Anzeiger für die Stadt Julda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.
Dienstag. 22. Januar 1929
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Einberufung des Auswärtigen Ausschußes.
VDZ. Berlin. 21. Jan. (Eig. Funkm.) Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Reichstages, Abgeordneter Scheidemann (So- zvalbemokrat) hat den Ausschuß auf Freitag, den 25. Januar, 11 Uhr vormittags, einberufen, und zwar mit folgender Tagesordnung: 1. Die Tagung des Völkerbundsrats in Lugano. 2. Der Stand der Reparationsfragen. 3. Beratung von Petitionen.
Die Sachverständigen.
lieber die am Samstag in Paris abgehaltene Sitzung der Reparationskommission wird folgendes Communique veröffentlicht: Die Reparationskommission war unter dem Vorsitz des sranzö- fischen Delegierten Chaptal zusammengetreten. Im Einvernehmen mit der deutschen Regierung hat sie zur Ergänzung des durch den Genfer Beschluß vom 16. September 1928 in Aussicht genommenen Sachverständigenausschusses Owen Young und John Pierpont Morgan, Staatsangehörige der Vereinigten Staaten von Nordamerika, zuMit- glledern des genannten Ausschusses ernannt mit der Befugnis, daß jeder von ihnen einen Stellvertreter wählen könne.
Wie der britische Botschafter Esme Howard, der mit Morgan und Owen Young in der Bibliothek Morgans eine letzte Besprechung hatte, nach dieser Unterredung offiziell bekannt gab, haben Morgan und Young die Einladung, als amerikanische Sachverständige bei der Besprechung über die Reparationsfrage mitzuwirken, angenommen.
Auch der deutsche Botschafter v. Prittwitz m Washington teilte den Herren John Piernont Morgan und Owen Young telegraphisch mit, daß die deutsche Regierung im Einverständnis mit der Reparationskommission sie zu Mitgliedern des Sachverständigenausschusses ernannt habe und eine formelle schriftliche Einladung folgen werde.
Der britische Botschafter gab nach seiner Unterredung mit John Pierpont Morgan und Owen D. Young bekannt, daß der Bankier Thomas Perkins als Ersatzmann für Young und der Teilhaber im Bankhaus Morgan, Thomas Lamont, als Ersatzmann Morgans an den Verhandlungen der Sachverständigenkonferenz teilneh- men werde. Lamont wohnte der Unterredung, die der Botschafter heute mit Morgan und Young hatte, bei, während Perkings durch dringende Geschäfte im Osten abgehalten wurde. In einer formellen Erklärung führt Owen D. Young aus, daß die Sachverständigenkonferenz den Dawes-Plan nicht revidieren werde. Eine derartige Annahme gehe von einer ganz falschen Auffassung aus.
Der Zweck der Sachverständigenkonserenz sei vielmehr, den Dawes-Plan durch eine F est - setzung des Gesamtbetrages, den Deutschland zu zahlen habe, und durch eine Festsetzung der ZahlberAnnuitätenzu ergänzen. Es würde zu Mißverständnissen führen, falls der Eindruck bestünde, daß man anstelle des Dawes-Planes einen neuen Plan aufbauen wolle. „Es ist weit besser", so heißt es in der Erklärung Youngs, „diesen einheitlichen Plan, den wir einmal haben, beizubehalten. Das ist wenigstens meine persönliche Ansicht." „Young erklärte ferner, er bettachte die Durchführung des Dawes-Planes durch Parker Gilbert als eine der hervorragendsten Leistungen der Nachkriegszeit. Die Amerikaner könnten stolz sein auf einen Mann, der es in so jungen Jahren fertig« gebracht habe, einen solch großen Apparat unter dem Beifall der ganzen Welt zu Handheben. Die amerikanischen Sachverständigen würden an den Beratungen des Sachverständigenausschusses zur vollständigen Erledigung der gestellten Aufgaben teilnehmen. Nach seiner Schätzung werde die Lösung dieser Aufgaben etwa 60—90 Tage beanspruchen. Hinsichtlich der Haltung Washingtons erklärte Young, die amerikanische Regierung habe seinerzeit während der Arbeiten des Dawes- Komitees den amerikanischen Mitgliedern des Komitees gegenüber keinerlei Wünsche geäußert, und er nehme an, daß die amerikanische Regierung auch dep kommeirden Konferenz gegenüber die gleiche Haltung einnehmen werde. Sollte sich jedoch die Regierung veranlaßt sehen, irgendwelche Wünsche zu äußern, so würde dies zweifellos einen gewaltigen Einfluß auf den Gang der Verhandlungen haben.
Wie verlautet, werden die amerikanischen Sachverständigen am 1. Febr. mit dem Dampfer „Aquitania" ihre Europareise antreten, um an den Verhandlungen des Sachverständigenausschusses teilzunehmen. *
wtb. Neuyork, 21. Jan. (Eig. Funkm.). Owen D. Young hielt gestern in der Baptisten-Kirche eme Ansprache über Bedeutung und Wesen der Großunternehmung. U. a. teilte er mit, die tiefgehende Bedeutung rein wirtschaftlicher Begriffe, wie Diskontsatz, Währung, Stabilität fei ihm bei seinem Aufenthalt während der Jnflationsjahre in Deutschland mit besonderer Schärfe zum Bewußtsein ge- kommen, als ihm ein Vertreter der deutschen Arbeiter an," die Frage „Was kann der Dawes-Aus- schuß für die Arbetter tun?" nicht etwa zur Antwort gaÄ: „Geben Sie uns den Achtstundentag", oder: „Geben Sie uns stettge Beschäftigung", sondern: „Geben Sie uns eine stetige Währung!"
vom Zentrum.
Die erste Sitzung, die die Zentrumsfraktion des Reichstags im neuen Jahre hielt, war sehr gut be- sucht. Die geschäftliche Arbeit der Fraktion erstreckte sich vorwiegend auf die Besprechung der gesamtpolitischen Lage. Die ur-> sprüngliche Absicht, die Vorstandswahlen jetzt schon vorzunehmen, hat man noch etwas zurückgestellt im Hinblick auf die Zuspitzung, die die politisch- parlamentarischen Verhältnisse gefunden haben. Man hat aber beschlossen, daß die Reichstagsfraktion sozusagen in Permanenz tagen soll, jedenfalls ist auch schon für den Montag nachmittag eine Sitzung der Zentrumsfraktion anberaumt, um gegebenenfalls am Montag nach Klärung der grundsätzlichen Fragen durch die Verhandlungen des Parteivorstandes auch für die Fraktion selbst Klarheit in der Führung zu schäften. Das würde die Kraft mrd Autorität der Zentrumsfraktion bezüglich der demnächst wohl zu erwartenden Verhandlungen über eine Regierungserweiterung und die Schaffung einer festeren Bindung der Parteien zum Zwecke vorwiegend der Erledigung des Etats und der damit zusammenhängenden dringenden, ja unaufschiebbaren Fragen — man. braucht ja nur an die neuen Steuervorschläge zu denken — stärken.
Es wurde noch beschlossen, eine Kommission einzusetzen, die die Vorstandswahlen vorbereitet, und zwar bestehend aus Frakttonsmitglie- dern, die sämtlich nicht dem bisherigen Vorstand angeboren. In diese Kommission wurden bestimmt die Abgeordneten Blum, Dr. Brüning, Erslng, Prälat Kaas, Nauheim, Dr. Schreiber und Frau Weber.
Es ist ferner der Wunsch ausgesprochen worden, daß im kommenden Vorstand auch Süddeutschland durch einen besonderen Vertreter beteiligt werde.
Weiter wurde in Ausführung eines Beschlusses des Reichsparteitages eine Ergänzung des Reichsbeamtenbeirats der Deutschen Zentrumsparte: durch drei Vertreter der Fraktion vorgenommen. Als solche wurden delegiert die Mitglieder des Beamtenausschusses der Fraktion, die Abgeordneten Gerig, Groß und Neumann.
Im übrigen waren die Verhandlungen, der Fraktton einer eingehenden Erörterung der mit der Vorlage des Etats geschaftenen politischen und wirtschaftlichen Lage gewidmet. Beschlüsse wurden nicht gefaxt Aber man war. sich klar darüber, daß dieser Etat ohne eine festere Bindung der Parteien nicht erledigt werden kann. Die Initiative zu ergreifen, um die , Schwierigkeiten zu meistern, liegt aber nicht beim Zentrum, sondern bei dem die Regierung verantwortlich führenden Kanzler. Es wird angenommen, daß schon in den nächsten Tagen der Reichskanzler bezüglich der Erörterung dieser Dinge an die Parteiführer
herantritt. Dann wird das Zentrum vor neue politische Entscheidungen gestellt sein.
*
Die Zentrumsfaktion des Reichstags, d:e am Samstag, den 19. Januar zu ihrer ersten Sitzung im neuen Jahre zusammengetreten war, richtete aus Anlaß des Todes des Weihbischofs Dr. De:t- mer folgende Beileidtelegramme an die Fürst- bischöfliche Delegatur, Berlin.
„Zu dem schweren Verlust, den das katholische Berlin und die Delegatur durch den allzu frühen Tod ihres geistlichen Vaters, des Hochwürdigsten Herrn Weihbischofs erlitten hat, spricht die Zentrumsfraktion ihr innigstes Beileid aus. Sie vereinigt sich im Gebete mit den verwaisten Katholiken um die Seelenruhe des Heimgegangenen Bischofs."
Und an Kardinal Fürstbischof Bertram, Breslau:
„Die Zentrumsfraktion des Reichstags trauert mit Euer Eminenz und der ganzen Diözese Breslau um den Heimgegangenen Weihbischof und Fürstbischöflichen Delegaten Dr. Deitmer. Sie bittet Euer Eminenz, den Ausdruck aufrichtigster Teilnahme entgegennehmen zu wollen."
Sitzung des Reichsparkeivorstandes des Zentrums.
Der Reichsparteivorstand des Zentrums, der auf dem letzten Parteitag in Köln neugewählt wor- den ist, traf im Reichstagsgebäude zu feiner ersten Sitzung zusammen. Aktuelle politische Fragen kamen nicht zur Erörterung. Als stellvertretende Parteivorsitzende wurden zu den früheren hinzuge- wählt: Abg. Joos und Minister H i r t s i e f e r, letzterer anstelle des Abg. Stegerwald, der eine Wiederwahl abgelehnt hat. Abg. Stegerwald wurde einstimmig an 1. Stelle in den geschäftsführenden Vorstand gewählt, dem zehn Mitglieder angehören, darunter auch die Reichstagsabgeordneten Dr. Wirth, Effer und Dr. Perlittus. Es wurden weiter zwei Ausschüsse gebildet, ein Ausschuß für Wirtschaftsfragen unter Leitung des Abg. Stegerwald und ein Ausschuß, der sich mit dem Wehrproblem und der Friedensbewegung befassen soll. Abg. Joos machte Mitteilung von der Bildung eines Reichsjugendausschusses des Zentrums.
Der Verlauf der Sitzung ließ erkennen, daß in den Meinungsverschiedenheiten, die sich in Köln gezeigt haben, eine starke Annäherung sich angebahnt bat. Der Wunsch, die eigenen Reihen fester zu schließen, führte dann auch zu dem erfreu» lichne Ergebnis, daß alle Beschlüsse einstimmig oder mit einer an Einstimmigkeit grenzenden Einmütigkeit gefaßt werden konnten.
* Der Skaaksgerichkshof für das Deutsche Reich und das bayerische Landeswahlgeseh. Der Staatsgerichtshof in Leipzig für das Deutsche Reich verhandelte unter dem Vorsitz des Reichsgerichtspräsidenten Dr. Simons über die Klagen der Deutschen
Demokratischen Partei in Bayern und des Landesverbandes Bayern der Reichspartei des Deutschen Mittelstandes (Wirtschaftspartei) gegen das Land Bayern auf Feststellung der Verfassungswidrigkeit von Bestimmungen des Landeswahlgesetzes. Der Staatsgerichtshof wies die Anträge zurück, da er unzuständig sei.
Hus dem Reichstag.
VDZ. Berlin, 21. Ian. (Eig. Funkm.) Im Reichstage versammelten sich heute vormittag die Sozialdemokraten zu chrer erstenFrak- tionssitzung nach der Weihnachtspause. Gegenstand der Aussprache bildete die gesamte politische Lage, insbesondere der von Kabinett vorgelegte Reichshaushaltsplan und die dazu gehörigen Steuervorlagen. Reichsfinanzminister Dr. Hilferding nahm an der Sitzung teil.
Die Zentrumsfraktion des Reichstages tritt erst am späten Nachmittag zusammen, um die am Samstag abgebrochene Aussprache über den Haushaltsentwurf fortzusetzen.
Der neue Wehretat.
Die Ausgaben für die Wehrmacht des Reiches find, wie der „Demokratische Zeitungsdienst" mit- teilt, im neuen Haushaltsplan mit rund 704 Millionen Reichsmark eingesetzt. Gegenüber dem Jahre 1928 bedeutet das eine Verringerung von 2 3 Millionen Reichsmark. Diese Verringerung ist vorgenommen worden bei den einmaligen Ausgaben, während die fortdauernden Ausgaben gegenüber dem Vorjahre ein Mehr von 4,5 Millionen aufweisen. Diese fortdauernden Ausgaben belaufen sich im ganzen auf 615 Millionen Reichsmark, während die einmaligen Ausgaben rund 88 Millionen Reichsmark betragen. Von einmaligen Ausgaben beansprucht das Heer den Betrag von 24 Millionen, während die Reichsmarine 64 Millionen Mark als einmalige Ausgabe erfordert. Unter diesen befindet sich die zweite Rate für den Panzerkreuzer A. Für das Panzerschiff werden 9,8 Millionen gegenüber 6 Millionen im Etatjahr 1928 gefordert. Dazu kommen 3,4 Millionen für die Artilleriearmierung und 200000 Mark für die Torpedoarmierung, was insgesamt 13,4 Millionen ausmacht. Für Neubauten wird im Marineetat ferner angefordert der Schlußbetrag für den Bau des kleinen Kreuzers „Köln" in Höhe von 6,9 Millionen Mark, sowie der dritte Teilbetrag für den Bau des kleinen Kreuzers „E" in Höhe von 6 Millionen Mark.
Dom 5tah'he!m.
Der Stahlhelm hielt in Magdeburg eine große Führertagung ab, zu der etwa 6000 Stahlhelmfüh- rer aus dem ganzen Reiche erschienen waren. Neben den führenden Männern des Bundes waren auch erschienen Prinz August Wilhelm von Preußen, Prinz W i l h e l m v o n P r e u ß e n, der älteste Sohn des Kronprinzen sowie der Herzog Karl Eduard von Coburg-Gotha. Im Mittelpunkt der Veranstaltungen stand der große Führerappell in der Stadthalle. Der 1. Bundesführer Franz Seldte hielt hier eine Ansprache, in der er u. a. ausführte: Der Stahlhelmgeist fordert Opfer, Leistung und Führersinn. Scharf sondere sich dieser Geist ab vom Geiste des Marxismus. Der Bundesbei- trag muß erhöht werden ,damit der Stahlhelm den Kampf aus eigenen Mitteln führen kann und einen Kriegsschatz habe, „wenn wir eines Tages antreten". Er forderte weiter rege Anteilnahme am öffentlichen, besonders auch am kommunalen Leben. Jetzt wolle man einen neuen Schritt tun auf dem Wege desBefreiungskampfes, man wolle ein Volksbegehren, und zu diesem Volksbegehren solle die Bundesleitung noch einmal beauftragt werden.
Die anwesenden Stahlhelmführer und die anwesenden Prinzen trugen sich in eine Lifte zu einer Entschließung ein. In dieser Entschließung wird die Bundesführung beauftragt und ermächtigt, ein Volksbegehren auf Aenderung der Verfassung des Deutschen Reiches zu beantragen. Mit der durch die Verfassung gebotenen Waffe des Volksbegehrens beginne man den Kampf, dessen erstes Ziel es sei, den Willen zur Verantwortung freizumachen. Gefordert wird in der Entschließung die Beseitigung der Alleinherrschaft des Parlaments.
Eine seltsame Partei.
Schon wiederholt haben wir uns mit dem eigenartigen Gebühren der sogenannten Wirtschafts- partei in den Parlamenten beschäftigen müssen. Es hat wiederholt Fälle gegeben, in denen bei der Abstimmung über eine bestimmte Frage so ziemlich alle AbstimmumgsMöglichkeiten von den Abgeordneten dieser Partei ausgenutzt wurden. Teils stimmte man, wie gesagt in ein und derselben Frage, mit Ja, teils mit Nein, teils enthielt man sich, teils blieb man überhaupt fern. So hatte man für alle Fälle vorgesorgt. Unter der durchaus berechtigten Ueberschrift: „Sinnlose Antragstellerei" werden nun im „Berliner Tageblatt" einige Zusammenstellungen über das Verhalten der Wirtschaftspartei gemacht, die für weitere Kreise von Interesse sind: Es heißt da:
„Sie stellte im preußischen Landtag den Antrag auf Verminderung der Zahl der Ministerien, und zwar verlangte sie vor allem Abschaffung des Finanzministeriums. Vermutlich, weil die Väter dieser Forderung, geistig in Schilda beheimatet, der Meinung waren, daß keine Ausgaben mehr entstehen könnten, wenn niemand da fei, der Gelder bewillige. Nachträglich kam der Par
tei dann doch die Einsicht, daß ihr Antrag allzu kindlich sei, unb sie zog ihn zurück. Ein ante- rer Antrag der Wirtschaftspartei besagte, daß bie Rückflüsse aus den Hauszinssteuerhypotheken m Reparaturhypothken und Zinszuschiisse für private Bauunternehmen umgewandelt werden sollen. Auch dieser Antrag wurde alsbald wieder zurückgezogen. Die Wirtschaftspartei beantragte ferner, daß die Gemeinden 10 Prozent der Hauszinssteuer zur Renovierung alter Wohnungsräume verwenden sollen. Auch dieser Antrag wurde zurückgezogen. Einen dritten Antrag änderte die Wirtschaftspartei ab, als man ihr ferne Undurchführbarkeit klargemacht hatte. Aber die Blamage wurde noch größer. Denn es stellte sich heraus, daß das, was die Wirtschaftspartei nunmehr forderte, feit langem ständige Hebung in der Praxis ist! Und ganz genau so lag die Sache in einem vierten Fall. Man hat der Wirtschaftspakte! ja bereits oft nachge- wiefen, daß es ihr bei Anträgen allein darum zu tun’ ist. ihre Wähler dumm zu machen und irre zu führen, aber diese kleine Blütenlese auf d:m Felde ihrer parlamentarischen „Betätigung" ver- dient doch Beachtung "
* Seine Klage Mecklenburgs wegen der Eifen- bahnabfindung. Aus Schwerin wird gemeldet: Die Pressestelle des Staatsministeriums teilt mit: Die durch die Presse verbreitete Mitteilung, daß der Freistaat Mecklenburg-Schwerin wegen Verzinsung und Tilgung der restlichen Eisenbahnabfindung Klage beim Staatsgerichtshof gegen das Reich erhoben habe, entspricht n i ch t den Tatsachen. Mecklenburg-Schwerin hat keine Klage erhoben.
Lin vernünftiger Franzose.
Zu dem Bericht des Generals Groener schreibt der Berliner Korrespondent der „Volonte, seine Veröffentlichung werde der öffentlichen Meinung im Auslande beweisen, daß Deuftchland, vom mi- litärischen Standpunkt aus, ganz bescheidene Ziele verfolgt. Seine strategischen Vorbereitungen würden nur von Defensivgedanken getragen. Das Heer und die fUlarine Deutschlands seien wirklich lediglich eine Waffe des Reiches, die kaum genüge, einen eventuellen Angreifer solange in Schach zu halten, bis die internationale Diplomatie eingreife. Der Traum des großen Heeres und der mächtigen kaiserlichen Flotte sei endgültig aus dem Geiste und dem Programm der deutschen Republik verschwunden. Alle Demokraten und alle Freunde des Friedens in allen Ländern müßten die deutsche Republik dazu beglückwünschen^
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Der Chef der Redaktion des „Oeuvre", Jean Piot, der kürzlich in der Berliner Universität einen Vortrag in französischer Sprache gehalten hat, erklärt heute in seinem Blatte, man habe ihn gebeten, langsamer zu sprechen. Er habe das getan und den Eindruck gehabt, der ihm auch bestätigt worden fei, daß sämtliche Zuhörer viel und mindestens % der Anwesenden alles von dem Vor- trage verstanden hätten, sogar die Andeutungen zwischen den Zeilen. Er zweifle, daß man in Paris 600 Personen zusammenrufen könne, die die deutsche Sprache ebenso gut verstanden hätten, rote die 600 Deutschen die französische Sprache, ja sogar die Pariser Sprache.
* Line wirtschaftliche kleine Entente? Aus V u« karest wird gemeldet: Die Agentur Orient Radio erfährt aus zuverlässiger Quelle, daß der Gedankenaustausch zur Verwirklichung der wirtschaftlichen Kleinen Entente weiter seinen Fortgang nimmt. Der rumänische Minister des Auswärtigen unternahm auf südslawische Anregung Schritte in Belgrad, um eine Zusammenkunft in Bukarest vor- zuschlagen, auf der jedes der drei Länder durch einen Vertreter repräsentiert sein soll. , In diesen Vorbesprechungen soll zunächst eine Einigung über die zu behandelnden Fragen erzielt werden. Das Programm wird dann den Regierungen zur Genehmigung vorgelegt. Wahrscheinlich im April soll bann in Bukarest eine Konferenz zusammentreten.
Jugoslawien.
Auflösung der kroatischen Parteien.
rott» Belgrad, 21. Jan. (Eig. Funkm.) Gestern wurden von ber Polizei in Agram auf Grund der Bestimmung des Gesetzes zum Schutze des Staates, daß religiöse und Stammesparteien aufzulösen sind, die Geschäftsräume sämtlicher Parteien gesperrt und deren Archive beschlagnahmt. ———
* Ernennung des südslawischen Gerichtshofes. Aus Belgrad wird gemeldet: Durch königlichen Erlaß wurden die acht Mitglieder und die vier Ersatzmitglieder des Gerichtshofes zum Schutze des Staates ernannt. Vorsitzender des Staatsgerichtshofes wird der frühere Justizminister und Präsident des Kassationsgerichtshofes in Belgrad, Dr. Du- schan Sabotitsch. Zum Staatsanwalt des Staatsgerichtes wurde der Staatsanwalt in Ragufa Dr. Ivo Ufowitfch ernannt.
Englisches Marine-Vudget.
wtb. London, 21. Jan. (Eig. Funkm.). Laut Daily Telegraph wird bas Marine-Budget für das Jahr. 1929-30 wenig von ber Gesamtsumme von 57300000 Pfund Sterling abweichen, die für das laufende Finanzjahr bewilligt worden sind. Das Parlament wird ersucht werden, den Bau der folgenden neuen Schiffe zu bewilligen: ein 10000- Tonnen-Kreuzer der County-Klasse, zwei 8400-