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W 17.

Sonntag, ven 2V. Januar 1929.

Fuldaer Zeitung

3. Blatt.

Druck der Fuldaer Ackiendruckerel, Fulda

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Treue Herzen.

Roman von Marie Harting.

19] ---------

Um Rogers Lippen spielte ein Lächeln.

„Schon fahnenflüchtig nach der ersten Saison, Fräu­lein Vollmer?"

„Nein, o nein, ich werde mich gewiß freuen, wenn wir im Herbst wieder beginnen; doch jetzt, da es Früh­ling wird, ziehts mich heim. Sie wissen gar nicht, wie schön meine Heimat im Sommer ist. Wo werden denn Sie den Sommer verbringen, Herr Waltmann?"

„In einem kleinen Darf an der Ostsee, dort wohnen mir liebe Menschen."

„So haben Sie-keine eigentliche Heimat mehr?"

„Nein, eine eigentliche Heimat ist dieses kleine Dorf mir nicht, nur ein liebes, trauliches Fleckchen Erde, auf dem es sich gut ausruhen läßt. Meine Eltern fmb schon lange tot, wären sie am Leben geblieben, so wäre wohl vieles anders gekommen."

„Wären Sie dann nicht zur Bühne gegangen?"

Ein belustigtes Lächeln umspielt Rogers Lippen, als er aus dem „Lohengrin" zitiert: „Nie sollst du mich be­fragen, noch Wissens Sorge tragen, woher ich kam der Fahrt, noch wie mein Nam und Art."

Ein heißes Rot überflutet Stirn und Nacken Elvirens. „O, Herr Waltmann, ich habe sicher nicht aus Neugierde gefragt. Sehen Sie, wenn man mit einem Menschen täglich umgeht, so beschäftigt man sich in Gedanken oft mit seinem Leben, und so habe ich mich oft gefragt, was mag Roger Waltmann auf die Bühne getrieben haben? Neigung war es trotz Ihres meisterhaften Spieles ganz gewiß nicht."

„Sie haben recht, kleine Freundin, und cs war un­gezogen von mir, Ihnen auf Ihre kameradschaftliche Frage eine solche Antwort zu geben. Ich werde Ihnen nun Ihre Frage ehrlich beantworten. Keinem anderen Menschen allerdings als Ihnen würde ich das Recht zu dieser Frage zugestehen."

„Bitte, Herr Waltmann, sehen Sie dieselbe als gar nicht gestellt an, wenn es Ihnen irgendwie unangenehm

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ist, dieselbe zu beantworten. Es war gedankenlos von mir, so daraus los zu fragen."

Roger lächelt. Wie fein empfindend Elvira ist. Wie ost schon hat Frau Ellinor ihm viel heiklere Fragen ge­stellt und sich nicht nur nicht entschuldigt, sondern sich gar noch böse gezeigt, wenn sie nicht beantwortet wur­den.

Elvira ist es ein wenig beklommen geworden bei Rogers Schweigen und sie blickt ihn fast scheu von der Seite an. Da muß Roger trotz seiner ernsten Gedanken herzlich lachen.

„Nicht solch ängstliches Gesichtchen, kleine Freundin, Sie haben allerdings durch Ihre Frage unwissend an eine Episode in meinem Leben gerührt, die meinen gan­zen Lebenslauf in andere Bahnen gelenkt. Aus mir selbst wäre ich wohl nie auf den Gedanken gekommen, zur Bühne zu gehen. Ich war Soldat und liebte meinen Beruf sehr; da warf mich ein niedriges Vorkommnis aus meiner Laufbahn und man riet mir, meiner guten Stimme wegen zur Bühne zu gehen. Mehr kann ich Ihnen jetzt noch nicht sagen, Fräulein Elvira, vielleicht kommt noch ein Tag, da ich Ihnen alles offenbaren kann."

„Ich danke Ihnen für Ihr Vertrauen, Herr Walt­mann, aber ich versichere Ihnen nochmals, es lag mir ferne, Sie ausfragen zu wollen."

„Das glaube ich Ihnen, Fräulein Vollmer, sonst hätte ich Ihnen auch gewiß nicht geantwortet."

Endlich rüstet man zur Abreise. Elvira singt wie ein Vöglein, als sie ihre Siebenfachen zusammentrögt. Am Morgen hat sie noch eine Karte von Marianne erhalten.

„Komm recht bald, Liebling, dein Vater sehnt sich so sehr nach dir!" hat sie geschrieben.

„Ja, der gute Vater, sie kann es sich denken, daß er sich nach seiner Aeltesten sehnt, sie beide haben sich ja immer so gut verstanden. Sie zeigt Roger die Karte, da er gekommen ist, um Abschied zu nehmen.

„Ach, wie schön, wenn man noch Elternhaus und Heimat hat, o, Sie können gar nicht ahnen, wie ich mich freue!“

Roger liest bestürzt die wenigen Zeilen, doch hat er sich schnell wieder gefaßt.

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Als er jedoch von Elviras Wohnung aus zum Bahn­hof geht, da liegt namenloses Mitleid in seinem ehr­lichen Blick.

„Das arme, ahnungslose Kind!", denkt er.

Elvira hat ihm nämlich erzählt, daß der Vater sich von einer hartnäckigen Erkältung gar nicht wieder er­holen könne. Nun scheinen ihm diese wenigen Zeilen der Freundin nichts Gutes zu künden.

„Gebe Gott, daß das arme Kind nicht überwältigt wird von dem, was es zu Hause oorfindet."

Elvira hat noch schnell einen Abschiedsbesuch bei Frau Hermann gemacht. Es ist so traulich in der alten Frau ureigenstem Reich. Droben in ihren Zimmern ist sie die einfache, schlichte Frau, die sie einst gewesen; da steht die ganze urväterliche Ausstattung, die einst das schlichte Heim schmückte, in dem sie mit dem Gatten gelebt und gelitten, in dem sie geschafft und gewaltet hatte.

„Wie schön ist es hier oben bei Ihnen, liebe Frau Hermann!", ruft Elvira ehrlich entzückt, sich neben die alte Frau auf ein Schemelchen kauernd, „hier möchte ich Sie immer besuchen; denn hier läßt es sich viel traulicher plaudern."

„So lieben Sie Glanz und Reichtum nicht, Elvira?"

Diese schüttelt lachend den Kopf.

„Nein, ganz bestimmt nicht. Im Gegenteil, er be­drückt mich immer, in einer einfachen Häuslichkeit ist mir viel wohler."

„So gehen Sie gerne wieder nach Hause?"

Elvira blickte die Fragende verwundert an. „Ach, wenn Sie wüßten, wie gerne! Ich sehne mich ja mit jeder Faser nach der Heimat, Frau Hermann."

Plötzlich lacht Elvira belustigt auf. „Ach, hier oben will mir die Anrede „gnädige Frau" gar nicht über die Lippen, sie paßt gar nicht hinein in diese Räume.'

Nun muß auch die alte Dame lachen. „Nein, Kind, solch hochtrabende Worte hörten meine alten Möbel noch nie, sie hörten dieselben auch nicht gerne. Sie würden die „gnädige Frau", die einstens mit der Küchenschürze zwischen ihnen urnherging, wohl mit spöttischer Bewun­derung betrachten."

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„Welch ein liebes Hausmütterchen müssen Sie ge­wesen sein!"

„Nanu, nun fangen Sie auch an, Komplimente zu machen?"

Frau Hermann droht ihr lachend mit dem Fmger.

„Nein, feine Komplimente, Frau Hermann! Was ich sage, ist mir ernst. Darf ich im nächsten Herbst auch einmal wieder in Ihr Heiligtum hinaussteigen?"

„Immer, liebe Elvira, so oft Sie wollen! Wenden Sie sich nur an den alten Heinrich, der wird Ihnen schon helfen."

Nun liegt auch dieser letzte Besuch hinter Elvira und froh und glücklich dampft sie der Heimat entgegen. Wie sie sich auf alle freut, auf die Mutter und die Brüder, auf Walter und Marianne, auf das liebe alte Schulhaus mit dem frühlingsgrünen Garten, am allermeiften aber auf den Vater. Mit Windeseile trägt sie der Schnellzug dem Norden zu, vorbei fliegen Berge und Täler, Städte und Dörfer. Endlich ist die letzte große Station erreicht, von hier aus fährt ein Bimmelbähnchen sie weiter zur Heimat.

Doch auch dieses Stückchen t^es ist endlich zurück- gelgt und mit strahlenden" Au-en blickt Elvira auf ihr liebes altes Heimatdörfchen. Mit federnden Schritten eilt sie durch die Straßen, die fo still und friedlich im Nach­mittagssonnenschein liegen. Da kommt eine riesengroße Gestalt die Straße hcrduf. Elvira weiß gleich, wer es ist; so aufrecht und gerade geht nur einer in Holtrup.

„Walter, Sie sind der erste, den ich heute hier be­grüßen darf. Wie ich mich freue! Wie geht es im Schul­haus, was macht Marianne?"

Walter ist erschrocken, als er Elvira fo sorglos lustig daher kommen sieht.

„Sie weiß also noch nichts," denkt er, „es war viel­leicht doch nicht recht, das Kind so in Unwissenheit zu lassen."

Mit einem lieben und doch so ernsten Blick umfaßt er ihre Hand. „Elvira, wie werden sich all freuen, Sie wieder zu sehen. Am meisten wohl Ihr Vater! Er ver­langte schon so lange nach seinem Singvögelchen, das ihm vorlesen und vorsingen soll; denn die Zeit wird ihm manchmal sehr lang."

(Fortsetzung soiß

Rund um die Woche.

d'Meltli. — Küchengeheimniffe. — Ein idealer Schuhputzer. — Etwas für den Kauf­mann. — Das Gähnen im Generalsekretariat — Bei den Göttern.

Warum gucket d'Meitli so geern in Moo? — Well en Maa dobe'n sich! . . . Das hat mich aber gefreut. Ach, was gibt es doch noch für gute Seelen in deutschen Landen. Ja, Meitli, ich bin im Geste dabei, wenn man sich abends zusammensetzl und meine harmlosen Plaudereien vorliest. Das ist ja das Schönste, was es gibt. Und an den „Ochsen" denke ich natürlich mein Leblang, auch wenn der treffliche Besitzer längst nach England übergesiedelt ist, vom deutschen Ochsen zu John Bull. Nun wird olles wieder lebendig. Die schöne Tafelrunde. Das köstliche Tröpflein. Die Lieder solo und duett. Die ganze Familie, und der Herr Pfarrer mit dem ge­waltigen roten Bart und dem Pfeifchen, das ihm fo treu brennt, wie das Ewige Licht. Einmal wird es einem Doch klar, wie da alles im großen Dasein ein Spiel ist, das sich immer wiederholt. Ist eine Epoche abgelaufen und schreien schon die Buben auf den Gassen vom Untergang des Abendlandes, dann kommt der große Meister und dreht die Uhr wieder auf. Ein neues Zeitalter wird verkündet. Eine mutige Jugend rast in feurigen Program­men. Könige werden gekrönt oder abgefetzt, lieber die besten Staatsformen wird gestritten. Welt- konferenzen werden berufen. Alles wird registriert, und die Ziffern tanzen einem vor den Augen. Vis man eines Tages erkennt, daß man sich von diesem Spiel nicht gefangen nehmen lassen soll. Man muß Zeit haben, einmal im Ochsen zusam­menzukommen. Und nun sage ich wirklich Prosit, denn vor mir steht ein Tröpflein Alkohol, und für die Grippe habe ich keine Zeit. Uebrigens hörte ich, daß die sogenannten Roten Beete, also Rote Rüben, ein köstliches Heilmittel dagegen sind. — dies für die Abstinenzler.

Wo ich mich einmal der Küche nähere, so will ich gleich verraten, daß ich zwar nichts von Koch­kunst verstehe, aber doch Einiges nach und nach gelernt habe. Es ist nämlich meine Gewohnheit, wenn ich in ein Haus komme, zuerst die Küche zu besuchen. Es sitzen doch meist Perlen darin, wie man sagt, und es sind das doch auch Menschen, und wie glücklich sind sie, wenn ich Guten Tag sage oder wenn ich nach einer guten Mahlzeit drinnen verkünde, daß es wirklich gut geschmeckt habe und daß die Kochkunst eine edle Kunst sei. Sie hält das Familienleben oft genug zusammen, und man würde bestimmt nicht von der Zeitehe reden, wenn alle Kameradinnen gut zu kochen verständen. Oft denke ich, wie an Ostern, Pfingsten und Weihnach­ten, wenn alle sich des Bratens freuen, in der Küche die Menfchen unbeachtet sitzen, die uns diese Freude bereiten. Heute aber wollte ich bloß sagen, daß es wirklich nicht gut ist, bte Sachen zu lange auf dem glühenden Rost zu halten. Wenn sie ein­mal gekocht sind, so genügt es. Nur nicht alles zerkochen, daß schließlich die letzten Vitamine mit den Dämpfen zum Fenster hinauswirbeln. Und dann, nicht zu viel Fleisch, aber Obst, Gemüse und Zitrone! Das sollte nun langsam jede Hausfrau wissen. Und übrigens. sind also Rote Beete auf gegen Grippe, das heißt für Abstinenzler. Prosit!

Noch ein wunderbares Gefchichtchen, das ich jüngst in Berlin erlebte. Nach einer Nachtfahrt komme ich aus dem Anhalter Bahnhof, wo mich ein Mann anruft, der der Meinung ist, meine Schuhe könnten eine Aufspiegelung wohl vertragen Er schaut mich so munter an und schlägt in der Kälte mit den Armen so lustig um sich, daß ich mich auf den Bock setzte und die Füße vorstreckte. Wie er anfängt, sage ich, daß es mir eigentlich un­

angenehm sei, daß mir jemand, der doch ein Mensch ist wie ich, so kniefällig die Schuhe putze. Er aber sagt: „Das ist heute ein Beruf. Die menschliche Gesellschaft hat das notwendig. Und was ein Be­ruf ist, das hat fein Recht und ist gut . . . ." Fuhr dann fort, wie sein Bester auf diese Weise in Amerika ein reicher Mann geworden sei. Hatte der Mann nicht wirklich Berufsethos? Darf man an einem Volke verzweifeln, dessen Schuhputzer noch von solch idealer Gesinnung sind? Lache nur nicht — denn es ist mir wirklich ernst Damit. Uebri­gens muß ich die Grippe vertreiben. Rote Beete oder--nun ja, Prosit!

Von den Schuhen will ich nun gleich auf die Schuster kommen, die ich allzulange schon vergessen habe. Das heißt, ich meine die Schuhgeschäfte und eigentlich den Kaufmann überhaupt. Um es ehr­lich zu sagen, hat es mich sehr ergriffen, als mir der Oberbürgermeister einer mittleren Stadt sagte, daß die alten Geschäfte Dort fast alle zurückgegan­gen wären. Das ist nun durchaus nicht bloß den Warenhäusern zuzuschreiben, sondern einem Ge­heimnis, dem ich so lange nachgegangen bin, bis ich dahinter kam. Die Sache verhält sich nämlich folgendermaßen: Die alten braven Geschäftsleute sind oft zu wenig vertraut mit den neueren Me­thoden. Sie wissen nichts von Statistik zum Bei­spiel. Sie haben auch das Kreditwesen nicht hin­reichend studiert. Sie kennen die Fäden nicht, die den Kaufmann mit Bank und Zins verbinden. Mancher tüchtiger Schuhmachermeister wundert sich, daß die Sache nicht in Gang kommt, obwohl er doch eine ganze Kollektion höchst brauchbarer Stie­fel ins Schaufenster gestellt hat. 3a, Freund, das genügt nicht. Schick deinen Sohn auf kaufmännische Schulen! Das will alles gelernt sein. In der Schuhbranche ist es leider so, daß auch die Fach­zeitschriften nicht recht auf der Höhe sind, und das ist dann schlimm. Am liebsten setzte ich alle die kleinen Kaufleute in unfern mittleren Städten ein­mal für eine Stunde auf den Leipziger Platz, wo die Elektrischen und die Autos nur so links und. rechts vorüberschnurren. Wer nach dieser Stunde noch lebendig wäre, der brächte es zu Haufe weit.

Um wieder ganz ehrlich zu fein, fo ist in kaui- männifchen und handwerklichen Berufen das nute Gewissen des kleinen Mannes oft ein nicht allen Kunden sympathisches Ruhekissen. Tempo, Tempo, meine Herren! Wir leben in einer Zeit der Re­korde Mach auch im Winter von Zeit zu Ze'' s:' Fenster auf. Das gibt frische Luft und färben Bewegung. Ich liebe auch die Statistik und suf immer noch nach der Zahl, wie, ost auf einem ©: neralfefretariat bereits von 9 bis 10 Uhr morgens gegähnt wird. Der Wirt zum Ochsen war ein fixer Mensch, und das merkte man dem ganzen Betriebe an. Es ist auch für die jungen Leute gut, wenn die Meister nicht sentimental sind. Ci, et, die Grippe, die Grippe, prosit . . . Und für die Abstinenzler Rote Beete . . .

Damit man sehe, daß ich mich auch in höheren Kreisen bewege, so habe ich neulich mit den Göttern selbst gesvrochen, ich meine mit einigen Universi­tätsprofessoren. Natürlich über die hunderttausend Studenten, von denen niemand weiß, was aus ihnen werden soll. Eine Hoffnung hab ich noch. Es scheint ein Gesetz in Vorbereitung, nach dem für die mittlere Beamtenkarriere das Abitür nicht mehr gefordert werden soll. Ich wähle die Par­tei, die dafür eintritt. Ein Mensch, der einmal studiert hat, treibt nachher nicht mehr mit Liebe

Der Untergang der „Hsinrvah".

Die Suche nach Ueberlebenden des zwischen Hongkong und Schanghai untergegangenen chinesi­schen Dampfers „Hsinwah" war bisher ergebnis­los. Eine große Anzahl von Leichen ist gebor­gen worden. Der Kapitän des Schiffes, Jensen, blieb bis zum letzten Augenblick auf der Kom­mandobrücke und sandte Notsignale aus. Unmit­telbar nach der Havarie des Schiffes brach an Bord eins Panik aus. Es begann an Deck eine tuilbe Jagd. Unzählige Personen schlugen sich un­ter lautem Geschrei um die Rettungsbr-ote, die überladen waren und daher nicht freigemacht wer­den konnten. Viele Passagiere sprangen über Bord und ertranken.

Die Katastrophe des holländischen Rettungsbootes.

Von Der aus acht Personen bestehenden Be­satzung des Rettungsbootes.„Prinz der Nieder­lande", das bei dem Versuche, dem gestrandeten Dampfer „Dalka" Hilfe zu leisten, verunglückte, sind weitere drei Leichen bei Rockanje angespült worden, so daß nunmehr fünf Leichen gebor­gen sind. Die umgekommenen Seeleute waren alle verheiratet. Das Motorboot konnte noch nicht ge­borgen werden.

Schiffbrüchiger deutscher Dampfer eingebrachl.

Der deutsche Dampfer „Sankt Jürgen" wurde Donnerstag früh mit gebrochenem Steuer in den Windauer Hafen eingebracht. Der Dampfer hatte den Bruch des Steuers auf der Fahrt von Danzig nach Riga bei stürmischem Wetter erlitten und war hilflos ein Spiel der Wellen gewesen. Zwei Tage lang hatte man keine Nachricht von ihm. Mitt­woch endlich wurden am Windauer Strande Rake­tensignale des Dampfers wahrgenommen, worauf ein Rettungsboot in See stach und ihm Hilfe brachte. Die Besatzung befindet sich wohl.

Kerztehaus in Breslau.

Ein Haus der praktischen Medizin

ist ein Breslauer Mietshaus Zug um Zug gewor­den. Auf den ersten Arzt, der sich dort eingemietet hat, folgte bald ein zweiter, ein dritter. Heute sind bereits neun Aerzte im Hause tätig. Auch ein Laboratorium fand noch Unterkunft. Zuletzt hat sich in dem Laden ein Apotheker niedergelas­sen. So hat das bewährte amerikanische System eines Aerztehauses seine erste Verwirklichung in Breslau gefunden.

ein Handwerk. Nicht, weil er zu gescheit dafür ge­worden wäre, sondern weil zu dumm. Was ein Beruf ist, ist eben ein Beruf, ob Schuhputzer ober Professor.

Sonst ist weiter nichts passiert. Ein paar Ban- ditenMachten in Berlin und anderswo regen uns nicht auf. Die Todesfälle der Grippe beweisen uns, daß die Natur in jedem Zeitalter eine bestimmte Zahl von Menschen umbringt, mögen die Aerzte sich anstellen wie sie wollen. Der neue König in Jugoslawien gibt bereits zu denken. Ich bin in jedem Falle für ein bissel Freiheit. Warum gucket die Meitli so geern in Moo . .. Ach!

Der Mann im Monde.

Rheinprovinz gegen Umgemeindung

Landeshauptmann Dr. Horiou

hat sich gegen die Uingemeindungsvorschläge des preußischen Innenministers erklärt und möchte eine Vertagung des Planes um mindestens fünf Jahre hsrbeiführen.

Deutschlands ältester Lehrer gestorben

Hauptlehrer a. D. Gustav Krause, der älteste deutsche Lehrer, ist in Brostau bei Slogan in seinem 103. Lebensjahre ge- ft o r b e n. Er war von 1846 bis 1899 im Schul­dienst tätig und hat nach 53jähriger Tätigkeit als Lehrer weitere 30 Jahre im Ruhestand verbracht.