mir anfangen will, Herr General! Und morgen früh um sechs Uhr müssen Sie mit allen meinen Soldaten in den Krieg ziehen!" Ja, und wirklich ist der Spazierstock am anderen Morgen mit allen Soldaten vom König in den Krieg gegangen. Die Soldaten von dem anderen König aber waren schon da. Aber der General Spazier, stock war nicht bange. „AUe hinter mir herlaufen!" hat er zu seinen Soldaten gerufen. Und dann lief er vor den Soldaten her, heidi! über Felder und Wiesen, durch Wälder und Heiden. Und alle Soldaten hinter ihm her. Und die Soldaten vom anderen König sind hinter seinen Soldaten hergelaufen, und sie haben geschrien: „Halt, halt! Wir wollen doch Krieg machen!" Aber der Spazierstock hat nicht darauf gehört. Gelaufen ist er. gelaufen, und olle hinter ihm her, bis sie ins Schlaraffenland kamen. Da flogen die gebratenen Tauben herum, do hingen die Bratwürste an den Bäumen, da lief Milch und Bier in den Bächen, da waren die Steine von Käs und die Hügel waren warmer Reis mit dicken Rosinen. .,Ah!", riefen alle die Soldaten, als sie das sahen, „Ah!" und immer wieder „ah!" Und auch die Soldaten vom anderen König sagten immer bloß „Ah!" Und dann schauten sie sich an und lachten. „Ei." riefen sie, „warum foften wir Krieg machen und einer den anderen totschießen? Wir wollen lieber Bratwürste esien und Reisbrei mit Rosinen!" Das haben sie auch getan Der Svazler- stock aber hat gedacht: „Ach. wie ist die Welt so dumm! Ich wUl über die Sieben Berge gehen in den Märchen- wald!" Und er ist auf und davon gegangen Unterwegs aber, hinter der Heide, da hat er zwei arme Kinder getroffen. Die hatten sich an den Händen gefaßt und gingen traurig in den wilden Wald hinein. „Guten Tag, arme Kinder!" sagte der Spazierstock, „wo geht ihr denn hin so spät noch am Abend?" „Ach, wunderbarer Epazierstock, wir wissen es nicht!" sagten die Kinder: unser Vater und unsere Mutter sind gestorben, und nun müssen wir in die weite Welt!" „Ei," rief der Spazier- stock, „dann könnt ihr fa mit mir gehen!" Und er nahm die Kinder mit in den Wald über die Sieben Berge. Da wohnen sie nun im kleinen Knusperhäuschen. Und immer sind sie im Märchenland geblieben. Auch der wunderbare Spazierstock. Rur manchmal spaziert er noch in die Welt hinaus. Paßt auf. ob ihr ihn nicht auch einmal seht, mit ihm zu den Märchen geht!
Nr. 28.
Zuldaer Zeitung (Amtliches Kreisblatt).
Samstag, 2. Februar 1929.
Stadtverordnetensitzung
Krisenunterftuhung für Arbeitslose.
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die er« die
Partei« und Volksbüro.
Nach längeren eingehenden Vorbereitungsarbeiten ist es gelungen, in Fulda wieder ein Par- teifefretariat der Zentrumspartei für Kurhessen, das auch die Aufgaben des früher hier bestehenden Volksbüros des Volksvereins für das katholische Deutschland wahrnehmen wird, ins Leben zu rufen. Das Büro erteilt Rat und Auskunft in allen politischen und sozialen Angelegenheiten und steht den Freunden unserer Sache unentgeltlich zur Verfügung. Der Sih des Büros ist im katholischen Gesellenhaus, Florengasse 17. Möge das durch die Ovferwilligkeit weiterer Kreise ins Leben gerufene Büro seinen Zwecken mit Erfolg dienen und vor allem auch den Erfolg haben, daß es den Zusammenhang zwischen der Wählerschaft und den Parteiinstanzen lebendig gestaltet. So kann es dem hohen Ziele dienen, eine echte volkstümliche Demokratie aufzubauen, die dem gesamten deutschen Vaterland zum Wohle gereicht.
tete wegen gefährlicher Körperverletzung auf 5 Wochen Gefängnis. Bei Zahlung von 30 Mari
den, und zwar handelt es sich um solche Berufe, die bereits im Sommer 1928 einen ungünstigen Arbeitsmarkt aufwiesen. Darüber hinoius sieht der Erlaß die Möglichkeit vor, die Krisenunterstützung bei besonderen örtlichen Notständen orts- und bezirksweise auf weitere Drrufsgruppen auszudehnen. Aufgrund dieser Bestimmung ist eine Reihe weiterer Zlüassungen zur Krisenunterstützung teils vom Reichsarbeitsminister, teils von den Präsiden, ten der Landesarbeitsämter ausgesprochen worden. Neuerdings ist der Personenkreis allgemein dadurch erweitert worden, daß der Reichsarbeitsminister die Landesarbeitsämter ermächtigt hat, vom 28. Januar 1929 an auch die Angehörigen der Industrie der Steine und Erden, soweit ihre Arbeitslosigkeit nicht berufsüblich ist, sow-e die Tabak- und Zigarrenarbeiter zur Krisenunterstützung zuzulassen, sofern ein Bedürfnis dazu besteht. Ein erheblicher Hundertsatz der Arbeitslosen kann daher schon heute Krisenunterstützung erhal- ten. Die Frage, ob noch weitere Berufsgruppen in die Krisenunterstützung einzubeziehen sind, wird zur Zeit geprüft
Zur ersten Sitzung im Jahre 1929 waren Mitglieder des Stadtparlaments bis auf fünf schienen. Der Stadtverordnetenvorsteher hieß Versammlung, die am Ende dieses Jahres durch Neuwahl erneuert werden wird, herzlich willkommen und wünschte für die Arbeit der Körperschaft im neuen Jahre gedeihliche Erfolge im Interesse der Stadt Fulda. Die Tagesordnung wurde, da über die Vorlagen keine Meinungsverschiedenheiten zutage traten, in einer guten halben Stunde glatt erledigt.
findet Sonntag, den 3. Febr. 1929, In den Dietrich’schen Sälen za Haras statt Idee: Ein rheinisches Volksfest.
Anfang 6.01 Uhr :: Eintrittspre se: Herren 1.50. Damen 1 Mir. :: Krattpos. Verbindung D e rheir'iichen Feitteilnehmer werden ab 6 Uhr auf dem Reitplatz r intrrflen, Pesenden auffallend wird die Gruppe der Soatienrheinischen Mädchen in ihrer Na innaltraeht sein. Der k angrheini.«ehe Mannergesangverein bringt zum einmal gei Auftritt aus der Oper: Ha'l emo de Gi I o. An-chließ nd orcß-s Festprogramm.
Futda. den 1 Februar 1929
Der Februar.
„Auswärts gcht's!" — das ist das Zeichen, in dem ber DLonat Februar oder auch Hornung, wie unsere Vorjahren ihn hießen, sieht. Freilich, auch er ist n°d> ein Wintermonat, aber er sühn uns doch ein tüchtig Stück hinaus aus dem Winter, h?r Heuer im Januar ein so grimmig Regiment 7k>führt. Um vol? siebenoiertel Stunden nimmt der Za«, zu und mir bekommen endlich am Dtorgen, der bis jetzt dämmerig war, früher Licht und Tag, eine Wohltat für alle Menschen, die unter der Länge und Schwere des Winters leiden. Schon den Lichtmeßtag, hat er auch keine jahreszeitliche Bedeutung, nehmen wir gern symbolisch als Künder des wachsenden Lichts und mag auch Schnee und Eis die Straßen bedecken —, wenn die erste Amsel auf dem Dachfirst ihre Schluchzer tut, — da läßt sich auch das Menschenherz die Frühlingssicherheit nicht nehmen.
Die erste Monatshälfte regiert noch der lose Bursche Fasching, bis am Fastnachtsdiens- . tag seine ausgelassene Herrschaft ein Ende findet. Mit dem Aschermittwoch setzt dann die sechsein? halbwöchige Fastenzeit ein, die zum ersten kirch- lichen Hochfest des Jahres, zum Osterfeste, überleitet.
Den Februar beobachtet der Landinann befon- bers scharf, weil nach alter Erfahrung das Wetter nn Februar von besonderer Einwirkung einmal auf den weiteren Wittevungsablauf in der Vor- frühlingszeit, dann aber auch von mancherlei Bedeutung für das Erntejahr ist. Hören wir uns einmal eine Auslese dieser Bauernregeln an:
Diel Regen im Februar, viel Regen das ganze Jahr. — An Romanus hell und klar, bringt ein gutes Jahr. — Lichtmeß trüb, ist dem Sauern lieb. — Jsts Mvthäus kalt, hat die Kälte Halt. — Wenn im Hornung die Mücken schwärmen, muß man im März die Ohren wärmen. — Im Februar muß die Lerch' auf die Heid, mags ihr lieb sein oder leid. — Februar baut manche Brück, März bricht ihnen das Genick. — Ist an Lichtmeß Son- nenschsin, bringts gern noch mehr Schnee herein.
, Tummeln die Krähen sich noch, bleibt uns des Winters Joch, wenn sie vor Felde verschwinden, wärmere Tage sie künden. — Hornung hell und ,k!ar. gibt ein gutes Flachsjahr.
Wenn man dem hundertjährigen Kalender trauen dürfte, auf den viele Leute, besonders auf bem Lande heute noch schwören, dann würde der Monat in der ersten Hälfte feucht, dann kalt, zuletzt rauh und regnerisch fein.
Vorläufig ist es m ganz Deutschland und auch bei uns in Fulda noch sehr kalt. Heute Nacht waren wieder — 15 Grad. Im östlichen Deutschland ist es noch kälter. In Görlitz wur. *en heute Nacht 20 Grad unter Null gemessen. Sn den frühen Morgenstunden wurden rm Freien sogar Temperaturen von 20—23 Grad unter Null festgestellt.
Eine Pädagogische Akademie in Kassel?
Die „Kasseler Post" meldet, am 1. April 1930 werde eine zweite Pädagogische Akademie in Hessen-Nassau errichtet werden. Ms Akademie- ort fei Kassel bestimmt, wo die Anstalt im Ge- bäude der „Deutschen Werke" im Stadtteil Betten- hausen provisorisch untergebracht werden solle. Dir „Kasseler Post" verbindet mit dieser Meldung, deren Bestätigung abzuwatten ist, einige sonder- bare Bemerkungen. Sie scheint anzunehmen, die Gründung der Akademie in Kassel habe etwas mit der hier vielfach erhobenen Forderung zu
tun, daß die katholische Pädagogische Aka- oemie für unsere Provinz in Fulda errichtet werde. Diese Forderung bleibt bestehen für den Augenblick, in dem sich die preußische Staatsregierung zur Errichtung einer Akademie in unserer Provinz entschließt oder enrschließen muß, auf der Lehrer für die katholischen Schulen heran- gebildet werden foILn. Eine simultane Aka- bernte in Kassel wird von katholischer Seite nicht anders behandelt werden wie die simultane Aka- demie in Frankfurt a. M. Kirchen treue Katholiken werden sie nicht besuchen. Ob dagegen die Akademie, die der evangelischen Lehrerbildung dienen soll, in Kassel ooer in Marburg errichtet wird, interefi'iert uns als Katholiken nicht so we- sentlich. Immerhin lassen sich im Hinblick auf die Berufsaufgaben vieler künftiger Lehrer die Einwendungen gegen Großstädte als Sitz von Lehrerbildungsanstalten sehr gut hören, und die kurhessische Lehrerschaft ist bekanntlich auch für Marburg als Sih der Pädagogischen Akademie eingetreten. Der Preußische Landtag hat in der Sache wohl noch ein Wort zu sprechen.
Hausfrauen an die Front!
Ein Preiswett-Kochen, bei dem wert- volle Preise winken, veranstaltet, wie aus dem Anzeigenteil hervorgeht, das Fuldaer Gaswerk. Eine gleiche Veranstaltung hat dieser Tage in Frankfurt ä. M. unter großer Beteiligung stattgefunden. Das Kochen wird nicht durch auf bestimmte Effekte etn- gestellte Vorführdamen ausgeführt, sondern Die Fuldaer Hausfrauen selbst, die an ihrer Küche und an deren Produkten Interesse haben, geben sich und den zuschauenden Hausfrauen Gelegenheit, die Zweckmäßigkeit der Gasgeräte im Haushalt genauer kennen zu lernen. Einige Vorteile der Gaskocher sind ja schon allgemein bekannt Aber die tiefere Bedeutung des Gaskochers gegenüber dem Herdfeuer liegt in der rationelleren Verwertung unserer Kohlenvorräte durch Gasverwendung, insofern die Kohle für den Gasverbrauch veredelt wird und damit volswirifchaftliche Momente berührt werden. Der Hausfrau selbst biete! Kochen auf Gas den Vorteil der immerwährender Betriebsbereitschaft, der leichten Handhabung, bei genauenEinstelluna des Gaskochers auf jeden, auch den geringsten Wärmebedarf zur Verhütung t>e« Anbrennens der Speisen. Aber auch Zeitgewinr und Sauberkeit bei Gasverwendung machen bei Hausfrau die Arbeit mit Gas zur Freude.
Während des Wettkochens soll eine normale Tagesmahlzeit gekocht werden. Wii wenige Pfennige das kostet, wie schnell unb beguen alles her gestellt werben kann, bauen kann sich jebei Besucher überzeugen.
Den Teilnehmerinnen selbst erwachsen aus bei Teilnahme an ben Wettbewerben keine Unkosten
Aus dem Gerichtssaal.
Grobe Auss chreitungen bei Fußball spielen fanden gestern ein gerichtliches Nach spiel. Gelegentlich des Fußballspiels am 16. Sept o. Js. in Petersberg zwischen einer Petersbergei und einer Lauterbacher Mannschaft wurde der ab Schiedsrichter mitwirkende 24jährige Schmied 2 M. von Bachrain von dem Bahnarbeiter E. G. vor Petersberg durch Ohrfeigen unb Fußtritte sch-wei bearbeitet. G. war vom Schiedsrichter vom Spielfeld verwiesen worden. Darüber geriet er ir große Aufregung und versetzte sofort dem Schiedsrichter zvei so kräftige Ohrfeigen, daß dieser zu Do- den fiel. Gleich darauf wurde der Schiedsrichtei noch von G. und anderen Petersbergern dürft Fußtritte mit den Fußballschuhen bearbeitet, sodaß er ärztliche Behandlung in Anspruch nehme« mußte. Der Amtsanwalt hatte mit Rücksicht au!
der Bürgerschaft zu wählen. Unter den letzteren müssen zwei ben Kreisen der Hilfsbedürftigen angehören. Eingereicht worden waren zwei Wahlvorschläge. Der Wahlvorschlag des Zentrums benannte als Stadtverordnete: Domkapitular Dr. Thielemann, Frau Schrei- nermeister-Ehefrau Hunold, Geschäftsführer Frank. Aus der Reihe der Bürgerschaft: Frau Aßmann (Krieger» witwe), Herr Brehl-Florengasse (Sozialrentner), Frl. Maria Schultheis-Hopfengarten (Kleinrentnerin), Frau Sollmann (Kleinrentnerm). Die anderen Gruppen schlugen vor die Stadtverordneten: Dr. Büttner und Hoffmann, ferner aus der Bürgerschaft Schremermeistev Wehner und Emaillienneister Walter Kleingünther. Ge- wählt sind die Stadtverordneten Dr Thielemann und Frau Hunold von der Zentrumsliste, Dr. SB ü t t- ner von der zweiten Gruppe, Frau Aßmann und Herr Brehl von der Zentrumsliste, Schreinermeister Wehner von der zweiten Liste. Die übrigen Dorgeschlagenen rücken als Ersatzleute nach.
Vornahme der Ersatzwahl für den ausgeschiedenen Stadtverordneten Haase für die Schlachlhauskom- mifsion.
An Stelle des Herrn Haase, der bekanntlich der kommunistischen Fraktion angchörte, tritt dessen Nachfolger Stv. Stimm.
Eine Löschungsbewilllgung und einige Rachstands- erklärungen wurden erteilt.
Schluß der Sitzung 5.45 Uhr.
Bestandene Meisterprüfung.
Herr Emil Herber aus Eichenzell beftanb am 11. unb 12. Dezbr. in Frankfurt a. O. seine Mei - fterprüfung im Elektro Handwerk.
Das Schnlpflichkgeseh vom 15. Dez. 1927.
Im Vergleich zu früher trifft es eine grundlegende Aenberung insofern, als bie Schulpflicht mit dem 1. April für alle Kinder beginnt, bie bis zum 30. Juni desselben Jahres bas 6. Lebensjahr vollenden. Kinder, die in der Zeit vom 1. Juli bis 30. September 6 Jahre alt werben, können auf Antrag ber Erziehungsberechtigten ausgenommen werben, wenn sie bie für ben Schulbesuch erforderliche körperliche und geistige Reife haben. Kinder also, bie bis zum 30. Juni 1929 bas 6. Jahr vollen- ben, sind schulpflichtig unb müssen jetzt angemelbet werden. (Siehe Stadtschule im Anzeigenteile.) Kinder, die zwischen 1. Juli und 30. September 1929 6 Jahre alt werden, müffen jetzt auch angemeldet werden, wenn die Erziehungsberechtigten ihre Aufnahme wünschen. Die endgültige Aufnahme aber hängt davon ab, ob diese sog. schulberechtigten Kinder sich bei der schulärztlichen Untersuchung als schulfähig erweisen. — Es sei noch darauf hingewiesen, daß auch schulpflichtige blinde, taubstumme, verkrüpvelte und idiotische Kinder angemeldet werden müssen.
Der erste Punkt betraf die
Bereitstellung von Darlehn durch die städtische Sparkasse zur Erleichterung der Durchführung der Kanalisation, der Straßen- und Bürgersteiganlagen.
Die Darlehen sollen den Anliegern zu einem Zinssatz von 9 Prozent und einer Tilgungsquote von 5 Prozent gegen hypothekarische Eintragung zur Verfügung gestellt wer- den. Die Stadt übernimmt für die gewährten Darlehen die generelle Bürgschaft. Die Vorlage wird angenommen.
Für den
Bau einet Straße im Kohlhäuser Feld, die wegen der dort geplanten Siedlungsbauten notwendig geworden ist, werden die Kosten genehmigt. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 40000 Mk. und sollen durch Anleihe bereitgestellt werden. Bei dem Bau finden 25 Wohlfahrtsarbeiter auf die Dauer von 10 Wochen Beschäftigung.
Ferner wird der
Ausbau der vutllarstroße
vor dem Bauplatz für das Eichamtsgebäude beschlossen. Die Kosten, die auf 12000 Mk. veranschlagt sind, sollen in den außerordentlichen Etat ausgenommen und auf zwei Jahre verteilt werden.
Der nächste Punkt der Tagesordnung betrifft den Erwerb des Ireißlich'schen Anwesens durch die Stadt gelegentlich der vor einiger Zeit erfolgten Zwangsversteigerung. Der Uebernahmepreis beläuft sich bei einem gemeinen Wert von 10 676 Mk. auf 5000 Mk. Don der Versammlung wird der Erwerb gebilligt.
Erteilung der Zustimmung zu einem Grundstückslausch.
Wie der Berichterstatter, Stv. Keil, hierzu ausführt, beabsichtigt der Bäckermeister Weß aus Horas auf einem Der Stadt gehörenden Grundstück am Frauenberg ein Zaus zu errichten. Der betreffende Bauplatz ist 965 Quadratmeter groß. Weß bietet der Stadt gegen dieses Grundstück ein in der Nähe der Kaserne liegendes, dem Herrn Oskar Deldung gehörendes Grundstück, das eine (Bröfje von 3208 Quadratmeter hat, zum Tausche an. Auf Empfehlung des Berichterstatters erklärt sich das Haus mit dem Tausch einverstanden.
Vornahme der Wahl der Mitglieder des Wohlfahrtsausschusses.
Nach § 4 der am 9. November 1928 in Kraft getre. lenen Wohlfahrtsordnung der Stadt Fulda waren drei Stadtverordnete und drei Personen au»
__ , bie unglaublich rohe Tat bes G. eine Gefängnis-
Durch Erlaß bes Reichsarbeitsministers vom | strafe von 2 Monaten beantragt. Das Urteil lau- Auguft 1928 ist eine Reihe von Berufen ganz all- .......
gemein zur Krisenunterstützung zugelassien wor-
Der wunderbare Spazkerstock.
Don Wilhelm Matthiesen.
Es ist einmal ein Spazierstock gewesen, der war so eil geworden, daß sein Herr ihn gar nicht mehr ansehen wollte. Und der arme Spazierstock wäre doch so gerne spazieren gegangen! Nun hat ihn fein Herr wieder einmal aus der Ecke genommen, besah ihn und sagte- „Pfui, du alter, du scheußlicher Spazierstock, auf den Speicher gehörst du, und laß dich ja nicht mehr bei den schönen neuen Stöcken erwischen!" So sagte der Herr und stellte ben Stock wieder fort. Der aber dachte: .0 weh, nun hat es zwölfe geschlagen! Gewiß wird der Herr jetzt die Säge rufen, die fällt dann mit ihren spitzen Zähnen über mich her und beißt mir die Knochen entzwei. Da will ich doch lieber aus den Speicher gehen!" Und tripp trapp hupfte er ans dem Zimmer der alte Spazierstock, tripp trapp die Treppen hinauf bis an die Speichertür. Da klopfte er an. Und gleich rief es aus d:m Speicher heraus:
„Wer klopft da an mein Königreich?
Warte nur, ich komm' dir gleich! Oder ist es die Katze vom Haus? Für die weiß ich grab’ eine Maus!"
„Nein, Speichermännchen." rief da der Stock, „ich bin bloß der alte Spazierstock!" „Ja. dann kannst du natürlich herein'ominen!" sagte das Speichermännchen, und es hat die Speichertüre ein bißchen aufgemacht. Da schlüpfte durch den Türspalt der Stock herein. „Guten Abend, alter Spazierstock!" „Guten Abend, Speicher- männchcn!" Sag, hast du aus deinem Speicher nicht eine alte Ecke, wo ich mich hinstellen kann?" „O ja," sagte das Speichermännchen, „da hab ich eine sehr schöne Ecke, darin steht ein alter Koffer unb ein alter Regenschirm unb ein alter Kleiderständer. Das sind alles feine Leute!" „Ach ja," freute sich der Spazierstock, „da will ich hingehen!" Aber das Speichermänn- chen schaute ihn an und sagte: „Lieber Spazierstock, du bist ja noch schön und stark. Du kannst noch arbeiten, besser als ein junger feiner Stock. Stein, geh' du zu dem Soßen Zauberer Bampf Spekulatius. Ich will dir ein
riefeben mitaeben für ihn. Denn er ist mein guter
Freund." Und gleich schrieb das Speichermännchen auf einen schönen weißen Hobelspan diesen Brief:
„Großer Zauberer Bampf Spekulatius. — denn ber bist bu ja. Hier schicke ich bir den alten Spa- zierstock. Sieh mal zu, was du mit ihm machen kannst. Vielleicht kannst bu jeden Sonntag einmal mit ihm spazieren gehen. Dein Freund
Knub Klimbimchen, Speichermännchen."
So hat es geschrieben. Unb ber Spazierstock hat sich sehr bebantt unb ist mit dem Brief zu dem Zauberer gegangen. Er klopfte an der Tür vom Zaubererhaus. Da macht der Zauberer auf. „Guten Abend, großer Zauberer Bampf Spekulatius!" jagte der Swck. „Ja. der bin ich auch!" Unb ber Spazierstock gab ihm den Bries vom Speichermännchen. Den las der Zauberer, und bann sagte er: „Ja, ja. das wär klug von dem Speichermännchen, daß es dich zu mir geschickt hat! Denn ich bin ja ber große Zauberer Bampf Spekulattus' Und nun, alter Spazierstock, komm einmal mit in mein Zauberzimmer, da will ich mal zusehen, wie ich dir helfen kann!" Und der Stock ging mit dem Spekulatius in bas Zauberzimmer. Unb der Zauberer setzte sich in feinen Zaubersessel, nahm fein Zauberstäbchen, nahm fein Zauberbuch, fetzte feine Zauberbrille auf die Rate unb sagte: „So, nun erzähl bem Onkel Zauberer einmal, was bu für ein Spazierstock bist"! „Großer Zauberer Dampf Spekulatius," sagte ber Spazierstock — „5a. ber bin ich auch!" rief der Zauberer, „— und nun erzähle mir!" Da sagte ber Spazierstock: „Auch ich war ein Jüngling in lockigem Haar, und so bin ich denn manches ^ahr in Sonnenschein und Mondennacht gewandert durch der Wälder Pracht. Viel -Blumen hab' ich gesehen, Zwergenhäuschen am Wege stehn, hörte das Master brausen, den Wind in den Bäumen sausen. Durch alte Straßen bin ich gegangen, hörte wie die Kinder spielten unb sangen, schöne Laternen sah ich droben, hab oft meinem Herrn den Hut schon aufgehoben, wenn er ihm vom Kopse geweht. Und oft habe den Herrn ich abends spät oder gar in der schwarzen Nacht treu unb sicher nach Hause gebracht —" „So, sol So so!" sagte der Zauberer da, „solch ein Stock also bist du! Ja, und weil ich ber große Zauberer Dampf Spekulattus bin.
will ich bich, weil bu so ein braver Stock bist, mal ein bißchen verzaubern." Und er rührte ben Stock an mit feinem Zauberstäbchen, schaute ihn mit ber Zauberbrille an unb hat aus dem Zauberbuch einen Spruch gelesen. Da war der Stock verzaubert. „Danke schön, großer Zauberer Bampf Spekulatius!" rief der Stock. „Ja, der bin ich auch! sagte der Zauberer, „gute Nacht, wunderbarer Spazierstock!" Und der Spazierstock hüpfte die Treppe herunter, hüpfte aus dem Zaubererhaus, über bie Straßen fort, mitten in den tiefen Wald. Da hat er sich auf den Weg in das Moos gelegt unb geschlafen. Denn er war sehr müde. Und wie ber Mond aufging hinter den Tannen, da kam ein Mann, der hat den Spazierstock gesehen. „Ei." dachte er, „das ist mal ein feiner Stock. Nn kann ich gut gebrauchen!" Und er hat den Spazierstock in die Hand genommen. Der Stock aber faote fein Wörtchen und ist mit dem Manne gegangen Wie die beiden aber ganz tief in den Wald kamen, da sind auf einmal zehn schreckliche Räuber aus dem Dusch gesprungen, die wollten den armen Mann berauben. „Hei, mein guter Spazierstock," rief der Mann, „jetzt mußt du mir helfen!" „Krr!" knurrte der Stock, sprang dem Mann aus der Hand und dann, wum! auf die zehn Räuber los. O, wie hat er da die Räuber verprügelt! Und bie Räuber brüllten: „O weh, o weh, wunderbarer Spazierstock. o laß uns in Ruh!" Aber der Stock war so wütend, immer hat er weitergeprügelt, hat bie Räuber über fünf Berge unb durch neun Wälder vor sich hergepriigelt. bis in ein fremdes Königreich. Do lag ber König gerade im Fenster und rauchte eine Zigarre. „Guten Tag König!" sagte der Spazierstock. .Guten Tag, wunderbarer Spazierstock!" sagte der König und nahm die Krone ein bißchen ab vor dem Stock Ja, und da erzählte der Spazierstock dem König die ganze Geschichte. Der freute sich sehr, und gleich steckte er die Räuber unter die Soldaten. Da mutzten sie ben ganzen Tag exerzieren. Und das war ihnen recht. Der Spazierstock aber ist gleich General geworden. Wie hat ihm das gefallen, dem guten Stock! Denn nun konnte er immer mit allen feinen Orden spazieren gehen. Aber einmal hat der König ihn gerufen, hat zu ihm gesagt: „Herr General, mir schmeckt die Zigarre gar nicht mehr!" „Herr König warum denn nicht? sagte der Spazierstock. „Weil ein anderer König Krieg mit