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uldaerZertung

Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Nr. 15.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatl. 1,80 einschl. Postgeb. (30 bezw. 48 Pf.), ohne Zustellg.

Freitag, IS. Zanuar 1929.

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56.ZaHrg.

Dr. Branns über

In einer Zentrumsversammlung in Freiburg sprach der frühere Reichsarbeitsminister Dr. Brauns über die politische Lage. - Der Redner bezeichnete es als zweifelhaft, ob gerade jetzt der günstigst: Zeitpunkt für die Aufrollung der Reparationsfrage sei. Die durch den ausländischen Kapitalzusluß in Gang gebrachte deutsche Wirtschaft werde erst in der kommenden Zeit beweisen müssen, ob sie von sich aus der Schwierigkeiten Herr werden könne. Ueberhaupt sei jeder Optimismus in der Frage der Reparationen unangebrach t. In der Innenpolitik fei die Versäfsungsreform die wichtigste. Das Zentrum sei nicht nur Bürger, sondern auch Bürge des Volksstaates, das bedeute aber nicht, daß das Parlament und die von ihm abhängige Regierung unumschränkte Macht haben müsse. Man brauche nicht zu Stahchelm-Mitteln zu greifen, um das Verantwortungsbewußtsein des Parlaments zu stärken. Es genüge schon, wenn gegen die schrankenlosen Agitationsanträge ein Damm durch das Vetorecht der Regierung geschaffen werde. Auf sozialpolitischem Gebiet seien wesentliche Fortschritte zu verzeichnen, die zur Ent- proletarisierung beitrügen. Die Ehe-, Schul- und andere Fragen seien Aufgaben, der sich die Zen­trumspartei annehmen müsfe. Die Zentrumspartei müsfe wieder die katholische Par tei Deutfch- l and s werden.

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Sowohl im Haushaltsausschuß des Reichstags wie im Reichskabinett ist man sich trotz Geltend­machung auch anderer Auffassungen dahin schlüssig geworden, von einer Diskussion der Repa- rationsfrage im gegenwärtigen Augenblick ab- zufehen. Ueber Art und Form der Sachvev- ständigenkonferenz sowie über den Termin ihres Zusammenttetens ist ja im gegenwärtigen Augen­blick noch keine endgültige Entscheidung getroffen, ebensowenig über die grundsätzlichen Probleme, die auf dieser Konferenz zur Debatte gestellt werden. Bei dieser allgemeinen Unsicherheit verspricht man sich von öffentlichen Debatten über diese Dinge im Augenblick keinen Nutzen, und deshalb ist auch der deutschnationale Antrag auf Ein­berufung des Auswärtigen Ausschus-

die politische Lage.

ses zum Zwecke der Behandlung der Reparations­frage als im gegenwärtigen Stadium der Dinge untunlich erachtet worden.

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Aus London wird gemeldet:

In einem Leitartikel zur internationalen Finanz­lage erwähnt die Financial Times unter anderem, daß in Deutschland der Standpunkt vertreten werde, daß die Transfers der Daweszahlungen in der Vergangenheit nur infolge der großen deutschen Anleihen im Auslande möglich gewesen seien, mit anderen Worten, für die Zukunft sei eine Zunahme der Schwierigkeiten zu erwarten. Das Blatt sagt: Es werden so viele Zahlungen aller Art über London vollzogen, daß Großbritannien wahrschein­lich einer der Hauptleidtragenden bei jeder Störung der Wechselkurse sein würde. Möglicherweise sei diese Erwägung die Veranlassung dafür, daß die Bank von England im neuen Sachverständigenaus­schuß so stark vertteten ist. Das Blatt weist darauf hin, daß unter den vier Delegierten drei Direkt­toren der Bank von England sind, während der vierte sich eine eingehende Kenntnis der Arbeit der Bank während des'Krieges verschaffte. Zum Schluß heißt es in dem Artikel: Die Namen der Mitglieder des Reparattonsausschusses bieten eine Gewähr dafür, daß keine unmöglichen Vorschläge gemacht werden, aber es sind noch viele Schwierig­keiten zu überwinden. Es würde unklug sein, überttiebene Hoffnungen bezüglich des Ergebnisses zu hegen.

Einladung der amerikanischen Reparationssachver- ständigen durch den britischen Botschafter.

wtb. London, 17. Januar. (Eig. Funkm.) Times zufolge haben alle Regierungen der an der neuen Reparationsuntersuchung interessierten Länder der britischen Regierung mitgeteilt, sie seien damit ein­verstanden, daß der britische Botschafter in Was'hington, Sir Esme Howard, eine Ein­ladung an Owen Poung und Pierpont Morgan ergehen läßt, in dem Sachverständigen­ausschuß als amerikanische Sachverständige milzu- wirken. Die Einladung wird im Namen der Reparationskommisfion erfolgen.

Die Groener - Denkschrift.

Nachdem, wie schon gemeldet wurde, die be­kannte englische Zeitschrift „Rview of Reviews" die geheime Denkschrift des Reichswehrministers Groe­ner über die Notwendigkeit des Baues des Panzer­kreuzers A veröffentlicht hat, ist vom Reichswehr­ministerium eine gründliche Untersuchung zur Aufklärung des Vertrauensbruches eingeleitet wor­den. Bei der Erörterung der Panzerkreuzerange­legenheit im Reichstag spielte diese Denkschrift in­sofern eine große Rolle, als von den Parlamen­tariern die Veröffentlichung des Dokumentes gefor­dert, aber von dem Reichswehrministerium mit dem Hinweis auf das allgemeine Staatsinteresse abge­lehnt wurde.

Eine Denkschrift war damals nur in 24 Exemplaren hergestellt worden, die man über­dies noch mit Nummern versehen und im Reichs- wehrministerinm registriert hatte, um einer Ver­breitung entgegenzüwirken. Man kennt also die Empfänger der einzelnen Exemplare genau. Außer den Mitgliedern des Reichskabinetts wurde die Denkschrift einigen Vertretern von Länderregierun­gen, sowie den Reichstagsabgeordneten übergeben, die an der Panzerkreuzerdebatte besonders beteiligt den bisherigen Meldungen über die Veröffentlichung der englischen Zeitschrift scheint •e,feL?arü&er 8U bestehen, daß diese sich tat- sachllch im Besitz des authentischen Wort- "S der Denkschrift befunden hat. Diese Ueberzeugung herrscht auch im Reichswehimini- sterium.

Der Inhalt der Denkschrift beschäftigt sich vor allem nut den Aufgaben der deutschen SIotJ, künftigen Kriege.

5Bon diesem Gesichtspunkt aus wird das Problem erörtert, ob durch den Ersatz der früheren Linien­schiffe durch Panzerkreuzer die deutsche Marine ihre Aufgaben besser bezw. ausreichend erfüllen könne. In der Denkschrift wird darauf hinqewie- sen, daß das Vorhandensein einer straff organisier­ten deutschen Derteidigungsmacht allein schon eine gewisse Sicherung gegen die Angriffe auf deutsches Land bedeute. Das Dokument geht dann auf die Haltung Polens ein und erklärt, es beüände die Gefahr, daß die Polen geradezu nach Ostpreu­ßen hineingelockt werden würden, wenn sie nicht länger befürchten müßten, daß eine deutsche Vsr- teidigungsmacht ihnen den Weg versperre.

Die deutschen Streitkräfte könnten gegen einen Landraub Verwendung finden, der von Polen aus für möglich gehalten wird, so­wie für den Schutz der deutschen Neutralität wah­rend eines Streites zwischen anderen Mächten. Da, so heißt es in der Denkschrift weiter, der Vertrag von Versailles die Stärke der deutschen Armee be­schränkt habe, so könnte deren Kampfkraft nur durch die Flotte erhöht werden. Panzerschiffe seien ge­eignet, die baltische Küste völlig zu beherrschen und selbst in der Ueberlegenheit der großen russischen Kampfschiffe zu begegnen.

Besondere Sensation bringt also die Denkschrift, wie man sieht, nicht. Dennoch ist ihre Verbreitung ein ganz grober Vertrauensbruch, des­sen Wiederholung vorgebeugt werden muß. Das Reichswehrministerium ist gegenwärtig damit be­schäftigt.

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wtb. London, 17. Ian. (Eig. Funkm.) Der Herausgeber der Review of Reviews, Wickham Steeb, gab gestern abend eine Erklärung darüber ab, wie die deutsche Denkschrift über den Bau des

Panzerkreuzers in seinen Besitz gekommen sei. Er sagte: Die Denkschrift ist nicht ein geheimes Staatsdokument, aber sie ist sehr wichtig. Die ganze Sache war eine deutsche militärisch? Erklä­rung, die den Parteiführern vertraulich abgegeben wurde. > Sie ist durchaus authentisch und sie ist nicht gestöhlen worden . Sie ist in der üb­lichen Weise an mich gelangt, auf einem Wege, den ich kenne und zu dem ich Vertrguen habe. Ich habe die Ueberzeugung erlangt, daß sie authentisch ist. Die innere Ueberzeugungskraft spricht so stark für die Echtheit, daß kein verantwortlicher Journalist zögern würde, das Dokument zu veröffentlichen. Das Dokument ist nicht so geheim gebli-ben, wie gewünscht worden war. Zu der Berliner Meldung, daß von den deutschen amtlichen Stellen eine Un­tersuchung angeordnet worden fei, bemerkte Wick- bam Steed: „Soweit ich in Frage komme, können sie soviel untersuchen wie sie wollen."

Reid) und Kleinrentner.

35 Millionen Reichsmark im neuen Haushaltsplan vorgesehen.

In der Sitzung des sozialpolitischen Ausschusses des Reichstages am Mittwoch gab ein Vertreter der i Reichsregierüng folgende Erklärung ab:

Die Reichsregierung wird sich dafür einsetzen, ' daß die 58 o r f r i ft e n und Reichsgrundsätze für Kleinrentnerfürforge überall so durchgeführt wer­den, wie es das soziale Bedürfnis der von der Geld­entwertung betroffenen Personen verlangt.

Für die Beteiligung des Reiches an der Kleinrentnerfürsorge wird die Reichsregierung ! den Betrag von 35 Millionen Reichsmark - in den Entwurf des Haushaltsplanes von 1929 ein» l stellen.

- Diese Beihilfe hat in der Hauptsache den Zweck, den Fürsorgeoerbänden die Anwendung der Grundsätze zu erleichtern. Die Reichsre­gierung wird ferner erwägen, ob der Einbau neuer Sicherungen in die Vorfristen und Reichsgrund- siitze zugunsten der Klein- und Sozialrentner erfor­derlich und möglich ist.

Die Entscheidung über eine reichsgesetz- licheRegelung, die einen allgemeinen Rechts- ' anspruch begründet, ist der Reicksregierung solange . nicht möglich, als die Haushaltsverhandlungen s und Beratungen über die Deckungsvorlaqen der Reichsregierung nicht verabschiedet sind und die gegenwärtige schlechte finanzielle Lage a n h ä l t. Auch die früher en Regierungen ha­ben bei besserer und klarerer Finanzlage nicht geglaubt, ein dahingehendes Gesetz vorlegen zu können. Die Reichsregierung wird allerdings einen Rechtsanspruch, der sich lediglich a u f früheren Kapitalbesitz gründet, schon aus Gründen der sozialen Gerechtigkeit nickt an­erkennen können.

Das Verfahren gegen Oberffteufnant a. D. Dusterberg. Sie Staatsanwaltschaft in Prenzlau hat gegen den Beschluß des Schöffengerichts Prenz­lau, durch den die Eröffnung des Hauptverfahrens gegen den Oberstleutnant a. D. Düsterberg wegen Vergehens gegen das Republikschutzgesetz abgelehnt worden ist, sofort Beschwerde eingelegt.

• Der Vlamen-Führer August Borm, der nach Kriegsende zum Tode und dann zu le­benslänglichem Zuchthaus verurteilt worden war.

ist, wie aus Brüssel gemeldet wird, auf Grund der vom Senat beschlossenen Amnestie f r e ige­ln ff e n worden.

* General Booth des Heilsarmeeoberkommandos entsetzt. Der Oberste Rat der Heilsarmee hat mit 55 gegen 8 Stimmen General Booth für unfähig erklärt, das Oberkommando der Heilsarmee fort­zuführen.

* Graf Ehinda gestorben. Aus Tokio wird ge­meldet: Graf Sutemi Ehinda, früherer Botschafter in Berlin, Washington und London, der zuletzt die Stellung eines Oberzeremonienmeisters des Kai­sers bekleidete, ist 72jährig gestorben.

* Honduras am Vorabend einer Revolution? NachBerichten amerikanischer Reisender steht in Honduras eine Revolution bevor. Amerikaner und andere Ausländer verlassen das Land aus Besorg­nis vor einem Bürgerkrieg. Beim Staatsdeparte­ment liegt keine Bestätigung vor, doch sieht man es für bedeutungsvoll an, daß sich der amerika­nische Kreuzer „Denver" gegenwärtig auf der Höhe der Küste von Honduras befindet.

Die Gewaltherrschaft in Jugoslawen.

(Eine Eingabe des Führers der deutschen Minder- heit in Südslavien. — Wie sich der von Hugenberg viel gerühmte Staatsstreich auf die deutschen Brü­der auswirkt.

wtb. Belgrad. 17. Ian. (Eig. Funkm.) In einer Eingabe, die der Führer der deutschen Minderhei­ten, Dr. Krafft, an den Minister des Innern einge­reicht hat, macht er den Minister darauf aufmerk­sam, daß die untergeordneten Organe in der Woi- wodina nicht nur Ortsverbände der Partei der Deutschen auilösen, obwohl deren Auflösung von

der Regierung nicht dekrediert ist, sondern auch Ortsgruppen des deutschen Kultur­bundes, der absolut unpolitischen Cha, akter trägt. Sogar gegen deutsche landwirt­schaftliche Genossenschaften wird oorge- gangen und von ihnen verlangt, daß sie ein Gesuch um die Genehmigung ihres Bestandes einreichen. Dr. Krafft bittet den Minister, diesen Mißständen abzu helfen. .

Anrufung des Haager Gerichtshofes.

Auf Wunsch des gegenwärtigen Ratspräsidenten Briand hat der Generalsekretär des Völkerbundes die Regierung von Paraguay davon in Kennt­nis gesetzt, daß B o l i v i e n beabsichtigt, die Grund­frage des Streitfalles dieser beiden Länder, d. h. die Grenzziehung selbst, dem Schiedsspruch des Internationalen Gerichtshofes im Haag zu unterbreiten. Gleichzeitig sind auch alle anderen Völkerbundsmitglieder verständigt worden, von denen übrigens in den letzten Wochen noch weitere zustimmende Aeußerungen zu dem Ergebnis der vor Weihnachten abgeschlossenen Völkerbunds­aktion in Genf eingegangen sind.

Lin bemerkenswerter Uebertritt.

Ein früherer chinesischer Ministerpräsident in rin belgisches Kloster eingetreten.

Wie dem „Temps" aus Brüssel gemeldet wird, ist der ftühere chinesische Ministerpräsident Lu T s e n g s i a n g , der auch die chinesische Delegation bet den Friedensvcrhandlungen in Versailles führte, in ein belgisches Kloster eingetretcn, nach­dem er zur k a t h o l i s ch e n Religion übergetreten ist.

Weihbischof Deitmer gestorben.

Mittwoch abend gegen 10 Uhr starb der Weih­bischof von Berlin, Deitmer, im 64. Lebens­jahre an Herzschwäche, die als Folge von G r i p xe und Lungenentzündung aufgetreten war.

Dr. theol. h. c. Seit m e r war am 12. Aug. 1865 zu Münster in Westfalen geboren und im Dezember 1887 zum Priester geweiht worden. An­fangs 1923 wurde er zum Weihbischof von Breslau und gleichzeitig zum Titularbischof von Sora er­nannt. Die Bischofsweihe erhielt er am 1. Mat 1923. Als Fürstbischöflicher Delegat und Propst bei St. Hedwig in Berlin ist er bekannt gewor­den. Jrn religiösen und auch im gesellschaftlichen Leben der Reichshauptstadt fiel ihm eine wichtige Rolle zu. Mit Wurde und Geschick ist er den schwierigen Anforderungen, die die politischen und Weltanschaulichen Verhältnisse der Reichshauptstadt an ihn stellten, gerecht geworden. In den letzten Jahren hatte er eine starke Sätze an dem päpstli­chen Nuntius Pacelli, dessen Ansehen in allen po­litischen und gesellschaftlichen Kreisen Berlins bekanntlich sehr groß ist. Deitmers unerwar­tetes Ableben wird in Berlin, in der Diözese Bres­lau und im ganzen katholischen Deutschland auf­richtige Trauer Hervorrufen.

Neuer Bischof von Hildesheim.

Der Osservatore Romano gibt die Ernennung des Domkapitulars und Rektors des Priesterfemi- nars in Trier, Prälat Professor Dr. Nikolaus Bares zum Bischof von Hildesheim bekannt.

Preußifcherfeits wird amtlich mitgeteilt:

Als Bischof von Hildesheim ist der Regens des Priesterseminars in Trier, Dr. Bares, Domkap». tutar und Geistlicher Rat, erwählt und bestätigt worden Der Bischofsstuhl von Hildesheim war feit Mai vorigen Jahres verwaist. Der ^Berufung des neuen Bischofs von Hildesheim sind lange Verhandlungen zwischen der preußischen Re­gierung und der Päpstlichen Kurie vorausgegan- gen. Die rechtliche Frage war nicht ganz einfach zu lösen, da es sich für den preußischen Staat dar­

um handelte, ein Verfahren zu beobachten, das mit den zwischen Preußen und der Kurie geltenden Bestimmungen in Einklang zu bringen war. Ein solches Verfahren ist auch schon vor der Revolu­tion angewandt worden, indem man sich über einen bestimmten Kandidaten mit der Kurie ge­einigt hat. In diesem Sinne ist auch die Wieder­besetzung des Bischofsstuhles von Hildesheim i m Einklang mit dem Apostolischen Stuhl voll­zogen worden.

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Prälat Dr. theol. Nikolaus Bares ist geboren am 24. Juni 1871 in Idenheim in der Eifel als Sohn eines Landwirts. Am 30. März 1895 wurde er vom Bischof Felix Komm zum Priester geweiht. Nach vierjähriger Tätigkeit in der Seelsorge wirkte er sechs Jahre als Religionslehrer in Kemperhof bei Koblenz und dann von Ostern 1905 ab dreiein­halb Jahre in gleicher Eigenschaft am Kaiser Wilhelm-Gymnasium in Trier. 1907 ging er an die Universität Berlin, wo er u. a. auch Schüler von Prof. Harnack und von Daismann war. In Breslau promovierte er bann zum Dr. der Theo­logie. Bei feiner Rückkehr nach Trier im Jahre 1909 wurde er von Bischof Dr. Komm zum Pro­fessor der Exegese des Neuen Testamentes am Bi­schöflichen Priesterseminar ernannt. 1918 wurde er Regens des Trierer Priefterseminas und am 4. Dezember 1920 berief ihn fein Bischof in das Domkapitel. Der Papst ernannte ihn bald darauf zum Päpstlichen Hausprälaten.

Prälat Dr. Bares gehört zu den Gründern des Katholischen Akademikerverbandes. Durch Heraus- gäbe der Bücker-Bibel sowie durch zahlreiche aus- gezeichnete Aufsätze zur Exegese und Seelsorge und das 1910 erschienene Buch über „Dle moderne protestantische Abendmahlslehr?" hat er sich auch um die theologische Wissenschaft große Verdienste erworben. Er gilt bei fernen Mitbrüdern und den Diözesanen der Diözese Trier als ein Priester nach dem Herzen Gottes, ausgezeichnet durch einen schar­fen Willen, wo es die Ehre Gottes, das Ansehen der Kirche und das Heil der Seele gilt. In Hil­desheim bereitet man sich mit froher Hoffnung auf den Empfang des neuen Bischofs vor.

Verwaltungsfragen und Zentrum.

Im preußischen Landtag machte zu diesem Pro­blem der Zentrumsabgeordnete Dr. Peucker fol­gende gmndsätzliche Ausführungen:

Die Auflösung der Eutsbezirke, der Anfang der Verwaltungsreform, ist relbungsloser erfolgt, als angenommen war, das finanzielle Ergebnis ist für hie Landgemeinden sogar günstig. Man beklagt im Lande allgemein das 58estehenbleiben von gro­ßen Eutsbezirken, namentlich von fiskalischen. Es ist zu begrüßen, daß die große Umgemeinbung in Rheinland und Westfalen kein Präzidenz- und Re­gelfall für das übrige preußische Gebiet fein soll, das anderer Behandlung bedarf. Die Vorschläge des Ministers zur Verwaltungsreform bilden eine gute Unterlage und haben im allge­meinen Anklang gefunden. Die Kommunalisiemng der Landräte ist im Interesse des Staates zu ver­hindern, aber nicht durch Entziehung eines (anö- rätlichen Aufgabengebietes nach dem anderen und nicht dur Neueinrichtung von Reichsbehörden, die ebenso wie viele Staatsbehörden in der Kreisin- stanz nebeneinanher herlaufen. Die drei Milliar­den Sparkassenhypotheken der deutschen Sparkas­sen bedeuten eine sehr wesentliche Hilfe für den Aufbau des Staatskreditmarktes. Der Finanzaus­gleich muß im Interesse leistungsschwacher Gebiete nicht nur ländermäßig sondern auch interkommu­nal erfolgen, auch innerhalb von Provinzen und Kreisen. Wir brauchen nicht nur eine Reform der

Bürokratie, sondern auch des Geistes der Der- waltung.

Von dem Zentrumssprecher wurde des ferneren eine gmndsätzliche Aktion für den Osten gefordert, wenn auch eventuell etappenweise, in Schlesien speziell gemäß dem schlesischen Wirtschaftspro. gramm.

Die Stichwahl in Elsaß.

Das Organ der Sozialistischen Partei im Departement Oberelsaß „La Republicain" teilt den Beschluß der Bezirksvereinigung der Sozialisten die­ses Departements mit, bei der demnächst stattfinden­den Stichwahl für die Kammer einen sozialistischen Kandidaten nicht aufzustellen, sondern den Wählern Stimmenthaltung zu empfehlen. Die Sozialisten können sich nicht für einen der beiden in die engere Wahl kommenden Kandidaten entscheiden, weder für den Autonomisten Hauß, noch für den national- katholischen Abbe Hauser.

Damit dürfte die Wahl des Autonomisten ge­sichert sein.

* Die Fremdenlegionswerbung. In Met kann man jeben Samstag vormittag 100—20Ö junge Deutsche aus allen Gegenden des Reiches vor dem früheren deutschen Bezirkskommando erblicken, die zum Teil freiwillig, größtenteils aber durch Werbung verleitet, sich zum Eintritt in die Frem­denlegion melden wollen. Zeitweilig ist der An­drang so stark, daß nur die kräftigsten Leute von der