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FuloaerZertung

Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblakt.

Jlr 30.

^r)cheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. S. Monatl. 1,80 einschl. Postgeb. (.30 bezw. 48 Pf.), ohneZustellg.

Dienstag, 5. Februar 1929.

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SO.Zahrg.

Fortgang in der

totb. Köln, 3. Febr. (Eig. Meld.). Wie der lömische Vertreter der Kölnischen Volkszeitung von vohlinformierter Seite erfährt, ist bei den ge­heimen Verhandlungen zur Lösung der römischen Zrage am 14. Januar ein weiteres Proto­koll unterzeichnet worden. Der Fortschritt n den Verhandlungen vollzieht sich begreiflichev- veise langsam, in Etappen, sodaß man in hohen iirchlichen Kreisen auch jetzt noch das Wort „Lö- ung der römischen Frage" als voreilig betrachtet md einstweilen nur hofft, zu einem „modus vivendi" jii gelangen, der dann allerdings als Ausgangs- mnkt endgültiger Abmachungen anzusehen wäre.

Vie Minderheitenfrage.

Zur Minderheitenfrage veröffentlicht das Ge- keralsekretariat des Völkerbundes soeben folgende lWtteilung:

Der Generalsekretär des Völkerbundes hat einen Brief des deutschen Ratsmitgliedes Dr. Stresemann trhalten, in dem in Uebereinstimmung mit der von Herrn Dr. Stresemann in der Ratssitzung vom 15. oezember in Lugano abgegebenen Erklärung «rum ersucht wild, folgende Frage auf die Tages- ndnung des Rats zu setzen:

»Die Garantie des Völkerbundes für die Be- limmungen zum Schutze der Minderheiten."

Infolgedessen hat der Generalsekretär diese Drage auf die vorläufige Tagesordnung der näch. ren Ratssitzung, die am 4. März in Genf beginnt, »efetzt.

Wie man weiß, ist andererseits auf Antrag des kanadischen Ratsmitgliedes Dandurand „die Frage res bei Minderheitenpetiticmen anzugebenden Der- lahrens" auf die Tagesordnung der 54. Rats­tagung gefetzt worden.

Die Vorgänge in Spanien.

Havas meldet aus Ciudad Real, die Unter­suchung über den Aufstandsversuch werde bald abgeschlossen sein. Von der militärischen Un- lersuchungsbehörde seien der Präsident des Provin­zialrates sowie andere höhere Beamte verhört wor- den. Sechs der verhafteten Offiziere seien wieder in Freiheit gesetzt worden. Im übrigen würden die Vergünstigungen der politischen Haft bewilligt. Der Zivilgouverneur von Ciudad Real sei vom In­nenminister nach Madrid berufen worden.

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Dem „Journal wird aus Madrid gemeldet: In­folge der ausValencia gekommen ernstenNachrichten fand im Kriegsministerium ein eiligst zusammenbe­rufener Kabinettsrat statt, während der Innen­minister eine Beratung mit den Direktoren der Sicherheitspolizei abhielt. Der „Journal"-Korre- spondent in Madrid will in der Lage sein, über die Ereignisse in Valencia folgende Gerüchte wiederge­ben zu können:

Ein Offizier im Generalsrang habe an der spitze eines Teiles der Truppen der Garnison Va- encia versucht, Sanchez Guerra zu be* r C ’ Aber Streitkräfte benachbarter Garni- onen hatten eingegriffen und seien der Aufständi- ?en Herr geworden. Es sei jedoch Blut geflossen. Im 10 Uhr gestern abend seien die Führer der Ar­meekorps der Garnison Madrid zusammenberufen worden, um die Mitteilung neuer Nachrichten aus xalencra entgegenzunehmen, und bäten dem König Treue geschworen. Angesichts der gegenwärtigen Lage werde der frühere Ministerpräsident Sanchez Guerra von dem Obersten Gerichtshof abgeurteilt werden. Die Lage sei ein keiner Weise geklärt. Die Truppen aller Garnisonen würden in Kasernen in Bereitschaft gehalten: die Z e n s u r werde strenge'- denn je durchgeführt, und dies erscheine umso not­wendiger, als auch innerhalb der Marine eine ge­wisse Erregung sich feststellen lasse.

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< Eine der Presse übermittelte halbamtliche Ver- kautbarung besagt, die Regierung habe dunkle aber beachtliche Nachrichten empfangen und habe des­halb, um tatkräftig in den Gang der Ereignisse ein­zugreifen, beschlossen, den Generalleutnant Sun- iurje mit der Ermächtigung nach Valencia zu entsenden, alle Zivil- und Militärbehörden, die nicht unbedingt zuverlässig seien, abzusetzen und neue (Ernennungen vorzunehmen. In her Gar­nison von Valencia sei die Disziplin größtenteils ausgezeichnet. Die Regierung glaube immerhin, im vinne der öffentlichen Meinung zu handeln, wenn ne die notwendigen Maßnahmen treffe, um nicht nur die Ordnung, sondern auch die im gegenwär­tigen Augenblick erforderliche öffentliche Ruhe auf­recht zu erhalten.

Der fiebenfe Februar.

/ Es ist kein Ultimatum im herkömmlichen krieg­androhenden Sinne und doch trägt es offenbar ulti­mativen Charakter, was der russische Außen­kommissar Litwinow am 1. Februar dem pol­nischen Gesandten Patek in Moskau vorgeschla­gen hat. Seit Anfang Januar gibt es sehr zuge­spitzte Auseinandersetzungen zwischen Rußland und Polen über die Ratifizierung des Keiloggpaktes, Auseinandersetzungen, die jetzt Litwinow auf den <• Februar befristet hat, ohne allerdings zu sagen Mas geschehen soll, wenn Polen den russischen Vorschlägen nicht entgegenkommt. So steht hinter der Fristsetzung „bis zum 7. Februar" für die politische Welt ein großes Fragezeichen. Man liest don einem russischen Ultimatum ohne zu wissen, was geschehen soll oder geschehen kann, wenn es verpufft.

Der Lauf der Dinge sei kurz ins Gedächtnis tmücklieriiien-, Am 29. September liefe Litwinow

römischen Frage.

der polnischen und litauischen Regierung den Vor­schlag zugehen, durch ein besonderes Protokoll den Kelloggpakt unabhängig von dessen Ratifizierung durch die anderen Staaten für Rußland und Polen (auch Litauen) sofort wirksam werden zu lassen. Man hat sehr eingehend nach den Gründen geforscht, die solchen Schritt nahelegten, und eine Reihe von Mut­maßungen aufgestellt. Die kommunistische „Rote Fahne" in Berlin scheint den wichtigsten Zweck darin zu suchen, die angebliche Friedenspolitik der kapitalistischen Staaten in ihrem heuchlerischen Charakter zü entlarven. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die Moskauer Regierung einen solchen Erfolg von mehr negativer Bedeutung beabsichtigt, näher aber liegt die Annahme, daß sie tatsächlich den west­lichen Nachbar aus seine Friedensversicherungen und Friedensabmachungen verpflichten will, denn die Moskauer Machthaber können angesichts der wirtschaftlichen Nöte, in denen sie sich befanden und die die Konsolidierung des Sowjeffystems so un­gemein erschweren, einen festen Friedenszustand sehr wohl gebrauchen. Man darf ja auch nicht über­sehen, daß Rußland seinen Vorschlag in einem Augenblick machte, als die Ratifikation durch die Vereinigten Staaten noch nicht erfolgt war. Offen­bar hatte die Sowjetregierung mit der Möglichkeit gerechnet, daß die Ratifizierung des Kelloggpaktes durch die vierzehn Erstunterzeichner so lange hinaus­gezögert werden würde, daß bis dahin allerhand ausgedehnte diplomatische oder militärische Kriegs­vorbereitungen getroffen toerbeti könnten. Solcher Möglichkeit mußte sie zuvorkommen und, wenn sie auch zweifelsohne nicht an die Ehrlichkeit der inter­nationalen Friedensabmachungen glaubt, dann doch versuchen, sich diese nutzbar zu machen und die Heuchler in den selbstgelegten Netzen zu fangen. Denn Rußland glaubt an europäische Kriegsvorbe­reitungen zur Stürzung des Sowjetsystems und lebt infolgedessen in einem fortwährenden diplomatischen Alarmzustand.

Litauen antwortete auf das russische Angebot sofort zustimmend, während die polnische Regie­rung Ausflüchte suchte'. Es besteht ein polnisch- rumänr'sch es Bündnis mit der Tendenz gegen Rußland. Dieses nahm Polen zum Anlaß, um zunächst einmal m Rumänien zu sondieren, was man dorr zu dem russischen Angebot zu lagen habe. Nach langem mißtrauischen Zögern erclärte sich Rumänien, obwohl es von Rußland nicht darum gefragt -worben war, bereit-, mr'c Polen das ge­wünschte Protokoll zu unser?-?schnen unter der Be­dingung, day ver bisherige Zustand hinsichtlich der besf arabischen Frage nicht zur Debatte gestellt werde. Am 11. Januar erfolgte die polnische Antwort, die den russischen Vorschlag grundsätzlich annahm, aber unter der Voraussetzung, daß auch die baltischen Staaten und Rumänien dem Protokoll beitreten würden. Natürlich hatte Warschau in Paris an­gefragt, wo noch ganz andere Ueberlegungen an­gestellt wurden, um eine glatte Annahme des russischen Angebotes hinauszuschieben. Dort warf man den Gegenvorschlag eines Nichtangriffspakts mit Schiedsgerichtsverpflichtungen in die Debatte, um die russisch-polnischen Verhandlungen auf eine Bahn zu schieben, auf die Rußland wegen der einzigartigen Struktur feiner Politik und seines Staates nicht folgen konnte. Litwinow hat den Polen bereits an 12. Januar geantwortet und deren Bedingungen angenommen. Die Warschauer Re­gierung konnte nun nicht anders mehr, als in einer Note vom 21. Januar ihre Bereitwilligkeit zu erklären, die Verhandlungen über die Einzelheiten der Unterzeichnung aufzunehmen. Sofort legte Lit­winow dem polnischen Gesandten einen Vorschlag über die Verhandlungsmethode vor. Geschehen war aber inzwischen nichts mehr als höchstens das Ent­stehen einer größeren Eile der Pariser Signatar­mächte, die Ratifikation des Kelloggpaktes zu be­schleunigen, offenbar in dem Gedanken, das russisch­polnische Sonderprotokoll damit unnötig zu machen.

Nun ist die politische Welt durch das Sowjet- Ultimatum überrascht worden, durch den russischen Vorschlag an die polnische Regierung, die sofor­tige beiderseitige Unterzeichnung des Protokolls vorzunehmen. Sie soll am 7. Februar in Moskau vorgenommen werden und dazu sollen auch alle die Nandstaaten eingeladen werden, die Polen noch als Mitunterzeichner gewünscht hat. Von diesen aber hat Finnland inzwischen abgelehnt, während Litauen erst unterzeichnen will, wenn Polen vorauf-- gegangen ist. Die russische Situation rst durch diese diplomatischen Manöver recht begünstigt geworden, Polen muß jetzt endlich Farbe bekennen. Sie ist auch dadurch gestärkt worden, daß am 25. Januar em deutsch-russisches Schlichtungsab­kommen vereinbart worden ist, das die friedliche Lösung der zwischen den beiden Parteien etwa ent­stehenden Konflikte vorsieht. Es ist für Rußland das erste Abkommen dieser Art, weil, wie oben gesagt, die russische Regierung Schiedsverträgen grundsätzlich abgeneigt ist, da es für sie keine neutrale Schiedsinstanz gibt. Das deutsch-russische Schlichtungsabkommen hat hier einen Ausweg ge­sucht, dessen Zweckmäßigkeit noch erprobt werden muß. Die Polen werden diesen Vorgang in Rech­nung stellen, der ihre diplomatische Situation natür­lich sehr beeinflußt. Noch ist aber gänzlich un- sicher, tote sie den befristeten russischen Vorschlag behandeln werden. Noch ist völlig unklar, was der 7. Februar bedeuten soll, wenn die Polen etwa unter der Einwirkung ihrer westlichen Freunde eine weitere Verzögerung für zweckmäßig halten.

»

Die Nachrichten über die Ausweisung von Trotzki durch die Sowjet-Regierung und über die Absichten Trotzkis, nach Deutschland zu kommen, dürsten, soweit das Nachrichtenbüro des VD2. hört, mit g r ö ß t e r D o r s i ch t auszunehmen

sein. Es bildet sich mehr und mehr um Trotzki eine Legende. Zurzeit ist an deutschen zuständigen Stel­len nichts davon bekannt, daß Trotzki beabsichtigt, seinen Aufenthalt in Deutschland zu nehmen.

Aus den Parlamenten.

Reichstag.

V. D. Z. Berlin, 4. Febr. (Eig. Funkm.). Der Reichstag setzte heute im Haushaltsausschuß die Aussprache über den Nachtrag zum Haushalt des Reichssinanzministeriums fort. Für nachmittags ist der Aeltestenrat zu einer Sitzung vor dem Plenum einberufen worden.

Dem Reichstage ist ein Antrag der sozialdemo­kratischen Fraktion zugegangen, irr dem die Aus - dehnung der Krisenfürsorge auf alle Berufe und eine Verlängerung der Bezugsdauer auf 52 Wochen, für über 40 Jahre alte Unter­stützungsempfänger auf die ganze Dauer der Ar­beitslosigkeit verlangt wird.

Von der deutschnationalen Reichstagsfraktion wird in zwei dem Reichstag zugegangenen Anträgen die Erhöhung des Zollschutzes für Vieh und Fleisch, für Milch und Molkerei­produkte gefordert.

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V. D. Z. Berlin, 4. Februar. (Gig. Meld.). Die Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei hat eine Interpellation eingebracht, die sich mit den jüngsten Uebergiiffen fr anzösis cher Polizisten gegen den Mainzer Techniker Hensel beschäftigt.

Preußischer Landtag.

Der Preußische Landtag beendete am Samstag die Aussprache über den Domänenetat bis auf die Abstimmungen, die am nächsten Dienstag durch­geführt werden. Das Haus begann hierauf mit Der allgemeinen Aussprache zur zweiten Lesung des Haushalts der Fo-ftVerwaltung. Der Aus­schußberichterstatter Simon kam auch auf die An­griffe zu sprechen, Die gegen den Ministerpräsiden­ten wegen seiner Iagdausübung gerichtet worden waren: sie hätten sich als unwesentlich herausge- siellt. und gerade Dr. Braun habe als Heger des Waldes große Anerkennung gefunden.

Am Montag wird die Beratung fortgesetzt. Außerdem sott die Zweite Lesung des Haushalts des Innenministeriums beginnen.

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VDZ. Berlin, 4. Febr. (Eig. Funkm.) Der Preußische Landtag überwies heute zunächst einen wirtschaftsparteilichen Antrag gegen die schlechten Zustände in den Personenwagen der Reichsbahn dem Verkehrsausschuß und setzte dann die allgemeine Aussprache zum Forstetat Hort. Abg. Bartels (Sem.) verwies auf die Vermeh­rung der Einnahmen um 10 Millio­nen Mark gegen das Vorjahr, die auf die bes­seren Holzpreise zurückzuführen seien.

Braun antwortet Held.

In einer großen Presse-Konferenz hat der preu­ßische Ministerpräsident auf Die ungeschickten Aeußernngen, Die in München von feiten Des baye­rischen Ministerpräsidenten gegen Preußen gemacht worden waren, geantwortet.

In seiner Erklärung sagte der preußische Minister­präsident, daß die im Januar unter dem Vorsitz des Reichskanzlers abgehaltene Ministerkonferenz nach Ver­einbarung mit dem bayerischen Ministerpräsidenten von ihm angeregt worden sei. Es sollte dadurch der unan­genehmen Erscheinung abgeholfen werden, daß die ein­zelnen Länder ihre finanziellen Ansprüche gegen das Reich im Wege der Klage beim Staatsgerichtshof geltend machen. In der Konferenz gab der Vertreter des Reichs­finanzministeriums einen Ueberblick über die Forderun­gen der Länder. Bei Preußen erwähnte er an erster Stelle den Anspruch aus Entschädigung für Staatseigen­tum, das durch Auswirkung des Krieges verloren ging. Dieser Anspruch wird vom Reich auf 3% Milliarden ge­schätzt (davon erhalten 50 Millionen). Es folgen die Rest­kaufgelder aus dem Uebergang der preußischen Eisen­bahn auf das Reich mit 8 Milliarden Papiermark, sowie die Rückzahlung eines Barvorschusses zum Betrieb der Reichsbahn aus dem Jahr 1920, der mit Zinsen aus 35,7 Millionen Goldmark berechnet wird. Bei Bayern handelt es sich um 30 Millionen für das Saargebiet (da­von bereits erhalten 5,1 Millionen). 2. Restentschädi­gung für die Eisenbahn mit 560 Millionen Papiermark, 620 Millionen Papiermark für den Uebergang der Post, sowie Aufwertung der Sonderbiersteuer-Abfindung, da das Gesetz vom 9. April 1927 und die vorhergehenden Gesetze vom Staatsgerichtshof für ungültig erklärt feien. Bei S a ch f en handelt es sich um Eisenbahn-Reichsent- schädigung von 869 Millionen Papiermark, bei Würt­temberg um 1300 Millionen Papiermark Eisenbahn, 250 Millionen Post und eine ähnliche Sonderbiersteuer-Ab­findung wie bei Bayern. Bei Baden 565 Millionen Papiermark, Eisenbahn und Sonderbiersteuer-Abfin­dung, bei Hessen um 221 Millionen Papiermark, bei Mecklenburg-Schwerin um 25 Millionen, bei Oldenburg um 205 Millionen, ebenfalls für die Eisenbahn. In der Konferenz verlangten, so führte Ministerpräsident Braun aus, die Vertreter Bayerns die Priorität für ihre Ansprüche. Die Vertreter anderer Länder lehnten diesen Anspruch ab. Er selbst habe, um zu einem prakti­schen Ergebnis zu kommen, vorgeschlagen, die Eisenbahn­forderungen bis zu dem Zeitpunkt hinauszuschie» b en, wo die Reichsbahn wieder unter die freie Verfü­gungsgewalt der Reichsregierung komme. Da dieser Vor­schlag aus Widerspruch stieß, sei er nicht weiter verfolgt, vielmehr sei angeregt worden, die Reichsregierung möge nach der Aussprache auf der Konferenz einen Vorschlag ausarbeiten, der ihr im Hinblick auf die Reichsfinanzen tragbar erscheine, lieber diesen Vorschlag sollte dann in einer demnächst einzuberufenden Konferenz der Länder erneut beraten werden. Da die vereinbarte Vertraulich­keit von Bayern gebrochen fei. müsse er antworten, wo­bei er sich lediglich auf die Richtigstellung tatsächlicher Unrichtigkeiten beschränken wolle. ,Es ist behauptet wor­den, Preußen habe aus der Konferenz die allergröß- ten Schwierigkeiten gemacht, indem es neue Forderungen in die Debatte geworfen habe. Das ist unricktia. Ich bin vielmehr bemüht aeweken. entfvre-

chend der Vereinbarung, ine ich mit dem bayerischen Ministerpräsidenten getroffen hatte, das ganze schwierige Problem einer für Reich und Länder tragbaren Rege­lung entgegenzuführen. Ich habe mich allerdings nicht bereit finden lassen, anzuerkennen, daß die bayerischen Ansprüche allen anderen vorangestellt werden müßten. Weiter ist auf der bayerischen Pressekonferenz behauptet worden, daß Preußen im Laufe der Verhandlungen einen neuen Anspruch für verloren gegangenes Staats­vermögen in Höhe von 3% Milliarden erhoben hätte. Auch das entspricht nicht den Tatsachen. Diese Forde­rung an das Reich ist bereits im Jahre 1919 geltend ge­macht und durch ein Schreiben des Reichskanzlers der Preußischen Regierung mitgeteilt worden, daß das Reichskabinett diesen Anspruch anerkenne. Auch ist be­reits eine Abzahlung auf die Forderung geleistet worden.

Nach einer Schilderung der preußischen Verlusts wandte sich der Ministerpräsident gegen Helds Behaup­tung, daß Preußen „Bayerns Gegner" fei und durch Aushöhlungspolitik die Vernichtung der Länder herbei- tühren wolle. Cs fei zu bedauern, daß die preußen­feindliche Stimmung, die in Bayern Tradition zu fein scheine, von den verantwortlichen Staatsmännern noch durch unrichtige Behauptungen genährt werde. Im Hinblick auf die bedrängte Lage des Reiches und der Län­der sollte alles unterbleiben, was wie das Vorgehen der bayerischen Minister, geeignet sei, das Verhältnis zwi­schen den einzelnen Ländern und ihr Verhältnis zum Reiche zu trüben.

Aus London.wird gemeldet: Der durch dis Rede des bayerischen Ministerpräsidenten entstan­dene Zwischenfall wird in den Berliner Korre'fton- denz-Melbungen Der meisten englischen Blätter ausführlich behandelt, zum Teil mit mokanten Kommentaren versehen und ins Lächerliche gezogen. ,

Es ist unbegreiflich, Daß in München die au­ßenpolitische Tragweite Der Ministeräuße­rungen nicht richtig abgeschätzt worben ist.

hakenkreuzler und Straßenbahn.

In Essen fuhr auf der Bredeneyerstraße ein Straßenbahnzug der Linie 19 mit großer Oe- schwindigkeit in einen Trupp Hakenkreuzler. In­folge der Glätte und des abschüssigen Weges war es dem Wagenführer nicht möglich, rechtzeitig zu halten. Einem Teilnehmer wurde die Hose und einem anderen der Anzug zerrissen. Außerdem wurden vier Musikinstrumente zertrümmert. Als der Wagen hielt, drangen die Hakenkreuzler auf den Wagenführer ein. Zwei Polizeibeamten, die auf dem Wagen standen, und zwei Beamten, die Den, Zug begleiteten, gelang es, den Wogen zu schließen. Sie konnten aber nicht verhindern, Daß Die Zugteilnehmer mit ihren Instrumenten und Trommelstöcken die Scheiben des Straßenbabn- toagens zertrümmerten. Das herbeigerufene Ue- berfallkommando konnte die Hakenkreuzler ver­drängen und die Weiterfahrt des Wagens her» beiführen. Die Haupttäter und der Wagenführer wurden festgestellt. Der Zug Der Hakenkreuzler löste sich später auf. Nachträglich ttiirD noch mit« geteilt. Daß der Führer der Hakenkreuzler durch einen Stich in die linke Schulter verletzt sei. Eine unbekannte Person erhielt eine leichte Hautabschür­fung am rechten Knie.

Auslösung kommunistischer Umzüge.

Trotz Des Verbotes Des Berliner Polizeipräfi- Denten gegen Umzüge Der Kommunisten versuchte die Kommunistische Partei Umzüge in Berlin zu veranstalten. Dabei kam es in verschiedenen Teilen der Stadt zu Zusammenstößen mit der Po­lizei, die mehrere Trupps auflöste. In Tempel­hof wurde bei einem solchen Zusammenstoß der Re- viervorsteher Durch einen Faustschlag an einem Auge verletzt. Der Täter wurde festgenommen. Insgesamt sind etwa 100 Sistierungen von Kom­munisten wegen Widerstandes und Nichtbefolgung polizeilicher Anordnungen vorgenommen worden.

Die Wirren in Afghanistan.

TelegrapherttAgentur der Sowjetunion meldet aus Moskau: Nach einer Meldung aus Kabul hat die Vorhut der Stämme aus dem Bezirke von Dschelalabad die Ortschaft Budhak, 17 Kim. von Kabul entfernt, besetzt. Die Truppen Batscha-i-Sa- kaos sollen demoralisiert und die Mobilmachung mißlungen sein. Zahlreiche Anhänger Aman Ullahs seien verhaftet worden. In Kabul seien die Bazare geschlossen worden, und es herrsche großer Lebens­mittelmangel.

verkauf wertvoller Gemälde.

Aus Hoheuzollern-Besih?

Londoner „Sunday Times" berichtet an ihrer Hauptstelle über den Verkauf von Bildern aus Dem Besitz des ehemaligen Deutschen Kaisers in Höhe von 500 000 Pfund Sterling an Den engli­schen Kunsthändler Sir Joseph Duvsen. Unter Den Schätzen, Die, Dem Blatt zufolge, die hohenzollern- schen Sammlungen in Potsdam verlassen hätten, befinden sich die bekannten Gemälde Watteaus „Abfahrt nach Cythera" und „Französische Komö- Dianten". Ersteres sei für ungefähr 50 000 Pfund Sterling an Duvsen verkauft worden. Das größte Geheimnis habe Die Bemühungen des ehemaligen Kaisers, Bilder aus Den hohen,zollernschen Kunst­sammlungen zu veräußern, während der letzten Monate umgeben. Duvsen habe die „Abfahrt nach Cythera", „"Französische Komödianten" und wei­tere Watteaus sowie einen Rubens nach den Vereinigten Staaten verschickt, wo die „Französischen Komödianten" von Jules Bache an­gekauft worden seien.

* Parker (Bit erk in Paris leicht erkrankt. Aus Paris wird gemeldet: Der General-Agent für Reparationszahlungen, Parker Gilbert, ist an Grippe leicht erkrankt. Er hütet das Zimmer und wird vielleicht feine Abreise nach Berlin über Mon­tau hinaus verschieben müssen.