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Nr. 17.

Fuldaer Zeitung (Amtliches Kreisblatt).

Sonntag, 20. Januar 1929.

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Heimat

Futva, den 19. Januar 1929

Die Macht der Kälte gebrochen.

Sauwetter und Regen in West- und Norddeutschland.

Nach dem strengen Frost und den starken Schnee­fällen der vergangenen Tage ist über Nacht ein Witte­rungsumschlag eingetreten. In Köln hat es bereits die Nacht zum Samstag andauernd geregnet Am Bormit­tag waren in Köln 3 Grad Wärme.

Auch in den Küstengebiet en der Nord- und Ostsee bis nach Südhannover hinein ist bereits am Frestag abend ein Witterungsumschlag eingetreten. Die Schneefälle, die namenüich im Gebiet von Rügen bis Gotland mit schweren Stürmen verbunden waren, gin­gen später in Regen über. In Hamburg waren Samstag vormittag 9 Uhr 5 Grad Wärme.

Eine berechtigte Mahnung.

Der Gesamtvorstand des Kurhessischen Hand- werkerbundes hat folgende Entschließung gefaßt:

Der Vorstand des Kurh.-Wald. Handwerkerbun- des sieht sich in feiner Sitzung vom 15. Jan. 1929 veranlaßt, besonderes Augenmerk der Tatsache zu schenken, daß in sehr vielen Gemeinden seines Lun- desbezirkes Defizite in der Gemeinderech- n u n g aufgetaucht find, deren Beseitigung Gegen, stand öffentlicher Diskussion geworden ist. Es mußte festgestellt werden, daß fast durchweg dabei die, Erhöhung der Realsteuern als Mittel zur Be­seitigung des Defizits erörtert wurde. -Der Bun­desvorstand wendet sich aufs schärfste gegen der­artige Bestrebungen. Er vermag darin nicht die wiederholt zugesicherte Förderung der Wirtschaft zu erblicken. Eine Steuererhöhung trifft im Augen­blick die Wirtschaft umso empfindlicher, als sie in einer Zeit der wirtschaftlichen Depression erfol­gen würde, in der ohnehin alle wirtschafllichen Kräfte aufs äußerste angespannt sind. Der Bun­desvorstand richtet deshalb an alle Gemeinden dis dringende Mahnung, in ihrer Finanzgebarung be­sonders vorsichtig zu sein und alle u n n ö t. - gen Ausgaben überhaupt zu vermeiden, die notwrndigen aber auf das Mindestmaß zu be­schränken, um von vornherein die Frage etwaiger Steuererhöhungen auszuschalten.

Skadtpfarrkirche.

An die morgen in allen Gottesdiensten stattfin­dende Tellorkollekte für die Heizungsanlage der Stadtpfarrkirche fei nochmals erinnert.

Die Mnkerfporlzüge.

Am Sonntag, den 20. Januar 1929 verkehren die Wintersportzüge Frankfurt a. M.—Gersfeld (Rhön) und zurück in folgendem Plane: Frankfurt a. M. Hbf. ab 5.28 Uhr, Fulda an 7.32 Uhr, Fulda ab 7.48 Uhr, Gersfeld (Rhön) an 8.43 Uhr. Gersfeld (Rhön) ab 18.25 Uhr, Fulda an 19.20 Uhr, Fulda ab 19.44 Uhr Frankfurt a. M. Hbf. an 21.45 Uhr.

Neues Frachtbriefformal.

Durch eine Verordnung des Reichsverkehrsmini- fters vom 4. Jan. 1929 wird nach Mitteilung der Deutschen Beamtenbund-Korrefpondenz, die am 31. März 1929 abläufende Frist für die Verwendung der noch vorhandenen Frachtbriefe im Ausmaß von 420 mal 297 Millimtr. mit altem Aufdruck bis zum 30. Sept. 1929 verlängert. Da- Sgen dürfen die alten Frachtbriefe, die nicht dem n-Format A 3 (420 mal 297 Millimtr.) entspre­chen (also noch ein Ausmaß von 380 mal 300 Milli­meter haben), vom 1. Aprll ab nicht mehr als Frachtbriefdoppel verwendet werden.

Postwurfsendungen.

Vom 1. März an soll — zunächst versuchsweise — das jetzige Verfahren, wonach die Versender von Postwurfsendungen zur Feststellung der Zahl der erforderlichen Stücke bei allen Zustell-Postanstalten anfragen müssen, kn deren Geschäftsbereich die Post­wurfsendungen verteilt werden sollen, in folgender Weise umgestaltet werden. Die Anfragen sind von den Versendern nicht mehr an die einzelnen Zu- stelt-Postanstalten selbst, sondern für jeden Ober- postdirektionsbezirk nur noch an eine Dienststelle (Auskunstsstelle für Postwurfsendungen) zu richten. Die Auskunftsstellen können an den Postschaltern, der großen Verkehrsämtern an den Auskunfts-

3u Kana in Galiläa.

Don Prof. Dr. Scheller.

Am morgigen Sonntag läßt die Kirche das Evan « Kelium von der Hochzeit zu Kana verlesen. Allerdings gedenkt die Lituraie jenes ersten Wunders Jesu, der Verwandlung des Wallers in Wein, bereits am 6. Jan., doch überwiegt an diesem Tage das Haupt- festgehelmnis der Epiphanie so sehr, daß für die Erin­nerung an das Ereignis von Kana in Galiläa kaum Gelegenheit übrig bleibt. Um so mehr steht nun am 2. Sonntag nach dem Dreikönigsfest dieses erste Wunder Jesu und die liebliche Szene vom Hochzeitsmahl im Vordergrund der christlichen Betrachtung. Die folgen­den Erinnerungen von der Palästinareise mögen dafür noch größeres Interesse wecken.

Wir hatten am 2. Mai, als wir nachmittags in Kana anlangten, eine lange Fahrt hinter uns. Frühmorgens 5 Uhr hatten wir Damaskus verlassen. Die Kraftwagen brachten uns in etwa 3 Stunden auf der Straße, auf der in umgekehrter Richtung einst der hl. Vaulus nach Damaskus geritten war, durch die syrische Wüste an die Schwelle des hl. Landes. Es war ein unvergeßlicher Anblick, als plötzlich die blauen Wasser des Sees von Aenefareth, der gewundene Lauf des Jordan und über beide hinweg die Hügellandschaft Galiläas sichtbar wurden. Zu Fuß gingen wir, am Fluß in der Tiefe angekommen, über die Jordanbrücke, mächtig ergriffen von dem Gedanken, nunmehr den Boden Palästinas be­treten und auf den Spuren des Heilandes wandern zu dürfen.

Der Weg bog vom Jordanfluß landeinwärts nach Westen und dann nach Süden, ans Ufer des galiäischen Meeres. Langsam fuhren wir am Rande des Sees ent­lang. Eine Flut heiliger Erinnerungen aus dem Evan­gelium kam über uns: Die Berufung der galiläischen Fischer zum Apostelamt, die Seepredigt, der wunder­bare Fischfang, der Sturm auf dem Meere, das Wan­deln Jesu über den Wallern, die Rettung des hl. Petrus, die Erscheinung des Auferstandenen am Ufer, das Wort an Petrus „Weide meine Stimmer, weide meine Schafe"

fd)altern, erfragt werden. Für jede Antwort wird von den Auskunstsstellen eine Gebühr von 50 Rpfg. erhoben. Diese Gebühr wird auf dem Ant­wortschreiben als Nachgebühr ausgeworfen, in ihr ist die Beförderungsgebühr für das Antwortschrei­ben mitenthallen. Die Gebühr wird auch dann nur einmal erhoben, wenn sich die Antwort auf meh­rere Postämter desselben Oberpostdirektionsbezirkes erstreckt. Die Auslieferung von Postwurfsendungen wird durch das neue Verfuhren erleichtert. Die Berufslisten sind inzwischen wesentlich crroetkrt worden. — Im Allgemeinen kann man aber wohl sagen, daß die Postwurfsendungen kein Erfolg sind und auch nicht werden.

Zur Abgabe der Steuererklärungen.

Ms Frist für die allgemeine Abgabe der Steu»r- eiHärungen zur Einkommensteuer, Körperschafts­steuer und Umsatzsteuer für die Frühjahrsveranla­gung 1929 ist vom Reichsfinanzminister die Zeit vom 11. bis 28. Februar 1929 bestimmt worden. Zur Abgabe der Umsatzsteuererklärung hat der Reichsminister der Finanzen unterm 28. Dezember v. I. noch bekannt gegeben, daß gemäß § 12 Abs. 2 USt. A. B. von der Abgabe der Umsatzsteuer­erklärung die nicht buchführenden Umsatzstenerpflich-. tigen, deren Gesamtumsatz einschließlich der etwa steuerfreien Umsätze im Kalenderjahr 1928 den Betrag von 10 000 Mark nicht überschritten hat, sowie die Umsatzsteuerpflichtigen, die im Kalender­jahr 1928 Vorauszahlungen in gleicher Höhe wie für 1926 oder 1927 entrichtet haben, befreit find. Ein Umsatzsteuererklärungsvordruck mit Fragebogen für Einkommensteuerzwecke ist jedoch diesen Pflich­tigen zuzustellen, wenn dieses zur Ermittlung des Einkommens erforderlich erscheint oder wenn die geleisteten Umsatzsteuervorauszahlungen für 1928 dem tatsächlichen Umsatz offenbar nicht entsprechen.

Werden Umsatzsteuererklärungsvordrucke nicht zu- gefanbt, so hat auch die Umsatzsteuerveranlagung

für 1928 zu unterbleiben. Der Reichsminister der Finanzen verweist des weiteren auf seinen Erlaß vom 22. Dezember 1927, wonach die Präsidenten der Landesfinanzämter ermächtigt sind, bei Steuer­pflichtigen, deren Gesamtumsatz 10 000 RM. im Kalenderjahr 1926 oder 1927 nicht überstiegen hat, von der Abgabe der Voranmeldungen und der weiteren Nachprüfung der Vorauszahlungen abzu- sehen, falls die Pflichtigen im Jahre 1928 Voraus­zahlungen in gleicher Höhe wie für die entsprechen­den Vierteljahre der Jahre 1926 oder 1927 ent­richtet haben. Das Verfahren wird versuchsweise auch für die Umsatzsteuervorauszahlungen im Jahre 1929 beibehalten. Die Ermächtigung an die Prä­sidenten der Landesfinanzämter, das Verfahren aufzuheben, bleibt bestehen.

Gegen wilde Adreßbuchverleger.

Der Reichsverband der Adreßbuchverleger er­läßt eine Bekanntmachung, in der er vor Heraus­gabe von Adreßbüchern durch im gleichen Ort nicht ansässige und vielfach berufsfremde Unter­nehmungen warnt, da nicht immer unbedingt ver­trauenswürdige Reklamefirmen, denen es lediglich auf Inserate na ufträge ankommt,, dahin­terstecken. Wiederholt konnte festgestellt werden, daß keine ordnungs- oder sachgemäße Durchfüh­rung von Neuausgaben von Stadtadretzbüchern er­folgte.

Schwindelhafte „Verfandgefchaske".

Wie die Anzeigen bei der Kriminalpolizei be­weisen, fallen augenblicklich wieder zahlreiche Leure auf einen Schwindlertrick herein, der Zwar bereits uralt ist, aber leider immer Erfolge zeitigt. Durch zugefandte Prospekte oder Chiffreinserate sollen die Empfänger veranlaßt werden, alle möglichen Ge­genstände zu bestellen, deren Billigkeit oder außer­ordentliche Wirkung mit bombastischen Redensarten mehr oder weniger überzeugend angepriefen wird. Es handelt sich in der Hauptsache.um Heiltees,

Eine MMchung Her Mm Zeitung.

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Das Bild gibt eine Darstellung wieder, die zur Zeit im Schaufenster unseres Geschäfts­hauses zu sehen ist und einige für die Leser der „Fuldaer Zeitung" interessante Zahlen deutlich macht.

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Für die Herstellung der „Fuldaer Zeitung" wur­den im Jahre 1928 833 Papierrollen, je 72 Zenti­meter breit und zirka 85 Zentimeter im Durchmesser stark, zu je 7000 laufenden Meter Zeitungspapier gebraucht.

Würde diese Papiermenge aufgerollt, so ergebe sich eine Länge von 5830 Kilometer. Das würde einer Strecke von Fulda bis über Neuyork hinaus gleichkommen. Um diesen Weg zurück- zulegen, würde ein Zeppelin - Luftschiff bei einer

Durchschnittsgeschwindigkeit von 100 Kilometer pro Stunde 58,3 Stunden benötigen; eines der Groß- flugboote würde bei 180 Kilometer Durchschnitts­geschwindigkeit 32,4 Stunden zu fliegen haben.

Würden die Rollen aufeinandergefetzt, so ent­stände eine Säule von 608 Meter Höhe; sie würde also zirka 9Vs mal so hoch wie der Fuldaer Dom oder 2 mal so hoch wie der Eiffelturm sein.

Die „Fuldaer Zeitung" lieferte den ßefem wäh­rend der 12 Monate 1810 Seiten Text zu je 572 Satzxeilen. Stellt man diese Zeilen (nur je einmal) aneinander, so ergäbe sich eine Satzzeile von 82,825 Kilometer Länge. Das hierfür benötigte Metall entspricht einem Gewicht von 51766 Kilo bezw. 1035 Zentnern.

und damit die Berufung zum obersten Hirtenamt in der Kirche .'. .

Doch schon hält der Wagen: Wir sind an der Stätte des alten Karphanaum. Es war „seine Stadt", hier hat der Herr während der 3jährigen Lehrtätigkeit seinen Wohnsitz genommen für die Tage, da er nicht durch die Städte und Dörfer „Wohltaten spendend" um­herzog. Diese damals bedeutendste Handelsstadt Gali­läas ist völlig vom Erdboden verschwunden. Erst vor wenigen Jahren haben Franziskanerbrüder, mit dem Spaten nach den Ueberresten der allen Herrlichkeit ju­chend, die alte Synagoge, in der Jesus so oft gelehrt, ausgegraben. Von den Mauern sind nur kümmerliche Reste übrig geblieben. Aber der Fußboden ist völlig erhalten. Und es hesteht wohl kein Zweifel, daß auf den breiten Steinplatten, die wir nun betreten, einst Jesus gestanden hat, als er in der Synagoge non Ka- pharnaum die Einsetzung des helligsten Altarsakraments ankündigte „Das Brat, das ich euch geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Wett" ....

Doch wir mOffen uns losreißen von den heiligen Erinnerungen. Die Fahrt geht weiter. Südwärts den See entlang. Bald sind wir in Tabgha, wo der Deut­sche Verein vom hl. Lande ein Stückchen vertrocknetes Land in ein Paradies verwandelt und wo unter schcitti- gen Bäumen ein anheimelndes Pilgerhaus uns erwar­tet- Hier halten wir Mittaasrast, die deutschen La­zaristenpatres bewirten und bedienen uns mit Liebe und Aufmerksamkeit Wie wohl tut das schattige Heim und der erquickende Trunk den von der Sonne Verbrann­ten!

Und wieder in die Wagen! Weiter gehts nach Sü­den. Tiberias wird besucht und besichtigt. Und nun beibt cs schon Abschied nehmen von dem See, der uns so lieb geworden. Cs geht westwärts bergauf. In un­zähligen Windungen erreichen wir die Höhenstraße. die Über das Bergland Galiläas führt. Ab und zu noch ein Blick zurück: immer wieder wird der See zwischen den Bergen noch einmal sichtbar, bis schließlich zu unserem schmerzlichen Bedauern ein Höhenzug ihn endgültig verdeckt.

Nun richtet sich unser Blick nach vorwärts. Immer wieder neue Bilder, neue Erinnerungen! Plötzlich,

als wir einen Bergvorsprung umfahren haben, ruft der Wagenführer: Kana! Da liegt es vor uns, von der leuchtenden Sonne beschienen, das kleine Städtchen, des­sen Name uns von Kindheit an fo vertraut ist Kana in Galiläa. „Zu jener Zeit ward eine Hochzeit gehalten zu Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war dabei. Auch Jesus und seine Jünger waren zur Hochzeit gela­den. Als der Wein ausging, sagte die Mütter Jesu zu ihm: „Sie haben keinen Wein mehr" . . . Nun standen dort sechs steinerne Wasserkrüge . . . Jesus gebot den Dienern. „Füllet die Krüge mit Wasser!" Und sie füllten sie bis oben hin . . . „Schöpfet nun und bringt dem Speisemeister!" . . . Hiermit machte Jesus den Anfang seiner Wunder zu Sana in Galiläa. Er offen­barte dadurch feine Herrlichkeit, und feine Jünger glaub­ten an ihn".

Jy Gedanken an den evangelischen Bericht über­schauen wir die weißgrauen Häuser. Mitten zwischen ihnen erhebt sich eine prächtige zweitürmige Kirche, die das Städtchen überragt. An einem Brunnen hatten die Wagen. Frauen holen dort das Wasser und tragen es in schön geformten Krügen auf ihren Schultern nach Hause. Hier wurde schon auf dieselbe Weise in gleich- geformten Krügen vor 1900 Jahren das Wasier geholt, hier hotten es wohl auch jene Diener, denen der Hei­land befohlen hatte: Füllet die Krüge mit Wasier.

In wenigen Schritten sind wir am Portal der Kirche. Das Gotteshaus steht an der Stelle, an der sich nach alter Ueberlieferung das Haus der Hochzeit von Kana befand, an der Stelle des ersten Wunders Jesu. Ein alter Franziskanerbruder im weißen Bart empfängt uns und heißt uns in deutscher Sprache herzlich willkommen. Er flammt aus Tirol und ist schon viele Jahre Diener an diesem Heiligtum, das ihm mehr als eine zweite Heimat geworden ist: hier will er bleiben bis zu dem Tag, da ihm die Ausnahme in die ewige Heimat gewährt wird.

lieber dem Eingang zum Heiligtum lesen wir die lateinischen Worte: „Adoremus in loco, ubi fteterunt pedes eins" — „Lasset uns anbeten an dem Orte, wo seine Füße gestanden haben". Und wir knien andäch­tig nieder und beten den an, der hier „den Anfang sei­ner Wunder machte und keine Herrlichkeit offenbarte".

Medikamente gegen „Blutstockung", Mittel zur För­derung des Haarwuchses, Schönheitsmittel u. a. m In fast allen Fällen versteckt sich der Schwindler hinter eine fingierte Adresse oder gibt ein Post­schließfach an, wohin die Gelder zu senden sind So plump die Sache aufgezogen ist, so fallen trotz­dem noch zahlreiche Dumme auf diese Machen­schaften herein, denn günstigstenfalls sind die ge­lieferten Mittel völlig wertlos und zehnfach über- bezahlt. Häufig kommt es dem Betrüger aber nur darauf an, Geldbeträge zu erhalten; eine Lie­ferung erfolgt nicht. Gegen die Machenschaften dieser Schwindler schützt man sich sehr leicht, indem man Firmen, deren Adressen nicht bekannt llnd (eine anständige Firma braucht sich nicht zu ver­stecken) keine Gelder im voraus einsendet. Zahl­reiche Betrügereien werden augenblicklich auch ver­übt unter dem Deckmantel von Spar- und Dar- lehnsvereinigungen. und nicht zu vergeben von Baugesellschaften. Daß es unter ^estn Vereini­gungen zahlreiche seriöse Firmen gibt, schlleßt dw Notwendigkeit nicht aus, auch hier stets und über­all Vorsicht walten zu lassen. Eine Anfrage bei der Polizei ist deshalb nicht empfehlenswert weil diese Behörde an Privatleute keine Auskunft ge­ben darf, lieber Svar- und Darlehnsvereine dürr- ten die ansässigen Auskunftsbüros unterrichtet sem. und was die Baugefellschaft cnbelangt. so wende man sich vor Eingebung einer Verpflichtung an die städtische Baupolizei, die eine, eventuelle An­frage der zuständigen Stelle zuleitet.

Genehmigte Sammlung.

Der Deutschen Dickter-Eed.ächtnis-Stiftung m Hamburg ist die Erlaubnis zur Sammlung von Geldspenden unter den bisherigen Bedingungen bis zum 30. Juni ds. Js. verlängert worden Hinter! liebenenrenke bei Betriebsunfällen der Reichsbahn.

Nach § 588 der Reichsversicherungsordnung ist, wie die" Deiitsche Beamtenbund-Korrespondenz schreibt, die Zahlung einer laufenben Witwen- rente davon abhängig, daß das Ableben des Ver­letzten mit dem Betriebsunfall m ursächlichen Zu­sammenhang steht; im anderen Fall erhalt r te Witwa eines Schwerverletzten nach § 595 a JxW. lediglich eine einmalige Abfindung m Höhe von zwei Fünfteln des JcchresarbeftsverDten- stes. Es ist wiederholt festgestellt worden, daß diese Leistungen nur auf Antrag derBetemgt-m gewährt worden sind. Diese ist unzulässig. _ Röky § 1545 Ziffer 1 RVO. sind die Leistungen auf uem Gebiet der Unfallversickerung von Amtswegen fett, zustellen. Gemäß einer Verfügung der Reiche bahnhackptverwaltung vom 5. Januar 1929 hab'" die Reichsbahndirektionen die Ermittelungen Mt« über, ob der tödliche Unfall eines Versicherten Be­triebsunfall im Sinne des Gesetzes ist, _ oder c>o der spätere Tod eines durch Betriebsunfall Dcck- letzten m ursächlichem Zusammenhang mit dem Unfall selbst steht, in jedem Fall ohne Rück­sicht darauf, ob die Beteiligten ihre Ansprüche an- melden oder nicht, alsbald nach dem Bekanntwer­den des Todesfalles einguleiten. Dieses ist auch deshalb erforderlich, weil nach Ablauf einer längeren Zeit der ursächliche Zusammenhang zwi­schen Ableben und Unfall nicht immer einwandfrei wird festgestellt werden können Die Entscheidung über die Frage, ob ein ärztliches Gutachten ein­zuholen ist oder nickt, wird wesentlich von der Lage des Einzelfalls abhängen und bleibt dem Er­messen der Reichsbahndirektionen überlassen.

Aus dem Gerschkssael.

Gelegentlich des Oktober-Viehmarktes hier er- schien auf dem Diebmarkt ein Vollziehungsbeamter des Finanzamte!; Fulda, um bei dem Viehhändler L. L. von Schmalnau eine Kuh zu pfänden, her­bei kam es zu einem heftigen Auftritt zwilchen dem Viehhändler und dem Vollziehungsbeamten. Der Beamte erhielt einen kräftigen Stoß gegen die Brust, daß er zurücktaumelte. Als der Beamte

Kirchliche Nachrichten.

Dienstag, den 22. Januar, nachmittags 3)4 Uhr fin­det im Priesterserninar zu Fulda eine Versamm­lung der Univ Apostvlica statt Herr Dechant Ley spricht über die recollectio menftona, Herr_ Pfar­rer und Geistl Rat Heiser, Biblis, über die Frühkom­munion der Kinder. Er wird die beiden Fragen behan­deln: 1) Warum sollen wir Priester die Frühkommunion fördern. 2) Wie können die Kleinen unterrichtet wer­den. . .

Zu dieser Versammlung sind nicht nur die Mitglie­der der Univ Apostoliea, sondern auch die Herren Geist­lichen aus der Stadt Fulda und den Dekanaten Großen­lüder, Hilders, Margaretenhaun, Neuhof und Weyhers freundlichst eingeladen.

Nun folgen mir dem treuen Hüter des Heiligtums und freuen uns an den kindlich-frohen Worten, mit denen der Sohn des hl. Franziskus uns in die Zeit zurückversetzt, da hier der Herr geweill, di« Hochzeit durch seine Anwesenheit geehrt und geheiligt und den armen Brautleuten in ihrer Verlegenheit geholfen hat. Auf einenr Treppe steigen wir hinunter in eine offene Krypta, deren Boden zur Zeit Jesu zu ebener Erde lag. Hier ist nach frommer Ueberlieferung die eigentliche Stelle des Wunders. Und die Pilger geben sich schweigend der (Erinnerung hin und erleben in stil­ler Betrachtung, was sich da vor 1900 Jahren ereignete.

Noch manches hat uns bann der fromme Bruder zu sagen und zu zeigen in Kirche und Riöfterfein. Und schwer wird ihm und uns der Abschied, als wir ihm mit herzlicher Dankbarkeit die Hand drücken. „Grüßt mir mein Land Tirol, wenn ihr über die Alpen und den Brenner zurückfahrt in die Heimat!"

Als wir die Kirche verlassen, steht draußen vor der Treppe die ganze Kinderwelt des Städtchens versam­melt. Die Kunde von der Ankunft der Pilger hat sich rasch herum gesprochen, und nun wollen die sichtlich armen Bewohner etwas verdienen und bieten uns durch die Kinder Ansichtskarten und kleine Andenken an Vor allem möchten sie uns allerliebste kleine Tonkrüglein verkaufen zur (Erinnerung an jene Krüge, in denen das Wasser sich verwandette. Und die Kleinen bitten so innig und so freundlich und so beharrlich, daß man ihnen nicht widerstehen kann. Leider haben wir noch nicht alle palästinensisches Geld, und jene Pilger, die schon damit versorgt sind, haben durchweg größere Stücke, so daß es mit dem Herausgeben und Wechseln feine Schwierigkeit hat. Aber schließlich ist auch bas Überwunden.

Wir finden auf der bas Städtchen durchschneidenden Straße bald wieder unsere Wagen. Die Sonne läßt schon mit ihrer Glut nach es ist 5 Uhr nachmittags ge­worden. Und keine Zeit ist zu verlieren: Noch i>t eint ziemliche Strecke zurückzulegen, bis die Tageslentung vollendet ift Und als letztes Ziel dieses Tage- winkt Nazaretb.