JVo 27.
Freitag, ven 1. Februar 1929.
--- Fuldaer Zeitung
s. Blatt.
Druck der Fuldaer Acklendruckerei, Fulda
Weltwirtschaft und Reparationen.
Von Paul Voß, Direktor des Leipziger Meßamts.
Die internationale Sachoerständigen-Konferenz, Oie einen Vorschlag zur endgültigen Ordnung der deutschen Reparatinosverpflichtungen ausarbeiten soll, wird nunmehr demnächst in Paris zu ihrer ersten Sitzung zusammentreten. Die ungemein schmierige Ausgabe, die sie zu lösen hat, — soweit das Reparationsproblem überhaupt „Lösungen" zuläißt — betrifft nicht nur Deutschland und die Re- parationsgläubiger selbst, sondern greift in die Jn- terefsen der gesamten Weltwirtschaft ein. Bor allem handelt es sich dabei um die Probleme des internationalen Güteraustausches und des internationalen Finanzverkehrs.
_ Man ist gewohnt, das Reparationsproblem zunächst als eine Frage der internationalen Finanzpolitik und Finanztechnik aufzufafsen. Das ist es auch in der Tat. Man entsinnt sich, daß seinerzeit 1924 gleichzeitig mit der Inkraftsetzung des Dawesplanes auch die Reichsmark in Vollendung des durch die Rsntenmark begonnenen Stabilisierüngs- werkes der deutschen Valuta geschaffen wurde. Ferner weiß man, daß der Dawesplan zum Schutze der Sicherheit unserer Währung die sogenannten „T r a n s f e r"-Bestimmungen enthält, wonach die Ueberweisung von Reparations - Devisen an dle Reparationsgläubiger nur insoweit erfolgen darf, als hierdurch der Kursstand der Reichsmark nicht bedroht wird. Die Stabilisierung der deutschen Mark, wie sie 1924 erfolgte, ging in ihrer Auswirkung weit über Deutschlands Grenzen hinaus; sie wurde von weltwirtschaftlicher Tragweite. Rur dank der Tatsache, daß fetzt die deutsche Mark endgültig wie. der auf Goldbasis gefestigt war, wurde es mög»
Noch ein König von Afghanistan.
Der neue Gegenkönig Ali Achmed Khan.
Sn Afghanistan schießen jetzt jeden Tag „Kö- mge" aus der Erde hervor. Der Schwager Aman Ullahs", Ali Achmed, ist neuerdings zum König ausgerufen worden. Mit ihm soll jetzt probiert werden, ob Kabul für Aman Ullah zurück zu erobern ist. Europa hat ein Interesse daran, daß Aman wieder ins Regiment kommt, da nur so mit der Begleichung der Lieferungen zu rechnen ist, die der König bei seinem Curopabesuch in Auf- trag gegeben hat.
stch, m der Folgezeit die Währungen Belgiens, Italiens und Frankreichs, aber auch die der skan» dinaolschen Länder und der baltischen Staaten zu reorganisieren. Man behauptet gewiß nicht zu- mel, wenn man die Stabilität der europäischen Währungen in ihrem Verhältnis untereinander und zum amerikanischen Dollar als das Mckgmt der Welt-Finanzwirtschaft bezeichnet. Einer der wichtigsten Tragpfeiler des internationalen Währungsaufbaues ist jedoch die deutsche Mark. Des- halb tut es not, der Morgan- Konferenz das Gewissen dafür zu schärfen, daß unter keinen Umständen die Sicherung der Reichsmark, die heute der Transfer-Schutz darstellt, irgendwelchen politischen Opportunitätsrücksichten zEebe vermindert werden darf. Vor allem gilt das für das Problem der sogenannten „Kommerzialisierung", also der geplanten Teil-Umwandlung der rein politischen Re. parationsschuld in eine kaufmännische Schuld, wie man sie sich durch Verkauf von Reparationsobli» gationen an Private vorstellt. Es besteht die Gefahr, daß hierbei die Grundsätze des Transfer- Schutzes angetastet werden. Man sollte deshalb für die gewichtigen Bedenken, die Deutschland gegen die Kommerzialisierungstendenzen vorbringt, auch außerhalb der deutschen Grenze Verständnis haben. Denn Aufbau des Transfer-Schutzes bedeutet Wiederkehr des internationalen Valutarisikos, und die ungünstigen Folgen würden sich dann nicht nur in Deutschland,, sondern auch tn der ganzen übrigen Welt fühlbar machen, in Südamerika ebenso wie in Ost-Europa und in Skandi. navien nicht weniger als in Holland und Spanien, als in Indien und Japan. Allmählich ringen sich heute die Kulturvölker zu der Erkenntnis durch, daß eine internationale Schicksalsgemeinschaft der Wirtschaft und der Finanzen besteht. Leidet ein Land Rot, so greifen die nachteiligen Folgen bald auch aus andere Gebiete über. So erklärt sich bei. spielsweise vieles, was heute noch in der Weltwirtschaft einen unbefriedigenden Eindruck macht, letz, ten Endes daraus, daß der große rvfHftbe Markt noch immer nicht wieder seine volle Kaufkraft erlangt hat.
Mit dem internationalen WÄHrungsprodlem, das auf der kommenden Reparationskonferenz, deren wichtigste Person der führende amerikanische Bankier Pierpont Morgan ist, erneut $ur Sprache kommen soll, vc bindet sich unmittelbar auch das internationale Kreditproblem. Gewaltige Kreditbeträge sind tn den letzten Jahren aus Ame- rika nach Europa, insbesondere nach Deutschland geflossen, so im Jahre 1928 nach Deutschland allein nicht weniger als 4,5 Milliarden Mark. Zum Wiederausbau seiner Produktion bedarf- Deutschland auch weiterhin umfangreicher Auslandskredite. Die Reparationsregelung muß ^deshalb in der Weise erfolgen, daß Deutschland auch ferner kreditwürdig bleibt und daß den bisher gewährten Krediten auf alle Fälle die Sicherheit des Zinsen- und Tilgungsdienstes gewährleistet ist. Auch das ist eine nicht nur deutsche oder amerikanische, sondern weltwirtschaftliche Frage. Eine Störung in der Kreditversorgung Deutschlands würde das Kre- ditsystem der ganzen Welt ins Wanken bringen.
Die Fragen des internationalen Güteraustausches werden auf der Morgan-Konferenz, die prat- lisch in erster Linie eine Finanzkonferenz ist, nicht so sehr im Dordgrunde stehen- dennoch werden sie auf alle Debatten und Beschlüsse den stärksten Einfluß ausüben. Die Riesenzahlungen, die sich aus der Reparationsverpflichtung ergeben, können letzten Endes unmittelbar oder mittelbar nur durch Lieferung von Waren oder Leistungen ausgeführt
Jahresleistung von 11691 Kilo Mich. Vorher wurde der Rekord von der Kuh „Peluschke" gehal- ten, die es auf eine Jahresleistung von 11372 Kilo Milch brachte. Beide Tiere gehörten der schwarzbunten Rasse an und waren eingetragen in der Königsberger Herdebuchgesellschast. Der neue deutsche Mlchrekord ist mit Kuh „Peta" von S). Latze in Groothusen erreicht worden. Es handelt sich dabei um eine eingetragene Kuh des Vereins Ostfriesischer Stammzüchter. . Während der 365tä- aigen Prüfungszeit konnte eine Jahresleistung von 12 327 Kilo Milch festgestellt werden. Die Milch, menge wurde 14tägig von einer amtlichen Stelle kontrolliert. Die Nachkontrolle wurde vom Institut für Tierzucht der Universität Göttingen vorgenommen. „Peta" übertrifft die bisherige Rekordkuh „Dahlie" in der Milchmenge um 635 Kilo. Im prozentischen Fettgehalt reicht sie aber nicht an di» Leistung dieser Kuh heran.
Wie wird das Wetter?
Das atlantische Tiefdruckgebiet ist weiter nach Osten vorgerückt und hat wärmere Luftmassen ostwärts transportiert. Eine südliche Luftströmung hat schon über England und Frankreich eine beträchtliche Erwärmung gebrächt. Wärmere Luftmassen werden auch unser Gebiet überfluten und die Temperatur langsam ansteigen lasten, wenn auch noch das heitere Wetter und die Schneedecke bei uns noch stärkere Fröste verursachen. Es kann also mit einer leichten Abschwächung des Fro< stes gerechnet werden.
Witterungsaussichten für Freitag: Bewölkt, heiter, zeitweise Niederschläge, Frost, schwache Suftberoe-^ gung.
werden. Soweit Deutschland nicht Sachlieferungen hergibt, sondern Devisen für die Reparationszahlung aufbringen muß, kann es sich diese Devisen schließlich auch nur aus dem Erlös seines Warenexportes beschaffen. Wenn es hegte die Devisen durch Ausnahme von Auslandskrediten erlangt, so ist das nur ein Notbehelf, ein vorübergehender Zustand. Wenn gefährliche Spannungen vermieden werden sollen, so muß — so lange Deutschland überhaupt unter der Reparationsverpflichtung steht — alles aufgeboten werden, in der deutschen Handelsbilanz wieder EWortüber- schüsse zu erzielen. Die Exportsteigerung ist daher heute für die deutsche Volkswirtschaft, wenn sie unter dem gewaltigen Reparationsdrucke überhaupt am Leben bleiben will, ein Existenzpro- blem ersten Ranges. Deshalb hat auch die Denkschrift, in der kürzlich der Reichsverband der Deutschen Industrie praktische Vorschläge des erfahrenen Exportfachmannes Geheimrat Dr.» Jng. h. c. Philipp Rosenthal veröffentlichte, starke Beachtung nicht nur im Inlands, sondern auch im Auslande gefunden. Die Denkschrift befaßt sich mit dem wirtschaftlichen Auslandsnachrichtendienst, mit den Exportkrediten, mit der Cxportkreditver- sicherung und mit der Exportpropaganda im Auslande. Die Morgan-Konferenz wird dafür sorgen müssen, daß Deutschland, wenn es Reparationen aufbringen soll,, auch entsprechende Bewegungsfreiheit für feine Exportausdehnung erhält. Mit dem Anspruch auf Reparationen läßt sich die Aufrichtung eines protektionistischen Abwehr, zaunes gegen deutsche Waren nicht vereinen. Handelsfreiheit im internationalen Dexkehr ist gleichermaßen ein Problem der Reparationen wie der Weltwirtschaft.
* Ein neuer deutscher Mlchrekord. Noch vor kurzer Zeit bewunderte man die gewaltige deutsche Milchleistung der Rekordkuh „Dahlie" mit einer
Venedig, die Stabt
Schriftleiter: Dr. phil. Johannes Kramer, verantwortlich für Politik und heimatliches Dr. Kramer, für den Roman und die „Vuchenblätter" A n t o n Weßler, für den übrigen Text und die Unterhaltungsbeilage Dr. rer. pol. Karl Au st ermann, alle in Fulda. Verantwortlich für die Anzeigen: Direktor der Fuldaer Actiendruckerei I. P a r z e l l - r.
Sonne, im Schnee.
Blick vom Lido auf die schneebedeckten Dächer und Türme Venedigs.-
Venedig, die „Stadt unserer Träume" zeigt Aber auch das weiße Venedig hat einen bezan- sich m einem ungewohnten Kleid. Dichter Schnee bernden Reiz.
bedeckt die Dächer der schönen Kirchen und Paläste. ______
19 MonatenZ
„So brauche ich mich von meinem tapferen Kamera- den nicht zu trennen? Wir können weiter wandern zur höhe?"
an seine Lippen führend sagt er ebenfalls fest: „Ja, Elvira, so soll es sein! Nun ist die Bosheit unserer Feinde doch zu Schanden geworden an Ihrem treuen, starken Herzen."
für sich und fcOeseM^um dievM^wanneni firSäug&wflege WanderezakSdwfe um ihre Haut vordemEmsdfen. um ihre Haui stets
Ondk^emC\aSS® SWnSonrm-und gegen denWind um das Basierens gesund und gesdimei
Patienten, frachzuerhalfen. zu tun hat Kinderzimmn: dldsdmtami zu schützen. erleichtert dig zu erhalten.
Diesen Erfolg-ver« danken wir der un • erreicht en Wirksam- kett der Nivea - Creme, begründet in ihrem. Gehalt an hauipfle ■ gendemEucariii
Treue Herzen.
Roman von Marie Harting.
1 '
KM-
M
- - «ZS;
,T> Roger, ich habe unseren gemeinsamen Weg un- möglich gemacht! Durch Pokorny aufgereizt, habe ich noch gestern abend den Kontrakt unterzeichnet, der mich hier bindet."
„Der Schuft!" Unwillkürlich stößt Roger die Worte hervor. Dann fährt er beherrschter fort: „Verzeihung, Elvira, aber er ist es wirklich. Doch ich kann vielleicht mit dem Direktor noch verhandeln, mit Geld kann man viel erreichen. Ich kann es Ihnen vorstrecken."
Da richtete Elvira sich auf; mit edlem Stolz blickt sie Roger an. „Nein, mein Freund, von dem Geld, das Ihrem Kinde gehört, nehme ich keinen Pfennig. Wer weiß, wie lange Sie noch für Ihr Kind schaffen tön. nen. Vielleicht ist es auch besser, wenn wir uns wenigstens einige Zeit trennen. Lassen Sie mich getrost hier, ich finde meinen Weg schon."
Roger neigt das Haupt, er kann Elvira nicht Un- recht geben, doch dann blickt er sie noch einmal bittend an. „Im Sommer, Elvira, wenn wir beide ruhiger geworden sind, darf ich Ihnen dann das traute Heim zeigen, das mir treue Schwesterliebe geschaffen? Wollen Sie dann zu uns kommen?"
„Seme Roger, o wie gern. Ich bin so froh, daß ich olles weiß, nun erst kann ich Ihnen in Wahrheit ein tapferer Kamerad sein!"
„Vielleicht wäre es besser gewesen, ich hätte eher gesprochen, aber es ist schwer für eine Natur wie die meine, fein verfehltes Leben mitleidigen Blicken zu ent- hüllen." ♦
"3$ danke Ihnen, Roger, daß Sie es trotzdem getan. Glauben Sie mir, ich achte Sie nur um so höher. Achtung und Vertrauen soll das Fundament fein, auf dem fid) unsere weitere Freundschaft und Kamerad chaft auf- baut. Wollen Sie?"
Frei und offen blickt Elvira ihn an; da nimmt er die ichmale weiße Hand fest in die seine und sie ebrerbietia
Sandor Pokorny traut seinen Augen nicht, als er Roger und Elvira freundlich und vertraut wie immer miteinander verkehren sieht. Roger hätte den Ungarn am liebsten zur Rechenschaft gezogen, aber er tut es nicht um Elviras Willen; fürchtet er doch für ihre Zukunft neben diesem heißblütigen, geroiffenlofen Menschen. Als grau Cllinor das Scheitern des neuen Planes erfährt, als sie hört, daß Roger abgereist ist, ohne ihr auch nur einen kurzen Höflichkeitsbesuch zum Abschied gemacht zu haben, da tobt sie in wilder Leidenschaft.
„Sie allein sind schuld mit Ihrem voreiligen Han- dein!" fährt sie Sandor an, der ihr die Nachricht ge- bracht hat. „Warum ließen Sie mich nicht zuerst mit Roger sprechen?"
Ms Elvira kommt, um sich von Frau Hermann zu verabschieden, stürzt Frau Ellinor ihr fauchend entgegen.
„Ich verbiete Ihnen dieses Haus, Sie scheinheilige Person, die sich nicht scheut, Liebschaften mit verheb röteten Männern zu unterhalten!"
Elvira wird bleich, doch richtet sie ihre Gestalt stolz auf, und wendet sich, ohne ein Wort zu sagen, wieder dem Ausgang zu.
Von Frau Hermann nimmt sie dann mit ein paar herzlichen Worten schriftlich Abschied, ohne den unangenehmen Vorfall zu erwähnen.
10.
"tEnbliif,, endlich!" Elvira atmet wie befreit die kost- litt)e frische Frühlingsluft ein, die durch das offene Fen- ster ihres Abteils weht, in dem sie ganz allein ist. Sie seinen, grauen Reisehut abgenommen, dann lehnt sie sich zum Fenster hinaus.
Weit in der Ferne grüßen noch die Türme von M. herüber. „O, daß es ein Abschied für immer wäre, bafj irf) nie mehr nach dort zurückzukehren bräuntei" benft sie. Doch dann ermannt sie sich; sie will ja nicht zaghaft werden, will mutig in5 Leben schauen, und dann hat sie,a auch ln M. noch die gute Sanitätsrätin; verlassen ist sie also nicht
Die paar Monate gehen auch vorüber!", tröstet sie sich, „dann bin ich frei, dann kann ich wieder mit Roger zusammen (ein."
Weiter und weiter rollt der Zug durch die frühlingsfrohen Lande, jede Stunde bringt sie der Heimat näher.
Sie sehnt sich so sehr nach der reinen Luft der Heimat, nach den lieben, treuen Menschen dort. Sie hat ja geglaubt, ersticken zu müssen in all der Gemeinheit und Intrigue, die sie in den letzten Wochen kennen gelernt hatte.
Freilich, den Vater wird sie vermissen. Wie hat sie sich sonst gerade auf ihn gefreut! Alles hat sie ihm anoertrauen können, alles, und er hat immer ein gutes, verstehendes Wort für die Nöten feines Kindes gehabt.
Doch er mag im Frieden ruhen, an feinem Grabe wird fein Kind sich neuen Mut für schwere Lebenstage holen.
Als sie endlich daheim ist, als die Brüder sie am Bahnhof jubelnd in Empfang nehmen, da kann sie der Tränen sich doch nicht erwehren.
Alle sind im Schulhaus versammelt. Die Mutter, die noch nie so gut und herzlich war, Walter und Ma- rianne und auch Felix Neuber, der junge Lehrer, der ihnen allen in der kurzen Zeit feines Hierseins ein treuer Freund geworden ist.
Veilchensträuße prangen auf dem festlich gedeckten Tisch, um den bald darauf fröhlich plaudernde Menschen sitzen. Da versiegen auch Elvirens Tränen, da wird sie sich bewußt, welch ein köstlicher Schatz eine liebe, traute Heimat ist.
Auf dem Friedhof wölbt sich mancher frische Grab- Hügel, der gute, alte Pfarrer schläft nun auch schon dort. Im Pfarrhaus wohnt ein junger Geistlicher, der in die Fußstapfen des alten Seelenhirten einzutreten verspricht.
Lange hat Elvira am Grabe des Vaters gebetet, als Walter kommt, sie zu einem Spaziergang abzuholen.
Da reicht ihm Elvira mit einem lieben Lächeln die Hand. „Sie lieber, treuer Freund, sorgen Sie sich nicht um mich. Ich trauere zwar um den Vater, den ich nie vergessen werde, aber meinen frohen Mut habe ich darum nicht verloren."
„Gott sei Dank, Elvira, daß Ihre Augen wieder heller blicken, gestern abend fürchtete ich für Sie."
Eine Zeit lang gehen beide schweigend weiter. Die Luft ist so angenehm frisch und würzig, von Veilchenduft durchzogen, auf der großen Dorfwiese blühen die Schlüsselblumen in Menge. Um die schlanken, weißen Birkenstämme, die den Weg einsäumen, hat der Früh- ling zarte, grüne Schleier gesponnen und die roten Ziegeldächer der Bauernhöfe verschwinden fast unter den blühenden Obstbäumen.
Doktor Roland muß zu einem entfernt liegender Gehöft und hat Elvira zur Begleitung aufgefordert.
Sie ahnet den sonnigen und doch herben HZäüber des Frühlingsmorgens in ihre schönheitsdurstige Seel« ein, aber sie sinnt auch darüber nach, ob sie Walter von den Begebenheiten der letzten Wochen erzählen soll, Alles kann sie ihm nicht sagen; über das, was Roger ihr anvertraut hat, darf sie nicht reden.
„Sie sind so schweigsam, Elvira, nimmt der Frühlingszauber Sie so ganz gefangen?"
Elvira blickt lächelnd zu ihrem Begleiter auf.
„3a, Walter, die Heimat ist schön, doppelt schön, wenn man sich solange nach ihrem Anblick gesehnt hat."
Wieder schweigen beide, dann aber sagt der junge Arzt mit gepreßter Stimme, der man es anmerkt, daß er sich zu dieser Frage zwingt: „Haben Sie Unannehm- lichkeiten gehabt, Elvira? Ich frage nicht aus Reu- gierbe, das wissen Sie," fügt er hinzu, als er sieht, wie Elvira jäh errötet.
Freimütig blickt ihn Elvira an.
„Das weiß ich, Walter. Ich wollte Ihnen ohnedies alles erzählen, konnte nur die rechten Worte nicht finden."
Dann erzählt sie von Roger Waltmann. Don ihrer Liebe spricht sie und von dem Irrtum, in dem sie gelebt, von Sandors häßlichem Benehmen und von ihre, eigenen Torheit. Nur Rogers ureigenstes Erleben ver- schweigt sie; denn sie hat kein Recht, zu einem andern davon zu sprechen.
„Mein eigenes, vorschnelles Handeln ist schuld, daß ich allein nach M. zurück muß. Das bedrückt mich", sagt sie traurig. „Doch ich war roie von Sinnen an jenem .'.benb, sonst hätte ich mich von Sanbor Pokorny nie uberreben lassen."
(Fortsetzung folgt.)