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uloaerZertung

Anzeiger für die Stabt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblakt

Jtr. 26

Donnerstag, 31. Januar 1929

Sö.Jahrg.

Polen und die HandelMMGMHMlungen

VDZ. Berlin, 30. Januar. (Eig. Funkm.) Der Reichstag will in seiner heute um 3 Uhr beqinnen- den Sitzung zunächst das Gesetz über die Warte- stcmdsbeamten erledigen. Die zweite Lesung steht aus der Tagesordnung; ob es auch noch zur dritten Lesung schon heute kommt, ist fraglich, da mehrere Bestimmungen des Entwurfs als verfassunqs- andernd angesehen werden, die Schlußabstimmunq also die Annahme mit Zweidrittelmehrheit ergeben mußte, damit das Gesetz zustande kommt, die Mehr- heitsverhaltnisse aber noch nicht geklärt sind. Im zweiten Teil, der heutigen Reichstagssitzung jofi aud) doch die erste Lesung der Entwürfe zur Steuerveremheitlichung zu Ende gebracht werden.

wtb. Warschau, 30. Januar. (Eig. Funkm.) Wie die offiziöse Nachrichtenkorrespondenz Preß erfährt, vertritt man in Regierungskreisen die Ansicht, daß die am verflossenen Samstag bei dem polnischen Bevollmächtigten für die deutsch-polnischen" Han­delsvertragsverhandlungen, Minister von Twar- dowski, eingegangene kritische Antwort dgs Reichs- Ministers a. D. Dr. Hermes den deutschen Stand­punkt zu den polnischen Vorschlägen nicht hin­reichend klar erkennen lasse. Es sei deshalb noch immer ungewiß, wann die Konserenzberatungen wieder ausgenommen würden.

VDZ. Berlin, 30. Januar. (Eig. Funkm.) Die Gestaltung des Wartestandsbeamtengesetzes, dessen zweite Lesung bereits auf der Tagesordnung der heutigen Reichstagssitzung steht, bildete den Ge­genstand von Verhandlungen zwischen Vertretern der hinter der Regierung stehenden Parteien am heutigen Vormittag. Wie das Nachrichtenbüro des VDZ. aus parlamentarischen Kreisen hört, stehen die Kompromißverhandlungen günstig, man rech­net deshalb darauf, daß eine Zweidrittelmehrheit für das Gesetz zustande kommt. Außer den hinter der Regierung stehenden Parteien werden nämlich voraussichtlich auch die Wirtschaftsparter und die Bauernparteien für den Entwurf stim­men. Die dritte Lesung des Gesetzes soll dann morgen auf die Tagesordnung kommen. Bei der Schlußabstimmung müßte dann die für Verfassung s- änderungen notwendige qualifizierte Mehrheit fest- gestellt werden.

Die Arbeit der Sachverständigen.

Der Gouverneur der Bank von Frankreich Moreau hat zu Ehren des Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht ein Essen gegeben, an dem hervor­ragende Persönlichkeiten der Finanz- und Bankwelt von Paris, darunter auch der zweite französische De- legierte für die kommenden Reparattonsverhandlun- gen, Parmentier, teilnahmen. Im Laufe der Un­terredungen, die Dr. Schacht mit dem Gouverneur der Bank von Frankreich hatte, ist natürlich auch von den bevorstehenden Reparationsver­handlungen gesprochen worden. Es steht nunmehr fest, daß die amerikanischen Delegierten am Abend des 8. Februar in Paris Eintreffen wer- ben. 2tm folgenden Samstag wird der Gouverneur der Bank von Frankreich die Mitglieder des Repa­rationsausschusses in der Bank von Frankreich zu einem Tee vereinigen, damit die erste Fühlung­nahme stattfinden kann. Erst am Montag, den 1'1. Februar wird sich der Sachverständigenausschuß, offiziell ein autonomer Organismus, lnl- ben Er wird nicht am Sitze der Reparationskom- Mlssion tagen, sondern an dem ehemaligen Sitz der Reparationskommission, der jetzt zu einem Hotel umgebaut worden ist, nämlich im Hotel Astoria auf öen Champs Elysees. In diesem Hotel wird ein ganzes Stockwerk für die technischen Dinge der Kon­ferenz hergerichtet.

Die Präsidentschaft Hindenburgs.

Unter der Ueberschrift „Deutschlands Wohl" veröffentlicht der Londoner „Evening Standard" einen Artikel, in de mer unter anderem heißt:

Während der vormalige Kaiser seine Sicherheit in Holland suchte, war es Hindenburg, der eine noch blutigere Revolution verhinderte, in dem er seine halbverhungerten Heere nach Berlin zurück- sührte. Hindenburg paßte sich wunderbar den Anforderungen^seines neuen Amtes an, und wäh­rend einer Periode besonderer Schwierigkeiten er­wies er sich als ein großer verfassungsmäßiger Präsident. Das Geheimnis seiner Volkstümlichkeit kann man mit einem Satz erklären: Niemals hat Hindenburg an sich selbst gedacht; niemals hat er seine eigenen Interessen vor die seines Landes gestellt. Hindenburg ist das Symbol der Ideale, die die Menschheit stets anbetet: hohes Pflicht­gefühl und selbstaufopfernde Hingabe an den

Staat. Ebert und Hindenburg haben Deutschland gerettet, und sie haben seine wunderbare Wiederherstellung möglich gemacht. Das Blatt fragt, wer der bessere Mann für Deutsch­land ist, der vormalige Kaiser, der immer noch in der Atmosphäre des Jahres 1914 lebe, ober Hin- benburg, ber versucht hat, seine Pflicht gegenüber feinem Volke zu tun. Die Stimmen des Auslan­des klingen einhellig für Hindenburg. Kann ir- I genö ein Zweifel bestehen, daß 95 Prozent des deutschen Volkes dieselbe Antwort geben würden?

deutschen Vereine, ferner der Minister des könig­lichen Hauses, Graf Mattiolo Pasqnalini als Ver­treter des Königs, die Admirale Thaon de Revel und Acton, der frühere italienische Botschafter in Berlin, Senator Bollati, ber frühere englische Bot­schafter in Berlin, Discount b’ Abernon mit Gat­tin, ber Vertreter ber Königin von Schweden, zahlreiche Mitglieder der italienischen Diplomatie, des römischen Adels, der Geistlichkeit und der deut­schen Kolons. Der Kirchenchor der Anima fang das Große Requiem von Mittern. Prälat Hudal von Anima empfing die Trauergäste am Kirchen- portal. Der Sarg mit der sterblichen Hülle bei Fürstin wird nach Deutschland übergeführt.

Dor der Plenarsitzung halten die Deutschnatio­nalen, die Deutsche Volkspartei, die Wirtschasts-

E!r die Demokraten und die Kommunisten Frak- tionssitzungen ab. Am Vormittag fanden zahlreiche Ausschußsitzungen statt.

Der Kriegsächtungspakt (Kelloggpakt), der am Samstag beraten werden soll, ist jetzt dem Reichstag gedruckt vorgelegt worden. Sein Inhalt ist ja bereits aus den internationalen Verhandlun­gen bekannt. Zugleich mit dem Vertragsentwurf ist dem Reichstag die dritte ergänzte Aus­gabe der amtlichen Dokumente zum Kriegsachtungspakt vorgelegt worden. Der umfangreiche Band enthält die Dokumente aus den Vorverhandlungen und als wichtigstes Material die bisher eingegangenen Antworten auf die Auf­forderung zum Beitritt zum Vertrage.

Trauer für die Fürstin Bülow.

In Rom wurde in der deutschen Nationalkirche Santa Mana bell' anima das Pontifikal- "si«iem für die Fürstin Bülow durch den latei­nischen Patriarchen von Alexandrien unb ehernali- gen Erzbischof von Prag Grasen Huyn zelebriert. Anwesend waren: Fürst Bülow, der deutsche Bot­schafter beim Quirinal als Vertreter des Reichs­präsidenten und der Reichsregierung und Freifrau ^.eurath, der Botschafter beim Vatikan und Frau v. Bergen, das ganze Personal der beiden Bot- ichaften, der bayerische Gesandte beim Vatikan, bie österreichischen Gesandten beim Vatikan und Ouirtnat, die Vorstände der wissenschaftlichen In­stitute und der deutsch geistlichen Kollegien und der

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt tm Bild' und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9 Monatl. 1,80einschl.Postgeb.(30bezw. 48Pf.hohneZustellg.'

Die Politik des „Jungdo".

Das Hochkapitel des Jungdeutfchen Orden» tagte am 25. und 26. Januar in Berlin. Es wur­den eingehende Richtlinien zur Vorbereitung einer volksnationalen Aktion beschlossen, deren Aufgabe die Sammlung weitester Volkskreise in einer neuen Front ist, die den überalterten heutigen parteipoliti­schen Gegensätzen entrückt in positiver Arbeit an die Lösung der vorhandenen politischen Probleme herangeht. Das Ziel der Aktion ist die Fortent­wicklung der deutschen Republik zu einem organi­schen Volksstaat mit einer starken Regierungsge­walt, aufgebaut auf dem Leistungsprinzip unter tä­tiger Mitwirkung der Nation und befreit von ber Beherrschung durch Klasse, Kaste und Geld.

Das Hochkapitel prüfte ferner die außenpolitische Lage und faßte eine Entschließung, in ber zum Ausdruck gebracht wird, baß trotz bes gegenwär­tigen Streites in der Reparationsfrage der Ge­danke der Neuregelung der Lage in Eurova durch eine völlige Veränderung des Verhältusies zwi­schen Deutschland und Frankreich in beiden Län­dern unaufhörlich Fortschritte gemacht habe. Der Jungdeutsche Orden betrachte es als eine besondere Aufgabe, dafür einzutreten, daß neben den notwen­digen wirtschaftspolitischen Abmachungen, die zwi­schen Deutschland und Frankreich getroffen werden, nationale Forderungen erfüllt werden, die dem Willen und den Notwendigkeiten ber Völker ent­sprechen. Wirtschaftliche Abmachungen allein wür­den nicht in der Lage fein, bie notwendigen Saran» tien für einen dauerhaften Frieden zwischen .. Deutschland und Frankreich zu schassen.

* Forderungen der Rentner. Dienstag vor­mittag versammelten sich im Berliner Lehrerver- emshaus die Mitglieder des Deutschen Rentner­bundes zu einer Protestversammlung gegen die Beschlüsse desSozialpolitischen Aus­schusses des Reichstages. Zahlreiche Redner des Bundes polemisierten gegen den Standpunkt der Regierung ,die die Rentner auf denAusba u berFürsorge verweist unb bie Schaffung eines Rentnerversorgungsgesetzes vorläufig ablshnt.

* Der wird Reichsgerichtspräsidenk. Der Nach­folger für öen Reichsgerichtspräsiöenten Dr. Si­mons, ber mit bem 31. März aus dem Reichsbienft scheidet, foll etwa Mitte Februar ernannt werden. Die „Voss. Ztg." will wissen, daß der Ministerial­direktor im Reichsjustizministerium, Dr. Sumte, in Aussicht genommen ist. Die Ernennung liegt verfassungsmäßig in den Händen des Reichspräsi­denten, dem das Reichskabinett feinen Vorschlag macht. 1

Die Groener - Denkschrift.

Wie die B Z. berichtet, steht die Haussuchung | bei der pazifistischen Zeitschrift „Das anders Deutschland" in Hagen i. W. im Zusammenhang mit der Untersuchung ber Oberreichs­anwaltschaft wegen ber Gröner-Denk- schüft. Die beiden Redakteure des Blattes, Kü­ster und Krafutzky, wurden im Anschluß an dis Haussuchung als Zeugen eidlich vernommen über die Frage, woher sie ein Exemplar der Denkschrift hatten und ob sie wußten, wie die Denkschrift nach England gekommen sei. Beide bekundeten, die Denkschrift sei ihnen anonym zugesanbt worden, und sie wüßten nicht, auf welchem Wege die Denk­schrift nach England gekommen fei. Das ihnen zu- gefanbte Exemplar der Denkschrift wurde bei ber Haussuchung nicht gefunden. Redakteur Küster übergab fein eigenes Exemplar freiwillig ber Staatsanwaltschaft.

Laut „Boss. Ztg." hat im der Sache Gröner- Denkschrist am Montag abend eine Haussuchung bei der Berliner Zeitnotizen-Korre- s p o n d e n z ftattgefunben. Die Beamten der Staatsanwaltschaft befchlagnahmten einen Teil des vorgefundenen Materials.

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* Zahlen von den letzten Dahlen. Die amtliche I Statistik über die Maiwahlen liegt nun vor. Es ergibt sich zunächst die sehr nieberbrüdenbe Tat­sache, baß noch keine Wahl fta'ttgefunben hat mit so geringer Wahlbeteiligung wie am 20. Mai 1928. Es haben im ganzen nur 75,5 Prozent aller Wahlberechtigten gewählt. Die geringste Wahlbe­teiligung weist ber Wahlkreis Baden mit 61,5 Pro­zent auf, danach Hessen-Darmstadt mit 65,8 Pro­zent. Die beste Wahlbeteiligung ergab sich in Mag- debutg-Anhalt mit 84,4 Prozent, im Wahlkreis Leipzig mit 83,4 Prozent, unb in Berlin mit 78 Prozent. Von allen Parteien ist es nur bem -3? n trum, allerdings auch nur in einem ein« 31 g e n Wahlkreis, nämlich dem von Koblenz-Trier, gelungen, die absolut? Mehrheit zu erreichen. ?AnAm genannten Wahlkreis hat das Zentrum r • Dozent aller abgegebenen gültigen Stimmen erlangt, freilich siegt auch diese Stimmenziffer noch unter ber von Dezember 1924, die damals 58,4 Prozent betrug. Selbst ber Sozialbemokratie

ber Richtung zu marschieren, ihr Kompaß sie klar und deutlich führt. Die Einstellung auf das große gemeinsame Wirtschaftsgebiet ist notwendig. Die nächste Generation wird uns danken, wenn wir die geschichtliche Unterbrechung, von 1806 bis über 1900 in einer klugen, rechten Form gutgeniacht ha­ben. Und unsere Nachbarn können es gern ober nicht gern sehen, aber sie können uns nicht hindern, rniteinanber Freundschaft zu halten. Einander zu helfen, ist uns nicht verboten, miteinander zu trach­ten, in der Welt draußen gemeinsam aufzutreten, kann uns niemand verbieten. Unb wenn wir es einmal fertigbringen, baß in allen Handelsverträ­gen, die wir und Deutschland schließen, die Bemer­kung enthalten ist, die Meistbegünstigungsklausel gilt mit Ausnahme jener Zölle, welche Oesterreich und Deutschland sich als befreundete Staaten ge­ben, dann sollen die Siegerstaaten kommen und sagen:^Non licet, es ist verboten; wenn wir uns in einem Belange, der niemandem schadet, nieman­dem wehe tut, nicht selbst helfen dürfen. Die Form, die Europa später haben wird, wird langsam ge­schaffen, und ich bin der Meinung, daß uns, wenn wir den Anschluß nicht nach der einen Seite finden, eine kritische Stunde anderswohin werfen wird, wo wir uns fragen: Gott, wohin bin ich geraten! Heute können wir sagen, wir haben noch nichts ver­säumt. Es ist gut, daß wir aus der allgemeinen Anschlußstimmung langsam herauskommen, soweit sie nur eine Redewendung und ein allgemeiner Wunsch, mehr aus dem Herzen, als aus einer wirt­schaftlichen Ueberlegung heraus ist, war sie gut. Aber mir müssen aus diesem Milieu und müssen suchen, in die Wirklichkeit einzutreten. Als den Weg zu einem Wohlergehen sehe ich die Arbeit an dem großen Werke, daß wir vorläufig einen Han­delsvertrag abschließen, der der ganzen Welt den Beweis dafür erbringt, die zwei sind keine Ent­ente, sie haben keinen Pakt, den man dem Völker­bund vorlegen muß, sie haben keinen Schiedsver- trag, sind aber — eine große Einheit, ein Kern- punkt zur Einheit und zum Frieden Europas."

Stürmischer Beifall, in den Mehrheit und Oppo­sition einstimmten, folgte den Worten Dr. Drexels. Nüchtern und sachlich, wie Kanzler Seipel in Mün­chen, so hatte sein Parteifreund Drexel in Wien ge­

sprochen. Wenn man im Reich diese Ausführun­gen zur Kenntnis nimmt und danach handelt, bann wird auch in Europa der Zeitpunkt kommen, in welchem man an bie Stelle ber hysterischen Fest­stellung: „Der Anschluß bedeutet den Krieg" lieber sagt „Der Anschluß ist eine Selbstverstänb'ichkeit!"

eine Herzenssache ist erstaunten unb fragten sich mit Sorge, was biefe Nachricht bedeute, warum es so gekommen sei und welche Folgen es haben wird. Die ursprüngliche erste große Sorge, daß es tiefer- gehende Meinungsverschiedenheiten seien, rom-be un5 genommen. Die Art ber Stimmung, in ber siw die Unterhändler zusammensetzen, war ber Auf­gabe, bie ihnen vorlaa, eben nicht gewachsen. Im- mcrhm: bie große Entscheidung über bas Schicksal des beutschen Volkes fällt nicht in bie Frage, ob es gelingt, einen politischen Anschluß durchzusühren. Der pottt. Anschluß ist keine unbedingte Notwen- dlgkeit. Sie fällt auch nicht in der Entscheidung darüber, ob es uns gelingt, die Gesetzgebung ganz anzugleichen. Entscheidend ist die eine'große Frage ob es uns gelingt, auf dem Wege des Handelsver- träges vorläufig näher zu kommen, bis bas große Ziel erreicht ist, daß Deutschlanb und Oesterreich ein einheitliches Wirtschaftsgebiet sind. Denn ber Weg dazu, wie wir aus ber Not der Zeit herauskommen ist vorläufig ber, daß mir Oesterreicher in ein grö­ßeres Wirtschaftsgebiet hineinkommen, unb dieses größere Wirtschaftsgebiet ist das des deutschen Vol­kes. Aber vergessen wir deshalb nicht, baß das Wort Handeln auch den Sinn hat, einmal mit den Worten aufzuhören unb eine Tat zu setzen. Diese muß sich im nächsten großen Handelsvertrag zwi­schen Oesterreich und Deutschland zeigen. Die Un­terlage dieses Handelsvertrages muß darin be­stehen, daß mir uns alle in ber Auffassung einigen, haft Oefterreirf) unb Deutschland ein gemeinsames Wirtschaftsgebiet sein sollen, noch mit Zollgrenzen und verschiedenen Handelsverträgen, aber doch so, an- raIIe daran denken, ein großes gemeinsames -ü5,ü<f)aft5gebiet zu sein.

Wenn mir auch Oesterreich bleiben unb unsere eigenen Handelsverträge haben — in dem Auqen- E'n dem bie ganze Welt meiß, daß mir zwei »A„c k' miteinander auf den Markt gehen “nb,Q“f dem Markt kaufen, die in bezug aus bie ^e Stellung in ber Welt­wirtschaft dieselben Grundsätze Einhalten, tritt bas Heine ^efterreuf) aus ber Enge heraus; es ist nicht

*5 Siiicklein, das im Kampfe der k « u1 ■ berumgeroorfen wird, sondern stark bastelst, weil ein Größerer da ist Daß dies aemiffe Opfer fordert, ist selbstverständlich.^Von de^ M renben beider Staaten muß verlangt werden, daß sie dre Aufgabe, die auf weite Sicht gestellt ist ver­stehen und baß, so oft bie Gelegenheit kommt, in

Die Festlichkeiten aus Anlaß bes 70. Geburts­tages bes ehemaligen beutschen Kaisers fanden in er engen auf ber Besitzung des mit bem Schlohherrn von Doorn eng befreundeten Grafen Bentinck mit einem von diesem veranstalteten G a st m a h l, an bem neben bem Kaiser seine nä­heren Familienangehörigen unb mehrere bem Gastgeber nahestehenden Persönlichkeiten teilnah­men, ihren Abschluß.

Wie inzwischen noch bekannt geworden ist, ha­ben auch die Königin sowie der Prinzgemahl ber Ns.ederlande bem ehemaligen Kaiser ihre Glück- wunsche zum Ausdruck gebracht. Ferner sandte bie Königinmutter Emma einen Blumenkorb mit cine^^Iüdrounfäf$reiben- Von anderen Glück­wunschschreiben ist ferner noch das des berühmten Untersuchungssachverständigen in ber Kriegsschuld- frage, Prof. Barnes, erwähnenswert.

Heber den augenblicklichen Stand der deutsch- polnischen Handelsvertragsverhandlungen wird er» Hart, daß die polnischen Gegenvorschläge von den zuständigen Ressorts in Berlin genau geprüft wor- deu sind. Trotz der dazugekommenen Ergänzungen sind diese Angebote noch völlig unzurei­chend und stellen keinesfalls eine angemessene Gegenleistung dar. Diese Anschauung ist Polen in einem Antwortbrief be§ Ministers a. D. Hermes an den polnischen Unterhändler von Twardowski zum Ausdruck gebracht worden. Es ist dabei ge­beten worden, daß der polnische Unterhändler sich nachdrücklich für eine Verbesserung der Gegenansätze elnsetzen möge. Besprechungen der beiderseitigen Spezlalreferenten über Einzelfragen sind in War­schau vorgesehen, und an diesen Sonderverhand­lungen wird sich auch Minister a. D. Hermes be­teiligen.

Hus dem Reichstag.

Im Reichstag wurde am Dienstag die erste Beratung des Steuervereinheitlichungsgesetzes fort« gefegt. Die Redner des Zentrums, der Deutschen Volkspartei und der Demokraten begrüßten zwar die Vorlage an sich, weil eine Vereinheitlichung des Steuerwesens dringend notwendig sei. Alle drei Redner aber hatten an den Einzelheiten des Gesetzentwurfes mancherlei auszusetzen. Vor allem wurde bedauert, daß die in den ersten Referenten- mtwürfen enthaltene Tendenz zurSenkungder Real steuern nicht mehr in der jetzigen Regie- kungsvorlage enthalten sei. In der Ausschußbera- tung dürfte es also noch lebhafte Auseincmder- lefeungen mit der Regierung über die einzelnen Bestandteile des Gesetzes geben. In der Mittwochs- sitzung, die um 3 Uhr beginnt, dürfte die erste Beratung der Vorlage beendet werden. Auf der i Tagesordnung steht weiter die zweite Beratung des Wartestandsbeamtengesetzes.

Die Lage in Oesterreich. Anschlußnervositäk und praktischer Anschluß. Kanzler Seine! hatte in München in ruhiger unb gelassener Form auseinandergesetzt, wie bie , ^.^Konstruktion bes österreichischen Biindesstaa- tes sich vollzogen hatte, welch innere Kräfte unb Stimmungen hierbei mitwirkien und wie bies alles lm) einstmals gestalten könnte, wenn die österreichi- che Bundesoerfasiung durch die deutsche Reichsver- fasjung zueinander in Kontakt gebracht würden. Es war sozusagen ein theoretischer Vortrag ohne irgendwelchen politisch-aktuellen Plan Nicht ein einziges Mal kam jenes Wort von- des Kanzlers Lippen welches als ^L'anschluß" bereits in Öen internationalen Wortschatz aller Sprachen Euro­pas überging.

Und doch — gipfelte bas Echo in der Phrase: -Der Anschluß bedeutet den Krieg" Wir aber wollen uns durch bie Symptome europai- wr Nervenüberreizung nicht beeinflussen lassen. Wir wollen einander dies- und jenseits der Grenze aufklären und uns einander angleichen Hierbei aber praktische Wege gehen, welche für nie­manden eine Nervenbelastung vorstellen, wer im­mer guten Willens ist und auf dem Boden der Tat­sachen steht. Einen solchen praktischen Weg hat in den letzten Tagen ein Monn im österreichischen Na­tionalrat gewiesen, ber ob seiner schicksalsschweren Erfahrungen im Weltkrieg als Friedensfreund weit über die Grenzen feiner engeren österreichischen Heimat hinaus bekannt ist. Was PaterDrexel, der christlichsoziale Abgeordnete Vorarlbergs über bas Thema „Der Anschluß unb der Handelsvertrag mit L-eutschland" baHegte, verdient als Frieöens- rebe in ber Welt, als Beitrag zur Angleichungsar­beit, im deutschen Volk aufmerksam gehört und bei- berfetts ber Staatsgrenzen ber beiben deulschen Staaten Mitteleuropas befolgt zu werden.

„Nicht viele Zeitungsnachrichten — so führte Dr. Drexel aus — haben ein solches Aufsehen hervor­gerufen, wie diejenige, die vor einigen Monaten zu lesen war, daß bie Hanbelsvertragsverhaiidlunoen Mischen dem Deutschen Reich und Oesterreich unter­brochen werden unb bie Unterhändler in ihre Hei­mat abgereift finb. Und alle diejenigen, welche mit ihrem Verstände auf den späteren Zusammenschluß Deutschlands unb Oesterreichs hinarbeiten, alle die­jenigen, denen eine Einigung des deutschen Volkes