FuloaerZertung
Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblakt.
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Dienstag, 5. Februar 1929.
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SO.Zahrg.
Fortgang in der
totb. Köln, 3. Febr. (Eig. Meld.). Wie der lömische Vertreter der Kölnischen Volkszeitung von vohlinformierter Seite erfährt, ist bei den geheimen Verhandlungen zur Lösung der römischen Zrage am 14. Januar ein weiteres Protokoll unterzeichnet worden. Der Fortschritt n den Verhandlungen vollzieht sich begreiflichev- veise langsam, in Etappen, sodaß man in hohen iirchlichen Kreisen auch jetzt noch das Wort „Lö- ung der römischen Frage" als voreilig betrachtet md einstweilen nur hofft, zu einem „modus vivendi" jii gelangen, der dann allerdings als Ausgangs- mnkt endgültiger Abmachungen anzusehen wäre.
Vie Minderheitenfrage.
Zur Minderheitenfrage veröffentlicht das Ge- keralsekretariat des Völkerbundes soeben folgende lWtteilung:
Der Generalsekretär des Völkerbundes hat einen Brief des deutschen Ratsmitgliedes Dr. Stresemann trhalten, in dem in Uebereinstimmung mit der von Herrn Dr. Stresemann in der Ratssitzung vom 15. oezember in Lugano abgegebenen Erklärung «rum ersucht wild, folgende Frage auf die Tages- ndnung des Rats zu setzen:
»Die Garantie des Völkerbundes für die Be- limmungen zum Schutze der Minderheiten."
Infolgedessen hat der Generalsekretär diese Drage auf die vorläufige Tagesordnung der näch. ren Ratssitzung, die am 4. März in Genf beginnt, »efetzt.
Wie man weiß, ist andererseits auf Antrag des kanadischen Ratsmitgliedes Dandurand „die Frage res bei Minderheitenpetiticmen anzugebenden Der- lahrens" auf die Tagesordnung der 54. Ratstagung gefetzt worden.
Die Vorgänge in Spanien.
Havas meldet aus Ciudad Real, die Untersuchung über den Aufstandsversuch werde bald abgeschlossen sein. Von der militärischen Un- lersuchungsbehörde seien der Präsident des Provinzialrates sowie andere höhere Beamte verhört wor- den. Sechs der verhafteten Offiziere seien wieder in Freiheit gesetzt worden. Im übrigen würden die Vergünstigungen der politischen Haft bewilligt. Der Zivilgouverneur von Ciudad Real sei vom Innenminister nach Madrid berufen worden.
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Dem „Journal wird aus Madrid gemeldet: Infolge der ausValencia gekommen ernstenNachrichten fand im Kriegsministerium ein eiligst zusammenberufener Kabinettsrat statt, während der Innenminister eine Beratung mit den Direktoren der Sicherheitspolizei abhielt. Der „Journal"-Korre- spondent in Madrid will in der Lage sein, über die Ereignisse in Valencia folgende Gerüchte wiedergeben zu können:
Ein Offizier im Generalsrang habe an der spitze eines Teiles der Truppen der Garnison Va- encia versucht, Sanchez Guerra zu be* r C ’ Aber Streitkräfte benachbarter Garni- onen hatten eingegriffen und seien der Aufständi- ?en Herr geworden. Es sei jedoch Blut geflossen. Im 10 Uhr gestern abend seien die Führer der Armeekorps der Garnison Madrid zusammenberufen worden, um die Mitteilung neuer Nachrichten aus xalencra entgegenzunehmen, und bäten dem König Treue geschworen. Angesichts der gegenwärtigen Lage werde der frühere Ministerpräsident Sanchez Guerra von dem Obersten Gerichtshof abgeurteilt werden. Die Lage sei ein keiner Weise geklärt. Die Truppen aller Garnisonen würden in Kasernen in Bereitschaft gehalten: die Z e n s u r werde strenge'- denn je durchgeführt, und dies erscheine umso notwendiger, als auch innerhalb der Marine eine gewisse Erregung sich feststellen lasse.
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< Eine der Presse übermittelte halbamtliche Ver- kautbarung besagt, die Regierung habe dunkle aber beachtliche Nachrichten empfangen und habe deshalb, um tatkräftig in den Gang der Ereignisse einzugreifen, beschlossen, den Generalleutnant Sun- iurje mit der Ermächtigung nach Valencia zu entsenden, alle Zivil- und Militärbehörden, die nicht unbedingt zuverlässig seien, abzusetzen und neue (Ernennungen vorzunehmen. In her Garnison von Valencia sei die Disziplin größtenteils ausgezeichnet. Die Regierung glaube immerhin, im vinne der öffentlichen Meinung zu handeln, wenn ne die notwendigen Maßnahmen treffe, um nicht nur die Ordnung, sondern auch die im gegenwärtigen Augenblick erforderliche öffentliche Ruhe aufrecht zu erhalten.
Der fiebenfe Februar.
/ Es ist kein Ultimatum im herkömmlichen kriegandrohenden Sinne und doch trägt es offenbar ultimativen Charakter, was der russische Außenkommissar Litwinow am 1. Februar dem polnischen Gesandten Patek in Moskau vorgeschlagen hat. Seit Anfang Januar gibt es sehr zugespitzte Auseinandersetzungen zwischen Rußland und Polen über die Ratifizierung des Keiloggpaktes, Auseinandersetzungen, die jetzt Litwinow auf den <• Februar befristet hat, ohne allerdings zu sagen Mas geschehen soll, wenn Polen den russischen Vorschlägen nicht entgegenkommt. So steht hinter der Fristsetzung „bis zum 7. Februar" für die politische Welt ein großes Fragezeichen. Man liest don einem russischen Ultimatum ohne zu wissen, was geschehen soll oder geschehen kann, wenn es verpufft.
Der Lauf der Dinge sei kurz ins Gedächtnis tmücklieriiien-, Am 29. September liefe Litwinow
römischen Frage.
der polnischen und litauischen Regierung den Vorschlag zugehen, durch ein besonderes Protokoll den Kelloggpakt unabhängig von dessen Ratifizierung durch die anderen Staaten für Rußland und Polen (auch Litauen) sofort wirksam werden zu lassen. Man hat sehr eingehend nach den Gründen geforscht, die solchen Schritt nahelegten, und eine Reihe von Mutmaßungen aufgestellt. Die kommunistische „Rote Fahne" in Berlin scheint den wichtigsten Zweck darin zu suchen, die angebliche Friedenspolitik der kapitalistischen Staaten in ihrem heuchlerischen Charakter zü entlarven. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die Moskauer Regierung einen solchen Erfolg von mehr negativer Bedeutung beabsichtigt, näher aber liegt die Annahme, daß sie tatsächlich den westlichen Nachbar aus seine Friedensversicherungen und Friedensabmachungen verpflichten will, denn die Moskauer Machthaber können angesichts der wirtschaftlichen Nöte, in denen sie sich befanden und die die Konsolidierung des Sowjeffystems so ungemein erschweren, einen festen Friedenszustand sehr wohl gebrauchen. Man darf ja auch nicht übersehen, daß Rußland seinen Vorschlag in einem Augenblick machte, als die Ratifikation durch die Vereinigten Staaten noch nicht erfolgt war. Offenbar hatte die Sowjetregierung mit der Möglichkeit gerechnet, daß die Ratifizierung des Kelloggpaktes durch die vierzehn Erstunterzeichner so lange hinausgezögert werden würde, daß bis dahin allerhand ausgedehnte diplomatische oder militärische Kriegsvorbereitungen getroffen toerbeti könnten. Solcher Möglichkeit mußte sie zuvorkommen und, wenn sie auch zweifelsohne nicht an die Ehrlichkeit der internationalen Friedensabmachungen glaubt, dann doch versuchen, sich diese nutzbar zu machen und die Heuchler in den selbstgelegten Netzen zu fangen. Denn Rußland glaubt an europäische Kriegsvorbereitungen zur Stürzung des Sowjetsystems und lebt infolgedessen in einem fortwährenden diplomatischen Alarmzustand.
Litauen antwortete auf das russische Angebot sofort zustimmend, während die polnische Regierung Ausflüchte suchte'. Es besteht ein polnisch- rumänr'sch es Bündnis mit der Tendenz gegen Rußland. Dieses nahm Polen zum Anlaß, um zunächst einmal m Rumänien zu sondieren, was man dorr zu dem russischen Angebot zu lagen habe. Nach langem mißtrauischen Zögern erclärte sich Rumänien, obwohl es von Rußland nicht darum gefragt -worben war, bereit-, mr'c Polen das gewünschte Protokoll zu unser?-?schnen unter der Bedingung, day ver bisherige Zustand hinsichtlich der besf arabischen Frage nicht zur Debatte gestellt werde. Am 11. Januar erfolgte die polnische Antwort, die den russischen Vorschlag grundsätzlich annahm, aber unter der Voraussetzung, daß auch die baltischen Staaten und Rumänien dem Protokoll beitreten würden. Natürlich hatte Warschau in Paris angefragt, wo noch ganz andere Ueberlegungen angestellt wurden, um eine glatte Annahme des russischen Angebotes hinauszuschieben. Dort warf man den Gegenvorschlag eines Nichtangriffspakts mit Schiedsgerichtsverpflichtungen in die Debatte, um die russisch-polnischen Verhandlungen auf eine Bahn zu schieben, auf die Rußland wegen der einzigartigen Struktur feiner Politik und seines Staates nicht folgen konnte. Litwinow hat den Polen bereits an 12. Januar geantwortet und deren Bedingungen angenommen. Die Warschauer Regierung konnte nun nicht anders mehr, als in einer Note vom 21. Januar ihre Bereitwilligkeit zu erklären, die Verhandlungen über die Einzelheiten der Unterzeichnung aufzunehmen. Sofort legte Litwinow dem polnischen Gesandten einen Vorschlag über die Verhandlungsmethode vor. Geschehen war aber inzwischen nichts mehr als höchstens das Entstehen einer größeren Eile der Pariser Signatarmächte, die Ratifikation des Kelloggpaktes zu beschleunigen, offenbar in dem Gedanken, das russischpolnische Sonderprotokoll damit unnötig zu machen.
Nun ist die politische Welt durch das Sowjet- Ultimatum überrascht worden, durch den russischen Vorschlag an die polnische Regierung, die sofortige beiderseitige Unterzeichnung des Protokolls vorzunehmen. Sie soll am 7. Februar in Moskau vorgenommen werden und dazu sollen auch alle die Nandstaaten eingeladen werden, die Polen noch als Mitunterzeichner gewünscht hat. Von diesen aber hat Finnland inzwischen abgelehnt, während Litauen erst unterzeichnen will, wenn Polen vorauf-- gegangen ist. Die russische Situation rst durch diese diplomatischen Manöver recht begünstigt geworden, Polen muß jetzt endlich Farbe bekennen. Sie ist auch dadurch gestärkt worden, daß am 25. Januar em deutsch-russisches Schlichtungsabkommen vereinbart worden ist, das die friedliche Lösung der zwischen den beiden Parteien etwa entstehenden Konflikte vorsieht. Es ist für Rußland das erste Abkommen dieser Art, weil, wie oben gesagt, die russische Regierung Schiedsverträgen grundsätzlich abgeneigt ist, da es für sie keine neutrale Schiedsinstanz gibt. Das deutsch-russische Schlichtungsabkommen hat hier einen Ausweg gesucht, dessen Zweckmäßigkeit noch erprobt werden muß. Die Polen werden diesen Vorgang in Rechnung stellen, der ihre diplomatische Situation natürlich sehr beeinflußt. Noch ist aber gänzlich un- sicher, tote sie den befristeten russischen Vorschlag behandeln werden. Noch ist völlig unklar, was der 7. Februar bedeuten soll, wenn die Polen etwa unter der Einwirkung ihrer westlichen Freunde eine weitere Verzögerung für zweckmäßig halten.
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Die Nachrichten über die Ausweisung von Trotzki durch die Sowjet-Regierung und über die Absichten Trotzkis, nach Deutschland zu kommen, dürsten, soweit das Nachrichtenbüro des VD2. hört, mit g r ö ß t e r D o r s i ch t auszunehmen
sein. Es bildet sich mehr und mehr um Trotzki eine Legende. Zurzeit ist an deutschen zuständigen Stellen nichts davon bekannt, daß Trotzki beabsichtigt, seinen Aufenthalt in Deutschland zu nehmen.
Aus den Parlamenten.
Reichstag.
V. D. Z. Berlin, 4. Febr. (Eig. Funkm.). Der Reichstag setzte heute im Haushaltsausschuß die Aussprache über den Nachtrag zum Haushalt des Reichssinanzministeriums fort. Für nachmittags ist der Aeltestenrat zu einer Sitzung vor dem Plenum einberufen worden.
Dem Reichstage ist ein Antrag der sozialdemokratischen Fraktion zugegangen, irr dem die Aus - dehnung der Krisenfürsorge auf alle Berufe und eine Verlängerung der Bezugsdauer auf 52 Wochen, für über 40 Jahre alte Unterstützungsempfänger auf die ganze Dauer der Arbeitslosigkeit verlangt wird.
Von der deutschnationalen Reichstagsfraktion wird in zwei dem Reichstag zugegangenen Anträgen die Erhöhung des Zollschutzes für Vieh und Fleisch, für Milch und Molkereiprodukte gefordert.
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V. D. Z. Berlin, 4. Februar. (Gig. Meld.). Die Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei hat eine Interpellation eingebracht, die sich mit den jüngsten Uebergiiffen fr anzösis cher Polizisten gegen den Mainzer Techniker Hensel beschäftigt.
Preußischer Landtag.
Der Preußische Landtag beendete am Samstag die Aussprache über den Domänenetat bis auf die Abstimmungen, die am nächsten Dienstag durchgeführt werden. Das Haus begann hierauf mit Der allgemeinen Aussprache zur zweiten Lesung des Haushalts der Fo-ftVerwaltung. Der Ausschußberichterstatter Simon kam auch auf die Angriffe zu sprechen, Die gegen den Ministerpräsidenten wegen seiner Iagdausübung gerichtet worden waren: sie hätten sich als unwesentlich herausge- siellt. und gerade Dr. Braun habe als Heger des Waldes große Anerkennung gefunden.
Am Montag wird die Beratung fortgesetzt. Außerdem sott die Zweite Lesung des Haushalts des Innenministeriums beginnen.
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VDZ. Berlin, 4. Febr. (Eig. Funkm.) Der Preußische Landtag überwies heute zunächst einen wirtschaftsparteilichen Antrag gegen die schlechten Zustände in den Personenwagen der Reichsbahn dem Verkehrsausschuß und setzte dann die allgemeine Aussprache zum Forstetat Hort. Abg. Bartels (Sem.) verwies auf die Vermehrung der Einnahmen um 10 Millionen Mark gegen das Vorjahr, die auf die besseren Holzpreise zurückzuführen seien.
Braun antwortet Held.
In einer großen Presse-Konferenz hat der preußische Ministerpräsident auf Die ungeschickten Aeußernngen, Die in München von feiten Des bayerischen Ministerpräsidenten gegen Preußen gemacht worden waren, geantwortet.
In seiner Erklärung sagte der preußische Ministerpräsident, daß die im Januar unter dem Vorsitz des Reichskanzlers abgehaltene Ministerkonferenz nach Vereinbarung mit dem bayerischen Ministerpräsidenten von ihm angeregt worden sei. Es sollte dadurch der unangenehmen Erscheinung abgeholfen werden, daß die einzelnen Länder ihre finanziellen Ansprüche gegen das Reich im Wege der Klage beim Staatsgerichtshof geltend machen. In der Konferenz gab der Vertreter des Reichsfinanzministeriums einen Ueberblick über die Forderungen der Länder. Bei Preußen erwähnte er an erster Stelle den Anspruch aus Entschädigung für Staatseigentum, das durch Auswirkung des Krieges verloren ging. Dieser Anspruch wird vom Reich auf 3% Milliarden geschätzt (davon erhalten 50 Millionen). Es folgen die Restkaufgelder aus dem Uebergang der preußischen Eisenbahn auf das Reich mit 8 Milliarden Papiermark, sowie die Rückzahlung eines Barvorschusses zum Betrieb der Reichsbahn aus dem Jahr 1920, der mit Zinsen aus 35,7 Millionen Goldmark berechnet wird. Bei Bayern handelt es sich um 30 Millionen für das Saargebiet (davon bereits erhalten 5,1 Millionen). 2. Restentschädigung für die Eisenbahn mit 560 Millionen Papiermark, 620 Millionen Papiermark für den Uebergang der Post, sowie Aufwertung der Sonderbiersteuer-Abfindung, da das Gesetz vom 9. April 1927 und die vorhergehenden Gesetze vom Staatsgerichtshof für ungültig erklärt feien. Bei S a ch f en handelt es sich um Eisenbahn-Reichsent- schädigung von 869 Millionen Papiermark, bei Württemberg um 1300 Millionen Papiermark Eisenbahn, 250 Millionen Post und eine ähnliche Sonderbiersteuer-Abfindung wie bei Bayern. Bei Baden 565 Millionen Papiermark, Eisenbahn und Sonderbiersteuer-Abfindung, bei Hessen um 221 Millionen Papiermark, bei Mecklenburg-Schwerin um 25 Millionen, bei Oldenburg um 205 Millionen, ebenfalls für die Eisenbahn. In der Konferenz verlangten, so führte Ministerpräsident Braun aus, die Vertreter Bayerns die Priorität für ihre Ansprüche. Die Vertreter anderer Länder lehnten diesen Anspruch ab. Er selbst habe, um zu einem praktischen Ergebnis zu kommen, vorgeschlagen, die Eisenbahnforderungen bis zu dem Zeitpunkt hinauszuschie» b en, wo die Reichsbahn wieder unter die freie Verfügungsgewalt der Reichsregierung komme. Da dieser Vorschlag aus Widerspruch stieß, sei er nicht weiter verfolgt, vielmehr sei angeregt worden, die Reichsregierung möge nach der Aussprache auf der Konferenz einen Vorschlag ausarbeiten, der ihr im Hinblick auf die Reichsfinanzen tragbar erscheine, lieber diesen Vorschlag sollte dann in einer demnächst einzuberufenden Konferenz der Länder erneut beraten werden. Da die vereinbarte Vertraulichkeit von Bayern gebrochen fei. müsse er antworten, wobei er sich lediglich auf die Richtigstellung tatsächlicher Unrichtigkeiten beschränken wolle. ,Es ist behauptet worden, Preußen habe aus der Konferenz die allergröß- ten Schwierigkeiten gemacht, indem es neue Forderungen in die Debatte geworfen habe. Das ist unricktia. Ich bin vielmehr bemüht aeweken. entfvre-
chend der Vereinbarung, ine ich mit dem bayerischen Ministerpräsidenten getroffen hatte, das ganze schwierige Problem einer für Reich und Länder tragbaren Regelung entgegenzuführen. Ich habe mich allerdings nicht bereit finden lassen, anzuerkennen, daß die bayerischen Ansprüche allen anderen vorangestellt werden müßten. Weiter ist auf der bayerischen Pressekonferenz behauptet worden, daß Preußen im Laufe der Verhandlungen einen neuen Anspruch für verloren gegangenes Staatsvermögen in Höhe von 3% Milliarden erhoben hätte. Auch das entspricht nicht den Tatsachen. Diese Forderung an das Reich ist bereits im Jahre 1919 geltend gemacht und durch ein Schreiben des Reichskanzlers der Preußischen Regierung mitgeteilt worden, daß das Reichskabinett diesen Anspruch anerkenne. Auch ist bereits eine Abzahlung auf die Forderung geleistet worden.
Nach einer Schilderung der preußischen Verlusts wandte sich der Ministerpräsident gegen Helds Behauptung, daß Preußen „Bayerns Gegner" fei und durch Aushöhlungspolitik die Vernichtung der Länder herbei- tühren wolle. Cs fei zu bedauern, daß die preußenfeindliche Stimmung, die in Bayern Tradition zu fein scheine, von den verantwortlichen Staatsmännern noch durch unrichtige Behauptungen genährt werde. Im Hinblick auf die bedrängte Lage des Reiches und der Länder sollte alles unterbleiben, was wie das Vorgehen der bayerischen Minister, geeignet sei, das Verhältnis zwischen den einzelnen Ländern und ihr Verhältnis zum Reiche zu trüben.
Aus London.wird gemeldet: Der durch dis Rede des bayerischen Ministerpräsidenten entstandene Zwischenfall wird in den Berliner Korre'fton- denz-Melbungen Der meisten englischen Blätter ausführlich behandelt, zum Teil mit mokanten Kommentaren versehen und ins Lächerliche gezogen. ,
Es ist unbegreiflich, Daß in München die außenpolitische Tragweite Der Ministeräußerungen nicht richtig abgeschätzt worben ist.
hakenkreuzler und Straßenbahn.
In Essen fuhr auf der Bredeneyerstraße ein Straßenbahnzug der Linie 19 mit großer Oe- schwindigkeit in einen Trupp Hakenkreuzler. Infolge der Glätte und des abschüssigen Weges war es dem Wagenführer nicht möglich, rechtzeitig zu halten. Einem Teilnehmer wurde die Hose und einem anderen der Anzug zerrissen. Außerdem wurden vier Musikinstrumente zertrümmert. Als der Wagen hielt, drangen die Hakenkreuzler auf den Wagenführer ein. Zwei Polizeibeamten, die auf dem Wagen standen, und zwei Beamten, die Den, Zug begleiteten, gelang es, den Wogen zu schließen. Sie konnten aber nicht verhindern, Daß Die Zugteilnehmer mit ihren Instrumenten und Trommelstöcken die Scheiben des Straßenbabn- toagens zertrümmerten. Das herbeigerufene Ue- berfallkommando konnte die Hakenkreuzler verdrängen und die Weiterfahrt des Wagens her» beiführen. Die Haupttäter und der Wagenführer wurden festgestellt. Der Zug Der Hakenkreuzler löste sich später auf. Nachträglich ttiirD noch mit« geteilt. Daß der Führer der Hakenkreuzler durch einen Stich in die linke Schulter verletzt sei. Eine unbekannte Person erhielt eine leichte Hautabschürfung am rechten Knie.
Auslösung kommunistischer Umzüge.
Trotz Des Verbotes Des Berliner Polizeipräfi- Denten gegen Umzüge Der Kommunisten versuchte die Kommunistische Partei Umzüge in Berlin zu veranstalten. Dabei kam es in verschiedenen Teilen der Stadt zu Zusammenstößen mit der Polizei, die mehrere Trupps auflöste. In Tempelhof wurde bei einem solchen Zusammenstoß der Re- viervorsteher Durch einen Faustschlag an einem Auge verletzt. Der Täter wurde festgenommen. Insgesamt sind etwa 100 Sistierungen von Kommunisten wegen Widerstandes und Nichtbefolgung polizeilicher Anordnungen vorgenommen worden.
Die Wirren in Afghanistan.
TelegrapherttAgentur der Sowjetunion meldet aus Moskau: Nach einer Meldung aus Kabul hat die Vorhut der Stämme aus dem Bezirke von Dschelalabad die Ortschaft Budhak, 17 Kim. von Kabul entfernt, besetzt. Die Truppen Batscha-i-Sa- kaos sollen demoralisiert und die Mobilmachung mißlungen sein. Zahlreiche Anhänger Aman Ullahs seien verhaftet worden. In Kabul seien die Bazare geschlossen worden, und es herrsche großer Lebensmittelmangel.
verkauf wertvoller Gemälde.
Aus Hoheuzollern-Besih?
Londoner „Sunday Times" berichtet an ihrer Hauptstelle über den Verkauf von Bildern aus Dem Besitz des ehemaligen Deutschen Kaisers in Höhe von 500 000 Pfund Sterling an Den englischen Kunsthändler Sir Joseph Duvsen. Unter Den Schätzen, Die, Dem Blatt zufolge, die hohenzollern- schen Sammlungen in Potsdam verlassen hätten, befinden sich die bekannten Gemälde Watteaus „Abfahrt nach Cythera" und „Französische Komö- Dianten". Ersteres sei für ungefähr 50 000 Pfund Sterling an Duvsen verkauft worden. Das größte Geheimnis habe Die Bemühungen des ehemaligen Kaisers, Bilder aus Den hohen,zollernschen Kunstsammlungen zu veräußern, während der letzten Monate umgeben. Duvsen habe die „Abfahrt nach Cythera", „"Französische Komödianten" und weitere Watteaus sowie einen Rubens nach den Vereinigten Staaten verschickt, wo die „Französischen Komödianten" von Jules Bache angekauft worden seien.
* Parker (Bit erk in Paris leicht erkrankt. Aus Paris wird gemeldet: Der General-Agent für Reparationszahlungen, Parker Gilbert, ist an Grippe leicht erkrankt. Er hütet das Zimmer und wird vielleicht feine Abreise nach Berlin über Montau hinaus verschieben müssen.