Dienstag. 15. Januar 1929.
Jlr. 12.
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag ver Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatl. 1,80 einschl. Postgeb. (30 bezw. 48 Pf.f ohne Zustellq.
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Anzeiger für die Stadt Julda und den Landkreis Julda. Amtliches Kreisblatt._____
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sich etwa drei Monate zur Kur Ein Stellvertreter für die Zeit I t Ht noch nicht ernannt. 1
wtb. Belgrad, 14. Januar. (Eig. Funkm.) Der Minister des Aeußern ist heute früh nach Davos abgereist, wo er sich etwa drei Monate zur Kur aufhalten wird. C* - ----- °-:i
seiner Abwesenheit ist noch nicht ernannt.
Albanien.
Aus Tirana wird gemeldet: Da die Minister sich im Ministerrat nicht in der Frage des Staatshaus. Haltsvoranschlages einigen konnten, hat Minister- Präsident Kotta dem König die Demission des Kabinettes überreicht. Die Regierung wird dir Geschäfte bis zur Bildung eines neuen Kabinette,' weiterführen.
Jugoslawien.
Die Belgrader Regierung hat die Staatsanwaltschaften in einer neuen Verordnung angewiesen, die Vorzensur der Blätter mit der größten Umsicht durchzuführen. Die Staatsanwaltschaften haben sämtlichen Redaktionen die Weisung erteilt, die Zensurexemplare schon in den spaten Nachmittagsstunden vorzunehmen. Gleichzeitig haben die Redaktioneri der Zeitungen eine mündliche Verständigung erhalten, stets in genügender Menge stehenden Saß zur Verfügung zu halten, um die gestrichenen Teile aus diesem Saß ergänzen zu können, da es verboten ist, mit weihen Flecken zu erscheinen. Es wurde ferner untersagt, über das Eintreten der verschärften Zensur zu berichten. *
Ministerpräsident General Zivpowitsch gab vor den Vertretern der Auslandspresse eine Erklärung über die Ziele der Regierung aib, in der er zunächst das durch die königlichen Kundgebungen be- reits bekannte Programm innerpolitischer Reformen entwickelte und dann fortfuhr: Es ist nicht zweifelhaft und geht klar aus der Proklamation des Königs hervor, daß unsere Aufgabe 3 e 11 • lich begrenzt ist, denn so bald dieses grundlegende Programm zur Durchführung gebracht sem wird, wird die königliche Regierung das Studium und die Durchführung von Maßnahmen in Angriff nehmen, die den Eintritt in ein gesund d^ mokratisches, moralisch ausgeglichenes und endlich konstitutionelles Staatsleben erlauben. Ich wünsche zu unterstreichen, daß die Arbeit der königlichen Regierung eine Arbeit ber Vorbereitung ut, und ich lege Wert darauf, mit aller Scharfe alle über angebliche verborgene Ziele der Regierungspolitik in Umlauf gesetzten Gerüchte zu dementieren. Ebenso ist es notwendig, ganz besonders zu unterstreichen, daß auf dem Gebiet der auswärtigen Politik die königliche Regierung nichts an- deres tun wird, als aus allen Kräften die bisher gemachten Bemühungen zur aufrichtigen Aufrechterhaltung und Förderung bester Beziehungen mit allen Ländern, insbesondere aber mit den Nachbarländern, fortzusetzen.
DreiMonatiger Erholungsurlaub des südslavischrn Außenministers.
VieamerikanischenZachverständigen..
Owen Poung und Pierpont Morgan sowie als I Ersatzmann Perkins sind zu Sachverständigen für I i)te Reparationskonferenz ernannt worden.
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wtb. London, 14. Jan. (Gig Funkm.). Der I New Dörfer Korrespondent der „Daily News schreibt: Die Ernennung Pierpont Morgans zum amerikanischen Reparationssachverständigen tvtrt) bie unbegründeten Gerüchte verstreuen, daß Kel- rogq sein Veto gegen die Flüssigmachung einer deutschen Anleihe in Amerika einlegen werde. Man glaubt jetzt, daß eine erhebliche Ausgabe von Reparationsobligationen einen wesentlichen Teil des neuen Planes bilden wird, der von den Sachverständigen in Paris aufgestellt werden soll. Der Korrespondent sagt, man rechne damit daß Obligationen im Wert von 2 Milliarden Mark auf den amerikanischen Markt gelangen wurden und daß der Erfolg gesichert sei, wenn Morgan hinter der Sache stehe.
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Nach dem in Berlin vorliegenden authentischen Text hat die Erklärung, die in Washington beim Presseempfang im Weißen Hause zur Repara- tlonsfrage abgegeben wurde, in deutscherlleber- setzung folgenden Wortlaut:
Der Präsident ist der Meinung, daß die letzte Sachverständigenkonferenz, deren Vorsitz General Dawes führte, einen erwiesenermaßen brauchbaren Plan zur Regelung der Reparationen ausgearbeitet hat, und er erlaubt, daß die Ausführung dieses Planes erfolgreich gewesen ist. Daher meint der Präsident, daß eines der Dinge, die in erster Linie berücksichtigt werden müssen, die Endsumme ist, die Deutschland zahlen soll. Wenn man zu der Erkenntnis kommt, daß Deutschland auch weiterhin die 2)4 Milliarden zahlen soll, die ungefähr einer Summe von 625 Millionen Doll, jährlich entsprechen, dann ist, wie der Präsident die Dinge sieht, die einzige Frage, die in Erwägung zu ziehen ist, wie lange Deutschland fortfahren soll, diese Summe zu zahlen. Wenn ein Grund gefunden wird, vie Iahreszahlungen abzuändern, dann würde das eine andere Frage fein. Rach Ansicht des Präsidenten soll die Konferenz der Sachverständigen einberufen werden zu dem Zweck, eine gerechte Entscheidung zu treffen zwischen Deutschland unter Berücksichtigung semer Zahlungsfähigkeit und den anderen beteiligten Ländern einschließlich Japans."
Ernste Lage in Mukden.
Nach einer Meldung des „Daily Telegraph" aus Schanghai ist die Lage in Mukden ernst. Die Anhänger der Hingerichteten Geuera.le haben sich in die japanische Zone gefluchtet. Die junge Nanking-Partei habe gegenwärtig in Mukden die Oberhand. Jangfuttugs Partei sei jedoch sehr mächftg, und Vergeltungsmaßnahmen seien möglich. .
Einer Reutermeldung aus Schanghai zufolge erklärte der dort aus Nanftng eingetroffene Außenminister der nationalistischen Regierung, Wang, die Hinrichtung Jangjutings sei der Höhepunkt in dem Kampfe um die Macht in der Mandschurei. Wenn das Ereignis irgendeine Rückwirkung in nationalistischen Kreisen haben werde, so werde es nur zum Vorteil der nationalistischen Regierung sem, die Tschcmghsuehliang als treuen Anhänger ansieht.
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wtb. London, 14. Januar. (Gig. Funkm.) „Times" meldet aus Tokio: Die Japaner glauben nicht, daß Jangjutings Tod unmittelbar zu Schwierigkeiten in der Mandschurei führen wird, sind sich aber klar darüber, daß die Lage sich zu Japans Nachteilverändern wird. Als wirklicher Urheber der Erschießung Jangjutings wird der Gouverneur von Kirin, Tschangtsotscheng, betrachtet, der ständig gegen den japanischen Plan des Baues einer Verbindungslinie zwischen dem koreanischen und dem mandschurischen Eisenbahnsystem gearbeitet hat.
Boykott gegen Japan.
wtb. henkau. 14. Jan. (Gig. Funkm.). D'.e Erregung, die unter der Bevölkerung dadurch entstanden ist, daß ein Chinese an der Grenze der japanischen Konzession von einem japanischen Motorradfahrer überfahren wurde, hat nunmehr hier zu einem Boykott gegen Japan geführt.
Rote Kundgebung in Berlin.
Der Demonstrationszug für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht.
Der Polizeipräsident in Berlin teilt mit: Die Kundgebung aus Anlaß der zehnjährigen Wiederkehr des Todestages von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, an dec.sich insgesamt etwa 10-12 000 Personen beteiligten, ist ohne größere Zwischenfälle verlausen. Einige kleine Züge, die sich vor und nach der Veranstaltung trotz des Demonstrationsverbotes gebildet hatten, wurden von der Polizei aufgelöst, wobei insgesamt 68 Personen wegen Nichtbefolgung polizeilicher Am orduungen zwangsgestellt wurden: Sie sind nach Feststellung ihrer Personalien im Laufe des Sonntages wieder entlassen worden. Bei der Auflösung eines Zuges in der Frankfurter Allee wurde em Polizeibeamter von einem Teilnehmer am Zuge angegriffen und mit einem Schlagring am Kopf verletzt. Der Täter wurde festgenommen und wird dem Schnellrichter vorgeführt werden.
• Rückkehr des Reichskanzlers nach Berlin. Der Reichskanzler ist wieder in Berlin eingetroffen.
chern (in dem tiefschwarzen Teil der Karte befinden sich die Gemächer des Heiligen Vaters), die langgestreckte Gebäudeflucht mit den unschätzbaren Kunst- sammlungen des Vatikans und der Campo Santo, Stätten, mit denen sich erhebende Erinnerungen zweifellos vieler unserer Leser von der Rompüger- fahrt im Heiligen Jahre zur Gewinnung des großen Ablasses oder von Sammel- oder Emzelwall- fahrten der folgenden Jahre aufs engste verbinden
Die unerläßliche Grundforderung des Papstes zur Lösung der Römischen Frage besteht m del bedingungslosen, ganz klaren und zweifelsfreien Sicherung der souveränen Freiheit des Oberhauptes der katholischen Kirche. Sie muß in der Abtretung eines genau umgrenzten, der Willkür eines fremden Machthabers entrückten Territoriums ihren sicht- baren Ausdruck finden. Es leuchtet ein, daß sich auf die Frage der Lage und Gestaltung des Umfanges des künfftgen Kirchenstaates das stärkste Interesse der in- und ausländischen Presse konzentriert. Wir geben, selbstverständlich mit dem bei der Eigenart und den außerordentlichen Schwierigkeiten der ganzen Materie gebotenen Vorbehalt, die in in- und ausländischen Blättern erörterten geographischen Angaben unter Anlehnung an die beistehende Skizze wieder.
Aus der Tatsache, daß im Süden und Westen des Nordteiles des Vatikanischen Palastes durch die städtischen Behörden umfangreiche WohnungskünLi- gungen erfolgt sind, wird geschlossen, daß an die Abtretung eines bestimmten Stadtgebietes gedacht wird. Dieses Gelände int Südwesten glaubt man als zur Aufnahme der Residenzen der Kurienkar- dinäle, der päpstlichen Kongregationen sowie der beim Heiligen Stuhl akkreditierten ausländischen Diplomaten bestimmt. Eine Bestätigung dieser An- nahmen wird darin erblickt, daß der Heilige Stuhl in demselben Gelände bereits seit Jahren Grundstückskäufe in beträchtlichem Umfange vorgenommen hat, sodaß sich, von hier ausgehend, das Vierte! der Mitglieder des Heiligen Kollegiums und des dwlo- matischen Korps gürtelweise um den jetzigen Ee- bäudekomplex im Nordwesten des Vatikanischen Hügels zwischen dem (siehe Skizze) Valle Dell Inferno — im Norden bis zur Pinienwaidmig Sacchetti — in südlicher Richtung mit Flankierung
Pas Wahlergebnis im Elsaß.
Aus Mülhausen (Oberelsaß) wird gemeldet:
Bei den Kammerersatzwahlen für die Autono- miften Ricklin und Rosse, deren Mandate von der Kammer nicht anerkannt worden sind, erhielten die Autonomisten einen n e u e n Erfolg. In Altkirch wurde der Autonomtst S t u r= mel mit 7144 Stimmen gewählt. Der Nationalist ©übermann erhielt 3650 Stimmen.
In Kolmar wird es zu einer S11chwa h l kommen, da keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erreicht hat. Der Autonomist Hauh erzielte 8744, Abb- Hauser (Nationalkatholische Volkspartei 4558, der Sozialist Richard 3593, der Kommunist Mörsckel 2230 Stimmen.
Wie Havas aus Straßburg meldet, ist die von Baron Klaus Zorn v. Burlach herausgegebene, in deutscher Sprache erscheinende Wochenschrift „Der Widerhall", deren erste Nummer erschien, auf Anordnung des Präfekten verboten kuorden. Dagegen erscheint ein anderes Blatt, das gleichfalls von Zorn v. Bulach herausgegeben wird und in französischer Sprache gehalten ist, weiter.
Frankreichs Innenpolitik.
Jahreskongreß der französischen katholischen Demokratischen Partei.
Die durch 18 Mitglieder in der Kammer vertretene Katholische Demokratische Partei hat, in Marseille ihren Jahreskongreß abgehalten. Auf dem Schlutz- bankett kam der Adg. Chaupe tie r-R ibe s ! auf die gegenwärtige Krise zu sprechen. Er führte aus, die Demokratie leide unter einer Krise, nicht ober wegen der gegenwärtigen Skandale, sondern wegen der Verwirrung, die in der französischen Politik Platz greife. „Sieht man nicht, daß die Parteien, die die Notwendigkeit der nationalen Einigung betonen, fotgesetzt die Politik des Außenministers kritisieren? Und hat man nicht anläßlich der Stabilisierung die unerwartesten Abstimmungen erlebt? Erlebt man nicht eine systematische Opposition gegen diejenigen, die zehn I Jahre nach dem Kriege das Blatt wenden und dem französischen Volk es ermöglichen mußten, auszu- 1 atmen und an etwas anderes als den Krieg zu denken? Hier hat das Unbehagen seine Wurzel Die politischen Parteien h den sich noch nicht auf die Höhe der Ereignisse zu schwingen verstanden. Sie haben sich noch nicht den Verhältnissen angepaßt." .
Vier von den sechs Abgeordneten der Radikalen die bei der Abstimmung über die Vertrauenstagesordnung für die Regierung Poincar« für das Kabinett gestimmt haben, und zwar Emile Dorel, Guilhaumon, Gafparin und Auguste Brm- net sind, um dem Ausschluß aus der Partei zuoorzukommen, aus der radikalen Kammerfraktion ausgetreten. Sie begründen ihren Schritt mit der fembfeligen Haltung, die die Fraktion gegenüber der Regierung angenommen hat und sind der Fraktion der unabhängigen Ernten beigetreten.
Zur Kusrollung der kölnischen Trage.
Wenige Tage vor dem Weihnachtsfeste drang aus der Ewigen Stadt die Kunde von dem Schweben konkreter Verhandlungen zwischen Muffolrnl und dem Vatikan über die Lösung der Römischen Frage in die Welt. Diese Nachricht fesselt unausgesetzt das allgemein-kulturelle, das diplomatische, das kirchenpolitische Interesse, insbesondere erregt sie jedoch die stärkste Aufmerksamkeit der Katholiken des ganzen Erdenrundes. Der von höchstem politischen Ehrgeiz erfüllte kühne und entschlossene Faschistendiktator Italiens will einen Zustand der Regelung entgegenführen, der mit dem unseligen Einmarsch der Piemontesen am 20. September 1870 durch die Porta Pia, die Einnahme der Stadt Rom und den Raub des Patrimoniums Petri, des Kirchenstaates, begann und unter dessen me-
Die neue Russen-Note.
Auf die polnische Antwortnote zu dem russischen Vorschlag einer Unterzeichnung des Protokolls über die beschleunigte Inkraftsetzung des Kellogg- Paktes hat die Sowjetregierung, wie schon kurz gemeldet wurde, umgehend mit einer neuen Note geantwortet, die außerordentlich umfang- re,d23on grundsätzlicher Wichtigkeit angesichts des polnischen Einwandes, daß Rumänien wegen der besiarabischen Frage nicht zum Beitritt zu dem russischen Protokoll aufgefordert worden sei, ist die Erklärung der russischen, Note, daß man bereit sei, Rumänien einen gleichen Vorschlag rote Polen zu unterbreiten, sobald es dem Kellogg-Pakt bei« getreten sei, und daß man der polnischen Regierung dankbar wäre, wenn sie schleunigst die rumänische Stellungnahme zu dem Kellogg-Pakt wie, zu dem russischen Protokoll klären würde. Dabei betont die russische Note, daß dos Inkrafttreten des Kel- logg-Paktes ober des Protokolls zwischen Rumänien und der Sowjet-Union zwar den Krieg als Mittel zur Entscheidung schwebender Streitfragen ausschließe, aber natürlich nicht die akuten Streit-
Abschließend' sagt die russische Note die Unten Zeichnung des russischen Protokolls mürbe au 6 er. ordentlichen moralischen Wert für eine Besserung der Beziehungen zwischen Polen und Rußland haben, sowohl bei einer baldigen Ratifizierung des Kellogg-Paktes durch andere Staaten, wie auch bei einer erst febr viel spateren Unterzeichnung und selbst in dem Falle, daß ans irgendwelchen Gründen der Kellogg-Pakt, n t e i n Kraft treten würde. Die Sowjet-Union erwarte daher, nach all den neuen Darlegungen eine baldige Antwort ber polnischen Regierung über die endgültige Stellungnahme zu dem russischen Vorschlag.
Die Lage in Afghanistan.
Reuter meldet: Trotz der Zugeständnisse de» Königs bleibt die Lage in Afghanistan ernst. Di« Aufständischen haben in einer Reihe von heftigen Scharmützeln neue Erfolge davongetragen. Gimge Abteilungen der Regierungstruppen gingen offenbar zu den Aufitändischen über.
Mirzaman Khan, Oberhaupt des Stamme/ Mohmand und einflußreicher Parteigänger des Ko, nigs Aman Ullah im Kampfe gegen die aufständischen Schinwasi, wurde von Angehörigen eines gegnerischen Stammes in eine Falle gelockt und ermordet. Sein Tod wird namentlich un gegenwärtigen Augenblick als sehr bedauerlich angesehen.
Mussolini und das Papsttum.
— Rn der Schwelle einer neuen Zeit-
Pius XI. litten. Niemals haben die Inhaber des Stuhles Petri aufgehört, gegen die gewaltsame Wegnahme des Kirchenstaates Protest zu erheben, niemals haben sie das italienische sogenannte Garantie-Gesetz vom 13. Mai 1871 anerkannt Die Katholiken Deutschlands haben alljährlich auf ihren großen Generalversammlungen in feierlicher Werse Einspruch erhoben gegen den Ansthlag auf die Freiheit, das Eigentum und die Unabhängigkeit des Statthalters Christi Und üBiebergutmadjung des frevlerischen Unrechtes gefordert. Daß heute nach nahezu sechzig Jahren ein ernstlicher Versuch nn Gange ist zur Aussöhnung des offiziellen Italien mit dem Vatikan, ist ein aufsehenerregendes Ereignis. Es har die ganze Welt, insonderheit die Katholiken des Erdkreises in spannungsvolle Erwartung versetzt. Es ist darum verständlich, daß trotz des an sich durchaus begreiflichen hartnäckigen Stillschweigens der beiden Partner der Prallmmar- besprechungen, die Römische Frage und ihre naheliegenden Lösungsmöglichkeiten in den Vordergrund ber Erörterungen der Weltpresse geruckt smd.
Aus der Fistle der Veröffentlichungen undSkiz. zen geben wir beistehend ein eigens gezeichnetes Situationsbild des im Nordwesten der Ewigen Stadt sich erhebenden mächtigen Gebäudekomplexes des vatikanischen Stadtteils. Besonders hervorgehoben sind der St. Peterdom, der anMießende Apostolische Palast mit fernen rund 1000 Gema-
(Eile mit weile.
Auch 1929 keine Abrüstung.
In der Hochflut politischer Ereignisse zu Beginn I des neuen Jahres ist eine Mitteilung des Vorsitzen- I den der Abrüstungskommission allzu unbeachtet ge- I blieben, die aber sehr wohl eine besondere Würdi- I gung verdient.
Auf der Septembertagung ber Kommision I hatte der deutsche Delegierte Graf B e r n ft o r f f I im Auftrage ber Reichsregierung ben Antrag ge- I stellt, die Arbeiten ber Vorbereitenden Kommission I zum Abschluß zu bringen und einen endgültigen I Termin für den Zusammentritt ber internationalen I Abrüstungskommission zu bestimmen. Dieser deut- I sche Antrag setzte bie Delegierten der anderen Mächte in große Verlegenheit. Es war nicht abzuleugnen, baß die deutsche Forderung fachlich berechtigt war. Denn die Vorbereitende Kommission, bie feit nahezu brei Jahren vergeblich bemüht gewesen ist, einen praktischen Weg zur Durchführung ber Abrüstung zu weisen, kann auch in ber nächsten Zukunft keinerlei Gewähr bafür bieten, baß sie die Fähigkeit dazu besäße, in den nächsten fünf Jahren überhaupt ein Programm zur allgemeinen Abrü- i ftung aufzustellen. Trotzdem wurde der deutsche Antrag auf sofortige Festsetzung eines Termin? zur Einberufung ber endgültigen internationalen Abrüstungskonferenz abgelehnt.
5n erster Linie war es damals der Deleg-erte Englands, Lord Cushendun, der den deutschen Antrag nachdrücklichst bekämpfte Obwohl Frankreich besonders daran interessiert mar, den Ziftam- I mentritt der endgültigen Konferenz hinauszuschic- ben, nahm der Vertreter ber enalifchen Regierung den Franzosen bie unangenehme Aufgabe ob, gegen ben beutschen Antrag Stellung zu nehmen. Schließlich mürbe von ben Vertretern ber Hauptmächte ber Vorschlag gemacht, bie vordereitenbe Abrüstunzs- kommission zu Beginn bes Jahres 1929 erneut zu- iammenzuberufen. Dieser Antrag mürbe auch angenommen.
Der Vorsitzenbe ber Abrüstungskommission hat nun angetünbigt, daß bie Verhandlungen ber Kommission am 15. April wieder aufgenommen werden sollen. Ist es schon bemerkenswert, was die Zeitbestimmung „zu Beginn des Jahres" ausgelegt worden ist, so geht aus der Verlautbarung ber zuständigen Stellen noch weiter hervor, daß auch diese Tagung dazu dienen soll, die bisherigen Verhnnd- lungsmethoden fortzufetzen und einer klaren Entscheidung über die Einberufung einer endgültigen internationalen Abrüstungskonferenz auszuweichen. Diese Tendenz widerspricht dem Verlangen der deutfchen Regierung, eine beschleunigte Entscheidung über bie Lösung des Abrüstungsproblems herbeizuführen Sie zeigt mit aller Deutlichkeit, baß garnicht bie Absicht besteht, bie AbrüstiMgsver- handlungen vorwärts zu bringen. Wenn bte Ver- handlungen im Avril ben „üblichen Verlau nehmen, so ist mit Sicherheit anzunehmen, baß auch tn diesem Jahre keine Entscheidung über ben Termin der internationalen Abrüstungskonferenz .allen wirb. Es wird Aufgabe der deutschen Regierung fein, gegen diese Verhandlungsmethode in ber schärfsten Form Stellung zu nehmen.
* Reichspräsident von Hindenburg nahm am Montag ben Vortrag des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft, Dietrich, entgegen und empfing ferner den deutfchen Gesandten in Kopenhagen, Hassel.