorrzest, die den übernommenen Offizieren der aT-en Armee zur „psychischen Akklimatisierung" ge- nsiihrt rn°rben konMe, muß, wie der Vorsitzende bes hemoFrotifdien Welmausschufses, der Maior und Reichsminister a D. Külz im „B-rl. Tanebl." aus­führte, der Vergangenheit angehören Eine Voli- tifierung her, Wehrmacht in parteiistifckem Sinne ist zu verwerfen, aber „Offiziere und Mannschaft»n sind zu gefestigter Staatsgesinnung und zur posi­tiven Einstellung zur deutschen Republik zu erzie­hen". Damit fei „die Achtung von den Leistungen und der Geschickte der alten Armee" durchaus ver­einbar. Jede Verbindung mit illegalen misitäri- scken oder „wehrmachtähnlichen" Verbänden sei ab- zulehnen. Die Grundzüge der Webrpolitik und die Tätigkeit b»r Heeresverwaltung fei der parla- mentarischen Kontrolle zu unterwerfen, „sorqfäl- tiafte Nackpriffung der positsick»n und misiGr'scken Zweckmäßigkeit und der sinanzi»ll»n Möglichkeiten der Slbsichten der H-eres- und Marineverwaltung seien dabei unerläßlich".

Die Grundzüge, die hier verkündet und hie mehr­politischen Ziele die hier ausgestellt werden, sind durchaus nickt originell, durchaus nicht varteide- mokratifch. Jede Partei, die unsere heutige Lage erkennt, und die die jetzige Staatsform bejaht, muß verlangen, daß die Friedenserhaltung oberster Grundsatz bleibt und daß die Wehrmacht zur Re­publik in ein positives Vertrauensverhältnis kommt. Wir unsererseits Haben das hier fckon gefordert, lange bevor vom demokratischen W»Hrnroaramm überhaupt d-'e Rede war Es bandelt sich also in diesem Detrucht nickst um parteidemlstratifche Son­dererkenntnisse, sondern um selbstverständliche Schlußfolgerungen, zu denen, imb-sckgdet ihrer ver­schiedenen Motins, jede Partei kommen muß. die unser Berücksichtiguno d»r internort''nnfen Verhält­nisse ftaatsvolitisch nrheben rotff. W-nn dem m.-sst so wäre, m-un es sich H»r tatsächlich nur um f-- pa'at» Ansichten einer kleinen Grnvpe und nicht um di» w"b>-nolitifcke Zielfetz"na her repuhsst mi­schen Mehrheit des deutschen Rostes bandeln wurde wäre ja guck d»r Pgrorismus n'chs nsr- ständs'ck, den rnfrelehrbnre Organe vom Schlage der „Deutschen Zeitung" auch jetzt, auch nach Kcnnt-

Ver NeparationsausschuH.

Der Reparationssachverständigenausschuh hat über seine erste Sitzung eine Mitteilung ausgege­ben, in der es heißt:

Nach Festlegung der formalen Fragen legte Gouverneur Moreau den französischen Standpunkt hinsichtlich der bevorstehenden Arbeiten des Aus­schusses in Kürze dar. Anschließend wurden nach- etnanlber Ausführungen von den übrigen Delega­tionen gemacht und zwar von Sir Josiah Stomp für die britische Delegation, Pirelli für die Halte« Nische, Francqui für die belgische, Mori für die ja­panische, Morgan für die amerikanische und von Dr. Schacht für die deutsche Delegation. Daran schloß sich eine weitere Besprechung unter Heraus­arbeitung einzelner Punkte, die auf der nächsten Sitzung des Ausschusses zu behandeln sein wür­den. Das Komitee vertagte sich sodann auf Diens-

* Der Verein für das Deutscktum im Ausland teilt mit: In seiner letzten Kammer- tebe über die elsaß-lothringische Frage hat der französische Ministerpräsident Poincare, wie sich aus hem nunmehr vorliegenden amtlichen Tert ergibt. Aeußerungen getan, die auf eine Ver­bindung des Vereins für das Deutschtum im Aus. land mit der a u t o n o m i st i f ch e n Bewegung hmdeuten fo'len. Der VDA. meist diese unwah­ren UnterfteHuneen mit aller Schärfe zurück unb stellt mit aller Entschiedenheit und ohne iebe Em- fckränkung fest daß er keinerlei Nnt-rftützungen für die arsionomistifche Bewegung gegeben hat unb auch in keiner Verhinhung mit b'efer Bewegung steht. Der durch ben Eckmarer-Prozeß bekannt geworden» berücktigte Polizeifvitzel Riehl Hat sei­nerzeit versucht, durch ausgesprochen franzo senke inb-

Pläne.

Das Echo in Deutschland.

Die Nachricht von der Unterzeichnung des Ver­trages zwischen dem Vatikan und Italien wird von den meisten Blättern an erster Stelle gebracht. Die „Germania" führt unter der Ueberschrift: „D a s W e l t e r e i g n is der Christenheit" aus: Mit der Unterzeichnung der Verträge zwischen dem Vatikan und der italienischen Regierung hat sich ein Ereignis von weltumspannender Bedeu­tung vollzogen: Der fast 60jährige geistige Kampf zwischen den geistlichen und weltlichen Spitzen Roms hat durch eine Regelung ihr Ende gefunden, welches ein altes Unrecht am Papsttum wieder gut­macht und auch Italien bedeutende Vorteile ge­währt. Die deutschen Katholiken begrüßen in Ge­meinschaft mit der gesamten katholischen Welt die­ses Weltereignis mit inniger Genugtuung. Es wird dadurch dem Heiligen Vater seine volle Souveränität zurückgegeben und dadurch seinen Handlungen und Kundmachungen eine noch höhere Bedeutung verliehen. Sie er­kennen zugleich das große Entgegenkommen und die staatsmännische Kunst des italienischen Staats­oberhauptes an, dem es gelungen ist, eine Frage, die zu lösen eine Generation italienischer Politiker umsonst versucht hat, einer auch das italienische Volk befriedigenden Klärung zuzuführen. Möge auch das abgeschlossene Konkordat dem Interesse der Kirche wie Italiens gleichermaßen dienen, die in den<letztvergangenen Jahren eine so bemerkens­werte äußere und Innere Annäherung vollzogen haben.

Der „Berllner Börsen-Courier" schreibt: Die Kircke hat das Vorrecht, geduldig sein zu können: denken die Weltmächte in Kontinenten, so denkt sie dafür in Iahrhunderten. Sie hat ihre For­derung nach weltlicher Macht des Papstes einfach bestehen lassen, bis ein neues Beben, gewaltiger als das der Jahre um 1870, den Wall der Erden­mächte zerriß. Es gehört zu den Widersprüchen, in denen sich bas Weltschicksal gefällt, baß gerabe bie letzte Steigerung des Staatsgedankens, Muffo- linis Diktaturstaat, dem Papsttum die verlorene Staatlichkeit zurückgibt. Denn von heute an ist Papst Pius XI. wieder ein Souverän. Sein „welt­liches" Reich umfaßt nur einige Gebäudegruppen, Straßen, (Bärten; aber es ist ein Staat.

Dapstfeier in Sf. Hedwig-Berlin.

rotb. Berlin, 12. Febr. (Eig. Msldg.). Aus Anlaß des Jubiläums Papst Pius H. hielt heute vormittag der pävstlicke Nuntius, Monsignore P a- c e l l i, in der St. Hedwigs-Kirche das feierliche P o n t i f i k a l a m t ab. Die im hellsten Kerzen­schimmer erstrahlende Basilika war bis auf den letz, ten Platz gefüllt. Zahlreiche Organisationen und die katholische Studentenschaft in Wichs waren mit ihren Fahnen erschienen und boten ein lebendiges, farbenprächtiges Bild. Als Vertreter des Reichs- Präsidenten war Reichsmimster Sch a tz e l, für den Reichskanzler Staatssekretär Pünder und für den Reicksminister des Auswärsigen Staatssekretär Dr. n. Schubert anroefenb, ferner vom Auswärtigen Amt der Datikanrefereni Mener-RodeHüser, wei- ter bemerkte man ben früheren Reichskanzler Marx, die Minister v. Girörard, Giesbert unb Steiger, pom diplomatischen Korps ben französi. fthen, ben italienischen, ben japanischen unb ben türkischen Botschafter, sowie bie polnischen Gesand­ten unb zahlreiche Mitglieder dieser diplomatisck-n Vertretungen. Den feierlichen Akt umrahmten Ge­länge des prachtvollen St. Hedwig-Kirchenchores unter der Leitung von Pius Kalt, der u. a. die u'-'reHrh’pfr'ff» mn Thiel utm Vortrag brachte.

mußte sich Kardinalstaatssekretär Easparri, der lei­dend ist, sofort wieder zu Bett begeben.

Wie die Agenzia Stefani meldet, wurden die ersten Unterredungen über die Lösung der römi­schen Frage vom Staatsrat Professor Barone und dem pästlichen Rat Prof. Pacelli zwischen dem 6. August 1926 und dem 4. Oktober 1926 geführt. Am 4. Oktober 1926 hat Mussolini Barone ermäch­tigt, Unterredungen privater Art fortzusetzen. Des­gleichen tat das Kardinal Gasparri mit Prof. Pa- celli. Die Unterredungen bauerten bis November 1928. Durch die Briefe des Königs von Italien vom 22. November 1928 und des Papstes vom 25. November 1928 wurden die amtlichen Verhand­lungen eröffnet und das Abkommen näher be­zeichnet. Der Tod Barones unterbrach die offi­ziellen Unterredungen, bie bann zwischen Musso­lini selbst und Pacelli fortgesetzt wurden. Die letz­ten acht Sitzungen fanden in der Wohnung Musso­linis statt mit Beteiligung des Iustizministers Rocco und eines Beamten der Kultusdirektion für

gelegen hätten.

Der Papst ging bann auf die Kritik ein, die von italienischer und ausländischer Seite an seiner Hal­tung in dieser Frage geübt worden sei. Diese Kritik, so erklärte er, richte sich gegen seine Per­son, denn er allein sei für bas Geschehene verant­wortlich. Zuerst sei gefragt worden, ob der Papst nun die anderen Mächte bitten werde, ihre Zu- stimmung zu erteilen oder Garantien für die neue Lage zu geben. Hierzu erkläre er, daß er den befreundeten Mächten zwar Mitteilung von dem Geschehen gemacht habe, doch ohne eine Zustim- mung und ohne Garantien zu verlangen. Diese Garantien könnten dem Heiligen Stuhl eher durch den göttlichen Bei st and und durch die loyale Haltung des italienischen Volkes zuteil werden. Die heutige geographische Karte beweise, wie we» ittg die Garantien irdischer Mächte zu bedeuten hätten. Weiter besprach bet Papst den Einwurf, daß er zu viel ober zu wenig verlangt hätte und sagte, er habe absichtlich so wenig ver­langt, um dadurch zu zeigen, daß bet Vater mit seinen Kindern unterhandele und um jenen die Prüfung leicht zu machen. Ferner habe er die Besorgnisse wegen einer größeren Gebietsabtretung unb Klagen gegen birfes Abkommen von vorn­herein entkräften wollen. Dadurch habe er auch bewiesen, daß ihn kein weltlicher Herr­sch aftsruhm geleitet habe, sondern daß er sich mit dem erforderlichen Mindestma ß für seine ?erstliche Unabhängigkeit begnüge. Zu- em müßte man sich bewußt fein, daß 'dieses kleine Gebiet unendliche Kunstschätze bewahre und be­sonders auch den Leib des heiligen Petrus, wo­durch das Gebiet überaus kostbar werde. Gegen­über den Krisiken wegen der zu zahlenden Gelb­entschädigung sei zu bemerken, baß auch bie geist­liche Mission zu ihrer Erhaltung bes Gelbes bebürfe.

In der Sonderausgabe, bie der „Osservatore Romano" ben Abmachungen mit der italienischen Regierung gewidmet hat, wirb auch der Schaffung bet Gitta bei Vaticano eine ausführliche Betrach­tung gewibmet, in bet es u. a. heißt, man habe die Herstellung eines päpstlichen Gebietes als un- bebingt notwenbig für bie Freiheit unb Un= abhänchgkeit des Papstes und als einen realen unb sichtbaren Ausdruck seiner Souveränität sor- dem müssen, wie bereits in einer im Jahre 1927 veröffentlichten Kundgebung zum Ausdruck gebracht Worben fei. Natürlich lasse sich eine absolut sichere territoriale Garantie für Unangreifbarkeit bes Va­tikans nicht schassen, da diese noch nkcht einmal für bie mächtigsten Staaten bestehe.

Der Artikel des „Osservatore Romano" behan­delt sodann bas Konkordat, das der hauptsäch- lichste Schutz des Kirchenstaates sei, weil es ben Vatikan mit dem Schutze einer unendlichen geistigen Macht umgebe, unbesiegbarer als jede Waffe unb als febe Erenzsicherung.

Die Unterzeichnung dieses historischen Vertrages, dessen Bedeutung von der römischen Preffe in Extrablättern und in umfangreichen Leitartikeln gewürdigt wirb, spielte sich für bie Außenwelt m sehr schlichten Formen ab. Ms gegen 11 Uhr die Automobile bes Karbinalstaatssekretärs und Mussolinis sowie ihrer Begleitung vor dem La­teran vorfuhren, waren außer den Joumalisten und Photographen nur etwa 700—800 Zuschauer im Regen aus dem Lateranvlatz versammelt. Rach der Unter'eicknung. bie im Kon-ilsaal erfolgte.

Rom steht im Zeichen her Freud enknnd- gebungen aus Anlaß des Vertragsabschlusses zwischen' Vatikan und Quirinal. Die faszistische Partei und sämtliche Frontkämpferverbände haben zu ben Kundgebungen alle ihre Mitglieder aus- geboten.

Der Vertrag zwischen dem Heiligen Stuhl und Italien, dessen Unterzeichnung Wir bereits mel­deten, besteht aus einem Vorwort und 27 Ar­tikeln. In den Schlußworten erklärt der Hl. Stuhl endgültig die römische Frage für erledigt und erkennt den italienischen Staat unter der Re­gierung des Hauses. Savoyen mit Rom als Haupt­stadt an.

Zvährend int Lateran der Aussöhnungsakt mit Italien unterzeichnet wurde, hielt der Papst eine Rede an die römischen Stadtpsa rrer, die ihm vom Kardinal Pamfili im Vatikan vorgestellt Wurden. In dieser Rede führte Papst Pius XI. unter anderem aus, der neue Friedensschluß zwi­schen Italien unb dem Heiligen Stuhl garantiere dem Papst wahre unb volle Souveräni­tät, wie sie ihm aufgrunb seines Amtes gebühre. Das zu gleicher Zeit unterzeichnete Konkordat mit Italien regele die Beziehungen zwischen dem Hl. Stuhl imb Italien, die so lange Zeit im Argen

men. Der Gründer und Vorsitzender bes Reichs- bunbes jüdischer Frontsoldaten, Dr. Leo Löwen­stein, wies in seiner Festansprache darauf hin, daß 80 000 jüdische Soldaten an der Front gestanden hätten, von denen 12 000 auf dem Felde der Ehren geblieben seien, für bie demnächst ein Gedenkbuch herausgebracht werde. Der Reichsbund werde wie in den vergangenen zehn Jahren auch in Zukunft feine Dienste dem deutschen Staat, dem deutschen Vaterland und dem deutschen Volk widmen. Als Vertreter des Bayerischen Landesverbandes sprach Landenberger-Nürnberg, der besonders einen Ueberblick darüber gab, was der Reichsbund auf dem Gebiete der körperlichen Ertüchtigung und der Landwirtschaft und Siedlung geleistet habe.

* Fürst Johann n. von Liechtenstein gestorben. In Felsberg ist nach kurzer Krankheit der regierende Fürst Johann H. von und zu Liechten­stein im 89. Lebensjahr und im 71. Jahr seiner Regierungszeit gestorben.

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