Nr. 29.
Zuldaer Zeitung (Amtliches Kreisblatt).
Sonntag, 3. Februar 1929.
Heimat
L—-— ---»
Fulda, den 2. Februar 1929.
Zum Nommunalgesetz.
Das VDZ-Büro meldet: Der Gemeindeausschuß Preußischen Landtages beschäftigte sich am Freitag nachmittag erneut mit dem Antrag auf §e)tberung des Gesetzes über die Festsetzung der Kemeindewahlen, der am Freitag zur nochmaligen Prüfung der beschlossenen Ausschußfassung an den Ausschuß zurückverwiesen war. Der Beschluß wurde dahin geändert, daß die Verlängerung der Amtszeit an die Zustimmung des Stelleninhabers geknüpft wird, daß ferner die Verlängerung von einem Beschluß der Gemeindevertretung abhängig gemacht wird und daß die vorher beschlossene M u ß-Vorschrift in eine a n n = Vorschrift verwandelt wird. Durch dies« Neufassung wird erreicht, daß da, wo bei dem Ablauf einer Wahlperiode für die Neubesetzung keine Zweidrittelmehrheit aufgebracht wird, der bisherige Inhaber durch einfache Mehrheit mit der Weiterführung betraut werden kann, wenn er einverstanden ist. Wenn ein Einverständnis nicht vorliegt, so müßte ein Kommissar bestellt werden. Der neue Beschluß wird voraussichtlich anfangs nächster Woche vor Beginn der zweiten Beratung des Ministeriums des Innern das Plenum des Landtages beschäftigen.
Personennachrichken.
In Hanau verstarb der in weiteren Kreisen bekannte Sanitätsrat Dr. Kittsteiner. Er erlag im Alter von 66 Jahren einem Herzschlag, während er einen nächtlichen Krankenbesuch machte. Kittsteiner hat während des Krieges als Chefarzt dem Hanauer Garnisonlazarett 1 vorgestanden. Er war Spezialist für Leber und Gallenblase. Hervorgetreten ist er auch im Sanitätskolonnenwesen. Dom Aim-nzamt Fulda.
Auf die öffentliche Aufforderung zur A b g a b e von Steuererklärungen für die Früh- fahrsveranlagung 1929. werden die für die Frühjahrsveranlagung 1929 in Betracht kommenden Steuerpflichtigen besonders hingewiesen.
Steuerkalender der Stadtkasse.
Im Monat Februar 1929 find folgende Steuern urtd Abgaben an die Stadtkasse zu zahlen: Am 15. Februar 1929 (ohne Schonfrist). 1. Grund- vermögensstsuer für Februar 1929. 2. Hauszinssteuer für Februar 1929. 3. Gewerbeertragssteuer und Handelskammerbeitrag für 4. Vierteljahr 1928. 4. Kanalbenutzunas- und Müllabfuhrgebühr für 4. Vierteljahr 1928. 5. Hundesteuer für 4. Vierteljahr 1928. 6. Waffergeld für 3. Vierteljahr 1928.
Von den Steuern, die nach dem 15. Februar 1929 zur Einzahlung gelangen, kommen 10 Prozent Jahreszinsen als Verzugszinsen zur Erhebung.
Die Kälkewelle.
Heute nacht sank die Quecksilbersäule auf — 16 Grad Celsius. Seit Donnerstag abend ist ganz Deutschland von einer strengen Kältewelle erfaßt worden. Die Temperaturen sind über Nacht bei klarstem Himmel bis zu 28 Grad unter Null in den östlichen Gegenden gefallen. Ost- oberfchlefien imd Schlesien melden 28 Grad. In Königsberg ist 24 Grad gemessen worden, in München 17 und in Frankfurt a. M 11 Grad, Aachen dagegen nur 1 Grad minus. An der Westlichen Grenze Deutschlands schneiden die Temperaturen, wie mit dem Messer ab. Frankreich hat regnerisches Wetter und bis 11 Grad Wärme. Zur Erklärung über diesen ungeheuren Kälteeinbruch über Deutschland läßt sich kurz sagen, daß ein eisiges Hochdruckgebiet, das über Rußland festsitzt, nach dem Westen vorgestoßen ist und mit gewaltiger Kraft die aufgenommenen wärmeren Tiefs verdrängt hat. Nach neuesten Meldungen haben in den letzten Stunden der vergangenen Nacht die Temperaturen in Osteuropa einen ganz außer
ordentlichen Tiefstand. Die tiefsten Minima verzeichneten B u d w e i s und Deutschbrod m i t — 31 Grad Celsius, Klattau mit — 28, Mis- lowitz mit — 27, Troppau mit — 26, Preßburg mit — 25, Prag-Carlshos mit — 24 Grad Celsius. Die bisher niedrigste Februartemperatur in Prag wurde im Jahre 1893 mit — 22.4 Grad Celsius verzeichnet. — Von wetterkundiger Seite erfahren wir, daß auch in den nächst en 1 — 2 Tagen noch mit ähnlich tiefen Temperaturen zu rechnen fein widr. Dann rechnet man mit einer Milderung des Wetters, jedoch nicht mit Tauwetter. Die Aussicht auf Tauwetter, die im Laufe des gestrigen Tages bestand, scheint aufgrund der bisher aufgenommenen Wetterkarten ganz verschwunden zu fein.
Erleichtert dem Arzt die Arbeit durch frühzeitiges Bestellen;
Der Aerzteverein für die Kreise Fulda-Gersfeld- Hünfekd bittet uns um Aufnahme folgender Zeilen: Die auch in diesem Jahre sich häufenden Erkrankungen der Atmungsorgane (sogenannten Erkältungskrankheiten und Grippefälle) stellen an die Leistungsfähigkeit der Aerztefchaft naturgemäß große Anforderungen. Um diesen genügen zu können, ist es für den einzelnen Arzt notwendig, feine Arbeitszeit richtig zu verwerten; das liegt auch im Interesse der Kranken, die sich selbst schaden, wenn sie dem Arzt die Erfüllung, seiner Pflichten erschweren. Man bestelle daher den ärztlichen Besuch sofort morgens, spätestens aber bis 10 Uhr. Selbstverständlich wird dies bei plötzlichem Auftreten krankhafter Erscheinungen nicht möglich sein; im allgemeinen aber läßt sich ein rechtzeitiges Benachrichtigen des Arztes doch durchführen, der dadurch in der Lage ist, feine Besuchswege richtig zu legen und dadurch viel Zeit zu sparen. Diese Bitte der Aerzte ist eine alte, die auch schon in den Krankenordnungen der Krankenkassen ihren NiedersMag gefunden hot. In Zeiten wie den augenblicklichen mit ihren gehäuften Erkrankungsfällen muß sie aber noch einmal wieder besonders eindringlich ausgesprochen werden.
Jäger, füllert das wild.
Wer Stadt und Dorf verläßt, kann jetzt an den traurigsten Bildern die furchtbare Not des Wildes erkennen. Da schreien Rebhühner mit gepulster- tem Gefieder vor Hunger, dort koppeln im matten Zustande Hasen an den Zäunen der Obstgärten entlang, im Walde knabbern abgemagerte Rehe die Rinden der Laubbäume und die Knospen der Sträucher ab. Mitunter erblickt man auch die Federn eines abgezausten Birkhuhns oder Balgfetzen eines zerrissenen Hasen Verendete und gerissene Rehe sind keine Seltenheit. Der Fuchs hält Ernte. Marder, Wiesel und Krähen, streunende Hunde und Katzen wetteifern mit ihnen. In dieser Zeit erwächst für jeden tierliebenden Jäger die Pflicht, sich des Wildes anzunehmen und ihm über feine hart Zeit hinwegzuhelfen.
von den Handwerkskammern.
Die 13 westdeutschen Handwerkskammern verhandelten am 29. Januar in Köln über eine Reihe wichtiger schwebender Fragen. Der Entwurf eines Steuervereinheitlichungsgefetzes wurde in feiner Tendenz, Vereinheitlichung und Vereinfachung herbeizuführen, begrüßt. Eine Reihe von Bestimmungen sind für das Handwerk unannehmbar. Bezüglich der Handwerksnovelle, die im Reichstag zur 2. Lesung kommt, stellten sich die Handwerkskammern im großen und ganzen auf den Boden der Kommisfionsbefchlüffe und lehnten die in letzter Stunde noch eingegangenen süddeutschen Abänderungsanträge ab. Einen breiten Raum in den Verhandlungen nahm die Besprechung der Frage einer Altersversorgung des Handwerks ein. Die Einbeziehung des selbständigen Handwerks in die Sozialversicherung wird abgelehnt. Die Einrichtung einer Versicherung auf dem Wege über das Umlagerecht der Handwerkskammern hat sich als finanziell unträgbar erwiesen. Die einzige Möglichkeit, denjenigen, die finanziell nicht in der Lage sind, freiwillig eine Versicherung einzugehen, int Alter zu helfen, besteht darin, daß
bet den Organisationen des Handwerks allmählich Fonds angesammelt werden.
Das Handwerk ist zur Zeit ernsthaft bemüht, die allgemein geforderte Rationalisierung auch auf seine Belange anzuwenden. Es wird zur Zeit geprüft, ob die Organisation des Handwerks nicht übersetzt ist. Wenn ja, müssen die Folgerungen gezogen werden.
Bei der Spitzenvertretung des Handwerks ist ein besonderes Bildungsreferat eingerichtet worden, an dessen Arbeiten auch ein Vertreter des westdeutschen Handwerkskammertages beteiligt ist. Der Zweck der Einrichtung ist, Erzielung größtmöglicher Einheitlichkeit in allen Fragen, die die Vorbildung, die Ausbildung und die Fortbildung des jungen Handwerkers betreffen.
Zu dem Entwurf einer Novelle zu Titel II—V der Reichsgewerbeordnung stellten die Handwerkskammern mit Bedauern fest, daß die meisten der von ihnen zu einem früheren Entwurf gestellten Abänderungsanträge nicht berücksichtigt worden sind. Es handelt sich um Wandergewerbe, Wanderlager, Marktverkehr usw.
Schließlich faßten die Kammern den Beschluß, eine Gemeinschaftswerbung für das westdeutsche Handwerk im Zusammengehen mit verwandten Berufsständen einzurichten.
Der Sonderzug nach Kassel.
Am Sonntag, den 3. Februar 1929, verkehrt Verwaltungsfonderzug Nr. 65/66 3. Klasse von Fulda nach Kassel und zurück in folgendem Plane: Fulda ab 11.00, Hersfeld an 11.42, Hersfeld ab 11.44, Bebra an 11.58, Bebra ab 12.00, Kassel an 13.05; Kassel ab 19.10, Bebra an 20.10, Bebra ab 20.11, Hersfeld an 20.27, Hersfeld ab 20.28, Fulda an 21. 11. Die Züge können von Reisenden mit Fahrkarten des allgemeinen Verkehrs benutzt werden.
Die Winkerfporlzüge.
Am Sonntag, den 3. Febr. 1929, verletz reu die Winierfportzüge Nr. 1560 und 1561 Frankfurt a. M Hbf.—Gersfeld (Rhön) und zurück in nachstehendem Fahrplan- Frankfurt a. M. (Hbf.) ab 5.28 Uhr, Fulda an 7.32 Uhr, Fulda ab 7.48 Uhr, Gersfe'd (Rhön) an 8.43 Uhr. Gersfeld (Rhön) ab
18.25 Uhr, Fulda an 19.20 Uhr, Fulda ab 19.44 Uhr, Frankfurt a. M. (Hbf.) an 21.45 Uhr.
Amtliche
Fulda.
In unser Handelsregister A Nr. 148 ist heute bei der Firma Wilhelm Rauscher, Päpstlicher Hofjuwelier, Hof- und Domgoldschmied in Fulda, folgendes eingetragen worden: _ „
Inhaberin ist die Witwe Katharina Maria Paula Rauscher, geb. Reinhardt in Fulda, in fortgesetzter Gütergemeinschaft lebend mit ihren Kindern 1) Wilhelm, 2) Elisabeth, 3) Otto, 4) Maria, 5) Elvira, 6) Sinnes, 7) Martha, 8> Reinhold.
Dem Wilhelm Rauscher ist Prokura erteilt.
Fuida, den 26. Januar 1929.
Amtsgericht. Slbteiluno 8.
WWe Wlotöerung m Wabe ooa Steuer- erMuugeu für öle MjMsveraulWNg 1929.
Die Steuereikiärungen für die Einkommensteuer, Sörperschaflssteuer und Umsatzsteuer find in der Zeit vom 11. bis 28. Februar 1929 unter Benutzung bei vorgeschriebenen Vordrucke abzugeben. Steuerpflichtige, die zur Abgabe einer Erllärung verpflichtet sind, erhalten vom Finanzamt einen Vordruck zugefandt. Die durch bas Einkommensteuergesetz, Körperschaftssteuergesetz unb Umsatzsteuergesetz begiünbeie Verpflichtung eine Steuererklärung abzugeben, auch wenn ein Vorbruck nicht überlanbt ist, bleibt unberührl; erforderlichenfalls haben die Pflichtigen Vordrucke vom Finanzamt onzufordern.
Fulda, im Januar 1929.
Jinanzamk.
Ir.-Nr. K. 371.
Gemäß § 20 und 22 des Wahlgesetzes für die provinzlallandlage und Kreistage vom 7. Ott. 1925 (Gef.-Slg. Seite 123) gebe ich bekannt, daß nach der vom Kretsausfchuß unter dem 25. Januar 1929 erfolgten Feststellung anstelle des Landwirts und Bürgermeisters Joseph Vieth zu Langenbieber, der sein Amt als Mitglied des Kreistages im Landkreise Fulda niedergelegt hat, der Landwirt und Bürgermeister Philipp Appel zu Blankenau von der „Liste Zentrumspartet" getreten Ist.
Fulda, den 30. Januar 1929.
Der Vorsitzende des kreisausschusies: Frhr. von (Sagern.
GMerzug-Berauvungen auf der Bahnstrecke
Hanau—Fulda—Bebra vor dem Schöffengericht Fulda.
In der Nachkriegszeit ist die größte Verkehrslinie Deutschlands, die vom Mittelrhein nach dem deutschen Norden und Osten führende Eisenbahn Frankfurt—Hanau —Fulda, in dem den Kreis Schlüchtern berührenden Mittelftücke und kurz vor Fulda in geradezu raffinierter Weise von Güterzugdieben heimgesucht worden. Das anstei- gende Gelände vor dem Distelrasentunnel und bis nach Flieden bei Fulda nötigte die Eisenbahnzüge zu langsamerer Fahrt, was von den kundigen Gllterzugdieben benutzt worden war, zu gegebener Zeit auf die Züge aufzuspringen, die ihnen passenden Güter hinauszuwer- fen, von Helfershelfern in Empfang nehmen zu lassen und dann selbst wieder abzuspringen. Die zuständigen Gerichte in Hanau und Fulda haben, nachdem die Täter ermittelt und festgenommen worden waren, schwere Strafen verhängt, die leider nicht immer bessernd gewirkt haben, wie eine am 1. Februar in Fulda vor dem Schöffengericht zur Aburteilung gekommene
neue Güterzugberaubung
bewies, bei der als Haupttäter der 24 Jahre alte früher bei der Eisenbahn beschäftigte Hilfsarbeiter Eduard von Paris — nicht etwa der entgleiste Sprößling eines alten Adelsgeschlechts — aufgetreten war. Bereits im Jahre 1925 hatte ihn das Fuldaer Gericht als Kopf einer größeren Gesellschaft, die Beraubungen von Güterzügen abgelegen hatte, mit einer Zuchthausstrafe von 1 Jahr 6 Monaten bedacht (seine gegen dieses Urteil eingelegte Berufung wurde damals von der Großen Straf- kammer Hanau verworfen), die er verbüßt hatte. Kurz darauf, in den Monaten Juli und August 1928, sind in und in der Nähe der Station Flieden erneut mehrmals Eisenbahntransporte beraubt und der Reichsbahn empfindlicher Schaden zugefügt worden. Der tüchtigen Eisenbahn-Kriminalpolizei, vor allem dem Reichsbahn-Ober- fekretär Seng in Hersfeld, gelang es bald, Licht in die verübten Taten zu bringen und im Zusammenwirken mit der Frankfurter Polizei die Beteiligten festzustellen. Auf der
Anklagebank in Fulda
saßen nun nicht weniger als sieben Personen, nämlich 1. der lebige 24 Jahre alte Hilfsarbeiter Ebuard von
Paris, in Frankfurt wohnend, geboren in Flieden, zweimal wegen Diebstahls vorbestraft; 2. der verheiratete 34 Jahre alte Reichsbahn-Betricbsassiftent Heinrich Koch aus Neuhof bei Fulda; 3. die Gärtnersehefrau Elisabeth Alban aus Neuhof; 4. der 34 Jahre alte verheiratete Schuhmacher Hermann Beßler aus Frankfurt a. M.; 5. die Ehefrau Rosa Beßler (eine Schwester des Haupttäters Eduard von Paris); 6. der 29 Jahre alte verheiratete Schuhmacher Heinrich Wehner aus Frankfurt und 7. der 29 Jahre alte verheiratete Arbeiter Alfred Kraus aus Frankfurt a. M. Dem Eduard von Paris wurde schwerer Diebstahl, den übrigen Angeklagten Hehlerei zur Last gelegt. Der Hauptschuldige Eduard von Haris hatte zunächst bei feiner Festnahme bestritten, der Täter z usein. Als jedoch festgestellt worden war, daß man im Besitz seines Schwagers und feiner Schwester, sowie bei Wehner unb bei Kraus in Frankfurt a. M. ©egenftänbe gefunden hatte, die aus Eisenbahiidiebstäblen harrührten, gab er schließlich fein Leugnen auf. Er hat in der Voruntersuchung eingestanden, über 300 Stück Ziegenfelle, einen Ballen Militärtuch unb anberes aus Güterzügen entroenbet zu haben, lieber bie Art ber Ausführung dieser Diebstähle hat ber Angeklagte Angaben gemacht, aus denen hervorgeht, daß beim Aufreißen des Waggon- türüberlegers auch die Plomben aufgerissen wurden, die den den Ueberleger sichernden Draht verschlossen. Fest- gestellt fVb insbesondere folgende von Ebuard von Paris ausgeführte Diebstähle: 1. Am 31. Juli 1928 aus dem Waggon Nr. 45 104 Kassel, der in dem Durchgangsgüterzug 7770 von Bebra nach Hanau Hauptbahnhof fuhr, einen Ballen halbwollener Damenkleiberstoffe. Der Zug hielt in der Nacht vom 31. Juli 1928 zum 1. August 1928 in ober kurz vor Neuhof. 2. In ber Nacht vom 6. zum 7. August aus bem Wagen 43 255, der in dem Durchgangsgüterzug 7774 von Bebra nach Frankfurt a. M. fuhr, einen Ballen graugrünes Militärtuch. 3. In ber Nacht vom 7. zum 8. August 1928 aus bem Wagen 36687 Kassel im gleichen Durchgangsgüterzug einen Ballen, enthaltend Nessel, Kleiderstoff und Hemdentuch. 4. In der Nacht vom 10. zum 11. September 1928 aus bem Wagen 38 671 im Durchgangsgüterzug 7770 eine Sendung i Bettdamast. 5. In der Nacht vom 27. zum 28. Septem-
Heuie abend Ostsnnsnn-Abend |
Dienstag-Nachmittag Kinderfest mit Ueberraschungen! m
Cluf Schneeschuhen
durch die Hohe Rhön.
Gemächlich rattert das Rhönzügle den Bergen entgegen. Draußen ist es bereits dunkel und langsam kommen bie Sterne aus ihrem Versteck hervor. Im fahlen Lichte des Mondes glitzert und blinkt der Schnee auf den Feldern, als wären sie mit Diamanten besät. Vorbei huschen die Häuschen mit ihren hell erleuchteten Fenstern. Weihnachtsstimmung überkommt uns und frofje Erinnerungen an Kindertage steigen in uns auf.
„Schmalnau". Jäh werden wir aus unseren Träumen aufgeschreckt. Schnell die Bretter gefaßt, den Rucksack auf und hinaus. Schon zieht das Bähnlein wieder an und verschwindet in ber klaren Winternacht.
Die Bretter geschultert, so geht es durch den Ort dem Ziele „Dammersfelb" zu. Der Schnee knirscht, als wollte er sich ber Fremblinge erwehren, die ihn mit ihren großen, schweren Schuhen erdrücken. „Halt, an- schnallen!" Bewegung kommt in die Gruppe, die bis jetzt beherrscht von den Wundern der winterlichen Natur lautlos dahinschriti. Mit kurzen, kräftigen Schritten zieht die gespensterhafte Gruppe, Mann hinter Mann, die Straße hinauf. Plötzlich ertönt Schellengeläute, ein Schlitten biegt um die Ecke. Ein kurzer Gruß und weiter geht die Fahrt am Walde vorbei, die Lichter von „Dalherda" schimmern herüber. Schon bald sind die ersten Häuser erreicht. Das gleichmäßige Klappern ber Skier erweckt Leben hinter ben Fenstern. Neugierige pausbackige Kinder und zuweilen auch Erwachsene lugen hinter ben eisblumenverzierten Scheiben hervor. Schnell lassen wir die Häuser hinter uns und streben der Dal- herdaer Kuppe zu. Das Kläffen der Hunde begleitet uns noch ein Stück Weges, bis es allmählich ganz still wird.
Eine kurze Rast, um Ausschau zu halten. Don unten grüßen die Lichter des Dorfes herauf, hier oben aber herrscht Stille, Einsamkeit. Der Blick schweift über verschneite Wälder hinüber zum Ebersberg und zur ® aff er» ckuppe Im weißen Kleid zeigen sich beide in voller HraLt. Ein leichtes Frösteln mahnt zur Weiterfahrt.
An der verwehten Baude vorbei gleiten wir auf der Hochfläche dem Walde zu.
Die Landschaft liegt im Halbdunkel, Wolkenfetzen haben sich vor den Mond geschoben.
Verschneite Pfähle, die uns wie Spukgestalten anmuten, zeigen uns die Richtung. Wir gleiten sanft einen Wiesenabhang hinab in den Wald.
Unter der Last des Schnees hängen die Tannenzweige so tief herab, daß sie zu brechen drohen.
Bald haben mir den Wald passiert und sind am Ziel. Die hellerleuchteten Fenster des Wiesenhauses laden uns zur Rast Schnell werden die Bretter abgeschnallt. Helles Lachen schallt uns aus dem Flur entgegen. Eine fröhliche Schar Frankfurter Rhönfreunde vertreiben sich bei köstlichem Humor und heiterem Sang den Abend. Der Wirt, als alter Bekannter, begrüßt uns und sorgt für den hungrigen Magen. Nach einer Stunde suchen wir unser Kämmerlein auf, um neue Kräfte für den kommenden Tag zu sammeln.
Aus bem schönen Schlaf weckt uns ein Poltern. Aufstehen! Cs ist 7 Uhr! ruft eine kräftige Stimme. Das eiskalte Waschwasser vertreibt die letzten Spuren des Schlafes und gibt bem Körper ein frisches wohliges Gefühl. Der Kaffee steht schon bereit. Wir brechen auf, ein kräftiges „Ski Heil" unb los geht es ber Sammers» ftlber Kuppe zu. Der Himmel ist bebeckt, wir bekommen Schnee. Der Wind wird stärker und bläst uns Eis- florfen ins Gesicht, daß die Wangen brennen.
®tnem breiten Waldweg folgen wir bis zur Schneise. 3m Schuß geht es die Schneise und über einen verwehten Steilhang hinab zum Frankenhaus. Doch mit des Geschickes Mächten ist kein ewiger Bund zu flechten und das Unglück schreitet schnell. Eine plötzlich auftretende Schneewehe hemmt den eiligen Ski u. in hohem Bogen werden Fkugkünste erprobt. Die etwas später Kommenden stemmen ab unb gelangen glücklich über das Hindernis hinweg. Rabenstein, Eierhauck, Mittelberg, Schwedenschanze, Teufelsberg, Himmeldunkberg, Rhön- häuschen, Wasserkuvpe, Gersfeld. Das ist die heutige Tagesroute. Unterhalb des Rabensteines nimmt uns der Wald auf. Im Rauhreifkleide prangen Bäume und Sträucher. Welch' groteske Formen! Man glaubt sich
in ein Wintermärchen versetzt. Trotzig schaut der Raben- ftein mit seinen vereisten Felsen auf uns herab. Eine herrliche deutsche Winterlandschast. Mit weitschauen- bem Langlaufschritt gleiten wir unterhalb des Eierhauck entlang und ersteigen nach kurzer Abfahrt den Mittelberg. Nun geht es in wechselvoller Fahrt über die Paßstraße Gersfeld-Bischofsheim die Schwedenschaitze hinunter, drüben den Teufelsberg wieder hinauf, bann noch höher zum Himmelbunkberg und in langsamer abgestemmter Fahrt zwischen Bäumen und Sträuchern hindurch hinab zum Rhönhäuschen. Ein kleiner Imbiß und ein kräftiger Schluck heißer Milch kräftigen. Das gute bayerische Bier lockt zwar sehr, aber . . . entsagen können, bas hat ber Skifahrer im Interesse des Natur- genusses gelernt. Mit einem schallenden „Ski Heil" erwidern wir beim Aufbruch der Wirtin Grüße und Wünsche zu guter Fahrt. Ein leichter Flockentanz setzt ein, als wir die Landstraße hinauf zum „Roten Moor" wandern. Je höher wir hinauf gelangen, umso toller gestaltet sich das Schneetreiben. Die Hochfläche'ist von einem dichten Nebelschleier vollständig eingehüllt und die Augen suchen vergebens die Nebelwand zu durchdringen. Kompaß hervor: „Nördlicher Kurs", heißt die Parole. Immer schneller wird die Fahrt, vorsichtig stemmen wir ab. Da — im letzten Moment ein kurzes Herumreißen ber Ski — ein Bach sperrt den Weg. Ein kurzes Signal mahnt die Nachfolgenden zur Vorsicht.
Nun ist die Straße Gersfeld-Wüstenfachsen erreicht und es geht über einen sorgsam durch Pfähle gezeichneten Weg dem Fliegerlager auf der Wasferkuppe entgegen. Einsam und still ist es hier. Welches Leben und Treiben herrschte noch vor Wochen und Monaten hier oben. Autos rasten, Menschenkolonnen und Fuhrwerke hasteten bem höchsten unserer in ihrer Einsamkeit gestörten Rhönberge zu. Ja sogar Schupo mußte zum Zwecke ber Bewältigung des Verkehrs helfend eingreifen. Gottlob, daß es noch kein Verkehrsmittel gibt, das auch im Winter den köstlichen Naturgenuß hier oben schmälern könnte. An vereisten Krüppeltannen vorbei gelangen wir zu dem Fliegerhotel, dessen Umrisse erst sichtbar werden, als wir unmittelbar vor dem Gebäude stehen. Das kräftige Mittagsmahl mundet ausgezeichnet. Wir müssen jetzt an die Talfahrt denken, denn früh wird es Nacht und bei der herrschenden Sicht ist eine Orien
tierung unmöglich, zumal ber Kompaß sich wegen ber in der Nähe zurAblagerung gelangten Eisenerze, wie wir uns auch stellen mögen, wie vom Teufel besessen, im Kreise dreht und uns daher nicht helfen kann. Schon bei einer früheren Nachtfahrt hat uns der Kompaß gründlich hineingelegt und uns stundenlang im Kreise umherirren lassen. Vorsichtig gehen wir deshalb dieses Mal zu Werk. Durch das verlassene Fliegerlager hindurch, an der Martens'schen Fliegerhütte vorbei, erreichen wir die Kuppe. Langsam, bann immer schneller, gleiten wir talwärts. Die bekannte Baumgruppe müssen wir gleich passieren. Vergebens! Stopp! Wir haben uns verirrt! Nur vermöge genauer Ortskenntnis finden wir den Weg an bem Pferdskopf vorüber auf das Plateau. Endlich bekommen wir die Pfähle zu Gesicht, die uns sicher zum Osthang der Cube das Geleit geben. Doch, was ist hier geschehen? Die herrlichen Tannen liegen wie geknickte Streichhölzer umher. Sturm und Schneelast haben dem Walde übel mitgespielt. Gemächlich ziehen wir tiefeingeschnittene Spuren am Hang unb find bald auf der Straße Schachen-Obernhaufen. Querfeldein geht es schnurgerade auf Gersfeld zu, wo wjr ,g$rabe noch den letzten Abendzug erreichen. Das Raffeln der Räder wiegt uns ganz fachte ein, und all' die herrlichen Bilder, die wir geschaut, ziehen nochmals im Traume des Halbschlafes an unserem Auge vorüber.
— Die eis Wendepunkte im Leben der Gummireifen. Die sieben Wendepunkte des menschlichen Lebens nach Shakespeare sind auf drollige Weise im Schaufenster eines Gummireifengeschäfts in Birmingham modernisiert. Hier steht man elf verschiedene Besörderungsmit- tel, mit Gummireifen versehen, in ber Reihenfolge des menschlichen Lebens, von ber Wiege bis zum Grabe. Als erster in ber Reihe ist ba ein Kinderwagen für ein Kind im Alter von sechs Wochen, bann folgt ein Dreirad für ein Kind von drei Jahren, weiter ein kleines Zweirad (für sechs Jahre), ein größeres Zweirad (für 15 Jahre), weiter ein Motorrad (für 18 Jahre), ein Auto (für 20 Jahre), ein Flugzeug (für 25 Jahre), ein Auto von 12 PS. (für 30 Jahre), ein Auto von 30 PS. (für 50 Jahre), ein Krankenfahrstuhl für 90 Jahre) und 3um Schluß ein Auto-Totenwagen (für den Hundertjäh- rrgen),