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FuldaerZeitüng

Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblakk.

Hr. 21.

Erschein! sechsmal wöchentlich. Wochendeilagen „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatl. 1,80 einschl. Postgeb. (30 bezw 48 Pf.), ohne Zustellg.

Freitag, 25. Januar 1929.

Anzeigen-Preise: Kleinzeile (Colonel) lokal 0,15 JUl, auswärts 0,20 JUt Reklamezeile: lokal 0,60 JLH, Cß auswärts 0,80 Bei Wiederholungen Rabatt. 3U.JUyUye Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr. 4051.

Sp!tzeWerb3n-e -er Wirtschaft zu -en Steuerolönen

Die Spitzenverbände der Wirtschaft, nämlich der Reichsverband der Deutschen Industrie, der Zen­tralverband des deutschen Bank- und Bankier­gewerbes und die übrigen Verbände der Industrie, des Groß-, Uebersee- und Einzelhandels, des Hand­werks und des Versicherungsgewerbes, geben eine von diesen Spitzenverbänden zu den Sleuerer- höhungsvorschlägen der Reichsregierung und zu dem Entwurf eines Steuervereinheitlichungsgesetzes gefaßte Entschließung bekannt, in der zunächst da­raus hlngewiesen wird, daß die beteiligten Ver­bände schon seit Jahren auf die der Kapitalbil­dung aus den wachsenden Steuerlasten erwachsen­den Gefahren aufmerksam gemacht, und folgende Forderung aufgestellt wird:

Wir verlangen unter schärfster Ableh­nung jeder Steuererhöhung, daß der Ausgleich des Haushalts 1929 durch weitere Ausgabenbeschränkungen herbeigeführt wird.

Weiter erklärt die Entschließung, daß die Spitzen­verbände an ihrer Forderung der Steuerverein- fachung und Steuervereinheitlichung ins­besondere aus dem Gebiete der Realsteuern festhalten, jedoch den vorliegenden Entwurs des Steuervercmheitlichungsgesetzes verwerfen, da er der von der Wirtschaft mit der Steuervereinheit­lichung erstrebten Steuersenung nicht dienen könne, sondern im Gegenteil gerade zu einer Ver­stärkung des Steuerdrucks verleite.

Schließlich stellt die Entschließung die Forde­rung auf, daß nicht allein die zahlreichen in dem Gesetzentwurf enthaltenen Bevorzugungen wer­bender Betriebe der öffentlichen Hand beseitigt, sondern auch daß die bestehenden Reichssteuerge­setze nach dieser Richtung einer Revision unter­zogen werden. Es sei ein Widersinn, daß die private Wirtschaft mit Steuern bis an die Grenze des Möglichen belastet wird und gleichzeitig Or­ganisationen von bir Steuer befreit werden, die die wirtschaftliche Freiheit und die Fähigkeit zur Aufbringung von Steuern der Privatwirtschaft untergraben.

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Am Freitag werden nach einer Meldung der „Germania" in Berlin Vorbesprechungen zur Be­reinigung sämtlicher finanzieller Streitfragen zwischen dem Reich und den Ländern stattfinden. An den Besprechun­gen nehmen von den Ländern Preußen, Bayern, Württemberg, Sachsen, Baden, Hessen, Mecklen­burg-Schwerin und Oldenburg teil. Die Länder werden durch ihre Ministerpräsidenten wie durch ihre Finanzminister vertreten sein.

Re'chstags-Veginn.

DDZ. Berlin, 24. Ian. (Gig. Funkm.). Der Reichstag versammelt sich heute nachmittag um 3 Uhr zu seiner er st en Plenarsitzung nach der Weihnachtspause. Auf der Tagesordnung steht als einziger Gegenstand der Gesetzentwurf zur Re­gelung der Rechtsverhältnisse der War­testandsbeamten.

Vor der Vollsitzung hatten die meisten Parteien Fraktionssitzungen ab. Die Demokraten trafen be­reits vormittags zusammen, dfe Deutschnationalen, die Deutsche Volkspartei, die Wirtschaitsvarte! und das Zentrum haben ihre Sitzungen für mittags einberufen.

VDZ. Berlin, 24 Ian. (Gig. Fim^ni.). Dem Reichstage ist eine Denkschrift des Reichsarbeits­ministeriums über Leistungen und Bei- träge in der Invaliden- und Ange­stelltenversicherung zugegangen, deren wesentlicher Inhalt von der Regierung bereits am 18. Januar im lozial-volitifchen Ausschuß des Reichstages mitgeteilt worden ist.

Ferner ist dem Reichstag vom Reichs'vnenmi- Nisterium der Gntwurf ein»? Gesetzes über die un­ehelichen Kinder und die Annahme an Kindesstatt vorgelegt worden, ber eine Novelle zum familien- rechtlichen Teil des Bürgerlichen Gesetzbuches bar» stellt. Der Gntwurf soll in GrfüIIung des Artikels 121 der Reichsverfassung die rechtliche Lage des unehelichen Kindes und feiner Mutter erleichtern und der des ehelichen Kindes angleichen.

D'e 49yrozentlae R"aieruna.

lieber die Notwendigkeit, der Reichsregierung eine feste Basis zu geben, schreibt Reichsinnenmini­ster Severing in einer sozialistischen Zeitschrift u a.: Man bat den heutigen Zustand der 4Spro- zentigen Koalition schon häufig damit zu beschöni­gen gesucht, daß die Regierung ja arbeiten könne in dem sicheren Bewußtsein, von den Parteien ihrer Mitglieder kein Mißtrauensvotum zu erhal­ten. In diesem Zustand könnte man, ohne die In­teressen des Reiches zu gefährden, in normalen Zei­ten vielleicht die Geschäfte zu führen, also verwal­ten. In einem Zeitabschnitt aber ,in dem jeder Tag zu gesetzgeberischen Maßnahmen drängt, ist dieser Zustand eine Gefahr für das Ansehen des Parlamentarismus, und damit für den Parlamen­tarismus selbst. Gine Koalition, in der alle Par­teien der Regierung gegenüber freie Hand behal­ten wollen, ist keine Koalition. Und eine Regie­rung, die ihre Gesetze nicht mit einer sicheren Mehr­heit durchbringen kann, ist keine Koalitionsregie­rung und wird sich aus die Dauer evenso sehr in

ihrer Initiative gehemmt fühlen, wie der einzelne Minister. Und darum ist die Forderung, die große Koalition zu schassen, nichts anderes als die Forde­rung, einen Zustand zu beseitigen, der, je länger er andauert, umso stärker die Gefahren vermehrt, die in der Versumpfung unseres politischen Le­bens liegen.

Bayerische Viersorgen.

Die Reichstagskorrespondenz der Bayerischen Volkspartei veröffentlicht über die Fraktionssitzung folgendes Kommunique

, „Die Beratung der Reichstagsfraktion der Bay­erischen Volkspartei in Fortsetzung der Bespre­chung der durch die Steuervorlage gegebenen poli­tischen Lage ergab eine einmütige Auffassung der Fraktion über den Grnft derSituation. Die Fraktion hält eine Erhöhung der Bier­st e u e r und damit des Bierpreises für un­tragbar, und zwar aus politischen, wirt­schaftlichen und — wegen der daraus sich er­gebenden schweren Belastung der breiten Volks­schichten — besonders auch aus sozialen Grün­den. Die Fraktion billigt die vom Reichspost­minister Schätz! im Kabinett zu diesem oder an­deren Steuerprojekten eingenommene Haltung und behält sich die politischen Konsequenzen vor."

G§ fällt einem Nichtbayer außero"dentlich schwer, den G^dankengängen zu folgen, die die Bayerische Vorlkspartei veranlassen, im gegenwär­tigen Augenblick die Sier ft euer sov,sagen zum Angelpunkt der Innenpolitik zu ma­chen.

Er. Heim und der Raötftalismus.

Der bekannte banerif*e Bv""rndoAvr Heim st bekanntlich selbst ein sehr radikaler Herr. Was a^er jetzt die Bane rischen Bauern an Radikalismus leisten, geht selbst ihm „über die Hutschnur". Bei der Kundgebung der baner. Bauernkammern wurde, wie seinerzeit mitgeteilt, folgende Zusatzre­solution angenommen:

„Die deutsche Landwirtschaft steht nun am Ende ihrer Kraft und stellt der Reichsregierung eine Frist bis zum Ende der Ernte 1929. ' Sind bis dahin die Forderungen nicht erfüllt, dann stellt die Landwirtschaft ihre Arbeit und die Belieferung der Städte ein und richtet dis Wirt­schaft nur mehr ein für die Ernährung der Familie und der Dienstboten.

lieber Genossenschaften. Müllereien, Bäckereien, Brauereien ulw. die Auslandsprodukte verarbeiten ober in den Verkehr bringen, soll der Boykott der Landwirt­schaft verhängt werden. Die Berösfentlichung dieses Be­schlusses hat durch die Be^irksbauernkammern zu gesche­hen. Cs sollen Stichvroben in den Geschäften vorge­nommen werden und die Geschäfte veröffentlicht werden, die zu Beanstandungen Anlaß gegeben haben."

Dazu schreibt ietzt Dr. Heim in den „Münchener Neuesten Nachrichten":

Ich habe bei Erörterungen über die Frage, welche Kampfmittel dem Bauern zur Verfügung stehen, immer den Standpunkt vertreten, die Maßnahmen müf - sen durchführbar fein und vor allem von den Bauern gehalten werden. Drohungen ohne Durch- führuna führen dam. daß man nicht mehr ernst genom­men wird, und schließlich lind die letzten Dinge dann schlimmer wie die ersten. Man kommt zu Schaden und man wirkt lächerlich.

Keiner der Bauern, die dem ersten Teil obiger Re­solution zuaestimmt haben, wird ihr folgen. Wir wer­den uns erinnern.

Wenn überhaupt in der Landwirtschaft Einstimmig­keit über ein solches Vorgehen möglich wäre, dann käme Zunächst der M i l ch lt r e i k in Frage. Ein (Betreibe» streik z B. ein Streik, kein Getreibe anzubauen, hat nur die Wirkung, baß Auslanbsaetreide eingeführt wirb. Der Reichstao würde sofort die Getreidesolls auf­heben und Deutschland würde mit ausländischem (Be­treibe überflutet. Das gleiche gilt vom Fleisch.

Aus Menschnchkeitsaründsn müßte man auch die Be­lieferung von Milch für Krankenhäuser. Kranke und Säuglinge unbedingt von einem Streik ausschließ m.

So, wie die Resolution aber lautet, Hat sie das Schick­sal. das ich oben gekennzeichnet Habe, und die Landwirt­schaft Hat den Schaden.

Es ist mir unbeareiflich. daß in einer oroßen Versammlung, einschließlich ber Herren, bie am Vor- stanbstisch stßen, bis auf eine Stimme einstimmige An­nahme erfo'gte. Eine Verwirung ber Geister die mich förmlich erschrecktl Oder ist es die Furcht vor dem Radikalismus?

Was den zweiten Test der Resolution anbelonngt. so widerlegt sie sich selbst. Nach dieser Resolution soll icber boykottiert werden, ber Auslanbsprobukte in ben Ver­kehr bringt. »

Unter benen. bie zugestimmt haben unb dfe Bauern finb. wirb wohl kaum einer sein, ber sich nicht gegen bie Resolution versünbigt, unb selbst ber Antragsteller Wel­cher Bauer füttert Heute nicht Mais für seine Kälber und Kühe ober Sonahohenmehl ober Sesamkuchen? Wenn man bie Resolution wörtlich nimmt, wie sie zu lesen ist so bürste nächstes Jahr kein Bauer Thomas­mehl. bas aus außerbeutschen Erzgebieten stammt unb bas heute ungefähr ben 3 Teil ber Versorgung aus­macht. streuen, unb kein Suverphosphat. dennn es stammt fa fast ausschließlich aus dem Ausland.

Ich muß als Fernstehender den Eindruck gera nnen, jbah bie Regie ber Versammlung schlecht war. Besser wäre sie unterblieben, als daß sie ein solches Ende nimmt.

Ich fühle mich verpflichtet, unbekümmert UM alles radikale Geschrei, als wahrer Freund der Landwirtschaft dies öffentlich festzustellen. Schließlich darf Unsinn doch nicht Methode werden.

Beherzigenswerte Worte!

Preußischer Landtag.

Der Preußische Landtag begann am Mittwoch die zweite Lesung des Landwirtschaftsetats. Land- wirtschastsminister Dr. Steiger bezeichnete die schwankenden Getreidepreise unter Hinweis auf Zahlen von ben amerikanischen Märkten als eine Weltmarkterlcheinung. Erfolgversprechend

I wäre vielleicht die Bevorschussung der Ernte, um I eine Verringerung des Angebotes zu erreichen. Für die Schweinehaltung habe sich die Rentabilität des Aufvorratkaufens bewährt. Beim Rindvieh habe dieses Verfahren aber nicht zum Erfolg geführt. Der Mmister kam zu dem Schluß, daß der gegen­wärtige Zollsatz aus 25 Mark für den Doppelzent­ner zu erhöhen fei und der Schweinezoll dement-

I sprechend auf 26 RM. Der Minister gedachte der Notwendigkeit, den Weinbau zu fördern. Hin­sichtlich der Getreidewirtschaft werde die Land­wirtschaft bereits bei der nächsten Ernte eine gün­stigere Position haben. Man werde aber nur zum Ziele kommen, wenn es gelinge, die Reparations- lasten auf ein erträgliches Maß zu senken.

In der Aussprache meinten die Sozialdemo­kraten unter Anerkennung der Not der Landwirt­schaft, daß Zölle nichts helfen könnten. Der deutsch- nationale Redner trat demgegenüber für einen Zollschutz der Landwirtschaft ein. Das Zentrum will die Not der Landwirtschaft nicht zum Gegenstand des Streites unter den Parteien machen. Es verlangte Zollschntz für die bäuerliche Produktion. Am Donnerstag wird die Debatte fortgesetzt.

5lu§ dem besetzten Gebiet.

Aufhebung der Pferde- und Ivagenmuskerungen im besetzten Gebiet.

Die seit längerer Zeit zwischen dem Reichskorn- missar für die besetzten rheinischen Gebiet unb dem französischen Oberkommando schwebenden Verhand­lungen über die Ordonanz 64 (militärische Be­standaufnahmen) haben zu dem Ergebnis geführt, daß die von den Besatzungsbehörden jährlich ange­ordneten Vorführungen und Musterungen von Pferden und Kraftfahrzeugen künftig unterbleiben.

Frankreich und der Anschluß.

Zn den Erklärungen des österreichischen Bun­deskanzler Dr. Seipel in München über ben Föde­ralismus nimmt der „Temps" Stellung. Gr spricht von den festzustellenden beiden Standpunkten in der Anschlußfrage, die er außerordentlich verschie­den nennt. Die Interssen der beiden Länder seien jedoch gleichfalls verschieden. Die deutschen Katholiken, vor allem die deutschen Bayern, wollten den Anschluß, weil sie von Oesterreich eine Stärkung Süddeutschlands gegen die preußische Umklammerung erwarteten, aber unter der Bedingung, daß bie Länder ihre Autonomie bewahren. Die deutschen Sozialdemokraten wollten den Anschluß, weil sie mit der Unterstüt­zung der österreichischen Sozialdemokraten rech­neten, um die unbedingte Vorherrschaft des sozia­listischer! Einflusses im vereinheitlichten Reich zu ge­währleisten. An dem Tage, an dem angesichts der vollendeten Tatsache die beiden Tendenzen und die beiden Thesen aufeinanderprallen würden, würde der Anschluß ohne Zweifel weit weniger Anhän­ger haben m Wien, im konservativen katholischen Lager, und in Berlin, im sozialistischen Lager. Je­denfalls deuteten die Gedanken, die Seipel in Mün­chen entwickelt habe, darauf hin, daß die Oesterrei­cher, gleichviel welche trügerischen Vergünstigungen man ihnen vorgespiegelt habe, sich nicht leicht dar­ein schicken würden, auf den Grundsatz einer um­fassenden bundesstaatlichen Organisation zu verzich­ten. Trotzdem hält der „Temps" unter welcher Form auch der Anschluß vollzogen werde, die­len für das gefährlichste Abenteuer Gu r o p a 5 , dem man um jeden Preis Hinder­nisse bereiten müsse.

Großbritannien und ttelloyg-pakt

Morningpost zufolge nimmt jetzt die Ratifizie­rung des Kelloqgpakies die Aufmerksamkeit der britischen Regierung in Anspruch. Gs bestehe der Wuchch, den P a k t i m g a n z e n bri­tischen Reich gleichzeitig ratifizieren zu lassen. Zu diesem Zweck würde mit den Racherun- gen der Dominions Fuhluna genommen. Da einige von ihnen nach ihrer Verfassung der Zustimmung des Parlaments zur Ratifizierung bedürfen, fei es wichtig, zu wissen, bis zu welchem Zeitpunkt die Ratifizierung erfolgen könne.

wahab'ten-5lngnff auf Kornett.

wtb. Basra, 23. Ian. (Gig. Funkm.). Reuter: Gs liegen jetzt nähere Einzelheiten über ben am 21. Januar erfolgten Wahabitenangriff auf Ko- weit vor, wobei ein amerikanischer Mis­sionar erschossen wurde. Gine Gruppe von ungefähr 150 Kamelreitern griff die Koweit- Stämme an, fügte ihnen schwere Verluste zu und raubte Kamele, Schafe unb anderes Gigentum. Gleichzeitig waren zwei kleine Grkundungsabtei- lungen zur Sicherung der Unternehmung nach Norden und nach Süden entsandt worden, von de­nen die erstere die Amerikaner 15 Meilen diesseits der Grenze angriff. Die britischen Flugzeuge sind gestern durch ein weiteres Geschwader aus Bag­dad verstärkt worden. Panzerwagen nehmen an der Grenzsicherung teil.

Plünderung einer chinesischen Stoöt.

wtb. Schanghai, 24. Ian. (Gig. Funkm.). Wie chinesische Blätter melden, haben 200 gut organi­sierte unb mit Flinten unb Pistolen bewaffnete Kommunisten die Stadt Hwangging an der Bucht von Hangtschau letzten Montag angegriffen. Sie bemächtigten sich zuerst der Polizeiwachen, bann plünberten sie die Stadt unb steckten sie in Branb. 30 Ginwohner wurden getötet, eine alte Frau wurde lebendig verbrannt, 70 Personen wur­den verletzt. Gine Abteilung chinesischer Freiwilli­ger kam endlich der Stadt zu Hilfe. Gin Kampf mit Bomben unb Maschinengewehren entspann ich, in bessen Verlauf 20 Kommunisten getötet wur- )en, bevor bie Bande auseinander gesprengt wer­den konnte. Die Kommunisten hatten überall Pla­kate angeschlagen, die die Ginwohner aufforberten, ihre Schulden, ihre Abgaben unb ihre Meten nicht zu zahlen unb bie sowjetistische Regierung zu un­terstützen.

(Eine Blutenlese.

krampf Methoden unserer Gegner.

Der politische Betrieb einer Demokratie, ober richtiger, die Auseinandersetzung über politische Methoden und Meinungen innerhalb eines demo­kratisch organisierten Staatswesens, kann nur fruchtbar unb förberlich fein, wenn alle sich inner­lich für verpflichtet halten, fiteng sachlich zu ar­gumentieren unb jede persönliche Verunglimpfung, jede unbegründete Verdächtigung des politischen Gegners ängstlich zu meiden. Das ist eine Bin­senwahrheit, die jetzt vom vernünftigen, anständi­gen Teile der politisch urteilenden und handelnden Bevölkerung Deutschlands so ziemlich restlos respek­tiert wird. Aber neben diesem Teile gibt es bei uns immerhin noch zahlreiche Volksgenossen, die den ehrlich geführten politischen Kampf noch n i ch t schätzen, die nicht darauf verzichten ivollen, die Motive des Gegners zu fälschen und ihn in ber Geltung des Volkes mit unlauteren Mitteln her­abzusetzen. Die Führer und Anhänger der Zen- trumspartei find oft schon derartigen Angriffen ausgesetzt gewesen. Ihre Feinde, die mit Verdre­hung und mit persönlichen Verdächtigungen arbei. teil, teilen sich in solche, die offen, mir ihrem Na­men für ihre Behauptungen eintreten und andere, die. sich feige verbergend, ihre giftigen Pfeile aus dem Dunkel verschießen. Wie diese Gegner Vor­gehen. fei an einigen neuen Beispielen aus der Fülle derartiger Grzeugnisse gezeigt.

Der linke, radikale Flügel der Sozialdemokrati­schen Partei Deutschlands, die Leute um Max Ad­ler, Paul Levi, Kurt Rosenfeld, Seydewitz und Ströbel geben eine Zeitschrift heraus, deren In­transigenz schon durch ihren Titel „Der Klafsen» kampf" gekennzeichnet ist. In der Ianuarnummer dieser Zeitschrift ist, als Nachwort zu unserem Köl- ner Parteitag, ein Aufsatz von Fritz Bieligk er­schienen, der,, des Zentrums Kampf um die Macht" behauptet unb, ebenso wie bie weiter unten zu erwähnenben „namenlosen" Elaborate, bie Ten­denz hat, einen Keil zwischen 21 r b et ter f <i) a f t imlb Zentrum zu treiben. Der Verfasser glaubt dieses Ziel am leichtesten erreichen zu können, wenn er den „Nachweis" führt, bas Zentrum fei < ine Kapitalistenpartei unb alles, was es tue, geschehe nur im kapitalistischen Interesse. „Die Regie des Zentlumsparteitages hat", nach der Meinung des Herrn Bieligk, „sich viel Mühe gegeben, besonders die Fragen immer wieder in den Vordergrund zu rücken, bei denen sich reaktionärer Tatendrang am leichtesten mit religiösen Begründungen verhüll n läßt. Stegerwald, der zweite Parteivorfitzende Dr. Mönnig und auch ber neu gewählte erste Vor­sitzende haben von den „großen ideellen unb fultiu reifen Gütern" gesprochen, bie das Zentrum zu verteidigen habe. Darunter verstehen die Zen- trumsführer bie Schulfragen, das neue Strafgesetz, das Ehegefetz, den Schutz des keimenden Lebens u. a. m. Kein Zweifel, daß gerade in diesen Fra- gen die Kirche es verstanden hat, starke Hemmun­gen gegen die Fortentwicklung der Moralauffas- fung aufzurichten. Kein Zweifel aber auch, daß diese Hemmungen bewußt aufgerichtet worden sind unb noch aufgerichtet werden, um von dieser Seite her die Herrschaft des Kapitalismus noch für lange Zeit zu befestigen."

So malt sich in derartigen Köpfen die Welt unsere Welt! Für die wirkliche Begründung einer katholischen Haltung in kulturellen Dingen fehlt diesen Leuten jedes Verständnis so sehr, daß wir wiederum fragen müssen, wie die „religiösen So­zialisten" sich, ein Zusammenleben mit ihnen in der­selben Partei eigentlich vorstellen. Herr Bieligk hat Recht, menn er sagt, in diesen Fragen be­stünde zwischen Zentrum und Sozialdemokratie ein unüberbrückbarer Gegensatz. Aber er hat bestimmt nicht Recht, wenn er glaubt, mit seinen „Interpretationen" auf den christlichen Ar­beiter Eindruck zu machen. Die katholische Arbei­terschaft weiß, daß für den Standpunkt der Zen­trumspartei zu fulturelfen Dingen dieselbe well an- ^chauliche Grundhaltung maßgebend ist, bie bie Partei veranlaßt hat, in sozialpolitischen Fragen von Anfang an führend zu fein.

Die zweite Gruppe ber hier gekennzeichneten Feinbe des Zentrums hält sich „getarnt". Dor uns liegt eine fortlaufend nummerierte Reihe von Flug, blättern, bie sich in übelster Beschimpfung führen­der Zentrumskreise ergehen. Keines dieser Flug­blätter trägt den Namen seines Verfassers, keines ben Druckort. Aber aus welcher Richtung sie kom­men, verrät ber Text ohne weiteres. „Wir er­innern", heißt es in einem dieser Produkte, „an das Verhalten ber sogen, christlichen Gewerkschaf­ten, welche, um wiederum nur eins her auszuheben, beim letzten Eisenkamps im Ruhrgebiet viel maß­loser, unkluger unb unchristlicher sich benahmen, als die offen erklärten roten Gewerkschaften-, wir denken an das in allem Ernste von den halbroten Gewerkschaften beantragte Notgesetz „zur Wieder, inbetriebnabme der Eisenwerke": wir denken an bie widerrechtliche Verteilung ber 20 Millionen Unter» stützungsgelder seitens des christlichen Gewerkschaft­lers Hirtsiefer; wft benken an so manchen, offenbar unwahren unb ohne jede Kenntnis der Dinge aus- gestoßenen, ganz offiziellen und weithin öffentlichen Kampfruf, selbst aus dem Munde sehr verantworr- licher imd hochgestellter geistlicher, im Banne der Gewerkschaftsbewegung stehender Herren; Aeuße- rungen, die so führt und offensichtlich so unwahr waren, daß teils bie betr. Herren öffentlich Wider- fpruch leisteten, teils die Macht der Tatsache ienen Steuerungen jede Grundlage und jedes Vertrauen entzog."

Wenn mir hinzufügen, daß da behauptet wird, i>ie „Katholische Aktion", deren Gründung nach Ansicht des Flugblattschreibers, „vor einigen Wo­chen in Köln erfolgt" ist, habe sich „sehr merk-