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Heimat
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Fulda, den 25. Januar 1929
Das Gemeinde-Zperrgesetz.
Bekanntlich hatte der Preußische Landtag seinerzeit eine Bestimmung getroffen, wonach bis zur Neuwahl der kommunalen Parlamente erledigte Wahlbeamtenstellen nur mit Zweidrittel- Majorität neu besetzt werden dürften. Als diese Bestimmungen geschaffen wurden, war in Aussicht genommen, daß die kommunalen Neuwahlen sechs Monate später stattfinden würden.
Durch die inzwischen vom Landtag beschlossene Hinausschiebung der Kommunalwahlen in das letzte Viertel des Jahres 1929 wurde diese ^Sperrfrist natürlich ungebührlich verlängert. Dadurch ergaben sich für manche Kommunen gewisse Schwierigkeiten.
Diese werden nunmehr behoben durch einen Antrag, den der Gemeindeausschuß des Preußischen Landtages am Donnerstag angenommen hat. Danach können in denjenigen Gemeinden, deren Gemeindevertretungen n a ch d e m 1. Mä r z 1928 neu gewählt sind, die erledigten Stellen der Bürgermeister, Magistratsmitglieder (Bei. geordnete), Gemeindevorsteher und Schöffen auf Grund einer einfachen Majorität wieder besetzt werden.
In allen anderen Gemeinden wird die Amtsdauer der oben genannten Beamten verlängert bis zum 31. März 193 0. Dadurch ist gewährleistet, daß der Verwaltungsapparat der Kommunen intakt erhalten werden kann.
Für eine Reihe von Städten ist letztere Bestimmung sehr wichtig, da dort die Amtszeit der Bürgermeister in den nächsten Monaten abgelaufen wäre. Für die Stadt Fulda hat die Neuregelung keine praktische Bedeutung, da die Amtszeit des Herrn Oberbürgermeisters D r. Antoni schon auf Grund der bei der letzten Neuwahl getroffenen Bestimmungen bis zum 31. März 1930 läuft.
Priesterjubiläen in der Diözese Fulda.
Das Jahr 1929 wird der Fuldaer Diözese eine Anzahl Jubiläen innerhalb seines Klerus bringen. Das silberne Priesterjubiläum können 7 Priester feiern: am 27. Februar Pfarrer Goldbach in Hofbieber, Pfarrer Neumann in Aufenau, Pfarrer Schmidt in Margrethenhaun,. Pfarrer Trageser in Oberndorf, Pfarrer Wolf in Rotenburg, am 25. Juli Pfarrer Hüber in Hattenhof und am 28. Oktober Professor Dr. Heller in Fulda. Den goldenen Jubelkranz kann am 15. Mai Geisll. Rat und Dechant Atzert in Romsthal tragen. Dem jetzt ältesten Priester der Diözese Fulda, dem Geist!. Rat Pfarrer a. D. S ch n a u s in Eckweisbach, der am 14. April fein 88. Lebensjahr vollendet, wird am 22. Mai auf 60 Priesterjahre zurückblicken. Das 50jäh- rige Priesterjubiläum haben schon sechs Priester der Diözese Fulda gefeiert: die Hälfte davon ist noch in der Seelsorge tätig. Ihr 25jähriges Ortsjubiläum können in diesem Jahre begehen Pfarrer Ewald in Altenmittlau (1. Juli), Pfarrer Dangel in Somborn (15. April), Pfarrer Lomb in Großenbach (1. November) und Pfarrer Kraus in Spahl (15. Dezember).
Vollversammlung der Landwirlschastskammer für Surhessen.
Der Vorstand der Landwirtschaftskammer für Öen Regierungsbezirk Kassel beschloß, die 38. V o II- versammlung der kurhessischen Landwirtschaftskammer am Montag, den 25. und Dienstag, den 26 Februar im Sitzungssaale des Ständehauses in Kassel abzuhalten. Der Anschluß de- neu gegründeten landwirtschaftlichen Kreisvereins Hünfeld an die Landwirtfchaftskammer wurde vom Vorstand genehmigt. Auf Antrag des Kreisvereins der Landwirte in Gersfeld (Rhön)
wurde befchlosien, die Sommer-General. Versammlung der landwirtschaftlichen Vereine, die an die Landwirtfchaftskammer für den Regierungsbezirk Kassel angef-hlossen sind, im Monat Mai, wahrscheinlich zwischen Himmelfahrt und Pfingsten 1929, auf Einladung des Landwirtschaftlichen Vereins i n G e r s f e l d abzuhalten und mit dieser Tagung eine Kreistierschau in Gersfeld zu verbinden. Eine zweite Kreistier, schau im Jahre 1929 soll auf Antrag der landwirt- schaftlichen Vereine in Marburg, Kirchhain und Frankenberg in M a r b u r g abgehalten werden; der Zeitpunkt hierfür liegt noch nicht fest. Der Iahreskassenabfchluß der Landwirtschaftskammer für das Rechnungsjahr 1927 schließt mit einem Fehlbeträge von 30000 Mark ab. Er wird aus den Beständen gedeckt. Auch der Voranschlag der Sandwirtschaftskammer für das Rechnungsjahr 1928 wird mit einem Fehlbeträge von etwa 10 000 Mark abfchließen. Für das Jahr 1928 wurde eine Kammerumlage von drei Prozent des Grundsteuerreinertrages der beitragspflichtigen Besitzungen in Ktlrhefsen zur Deckung der Kosten der Land- Wirtschaftskammer erhoben.
Am 24. Februar volkslrauerlag.
Am Sonntag, den 24. Februar d. Js. findet der von dem Volksbund für Kriegsgräberfürsorge veranstaltete, dem Gedenken für die Opfer des Weltkrieges gewidmete Volkstrauertag statt. Der Tag ist kein gesetzlich anerkannter Feiertag: es kommen daher irgendwelche polizeiliche Einschränkungen von Lustbarkeiten nicht in Frage. Es darf aber die Erwartung ausgesprochen werden, daß öffentliche Veranstaltungen und Unterhaltungen dem Zweck des Trauertages möglichst an gepaßt werden. Für die Würde des Gedächtnistages wäre es besonders eindrucksvoll, wenn die um 13.10 Uhr eintretende Verkehrsruhe von einer Minute Dauer möglichst von allen Fahrzeugen und Straßenpassanten beobachtet würde. — Von der Katholischen Kirchenbehörde in der Diözese Fulda wird angeordnet, daß wie in den Vorjahren an diesem Tage beim Hauvtgottesdienst das Gebet für die Gefallenen öffentlich zu beten ist. Je nach den örtlichen Verhältnissen möge mittags um 12 Uhr ein viertelstündiges Trauergeläute veranstaltet werden. Dem kirchlichen Gedenktag für die Kriegsovfer im November soll hierdurch kein Eintrag geschehen.
Zur großen Heerschau der Jugendlichen
unserer Stadt am nächsten Donnerstag, abends 8 Uhr im Stadtsaal, sind ihre Freunde, Eltern, Lehrmeister und Vereinsvorstände, Lehrerschaft und nicht zuletzt die Geistlichkeit ganz besonders eingeladen. Der Vortrag „Jugend und Frei- zeit" dürfte uns Wertvolles und Notwendiges zu sagen haben. Vor allem aber wollen wir doch einmal unseren Söhnen und Töchtern zeigen: Ihr seid nicht allein, wir stehen hinter Euch. Wir wollen teilhaben an unserer Kinder Tun und Freude. Das kann uns Alten niemand rauben. Darum heißt die Parole: Auf zum gemeinschaftlichen Jugendabend!
S fomöcsbcamfenforftilbungsfufus in Fulda.
In der Harmonie zu Fulda trafen sich auf Einladung der Regierung in Kassel am 24. dieses Monats die Standesbeamten der Kreise Fulda, Gersfeld und Hünfeld zur Teilnahme an einem Fortbildungskursus. Nach Begrüßung der Erschienenen, insbesondere der Sachbearbeiter der Kreis- ausschuhverwaltungen durch den Vertreter des Regierungspräsidenten, Regierungsassessor D r. K n o st und nach Rechtfertigung und Hervorhebung der Bedeutung der Kurse sanden sachwissenschast- liche Borträge statt, denen die Standesbeamten- schaft außerordentlich aufmerksam folgte und die gelegentlich eine rege Diskussion auÄösten. Die Standesbeamtenschaft erkannte dankbar das Bestreben des Regierungspräsidenten in Kassel an, daß er sich erfolgreich bemüht, der Standesbeam- tenschaft für ihre verantwortungsvolle, häufig nicht genügend gewürdigte Tätigkeit das notwendige geistige Rüstzeug zu vermitteln und ihr Gelegen
heit gibt, mit den Sachbearbeitern der Auffichts- behörden in zweckmäßiger Form Fühlung zu nehmen. Das ist auch ein Beitrag zur Verwaltungsreform.
Die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung in ihrem erste« Geschäftsjahre. •
Die Zahl der im ersten Geschäftsjahr der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung gegen Erwerbslosigkeit Versicherten betrug im Monatsdurchschnitt 15 896 091. Die Beitragseinnahmen zur Reichsanstalt betrugen 797,8 Millionen RM., sonstige Einnahmen 30,6 Millionen RM. Der Aufwand für die Arbeitslosenversicherung stellte sich auf 725,6 Millionen RM, Maßnahmen zur Verhütung und Beendigung der Arbeitslosigkeit auf 36,4 Millionen RM., die Gesamtausgaben auf 842,7 Millionen RM. Die Verwaltungskosten für die Reichsanstalt, für die Arbeitsämter, Landesarbeitsämter usw. stellten sich auf 80,6 Millionen RM. Die durchschnittliche Zahl der Notstandsarbeiter in der Arbeitslosenversicherung war im Monat 51112 in der Krisenunterstützung 15 664, Hauptunterstützungs- empfänger überhaupt 990 972. Die Ueberschüsse der Reichsanstalt stellen sich auf 139,9 Millionen RM.; es mußten jedoch Zuschüsse von 154,1 Millionen RM. geleistet werden, womit ein Z u s ch u ß d e f i- zit von 14,1 Millionen RM. verbleibt.
vom Postamt Fulda
wird uns geschrieben: Das von dem Reichspost- Ministerium bearbeitete P o st b u ch ist jetzt erschienen. Das Postbuch enthält nach dem Stande vom 1. November 1928 die für die Allgemeinheit wich, tigert Bestimmungen über die Benutzung der Einrichtungen der Deutschen Reichspost, die Versen-
dungsvorfchriften und die Gebühren für den Inlands- und Auslandsverkehr. Das Buch, das etwa 150 Seiten stark ist und dessen Preis 75 Rpf. beträgt, wird durch die Postdienststellen abgesetzt und kann hier am Schalter 2 und bei den Zustellern bestellt werden.
Viehmarkt und Verkehr.
Der gestrige Viehmarkt mit seinem Auftrieb von 550 Stück war um 84 Tiere stärker befahrer als der erste diesjährige Diehmarkt. Auf dem hie sigen Bahnhof war demzufolge das Verladegeschäft auch lebhafter. Diesmal wurden 98 Wagen beladen gegen 86 auf dem vorigen Markt. In den gestrigen Mittagsstunden mußte je ein Viehfonder- zug in den Richtungen Bebra, Frankfurt a. M. uni Gießen abgelassen werden.
Falschgeld im Umlauf.
In den letzten Tagen tauchten im Verkehr rote, der zahlreiche falsche Füns-Mark-Stücke auf. Die Fälschung ist schlecht ausgeführt. Die Stücke fühlen sich fettig an, teilweise blättert sogar die Decke ab, so daß schon bei geringer Aufmerk, samkeit und Kenntnis die Fälschung zu erkennen ist. Dagegen sind die int Umlauf befindlichen falschen Zwei-Mark-Stücke schwerer als solche zu erkennen, (Eine neue papstmarke.
Zum Zwecke der Unterstützung des römischer Komitees für die Forschungen in den Katakomben von St. Thomas hat der Papst ausnahmsweise genehmigt, daß sein Bildnis im Pontifikal-Ornat mü Tiara auf einer Serie von Marken abgebildet werde, die in S p a n t e n, und zwar in Toledo und Santiago Compostella zum Verkauf gelangen sollen.
Bauen! Versammlung in Fulda.
Landwirt Zondergeld-Hofbieber als Präsident des Nurhessischen Bauernvereins gewählt.
Die Delegiertenversammlung des Kurhesfifchen Bauernvereins, die gestern nachmittag um 1 Uhr im großen Saale des Katholischen Gesellenhauses stattfand, war außerordentllch stark besucht. Sie gewann dadurch eine besondere Bedeutung, daß in ihr der Präsident der Organisation sowie der Hauptvorstand neu gewählt werden sollten.
Landwirt R e i n h a r d t - Mauerschell, der die Versammlung leitete, begrüßte zunächst die Erschienenen, insbesondere Landrat Freiherr von Eagern, sowie den Redner Dr. Jacobs, Geschäftsführer bet der Vereinigung der Deutschen Bauernvereine - Berlin, und die Presse. Er gedachte dann in warmen Worten des verstorbenen Präsidenten des Kurhessischen Bauernvereins, Domänenpächter Heinrich Brspinck, zu dessen Ehren sich die Versammlung von ihren Sitzen erhob.
Generalsekretär Dr. Mösenfechtel verlas daraus eine Anzahl von Beileidsschreiben, die der Organisatton anläßlich des Hinscheidens ihres Führers zugegangen waren.
Dann erfolgte nach Verlesung des Protokolls der letzten Delegierten-Versammlung die Erstattung des Geschäftsberichtes durch den Generalsekretär. Wie er mitteilte, war der Eingang der Beiträge im vergangenen Jahre verhältnismäßig gut.
Den Bericht der Revisions-Kommiffion erteilte Landwirt Erb- Neuenberg. Er sprach dem Bürovorsteher des Kurhessischen Bauernvereins, Herrn Schindewolf, für seine vorbildliche Buchführung warme Anerkennung aus. Die eingegangenen Beiträge beliefen sich im Jahre 1926 auf 17224 Mark, im Jahre 1927 auf 17733 Mk. und im Jahre 1928 aus 20803 Mk. Die Beiträge der Geschäftsstelle Salmünster sind erheblich zurückgegangen. Die dortige Geschäftsstelle erforderte einen Zuschuß der Hauptgeschäftsstelle von 1400 Mk. Infolge dieser und noch verschiedener anderer un
günstiger Umstände haben sich die Schulden der Organisation um etwa 3000 Mk. erhöht.
Im weiteren Verlauf der Versammlung erfolgte die
Vornahme der Wahlen.
Als Mitglieder der Revisions-Kommission weben die alten Mitglieder Erb- Neuenberg, Viech Langenbieber, Reinhardt-Lehnerz wiedergr- wählt. Vor der nun folgenden Wahl des Hauptvorstandes teilt der Generalsekretär mit, daß dessen Mitgliederzahl laut Statuten aus 14 beschränkt sei. Da das Gremium bisher eine größere Zahl umfaßt habe, so habe ein Teil der Mitglieder ausscheiden müssen.
Aus Vorschlag der Versammlungsleitung werden zunächst die Kreisvorsitzenden gewählt. Es sind für den Kreis Gersfeld Landwirt Psesfermann- Ebersberg - Tannhof, für den Kreis Hünfeld Bürgermeister Heß-Rimmels, für den Kreis Schlüchtern Landwirt Weber- Marborn, für den Kreis Gelnhausen Landwirt B i l z - Bermbach, für das Amt Geisa Landwirt Rente r-Borsch vorgeschlagen. Während in den an- deren Kreisen durch Akklamition gewählt wurde, mußte im Kreise Fulda, da sich gegen den Wahlvorschlag Widerspruch erhob, die Wahl durch Stimmzettet vorgenommen werden. Von den 92 abgegebenen Stimmen erhielt Bürgermeister Herbert- Zirkenbach 62, Landwirt Vogel- Zirkenbach 22. 8 Stimmen waren zersplittert. Damit war Bürger- meister Herbert als Vorsitzender für die Kreis- gruppe Fulda gewählt. Er erklärte sich zur An- nähme der Wahl bereit und beschwor die Versammlung in einer temperamentvollen Ansprache, doch die persönlichen Zwistigkeiten zu begraben und einig zu sein.
Als weitere Mitglieder des Hauptvorstandes werden gewählt für dm Kreis Fulda: Sondergeld, Hofbieber; Schum,
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Damaskus.
Zum Feste Pauli Bekehrung, 25. Januar.
Von Prof. Dr. Scheller.
Gar oft haben wir auf der Pilgerfahrt zum hl. Lande die Spuren des hl. Paulus verfolgt. In lebhafter Erinnerung ist mir eine Stunde, da wir auf der Fahrt ent- lang der kleinasiatischen Küste, in der Nähe von T r o a s, auf dem höchsten Deck unseres Schiffes zusammenfaßen und hinüberschauten nach der Stelle, von der aus Paulus seine, erste Missionsreise nach Europa antrat. Ein Mitpilger las das Kapitel der Apostelgeschichte vor, in dem von jenem Teil des apostolischen Wirkens des hl. Paulus die Rede ist. Korinth und Athen, an denen der Völkerapostel so segensreich gewirkt, hatten wir schon einige Tage vorher vom Schiff aus begrüßt und dabei des großen Missionars gedacht.
Noch interessanter war uns in jener Stunde das 20. Kapitel der Apostelgeschichte. Nach der Rückkehr von der 3. Missionsreise nahm Paulus fast denselben Weg, den wir jetzt fuhren: Aus Griechenland über Mazedonien kommend, reiste er über Troas, Asios, Mitylene, an Chios vorbei, nach Samos, Milet, Kos, Rhodos, rechts an Zypern vorüber nach Syrien. Wenn wir auch nicht dieselben Orte und Inseln alle betraten wie Paulus (unser Schiff hielt nur in Smyrna, Rhodos und Larnaca auf Zypern), so waren doch unsere Gedanken bei ihm und »vir verfolgten mit Interesse auf dem ganzen Weg seine Spuren.
Nach unserer Landung in Beirut führte uns eine Tagesfahrt im Kraftwagen über den Libanon, dann durch tie Ebene Zölesyrien, endlich über den Antilibanon nach Damaskus.
Hier wurden nun die Erinnerungen an den Dölker- gpostel besonders lebhaft. Dor Damaskus hatte Saulus die wunderbare Erscheinung, die zu seiner Bekehrung führte. In Damaskus selbst wohnte er dann im Hause eines gewissen Judas in der „Graden Straße", wohin ihn sein Gesährten führten, da Saulus erblindet roae,
' Ein Christ A n a n i a s, der in Damaskus ansässig war, erhielt vom Herrn in einer Vision den Befehl: „Mache dich auf, geh in die Straße, welche die „Gerade" heißt, und frage im Hause des Judas nach einem Manne namens Saulus . . Ananias machte sich auf den Weg, ging in das Haus und legte dem Saulus die Hände auf mit den Worten: „Bruder Saulus, der Herr Jesus, der dir auf dem Wege hierher erschienen ist, hat mich gesandt: Du sollst das Augenlicht wiedererhalten und mit dem hl. Geist erfüllt werden". Sofort fiel es wie Schuppen von seinen Augen. Er sah wieder, stand auf und empfing die Taufe.
In den nächsten Tagen predigte Saulus in den Synagogen, „daß Jesus der Sohn Gottes ist". Die Juden erstaunten. Saulus aber trat immer mächtiger auf und brachte die Juden in Damaskus in Verwirrung durch den Nachweis: „Das ist der Messias".
Hernach gingen die Juden mit dem Plane um, ihn zu ermorden. Doch ihr Anschlag wurde dem Saulus bekannt. Tag und Nacht bewachten sie die Tore, um ihn ermorden zu können. Aber seine Jünger ließen ihn bei Nacht in einem Korbe über bie Mauer hinab. — So berichtet uns der hl. Lukas im 9. Kapitel der Apostelgeschichte.
Die „Grade Straße" ist heute noch fast unversehrt in der enggebauten Altstadt von Damaskus erhalten. Sie heißt „der lange Bazar", aber der Name Derb- el-Mustakim, d h. „Grade Straße", ist auch noch gebräuchlich. Die auffallend lange Straße zieht sich fast kerzengerade (eine Seltenheit im Orient!) 1500 Meter bin, ist zum Teil überdacht und enthält wohl die wichtigsten Läden und Auslagen der großen Handelsstadt. Mit dem Kraftwagen fuhren wir mitten durch den lebhaftesten Trubel hindurch. In dem gedeckten Teil der Straße zeigt ein Balkon, der die Stelle des Minareis vertritt, die Stätte an, hinter der das J)aus des Judas" gestanden hat: Eine kleine Moschee ist jetzt da, wo einst eine christliche Kirche zu Ehren des hl. Paulus errichtet war. Leider konnten wie sie nicht betreten, da unser Dragoman den Besuch nicht vorbereitet hatte.
Dagegen wurden wir, als wir die Wagen verlassen hatten, in eine enge Seitenstraße zur Linken geführt an
die Stelle, wo nach alter Ueberlieferung das Haus des Ananias gestanden hat. Den Platz dieses Hauses nimmt heute eine kleine, unterirdische Kapelle ein, die den Franziskanern gehört. Hier konnten wir als Pilger unsere Andacht verrichten.
Wir kehrten zur „Graden Straße" zurück und gelangten durch sie an das Ende der Stadt und konnten nun zur rechten Seite die Außenmauern entlang gehen. Es ist noch die Ringmauer der apostolischen Zeit, zum Teil überbaut und verstärkt von den Byzantinern und Arabern.
Nicht weit von der Südostecke der Mauer, in der Nähe eines mächtigen alten Turmes, zeigt uns der Dragoman die Stelle, wo nach der Tradition die Christen den hl. Paulus in einem Korbe herabließen, so daß er feinen Verfolgern enttarn und nach Jerusalem zurückkehren konnte, um dort mit Petrus in Verbindung zu treten.
Es ist nicht meine Absicht, hier die zahlreichen tiefen Eindrücke und interessanten Beobachtungen zu schildern, die uns Damaskus bot. Erwähnt sei nur der Besuch der großen Omajadenmoschee (einst eine gewaltige christliche Basilika, heute noch deutlich als solche zu erkennen) und die Fahrt auf den Berg im Norden von Damaskus, von dem aus wir einen unbeschreiblich schönen und weiten Ausblick auf die Stadt und die weitere Umgebung hatten: da begriffen wir, warum Damaskus die „Perle des Orients", das „Auge der Wüste" genannt wird.
Don dort aus zeigte uns der Dragoman auch in der Ferne die Gegend jenseits der Stadt an der Straße nach Jerusalem, an der der Herr dem Paulus erschien und sich „Pauli Bekehrung" vollzog.
Als wir am folgenden Morgen nach Süden weiterfuhren, sahen wir aus nächster Nähe diese Stätte heiliger Erinnerungen, wo sich die Christen von Damaskus alljährlich am 25. Januar versammeln, um das Gedächtnis von „Pauli Bekehrung" zu feiern. Seit dem 4. Jahrhundert besuchen die Pilger regelmäßig diese Stätte, wo das große Gnadenwunder sich vollzog, von dem uns Kapitel 9 der Apostelgeschichte berichtet:
„Schon kam Saulus auf seiner Reise in die Nähe von Damaskus. Da umstrahlte ihn plötzlich ein Licht vom Himmel. Er
stürzte zu Boden und vernahm eine stimme: Saulus, Saulus, warum verfolgst du m i ch?"
„Wer bist du, Herr?" fragte er.
Dieser antwortete: ,Jch bin Jesus, den du verfolgst. Es ist hart für dich, gegen den Stachel auszuschlagen".
Zitternd und bebend fragte er wettet. „H-rr, was willst du, daß ich tun soll?"
Der Herr sprach zu ihm: „Steh aus und geh in die Stadt. Dort wird dir gesagt werden, was du tun soll st".
Seine Gefährten standen sprachlos da Sie hörten zwar die Stimme, sahen aber niemand. Saulus erhob sich vonderErde. Als er die Augen aufschlug, sah er nichts Da nahmen sie ihn bei derHandund sühv ten i h n nach Damaskus hi "ein ..."
— Riesen-Faflnachlwürste. In vielen deutschen Städten veranstalteten die Handwerker in der Fastnacht- Seit Umzüge, wobei es hoch her ging. Bei diesen waren auch immer die Fleischer beteiligt. Diese stellten gewöhnlich zu dem Umzug eine große Wurst her die dann beim Umzug mitgeführt wurde. So hatten die Fleischer in Königsberg im Jahre 1583 eine Fastnachtwurst her- gestellt, die 596 Ellen lang war und 434 Pfund wog. Im Jahre 1601 war die Fastnachtwurst der Königsberger Fleischer noch größer. Sie maß 1005 Ellen, und hatte ein Gewicht von annähernd 900 (neunhundert) Pfund. Zu Fastnachtwürsten in dieser Größe, die von sämtlichen Angehörigen des Fleischergewerbes getragen werden mußten, haben es die Fleischer in anderen Städten meistens nicht gebracht. Nur Nürnberg machte hier einmal eine Ausnahme. Die Fleischer dieser Stadt trugen bei ihrem Faschingsumzug im Jahre 1658 auch etne Riesenwurst. Sie hatte die Länge von 658 Ellen und wog 514 Pfund. Diese Fastnachtwürste wurden dann nach dem Umzug bei einem gemeinschaftlichen «schmaus verzehrt, wozu die Bäcker öfter eingeladen wurden, die dann Brötchen, Brezeln und anderes Gebäck lieferten.