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Religion

Krieg und Friede.

Kardinal Erzbischof Faulhaber hat Heuer seiner Silvesterpredigt den Gedan­ken des Völkerfriedens zugrundegelegt. Wir geben aus dec Predigt, von der der Kardinal selbst sagte, daß sie „ihre Nachspiele haben", werde, die Haupt­sächlichsten Stellen.

Eingangs verwies der Kardinal auf zwei hoch­ragende Tatsachen des Jahres 1928: Den Abschluß, des K e l l o g g - P a k t e s am 27. August in Pa­ris und die Enthüllung des Denkmals Bene­dikts XV. am 22. November in Rom. Ist der Kellogg-Pakt ein Völkervertrag des Friedens, io ist das Denkmal Benedikts ein Denkmal des Frie­dens. In der Mitte des Bildes kniet "5er Papst in tiefem Gebete um den Völkerfrieden in den Kriegsjahren seines Pontifikates. Beinahe hätte auch' in das heurige Weihnachtsfest der Waffen­lärm von Südamerika hineingeklungen. Es wird immer wieder blutige Zusammenstöße unter den Völkern geben. Diese Kriege müssen aber immer seltener werden und am Ende ganz aushören. Je­der Krieg, auch der notwendigste und gerechteste, ist eine Wunde der christlichen Weltordnung. Die Kirche betet um den Frieden und müht sich um den Frieden. Wieviele Blutopfer wären erspart geblie­ben, wenn der Versuch des Papstes, den Weltkrieg als Mittler des Friedens abzukürzen, Erfolg ge­habt hätte! Noch vor wenigen Wochen hat der Heilige Vater feine Stimme erhoben, um den blu­tigen' Waffengang zwischen Bolivia und Paraguay aufzuhalten. Auf dem Friedenskongreß in London rief ein Andersgläubiger in die Versammlung hin­ein: Nennen Sie mir einen Menschen, der so viel für den Frieden getan hat wie der Papst!

Der Kardinal erörterte sodann die Grundsätze der christlichen Sittenlehre über Krieg und Frie­den:

1. Jeder Krieg ist ein Unglück ,aber nicht ftder Krieg ist ein Unrecht. Wir können nicht im voraus jeden Krieg absolut verdammen und ei­nen Massenmörder schelten und dem christlichen Soldaten sagen: Du mußt den Kriegsdienst verwei­gern. Ein Krieg kann eine gerechte Ursache haben, und er hat sie, wenn er nicht aus Ländersucht, Ruhmsucht oder Rachsucht, sondern zur Abwehr eines Unrechts unternommen wird. Die staatliche Gemeinschaft hat Rechte und wer Rechte bat, hat auch das Recht sie zu verteidigen. 2. Aber vor je­dem Krieg muß alles versucht werden den Streit­fall friedlich beizulegen und das Unrecht auf fried­lichem Wege gutzumachen. Zuerst müssen olle Mittel zu friedlichem Ausgleich erschöpft sein. K.mt hat in seinem Buch „Vom ewigen Frieden" ran einem Schiedsgericht unter den Völkern gesprochen und heute sind die Augen auf den Völkerbund ge­richtet, der für die Streitfälle der Völker den ß-chiedsrichter machen soll. Die Zukunft muß leh­ren, ob er Ansehen genug hat, seinen Schiedsspruch durchzusetzen, ohne den überweltlichen Schiedsrich­ter des Propheten Jsaias anzurufen. 3. Die Art und Weise der Kriegführung darf nicht «'ne unmenschliche Gestalt annehmen. Wenn e§ technisch möglich ist, ganze Länderstrecken in Wüsten zu verwandeln und alle Kulturwerke zu vernichten, oder wenn der Giftgaskrieg der Zu­kunft in wenigen Minuten alles Leben einer Großstadt töten kann, dann ist das nicht mehr menschlich. In dem Maße als das ganze Volk künftighin die Schrecken des Krieges viel mehr am eigenen Leibe erleben wird, in dem Maße ist auch das Volk im Volksstaat berufen in der entscheiden- ll-n Stunde über Krieg und Frieden mitzureden. 4, Die Wunden des Krieges werden 'mmer schmerzlich sein, auch für den Sieger. Die Ver­wüstungen am Volkskörper und im Volksleben dür­fen aber nicht einen Umfang annehmen, der mit dem abzuwehrenden Unrecht in keinem Verhältnis mehr steht. Die christliche Sittenlehre wird sich die Frage vorlegen müssen, ob es naturrechtl'ch und nach dem 4. Gebot gestattet sei, die Familie n- väter in solcher Zahl wie im letzten Kriege ihren Familien zu entreißen, oder aus der gleichen Fa­milie alle männlichen Personen in den Krieg zu zwingen. Nach der sittlichen Ordnung des 4. Ge­botes, das auch die Lieb« zum Vaterlande trägt, gehört der Familienvater zuerst seiner Familie und dann erst dem Vaterland, soweit er nicht beruflich im Wehrdienste steht. 5. Die Lasten des Krieges müssen möglichst gleichmäßig auf alle Volksschich- ten verteilt werden. Der Staat soll nicht bloß seine Rechte gegenüber den Bürgern geltend machen, er "uch seine Pflichten gegenüber den Bürgern errüllen und einzelnen Volksschichten die Ueber- smten vergüten, wie den Eltern, die den Ernährer rdres Alters verloren haben.

Die F r i e d e n s b ew e g u n g ist im Wach- ^n. In manchen Kreisen gehört freilich viel Mut dazu, für den Völkerfrieden einzutreten. Die Zei- ^eenl können.viel für den Frieden tun, aber auch u.tser Erziehungswesen wird sich mehr und mehr auf den rfriedensgedanken umstellen. Die Klemen w^denmchi mehr so viel Soldaten spie- Geschichtsunterricht wird nicht mehr den Eindruck machen, als ob die Weltgeschichte nichts als Kriege und schlachten und Feldherren kenne. In den Wohnungen werden mehr und mehr die al­ten Schlachtenbilder verschwinden. Mit der 3eit werden die waffenklirrenden geschmacklosen Kriegs- lieder durch neue friedliche Volkslieder abqelöit. Ein Großteil der Jugend ist vom Friedensge­danken stark erfaßt. Ihr habt gehört: Es ist süß und ehrenvoll für das Vaterland zu sterben. Ich aber sage euch: Es ist süß und ehrenvoll für das Vaterland zu leben. Die hei­lige Flamme glüht nicht bloß, wenn Schwerter ge­schmiedet werden, sie glüht auch, wenn Schwerter in Pflugscharen und Werkzeuge der Kultur umgr- arbeitet werden. Freilich ist zwischen Friedens­freund und Friedensfreund ein großer Unterschied: Die einen rufen nach dem Völkerfrieden weil sie ihr Vaterland hassen, die anderen rufen nach dem Frieden, weil sie ihr Vaterland lieben. Wir Zeit­genossen des Weltkrieges sind doppelt verpflichtet die Gesinnung des Friedens zu pflegen. Wer aber für den Völkerfrieden die Stimme erhebt, muß we­nigstens gleichzeitig für den Burgfrieden

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und Leben der Gegenwart.

des eigenen Volkes tätig sein, daran Mit­arbeiten, den Klassenkämpfen und Bruderkriegen innerhalb des eigenen Volkes ein Ende zu machen oder mindestens die öffentliche Auseinandersetzung auf einen besseren Ton zu bringen. Laßt uns vor allem im eigenen Volke die Schwerter in Werk­zeuge des Friedens umschmieden und das Kriegs­beil begraben.

• Der Kardinal behandelte dann noch kurz das Thema vom häuslichen Frieden und vom Seelenfrieden des Einzelnen, wobei er be­merkte: Eines aber bleibt Widerspruch und Sunde: Gegen den Massenmord des Krieges das 5. Ge­bot anrufen und dabei den Kiiidermord der ent­weihten Ehe entschuldigen zu wollen, jenen senmvrd eines verkommenen Geschlechts, dessen Totentafeln größer sind als die Totenlisle de- Welt- krieges. ,

Probleme der Liebe.

Don Dr. Rosmorie Gaßner.

Die Liebe ist Königin aller Tugenden. Sie ist die innere Schönheit der Braut und Mutter, die Lieblichkeit des Kindes: sie ist der Reichtum jeder Menschenseele.

Schon die natürliche Liebe bringt einen Schim­mer der Ewigkeit. Dort findet jedes Gutsein seine Vollendung im Urquell aller Vollkommenheit; von ihm geht alle Bewegung der Liebe aus wie ein ewiges Gesetz. Liebe ist Bewegung, ist ein Jnein- anderströmen von Kräften, von Gaben, von Fähig­keiten; ist ein Sichfinden von Getrennten ist ein gemeinsames Wohnen in einer Heimat» in Gott, dem Meer der Liebe. Und alle Liebe, auch die natürliche, ist hingeordnet auf das Meer der Liebe, auf Gott. Wie die Bächlein, die von den Bergen springen und kaum wissen, wohin sie es drängt, und die dennoch mit unwiderstehlicher Gewalt dem Meer zueilen.

In dieser Sehnsucht nach Gott wandelt die Liebe das Herz um und läßt es nie satt werden und nie erstarren. So ist fie die fruchtbarste Kraft in jedem Menschenleben. Wer sich von ihr beherrschen laßt, wirkt Rosenwunder der Gnade. Das hohe Lied der Liebe ist noch nie verstummt und bricht immer von neuem auf in den Menschen, sooft sie in sich selber die Kraft der Liebe gewahr werden.

Die Geschichte kennt unzählige Taten der Liebe, in denen sie ausströmte auf ganze Länder und Völ­ker. Und alle diese Taten haben ihren Anfang im Gebote, das die ewige Liebe dem Menschen gab: Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben aus deinem ganzen Herzen, aus deiner ganzen Seele, aus dei­nem ganzen Gemüte und aus allen deinen Kräften — und deinen Nächsten wie dich selbst.

O, dieses selige: Du sollst den Nächsten lieben wie dich selbst! Wie beglückend ist das für ein Herz, das liebt! Ich darf nicht nur, ich m u ß meinen Nächsten lieben w i e rn i ch s e l b st. Die Eigenliebe ist wahrlich ein kleines Maß, es umschließt die ganze Fülle der Güte und der Geduld, der Bereit­heit und der Freudigkeit. Das Gebet der Liebe ist io naturhaft und sicher gegeben, daß es alle Rätsel der Liebe lösen fönnM Und doch kann es Stunden geben, in denen wir uns ratlos fragen: Was soll ich mit all meiner Liebe tun? Ich möchte sie ver- schwenden und stoße auf Felsen, ich möchte sie offen­baren und darf nicht — aus Klugheit. Und wieder kommen Stunden, in denen die größte Liebe zu erstarren droht im Eismeer fremder Gesinnung. Dann klingt jeder schöne Lobspruch auf die Liebe fast wie ein Hohn und wir denken uns in Bitter­keit: lieber die Liebe tönende Worte zu sagen ist leicht, jedoch Liebe zu üben in allen Lagen, gegen alle Menschen, ist eine Kunst.

Woher kommen diese Schwierigkeiten? Aus der Schülerhaftigkeit unserer Liebe; wir sind unsicher, weil wir die Liebe in uns erst mühsam ausgestalten müssen.

Schüler zu sein ist schön, solange wir Hoffnung haben auf die Lösung unserer Fragen. Und — Schüler der Liebe zu sein ist größtes Glück. Alle Probleme, die uns im Leben entgegentreten, sind nicht nur Hemmung, sondern wertvolle Spannung, die sich in Kraft umwandeln im Augenblick der Lö­sung. So wollen wir die Schwierigkeiten, die der Liebe begegnen, aufrollen und ihnen ruhig ins Auge sehen. Wir wollen uns fragen, wie man ge­gen einen unwahren Charakter überhaupt noch lieb sein könne; ober wie man es hindern könnte, daß Güte ausgenützt wird; ober — wie man seine allzu leidenschaftliche Liebe beruhigen könnte.

Wir wollen der Güte gedanklich nachgehen in alle Schlupfwinkel menschlicher Schwäche. — Wie sie auch dort noch zu siegen vermag; nicht über den Nächsten, sondern über uns selber, über unsere eigene Härte. Wir wissen: damit ist nicht alles ge­tan. Den Kampf bestehen müssen wir selber in tapferem Ueberroinben. Aber erkennen bürfen: es gibt einen Sieg, wenn er uns bisher auch noch so oft versagt geblieben, bas stärkt unseren Willen und unsere Siegeskraft.

Die Probleme der Liebe sind so alt wie bas Ge­bot ber Liebe an bis sünbige Menschheit. Unb im­mer schon haben bie Menschen bie Verlegenheits­frage auf ber Zunge: „Wer ist mein Nächster? Was soll ich ihm tun?"

So fragen nun auch wir uns in ernstem Sinnen.

• („Sonnenland" Tyrolia, Innsbruck.)

Der Katholizismus in Holland.

Ein Professor der katholischen Universität von Nnrnwegen hat soeben bie Ergebnisse eines ein- gehenben Studiums des Standes der Priesterbe­rufungen in Holland innerhalb der letzten 50 Jahre bekannt gegeben. Diese Ergebnisse laufen außerordentlich günstig, besonders was die Or­densgesellschaften betrifft. Weiterhin wurde fest- gestellt, daß bie katholische Bevölkerung sich in die­sem Zeitraum verdoppelt hat. Sie zählt im Augen­blick 2% Millionen. Sie nimmt bedeutend schnel­ler zu wie die gesamte übrige Bevölkerung. Die Konversionen spielen hierbei nicht eine so bedeu­tende Rolle wie in andern Ländern. Die Exer- zitienbewegung hat überraschende Fortschritte ge­macht, besonders unter den Männern. Holland hat im Verhältnis zu ber Zahl feiner Katholiken mehr Missionare als jedes andere Land. In bezug auf die Konfession teilt sich Holland in zwei scharf obgegrenzte Teile. Der Süden, einschließlich Nord­brabant und Limburg, ist überwiegend katholisch, der Norden überwiegend protestantisch; obgleich es auch hier rein katholische Gebiete gibt. Jrn Sü­den aber ist der Katholizismus so vorherrschend wie in Belgien. Bois-le-Duc ist ebenso katholisch wie

Gent und Mecheln und besitzt eine Kathedrale, die die schönste Kirche der ganzen Niederlande ist. Der Jansenismus, der einst die katholische Kirche in Holland bedrohte, schwindet zusehends unb zählt wenig mehr als 10 000 Anhänger mit brei Bischö­fen und ungefähr 30 Priestern.

Der Eucharistische Kongreß in Karthago.

Auf seiner letzten Tagung in Paris hat der ständige Ausschuß für internationale Eucharistische Kongresse beschlossen, daß tragbare Hütten unb „fliegende Hotels" für die Kongreßteilnehmer be- reitgeftellt werden. Die Hütten werden in dem Gelände zwischen Karthago und Tunis ausgestellt werden; die Dampfer ber verschiedenen Schissahrts- gesellschasten werden in La (Soulette, dem Hafen von Tunis, vor Anker gehen, und denjenigen, die auf dem Festland nicht unterkommen, Herberge bieten. Der Hauptteil der Vorträge und religiö­sen Zeremonien wird in Tunis abgehalten werden, das nur wenige Meilen von Karthago entfernt liegt. Karthago selbst bietet zu wenig Raum dafür. Hier werben nur die Festlichkeiten des Schlußtages statt­finden, einschließlich der großen Sakramentsprozes­sion. Tunis, das 180 000 Einwohner zählt, besitzt mehrer« katholische Kirchen und ander« große Ge­bäude, bie sich zum Abhalten ber Sitzungen eig­nen. Die Cisenbahngesellschaften haben sich bereit erklärt, Extrazüge zur Verfügung zu stellen. Der Kongreß wird mit dem 1500. Todestag des H l. Ä u g u st i n u s, des Apostels von Afrika, zu­sammenfallen. Als Hauptthema der Konferenzen wurde darum aewählt: „Der Hl. Augustinus und die Hl. Eucharistie." Ganz Algerien wie Marokko treffen bereits Vorbereitungen für beit Kongreß. Von feiten sämtlicher Zivilbehörden ist ber Aus­schuß der bereitwilligsten unb tätigsten Mitarbeit sicher. Der Bey von Tunis, der Regent des un­ter französischer Schutzherrschaft stehenden Gebie­tes, zeigt, obgleich er Muselman ist, aufrichtiges Interesse für das bevorstehende Ereignis. Sämt­liche muselmanischen Behörden kommen dem Erz­bischof von Karthago und dem katholischen Klerus mit größter Hochachtung entgegen. Es waren bie oberen Gesellschaftsklassen ber Muselmanen, die vor kurzem an Mgr. Semaitre bas Gesuch richte­ten, die Zahl der katholischen Schulen zu vermeh­ren. Zwei Enkel des Beys und 36 Prinzessinnen aus königlichem Geschlecht sind Schüler kaffolischer Schulen._____________

Faschismus und Religion.

Beträchtliches Aufsehen erregt in Italien ein Artikel des vatikanischen „Osservatore Romano , der dem italienischen Faschismus vorwirft, daß er ein ganzes System einer Theologie unb Liturgie des faschistischen „Ritus" ausarbeite und immer mehr zur „politischen Religion" a u s - arte. Das Blatt zeigt, wie ber Faschismus von „Heilige Stätten" des Vaterlandes, vom „göttli­chen Italien", von „Votivlamven mit rituellen Ge­bräuchen", vo n„geheiligten Märtyrern ber faschi­stischen Sache" spreche unb schreibe und daß er sich sogar römisch-katholischer Schriftsprüche, ja solcher des Papsttums bediene, um wie eine Religion zu erscheinen. Auf den italienischm Münzen sei näm­lich jetzt der Spruch ber Päpste als „Schlachtruf" angebracht worben: „Non praevaledunt". (Das heißt: Die Pforten der Hölle werben sie nicht über­wältigen.)

Es ist neu ; norgefchrieben worden, daß den Insignien -schismus die gleichen Ehrenbezeugunc liefen werden wie dem S a n k t i f f i mu s der katholischen Kirche. Aber alles, was derart als Nachäffung der Religion gebraucht werde, sei schlimmer als bas Heidentum früherer Zeiten, weil eine „Vergöttlichung des Menschen unb des Staates" dahinter stecke. Ge­rade das letztere Argument hat begreiflicherweise in faschistischen Kreisen Aufsehen erregt.

6us den Missionen.

Weihe des neuen Erzbischofs von Bombay.

Der neue Erzbischof von Bombay, Msgr. Joa­chim Rodriguez Lima S. I., wurde am 2. Dezem­ber von Kardinal (Sranito bi Belmont« in „Al Gesu" in Rom unter Assistenz des Erzbischofs Marchetti und des Bischofs d'Herbigny geweiht. Unter den anwesenden Laien bemerkte man den englischen und portugiesischen Gesandten. Der neu- geweiht« Erzbischof ist am Weihnachtsabend in Bombay eingetroffen.

Die katholische Aktion ber Antillen.

Aus Port d'Espagne (Trinibab) wirb gemel­det: Zum zweiten Male schon hat bie Katholische Aktion auf Trinibab bie gesetzliche Freigabe der Ehescheidung verhindert. Klerus und Laien orga­nisierten unter Führung des Erzbischofs Migr. Dowling O. P. einen energischen Widerstand, den bie öffentliche Meinung ber Anglikaner und Pres­byterianer unterstützte. Die Regierung mußt« den Gesetzentwurf zurücknehmen. Das war vor zwei Jahren. In diesem Jahr wurde ein anderer Ver­such gemacht, das Gesetz durchzubringen, der in ber ersten Session angenommen wurde, in der zweiten aber ber Ablehnung verfiel. Mit den fünf Katho­liken stimmten von 22 Abgeordneten noch sechs ge­gen die Ehescheidung.

Die Franziskaner in Bolivien.

Aus La P a z (Bolivien) kommt folgende Nach­richt: Das zivilisatorische Werk der katholischen Missionare (seit einem Jahrhundert Franziskaner) unter den (Eingeborenen, die die Hälfte der Bevöl­kerung Boliviens ausmachen, wurde von ber Re­gierung im eben veröffentlichten Bericht des Ko- lonialministers anerkannt: „Man hat stets bie Setboerteugnung der Franziskanermissionare in Bo­livien als mächtigen Faktor der Kolonisation aner­kannt. Seit einer guten Reihe von Jahren bedient sich ihrer die Regierung ber Republik als wirksa­men Mittels, um die Eingeborenen zum zivilisier­ten Leben zu erziehen. In der Vergangenheit geht bie apostolische Arbeit der Franziskaner bis in die ersten Zeiten ber Kolonisation zurück, und das Kol­leg zur Glaubensoerbreitung wurde im Jahre 1755 zu Tarifa gegründet. Dieses Institut hat der Zivilisation wichtige Dienste geleistet und so die be­trächtliche Arbeit der Jesuiten fortgeführt." Der Bericht gibt dann «ine Uebersicht der hauptsächlich­sten von den Franziskanern unternommenen Werke unb erwähnt bann besonders diejenigen zi­

vilisatorischen Charakters. „Die Dörfer von Tu- mupasa Jxiarnas, St. Jose de Chupiamonas und St. Bonaventura, die einst blühten, leben heute in höchster Armut durch Mangel an Arbeit und In- dustrien in ihrer Gegend. Sie produzieren Kakao, Kaffee, Reis, Mais, Manbioka. Die Missionare bemühen sich, diese Früchte in den Städten des In- nern zum Nutzen der Bevölkerung zu verkauten. Alle diese Missionen besitzen Elementarschulen. Die Missionen von Covends und St. Anna beginnen mit Viehzucht. Die Missionen von Gaoinas liefern Personal für das Marinearsenal von Riberalta. In der unter der Kautschuk-Absatzkrise leidenden Bevölkerung des Gebietes von Covinas begegnen die Missionare ber Not durch Einführung der Baumwollpflanzung." Der Bericht schließt: „Die Kollegien von La Paz, Tanja, Potosi und Taratr geben einen Beweis einer musterhaften Seldstver- leugnung und zeigen klar ihren zivilisatorifchsi, Einfluß." _______________________

Ein Ruf aus Indien.

Aus Kalkutta wird ber Kathol. Korrespow denz geschrieben: ..

In einem interessanten Artikel „Em proteftanh scher Franziskanerorben", ber im „Guardian von Kalkutta erschien, wirbt ein Fräulein Dr. Anna Bramsen für einen britten Drben vom hI Franz in ber prote st antischen Km ch« I n b ie n s. Solche Drben sinb nach ihr in Frank­reich unb Deutschland gegründet worden, (etc meint bie hochkirchlichen Drben. Reb.) Sie Mit­glieder dürften frei ihren Berufen nachgehen, ohne ihre Familie verlasfen zu müssen. „In einem Lande wie Indien, wo die religiöse Grundhaltung viel- leicht geschätzt und geehrt ist, wie sonst nirgends in Europa, muß man erwarten, baß bas franziska­nische Lebensibeal sich schnell ausbreitet. Nieman- wird zweifeln an der mächtigen Anziehungskraft, bie eine Gestalt wie bie bes hl. Franz auf bas mo­derne Indien ausüben wird. Es ist leicht, sich den Eindruck vorzustellen, den sie auf bie Dorfbewohner haben würbe. Ebensosehr würbe sie bie,Aufmerk­samkeit ber Stubierenben in unseren Universitäten auf sich ziehen. Alle Klassen würden den hl. Franz lieben und bewundern, eine große Zahl sogar zu seinen Schülern sich gesellen."

Der „Catholic Leader" von Madras bemerkt zu diesem Artikel: „Der Geist, ber ben hl. Franz so sehr charakterisierte, b. h. eine alles umfassende Liebe bie Armut, bie vollkommene Loslösung von der Welt, wirb stark bas religiöse Temperament ber indischen Bevölkerung anziehen. Zweifelhaft erscheint allerdings, ob bie Protestanten imstande sind, dieses Ideal zu verwirklichen. Der hl. Franz war kein Protestant, sondern ein heiliger Katholik. Der erste Schritt, ben er tat, war ber Weg zum Heil. Vater nach Rom, um besten Erlaubnis zu sei­nem Lebenssystem zu erlangen."

Den Protestanten selbst wirb biese Anrufung des hl. Franz zum Patron allerbings weniger fremd­artig sein, weil sie bie katholische Vergangenheit bis zur Reformation als gemeinsames Erbguts beider Konfessionen betrachten und dabei die Religion überhaupt stark unter entwickelungsgeschichilichem, nicht dogmatischem Gesichtspunkt stehen.

Tagessprüche.

Mach dir klare Augen eigen, alles wird sic!) b-rrllä. zeigen. (Feuchtersieb«-!.)

Wenn einig Herz und Hände: Welch Frühling ohne

Ende hebt da zum Blühen an! (Reineck.)

Erholung reicht dem Müden jede Nacht genug, des echten Mannes wahre Feier ist die Tat! (Goethe.)

Sehnsucht nach dem Besten veredelt die Seele unauf- hörlich. (Lavater.)

Den Zufall gibt die Borsehung — zum Zwecke muß ihn der Mensch gestalten. (Schiller.)

Leichtsinn ist die erste Quelle jedes Unglücks, das uns droht. (Spiegel)

Erziehung einst und — jetzt.

Von Joseph Albert Geiger-Laimnau bei Tettnang.

Einer der mächtigsten Faktoren in der Jugenderzieh­ung ist die G e w ö h n u n g. Jeder Vater und jede Mut­ter können tausendfach beobachten, wie die Kinder ihr« Umgebung nachahmen. Erliegt doch auch der Erwachsen« sobald er dem starken Einfluß eines neugearteten Milieu­unterworfen ist, diesem starken Nachahmungstrieb in den meisten Fällen. Wie schnell ändern sich doch z. B. Sprache, Gewohnheiten und Sitten bei denen, die eine zeitlang der Heimat fern gewesen sind

Früher blieb das Kind säst regelmäßig im Bannkreis der Familie. Der kleine Knabe ahmte schon den Berus des Vaters nach, die kleine Tochter übte sich im häusli- chen Wirkungskreis der Mutter. Vater und Mutter wa­ren die einflußreichsten Faktoren in der individuellen Entwicklung des Kindes, zumal es Sitte war im elter- lichen Geschäftsbetriebe für die UebernahmF des Geschäf­tes sorgfältig von den Eltern vorgeschult zu werden. Di- Summe der Lebens- und Geschäftserfahrungen wurden so gleichsam als Familienerbe auf die Kinder übertragen, die dieses reiche Erbe wohl zu schätzen wußten. Heute sind die meisten Eltern unselbständiger Lohnarbeit un- terworfen. Der Mann und die Frau muß hinaus in das Leben, und auf diese Tatsache muß auch unsere heutige Erziehung Rücksicht nehmen. Es genügt heute nicht mehr, wenn das Kind sich an die Art seines engsten Kreises ge- wähnt. Die ethisch wertvollen Motive einer streng häus- lichen Erziehung find im Großbetrieb unseres Ledens meist verloren gegangen, da sich die Eltern mit der Er­ziehung ihrer Kinder oft einfach nicht mehr abgeben kön­nen, bezw. nicht mehr die Zeit haben es so zu tun, wi­es eigentlich nötig wäre. Manche Mutter muß heute ihre Kinder fremden Leuten in Pflege geben,, da fie aus wirtschaftlichen Gründen gezwungen ist, tagsüber, oft bis in die Nacht hinein zu arbeiten. Die wenigen arbeits­freien Stunden sind notwendig zur Erneuerung der gei­stigen und körperlichen Kräfte und zur notdürftigen Ord­nung des Haushaltes. Ja die „Arbeitssklaverei" über­trägt sich vielerorts in Form der Heimarbeit auf die Heranwachsenden Kinder, die unter der stetig steigenden Nervosität der Zeit ohnehin früh zu leiden haben. Ist es doch eine von allen Aerzten anerkannte Tatsache, daß heute schon viele Kinder geboren werden, denen n e r- oöfe Erschöpfung usw. schon im Mutterleibe ver­erbt wurde.

Sv ist die Erziehung mit der sich steigernden Mechani­sierung und Intensivierung unseres Wirtschaftslebens zu einer pathologischen Frage der Zeit geworden. Das tra­ditionelle Moment auf dem Gebiete der Bildung und Er­ziehung ist mehr und mehr verloren gegangen, zuma sich auch noch die intellektuell eingestellten Vertreter offi­zieller Erziehungstätigkeit gegen das Alte, vielseitig Er­probte oft geradezu einseitig verschworen haben.