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Samstag, ocn 26. Januar 19 9.

Fuldaer Zeitung

3. Blatt.

Druck bet Fuldaer Aetiendruckerei, Fulda

Tie Schwcrvcrbrcchen in Preußen.

Starke Zunahme der Sittlichkeitsverbrechen.

In der vom preußischen Minister des Innern dem preußischen Landtag vorgelegten Denkschrift üver die Tä.igkeit der preußischen Polizei befindet sich unter anderem auch ein Nachweis der in der Zeit vom 1. Jan. 1928 bis 31 Dez. 1928 in Preu­ßen verübten und aufgeklärten Schrververbrschen. Als solche gelten Mobbe, Mordversuche, Totschläge, Totschlagsversuche, Naubüberfälle und Raubver­suche.

In allen Regierungsbezirken beläuft sich d'e Zahl der Morde auf 299, wobei noch einmal be­merkt sei, daß es sich bei dieser und be, den nach­stehenden Ziffern lediglich um die bereits auf­geklärten Schw-erverbrechen handelt. Rach der Anhäufung der Bevölkerung in der Reichs­hauptstadt, namentlich durch den Zufluß aller mög­lichen Elemente aus allen anderen Teilen des Rei­ches ist naturgemäß die Zahl der Morde m Berlin mit am böchsten. Sie beläuft sich auf 40. An zweiter Stelle steht der Regierungsbezirk Dstssol- dorf mit 30, es folgt dann Breslau mit 25, Merse­burg mit 17, Liegiriß mit 16, Oppeln mit 15, Frankfurt o. d. O. und Wiesbaden mit je 14, Arnsberg mit 13, Potsdam mit 11, Münster und Köln mit je 10 Morden. In allen anderen Re­gierungsbezirken beläuft sich die Zahl unter 10.

An Mordversuchen wurden im Jahre 1928 in Preußen 182 Fälle festgestellt. Hier übertrifft aber nun Düsseldorf mit 39 bei weitem Berlin mit 20 solcher Mordversuche. Die gleiche Ziffer weist Arnsberg auf, dann folgt Oppeln mit 13, Schles­wig und Münster mit je 8, Köln mit 7, Liegnitz und Frankfurt (Oder) mit je 6, Allenstein mit 5 aus.

An Totschlägen wurden 162 verzeichnet. Auch hier steht Düsseldorf wieder an oberster Stelle mit 125 und dann folgt Arnsberg mit 19, Münster mit15 und erst dann kommt Berlin mit 10 Tot­schlägen. An allen anderen Regierungsbezirken bewegt sich dann die Ziffer unter 10.

Totschlags versuche wurden im Jahre 1928 in Preußen 104 gezählt, davon wiederum Düssel­dorf mit 18 am böchsten, dann Arnsberg mit 15, Berlin und Münster mit fe 9, Potsdam, Schneide- mübl und Schleswig mit je 7.

Raubüberfälle wurden 1344 festgestellt und auf­geklärt. Davon entfällt auf Berlin die höchste Zif­fer mit 248, es folgt dann der Regierungsbezirk Düsseldorf mit 206 Arnsberg mit 119, Köln mit 73, Breslau mit 62, Hannover mit 60, Schleswig mit 58, Münster mit 56, Wiesbaden mit 54, Kö­nigsberg mit 42 ufro. Die geringste Ziffer hat hier

Vie Witwe Felix Vahn5 geworben.

die Witwe Felix Dahns (1834—1912), ist 84jährig gestorben. Sie war mit dem Dichter Felix Dahn 39 Jahre lang verheiratet. Therese Dahn, die aus der Familie der Dichterin Annette von Droste-Hüls- hoff stammt, war selber Dichterin. Sie gab mit ihrem Manne einen Band „Gedichte" und „Ger- manische Götter- und Heldensagen" heraus.

Therese Dahn.

der Regierungsbezirk Marienwerder mit nur 1 Rcubüberfall.

Bei den Raubversuchen wurden von 495 in Preußen begangen in Berlin 149, Hannover 123, Düsseldorf 59, Arnsberg 30, je ein Raubversuch wurde unternommen und aufgeklärt in den Regie­rungsbezirken Gumbinnen, Marienwerder, Stral- fund, Liegniß, Lüneburg und Stade.

Ban sämtlichen Verbrechen wurden durchschnitt, lich aufgeklärt 74 Prozent aller Fälle. Weit über den Durchschnitt, und zwar die volle Aufklärungs- Ziffer wurde erreicht im Regierungsbezirk Trier, hßs ebenfalls eine sehr niedrige Kriminalität auf­weist. . Es wurden dort vier Morde, ein Totschlag und ein Totschlagsoersuch begangen, die sämtlich aufgeklärt wurden. Ferner wurden dort gezählt fünf Raubüberfälle, von den vier aufgeklärt wur­den und zwei aufgeklärte Raubversuche .

Eine sehr hohe Aufklärungsziffer haben weiter: die Regierungsbezirke Hannover mit 91 Prozent, Münster mit 87 Prozent, sodann Köln mit 86 Pro- gent, es folgt sodann der Regierungsbezirk Marien, werder mit 83 Prozent, weiter Berlin mit 80 Pro­zent, Frankfurt a. d. O. mit 79 Prozent, Stettin, Liegnitz und Erfurt mit 77 Prozent, Magdeburg und Breslau mit 76 Prozent, 75 Prozent bei Pots­dam, Stade und Aachen. Die geringste Aufklä­rungsziffer ist im Regierungsbezirk Königsberg mit 45 und Koblenz mit 50 Prozent, sodann im Re- gierungsbezirk Gumbinnen mit 51 Prozent, Lüne­burg mit 55 Prozent, Wiesbaden mit 60 Prozent, Oppeln, Sigmaringen und Allenstein mit je 67 Prozent usw. zu verzeichnen.

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Eine Uebersicht über die Kriminalstatistik fin den Jahren 1924/27 ergibt folgendes: Totschläge und Körperverletzungen mit tödlichem Ausgang wurden 1924 verzeichnet 491, 1925 450, 1926 538 und 1927 481. Fälle von Raub und räuberischer Erpressung gab es im Jahre 1924 2606, im Jahre 1927 wurden nur noch 1619 gezählt. Hier ist also ein beachtlicher Rückgang zu verzeichnen. An Diebstählen wurden in Preußen 1924 etwa 241000 verzeichnet, die im Jahre 1927 zurückgingen auf 170 000.

Sehr stark dagegen sind gestiegen die Sittlichkeitsdelikte, die, soweit Notzucht in Frage kommt, von 1510 im Jahre 1924 auf 2075 im Jahre 1927 stiegen, und ganz besonders er­schreckend ist die Steigerung der Verbrecherziffer bezüglich unzüchtiger Handlungen mit Kindern, die von 3140 im Jahre 1924 auf 3800 im Jahre 1927 anwuchsen.

Brandstiftungen wurden !m Jahre 1924 886 ver­übt, diese Ziffer hat sich fast verdoppelt bis zum Jahre 1927 und stieg auf 1670.

Für das Jahr 1928 konnten Ermittlungsergeb­nisse mit Rücksicht auf die Dauer der gerichtlich- n Verfahren noch nicht gezählt werden. Cs ist aber mit einer Steigerung der Aufklärungsziffer des Jahres 1927 zu rechnen. Wenn die Ziffern be­züglich Raiib zurückaegangen sind, so muß doch beachtet werden, daß die Gerichte bezüglich des Tatbestandes-Merkmals bei Raub eine verschiedene Stellung einnehmen. Beispielsweise wird vielfach neuerdings zugunsten des Täters das Wegreißen einer Handtasche in der Regel nicht als Raub, son­dern als Diebstahl angesehen, sogenannter Pompa- dourdiebstahl. Der Rückgang der Diebstahl- delikte hängt zusammen mit der langsamen Ueberwindung der Jnflationserscheinungen und mit der Stabilisierung der Währungsverhält­nisse. Dennoch kann man von einem Rück­gang der Kriminalität auf diesem Gebiete nicht sprechen, weil entsprechend dem Uebergang vom Sachwert zum Geldwert die Betrugsdelikte zugenommen haben. Des weiteren bemerkt man eine Intensivierung des verbrecherischen Willens, die sich besonders dadurch ausdrückt, daß die Zahl der viel gefährlicheren berufsmäßig ausgcüb». ten Straftaten anwächst. Vieles deutet auch auf t Zunahme und einen engeren Zusammenschluß des Berufsverbrechertums, wie wir es in der Banden­bildung unb zuletzt bei den bekannten Berliner Er. eignisien sogar in Dereinsbildung („Jmmertreu") beobachtet haben.

Treue Herzen.

Roman von Marie Darling.

24] ---------

Im Schulhaus geht alles wieder feinen gewohnten Sang. Der junge Lehrer, der schon seit Vollmers Er­krankung den Schuldienst besorgt, ist ins Schulhaus ge­zogen, doch da er unverheiratet ist, braucht er nur ein paar Räume und die Witwe kann mit ihren Kindern wohnen bleiben, bis sich eine passende Wohnung für sic gefunden hat.

Der junge Lehrer ist ein stiller, taktvoller Mensch, an dem die gebeugte Familie eine gute Stütze hat.

Auch Walter Roland war in diesen schweren Tagen, so oft es ihm sein Beruf erlaubte, im Schulhaus. An Frau Herrmann und Roger hat Elvira einen Trauer­brief gesandt, au chan Frau Sanitätsrat Petri. Alle haben herzlich und liebvoll geantwortet.

„Ich habe es kommen sehen", schreibt Roger, „seit dem Tage, da Sie mir den Brief Ihrer Freundin zeigten; doch ich konnte Ihnen die Augen nicht öffnen, mir bangte vor dem todtraurigen Blick in Ihren reinen Kinder­augen Run kann ich nur Gott bitten, daß er Sie tröste und Ihnen ein Vater sei."

Lange sitzt Elvira auf ihrem Stübchen, den Brief des Freundes in der Hand und etwas wie ein Lächeln verirrt sich um ihren Mund.

Dann ist das Leben weiter geschritten, unbarmherzig weiter, das Leben des grauen Alltags.

Elvira hat sich im Haushalt nützlich gemacht und die Mutter hat sie gewähren lassen. Sie ist ganz anders geworden seit dem Tode ihres Mannes, so ft'tl und so gleichgültig gegen alles. Rur zuweilen kommt Licht und Leben in ihre vom vielen Weinen glanzlosen Augen, wenn die Jungens aus der Schule heimkehren und noch echter Iungenort wieder frisch und wohlgemut in das Leben blicken. Am liebsten ist Elvira jetzt bei Marianne; das stille, sinnige Mädchen kann die Freundin ja so gut verstehen und trösten.

So reiht sich Tag an Tag, für die Landleute wie für alle Bewohner des Dorfes Tage emsiger Arbeit. Zuerst kommt die Heuernte, dann muß das goldig reifende Korn

geschnitten und eingebracht werden. Da gilt es, die Hände fleißig regen. Auch in den Haushaltungen gibt es Ar­beit; Obst und Gemüse müssen für den Winter hergerich- tet und eingekocht werden.

Elvira ist bald im Doktorhaus, bald im Schulhaus, aber sie erschauert doch, wenn sie denkt, es müsse nun immer so weiter gehen bei ihr, sie müsse auch eintreten in die unaufhaltsam weitergehende Tretmühle des All­tags. Nein, sie fühlt, sie kann das nicht, sie muß wieder hinaus ins Leben.

Ihre ungebrochene Iugendkraft verlangt nach etwas anderem, nach Sturm und Kampf, wenn es fein muß, nur nicht nach dieser schablonenhaften Stille und Ruhe.

So ist es Herbst geworden. Die Schwalben, die sonst die Dorfstraße mit ihrem stahlblauglänzenden Gefieder und ihrem Gezwitscher belebt haben, rüsten sich zur Reise nach dem Süden. Das Laub der Linden ist fahl und gelb geworden und der wilde Wein, der sich um man- chen Giebel und Mauervorsprung schlingt, hat eine sattrote Farbe bekommen. In den Gärten blühende Geranien und Astern in bunter Farbenpracht und die kleine, bescheidene Resede haucht ihren süßen Duft in die klare Herbstlust hinaus.

Elvira rüstet sich zur Abreise und seltsam, ihr wird das Scheiden gar nicht so schwer, wie sie gefürchtet hat. Ganz leise regt sich sogar in ihrem Herzen eine Freude auf den Winter, auf das Zusammensein mit Walter Rogmann.

Die Heimat ist ihr das nicht mehr, was sie ihr früher war. Er, der immer der Mittelpunkt oll ihrer Ge- danken und ihrer Sehnsucht bildete, er schläft nun unterm blumengeschmückten Hügel.

»Auch mich soll das Leben nicht beugen, geliebter Vater, ich will dir eine würdige Tochter sein und blei­ben," gelobt sie an seinem Grabe.

Walter Roland hat ihr zum Geburtstag das fast le­bensgroße Brustbild ihres Vaters geschenkt; das soll nun ihr Begleiter sein.

„Jetzt habe ich den geliebten Toten immer bei mir," sagte sie mit dankbar aufleuchtenden Augen zu Walter, „ich kann ihn jeden Abend fragen: Vater, bist du mit deiner Tochter zufrieden? Wenn ich in die geliebten

Nacholische Sojialiften?

3n Köln erscheint, wie schon gemeldet, neuer» dings eine Monatszeitvng, die sich „Das Rote Blatt der katholischen Sozialisten" nennt. Herausgeber und verantwortlicher Schriftleiter ist ein junger Katholik, Heinrich Mertens. Das Blatt huldigt der Anschauung, daß Katholizismus und Sozialismus nicht Feinde, ümbern Freunde feien. Diese Mei­nung wird innerhalb der Sozialdemokratischen Partei namentlich von dem Kölner Reichstagsab­geordneten Sollmann vertreten, der zu btefem Zweck schon seit längerer Zeit seiner Rheinischen Zeitung ein Äussprachcblatt zwischen Christen unb Sozialisten beigegeben hatte, b i e Tribüne. Das Rote Blatt versteht es, in geschickter aber nicht im­mer ganz einwandfreier Form seine Gedanken an den katholischen Leser, namentlich an die katholische Jugend heranzubringen. So halten wir es nicht für einwandfrei, wenn das Rote Blatt Absätze aus anderswo veröffentlichten Artikeln lebender unb toter Zentrumsführer in einer Aufmachung bringt, die man sonst nur Originalbeiträgen gibt. Das sind Mätzchen, über die die deutsche Journalistik im allgemeinen hinaus ist. — Die Führer der So­zialdemokratischen Partei, der jetzige Reichskanzler Müller, der Preußische Ministerpräsident Braun, der Reichsinnenminister Seoering, der Gewerk­schaftsführer Leipart und der Chefredakteur des „Vorwärts", Stampfer, haben kurze Geleitworte beigefteuert, die dartun sollen, daß der Sozialismus nicht Gegner der katholischen Weltanschauung ist, unb daß beshalb jeder Katholik, der die unsozialen Erscheinungen der Gegenwart bekämpft, in den Reihen des Sozialismus stehen müsse.

Wir wollen in diesen Zeilen nichts gegen die persönliche Lauterkeit derer sagen, die sich katho­lische Sozialisten nennen und sich bewußt und un­eingeschränkt nunmehr in die Reihen der Sozial­demokratischen Partei gestellt haben. Uns geht es um die sachliche Beurteilung dieses Schrittes.

Der deutsche Sozialismus hat von feiner frühe­ren feindlichen Einstellung gegen die katholische Weltanschauung und die katholische Kirche immer­hin manches abgestreift. In maßgebenden Kreisen der deutschen Sozialdemokratie hören wir nicht mehr so viel die Ansicht, daß der Sozialismus nur im Kampfe gegen die Dogmen der Kirche hoch­kommen könne. Diese Meinung hat beispielsweise Herr Stampfer noch im Jahre 1919 vertreten, der­selbe Stampfer, der heute im Roten Blatt jeden Spott über religiöse Dinge ein Zeichen von Un­

bildung nennt. Wenn heute der Sozialismus in der Oeffentlichkeit nicht mehr in demselben Maße wie früher gegen alles Kirchliche ankämpft, so mag das seinen Grund zu einem Teil darin haben, baß er erkennen mußte, wie unhaltbar sein Gerede vom sozial-reaktionären Christentum ist. Der weit wich-- tigere Grund ist aber der, daß heute der Sozia­lismus die Erörterungen über Marxismus, den Weltanschauungscharakter des Sozialismus und über das Verhältnis von Christentum und Sozia­lismus ein wenig beiseite stellt, dafür aber umso zielstrebiger bemüht ist, die gesamte Politik bis hinunter zur Gemeinde, sowie das gesamte geistige und kulturelle Leben m Deutschland mit seinen Kräften zu durchsetzen. Dem Sozialismus kommt es heute weniger auf eine Erörterung grundsätz­licher Fragen an, als auf die Durchdringung des privaten und öffentlichen Lebens in seinem Geiste.

Trotz dieser Wendung in der Kampftaktik kann der Sozialismus und die deutsche Sozialdemokratie nicht leugnen, daß sie im letzten Grunde gegen die christlichen Anschauungen steht. Wie tyar's beim Kamps um bas Reichsschulgesetz im letzten Jahre. Mit allen politischen Mitteln hat bie Sozialdemo­kratie em Reichsschulgesetz bekämpft, das den christ­lichen Ansprüchen auf Erziehung der Kinder im Großen und Ganzen gerecht wurde. Die Sozial­demokratie will die Trennung von Kirche und Schule, will die weltliche Schule. Der Wortführer der sozialdemokratischen Schulpolitik ist der be­kannte Schulrat Löwenstein in Berlin-Neukölln, ein Dissident. Er ist auch der führende Kopf in der sozialdemokratischen Kinbersreundebewegung, deren Ziel die Erziehung ber Allerjüngsten im so­zialistischen Geiste ist. Bekannt ist bie sozialistische Einstellung in der Frage ber Ehescheidungsreform, bekannt ihre Einstellung zum werdenden Leben, Hier stehen sich Katholizismus und Sozialismus noch immer wie Feuer unb Wasser einanber gegen, über. Hier gibt es keine Brücken. Wir sind ge­spannt, wie die „katholischen Sozialisten" unb dos „Rote Blatt" bei dieser Gegnerschaft des Sozialis- mus gegen christliche Forderungen ihren Stand­punkt rechtfertigen. Es würde zu weit stihren, in diesem Zusammenhang aus die Freidenkerbewe­gung im Sozialismus einzugehen. Das muß spä­ter noch einmal erörtert werden. Wst sind der Meinung, daß ein Zusammengehen von Freiden­kern unb Katholiken in berselben Panei ein Ding der Unmöglichkeit ist.

Der Kreis ber „katholischen Sozialisten" um das Rote Blatt hat sich aus wirtschaftlichen unb sozia-

Neues deutsches Riesenflugzeug für 35 Fluggäste.

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Der gewaltige Flügel der neuen Junker-Flugzeugs im Bau.

In den Junkerswerken wird ein Großflugzeug gebaut, bas nicht nur in seinen Ausmaßen, son­dern auch in feiner eigenartigen Konstruktion ein­zig dasteht. Zum ersten Male wird bie Traglast außer der Längsachse auch in den 2,5 Meter ho­hen und mehr als 20 Meter langen Mügeln untec. gebracht. Die Räume für die 35 Fluggäste befinden

sich zum größten Teil in den Flügeln und haben Fenster nach vorn. Die Konstruktion nähert sich dem bereits 1910 entworfenen „Nur-Flügel-Flug- zeug" des Prof. Junkers an. Die Spannweite ter beiden Flügel beträgt 45 Meter. Unser Bild zeigt den Bau eines ber neuartigen Flügel.

Augen schaue, wird es mir leicht werden, gut zu blei­ben."

Walter war so glücklich, daß er dem geliebten Mäd- chen eine Freude bereiten konnte; nun aber fährt der Zug fein Kleinod wieder hinweg in die Fremde. Lange steht Walter und blickt den sich verlierenden Dampfwol­ken nach, die den Weg bezeichnen, den fein Liebling genommen. Wie blaß sie gewesen war beim Abschied! Ihre Goldaugen hatten doch voll Tränen gestanden trotz aller Tapferkeit.

„Ich komme wieder, Walter!", hatte sie unter Trä­nen lächelnd gesagt, „ganz sicher komme ich im Som­mer wieder und dann bleibe ich so lange, als ihr mich haben wollt."

Aufleufzend wendet Walter sich endlich ab, ihm ist als fei mit Elvira aller Sonnenschein aus seinem Le­ben gewichen. ,

9.

Das Leben zu M. ist wieder im vollen Gange. Elvira kommt es oft vor, als sei alles, was der Sommer ge­bracht, nur ein schwerer Traum gewesen. Nur wenn sie an ihre tiefschwarze Trauerkleidung hinabblickt, die sie außerhalb der Bühne stets trägt, dann kommt das alte Weh wieder über sie, dann wird sie sich bewußt, wie unendlich viel Liebe für sie unter dem stillen Hü- gel in der Heimat schläft. Die Kollegen und Kollegin­nen haben ein paar landläufige Beileidsworte gesagt, in Sanbor Pokornys Augen aber hat es eigenartig auf­geleuchtet.

»Nun hat das schöne Mädchen keinen Vater, feine Heimat mehr, nun wird es leichter sein, sie zu erobern. Trauer macht zudem die Herzen weich, macht sie für bie Liebe empfänglicher," bas ist seine Ansicht.

Roger ist noch nicht gekommen; eine leichte Erkältung läßt ihn seine Abreise noch um einige Tage verschieben. So macht Elvira allein ihren Besuch in ber Garten- straße.

Frau Petri hat mit allerlei Neuangekommenen Pen­sionären viel Arbeit, ba freut sich Elvtta auf bas liebe, gute Gesicht der alten Dame.

Sie hat Glück Frau Ellinor ist nicht zu Hause, ber alte Diener führt fie hinauf in Frau Herrmanns schlich­tes Wohnzimmer. Fest umschließen die mütterlichen

Arme das leise weinende Mädchen; lange sitzt sie dann bei der alten Frau, sie erzählt vom Tode ihres Vaters, von den Brüdern und von den Freunden. Von der falten, verschlossenen Mutter tann sie auch zu Frau Herrmann nicht reden, den Kummer muß sie tief in ihrem Herzen verschließen.

Frau Herrmann hört mit liebem Lächeln zu, sie tröstet in ihrer gütigen Art.

Endlich muß Elvira gehen, „doch ich komme bald wieder, wenn ich darf," spricht sie mit bittendem Blick.

„Smmer, liebes Äinb, wenn es Ihnen Freude macht; ich bin stets für Sie da. Ich habe ja auch sonst nie- manden in der Stadt, dem meine Zeit sonst gehört; Ellinor braucht mich nur als Gardedame, wenn sie Ge- fellschaft hat," fügt sie mit bitterem Lächeln hinzu.

Elvira sinnt über diese Worte nach, als sie langsam bie breite, teppichbelegte Treppe hinabgeht.

„Wie seltsam — hier wie dort eine Mutter und eine einzige Tochter, die einander nicht verstehen und man sollte doch meinen, Mütter müßten ihre Kinder immer verstehen."

Draußen im Vorgarten begegnet sie Frau Ellinor, sie kommt von einem Ausgang heim und ist in eleganter Kleidung.

lieber Frau Ellinors Züge fliegt ein ungeduldiger Schein, als sie Elvira erblickt.

„Noch immer so tief in Trauer? Ich meine, nach so langer Zeit dürften Sie ruhig wieder etwas Farbe tragen. Ich liebe in meinem Hause keine Trauerklei­der."

Elvira ist flammend rot geworden bei den lieblosen Worten. „Ich bitte sehr um Entschuldigung, gnädige Frau, ich habe nur eben Ihrer Frau Mutter „Guten Tag" gesagt. Ich glaube, sie hat sich an meiner Trauer nicht gestoßen!", fügt fie bitter hinzu.

„Das glaube ich!", lacht Ellinor spottend auf, „bie 'st ja aus demselben Holz geschnitzt wie Sie, treibt genau solche Trauerkultur. Je nun, jeder nach seinem Geschmack!", fügt sie achselzuckend bei.

„So erlauben gnädige Frau doch, daß ich hin und wieder Ihre Frau Mutter trotz meiner Irauerfleiher auffudje?"

(5ortf»h'ina Ealntl