ulbaer Bettung
^uzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblakt
Jir. 25
Mittwoch, 30. Januar 1929
Sö.Jahrg
-lus Schanabai wird gemeldet: Jovaniscken Berichten aus Nanking zulolge sollen Derhand- limqen zur Regelung ansstebender tragen Zwischen China und 3(intrn. die der chinesische Außenminister Wang und der iavanisiße Gesandte in Beking, Bo Sbi-'aroa, aekUhnt haben. f»in Enaeb- nis gezeitigt haben, llnoffhieHe chinesische Ouel- fen sind jedoch nicht so vessimistisch und nehmen an, onß schließlich ein modus vivendi gefunden werden wird. ___________________
ve änderunaen fn der Dipl matre
wtb. Berlin. 29. Januar. (Eig. Funkm.) Der Herr Reichspräsident hat den Gesandten Dr. Roland K ö st e r im Auswärtigen Amt zum deutschen Gesandten in Osl o. den Vertreter Deutschlands in Griechenland. Gesandten Dr. Renner, zum deutschen Gesandten in Helsingfors und den Vertreter Deutschlands in Albanien. Dr. von Kardorff, zum deutschen Gesandten in Achen ernannt.
Außerdem bat der Herr Reichsvräsident den Generalkonsul Dr. Roh zum deutschen Generalkonsul in Pretoria ernannt.
Die Zowjetwahlen in Rußland.
Die Wahlen zu den Sowjets in Rußland Haber, eine andere Bedeutung als die Wahlen zu den yolrsDertretungen in den übrigen europäischen Staaten. Man sollte meinen, daß in einem Lande, Das von einer Partei diktatorisch regiert wird und in welchem naturgemäß der Wahlmechanismus so eingerichtet ist, daß diese Partei unbedingt als Siegerin hervorgehen muß, das Interesse der Wählerschaft am Wahlakt selbst nur gering sein kann. Aber sur die Sowjetregierung bedeuten die Wahlen das Echo ihrer Regierungstätigkeit, sie sind von vorn- herein so gemeint gewesen ,daß sie Kunde geben sollen gewissermaßen von der Popularität des Sowjetregimes, und daß sie zugleich auch den obersten Sowjetbeamten einen Einblick in das Maß und den Umfang des politischen Interesses der Massen an der Verwaltung der Politik der Sowjets bieten sollen. Demnächst finden auch Wahlen für die neue Deputiertenkammer inItalien statt. Auch hier werden keine Parteien miteinander in Kampf tre- ten; es gibt nur eine Kandidatenliste und das ist die vom obersten faschistischen Rat vorgelegte. Ihr Sieg steht von vornherein fest, wenn es auch dem. italienischen Wähler gestattet ist ,die Regierungsliste abzulehnen. Aber das werden höchstwahrscheinlich nur sehr wenige Unentwegte riskieren, da man sie trotz des geheimen Charakters des Wahlaktes wohl sehr leicht im Einzelfalle erkennen könnte. Auch würde die Regierungsliste ihre Gültigkeit behalten, wenn selbst eine Mehrheit von Neinstimmen sich gegen sie aussprechen würde. Da Mussolini ausdrücklich davon abgesehen hat, einen Wahlkampf zu inszenieren, kann man an der Höhe der Stimmenzahl vielleicht ablesen, wie groß die faschistische Werbekraft noch in Italien ist. Vorausgesetzt, daß nicht verschwiegene Druckmittel angewandt werden, um die Wähler zur Meinungsäußerung zu zwingen. In Rußland werden solche Druckmittel angewandt . Allerdings sind sie weniger direkter 2Irt, denn das würde in Rußland nichts nützen, man verbietet vielmehr den Unzuverlässigen zu wählen, bearbeitet die anderen ober mit Mitteln, die die Eifersucht und den Wettbewerb anstacheln sollen. Das Ziel der russischen Politik bei den Wahlen ist nämlich nicht, daß sich die brei- teßen Volksmassen am Wahlakt beteiligen, sondern ein hoher Prozentsatz nur von den Leuten, die das Wahlrecht besitzen Das Wahlrecht ist nämlich auf einen gewissen Kreis der Bevölkerung beschränkt. Natürlich wünscht man, daß von denjenigen Männern und Frauen, die das Wahlrecht besißen, mög- Uchst viele Stimmen sich für die kommunistischen Kandidaten zusammenfinden.
Um die erwünschte Zusammensetzung der Sow- lets zu erreichen, bestimmt die kommunistische Dik- tatur in Rußland nicht die zu wählenden Kandidaten, wie es, wie oben gesagt, der Faschismus in Italien tut, sondern er kontrolliert die Wähler- listen. Die Wählerlisten sollen von Namen gereinigt sein, die dem Kommunismus übel wollen und seine diktatorische Macht schmälern oder aus* hohlen möchten.
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erfte Staat, der die Nankingregierung anerkenne, um so Den Chinesen gegenüber seine Freundlichkeit und sein Entgegenkommen ganz besonders zu unterstreichen. Man beruft sich in England darauf, daß am 20. Dezember der englische Botschafter Miles Lampson in Nanking sein Beglaubigungsschreiben überreichte. Aber so sehr sich auch die Engländer bemühen, daraus ein welterschüt- ternbes Ereignis zu machen, das sie durch ihre Kreuzer auf dem Y-mgtse durch 21 Salutschüsse verkünden ließen, so ist das alles doch nur ein echt englischer Bluff. Denn selbstverständlich erkannten alle Staaten, die mit der Nankingregierung einen Vertrag schlossen, diese ohne weiteres an, und es kann farmt gar keine Rede davon fein, daß England hier wieder die Führung übernommen hat.
Der einzige Staat, mit dem Ehina bis heute betreffs feiner Handelsvertragsverhandlungen noch keine w-sentlicben Fortschritte erzielt hat,' ist I a- p a n. Auch die japanische Regierung sah sich allerdings gezwungen, ihren grundsätzlich ablehnenden Standnunkt zu verlassen und auf DerlxmDlnn- gen mit Edina mnzugehen. Zunächst schien es, als ob die chinesisch-japanischen Verhandlungen zu einem Ergebnis führen würden, doch kam es bann am 23. November zu einem Stillstand Schuld Daran trug weniger Die Verweigerung der Zollautonomie durch Japan als die Tatsache, daß von chinesischer Seite in den VerhaMunaen politische Forderungen geltend gemacht wurden Denn der chinesische Außenminister Dr Wang verlangte eine solortioe Räumung der Schantung- Prvvinz von javanischen Truvpen, was von japanischer Seite mit dem Hinweis abgelebnt wurde, daß Ehina bisher noch nicht genügende Garantien für die Sicherheit und d»n Schuß iapanischer Bürger in China gegeben hätte. Erst im neuen Jahre wurden Die Verhandlungen w-eder ausgenommen und zwar auf. Drängen der Chinesen. Auch auf iapanischer Seite be^anD der Wille zum Entgegenkommen, da die Regierung Tanaka besonderen Wert Darauf legte, vor dem Zusammentritt Des javanischen Reichstags D’e Zolltarifverhaiidiungen mit China zu sm"m Abschluß gebracht zu haben
um Der Opposition nicht auch hier noch Gelegenheit zu geben, ihre bereits angekündigte Kritik der Cbincmolitik mit einem ganz besonders zugkräftigen Beweis zu begrüribeft. So kamen dann aurh Die chinesisch-javanischen V»rhz"hsnngen über die Anerkennung Der chinesischen Zollautonomie und den neuen Zolltarif am 17. Januar zu einem günstigen Ergebnis.
Da§ praktisch brauchbar ist. Die einfache Betonung der Friedensliebe genügt heute nicht mehr, man , verlangt mit Recht auch nach praktischen Vorschlägen, wie diese Friedensliebe erhalten bleiben kann m einer Welt, die von Waffen starrt.
Die Lage hat sich umdüstert, und wir müssen heute leider sagen, daß die Beschäftigung mit all Dreien Fragen hochaktuell ist! Und sie wird immer aktueller werden, je mehr das Ergebnis des Krieges vergessen sein wird.
Man täusche sich nicht; die Mentalität der Men- lch^" hat sich nicht geändert, und die Kriegsunmög- uchkelt liegt nicht allein in der Abschreckungstheorie, so wichtig sie auch sein mag, sie ist und muß eine innere moralische Unmöglichkeit werden, das ist Ziel!
Solange dieses Ziel nicht erreicht ist, bleibt die Gefahr weiter akut. Es liegt auch nicht an Deutschland allein, auch die anderen Völker müssen Helsen.
Aber gerade indem man diese Probleme in die aktuelle Politik trägt, und das tut das Zentrum, werden sie von der richtigen Seite gefaßt. Man darf hoffen, daß von diesem Ausschuß sehr fruchtbare Bewegungen gerade in die praktische deutsche und ausländische Politik übergehen werden, zum Nutzen des Friedens!
Aus dem Reichtag.
o. DDZ. Berlin, 29. Jan. (Eig. Funkm.). Der Aeltestenrat beschloß am Dienstag, Die auf • Der Tagesordnung Der Vollsitzung stehende Beratung des Warte st andsgesetzes heute roie- oer a b z u s e tz e n, weil Der Bericht Des Ausschusses über seine erst heute vormittag abgeschlossene Arbeit an diesem Entwurf nicht mehr rechtzeitig fertiggestellt werden kann. Am heutigen Dienstag soll das Steuervereinheitl'ichungs- g e f e tz beraten werden. Am Mittwoch soll Die 2. und 3. Beratung des Gesetzes über Die W a rte- st anDsbe amten und Die HanDwerker- nv veile auf Die Tagesordnung kommen. Man hofft bis .ymi Donnerstag beide Gesetze erledigen zu können. Weiter sollen in Dieter Woche noch Der litauische HanDelsvertrag und das Ge- letz zum Schutze Der unehelichen Kinder beraten werden. Für Samstag wird bann Die Ratifizierung des K ell o g g - P a k t e s auf Die Tagesordnung kommen. Für Die nächste Woche ist Die Beratung Des Arbeitsschutzge- fetzes in Aussicht genommen.
Weiter beschäftigte sich der Aeltestenrat mit Der Beschwerde Der kommunistischen Fraktion darüber, daß Präsident Löbe ihr die ihr sonst zuständigen Tribünenkarten während der Vorfälle am Schluß Der Donnerstagssitzung mit dem kommunistischen Sprechchor auf der Tribüne entzogen hatte. Der Aeltestenrat beschloß, daß es bei dieser Maßnahme des Präsidenten bleiben soll, solange Die kommunistische Fraktion nicht erklärt, daß sie solche Zivi- schenfälle nicht selbst herbeiführen und unterstützen will.
* Der bisherige deuksche Botschafter in Tokio ®r. S 01 in Marseille gelandei.
* Dom Reichsernährungsmmiskerimn. Wie Die "Boss. Ztg." mitteilt, sind vorläufig keine Veränderungen im Reichsernährungsministerium geplant. Ser Posten des Staatssekretärs, auf Den Der beurlaubte Dr. Hoffmann nicht mehr zurückkehrt, roirD oonaufig bis zum Abschluß der Verhandlungen über die Regierungsbildung überhaupt nicht 'be-
-L ^r?len: Ser sozialistische Agrarpolitiker Dr. Fritz B a a d e soll nicht ins Ministerium berufen sondern zu bestimmten Spezialaufgaben, besonders werden ^ra$e Der Marktbeobachtung herangezogen
D?e französische Nordgrenze.
Die Handelskammer von Roubaix hat in ein-m an Knegsmimster Painleve gefordert,
Ae r f L'd' 6 " ngder französischen Nord- grenze sichergestellt werde. Auf dieses Schreiben
hat Painleve geantwortet, daß entsprechend den budgetären Möglichkeiten die Grenzgeoenden, die direkt bedroht seien, zunächst befestigt werden sollen. Kierzu gehöre auch das Norddepartement Die bierfrer ?^end, die so reich an natür- lupen Hilfsquellen sei, werde nicht außer Acht oe- lasien werden, und die notwendigen Durchführun- gen für Den Grenzschutz gegen eine Jnvabon, Die verhängnisvoll wäre sowohl für das allgemeine Intereste Der nationalen Verteidigung, wie für Die besonderen Interessen, wie sie oon ‘Der Handelskammer mit Recht verteidigt würden, würden im Rahmen Des buDgetär Möglichen in Angriff Genommen roerDen. Was D:e Au f r echt er h a l. L“ n ? 0 e r !R b e i n l a n D b e f c u n g angehe, rlr Handelskammer gleichfalls in ihrer Ent- iließung fordert, io gehöre diese Frage oollkom- men in das Reffort des Außenministeriums
Aus Der Kundgebung Der französischen HanDels- rammer spricht Die unüberwinDliche Angst vor Deutschland, auch vor dem entwaffneten. Wann wird Das notige Vertrauen zu Deutschlands Fnedensliebe Dort erstehen?
Sind Die Wählerlisten so durchgeprüft, daß eine Gefahr für Die Zusammensetzung Der Sowjets und (ein pyramidal aufgebautes System nicht mehr be- ftept, dann ist eine großzügige Propaganda er- wünscht, um Die Anteilnahme Der Wahlberechtigten am Wahlakt möglichst umfangreich zu gestalten."In der Sowjetunion ist das Wahlrecht ein P riöileg Der werktätigen Massen. Die Besitzenden und alle Diejenigen, Die, wie es heißt, fremde Ar- beitskrafte dusbeuten, sind vom Wahlrecht ausge- idilof.en. Es besteht aber in Rußland obendrein noch Die Strafe Der Entziehung Des Wahlrechts, die außerordentlich scharf ist, weil diese Wahlrechtsentziehung mit allerhand anderen Nachteilen verknüpft ist. Die von dieser Strafe Betroffenen find geradezu heimatlos. Auf den Dörfern hat die Entziehung des Wahlrechts in Der allerletzt-m -Seit sehr oft böse Folgen gezeitigt, da die davon Betroffenen sich rächen; Mord und Brandstiftung ynD in außerordentlich zahlreichen Fällen in Den legten Monaten aus Rußland berichtet worden, Untaten, die in der Entziehung des Wahlrechts ihren Grund hatten. Man weiß ja, daß in der lebten Zeit Die russischen Großbauern einen intensiven Kampf gegen Das Moskauer System geführt haben, weil sie mit dem von Stalin ausgestellten Industrialisierungsprogramm nicht einverstanden waren. Sie wollten, daß zunächst einmal ein großzügiges Programm der Förderung der Land- wirtschaft begonnen werde, daß man also gewissermaßen nach kapitalistischen Methoden die Agrar- wirtschaft vom Staat unabhängig mache. Stalin bat befürchtet, daß die Großbauern (Kulakis mit ihren Forderungen nicht nur auf dem Lande, sondern auch in Den unter Nahrungsmittelnot leidenden Städten ein sympathisches Echo finden möchten, und so bat er scharfe Maßnahmen getroffen, um alle Die Elemente, Die mit feinem Reaierungs- rurs nicht übereinstimmen, aus Den Listen Der Wahlberechtigten zu streichen. Er hat jetzt Wert darauf gelegt, daß auch die Dorfsowjets, in denen das kommunistische Element bisher immer sehr schwach gewesen ist, eine Zusammensetzung erbiel- ten, von Der er eine Diszipliniertere Haltung würde erwarten können, und so sind in Den Dörfern Die Kulak, aus Den Wählerlisten gestrichen worden. Da deren gesellschaftliche Stellung aber trotzdem in dem Bezirk m dem sie wohnen, stark bleiben wird, dursten in die Dorsfowiets wohl manche Kandidaten unter falscher Flagge einziehen, allo Kondida- ten .die Sh-obmanner der Kulak, sind. Da die Moskauer Diktatoren in dem Wahlakt nicht nur 5'ue Gelegenheit sehen, ihre Macht immer neu zu begründen, sondern auch ausgedehnte Propaganda kur den Kommunismus zu betreiben, finden diese Wahlen a Hi ahrkich statt. Die Berliner „Note Fahne meldet unter Dem 24. Januar aus Lenin-
Der 1. Februar 1929 roirD in Der Geschichte Des en V?lles für immer einen wichtigen Markstein auf seinem dornenvollen Wege zur Freiheit, Selbständigkeit und Gleichberechtigung unter Den Nationen bebeuten. Wird China' doch an diesem Tage seit mehr als sieben Jahrzehnten, und wenn man Den Nankinger Frieden vom Jahre 1842 zum Ausgangspunkt nehmen will, sogar seit mehr als acht Jahrzehnten Das Recht wieder erlangen, fernen Zolltarif nach eigenem Ermessen zu bestimmen, d. h. em Recht, rote es selbstverständ- uch die Souveränität eines jeden Staates erfordert. Wer bedenkt, Daß China bis heute gezwungen war, sich feit Der Tientfiner Konvention im SWe 1858 an deren Beschlüsse zu halten. Die ihm «n«n 3oß von höchstens 5 Prozent für die fremder? Waren auferlegten, ja, Die ihm sogar jeDe Möglichkeit nahmen, von sich aus Diesen Zolltarif zu ändern. Der kann kaum noch unterfdf’t-’en roelcfte Bedeutung Der jetzigen Einführung eines autonomen Zolltarifs für China zukcmmt.
Si? Möglichkeit Dafür wurde China erst nach dem tm L-ommer Des vergangenen Jahres erfochtenen Siege der siidchinesifchen Nationalbewegung auch im, NorDen des Reiches gegeben, durch Die BeenDi- gr.ng des jahrelangen Bürgerkrieges und durch Den nattoncilen Zusammenschluß von Nord und Süd. Mit größter Energie griff Die Nankinger Natwnalregierunq sofort nach' ihrem Siege D:ef? für Den weiteren Kampf um Chinas Selbständig- rett jo wichtige Frage Der Vertragsrevifion auf, indem sie ein ach alle früheren Verträge für orlLr^°<?en erklärte und Die Fremdmächte zum I Abschluß neuer, auf Dem Boden Der Anerkennung I der chinesischen Zollautonomie abzuschließender Verträge aufforDerte. Es war das ein Zweifellos gewagtes und kühnes Unternehmen, da Ehina beit FremDmcichten gegenüber gar nicht in Der Lage mar, mit irgendwelchen Machtmitteln feine neuen ForDeri'ng.m _ durchzufetzen. Hätten Die Fremd- ächte sich hier zu einer gemeinsamen Front ge= einigt, fo wie es von japanischer Seite angeregt rourDe, bann wäre es Ehina kaum gelungen, seine Absichten Dnrchzusühren. Aber man rechnete in Nanking sehr richtig, wenn man annahm, Daß es
Wehrproblem und Friedensfragen
Man schreibt uns aus parlamentarischen Kreisen:
3n Der letzten Sitzung Des ReichsparteivorftanDes des Zentrums ist auch Die Einrichtung eines Ausschußes für Wehrfragen und Friedensprobleme eingesetzt worben.
zu einer solchen gemeinsamen Front Der Freinb- machte nicht kommen würbe unb wenn man ge= rate bie Uneinigkeit ber Frembmächte als einen befonbers günstigen Faktor in seine politischen Berechnungen einstellte. Gewiß, es kamen Proteste über Proteste, aber Dabei blieb es, und feine ber von ber Künbigung Der alten Verträge betroffenen FremDmächte wagte aus Furcht, Daß eine weitere energische Abwehr ber chinesischen Forderungen nur von anderer Seite in China ausgenutzt werben könnte, irgendeinen feinbl.Schritt ~?„r Nankingregierung gegenüber zu unternehmen. Lahmend auf bie Frembmächte wirkte vor allem bie Tatsache, baß bereits Enbe Juli bie Regierung Der Vereinigten Staaten sich .zu bereit erklärt batte, in eine Vertragsrevifion etn3uroilligen, unb baß Dann DeutschkanD am 17. Aug. in Ergänzung feiner im Jahre 1921 mit Ubma geschloffenen Verträge einen HanDelsvertrag mit Der Nankinger Regierung auf Dem Bo- ben gegenseitiger Eleichberechtiung unD geoensei- t'Fr Zubilligung Der Meistbegünstigungsklausel 'chlvst. Unmöglich konnte man diesen beiden Mich, ten Den Vorfpnmg, Den sie sich durch ihr schnelles handeln gewonnen hatten, lassen, und so beeilten irch bann auch Die anderen Mächte, burch ein be- rft^t2.i^i^es Eingehen auf bie chinesischen Wünsche w schnell wie möglich ihre anfänglichen Proteste
1Een. In den Monaten Oktober bis ri^^'r des vergangenen Jahres fanb bah»r ein ÄS Wettlaufen der fremdländischen Diplo- ma.en nach Nanking statt, und jeder sucht« d-n an- TtSrn« 1!mrb,ief'n, Denn die Verträge Belgiens.
Bortugals unb Dänemarks enthalten men nur bie Anerkennung ber chinesischen Zoll- 2“?! ^Jlbern versprechen darüber hinaus mich _ fh Den Verzicht auf bie exterritoriale konsu- fgre , sbarteit: wenn China bis zum 1. Ia- ”u,ar 3'fr>0 eme moderne Rechtsprechung eingeführt ~‘m mngften von Den europäischen Fremb- macb en haben Frankreich und England mit dem Abschluß von neuen Verträgen gezögert, bmn Diefe unterzeichneten erst am 22. bzw am 2L.1®eSeV1-btt 19281 Uebrigens bat bas England nicht verhindert, trotzdem zu erklären, es sei Der
Man kann nur dankbar Dafür fein, Daß die Zen- trumspartel in diesem Sinne iniuativ geworden ist; denn es gibt kaum ein Problem, das im Augenblick so viel Interesse beanspruchen kann wie dieses.
Nicht minder aber muß es als erstaunlich bezeichnet werden, daß das deutsch« Volk trotz Der Neuartigkeit der Situation, in der es sich befindet, niemals offenbar das Bedürfnis empfunden hat, alle diese Probleme unter den neuen Gesichtspunkten zu sehen, unter Denen sie gesehen werden müßten. Wir schleppen teils Erbgut mit uns aus der Vor- rriegszeit, teils haben wir uns daran gewöhnt, einiges Neue zu übernehmen; aber irgendwelche Klarheit besteht hier nicht.
Und es ist nicht minder bezeichnend, daß auch bet ^5" deutschen Parteien diese Klarheit nicht besteht. Selbst die Sozialdemokratie, die doch alle Veranlassung hätte, sich mit dieser Frage näher zu befassen, ist erst durch die Panzerkreuzeraffäre aus ihrer Lethargie aufgeschreckt worden. Was sie Dann zustande gebracht hat, das trägt doch allzu sehr den Charakter des ad hoe Angefertigten. Es ist weder eine programmatische Stellungnahme, noch rann man das, was von den Sozialisten vorgebracht wird, irgendwie als bodenständig ansehen. Und doch, wir betonen das erneut, Deutschlands Lage ist ui dieser Frage so eigenartig, Daß es schon etwas Besonderes finden muh, um seinen Eigenarten gerecht zu werden.
Und diese Eigenheiten liegen eben darin, daß Wir praktisch entwaffnet sind, über ein nennenswertes Heer nicht verfügen und uns in einer geo- graphischen Lage befinden, die Deutschland mehr als einmal zum Schlachtfeld ber Nationen gemacht hat. Beides nötigt uns, sowohl der Frage der Wehr wie des Friedens die größte Aufmerksamkeit zu schenken. Keine Nation ist daran praktisch und moralisch interessierter! ,
Aber es gehört eine gewisse Kühnheit dazu, diese Probleme überhauvt in Angriff zu nehmen; beim wir muffen einen Weg finben zwischen «Ratio- u n b $ 0 i i f i § m u ö, wobei wir ben Ausbruck Pazifismus im lanbläufigen Sinne verstehen. Das Kunstwerk, bas zustanbe gebracht wer- den muß, ist: praktisch zu bleiben unb doch moralisch em P r o g r a m m d e s F r i e d e n s zu erstreben. Daher war es richtig, Wehrproblem und Frie- benSfrage, an sich eigentlich Gegensätze, zusammenfass end zu behanbeln.
Unseres Erachtens wäre bie Dehanblung biefer Dinge nicht so schwierig, wenn man sich öfter unb mutiger von gewissen Phrasen freimachte und doch konsequent aus den Boden des Christentums stellte. In die'-r weltanschaulichen Einstellung liegt die Betonung je§ Moralischen einmal, sie warnt uns aber auch vor aller Theorie und läßt uns diese ganze Frage als eine Frage der historischen Entwicklung erscheinen, die niemals plötzlich, sondern nur langsam ihre Lösung finden kann.
Die Partei findet bei ber Behanblung biesw schwierigen Frage eigentlich wenig Material vor,
Z« kiWkW itr diintM« jollaiiloiomit
Von Dr. Paul Ostwald.
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