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Nr. 23.

Zuldaer Zeitung (Amtliches Kreisblatt).

Sonntag, 27. Januar 1929.

Fulda, den 26 Januar 1929

Ltadtverordnetensitzung.

Am Donnerstag, den 31. Januar 1929, 17 Uhr findet eine Sitzung der Stadtverordneten-Ver- sammlung statt. Die Tagesordnung lautet:

1. Bereitstellung von Darlehen durch die städtische Sparkasse zur Erleichterung der Durchführung der Ka­nalisation, der Straßen- und Bürgersteiganlagen. (Bc- richterstatter Stv. Kind). 2. Bau einer Straße im Kohl­hauserfeld und Bewilligung der Mittel. (Frank.) 3. Ausbau der Buttlarstraße vor dem Bauplatz für das Eichamtsgebäude und Bewilligung der Mittel. (Stein ) 4. Erwerb des Freißlich'schen Anwesens und Bewilli­gung der Mittel. (Keil.) 5 Erteilung der Zustimmung zu einem Grundstückstausch mit Weß. Haras (Zirken- «n 1 Vornahme der Wahl der Mitglieder des Wohlfahrtsausschusses. Zu wählen sind nach Üaragravh 4 der Wohlfahrtsordnung der Stadt Fulda vom 9. November 1928: a) drei Stadtverordnete: b) drei < - rj°nen- unter denen zwei den Kreisen der Hilfsbe- z<n .Di)er deren Bereinigungen angehören ntüffen.

dchuuit.) 7. Vornahme der Ersatzwahl für den ausgeich'.edenen Stadtverordneten Haase als Mitglied der Schlachthofkommission. (Ferd. Schmitt.) 8. Lösch- ungsbewilligung und Nachstandserklärungen. (Heidt.)

80. Timrkskag.

Der Sozial-Rentner Herr Joseph Gerhard vollendet heute in körperlicher und geistiger Frische sein 80. Lebensjahr.

vom Kreistag Fulda-Land.

Nachdem an die Stelle des verstorbenen Kreis- ausfchußmitglieües Bispinck der Kreistagsabgeord- nets Vieth in den Kreisausschuß gewählt wurde, tritt an dessen Stelle Bürgermeister Appel in Blankenau in den Kreistag ein. Herr Appel hat schon früher lange Zeit erfolgreich im Kreistag und Kreisausfchuß mitgewirkt.

Freie Oberförsterei.

Die Oberförsterstelle Fritzlar im Regierungs­bezirk Kassel ist zum 1 April 1929 zu besetzen. Be­werbungen müssen bis zum 15. Februar 1929 ein- aehen.

Ehrung.

Vom Oratorien- und Konzertverein Cacilia wird uns mitgeteilt: Der vor einiger Zeit von hier nach Stadtoldendorf, Provinz Hannover, verzogene Fa­brikdirektor P a u l I a c o b f o n ist in Würdigung seines hervorragenden Verdienstes um das Musik­leben unserer Stadt vom Oratorien- und Konzert­verein Cacilia zum Ehrenmitglied ernannt worden. Im Besitz bester musikalischer Begabung hat Herr Jacobson, getreu den Ileberliefernngen seines Elternhauses, das lange Jahre ein Mittel­punkt musikalischer Betätigung war, sowohl als ai'sübendkr Musiker (Violine und Gesang) wie als rastlos tätiger Schriftführer des genannten Ver­eins fein ganzes Können in den Dienst der musi­kalischen Sacke gestellt. In reichem Maße hat er sich dadurch den Dank des Vereins verdient, dem er auch in der Ferne ein siebevolles Interesse be­wahrt und hat freudig den besonderen Ausdruck dieses Dankes entgegengenommen.

Renken-Iahlung.

Die Zahlung der Militärverforgungs- G e b ü h r n i s s e für den Monat Februar fin­det bei dem hiesigen Postamt am 29. Januar, die der Invaliden- und U n f a l l r e n t e am 1. und 2. Februar statt. Die Zahlstellen sind von 8—12 und von 15—18 Uhr geöffnet. Um restlos? Ahbolung der Rente an den genannten Tagen wird gebeten.

Das neue Kleinrentnergesetz.

Das von der Reichsregierung in Aussicht ge­stellte Gesetz über die Neuregelung der Rentnev- fürsorge wird, wie das „Berl. Tageblatt" meldet, erst Mitte oder Ende Februar erwartet. Dieses Gesetz wird zwar nicht das Versorgungsprinzip an- stelle des Fürsorgeprinzips setzen, es wird aber wesentlich neue Bürgschaften für eine ent­sprechende Ausführung der bestehenden Vorschrift bringen. Das neue C esetz wird zunächst den Be­griff des Kleinrentners fixieren, ferner Umfang und Maß der Unterstützung festlegen und schließlich Vorsorge treffen, daß bei dem Verforgungsversah- ren die Kleinrentner selbst mitwirken. — Die Mit­wirkung von Kleinrentnern beim Verforgungsver- sahren ist übrigens in sozial fortschrittlichen Für- sorgeverbänden, wie in der Stadt Fulda, schon seit langer Zeit eingeführt. Durch die neue Wohlfahrts- ordnung der Stadt Fulda wird sie auf rechtlichen Boden gestellt. In vielen anderen Orten wird aller­dings die Einführung dieser Mitwirkung gegenüber den fetzigen Verhältnissen als großer Fortschritt bettachtet werden.

Ai'shaug von Gottesdienstordnunaen an Bahn­höfen.

Die Hauptverwaltung der Deutschen Reichs­bahngesellschaft Berlin hat sich grundsätzlich bereit erklärt, „den Aushang von Plakaten mit dem Hin. weis auf die nächste Kirche und die Zeit des Gottesdienstes auf solchen Bahnhöfen zuzulassen, die einen starken Sonntagsverkehr ha­ben und vorzugsweise als Ausgangspunkte für den Sonntagsausflugsverkehr der größeren Städte be­nutzt werden." Die Reichsbahndirekttonen fittb an­gewiesen, diesbezüglichen Anträgen dort zu ent­sprechen, wo die Verhältnisse es gestatten. Empfeh­lenswert ist es auch, an verkehrsreichen Orten in den Gasthöfen die Gottesdienstordnung zri veröf­fentlichen.

Aenderung des Sirchensteuerrcchks.

In der Sitzung vom 22. Januar dieses Jahres hat das preußische Staatsministerium zwei Ge-

setzenwürfe zur Aenderung des Kirchenrechtes der evangelischen und katholischen Kirche verab­schiedet, die demnächst dem Staatsrate und dem Landtage zugehen werden. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, sollen die Gesetz­entwürfe im Interesse der Steuergerechti g - feit den Kirchengemeinden die Möglichkeit geben, die von ihnen zu beschließenden Kirchensteuern den durch die Relchssteuergesetzaebung und die wirt­schaftliche Entwicklung veränderten Verhästnisien anzupassen. Cs ist daber die Verbreiterung und Verbesserung der Grundlagen der Kirchensteuer, die bisher bestand, vorgesehen durch Hinzunahme der Reichsvermögenssteuer als Maßstabssteuer un­ter Anrechnung auf die Zuschläge zur Einkommen­steuer und zu den Realsteuern, durch Einführung eines Kirchgeld genannten Mitgliedbeitrages und durch Aushebung der seit 1921 nicht mehr an- gewandten Bestimmung d?s § 10, Absatz 2 der Kir- chensteuergefetze. Ferner soll die Kirchensteuerfrei­heit der Geistlichen und Kirchenbeamten ausgehoben und die Möglichkeit gegeben werden, durch Verwal­tungsanordnung der Zentralstellen die Tarifsätze des § 55 des Einkommensteuergesetzes für die Zwecke der Kirchensteuer zu ändern. Die Gesetzent­würfe entsprechen den dringenden Wünschen der evangelischen Kirchen und des katholischen Episko­pates. __________

Die Stimme des Handwerks.

Der gemeinsame Steuerausschuß des Deutschen Handwerks- und Gewerbekammertages und des Reichsverbandes des deutschen Handwerks trat am 17. ds. Mts. im Verwaltungsgebäude des Reichs­wirtschaftsrats zu Berlin zwecks Beratung der vor- liegenoen Gesetzentwürfe zur Steuerverein­heitlichung zusammen.

Nach eingehender Aussprache schloß sich der Ausschuß der Stellungnahme des Reichswirtschafls- rats vom 10. November 1927 an und stimmte den Grundgedanken der Gesetze zu. Die Schaffung eines möglichst einheitlichen Realsteuerrechts durch reichsrechtliche Rahmenregelung unter Berücksich­tigung der örtlichen Bewegungsfreiheit wurde als dringend notwendig bezeichnet, damit Er­sparungen an Verwaltungsarbeit erzielt und ein zuverlässiger Vergleich der Belastung in den ein­zelnen Landern und Gemeinden untereinander er­möglicht werden könne. Ebenso wurde es als drin­gend erforderlich bettachtet, die öffentliche Kennt­nis und Beobachtung der Finanzwirtschaft an Reich, Ländern, Gemeinden und Gemeindeverbänden er­heblich zu verbessern. Insbesondere muß der Oeffent- lichkeit über die endgültig beschlossenen Haushalte und deren Aenderung möglichst eingehend K e n n r- nrs gegeben werden. Für eine ausreichende Auf­legung der Haushaltsvoranschläge in den Gemein­den und Eemeindeverbänden ist Sorge zu tragen. Die Finanzstatistik muß von Reichs wegen aufs schleunigste der Finanzgebarung im Reich, den Län­dern und Gemeinden folgen. Zur Erleichterung der Vergleichbarkeit sind einheitliche Normen und möglichst einheitliche Schemata für die Aufstellung der Haushalte der Länder, Gemeinden und Ee- meindeverbände durchzuführen.

An diese grundsätzliche Aussprache schloß sich eine eingehende Behandlung der einzelnen vorlie­genden Gesetzentwürfe an, wozu eine Reihe von Abänderungsan trägen gestellt wurde, um den Er­fordernissen des Handwerks gerecht zu werden.

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Der gemeinsame Berufsstandsausschuß des deutschen Handwerks- und Gewerbekammertages und des Reichsverbandes des deutschen Handwerks behandelte in seiner Sitzung vom 18. d. M. im Verwaltungsgebäude des Reichswirtschaftsrats zu Berlin den vorliegenden Entwurf eines Gesetzes zur Aenderung der Gewerbeordnung (Handwerksnovelle) in der Fassung, die der Volks­wirtschaftliche Ausschuß des Reichstags in zweiter Lesung der Regierungsvorlage gegeben hat. Der Ausschuß nahm abschließend noch einmal zu den Anträgen Stellung, die aus den Mitgliederkreisen gestellt waren. Nach eingehender Aussprache hielt er sein Gutachten vom 19. September v. Js. aus­drücklich auftecht, wonach der Entwurf in seiner vorliegenden Fassung als eine geeignete Grundlage für die Verabschiedung des Ge­setzes durch den Reichstag anerkannt wird. Dieser Beschluß war auch bereits von dem Großen Aus­schuß des Reichsverbandes des deutschen Hand­werks gelegentlich seiner Sitzung vom 30. Nov. v. Js. bestätigt worden. Das Ergebnis der Aus­schußberatungen im Reichstag und die hierzu ge­stellten Einträge haben dem Berufsstandsausschuß keinen Anlaß gegeben, von seinem früheren Stand­punkt abzuweichen.

Schnee und Lis

behaupten die Herrschaft. Heute nacht war die Quecksilbersäule wieder auf —10 Grad gesunken. Seit Tagesanbruch herrscht Schneetreiben.

Die Hundertjährigen in Preußen.

Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mit- teilt, hat der preußische Ministerpräsident Dc. Braun im Jahre 1928 17 Hundertjährig en. darunter 11 Männern und 6 Frauen, das Ehrengeschenk des preußischen Staatsministeriums zum 100. Geburtstag überreichen lassen.

Der Eleklro-Zweckoerband Mitteldeutschland.

lieber die in der Presse in der letzten Zeit viel erörterte Angelegenheit der beabsichtigten Verge­sellschaftung des Elekttozweckverbandes Mittel- deuffchland hat der Hanauer Oberbürgermeister in einer Pressekonferenz ebenfalls Mitteilung ge­macht. Er wies darauf hin, daß die Kommunal­verbände ihren Zusammenschluß vollziehen müß­ten, da die organisatorischen Umwälzungen und Zusammenballungen in der großen Elektrizitäts- Wirtschaft über die kleinen einzelstehenden Unter­nehmungen hinweggingen. Mit der Ausführung dieses Planes fei aber auch ein nicht unbettüchtliches

Opfer der kommunalen Selbstverwaltung ver­bunden. Die Schwierigkeiten seien darin begründet, daß für die Städte ein anderer Maßstab ange­legt werden müsse, als für die Landkreise, da bei diesen ganz anders geartete Verhältnisse bestehen. Die innere Tarifhoheit der Städte müsse unter allen Umständen gewahrt werden. O kraftpostbekriÄ sroerf.

Ab 1. Februar wird der Preis für Monatskar- ten im Stadtkraftpostverkehr von 9,50 Mark auf 8 Mark und von 12,50 Mark auf 10 Mark e r - mäßigt. Die Dauerkarten werden beim Kraft­poftbetriebswerk (Petersbergerstraße N. 76) aus­gegeben. Bei der erstmaligen Ausstellung ist em Lichtbild des Inhabers (Paßbildchen) mitzuvrin- gen.

Nachprüfungen in der Elternoerforgung und Wst- wenbeihilfe.

Vom Reichsbund der Kriegsbeschädigten usw. Gau Hessen-Waldeck wird uns folgendes ge­schrieben: Im Oktober 1928 find die Behörden der Reichsversorgung schon einmal auf Antrag des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten vom Reichs­arbeitsministerium angewiesen worden, in eine Nach­prüfung der Höhe der elternoerforgung und Wit­wenbeihilfe aus Anlaß der vom 1. Juli 1928 ab eingetretenen Erhöhung der Leistungen aus der Invalidenversicherung und Angestelltenversicherung nicht einzutreten. Der Verzicht auf eine allge­meine Nachprüfung sollte die Versorgungsbehörden entlasten. Wie uns mitgeteilt wird, soll nach einer neuen Anweisung des Reichsarbeitsministeriums auch von einer Nachprüfung abgesehen werden, wenn der Versorgungsberechtigte selbst die Er­höhung dieser Leistungen anzeigt. Geschieht die Anzeige nicht, so kann gleichwohl nicht angenom­men werden, daß eine wesentliche Veränderung der Verhältnisse absichtlich verschwiegen werde. So­weit die Versorgungsbehörden bisher abweichend hiervon verfahren sind, kann auf Antrag des Ver­sorgungsberechtigten ein Ausgleich herbeigeführt werden. Neue Ermittlungen über die wirtschaft­lichen Verhältnisse des erwähnten Perfonenkreises sind nur dann vorzunehmen, wenn sie nach dem Inhalt der Akten wahrscheinlich zst einer Aenderung im Rentenbezuge führen werden.

Detfaffungsfeier 1929.

Die Reichsregierung beabsichtigt, wie die Deutsche Beamtenbund-Korrespondenz erfährt, die zehnte Wiederkehr des Verfassungstages, Sonntag, den 11. August 1929, im ganzen Reiche in besonders fest kicher Weife zu begehen. In dem in Aus­sicht genommenen Programm sind auch s p o r t - I i di e Veranstaltungen vorgesehen: hierzu beabsichtigt das Reich Ehrenplaketten aus Bronze und Eisen, sowie Ehrenurkunden für die 1 ., 2. und 3. Sieger der sportlichen Wettkämpfe zu stiften unter der Bedingung, daß die Plaketten usw. nur solchen Teilnehmern an den Wettspielen verlie­ben werden, die den bekannten Bedingungen des Reichsausschusses für Leibesübungen genügen. Der Reichspostminister nimmt an, daß auch lne in den Postsportvereinen zusammengeschlossenen Beamten, Angestellten und Arbeiter der Deutschen Reichspost zum Gelingen einer würdigen Verfas­sungsfeier beizutragen beabsichtigen. Damit die Vereine die Vordereitungen für die endgültige Austragung der Wettspiele und -kämpfe rechtzeitig treffen können, sind die Postsportvereine durch die Oberpostdirektionen benachrichtigt worden. Leiter der Deranstaltung wird Herr Ministerialrat Bauerhorst fein.

— Jugendabend Wie das diesjährige Winterpro- Sramnt der Volkshochschule Fulda schon angekündigt at, findet am Donnerstag, den 31. Januar 1929 ein großer Jugend abend im Stadtsaal statt. Keine Jugend irgend eines Jugendpflsgevereins wird sichs wohl neh­men lassen, mit dabei zu sein. Dasselbe gilt für ältere Mitglieder und Vorstände. Die Jugend darf sich an diesem Abend nicht verlassen fühlen. Eltern und Freunde, auch Jugend außerhalb der Vereine, find will­kommen. Stadtjugendpfleger Lehrer T a u b e l wird

über „Jugend und Freizeit" sprechen. Der Abend be ginnt pünktlich 20 Uhr mit einem beim Bühnenvolks^ bund erschienenen größeren Sprechchor. Wirkungsvoll« Darbietung hat sich die Dompsarreijugend zum Ziel ge­setzt. Nach der Ansprache wird das Lied der Jugend „Wann wir schreiten Seit' an Seit'" gemeinsam gesun­gen. Dann folgen gnmnastische Hebungen der Sport« fügend Borusfias. Turnerinnen der Turngemeinde werden in Reigen und Volkstänzen ihr Können zeigen. Bis zur Aufführung des Märchenspiels wird die ju- gendbewegte Schar der Normannsteiner durch Lieder zur Laute die Pause unterhaltend und anregend zu ge­stalten wissen. „Das verwunschene Schloß" das feinste oller Blachettaspiele gespielt von Jugend des kath. kaufm. Vereins und einigen Normannsteinerinnen. wird gerade wegen seiner eigenartigen Gestalten (Hans- Wurst in der Geisternacht) begeisterte Ausnahme bei der Jugend finden. (Sergi. Anzeige).

Aus der Rhön.

Jubiläum einer altbefannfen Rhöngaststätte. — 100 Jahre Gasthaus zur Rlilseburg-Kleinsassen.

Am 28. Januar 1929 sind 100 Jahre verflossen, daß dem Gastwirt Heinrich Schmitt-Kleinsassen, bis dahin Pächter der gutsherrlichen Gastwirtschafts-Gerechtsame, im Namen des Königs von Bayern eine eigene Konzes­sion erteilt wurde, und damit das Recht „Fremde" zu beherbergen. Fremde waren damals durchreisende Kauf­leute, Handelsleute, Viehhändler und Handwerksgesellen. Andere Fremde kannte die Rhön noch nicht.

Erst im Jahre 1858 kehrten die ersten Fremden als Dauergäste ein, und zwar die Maler August von Will« und Freihr. von Schlicht aus Düsseldorf. Sie waren di« eigentlichen Entdecker der malerischen Schönheit de« Rhöngebirges. Ihren Spuren folgten im Laufe der Jahr« viele Künstler aus fast allen deutschen Kunststädten.

Sehr wechselvvlle Schicksale erlebte dabei das Gast­haus. Im Jahre 1866 ging in Auswirkung der verän­derten politischen Verwaltung die Brennerei ein, im Jahre 1878 die mit dem Betriebe verbundene Brauerei, weil sie nicht mehr lebensfähig war. 1843 ging von dem genannten Heinrich Schmitt das Anwesen auf dessen Sohn Karl über, und von diesem im Jahre 1880 auf seine öltest« noch lebende Tochter Sophie, die nach dem Tode ihres ersten Mannes, des Malers Eduard Voiges in Mägde- bürg, das Anwesen käuflich erwarb und wieder nach Kleinsassen übersiedelte.

Sehr kritische Zeiten hatte das Gasthaus nach Eröff­nung der Eisenbahn Fulda—Gersfeld im Frühling 1887 durchzumachen. Denn nun hörte der Verkehr der Touri­sten, denen das Gebirge im Laufe der Jahre auch be­kannt geworden war, ganz plötzlich auf. Die Rhön als Sommerfrische gab es damals noch nicht, wie ja über­haupt, abgesehen von See- und Heilbädern, der Gedank« der Gebirgssommerfrische noch wenig verbreitet war.

Mit der Eröffnung der Eisenbahn Fulda—Tann im Jahre 1889 wurde zwar der Verkehr wieder etwas mehi in die Vorderrhön gelenkt. Aber auch diese Eisenbahn­linie umging mit ihrem Milseburg-Tunnel Kleinsassen, lenkte den Touristenverkehr ab und machte das Durch- halten des Betriebes immer schwieriger. Die dann mehi und mehr einsetzende Nachfrage nach Sommeraufenthalt gab dem Maler von Kreyfeldt, der sich im Jahre 1888 mit der Witwe Voiges verheiratet hatte, Veranlassung entsprechend der Nachfrage nach mehrfachem Umbau bei alten Gebäude diese im Jahre 1903 niederzulegen, um Platz für einen Neubau zu schaffen. Am 1. Oktober 1928 ging der Besitz durch Abtretung an die einzige Tochtei des Herrn von Kreyfeldt, Anna, seit 1. Januar 1920 ver­heiratet mit Otto Storch, Kleinsassen, über. Sie wollen vom 1. April d. I. ab den seit einigen Jahren durch einen Wirtschafter besorgten Betrieb wieder selber führen.

Wintersportzug.

Am Sonntag, den 27. Januar, verkehren du Wintersportzüge Nr. 1560 und .1561 Frankfurt am Main—Gersfeld (Rhön)—Frankfurt a. M. Frank­furt a. M. Hbf. ab 5.28, Fulda an 7.32, Fulda ab 7.48, Gersfeld (Rhön) an 8.43, Gersfeld (Rhön) ab 18.25, Fulda an 19.20, Fulda ab 19.44, Frank­furt a. M. Hbf. an 21.45 Uhr.

Aus dem Gerichtssaal.

Dem 50jährigen Landwirt N. Sch. von L. bei R. wurde zur Last gelegt, von November 1927 bis Januar 1928 vorsätzlich Vollmilch ge­fälscht und diese als Vollmilch an die Molkerei Neuhof verkauft zu haben. In der Verhandlung vor dem großen Schöffengericht wurde festgestellt daß Schm's Milch feit November 1927 bei Prüfun-

yinrenburz-chuadrille bet Generäle im Berliner Reitturnier.

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Die acht Generäle der Hindenburg-Quadrille.

Eine der glänzendsten Schaunummern des vom 26. Januar bis zum 3. Februar in Berlin statffin- denden Reit - und Fahrturniers stellt die von Stallmeister Loerke einstudierte, von acht Gene­rälen gerittene Hindenburg-Quadrille dar. Unter den Generalen, die insgesamt über 500 Jahre in den Sattel bringen, befinden sich einige hervor­ragende vormalige Führer unserer Reichswehr. So war der heute 64jährige General der Kavallerie v. Poseck sieben Jahre lang Inspektor der Reichswehr- kaoallerie. Divisions-, bezw. Wehrkreiskomman­

deure der Reichswehr waren die beiden Brüder General der Artillerie Hasse und der General der Infanterie Hasse, ferner der zur Zeit als Vorsitzen- der des Kyffhäuserbundes tätige General der Arttl. lerie von Horn. Unser Bild zei/st von links nach rechts: Generalmajor o. Holzing-Berstett, General v. Seefried, Generalleutnant v. Graberg, General der Inf. v. Hasse, General der Art? v. Hasse. General der Kao. v. Horn, General Keller, Genera der Kav. o. Poseck.

, D . q. für den großen traditionellen des

SiiilMiiii Tarner Mashenball “=■

Eintrittskarten sind im Vorverkauf bei der Firma J. Heller & Co. Marktstraße, B. J. Ruppe! Friedrichsmarkt, Leih-Bibliothek Melzer Mittelstraße, Friseur Ahhaus Kanalstraße, Friseur Büttner Löherstr. und im Gasthaus „Auerhahn“ Marktstraße, zu haben. Für Mitglieder werden nur bei der Firma J. Heller & Co. Karten ausgegeben. Eintrittspreise: Herren 2 Mk., Damen 1 Mk., Mitglieder und deren Eltern 1 Mk. Einladungen ergehen in den nächsten Tagen. Einladungswünsche bei der Fir: ra J. Heller & Co.

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