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Anzeiger für die Stcibf Juldn und den Landkreis Juida

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Samstag, S. Februar 1929

Jlr 34

-Liicheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Wett im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatl. 1,80 einschl. Postgeb. <30 bezw 48 Pf.), ohne Zustellg.

Ganzen dienenden Gesichtspunkten leiten lassen. Wenn das Zentrum dabei auch zuweilen gegen die bisherigen Koalitionspartner Stellung nehmen muß, so wird auch das nur geschehen aus wohlbe­gründeten sachlichen Erwägungen.

Am 6. Februar vor zehn Jahren hat das Zen­trum seine Mitarbeit in der Nationalversammlung begonnen. Cs hat sich bisher ständig an Koali­tionen beteiligen müssen. Es war darum nicht immer in dem von ihm oft gewünschten Maße frei tn der Geltendmachung seiner Meinungen und Forderungen im Einblick auf die gesamte Politik. Nun zum ersten Male hat das Zentrum Gelegen­beit, selbständige Politik im Hinblick auf die Ge­samtlage zu machen. Das Zentrum ist überzeugt, daß sehr bald die Stunde kommen wird, in wel­cher man wieder an seine unmittelbare Mithilfe appelliert. Bis dahin wird das Zentrum nichts anderes tun, als qereu seinem Verantwortungs­gefühl und seinem Pflichtbewnßtfein gegenüber Volk und Vaterland auch außerhalb der Regierung schöpferisch das 3u leisten, was die Interessen der Gesamtheit erfordern.

wtb. Rom, 8. Febr. (Eig. Meld-)- In den politischen Gesprächen der Ewigen Stadt nimmt das Interesse für die Lösung der römischen Frage immer mehr zu. Während die Zeitungen noch über diese Frage schweigen, wird von kirchlicher Seite immer wieder darauf hingewiesen, daß ba§ Gebiet des neuen päpstlichen Staates kaum über den jetzigen vatikanischen Besitz hinausgehen werde. Man rechnet allerdings bestimmt damit, daß die Straße mit den an ihr liegenden Gebäulichkeiten, welche hinter St. Peter herum zu den Museen des Vatikans führt, in das Territorium einbe­griffen sein wird. In diesem Falle lägen höchst­wahrscheinlich der Campo Santo der Deutschen, das Museum von St. Peter und der Palast des heiligen Officiums im neuen Staat. Gegenüber den Bemerkungen, daß in diesem Falle die Ge­sandtschaften und Botschaften keinen Platz haben würden, um fich in diesem Territorium niederzu- lafsen, wurde von derselben Seite erklärt, daß das auch nicht notwendig sei, weil die Botschaften und Gesandtschaften dort bleiben würden, wo sie seien.

• Reuyorker Rede des Vorsitzenden der Sow- jetistischen Staatsbank. Der Vorsitzende des Diiek- torenrates der Sowjetistischen Staatsbank, Schein­mann, war Ehrengast bei einem von der ameri­kanisch-russischen Handelskammer gegebenen Früh­stück in Neuyork und hielt bei dieser Gelegen­heit seine erste Rede in Amerika. Er trat in sei­nen Ausführungen für den weiteren Ausbau der amerikanisch-russischen Zusammenarbeit auf wirt­schaftlichem und finanziellem Gebiet ein und wies aus die Fortschritte hin, die das Wirtschaftsleben der Sowjetunion, in den letzten Jahren gemacht

Der katholische Mensch vernimmt in tiefster Er­griffenheit die Kunde aus Rom. Vor seinem Auge steigen die für den Katholiken so traurigen Bilder auf, die im 19. Jahrhundert die Vernichtung des Kirchenstaats begleiteten. Aber des großen Gottes Wege sind wunderbar. Er waltet und lenkt. Uns bleibt nur demütiges Staunen. Und wenn wir, angesichts der weltgeschichtlichen Wendung in der Römischen Frage freudigen Herzens das Tedeum laudamus singen, so erschüttert uns im innersten der Gedanke an das ewige Worr des Sohnes Gottes: Tu es Petrus et super hanc petram aedificabo ecclesiam meam et portae inferi non praevalebunt eam.

Aus Rom wird am Donnerstag gemeldet: Dec Kardinalstaatssekretär Gasparri berief heute vormit­tag 10.30 Uhr die Mitglieder des beim Hl. Stuhl beglaubigten diplomatischen Korps zu sich und gab ihnen Kenntnis von den bevorstehenden Vereinbarungen zwischen dem Hl. Stuhl und Ita­lien zur Regelung der römischen Frage.

Der Vertreter der „Kölnischen Volkszeitung" in Rom meldet dazu, daß der Kardinalstaatssekretär bei der Diplomatenkonfersnz im Staatssekretariat vom Vertragsabschluß zwischen dem Heiligen Stuhl und Italien o f f i zi e l l e M i t t e i l u ng m a ch t e. Zugleich eröffnete er, daß die Runzien denselben den Staatsregierungen notifizieren werden. Weiter erfährt der römische Vertreter der K. V. von ge­wichtiger theologischer Sette, daß sämtliche zwischen Italien und dem Heiligen Stuhl schwebenden Ver­tragsverhandlungen über die Römische Frage und die Neuordnung der Beziehungen zwischen dem italienischen Staat u. der Kirche zum glückli­chen Abschluß gelangt sind. Kardinalstaats­sekretär Gasparri u. Mussolini sollen be­reits in den nächsten Tagen die Verträge unter, zeichnen. Einzelheiten können erst dann be­kanntgegeben werden. Die Annahme der Verträge durch die verfassungsmäßigen Faktoren der Ne­gierung erscheint gesichert.

Das Gezeter in der gegnerischen Presse,namentlich in den liberalen und demokratischen Organen, über das Zentrum, das dort als unglaublich humm hin- gestellt wird, kann nur eins beweisen: man hat dies­mal die Gutmütigkeit des Zentrums über­schätzt. Man ist in großer Verlegenheit und die Herren Liberalen sehen der Zukunft, wenn sie auch nach außen sehr zuversichtlich auftreten, mit schwe­ren Sorgen entgegen.

Das Schreiben, worin Reichsverkehrsminister G u e r a r d beim Reichskanzler seine Demission eingereicht hat lautet:

„Die Deuts die Volkspartei hält an ihrer For­derung fest, daß die endgültige Umbildung der Reichs- regierüng und der preußischen Staatsregierung zu glei­cher Zeit beschlossen wird, obwohl die politische Lage im

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Der Pariser „Temps" bespricht den Austritt des Minister v. Guerard aus dem Reichs­mini st e r i u m. Er vertritt den Standpunkt, daß die jetzige Regierung in ihrer gegenwärtigen Be­setzung nur aufrecht erhalten werden könne, in dem Moste, in dem das Zentrum sich hierzu bereitfinden würde, denn ohne seine Mitwirkung sei keine stabile politische Mehrheit mehr möglich, und wenn es entschlossen wäre, of­fen in die O pposition zu treten, würde eine ernste parlamentarische Krise in Deutschland schwerlich vermieden webden können. So nie die Dinge stünden, könne man nur festltel- len, daß im Augenblick des Beginnens der hoch- wichtigen internattonalen Vertändlungen in Ber­lin keine wirkliche stabile Regierung vorhanden sei, die die Kontinuität einer klar be­stimmten allgemeinen Volstik si-bern könnte. Vom Standpunkt einer günstigen Lösung der Friedens­probleme, an die man g"aenwärtta denke, könne das nicht ohne ilngelegenheiten abgehen.

Die Lage ist richtig gezeichnet. Unbegreif­lich ist es. daß trotz dieser Laos die von Strese- monn geführte Deutsche Volkspartei das Zentrum zum Austtitt gezwungen hat, weil sie in Br e u- ßen einen politischen Machtzuwachs erstrebte.

Zehn Zahre!

Zum Ausscheiden des Zenkrums aus der Reichs­regierung.

Man schreibt uns aus dem Reichstag:

Wenn eine Partei, die zehn Jahre lang nach einem unerhörten politischen u. wirtschaftlichen Zu­sammenbruch die Last der Verantwortung getragen hat und nach Abschluß einer solchen Epoche glaubt, nicht mehr weiter die Verantwortung für ine Führung der Geschäfte des Reiches übernehmen zu können,'dann müssen schon lehr gewichtige Gründe vorhanden fein, und das Zentrum, das sich jetzt zu diesem Schritt genötigt sieht, kann beanspni- chen, daß fein Entschluß mit größtem Ernste ge­würdigt wird.

Es gab nach Lage der Dinge keinen anderen Ausweg mehr als diesen: Das Zentrum mutz, nach­dem alle anderen, , im Grunde schon seit. Jahren von ihm betriebenen Versuche, eine, wirkliche posi­tive Arbeitsgemeinschaft der Parteien im Reime herbeizuführen, nun die realen Verhältnisse sewst wirken lassen, um die vielfach bisher fehlende Be­sinnung auf das große gemeinsame Ganze zu er­zwingen.

Das Zentrum hat sich zehn Jahre lang nicht der verantwortlichen positiven Mitarbeit entzogen, es wird das auch weiterhin nicht tun. Aber die Stellung des Zentrums ist nunmehr freier, und von dieser Freiheit wird das Zentrum denjenigen Gebrauch machen, der ihm notwendig erscheint, um eine gut vorbereitete sachliche Politik im Dienste des Volksganzen zu fördern.

Das Zentrum ist also durchaus nicht am Ende der Aktivität! Es wird vielmehr mit erhöhter Kraft intensive Arbeit leisten, um feine Auffassungen durchzusetzen. Es wird sich dabei etn- ria und allein von sachlichen dem Interesse des

Die Reichstagskorrespondenz der Bayerischen Volkspartei nimmt in ei­nem längeren Arttkel Stellung zu dem Beschluß der Fraktion, demzufolge Reilbspostminister Schätzet vorläufig im Kabinett belassen werden soll. Sie schreibt u. a.: Der Austritt des Herrn v. Guerard aus dem Kabinett ist wegen Unstimmigkeiten z w i - scheu der Deutschen Volkspartei und dem Zentrum erfolgt, für die eine Bereini­gung nicht gefunden werden konnte. Durch die Verquickung der Umbildung dec Regierung im Reiche mit der Umbildung der Regierung in Preu­ßen ist der eigentliche Grund für die kritische Situa­tion geschaffen worden. Der Beschluß der Vaveri- schen Volkspartei auf vorläufige Belassung des Mi­nisters in der Regierung beruht einmal auf der Tatsache, daß die Fraktion der Bayerischen Volks­partei, wie der Gang der Verhandlungen zeigt, an diesem Konflikt nicht beteiligt war, ferner auf der Tatsache, daß nach rote vorkeiuekoalitions- mäßigen Bindungen verlangt werden, und schließlich darauf, daß die bisherigen Grundlagen für die Arbeit der Regierung nicht geändert erschei­nen. Die Sachlage würde sich ändern, wenn die jetzige Regierung von den Grundlagen der bisheri­gen'Regierung abaeben würde, wie sie in der lei.

Reich und in Preußen verschieden ist und obwohl ihr die weitestgehenden Sicherungen bezüglich ihres Eintritts in die preußische Staatsreqierung, insbesondere durch die letzte Erklärung des Vorsitzenden der Deutschen Zen- ttumspariei gemacht worden sind. Durch diese Haltung der Deutschen Volkspartei ist die notwendige F e sti- gung der Reichsregierung durch die Bildung der Großen Koalition zur Zeit unmöglich gemacht und der van keiner Seite bestrittene Eintritt weiterer Zenttumsminister in das Reichskabinett verhindert. In­folge dieser Vorgänge ist meine Stellung im Reichskabi­nett unhaltbar geworden. Ich bitte daher den Herrn Reichskanzler, den Herrn Reichspräsidenten zu bitten, mich von den von mir bekleideten Aemtern entbinden zu wollen.

Zu den Abmachungen, die zur Zeit den Charak­ter eines sog. Präliminarfriedens haben und Mussolinis internationales Prestige sehr zu er­höhen in der Lage sind, schreibt die „Kölnische Volkszeitung":

Italien und der Vatikan sind also nunmehr zu einer positiven Einigung über die Römische Frage gelangt. Die Nachrichten über den günstigen Fort­schritt der Einigungsverhandlungen verdichteten sich in den letzten Wochen und Tagen ja mit zu­nehmender Bestimmtheit, wobei allerdings bei der Schwierigkeit und Kompliziertheit der Materie immer noch unwillkommene Ueberraschungen er­wartet werden konnten. Diese brauchen nun nicht mehr zu schrecken. Das Vertragswert ist mit be­merkenswerter Zielsicherheit und mit verblüffend folgerichtiger Schnelle zu Ende gebracht worden. Es ist nun vollends gesichert, und die Welt steht vor der Tatsache der vollkommenen Aussöhnung zwischendemHeiligenStuhlunddem i t a l ie n i s ch e n Staat, ein Ereignis von welt­geschichtlicher sowohl wie weltweiter Bedeutung. Eine Epoche trauriger und unheilvoller Kämpfe ist endgültig abgeschlossen, eine offene Wunde am Körper der Weltkirche, die alle Katholiken glei­cherweise als ihre eiaene Wunde empfanden, ge­heilt und vernarbt. Wiederum kann die die Jahr­hunderte überdauernde und Jahrhunderte über­blickende Kirche einen Triumph nicht ihres zähen Willens, das wäre zu banal ausgedrückt, sondern ihres Willens zur Gerechtigkeit und ihres göttlichen

FuldaerZettung

Ofnioinor fnr hio stnöf Fulda und den Landkreis Juida. Amtliches Kreisblatt.

ner$eitigen Regierungserklärung ausgesprochen wurden.

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Die Deutsche 93 o I f spart ei veröffentlich! zur politischen Lage folgende Erklärung:

Die Reichstagssraktion der Deutschen Volks. > ar t e i nimmt mit Bedauern Kenntnis von dem tte- chluh der Zentrumsfraktion, ihren Minister aus der Reichsregierung zurückzuziehen. Sachliche Gründe tut diese Entscheidung vermag sie nicht anzuerkennen, beion- ders da die außenpolitische Lage und die Finanznot des Reiches mehr denn je eine tragfähige Mehrheit tm Reichstag erfordert. Die Ablehnung der wohlbegrunds- ten Forderung der Deutschen Volkspartei auf gleichzeitige und gleichmäßige Regelung der Zusammensetzung der Regierungen in Preußen und im Reich durch das Zen­trum berührt um so eigenartiger, als dieses Verlangen nicht nur von den übrigen beteiligten Parteien, sondern auch vom Zentrum selbst bereits vor Weihnachten und erneut in der gestrigen Besprechung der beteiligten Mi­nister als berechtigt anerkannt ist. Die Fraktion b e - grüßt den Entschluß des Reichskabinetts, in dieser ver­antwortungsvollen Stunde im Amt zu verbleiben. Sie hält sich nach Ausscheiden des Zentrums füe doppelt ver­pflichtet, in der Reichspolitik dafür zu sorgen, daß bei dem notwendigen Ausgleich die Interessen der nicht durch die Sozialdemokratie vertretenen Volksteile be­wahrt bleiben.

Die Deutsche Volkspartei ist als K risenma­ch e r i n bekannt. Sie möchte sich jetzt aber gern als die „verantwortungsbewußte" Tante auffpier len.

*

Man schreibt uns aus Berlin:

„Berliner Tageblatt" und Sozialdemokratischei Pressedienst in trautem Verein überschreiben ih.e Artikel zur gegenwärtigen Lage mit dem Stich­wort „Verantwortungslos". Damit mei­nen sie das Zentrum!

Das fehlte gerade noch! Ausgerechnet die De- mofraten wollen das Zentrum einer verantwor­tungslosen Haltung zeihen, nachdem der demokra- ttsch-e Minister Koch selbst es war, der in wirk­lich unverantwortlicher Weise in aller Oesfentlich- feit sich herausnahm, dem Zentrum seine „Be­dingungen" für die Ueberlaffung des Reichs- justizministeriums zu stellen. Nach Kochs Erklä­rung sollte das Justizministerium dem Zentrum nur unter der Voraussetzung überlassen werden, daß Garantie für die Durchführung der von Koch eingeleiteten kulturpolitischen Reformen geboten wird. In der „Voss. Ztg." war diese Auffassung ganz unverblümt und in einer das Zentrum cje« radezu verletzenden Form ausdrücklich bestätigt worden.

Und was schließlich die Sozialdemokratie an­langt, so sollte sie doch sehr vorsichtig fein, das Wort: Verantwortungslos zu gebrauchen. Das Zen. trum ist es gewesen, das sehr oft gerade dann ein­springen mußte, wenn durch die wirklichen Ver­antwortungslosigkeiten der Sozialdemokratie die politische Situation auf das wildeste zerfahren war. Hätte das Zentrum sich in solchen Fällen nicht wiederholt in die Bresche gestellt, dann wäre es den Sozialdemokraten schlecht ergangen.

Es ist aber auch ein wirklich starkes Stück, dem Zentrum, das zehn Jahre lang die schwerste Ver­antwortung getragen hat, auch dann, wenn sich Demokraten und Sozialdemokraten ihrer Verant­wortung entzogen hatten und zwischenzeitlich auf Kosten desselben Zentrum ihre Agitation im Lande betrieben, vorzuhalten, daß seine aus ernster Sorge um die Gestaltung der gesamtpolitischen Dinge in Deutschland entspringende Haltung verantwor­tungslos fei. Dagegen müssen wir uns auf das entschiedenste verwahren. Es wird einmal eine Stunde kommen, in der wir Demokraten und So­zialdemokraten an diesen Vorwurf, den sie fetzt gegen uns richten, sehr nachdrücklich erinnern wer­den.

Im übrigen wird sich ja schon in der nächsten Zeit Herausstellen, auf welcher Seite dcm wirk­liche Staats- und Verantroottungsbewußtseiu sich vorfindet.

lichkeiten diesen Abschluß gebührend in das Be­wußtsein der Zeit zu erheben. Für den glorreich regierenden Papst Pius XI. ist es aber eine offen­bar vom Segen des Himmels begleitete Freude, seinen Krönungstag und den Tag feines goldenen Priesterjubiläums gekrönt zu sehen mit einem Werk, das das Ansehen, di» Macht und die Würde der Kirche von neuem erhöht.

Der Widerhall der Nachricht.

Die Ewige Stadt ist in einer leichtbegreiflichen großen Erregung. Bald nach 12 Uhr ver­breitete sich die schon verzeichnete Nachricht, daß der Kardinalstaatssekretär alle am Hl. Stuhl beglau­bigten Missionschefs empfangen habe, um ihnen mitzuteilen, daß die Unterhandlungen zwischen dem Hl. Stuhl und Italien über die Lösung der römi­schen Frage sowie über ein Konkordat zwischen Ita­lien und dem Hl. Stuhl in ihren Grundlinien so­weit gediehen seien, daß die Unterfertigung der be­treffenden Aktenstücke in den nächsten Tagen erfol­gen könne. In römischen kirchlichen katholischen Kreisen glaubt man zu wissen, daß die Unterzeich­nung der gesamten Aktenstücke am 11. d. Mts., also am nächsten Montag vormittag, erfolgen werde, so daß der „Osservatore Romano" am Man- tag mittag in einer Sonderausgabe den Text werde bringen können. Am Dienstag wird der Papst den Jahrestag feiner Krönungsfeier begehen, der in diesem Jahre ausnahmsweise wieder zum ersten Male in St. Peter durch ein päpstliches Pontifikalamt gefeiert werden wird. Man glaubt, das während des Gottesdienstes der Papst die Aus­söhnung mit Italien urbi et orbi durch eine Anrede verkünden und zum Schluß der Feier, ro i e i n früheren Zeiten vor 1870, urbi et orbi den päpstlichen Segen von der äußeren Loggia der Fassade von St. Peter er­teilen wird. Die römische Presse wie auch der „Osservatore Romano" bringen noch kein Wort über die Angelegenheit, lieber die Ausdehnung des Kirchenstaates gehen die Meinungen auseinan- der. Die einen behaupten, daß darin die bekannte Villa Dora Carnplli, dir sogenannte Einta Sac- chettt usw.. enthalten sein werde, andere wiederum sind der Meinung, daß das neue päpstliche Gebiet in nennenswerter Weise kaum über die vatikani­schen Gärten reichen werde, was jedoch keinen Glauben findet, weil es dann undenkbar wäre, daß sämtliche 30 Vertretungen beim Hl. Stuhl auf päpstlichem Gebiet untergebracht werden könnten.

Die Einigung in derRömischenIrageist erzielt

Vor der Unterzeichnung der vertrage. — (Ein weltgeschichtliches Ereignis.

Anspruches als höchste moralische und geistliche Autorität erleben. Allen Ansinnen, die als Ver­letzung oder Beeinträchtigung ihres Wesens und ihrer unvergleichlichen Mission hätten erscheinen können, hat sie Jahrzehnte hindurch v o n s i ch ge­wiesen, und heute hat sie selbst die Geschichte und alle in ihr wirkenden Mäche und Faktoren bezwun­gen und ihr das Gesetz der Gerechtigkeit und mora- tischen Achtung aufgedrückt. Lieber hat sie sich langen Demütigungen und Mißver­ständnissen ausgesetzt, als ihr felsenfestes Vertrauen auf d i e kommende ge­schichtliche Stunde der Wiedergutmachung aufzugeben.

Und es ist ja nicht nur so, daß die Bedeutung der Römischen Frage sich zu einem Vertragsab­schluß zur Wiedergewinnung alter geraubter Güter und rechtlicher Ansprüche erschöpfte, sie ist zugleich eine Frage, in deren Lösung eine große Stärkung des Ansehens und des Einflusses der Kirche auf das Weltgeschehen und die Gestaltung auch der i r- difchen Ordnungen nach den göttlichen Le­bensgesetzen beschlossen liegt. Die Kirche ist nun wiederum vollends frei geworden. Ungehemmter denn je kann sie sich auch nach außen hin aus ihrem Wesen heraus entfalten. Es liegt wie in der Ge­schichte der Kirche überhaupt ein Walten der Vor­sehung in dem Umstand, daß die Kirche gerade in einem Augenblick und in einer Zeit die Vollkraft ihrer Auswirkungen roiebererlangt, da die Völker, Staaten und Kulturen der Welt in einer tiefgrei­fenden und aufwühlenden Krise sich befinden, da die alten Grundlagen der menschlichen Gesellschaft infolge der wachsenden Abkehr vom Chri- stentum wanken und zerstörendes Unheil über uns dahinzieht. Es ist, als wenn mitten im Niedergang und mitten in der Bedrohung der irdischen Ordnungen durch das Chaos ungezügelter menschlicher Triebkräfte der Glanz der Kirche im­mer Heller und bezwingender erstrahle, zugleich als gebieterische Mahnung zur Rückkehr zu den verlo­renen Werten der Gerechtigkeit, Liebe und der ch r i st l i ch e n Humanität. Es kommt -auch nicht von ungefähr, daß die Fortsetzung des Vatikanischen Konzils in naher Aussicht steht, das sich besonders mit den Schäden und geistigen Strö­mungen der Zeit beschäftigen soll.

Dfe Lösung der Römischen Frage fand die be­sten Äorbedingungen zweifellos in dem neuen Ita­lien Mussolinis. Und was auch sonst an seiner Diktatur auszusetzen sein mag, so sehr sie auch tiefste Erbitterungen und harte Ungerechtigkeit mit sich gebracht hat und dauernd noch mit sich bringt, Mussolini hat auch die alte kirchliche Tradition Ita­liens zu neuem Leben erweckt und jene Geister des Unheils vernichtet, die die grimmigsten Gegner der Kirche waren. Der glückliche Abschluß der Verhand­lungen um die Römische Frage kann Mussolini nicht lossprechen von dem, was seine Diktatur an neuen großen Gefahren heraufbeschworen hat, und die Kirche wird ihm niemals die Hand zu Dingen reichen können oder ihm auch nur freie Hand lassen n Dingen, die ihrer eigenen letzten geistigen und ittlichen Autorität zuwider sind. Mahnende Bei- pieke über die Haltung der Kirche gegenüber leberschreitungen des staatlichen Machtbereiches in Italien hat die jüngste Zeit ja schon häufiger ge­zeigt. Und doch hat im Falle der Römischen Frage Mussolini sich den Namen eines Staatsman­nes verdient. Die ganze katholische Welt empfindet die tiefste Genugtuung darüber, daß die Römische Frage zu einem glücklichen Abschluß gekommen ist, und auch der Vatikan ist gewillt, dur chdie in Aus­sicht gestellten großen und ungewöhnlichen Feier-