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Sulöacr Zeilun? (Kmttiches Ureisblatt).

Zrettag. 1. Februar 1929.

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tDie sleh s mit Ö2r Ne chsdahn?

Lei einem Empfang machte der Generaldirektor Der Deutschen Reichsbahngesellschaft, Dr. Dorpmül. ler, ausführliche Mitteilungen über die Lage der Deutschen Reichsbahn, denen u. a. zu entnehmen ist:

Die Einnahmen der Reichsbahn haben sich seit 1925 gut entwickelt. Das Kalenderjahr 1925 brachte 4669 Millionen RM. und 1928 wird vor­aussichtlich mit 5140 Millionen RM. abschließen. Das bedeutet eine Steigerung von 1925 auf 1928 um 10 Prozent. Das Verhältnis der Ausgaben zu den Einnahmen, die sog. Betriebszahl, ist aber trotz steigender Einnahmen mit 82 Prozent gleich geblieben. Das kommt daher, daß die Ausgaben im gleichen Schritt mit den Einnahmen gewachsen sind. Von diesen Ausgaben sind aber nur die persönlichen Ausgaben gestiegen, während die Sachausgaben in den Jahren 1925—1928 ungefähr gteidj waren. Die Ausgabenentwicklung zeigt, daß wir etwa verfügbare Mittel für sächliche Ausgaben bereitstellen müssen, die nunmehr schon vier Jahre stark unter der Drosselung haben leiden müssen. Denn alle Sparsamkeit hat ihre Grenze, wenn sie nicht dem Unternehmen zum Schaden gereichen soll.

Dr. Dorpmüller kündigte die Herabsetzung »^rArbeitszeit vor allem durch Erweiterung des Begriffes des besonders anstrengenden Dien­stes an und fuhr fort:

„Damit ist dann aber die Grenze dessen erreicht, was wir unter den jetzigen Umständen erreichen können. Wir hoffen, daß unser Personal Verständ­nis dafür hat. Wir stehen 1929 vor pnein scbwe- ren Jahr, ebenso wie die gesamte Welche Wirt- schäft. Ich glaube, wenn eine Verwaisung in der Rationalisierung vorangegangen ist. dann sind wir es. Mer, obgleich wir schon 19 Werkstätten Ufld 4 8 Werkstättenabteilungen ge- schlossen haben, können und müssen noch weitere geschlossen werden. Es ist auch nicht zu ver- treten, daß wir 30 Reichsbahndirektio- nen haben, von denen die größte zehnmal so groß ist, als die kleinste. Will man aber einer Stadt ihre Direktion nehmen, so wachsen die Widerstände ins Gewaltige. Hier ist aber ein Zusammenwir­ken mit den Ressorts der Reichs, und Länderregie­rungen erforderlich, damit nicht etwa durch Häu- fung der Ersparnismaßnahmen eine Stadt zum Erliegen kommt. Eine Uebergangszeit ist notwen­dig, in der vielleicht in den Städten sich kleine Teile der Direktionen oder Aemter belassen werden kön­nen. Unsere Direktionsgrenzen entsprechen vielfach nicht mehr den Wirtschaftsgebieten. Auch b'-efe Mißstimmigkeiten erwarten ihre Beseitigung."

Rach einer eingehenden Darstellung der Finanz- Politik der Reichsbahn unter besonderer Berücksich- tigung des Kreditwesens und der Tarifgestaltung, sowie der durch die Ueberalterung des Personals und die Konkurrenz des Kraftwagen-

i Verkehrs entstehenden Nachteile kam General- । direk or Dorpmüller zu dem Ergebnis, daß die : naü st-n fünf Jahre für dir Reichs ahn in finanzieller Hinsicht b.sonders kritisch fern werden, unb schloß hieran die folgenden Forderungen:

Wir werden diese schwere Periode mit unserem Perjonal überwinden, wenn wir recht bald lang, f r i st i g e Anleihen zu erträglichen Bedingun­gen bekommen, wenn uns die kommenden Revi­sionsverhandlungen über die uns auferlegten La­sten Erleichterungen gewähren, wenn wir in unse­ren Rationalisieruna^vlänen nicht gehemmt wer- den, wenn uns der Wettbewerb mit anderen Ver­kehrsmitteln unter gleichen Lasten und gleichen Rechten freigegeben wird, wenn die deutsche Oef- feniiichkeit mehr Verständnis daflst bat, daß wir nicht mehr die reiche V"rwaltung der Vorkriegszeit sind und uns in der Ausstattung unserer Bahn- anlagen einer größerer B-ücheidenheit befleißigen müssen, wenn Reichstag, Personalvertretung und Schiedsrichter ihre Forderungen für das Personal den finanziellen Möglichkeiten anpaffen. Sehen wir auf die Vergangenheit zurück, so müssen uns die erzielten Fortschritte in unserem Vertrauen stärken. Aber eins ist sicher, wir leben und sterben mit der deutschen Wirtschaft: denn mir sind keine Produzenten, sondern Transporteure von Pro­dukten.

40jährige Dienstzeit.

Am Freitag, den 1. Februar, kann der Reichs- babnoberfekretär Heinrich Jacobs beim Reichs- bahnoerkehrsamt Fulda auf eine 40jähr!ge Dienst- Zeit bei der Reichsbahnverwaltung zurückblicken. Jahrestag der Krönung des Helligen Vaters.

Der am 12. Februar d. I. miede ckehrende Krö nungstag Sr. SeiligEeit des Papstes Pius XI. ist gemäß bischöflicher Verordnung in der Diözese Fulda am 1. Fastensonntag, dem 17. Febr., zu feiern. Deshalb soll an diesem Tage von der Kanzel aus den Krönungstag hingewiesen, ein besonderes Gebet in die heilige Messe eingelegt und am Schluß des Hochamtes das Tedeum gesungen und der sakramentale Segen erteilt werden.

Die Frauenfriedenskirche m Bockenherm, das zur Diözese Fulda gehört, soll am ersten Maisonntag dieses Jahres eingeweiht werden. Zu diesem Kirchenbau sind aus Fulda-Stadt und Land manche Beiträge gespendet worden. An der Einweihung dieses hervorragenden Gotteshauses werden auch viele Fuldaer teilnehmen.

Einführung von Lehrbüchern.

. Der Minister für Wissenschaft, Kunst und Volks- bildung hat hinsichtlich der Einführung neuer Lehr­bücher an höheren Schulen in der letzten Zeit zwei Verfügungen erlassen, die für weite Kreise Inter­esse haben. Die erste ist basiert vom 10. Dezember 1928 und lautet: Ich bestimme hiermit, daß vom Jahre 1929 ab Lehrbücher, deren Genehmigung zur Einführung an höheren Lehranstalten bean- tragt wird, von den Verlegern bis zum 1. Junt vomulegen sind. Die zweite dieser Der- fügungen betrifft die Zeit, in der die Einführung neuer Lehrbücher zu beantragen ist. Sie trägt das Datum 20. Dezember 1928 und bestimmt: Da die Prüfung neuer Lehrbücher, bereit Einführung an den höheren Schulen von den Verlegern zu

Ostern 1929 beantragt ist, noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird, wird in Abänderung des Runderlasses vom 21. Dezember 1927 (Zentral- blatt 1928, S. 11), die Frist für die Vorlage der Anträge der Schulen aus Einführung neuer Bücher bei den Provinzialschulkollegien auf den 15. Febr. 1929 festgesetzt.

Geschütztes Dildgeflügel.

Stück 3 des Amtsblatts der Regierung in Kas­sel vom 19. Januar 1929 enthält eine Polizeiver- ertmunq der Preußischen Minister für Wissen­schaft, Kunst und Volksbildung und für Landwirt­schaft, Domänen und Forsten, wonach bis zum 31. Dezember 1931 verboten ist, dem H a s e I ro i I b in irgend einer Fo rm nachzustellen. Insbe­sondere gilt dieses Verbot auch für das Zerstören ober Entnehmen der Eier und das Ausnehmen oder Töten der Jungen dieser Dogelart.

Sofort anmelden i

Obstzüchter mögen umgehend ihre umzupfrop- 'enden Bäume anmetben. Das Pfropfen erfolgt kostenlos. Rur für den Pfropfkops finb 15 Rpfg. 3U zahlen. Anmeldungen an den Obst, und Ge­müsebauverein Fulda müssen im Laufe der näch­sten drei Tage eingehen.

Kranzspenden der Relchsbehörden und Reichsstellen

Das Reichskabinett bat beschlossen, daß Kranz­spenden der Reichsbehörden und Reichsstellen zu Ehren verstorbener Beamter, Angestellter und Ar- heiter dber in Erfüllung sonstiger repräsentativer Pflichten mit einer Schleife in den R e i ch s s a r- den zu versehen sind.

Straße durch Schnee gesperrt.

Die allen Rhönsreunben gut bekannle Siraße Gersfeld-Oberweißenbrun n-B i s ch o f s - heim ist durch die gewalsigen Schneefälle der letz­en Zeit so eingeschneit, daß sie für Straft« maßen nicht passierbar ist. Nur Schlitten können zurzeit auf der Straße verkehren.

Handwerk und Politik.

Man schreibt uns:

Unter dem Vorwand neutraler Mittel­st a n dsförderung besorgte das von der Wirtschaftspartei vor einigen Jahren ge­gründete „Reichskartell des selbständigen Mittel- standes" die Agitationsgeschäfte der Wirt­schaftspartei. Erst kürzlich erließ das Kar­tell einen Aufruf zur Veranstaltung von Protest- kundgebungen im ganzen Reich mit dem Thema: „Mittelstand in Not". Das entsprechende Rede- material wurde den Mittelstandsagitatoren von Berlin aus zur Verfügung gestellt. Im ganzen Lande wurden solche von Berlin kommandierten sogenannten Mittelstandskundgebungen veranstal­tet, die lediglich Zutreiberdienst für die Wirtschafts­partei leisten sollten.

Der Reichsverband des deutschen Handwerks, der von wirtschaftlich höherer Warte aus eine solch kurzsichtige Klassenkampfpoli- tik der Wirtschaftspartei als nicht im Interesse des deutschen Handwerks gelegen erkennt, hat dieses Manöver der deutschen Wirflchaftspartei damit pariert, daß er in einem Rundschreiben vom 14. Sanuar seine Mitglieder darauf hinweist, daß für

die Aufklärungsarbeit im Handwerk die einzelner Handwerkerbünde als Mitglieder des Reichsver- banbes des deutschen Handwerks auf po­litisch neutraler Basis zuständig seien. Dement­sprechend würden in der Zeit vom 10. bis 28. Februar die Gruppen der Handwerkerbunde selb­ständige Kundgebungen veranstalten, wobei über die Lage des Handwerkes und die Forderungen und Wünsche deslelben an die gesetzgebenden Kör­perschaften Aussprache gehalten werden soll.

In dem obenbezeichneten Rundschreiben der Reichsverbandes des deutschen Handwerks wird gegen die letzten Veranstaltungen der Wirtschafts. Partei Front gemacht mit dem Bemerken: eine Sitzung der Gruppe der Handwerkerbünde habe sich in diesem Falle einmütig hinter den Reichsver- band des deutschen Handwerks gestellt. Die Grupps der Bünde lehne eine Beteiligung an der Kund­gebung des „Reichskartells des selbständigen Mit- telftanbes" ob, da aus dem zur Verfügung stehen­den Material die einseitige politische Aufmachung dieser Kundgebung klar hervorgehe.

Wir freuen uns, baß der Reichsverband des deutschen Handwerks klar erkannt hat, baß bis In­teressen dos Handwerks wie überhaupt des Mittel­standes nur durch große politische Parteien mit Er­folg vertreten werden können unb eine einseisige berufsständische unb barum klassenkämpferische Wirtschaftspartei nach ber Struktur des d'utfchen Volkes und der Zusammensetzung der Parlaments niemals in der Lage fein wird, dem notleidenden Mittelstand praktische Hilfe zu bringen. Solche Partei kann böchftens durch übertriebene Forde­rungen die Erfüllung bered)tigter Ansprüche des Mittelstandes in Gefahr bringen. Die Agitations­weife ber Wirtschaftsparteiler vollzieht sich nach dem Rezept: Im Versprechen lassen wir uns von niemand übertreffen; die Schwierigkeit der Ausführung bleibt den anderen vorbehalten!

Und deshalb Handwerker folgt dem Rate eurer alten Meisters:

„Daß Klugheit drum auch hier erwachs, Das wünscht vor allem euch Hans Sachs."

Stellungsuchende, laß euch nicht heremlegen!

Ein ebenso beliebtes wie gemeines Gewerbe ist die Ausbeutung der Notlage der Erwerbslosen. Ins Große ging vor kurzem das „Geschäft" beson- ders gerissener Verbrecher. Sie gaben ein« An­nonce auf, wonach ein Hausmeister für einen Villenhaushalt an der Ostsee gesucht wurde. Jedem der vielen hundert Bewerber teilten sie mit, daß er allem auserwählt sei. Er möchte sich in acht Tagen in einem Luxushotel in Berlin vorstellen. Bevor der Tag heränkam, erhielt er die Nachricht, die betreffende Dame fei erkrankt, er möchte direkt nach Swinemünde kommen. Gleichzeisig sollte er ein repariertes Schmuckstück mitbringen, das ihm durch den Boten einer Juwelierfirma zugeschickt würde. Den unter 100 RM. bleibenden Betrag möchte er vorerst auslegen. An dem nächsten Tage wurden Boten, die man ebenfalls durch Annoncen gesucht hatte, mit Kästchen, die die Aufschrift einer Juwelierfirma und den Preis 80 bezw. 85 RM. trugen, zu den „Hausmeistern" geschickt, das Geld wurde anstandslos gezahlt und die Verbrecher hät­ten, Unsummen erbeutet, wenn nicht die Kriminal- Polizei dahintergekommen wäre und die nichts-

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